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Sonntag, 19. April 2015

Rocky III - Rocky III: Das Auge des Tigers (1982)

http://www.imdb.com/title/tt0084602/

Mit seinem Sieg über den Champion Apollo Creed (Carl Weathers) ist der Traum des ehemalige Underdogs Rocky Balboa (Sylvester Stallone) endlich in Erfüllung gegangen, Weltmeister im Schwergewicht zu werden. Zehn Mal kann er anschließend seinen Titel verteidigen. Während Rocky seinen Ruhm genießt und sich an den neuen, luxuriösen Lebensstil gewöhnt, rückt der Newcomer Clubber Lang (Mr. T) in der Weltrangliste immer weiter nach oben und pocht auf einen Kampf gegen den neuen Superstar Rocky. Der will sich eigentlich zur Ruhe setzen, doch als Lang ihn bei der Enthüllung seiner Gedenkstatue vor dem Kunstmuseum in Philadelphia beleidigt, nimmt er die Herausforderung schließlich an. Sein Coach Mickey (Burgess Meredith) will den Kampf verhindern, denn er fürchtet, dass Rocky dem Neuling nicht gewachsen ist. Gegen den Willen seines herzkranken Trainers steigt "The Italian Stallion" in den Ring und verliert nicht nur den Kampf. Während der Veranstaltung erleidet Mickey einen Herzanfall und stirbt. Apollo Creed bietet sich an, Rocky wieder auf die Beine zu helfen und für einen Rückkampf zu trainieren. Nach anfänglichem Zögern sagt der entthronte Champion zu...

Und hier der Gong zur dritten Runde. Waren "Rocky" und "Rocky II" noch hervorragende Dramen beginnt mit mit "Rocky III" der unübersehbare Übergang zu einem rein an Action orientierten Sportfilm. Und damit muss man die Saga nun völlig anders betrachten. Stallone möchte kein großes Drama erzählen sondern einfach nur einen spaßigen Actionstreifen abliefern.


Die Inszenierung von "Rocky III" ist auch sehr solide und macht visuell im Stile der 80er Jahre einigen Spaß. Stallone wusste genau was er zu machen hat denn er fährt genau das auf was man schon in den beiden Vorgängern in anderer Variation zu Gesicht bekam. Es sind Momente die einen noch immer gefangen nehmen, wie zum Beispiel die interessanten, wenngleichetwas seltsam anmutenden Trainingszenen oder die Beziehung zwischen Rocky und Adrien. Die Boxszenen hingegen sind nun total überladene Actionszenen, die es so nicht geben kann.

Mr. T als Gegenspieler Clubber Lang prügelt wie ein Dampfhammer auf Rocky ein, aber der ist davon völlig unbeeindruckt. Runden sind teilweise 5 Minuten lang und der Höhepunkt wirkt - gerade wegen der Vorgeschichte - einfach nur  völlig lächerlich. Positiv hervorzuheben ist dennoch (und einmal mehr) der wirklich gute Soundtrack. Der mit "Eye Of The Tiger" zudem einen der besten (und passendsten) Filmsongs aller Zeiten zu bieten hat.

Schauspielerisch gibt es hier nichts Neues zu bieten. Stallone legt fast alle Charakterzüge Rocky's ab und macht aus ihm ein 08/15-Actionhelden. Selbst die schlechten Witze, die ihn in den beiden Vorgängern noch so menschennah und damit sympathisch machten, erzählt er nicht mal mehr. Die Nebendarsteller geben mit Ausnahme des völlig überzogenen Mr. T in seiner ersten Rolle keinen Anlass zur Klage und wirken solide. Einzig Carl Wheathers schafft es wieder seinen Apollo Creed Dimension zu verleihen. Der dritte Teil der Rocky Saga ist also kein Drama mehr, sondern eben ein nett inszenierter Actionfilm. Und wer ihn auch als solchen sieht wird mit "Rocky III: Das Auge des Tigers" seine Freude haben.

7/10

Quellen
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: United Artists

Freitag, 15. Mai 2015

Rocky Balboa (2006)

http://www.imdb.com/title/tt0479143/

Der ehemalige Schwergewichts-Boxweltmeister Rocky Balboa (Sylvester Stallone) hat sich schon lange aus dem Ring verabschiedet. Seine boxerischen Heldentaten von einst dienen heute vor allem der Unterhaltung seiner Gäste, die er in einem kleinen italienischen Restaurant bewirtet. Rocky ist immer noch eine Legende, die geachtet wird. Das führt dazu, dass sich die Beziehung zu seinem Sohn Rocky Jr. (Milo Ventimiglia), der als Banker in der Innenstadt arbeitet, schwierig gestaltet. Immer noch wirft Rocky einen großen Schatten, der seinem Sohn zu schaffen macht. Rocky trauert fortwährend um seine Frau Adrian (Talia Shire), die an Krebs verstorben ist. Langsam nähert er sich jedoch der Kellnerin Marie (Geraldine Hughes), die er von früher kennt. Der Boxsport steckt dagegen in der Krise. Der unbesiegte Schwergewichts-Weltmeister Mason Dixon (Antonio Tarver) hat sich quasi zu Tode gesiegt, das Publikum wendet sich gegen ihn, weil er keine Konkurrenz mehr hat. Nach einem virtuellen Kampf eines Sportkanals, aus dem der junge Rocky Balboa als Sieger über Mason Dixon hervorgeht, nimmt die Diskussion um die Stärken beider Boxer eine ungeheure Dynamik an. Rocky lässt sich zu einem Schaukampf gegen den amtierenden Weltmeister überreden...

Definitiv ein würdiger Abschluss der Reihe. Und dieser Film macht alles wieder gut. Es war sicherlich vielen "Rocky"-Fans ein Dorn im Auge, dass ausgerechnet der fünfte und damit der vermeintlich abschließende Teil ziemlich unterdurchsschnittlich war. Irgendwie fehlte ihm fast alles was die vorherigen Teile auszeichnete.

"Rocky Balboa" macht nun wieder alles richtig. Er orientiert sich vor allem am ersten Teil ohne diesen blind zu kopieren. Die zeitlos geniale Musik von Bill Conti, die legendäre Trainingssequenz und natürlich ein spektakulärer Fight, aber auch sehr viele dramatische Elemente... - das alles ist wieder da und auch noch gänzlich, ohne unglaubwürdig zu wirken. Nur Adrian fehlt, aber gerade das verleiht dem Film eine besondere Atmosphäre. Dafür nimmt der Zwist mit Rockys Sohn diesen Platz ein und gibt auch der Figur eine neue Dimension. Boxer. Vater. Legende.


Natürlich ist nicht alles Gold was glänzt, denn im Detail sind Abstriche in der B-Note zu finden. So ist etwa der finale Kampf arg kurz geraten und auch die vormals zu üppigen und faszinierenden Trainigssequenzen sind dem Drama gewichen. Dies ist einerseits nicht schlcht, aber im Augenmerk, dass man hier einen Film namens "Rocky" schaut, hätte eine perspektivische Verschiebung durchaus Sinn ergeben. Auch nimmt man Antonio den unschlagbaren Schwergewichtsboxer nicht ab. Optisch wirkt er (gerade im Vergleich mit Rocky vorigen Gegnern) so als hätte er die Gewichtsklasse gewechselt.

Die Parallelen zwischen dem ersten "Rocky" und "dem hier besprochenen "Rocky Balboa" sind ja nicht nur im Film vorhanden; auch beim Menschen Sylvester Stallone sind sie unübersehbar. Damals war Stallone ein Niemand und hat mit seinem Drehbuch alles auf eine Karte gesetzt und den Durchbruch geschafft. 30 Jahre später schien seine Zeit vorbei er wurde für seine Pläne wegen "Rocky Balboa" belächelt und hat es erneut allen gezeigt und ein eindrucksvolles Comeback hingelegt.

7,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: MGM/United Artists/Sony/Columbia Pictures

Montag, 3. Oktober 2016

Creed - Creed: Rocky's Legacy (2015)

http://www.imdb.com/title/tt3076658/

Der junge Boxer Adonis Johnson (Michael B. Jordan) lernte seinen eigenen Vater, den berühmten Weltmeister im Schwergewicht Apollo Creed, niemals kennen. Adonis, der mit seinem Bürojob nicht warm wird und sein Talent stattdessen in illegalen Kämpfen in Tijuana zeigt, zieht es nach Philadelphia, wo Apollo Creed einst das legendäre Match gegen einen hartgesottenen Neuling namens Rocky Balboa (Sylvester Stallone) bestritt. Es gelingt Adonis, Rocky aufzuspüren und ihn dazu zu bringen, sein Trainer zu werden. Der in die Jahre gekommene Rechtsausleger erkennt in dem jungen Mann die Entschlossenheit und Stärke von dessen Vater, der zunächst ein erbitterter Gegner, dann ein enger Vertrauter Rockys wurde. Adonis trainiert hart und lebt seine weiche Seite mit der neuen Nachbarin aus, der R&B-Sängerin Bianca (Tessa Thompson). Doch reicht seine körperliche, seelische Stärke, um die bisher größte sportliche Herausforderung zu meistern? Es gilt, den amtierenden Boxmeister "Pretty" Ricky Conlan (Tony Bellew) zu schlagen...

