Dienstag, 24. März 2026

Project Hail Mary - Der Astronaut: Project Hail Mary (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt12042730/

Ryland Grace (Ryan Gosling) erwacht an Bord eines Raumschiffs - weit entfernt von der Erde und ohne jede Erinnerung an seine Identität oder den Grund seiner Mission. Bruchstückhaft kehren seine Erinnerungen zurück. Er erkennt, dass er eine zentrale Rolle in einem Wettlauf gegen die Zeit spielt: Eine rätselhafte Substanz bedroht die Sonne und damit das Überleben der Menschheit. Um eine globale Katastrophe zu verhindern, setzt Grace sein naturwissenschaftliches Wissen ein und entwickelt ungewöhnliche Lösungsansätze. Während seiner Reise stößt er auf eine überraschende Verbindung, die ihm zeigt, dass er in seinem Kampf möglicherweise nicht auf sich allein gestellt ist.

"Der Astronaut"/"Project Hail Mary" nimmt Andy Weirs gleichnamigen Roman von 2021 und macht daraus einen kosmischen Abenteuerfilm, der ein bisschen wie "Der Marsianer" denkt. Er ist clever, witzig und durch und durch optimistisch, und wird mit Phil Lord und Christopher Miller im Regiestuhl kein ehrfürchtig-schwerer Weltraumopferfilm, sondern eine vergnügt-melancholische Buddy-Komödie über den vielleicht einsamsten Mann im Universum und seinen besten Freund - ein spinnenartiges Alien mit dem Spitznamen Rocky. "Der Astronaut" ist darüber hinaus einer jener Science-Fiction-Filme, die eigentlich alles falsch machen dürften - eine anfänglich etwas seltsame, einsame Person, eine sehr lange Laufzeit, viel Technobabbel - und dabei doch eine erstaunlich lebendige, warmherzige Erfahrung liefern. Es ist kein düsterer "Interstellar", sondern ein angenehmer zweieinhalbstündiger Ritt, in dem ein einsamer Biologe die Menschheit rettet, indem er mit einem außerirdischen Kumpel bastelt und lacht - all das getragen von Ryan Goslings unwiderstehlichem Charme. 

Er spielt Ryland Grace, einen Highschool-Lehrer und genialen Molekularbiologen, der aus einem Koma aufwacht - allein auf einem Raumschiff, Lichtjahre von der Erde entfernt, mit zwei toten Crewmitgliedern und Erinnerungen, die mit "löchrig" positiv genug beschrieben sind. Die Sonne unseres Sonnensystems stirbt, Sterne erlöschen und die Erde droht einzufrieren - aufgrund von "Astrophagen“. Diese außerirdischen Mikroorganismen, welche der Hitze der Sonne widerstehen, bilden eine Infrarotlinie zwischen Sonne und Venus, die sogenannte Petrova-Linie. Grace' Mission: die Ursachen finden und eine Lösung entwickeln, irgendwo am Rande des Sonnensystems. Rückblenden (mit Sandra Hüller als knallharter Projektleiterin Eva Stratt) erzählen von der Forschung, der Rekrutierung, dem Wettrennen gegen die Zeit - alles, ohne jemals langweilig zu werden. Das hat "Der Astronaut" vor allem Ryan Gosling zu verdanken. Er spielt Grace als Mischung aus Klassenclown, Nerd und im Grunde sehr müdem, einsamen Mann, ein schräger, unrasierter und etwas verpeilten Everyman, der vor Angst witzelt, vor Druck tanzt und trotz Einsamkeit strahlt - ein irgendwie "charismatischer "Space Bro", dem man sofort ins Herz schließt. Ein Held, der keine Superwaffe hat, nur Neugier, Hartnäckigkeit und einen trocken-ironischen Humor. 

Der Clou kommt mit Rocky, dem spinnenartigen Alien-Buddy: er ist dabei mehr als nur Sidekick oder Gimmick. Sein Design - eine asymmetrische, steinige, mehrarmige CGI-Figur (mit Herz), die in einer dichten Atmosphäre in seinem eigenen Modul lebt - ist bewusst weit entfernt vom humanoiden Standard, gleichzeitig aber durch Mimik, Gesten und Klang angenehm empathisch inszeniert; er pfeift, quietscht, hilft beim Reparieren, und die beiden "sprechen" via Posen und mit Hilfe einer mühsam selbst aufgebauten Computerstimme. Es ist "E.T." als intergalaktische Sitcom, herzerwärmend und urkomisch, mit Umarmungen, die kitschig wirken, aber wunderbar funktionieren. Und das ist Stärke und Limit zugleich: Rocky wird zur idealisierten Buddy-Figur, mit Familie, (evntl. Kindern) und klaren Motiven, aber die Chance, Erstkontakt wirklich fremd und verstörend zu denken, wird bewusst auf Kosten eines "Feel-Good"- Effekts geopfert - was man dem Film aber auch sofort verzeiht. Lord und Miller legen die Beziehung der beiden sehr offen als Freundschaftsfilm an: Sie entwickeln gemeinsam eine Sprache, essen gemeinsam (zumindest so, wie dies in ihren jeweiligen Biosphären durchgeht), streiten, lachen, und retten sich gegenseitig das Leben. Inmitten des Weltuntergangs entsteht so eine beschwingte Buddy-Komödie - und genau diese Entscheidung macht den Film zugänglich und emotional, auch wenn sie das philosophische Potenzial des Stoffes etwas zähmt. 