Aus dem Thema "Rocky" noch etwas herauszuholen, war sicher keine leichte Aufgabe. Aber Sylvester Stallone hat an der richtigen Stelle investiert und erstmals Story & Drehbuch abgetreten. An Ryan Coogler, der auch Regie führte. Dieser erfand die Story neu und schuf ein durchgängig interessantes Boxer-Opus, das Neues überzeugend mit Altem verknüpft. "Creed" ist damit die nahezu perfekte Weiterführung der "Rocky"-Reihe; im Dauer-Spagat zwischen ständiger Hommage an alte Zeiten (und Teile der Reihe) und überschäumender Energie und Aufbruchsstimmung für einen neuen Kämpfer. "Creed" schreibt sich in die "Rocky"-Reihe ein, ohne gänzlich als ein remake-/rebootartiges Versatzstückzitat in Nostalgie zu versinken.

Sylvester Stallone wirkt erneut sehr sympathisch und zieht sich auf die Rolle des erfahrenen, aber desillusionierten Ratgebers zurück, der zunächst nichts mehr mit dem Boxsport zu tun haben will. Alle seine Freunde sind gestorben, und er fristet allein sein Dasein - es gibt vielleicht nur einen, der ihn aus der Lethargie reissen kann, ein leiblicher Sohn von Apollo Creed, der eines Tages bei Rocky vor der Tür steht und um Betreuung bettelt. In die Story ist auch eine nette Romanze gebettet, die, ähnlich wie im ersten "Rocky" keine leichte Geburt ist, aber für den neuen Champ ein Eckpfeiler seiner Motivation werden soll. Die Boxkämpfe sind stark inszeniert - vor allem der erste Kampf überzeugt durch eine sportlich realistische, mitreissende Darstellung. Mit dieser wohl balancierten Mischung übertrumpft "Creed" sogar den guten Vorgänger "Rocky Balboa", indem er zwar Rocky seinen immer aussichtsloseren Kampf gegen die Zeit und den Verfall weiterführen lässt, aber gleichzeitig dem Zuschauer einen unheimlich hungrig und kraftvoll agierenden Michael B. Jordan präsentiert, der noch nichts erreicht hat und ganz am Anfang seiner Karriere steht (sowohl als Schauspieler als auch im Film als Sohn von Apollo Creed).

Die filmischen Präsentation ist überaus gelungen. Stets wacht hinter dem im Vordergrund wütenden Adonis Creed der alte, meist dunkel gekleidete Rocky, der den Jungen mit all seiner Erfahrung in die richtigen Bahnen lenken will und dabei einige Grenzen setzen muss. Der Auftakt ist gemacht - mit großartigen Trainingsmontagen, einem Stallone, der untrennbar von seiner Filmfigur erscheint und alles in sie hineinlegt, und mit wunderbaren Kameraeinstellungen, die immer darauf bedacht sind, den Alten und den Jungen gemeinsam einzufangen und ihre Verbindung darzustellen. Es ist somit schwer zu begründen, was "Creed" zu einem der besten Teile des "Rocky"-Franchise macht. Über weite Strecken ist der Plot packend und emotional bewegend, manchmal auch unerwartet witzig und schafft es doch wie einst, den Zuschauer mit der Story zu verschmelzen. Mitfühlen, mitleiden - das ist es doch, was man bei einem "Rocky"-Film erleben will.

8/10

Der sechste Teil der "Rocky"-Saga ist exklusiv bei amazon.de auch im Steelbook erschienen.


Quellen
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Warner Bros./MGM/New Line Cinema

Samstag, 1. Juni 2019

Creed II - Creed II: Rocky's Legacy (2018)

https://www.imdb.com/title/tt6343314/

Adonis Creed (Michael B. Jordan) hat es endlich geschafft. Er ist Boxweltmeister im Schwergewicht. Allerdings wird sein Erfolg ein wenig dadurch getrübt, dass er den Titel einem in die Jahre gekommenen Champion abgenommen hat, der seinen boxerischen Zenit zum Zeitpunkt des Matches schon klar überschritten hatte. Diesen Makel will sich nun Ivan Drago (Dolph Lundgren), der vor vielen Jahren Adonis' Vater Apollo Creed in einem Schaukampf durch einen Schlag getötet hat, zunutze machen. Er fordert Adonis in einer eigens einberufenen Pressekonferenz heraus, gegen seinen eigenen Sohn Viktor Drago (Florian Munteanu) in einem Titelmatch anzutreten. Der in seinem Stolz verletzte Adonis kann nicht über seinen Schatten springen und willigt ein. Allerdings ist sein bisheriger Trainer Rocky Balboa (Sylvester Stallone) mit dieser Entscheidung gar nicht einverstanden und weigert sich, seinen Schützling für den wichtigen Kampf zu trainieren. Und als ob das Training ohne Rocky nicht schon hart genug wäre, muss sich Adonis zugleich auch noch um seine schwangere Verlobte Bianca (Tessa Thompson) kümmern, die sich Sorgen darum macht, dass das Baby ihre Gehörlosigkeit erben könnte…

Hätte man 1985 dem Zuschauer erzählt, dass 33 Jahre später die Rivalität zwischen Drago und Rocky auf ausgesprochen stimmungsvolle Weise weitererzählt werden würde, hätte man sich sicher stirnrunzelnd verabschiedet. Aber genau das ist nun passiert. "Creed II" erzählt nicht nur die Geschichte von Apollo Creeds Sohn weiter, sondern auch von "Rocky IV" - und schlägt auf ebenso einfache wie wirkungsvolle Weise eine schöne Brücke zu den alten "Rocky"-Filmen. Er ist sogar noch eine Spur emotionaler als sein Vorgänger "Creed".

Das Drehbuch rund um die neu aufgelegte Konkurrenz zwischen Rocky und Drago ist gut. Hauptcharaktere wie Nebencharaktere sind stets relevant und bekommen genug Screentime. Die charakterlichen Entwicklungen vom ersten Kampf zum zweiten sind super gelungen; die Kämpfe an sich sehr gut durchgescriptet, sodass möglichst viel Drama im Spiel ist. Das Geniale an den neueren "Creed"-Filmen ist jedoch, dass jeder Charakter, ob Antagonist, Protagonist oder bedeutendere Nebenrollen wie Ivan Dragos Exfrau alle wichtiger Bestandteil des Dramas sind. So ist die Geschichte rund um Dragos Familie ebenfalls sehr interessant und rundet den Film schließlich wunderbar ab. Dabei ist das Motiv der Rache sehr wichtig und die übermittelte Nachricht daraus stets präsent.

Der Cast ist passend. Stallone als Rocky nach wie vor meisterlich. Jordan ist in seiner Rolle nun voll angekommen. Thompson kann als Freundin von Adonis weiter überzeugen. Lundgren verkörpert nach wie vor Ivan Drago. Der deutsche Boxer und Schauspieler Florian Munteanu macht seine Sache als Viktor Drago im Ring super, wenn ein wenig Charisma mehr auch nicht geschadet hätte. Schauspielerisch ist Creed II somit auf hohem Niveau.

Das Gleiche kann man auch über die Produktion sagen. Die Bilder wirken stets sehr authentisch, die Kämpfe werden sehr gut eingefangen. An passenden Stellen werden die richtigen nahen Einstellungen und ebenso gute Slow-Mos gewählt. Mit kalten und warmen Farben wird sehr klassisch, aber ebenfalls sehr passend gearbeitet. Zwar werden - wie einst bei "Rocky IV" - auch dieses Mal alte Russland-Klischees bemüht, aber Drago und sein Sohn sind differenzierter dargestellt als die Figur Dragos im Jahr 1985, wobei "Rocky IV" in gewisser Weise eine Sonderstellung in der "Rocky"-Reihe innehat, da der Film mit seinen 90 Minuten Laufzeit schon damals eher ein actionreicher Videoclip war und kaum Raum für seine Figuren bot. Diesen Raum bekommt bei "Creed II" zum Glück das ganze Ensemble, wobei der Spagat gelingt, Stallones Figur einerseits genügend Präsenz zu geben, andererseits aber auch deutlich zu machen, dass die Zukunft einer neuen Generation gehört.

"Creed II" ein sehr unterhaltsamer Film, der neben Gänsehautmomenten tolle Action und ein interessantes Drama über Rache, Einstellung und Familie bietet. Die "Rocky"-Formel funktioniert auch nach fast 45 Jahren genauso gut wie früher. Der nunmehr achte Teil der Reihe erfindet das Boxer-Drama nicht neu und ist in jeder Hinsicht vorhersehbar, macht aber zumindest damit alles richtig und erweist sich so als ein würdiger Nachfolger.

7/10

Quellen
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Warner Bros./MGM/New Line Cinema

Donnerstag, 30. März 2023

Rocky IV: Rocky vs. Drago (Director's Cut) (1985)

https://www.imdb.com/title/tt0089927/

Rocky Balboa (Sylvester Stallone) hat sein großes Ziel erreicht und ist Weltmeister geworden. Nun genießt er seinen Ruhm und die damit verbundenen Annehmlichkeiten. Doch da braut sich etwas aus dem Osten an. Ivan Drago (Dolph Lundgren), eine menschgewordene Maschine aus der Sowjetunion, will Rocky in die Schranken weisen. Er wurde mit neuester Technik trainiert, um aus ihm einen tödlichen Boxer zu machen. Doch dafür muss er erst Rockys guten Freund Apollo (Carl Weathers) besiegen. Und das tut er mit ungeahnter Härte. Apollo stirbt durch die Kraft des Russen im Ring. Und als nächstes fordert er den Champion heraus. Rocky weiß, dass er sich Ivan stellen muss und dass dies sein vermutlich härtester Kampf werden wird. Doch er hat für Apollo Rache geschworen und so beginnt er mit der Vorbereitung, auf einen mörderischen Kampf, der jedem der Gegner alles abverlangt...

Bereits mit der Kinofassung von "Rocky IV" durfte man zufrieden sein. Die Geschichte ist zwar etwas seicht, aber immer noch gut schaubar, wenngleich sie nicht mehr den Tiefgang besitzt, den alle drei vorherigen "Rocky"-Teile, ja, sogar der dritte Teil, besaßen. Der "Director's Cut" macht mit seinen Änderungen natürlich aus dem bekannten Film mit seinem Aufbau, seiner Exposition und seinem Finale keinen anderen Film, aber mit über 250 Änderungen ist es schon beachtlich, was Sylvester Stallone und sein Team bei MGM alles auf dem Boden des Schneideraumes noch finden konnten. Obwohl der Handlungsablauf des Films prinzipiell gleich geblieben ist, hat man sich hier extrem ausgetobt und nicht nur die Tonalität geändert, sondern quasi jede einzelne Szene nochmal angepasst. Es ging ganz offensichtlich darum, sich mehr am ernsten Ton zu orientieren, der sich immerhin durch einen Großteil der Reihe zieht. Auch wurde Filmmusik, Score und sogar Soundeffekte, etwa Schlaggeräusche, angepasst. Während diese in der Kinofassung comichaft wuchtig überzeichnet waren, ist es im Director's Cut wesentlich realistischer und abgemilderter. Obwohl der Film in etwa dieselbe Laufzeit hat, sind es knapp 40 Minuten, die man an neuem, anderen material hier finden kann, meistens beschränkt sich dies jedoch auf kleine Schnipsel.

Sowohl der Kampf von Apollo gegen Ivan als auch das Finale mit Rocky gegen Ivan wurden besonders umfangreich überarbeitet. Dafür ist zwar auch einiges an Bildmaterial herausgeflogen, vor allem überzogene Elemente wurden gestrichen. Beide Kämpfe laufen aber auch in absoluter Laufzeit gleich mehrere Minuten länger. Stallone zelebriert diese Action-Highlights nun förmlich und hat sie zugleich fetziger, aber eben auch ernster inszeniert. Auffällig ist im ersten Kampf vor allem, dass Apollo nun auch deutlich mehr Gegenwehr zeigt, insgesamt also mit etwas mehr Würde in sein Verderben geht. Bei Rocky gegen Ivan wirkt der Ablauf einfach viel flüssiger. Zugleich darf Apollo in zusätzlichen Dialogen aber auch mehr sportliche und persönliche Ambitionen offenbaren, während in der Kinofassung vor allem sein aufgeplustertes Ego und fehlgeleiteter Patriotismus im Vordergrund standen. Schon in der komplett veränderten Intro-Sequenz wird durch mehr Rückblicke auf Teil 3 gezeigt, wie Apollo einen wesentlichen Einfluss auf Rocky hatte. Die zusätzliche Grabrede von Tony Burton gibt auch noch ein bisschen emotionale Einordnung. Im "Making of" kommentiert Stallone, dass ihm Apollos Motivation in der Kinofassung stets als zu künstlich herüber kam. Zugleich hätte auch er selbst im Entstehungsprozess der Kinofassung manche Charakterzüge einfach noch nicht ausreichend einordnen können. Das hat er nun nachgebessert. Zugleich leidet Apollos Frau ausführlicher mit, sodass auch hier das familiäre Drama mehr in den Vordergrund rückt. Ob das für den Zuschauer im Gesamtkonstrukt des Films funktioniert, ist letztendlich Geschmackssache.

Es fällt zudem auf, dass Adrian mehr Platz in der Handlung einnimmt. Dies geschieht durch mehr Umschnitte auf sie während der Kämpfe, aber vor allem durch alternative sowie deutlich erweiterte Dialoge. Auch das dient ganz offensichtlich dem etwas dramatischeren und seriöser gehaltenen Grundton. Teils kommen ihre Kommentare nun als Ersatz für derbere Wortwechsel mit Apollo, womit das augenzwinkernde Rumprotzen also etwas reduziert wurde. Außerdem warnt sie Rocky vor Apollos Kampf, dass er selbst es in der Hand hätte, auf Apollo Einfluss zu üben. Gerade im Hinblick auf die innere Zerrissenheit von Rocky über die Reihe hinweg macht das natürlich Sinn und verleiht der Handlung mehr Tiefe.

Auch Ivan Drago wurde spätestens durch seinen Auftrit in "Creed II" eindeutig menschlicher und greifbarer. Dieser Marschrichtung wurde sich durch etliche kleine Details im Director's Cut konsequent angenähert. Mehrere Andeutungen zu Steroiden wurden getilgt. Zugleich sieht man Ivan häufig nun eher reserviert und eingeschüchtert schauen. Speziell Promoter Nicolai fällt ihm mehrfach ins Wort und wird in weiteren Zwischenschnitten gezeigt. Stallone war nach eigener Aussage sehr von Michael Patakis Performance begeistert und hat davon nun im Director's Cut noch etwas mehr eingebaut. Während Ivan in der Kinofassung letztendlich vor allem als übermächtige Maschine dargestellt wurde, hinterlässt der Director's Cut so eher den Eindruck, dass er als Propaganda-Werkzeug anderer quasi auch nur ein Opfer ist. Im "Making of" verweist Stallone als Analogie auf Max Schmeling als Hitlers Vorzeige-Boxer, diesen Hintergrund wollte er besser herausarbeiten. Auch hier kann man sicher geteilter Meinung sein, ob das dem Film inhaltlich dient oder eine liebgewonnene Figur etwas zu sehr umdeutet.

Letztlich ist es am Ende Geschmackssache, welche Fassung des Films man besser findet. Der Director's Cut ist eine derart gravierend veränderte Version, dass man ihn unbedingt separat von der bekannten Kinofassung bewerten muss. Die Intention hinter einigen Änderungen ist wirklich interessant und gibt den Charakteren ganz andere Schwerpunkte. Ob man das überhaupt für nötig erachtet und die Kinofassung nicht sowieso schon als perfekt einstuft, gerade auch mit all den häufig diskutierten Mängeln, die es zu einem ultimativen "guilty pleasure"-Erlebnis für viele Fans machen, ist natürlich jedem selbst überlassen.

7/10

Quellen
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: MGM/United Artists

Textauszüge: Schnittberichte.com

Samstag, 18. April 2015

Rocky II (1979)

http://www.imdb.com/title/tt0079817/

Die Handlung des Boxerdramas "Rocky II" schließt direkt an den berühmten ersten Teil an. Inszeniert hat ihn Silvester Stallone persönlich. Apollo Creed (Carl Weathers) möchte in einem Revanche-Kampf gegen Rocky (Sylvester Stallone) - dem Weltmeister der Herzen - beweisen, dass er im Ring der Beste ist. Er will nicht hinnehmen, von Boxfans als unverdienter Sieger hingestellt zu werden. Rocky hat zunächst wenig Lust, auf die Herausforderung einzugehen. "The Italian Stallion" ist frisch mit Adrian (Talia Shire) verheiratet und hat ein verletzungsbedingt eingeschränktes Sichtfeld. Doch Creed weiß, wie er den Underdog anpacken muss, damit der einem Rückkampf zusagt. Er provoziert ihn übers Fernsehen - und trifft damit den richtigen Nerv. Die Vorbereitungen auf das Duell aber lässt Rocky schleifen. Seine Frau nämlich lehnt die ganze Unternehmung vollkommen ab...

Die ersten beiden hervorragenden Drittel des zweiten Teils der berühmtesten Boxsaga der Welt knüpfen nahtlos an die dramaturgischen Elemente des ersten Teils an und widmen sich nun stärker den Charakteren und den Auswirkungen des Aufstiegs und Verfalls des plötzlich populären Rockys. Durch die hervorragende schauspielerische leistung Stallones - und anders kann man das einfach nicht nennen - kann man mit der titelgebend Figur mitgehen, mitfühlen, ja sogar den Absturz beinahe selbst spüren, der dem Beinahe-Champion widerfährt. Der sozialkritische Ansatz des ersten Teils geht hier zugunsten von etwas mehr Action und Pathos verloren, obwohl auch hier gezeigt wird, wie ein Mensch von allen verlassen und auf sich allein gestellt, sich wieder aufbaut um seinen Traum zu erfüllen. Hier geht es hauptsächlich um Ehre, Selbstachtung, Liebe und Kampfgeist.

Ein interessanter und zugleich amüsanter Nebenstrang der Handlung ist die in die Gesellschaftskritik hineintendierende Darstellung, wie der rhetorisch unbegabte Boxer als Werbeheld auftritt. Aber was den Film letztlich wieder so gut macht sind seine sympathischen Figuren und seine perfekte Kombination von Bild und Musik/Ton. Ebendie Musik von Bill Conti sollte wohl besondere Erwähnung finden, da sie nicht nur vielseitig, sondern sehr einprägsam ist - besonders bei den Kampf - und Trainingsthemen.

Das letzte Drittel fühlt sich dann aber leider eher wie die Pflicht an, den Erwartungen gerecht zu werden und eben diesen bereits genannten Pathos zu verbreiten, eingeleitet durch die völlig übertriebene und unrealistische Szene, in der Adrian aus dem Koma erwacht und Rocky "Gewinne!" ins Ohr ruft, woraufhin die typischen Trainingsbilder mit Motivationshintergrundmusik folgen. Das wirkt nicht nur aufgesetzt, sondern nach der hervorragenden und absolut würdigen Einleitung eher lächerlich und auch fast schon naiv.

Der finale Kampf wirkt dann irgendwie unspektakulärer als im grandiosen Vorgänger und bedient nun endlich die Klischees des Sieges in letzter Sekunde, welchen der erste Teil größtenteils noch ausweichen konnte. Aber egal, ob überspitzt oder nicht, hier fiebert jeder mit, denn die Choeografie ist brutal, voller Tempo und reißerisch. Und damit schafft "Rocky II" gerade noch den Bogen und wird so auch der ausgeglichenste Teil, als Actionfilm und als Drama. Zwar arbeitet er mit einigen Klischees, aber selten kann man so einen packenden Sportfilm sehen. "Rocky II" dient somit mehr als Übergang zu den Rocky-Actionfilmen und schafft diese Aufgabe allerdings noch ganz gut.

7,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: United Artists

Montag, 20. April 2015

Rocky IV - Rocky IV: Der Kampf des Jahrhunderts (1985)

http://www.imdb.com/title/tt0089927/

Rocky Balboa (Sylvester Stallone) hat sein großes Ziel erreicht und ist Weltmeister geworden. Nun genießt er seinen Ruhm und die damit verbundenen Annehmlichkeiten. Doch da braut sich etwas aus dem Osten an. Ivan Drago (Dolph Lundgren), eine menschgewordene Maschine aus der Sowjetunion, will Rocky in die Schranken weisen. Er wurde mit neuester Technik trainiert, um aus ihm einen tödlichen Boxer zu machen. Doch dafür muss er erst Rockys guten Freund Apollo (Carl Weathers) besiegen. Und das tut er mit ungeahnter Härte. Apollo stirbt durch die Kraft des Russen im Ring. Und als nächstes fordert er den Champion heraus. Rocky weiß, dass er sich Ivan stellen muss und dass dies sein vermutlich härtester Kampf werden wird. Doch er hat für Apollo Rache geschworen und so beginnt er mit der Vorbereitung, auf einen mörderischen Kampf, der jedem der Gegner alles abverlangt...

"Rocky IV" lebt nicht mehr von der ruhigen Charakterisierung/Entwicklung seines Helden und der Nebenfiguren. Sylvester Stallone fokusiert sich hier auf ein politisches Muskelspiel wo wieder einmal die Sowjets als "Reich des Bösen" dargestellt werden und die Amerikaner als gutmenschliche Partytiger die das Herz am rechten Fleck haben. Speziell vernächläßigt Sly die wichtigen Nebenfiguren, die in den vorangegangenen Teilen noch mehr Screentime hatten und ein gut durchdachtes Story-Gerüst in seiner Gesamtheit homogen zusammenhielten.

"Rocky IV" ist die klassische "Bad Guy vs. Good Guy"-Geschichte und nach Carl Weathers übertriebenem Ableben ist auch dem letzten Zuschauer klar, wie der Film enden wird. Dennoch wird man über weite Strecken kurzweilig unterhalten, was vor allem dem fetzig-rockendem 80er Soundtrack und der sehr kurzen Laufzeit zu verdanken ist. Auch tritt die Action noch mehr in den Vordergrund.

Stallone's Gegner ist dieses Mal Dolph Lundgren, der in diesem Film sage und schreibe nur 12 Sätze von sich gibt und ansonsten nur grimmig dreinschauen muss. Der im direkten Vorgänger "Rocky III" als Antagonist auftretende Mr. T war da um einiges charismatischer, dennoch kann Dolph Lundgren allein durch seine körprerliche Präsenz und seiner konservativen Militär-Frisur überzeugen. Carl Weathers spielt agil und passend, die übrigen Darsteller verkommen dabei zu reinsten Statisten und bleiben blass. Ansonsten gibt es (unfreiwiligen) Humor, seltsame Szenen (was sollte der Hausroboter?), harte Faustschläge und übertriebene Trainingseinheiten die aber dennoch unterhaltend wirken. Lässt man den Patriotismus des zu dieser Zeit aktuellen Thema des "Kalten Krieges" mal außen vor, bekommt man ein rundum unterhaltsames und spannendes Actionkino geboten.

6,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: MGM/United Artists

Donnerstag, 30. April 2015

Rocky V (1990)

http://www.imdb.com/title/tt0100507/

Der Schaukampf gegen den schlaggewaltigen Russen Ivan Drago (Dolph Lundgren) hat tiefe Spuren auf Rockys (Silvester Stallone) Körper hinterlassen - am heftigsten ist sicher der Hirnschaden, mit dem die Boxlegende nun leben muss. Ehefrau Adrian (Talia Shire) drängt Rocky dazu, als Weltmeister von der Bühne des Boxsports abzutreten. Schweren Herzens hängt Rocky seine Karriere an den Nagel und zieht sich ins Privatleben zurück. Doch dann trifft ihn das Schicksal hart, er verliert all seine Millionen bei Spekulationsgeschäften. Arm zieht er mit seiner Familie zurück in den Ghettovorort von Philadelphia. Seinen pubertierenden Sohn Rocky Jr. (Sage Stallone) begeistert das wenig, er muss in der Schule einiges einstecken und distanziert sich von seinem Vater. Rocky ist noch eine alte, marode Boxhalle geblieben, wo er junge Talente trainiert. Der hungrige Schwergewichtler Tommy Gunn (Tommy Morrison) bettelt Rocky an, ihn zu managen. Nach einigem Zögern willigt er ein und führt das Talent von Sieg zu Sieg. Der Konkurrenz kann das nicht verborgen bleiben...

Definitv der schwächste Teil der Reihe. Alles, was die anderen Teile auszeichnet, fehlt hier weitestgehend. Ohne die legendären Trainingsequenzen und ohne einen echten Fight im Ring - die Kämpfe von Tommy Gunn sind zu kurz und übertrieben spektakulär - es fehlt einfach das Herzstück der Reihe. Nicht zuletzt zeichneten sich die anderen Teile auch durch den genialen Soundtrack aus, aber selbst dieser epische Soundtrack ist leider rockigeren, beatlastigen Sounds der Neunziger gewichen. Hier wird aber eine ganz andere Richtung (unter anderem auch Hip Hop) eingeschlagen, die völig unpassend ist.

Eigentlich ist die Idee ganz gut, man versucht wieder zurück zu den Anfängen zu gelangen und auch dass Stallone, nachdem er zuvor merhmals gekämpft und ernsthafte bleibende Verletzungen erlitten hatte, diesmal als Trainer fungiert, ist auch ganz nett aber der Film leidet auch unter den schlechten bzw. klischeehaften Auftritten der Schauspieler. Der Promoter redet fast ununterbrochen und nervt und Schützling Tommy Gunn (Tommy Morrison) hat nicht annähernd die Ausstrahlung bzw. Präsenz der vorherigen Rocky-Gegner. Union Canes (Michael Anthony Williams) Art durch gezielte Provokation ein Duell zu erwzingen wirkt so wie fast alles andere zu konstruiert und außerdem wirkt diese Masche doch ziemlich ausgelutscht. Der Straßenfight ist dann nur ein müder Ersatz für einen echten Fight, zumal Rocky immer wieder von hinten angegriffen wird. Der Vater-Sohn-Konflikt überzeugt auch nicht. Trotz allem kann man sich den Film durchaus ansehen, zumal er auch einige interessante Ideen enthält, aber die oben genannten Punkte stören enorm. Einfach nur schade.

5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: United Artists

Samstag, 4. März 2023

Creed III - Creed III: Rocky's Legacy (2023)

https://www.imdb.com/title/tt11145118/

Adonis Creed (Michael B. Jordan) ist endlich ganz oben im Leben angekommen: Mit dem Sieg über Ivan Dragos Sohn Viktor (Florian Munteanu) hat er sich nicht nur endgültig einen Platz an der Spitze des Boxsports gesichert, sondern sich auch erfolgreich den eigenen Dämonen der Vergangenheit gestellt. Wozu noch kämpfen? Also hängt der Weltmeister Creed seine Boxhandschuhe an den Nagel und widmet sich fortan seiner Familie und der Förderung neuer Box-Talente. Doch die Vergangenheit will nicht ruhen und es erhebt sich ein Schatten aus Adonis Jugend, der den ehemaligen Weltmeister vor neue Herausforderungen stellt. Plötzlich steht sein alter Jugendfreund Damian (Jonathan Majors) nach Jahren im Gefängnis vor ihm. Damian wurde damals eine große Box-Karriere vorausgesagt, doch ein Fehltritt in der Jugend kostete ihn die Freiheit. Der frisch Rehabilitierte möchte sich noch einmal im Ring beweisen und bittet Adonis, ihm dabei zu helfen. Doch Damian scheint es dabei um mehr zu gehen als nur eine Chance im Ring. Kann Adonis seinem alten Freund trauen? 

Fast ein halbes Jahrhundert lang hat sich die "Rocky"-Reihe verständlicherweise um Sylvester Stallones Rocky Balboa gedreht. Selbst als sich die Serie in Ryan Cooglers Film "Creed" auf Adonis Creed (Michael B. Jordan), den Sohn von Apollo Creed, konzentrierte, war Rocky immer noch ein wichtiger Teil dieser Serie. Während Stallones Rocky in "Creed" Sinn ergab und Stallone seine erste Oscar-Nominierung seit fast vierzig Jahren einbrachte, wurde spätestens in "Creed II" klar, dass nach acht Teilen mit Stallone sein weiteres Auftreten in der Serie eher eine Ablenkung von der Geschichte von Creed war als ein Gewinn. Doch in "Creed III" geht die Geschichte der Titelfigur endlich über Rocky hinaus, so dass Creed ganz allein im Rampenlicht steht und Jordan die Gelegenheit erhält, sein Regiedebüt zu geben. In "Creed III" geht es interessanterweise darum, wie die Vergangenheit und die Gegenwart die Zukunft beeinflussen, und wenn man das bedenkt, ist es auch faszinierend, dass Rocky nicht ein einziges Mal erwähnt wird. Aber da "Creed III" die Kindheit des jungen Adonis Creed erforscht, bevor man ihn in "Creed" kennenlernt, aktualisiert Jordan als Regisseur diese Reihe für eine neue Generation, spielt mit dem, was dieses Franchise sein kann, experimentiert und bricht mit den Normen - während er gleichzeitig das Grundgerüst dieser Filme intakt hält. Mehr noch als das, was Coogler mit dieser Reihe gemacht hat, bringt Jordan frischen Wind in das Rocky/Creed-Universum und ist ein aufregendes Beispiel für das Potenzial, das in dieser Reihe auch nach neun Filmen noch steckt.

"Creed III" beginnt im Jahr 2002. Man sieht den jungen Adonis (gespielt von Alex Henderson) und seine Freundschaft mit Damian "Dame" Anderson (Spence Moore II), einem jungen Golden-Gloves-Champion, der nichts als Potenzial vor sich hat. In diesen frühen Tagen war Adonis in der Ecke seines Freundes, da Dame ein aufstrebender Boxer war, der mit seinen schnellen Knockouts beeindruckte. Die beiden scheinen ein perfektes Team zu sein, denn Adonis weiß, welche Ratschläge er seinem brillanten Boxerfreund geben muss. Doch nach einem Sieg gerät Adonis eines Abends vor einem Laden in einen Kampf mit einem Mann, und als Dame eine Waffe zieht, werden die beiden aus dem Weg geräumt. Die Gegenwart: Adonis ist der unangefochtene Weltmeister im Schwergewicht, hat sich auf dem Höhepunkt seines Könnens zur Ruhe gesetzt, den Rockstar Bianca Taylor (Tessa Thompson) geheiratet und mit ihr ein Kind, Amara (Mila Davis-Kent), bekommen. Währenddessen kommt Dame (Jonathan Majors) gerade aus dem Gefängnis und sucht seinen Freund aus Kindertagen auf, der es zu etwas gebracht hat. Dame sagt, dass er zwar älter geworden ist, seine Träume aber die gleichen geblieben sind und er immer noch ein Championboxer sein will. Creed bringt seinen Freund nach Delphi und verschafft ihm einen Job als Sparringspartner des aktuellen Champions Felix Chavez (Jose Benavidez). Creed sagt Dame, dass seine Träume Zeit brauchen, aber Dame war fast zwei Jahrzehnte lang eingesperrt, und das Letzte, was er tun will, ist Zeit zu verschwenden. Wie Dame zu Creed sagt: "Wenn Apollo Creed es mit einem Außenseiter aufnehmen konnte, warum kannst du es nicht?" Während er zusieht, wie sein alter Freund zum Weltmeister wird, sehnt sich Dame nach einem Leben voller Erfolg und Ruhm, dem Leben, das er führen wollte, bevor er weggesperrt wurde. Während Creed versucht, seinem Freund zu helfen, seine Ziele zu erreichen, ist Dame viel mehr daran interessiert, seine Träume endlich zu verwirklichen.

Mehr als jeder andere "Rocky"/"Creed"-Film nimmt sich "Creed III" die Zeit, den Zuschauer den kommenden Feind kennenlernen zu lassen, und lässt ihn sowohl mit Dames Situation als auch mit seiner Frustration darüber, dass Adonis seinen Freund weitgehend vergessen hat, mitfühlen, während er gleichzeitig zeigt, dass Creed nicht ganz unschuldig an der Entstehung dessen war, was aus Dame werden würde. "Creed III" macht diesen Konflikt zu einem zutiefst persönlichen Kampf zwischen zwei Männern, die einst wie Brüder waren, und das Drehbuch von Keenan Coogler und Zach Baylin erforscht das Grau in den Geschichten dieser beiden Männer. "Creed III" ist keine herkömmliche Geschichte über das Boxen, sondern eine Geschichte über die Familie - sowohl die, in die man hineingeboren wird, als auch die, die man auf seinem Weg entdeckt - und die Opfer, die man für die bringt, die man liebt. Jordan sorgt dafür, dass dieses Mal die ganze Familie zu Wort kommt, baut diese Welt weiter auf und gibt den Figuren eine Stimme. Bianca hat ihre Live-Auftritte aufgegeben, um das Gehör zu schützen, das ihr noch geblieben ist, und obwohl sie ein Lächeln aufsetzt und sagt, dass ihr das Produzieren genauso viel Spaß macht, ist es klar, dass ihr diese Entscheidung wehgetan hat. Biancas und Creeds Tochter Amara wird in ihrer Schule gehänselt, und Adonis versucht, ihr beizubringen, wie sie sich schützen kann, und zeigt ihr, dass es beim Boxen nicht um Gewalt geht, sondern um Timing, Kontrolle und Konzentration. Sogar Adonis' Mutter Mary (Phylicia Rashad) hat einige wirklich bewegende Momente, als sie versucht, die Briefe von Dame an Adonis nach all den Jahren zu verstecken, und die Sorge hat, Adonis zu verlieren, nachdem er bereits seinen Vater verloren hat.

Aber auch im Fitnessstudio ist der Fokus auf die Familie zu spüren, denn Adonis hat dabei geholfen, eine Gruppe potenzieller Champions aufzubauen, und ist sogar mit Viktor Drago (Florian Munteanu) eng befreundet. Doch es sind die Liebe und die Geschichte zwischen Adonis und Dame, die diese Geschichte so kraftvoll machen, und Cooglers und Baylins Drehbuch stellt sicher, dass so viel Zeit wie möglich mit diesem Duo verbracht wird, eine notwendige Vorbereitung für den Moment, in dem die beiden schließlich im Ring zueinander finden müssen. Kein anderer "Rocky"/"Creed"-Film hat sich so viel Zeit genommen, um die Beziehung zwischen den Kämpfern auf diese Weise aufzubauen, und das Ergebnis ist beeindruckend und macht diesen Film zu mehr als nur Stolz, Größe oder Macht. "Creed III" wird emotional und erforscht die Emotionen der Figuren auf eine Weise, wie es die Reihe noch nie zuvor versucht hat. Ein großer Teil des Erfolgs von "Creed III" ist die Leistung von Jonathan Majors, der einen der fesselndsten Antagonisten in der Geschichte der Serie darstellt. Majors ist großartig darin, Rollen wie diese zu spielen, die auf ihre eigene Art männlich und stolz, aber auch extrem sensibel und emotional sind. Dames Wut ist nicht unangebracht, und seine Frustration über seine Situation ist verständlich. Es ist auch unmöglich, nicht zu genießen, was Majors hier tut: Er beginnt als der lange verlorene Bruder von Adonis, um dann langsam sein wahres Wesen zu zeigen, während diese ursprüngliche Seite von ihm immer weiter nach unten sickert. Selbst wenn er sich am blödesten anstellt, ist es schwer, Dame nicht irgendwie zu mögen, und neben seiner Leistung als Kang in "Ant-Man And The Wasp: Quantumania" wird dies sicherlich sein Jahr werden.

Doch selbst mit diesem Fokus auf die Familie und den Protagonisten im Zentrum der Geschichte drückt Jordan "Creed III" im Ring seinen Regie-Stempel auf. Er verlangsamt die Action während der Kämpfe und zeigt die Entscheidungen, die ein Boxer in Sekundenbruchteilen treffen muss, die kleinen Hinweise, die zum Sieg eines Kampfes beitragen, und die unglaubliche Kraft und Macht, die in diesen Kämpfen steckt. Jordan hat gesagt, dass er bei der Produktion dieses Films von Anime beeinflusst wurde, und das ist sicherlich in der Art und Weise zu spüren, wie er diese Kämpfe filmt, wie sich die Boxer bewegen und wie Jordan die Perspektive auf verblüffende Weise verändert. Jordan weiß, dass der Zuschauer diese Filme schon seit fast 50 Jahren sieht, und er gibt dem Publikum nun etwas völlig Neues im Ring. Bei Dames erstem Kampf zum Beispiel sehen wir, wie der Boxer neue Winkel ausprobiert und einzigartige Schläge anbringt, die unbeholfen, aber perfekt platziert wirken, da er ein längeres Spiel spielt als nur eine Runde nach der anderen. Es ist nur eine kleine Veränderung, aber sie hat eine große Wirkung auf den Zuschauer, der schnell erkennt, dass Jordan nicht die gleichen alten Kämpfe liefert, an die man gewöhnt ist.

Das gilt vor allem für den Höhepunkt des Kampfes, in dem Jordan das Regelwerk von "Rocky"/"Creed" komplett über den Haufen wirft und etwas wirklich Experimentelles versucht, wie es die Serie noch nie zuvor gesehen hat. Der finale Kampf wird für langjährige Fans der Serie sicherlich eine Art Test sein, die sich wahrscheinlich über die neue Art und Weise ärgern werden, wie Jordan diesen Kampf inszeniert, der auch die lange Geschichte der beiden Boxer miteinander beleuchtet, aber ich persönlich fand es eine brillante Art und Weise, etwas Neues in dieser Serie auszuprobieren, und eine Gelegenheit für Jordan, dieser Marke auf eine Art und Weise seinen Stempel aufzudrücken, die sich anfühlt, als würde er diese Welt in eine neue Ära führen. Auch hier ergreift Jordan die Möglichkeiten, die diese Reihe bieten könnte, anstatt sich von den Vorgaben der Vergangenheit einschränken zu lassen. "Creed III" ehrt die Vergangenheit, blickt aber gleichzeitig in die Zukunft und stellt Jordan - sowohl den Schauspieler als auch den Regisseur - auf eine Weise ins Rampenlicht, die seine immensen Talente zeigt. Indem er den Schwerpunkt direkt auf die Familie legt und den größten Teil des Films in diese Dynamik eintaucht, mit ausgezeichneten Leistungen von Jordan, Rashad und Majors, unter anderem, und indem er neue Dinge in dieser Reihe ausprobiert, die oft für ihre formelhafte Natur bekannt ist, ist "Creed III" ein Hauch von frischer Luft. Adonis vermeidet in "Creed III" vielleicht die Vergangenheit, aber Jordan lernt aus dem, was bereits getan wurde, und bringt die Serie in eine völlig neue Generation, indem er diese Welt auf eine Weise weiterentwickelt, die sie wieder völlig neu erscheinen lässt. 

8/10

Quellen
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Warner Bros./MGM/New Line Cinema

Samstag, 7. März 2015

Rocky (1976)

http://www.imdb.com/title/tt0075148/

Es sind alles andere als Traumjobs, die Rocky Balboa (Sylvester Stallone) in einem heruntergekommenen Stadtteil von Philadelphia erledigt: So arbeitet er z. B. als Geldeintreiber für den Kredithai Gazzo (Joe Spinell) - bringt es aber nicht übers Herz, den säumigen Schuldnern auch mal die Finger zu brechen. In seiner Freizeit steigt Rocky in den Ring und kämpft. Er hält sich für einen guten Boxer, aber die fehlende Disziplin verhindert, dass er sein volles Talent auch im Alter von 30 Jahren zur Geltung bringen kann. Dazu hat er sich verliebt und versucht, die extrem schüchterne und unsichere Tierhandlungsverkäuferin Adrian (Talia Shire) für sich zu gewinnen. Sie leidet unter ihrem impulsiven und jähzornigen Bruder Paulie (Burt Young), mit dem sie zusammen lebt. Eines Tages kommt für Rocky jedoch völlig unverhofft die Chance seines Lebens. Der Schwergewichtschampion Apollo Creed (Carl Weathers) sucht für seinen nächsten Kampf einen Ersatzgegner, da der ursprüngliche Herausforderer sich verletzt hat...

Es ist der Boxfilm schlechthin. Und ein Film, der eine Geschichte auf eine solch interessante Art und Weise erzählt, dass er auch bei der x-ten Wiederholung nicht langweilt. Das ist "Rocky" und die klassische Story des Underdogs, der alles auf eine Karte setzte und so den erstrebten Ruhm erlangte (auch wenn das im Film selbst nicht so dargestellt wird), als filmischer Außenseiter seiner Zeit bei den Oscars antrat und diese in den wichtigsten Kategorien Bester Film, beste Regie und bester Schnitt überraschend abräumte und auch so zur Filmlegende wurde.


"Rocky" ist dabei weniger ein Boxerfilm als ein Sozialdrama. Für mich am ehesten ein ergreifender Film über zwei Personen, die sich in ihren Leben nicht wohl fühlen und im Großstadt-Smog von Philadelphia beistehen. Dies liegt aber auch an dem großartigen Cast mit ebenso herausragenden Nebendarstellern, wie Burt Young, Burgess Meredith oder Joe Spinnel. Carl Weathers als Apollo Creed verkörpert den ultimativen Show-Boxer und wird mit Tony Burton als seinem Trainer brillant unterstützt. Doch ist es Talia Shire, die neben Stallone's bester Leistung am größten heraussticht. Unglaublich viel Gefühl bringt sie in ihre Rolle hinein und drückt mit ihrem Gesichtsausdruck unglaublich viel aus. Stallone spielt durchweg glaubwürdig und mitfühlend den Ghetto-Boxer mit Hundeblick. Sein Slang ist vor allem im Original sehr zu loben und ist mit seinem trockenen Humor und gutem Herz vollkommen liebenswürdig. Naiv und teilweise etwas langsam, aber (vielleicht auch gerade deswegen) sehr real.

Doch da ist da noch natürlich das spektakuläre (Box-)Finale, in dem viel Spannung und große Emotionen aufeinander treffen. Mit einem durchgehend grandiosen Soundtrack (von Bill Conti), welcher ohne Zweifel zu den besten der Filmgeschichte gehört und eine unglaubliche Stimmung transportiert, die auch für jeden zu fühlen ist. Der Kultstatus, den "Rocky" besitzt, ist mehr als verdient und wird die Menschen vermutlich auf ewig berühren, was nicht unbedingt an dem Kämpfergeist des Protagonisten liegen muss, sondern vor allem an der zeitlosen wie herzerwärmenden Geschichte.

9/10

Quellen
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: United Artists

Dienstag, 24. März 2026

Project Hail Mary - Der Astronaut: Project Hail Mary (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt12042730/

Ryland Grace (Ryan Gosling) erwacht an Bord eines Raumschiffs - weit entfernt von der Erde und ohne jede Erinnerung an seine Identität oder den Grund seiner Mission. Bruchstückhaft kehren seine Erinnerungen zurück. Er erkennt, dass er eine zentrale Rolle in einem Wettlauf gegen die Zeit spielt: Eine rätselhafte Substanz bedroht die Sonne und damit das Überleben der Menschheit. Um eine globale Katastrophe zu verhindern, setzt Grace sein naturwissenschaftliches Wissen ein und entwickelt ungewöhnliche Lösungsansätze. Während seiner Reise stößt er auf eine überraschende Verbindung, die ihm zeigt, dass er in seinem Kampf möglicherweise nicht auf sich allein gestellt ist.

"Der Astronaut"/"Project Hail Mary" nimmt Andy Weirs gleichnamigen Roman von 2021 und macht daraus einen kosmischen Abenteuerfilm, der ein bisschen wie "Der Marsianer" denkt. Er ist clever, witzig und durch und durch optimistisch, und wird mit Phil Lord und Christopher Miller im Regiestuhl kein ehrfürchtig-schwerer Weltraumopferfilm, sondern eine vergnügt-melancholische Buddy-Komödie über den vielleicht einsamsten Mann im Universum und seinen besten Freund - ein spinnenartiges Alien mit dem Spitznamen Rocky. "Der Astronaut" ist darüber hinaus einer jener Science-Fiction-Filme, die eigentlich alles falsch machen dürften - eine anfänglich etwas seltsame, einsame Person, eine sehr lange Laufzeit, viel Technobabbel - und dabei doch eine erstaunlich lebendige, warmherzige Erfahrung liefern. Es ist kein düsterer "Interstellar", sondern ein angenehmer zweieinhalbstündiger Ritt, in dem ein einsamer Biologe die Menschheit rettet, indem er mit einem außerirdischen Kumpel bastelt und lacht - all das getragen von Ryan Goslings unwiderstehlichem Charme. 

Er spielt Ryland Grace, einen Highschool-Lehrer und genialen Molekularbiologen, der aus einem Koma aufwacht - allein auf einem Raumschiff, Lichtjahre von der Erde entfernt, mit zwei toten Crewmitgliedern und Erinnerungen, die mit "löchrig" positiv genug beschrieben sind. Die Sonne unseres Sonnensystems stirbt, Sterne erlöschen und die Erde droht einzufrieren - aufgrund von "Astrophagen“. Diese außerirdischen Mikroorganismen, welche der Hitze der Sonne widerstehen, bilden eine Infrarotlinie zwischen Sonne und Venus, die sogenannte Petrova-Linie. Grace' Mission: die Ursachen finden und eine Lösung entwickeln, irgendwo am Rande des Sonnensystems. Rückblenden (mit Sandra Hüller als knallharter Projektleiterin Eva Stratt) erzählen von der Forschung, der Rekrutierung, dem Wettrennen gegen die Zeit - alles, ohne jemals langweilig zu werden. Das hat "Der Astronaut" vor allem Ryan Gosling zu verdanken. Er spielt Grace als Mischung aus Klassenclown, Nerd und im Grunde sehr müdem, einsamen Mann, ein schräger, unrasierter und etwas verpeilten Everyman, der vor Angst witzelt, vor Druck tanzt und trotz Einsamkeit strahlt - ein irgendwie "charismatischer "Space Bro", dem man sofort ins Herz schließt. Ein Held, der keine Superwaffe hat, nur Neugier, Hartnäckigkeit und einen trocken-ironischen Humor. 

Der Clou kommt mit Rocky, dem spinnenartigen Alien-Buddy: er ist dabei mehr als nur Sidekick oder Gimmick. Sein Design - eine asymmetrische, steinige, mehrarmige CGI-Figur (mit Herz), die in einer dichten Atmosphäre in seinem eigenen Modul lebt - ist bewusst weit entfernt vom humanoiden Standard, gleichzeitig aber durch Mimik, Gesten und Klang angenehm empathisch inszeniert; er pfeift, quietscht, hilft beim Reparieren, und die beiden "sprechen" via Posen und mit Hilfe einer mühsam selbst aufgebauten Computerstimme. Es ist "E.T." als intergalaktische Sitcom, herzerwärmend und urkomisch, mit Umarmungen, die kitschig wirken, aber wunderbar funktionieren. Und das ist Stärke und Limit zugleich: Rocky wird zur idealisierten Buddy-Figur, mit Familie, (evntl. Kindern) und klaren Motiven, aber die Chance, Erstkontakt wirklich fremd und verstörend zu denken, wird bewusst auf Kosten eines "Feel-Good"- Effekts geopfert - was man dem Film aber auch sofort verzeiht. Lord und Miller legen die Beziehung der beiden sehr offen als Freundschaftsfilm an: Sie entwickeln gemeinsam eine Sprache, essen gemeinsam (zumindest so, wie dies in ihren jeweiligen Biosphären durchgeht), streiten, lachen, und retten sich gegenseitig das Leben. Inmitten des Weltuntergangs entsteht so eine beschwingte Buddy-Komödie - und genau diese Entscheidung macht den Film zugänglich und emotional, auch wenn sie das philosophische Potenzial des Stoffes etwas zähmt. 

Der Film stolpert allerdings in seiner zweieinhalbstündigen Laufzeit etwas über seine nicht-lineare Struktur: Gegenwart im All, Rückblenden zur Erde, die nach und nach erklären, wie Grace hier gelandet ist, reißen einen oftmals aus der warmen Decke, in die man sich als Zuschauer eingekuschelt hat, und holen einen wortwörtlich auf die Erde zurück. Dennoch wird die Exposition gut ausbalanciert: Die Szenen auf einer sterbenden Erde mit Stratt, die eine globale Koalition mit drastischen Mitteln durchsetzt, stehen in Kontrast zur stillen Isolation von Grace und Rocky im All. Gleichzeitig spürt man ein paar kleinere Längen. Das mehrfach hinausgezögerte Ende erweckt bald das Gefühl, dass hier ein stärkerer, kürzerer Film in einem zu langen steckt.

Lord und Miller versuchen hier das beinahe Unmögliche: Hard-Sci-Fi (Astrophysik, Biologie, Docking-Manöver) verknüpft mit Popcorn-Spaß und visuellen Gags, die an "WALL-E" erinnern und Spannung wie in "Gravity" halten. Visuell setzen sie auf die Expertise von Greig Fraser, dessen Arbeit an "Dune" zu Recht viel Lob bekommen hat. Seine VFX sind spektakulär - Raumschiff-Internas, Alienschiff, kosmische Manöver - und das alles trotzdem irgendwo nicht zu übertrieben und solide geerdet. Praktische Sets für das Schiff, überzeugende Schwerelosigkeit (wenn auch nicht immer auf Cuarón-Niveau), in Tau-Ceti-Orbit-Sequenzen, die Fraser erneut als Meister des Hell-Dunkel-Kontrasts zeigen. Und die T-Shirts sind ja wohl mal einmalig! Der Score bleibt hinter dem ikonischen Druck anderer Space-Filme zurück, erfüllt aber zuverlässig seine Funktion: Er unterstützt vor allem die Freundschaftsmomente und den Humor; durchaus passender Ansatz für einen Film, der sich dem Weltraum nicht als Horrorort, sondern als Bühne für Kooperation nähert. Die Musikauswahl ist wild, aber passend. Weir-Verfilmungen leben ja davon, dass sie echte Wissenschaft in zugängliche Rätsel verwandeln, und "Der Astronaut" setzt das nach "Der Marsianer" konsequent fort: Grace löst Probleme, indem er Biologie, Chemie und Astrophysik anwendet, rechnet an Whiteboards, testet Hypothesen, scheitert, testet neu. Echte Wissenschaft und Problemlösung mit viel Herz und Humor schafft damit eine seltene Balance. Genau hier liegen aber auch die Bruchlinien. Die emotional wichtigsten Verknüpfungen der beiden Haupträtsel - warum Tau Ceti stabil ist und warum Grace auf diesem Schiff landet - sind etwas billig. Insbesondere ist der Versuch, Grace nachträglich ein moralisches Versagen anzudichten, nicht ganz nett und glaubwürdig: Der Film will ihn gleichzeitig zum ikonischen Retter und tragischen Sünder machen, ohne dass seine gezeigte Persönlichkeit diese Wendung wirklich trägt. Ähnlich ambivalent ist der Humor: Einerseits ist dieser herrlich gemütlich und Gosling liefert mit seinem Auftritt ein angenehmes komödiantisches Timing, opfert aber dafür echte Spannung, weil man nie das Gefühl hat, dass hier wirklich etwas schlimmes passieren könnte. 

Auf der thematischen Ebene erzählt "Der Astronaut" vom Wert der Kooperation in einer fragmentierten Welt: Ein Mensch und ein Insektenwesen schließen wortwörtlich eine Sternen-Freundschaft, um zwei Spezies zu retten. Stratt verkörpert die kalte Notwendigkeit - sie nimmt Grace Entscheidungen ab, zwingt ihn in die Rolle, die er eigentlich nicht wollte - und Grace und Rocky verkörpern optimistischen, lösungsorientierten Humanismus: das Vertrauen, dass man durch Neugier, Ehrlichkeit und die Bereitschaft, sich für den anderen zu opfern, aus einer ausweglosen Lage entkommen kann. Das Finale - ohne hier ins Detail zu gehen - entscheidet sich klar gegen Zynismus: Die wichtigste Tat des Films ist ein Akt freiwilliger Selbstaufgabe, und der Epilog dehnt diese Entscheidung in eine bittersüße neue Normalität aus. Damit ist "Der Astronaut" im Grunde "Der Marsianer" Teil 2. Die Botschaft - Neugier siegt über Angst, Kooperation über Isolation - fühlt sich 2026 wie ein Medikament an. Doch "Der Astronaut" muss sich auch die Kritik gefallen lassen, dass er stellenweise zu formelhaft ist, der Humor manchmal zu cartoonig (angesichts der nahenden Apokalypse) wirkt. Und trotzdem ist "Der Astronaut" ein ausgesprochen unterhaltsamer, warmherziger Spacefilm, dessen größte Stärke seine Figuren, sein Humor und seine visuelle Souveränität sind - und dessen größte Schwächen in der Erzählweise, den einfachen gemachten Entscheidungen und dem Anfang liegen. Dennoch verlässt man das Kino mit einem wohligen Gefühl - so wie es sein soll. "Der Astronaut" - ein Feel-Good-SciFi-Blockbuster, der das Universum rettet, indem er den Zuschauer zum Lachen bringt, und Gosling als ultimativen Movie-Star weiter etabliert. Zwei volle Daumen runter!

8,5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Amazon MGM Studios/Pascal Pictures/Sony

Freitag, 14. November 2014

Grudge Match - Zwei vom alten Schlag (2013)

http://www.imdb.com/title/tt1661382/

Billy ‘The Kid’ McDonnen (Robert De Niro) und Henry ‘Razor’ Sharp (Sylvester Stallone) waren in ihren besten Jahren als Boxer erbitterte Rivalen. Zwei Mal standen sie bereits zusammen im Ring und beide konnten ein Mal den Sieg davon tragen. Zu einem dritten, alles entscheidenden Kampf kam es nicht, da Razor im letzten Moment alles absagte und seine Karriere ohne jegliche Begründung beendete. Dies ist nun schon 30 Jahre her und beide befinden sich schon lange im wohlverdienten Ruhestand. Trotzdem wittert der Boxpromoter Dante Slate (Kevin Hart) ein großes Geschäft, denn er hat eine Idee. Ihm gelingt es, die beiden rüstigen Rentner zu einem letzten Entscheidungskampf zu überreden, der ein für alle Mal klären soll, welcher der beiden Boxer der wahre Champ ist. Für die nötige Promo sorgen die beiden Streithähne selbst, als sie bei einem Treffen in eine spontane Prügelei verfallen, die sich rasant auf YouTube verbreitet. So sind am Abend ihres großen Finales alle Augen auf den Kampf Razor vs. The Kid gerichtet.

Rocky Balboa trifft auf Jake LaMotta? Dass ich das noch erleben darf! Als grosser Fan der "Rocky" Serie und "Wie ein wilder Stier", war ich natürlich erfreut dass die beiden Ihre Handschuhe noch einmal schnüren und zusammen auf die Leinwand gehen. Gleichzeitig hatte ich aber auch gemischte Gefühle. Robert de Niro (71 Jahre alt) konnte ich mir einfach nicht mehr als Boxer vorstellen. Bei Stallone ist es umgekehrt ja gar noch nicht so lange her als der letzte "Rocky" über den Bildschirm flatterte, und da er sich nach wie vor als Action-Star gibt, sollte er die nötige physische Präsenz von Anfang an mitbringen.

 
Dem Film tut es jedenfalls gut dass er sich oft selber nicht ganz ernst nimmt, denn beide Schauspieler wirken einfach nicht mehr ganz taufrisch, und vor allem De Niro nimmt man es einfach nicht mehr ab dass er einen Boxkampf bestreitet. So schwingt sich der Film durch eine mehr oder weniger klischeehafte Story um im grossen Finale, dem Boxkapf der beiden zu enden.

Vor allem "Rocky"-Fans werden ganz herrvorragend auf Ihre Kosten kommen, denn man findet im ganzen Film einige Anspielungen und sarkastische Bemerkungen zu dem Thema. Aber auch Robert De Niro macht seine Sache, dem Film entsprechend, ordentlich. Die beiden Figuren nehmen sich oft sehr gut auf die Schippe, manche Szenen sind für meinen Geschmack schon fast Kultverdächtig. Ja, das Drehbuch ist nicht so prall und diese ganzen Familien und Ex-Geliebte-Geschichten tun dem Streifen auch nicht wirklich gut. Und doch, wenn man sich darauf einlässt, bietet der Film durchaus auch Zeit für Gefühle die nicht unbedingt deplatziert wirken.


Die Highlights sind die gut verteilten flockigen Sprüche, die Trainingseinheiten der beiden Rentner und natürlich das große Finale. Stallone und De Niro haben auch genügen Erfahrung im Komödiengenre, um so einen Film locker wegzuspielen. Natürlich kommen beide nicht an Ihre Topform heran was dieses Genre angeht, was ich aber dem Drehbuch zuschreiben würde und auch dem Alter der beiden. Man darf diesen Film nur nicht zu ernst nehmen, da da er auch einfach unterhalten soll und wie oben erwähnt, herrlich selbstironisch auf die Boxfilme beider Darsteller eingeht.

7,5/10

Mittwoch, 17. Februar 2021

Galveston - Galveston: Die Hölle ist ein Paradies (2018)

https://www.imdb.com/title/tt2315596/

Roy (Ben Foster), um dessen Gesundheit es überhaupt nicht gut bestellt ist, arbeitet in New Orleans als Killer für den Gangsterboss Stan (Beau Bridges). Er sieht keine andere Möglichkeit. Doch sein neuester Job geht schief. Der Boss will Roy danach tot sehen. Dieser flieht – im Schlepptau das 19jährige Call-Girl Rocky (Elle Fanning), das in einem Haus gefangengehalten wurde, das als tödliche Falle für Roy geplant war. Auf dem Weg nach Süden holt das Duo auch noch Rockys drei Jahre alte Schwester ab und macht schließlich Halt in dem verschlafenen Örtchen Galveston. Aber auch dort können sowohl Roy als auch Rocky ihrer Vergangenheit nicht entfliehen. Kriminelle und Gesetzeshüter haben längst die Jagd eröffnet…  

Der Killer Roy (Foster) und ein Call Girl (Fanning) sind auf gemeinsamer Flucht, da weiß man doch gleich, was einen erwartet. Oder denkt es zumindest. Denn "Galveston", benannt nach der Stadt an der Ostküste Texas und Ziel des Trips, ist ein düsteres Rachedrama und statt großer Actionszenen und charakterlicher Läuterung gibt es hier ein unangenehmes Szenen mit unangenehmen Leuten. Mélanie Laurent inszeniert "Galveston" dabei als moderne Odyssee zweier gebrochener Charaktere, die sich gemeinsam auf der Flucht vor denselben Verfolgern befinden und greift dabei auf zahlreiche altbewährte Westernmotive zurück, die mitunter aber auch auf moderne Weise variiert werden. Besonders auffällig sind die Gemeinsamkeiten in Bezug auf das Figurensetting, andere Elemente werden etwas freier transportiert. An die Stelle eines Pferdes ist ein Auto getreten und statt mit einem Bauchschuss quält sich der Outlaw mit einer schweren Lungenerkrankung durch die Gegend. Etwas plakativ wird es erst, wenn ein kleines Mädchen, Rockys Schwester, mit in die Geschichte heringezogen wird. Das wäre nicht wirklich nötig gewesen. Für die Massen ist "Galveston" sicher nichts, auch nicht unbedingt für ein klassisches Genre-Zielpublikum. Doch wer gerne ruhige, aber dennoch brutale Filme mag, sollte durchaus mal einen Blick auf 'Galveston' wagen, denn als zeitweilige Abkehr von den üblichen Konventionen lohnt sich der Film auf jeden Fall. Reine Actionfans kommen aber womöglich nur bedingt auf ihre Kosten.

7/10

Quellen
Inhaltsangabe: Koch Films