Der Film stolpert allerdings in seiner zweieinhalbstündigen Laufzeit etwas über seine nicht-lineare Struktur: Gegenwart im All, Rückblenden zur Erde, die nach und nach erklären, wie Grace hier gelandet ist, reißen einen oftmals aus der warmen Decke, in die man sich als Zuschauer eingekuschelt hat, und holen einen wortwörtlich auf die Erde zurück. Dennoch wird die Exposition gut ausbalanciert: Die Szenen auf einer sterbenden Erde mit Stratt, die eine globale Koalition mit drastischen Mitteln durchsetzt, stehen in Kontrast zur stillen Isolation von Grace und Rocky im All. Gleichzeitig spürt man ein paar kleinere Längen. Das mehrfach hinausgezögerte Ende erweckt bald das Gefühl, dass hier ein stärkerer, kürzerer Film in einem zu langen steckt.

Lord und Miller versuchen hier das beinahe Unmögliche: Hard-Sci-Fi (Astrophysik, Biologie, Docking-Manöver) verknüpft mit Popcorn-Spaß und visuellen Gags, die an "WALL-E" erinnern und Spannung wie in "Gravity" halten. Visuell setzen sie auf die Expertise von Greig Fraser, dessen Arbeit an "Dune" zu Recht viel Lob bekommen hat. Seine VFX sind spektakulär - Raumschiff-Internas, Alienschiff, kosmische Manöver - und das alles trotzdem irgendwo nicht zu übertrieben und solide geerdet. Praktische Sets für das Schiff, überzeugende Schwerelosigkeit (wenn auch nicht immer auf Cuarón-Niveau), in Tau-Ceti-Orbit-Sequenzen, die Fraser erneut als Meister des Hell-Dunkel-Kontrasts zeigen. Und die T-Shirts sind ja wohl mal einmalig! Der Score bleibt hinter dem ikonischen Druck anderer Space-Filme zurück, erfüllt aber zuverlässig seine Funktion: Er unterstützt vor allem die Freundschaftsmomente und den Humor; durchaus passender Ansatz für einen Film, der sich dem Weltraum nicht als Horrorort, sondern als Bühne für Kooperation nähert. Die Musikauswahl ist wild, aber passend. Weir-Verfilmungen leben ja davon, dass sie echte Wissenschaft in zugängliche Rätsel verwandeln, und "Der Astronaut" setzt das nach "Der Marsianer" konsequent fort: Grace löst Probleme, indem er Biologie, Chemie und Astrophysik anwendet, rechnet an Whiteboards, testet Hypothesen, scheitert, testet neu. Echte Wissenschaft und Problemlösung mit viel Herz und Humor schafft damit eine seltene Balance. Genau hier liegen aber auch die Bruchlinien. Die emotional wichtigsten Verknüpfungen der beiden Haupträtsel - warum Tau Ceti stabil ist und warum Grace auf diesem Schiff landet - sind etwas billig. Insbesondere ist der Versuch, Grace nachträglich ein moralisches Versagen anzudichten, nicht ganz nett und glaubwürdig: Der Film will ihn gleichzeitig zum ikonischen Retter und tragischen Sünder machen, ohne dass seine gezeigte Persönlichkeit diese Wendung wirklich trägt. Ähnlich ambivalent ist der Humor: Einerseits ist dieser herrlich gemütlich und Gosling liefert mit seinem Auftritt ein angenehmes komödiantisches Timing, opfert aber dafür echte Spannung, weil man nie das Gefühl hat, dass hier wirklich etwas schlimmes passieren könnte. 

Auf der thematischen Ebene erzählt "Der Astronaut" vom Wert der Kooperation in einer fragmentierten Welt: Ein Mensch und ein Insektenwesen schließen wortwörtlich eine Sternen-Freundschaft, um zwei Spezies zu retten. Stratt verkörpert die kalte Notwendigkeit - sie nimmt Grace Entscheidungen ab, zwingt ihn in die Rolle, die er eigentlich nicht wollte - und Grace und Rocky verkörpern optimistischen, lösungsorientierten Humanismus: das Vertrauen, dass man durch Neugier, Ehrlichkeit und die Bereitschaft, sich für den anderen zu opfern, aus einer ausweglosen Lage entkommen kann. Das Finale - ohne hier ins Detail zu gehen - entscheidet sich klar gegen Zynismus: Die wichtigste Tat des Films ist ein Akt freiwilliger Selbstaufgabe, und der Epilog dehnt diese Entscheidung in eine bittersüße neue Normalität aus. Damit ist "Der Astronaut" im Grunde "Der Marsianer" Teil 2. Die Botschaft - Neugier siegt über Angst, Kooperation über Isolation - fühlt sich 2026 wie ein Medikament an. Doch "Der Astronaut" muss sich auch die Kritik gefallen lassen, dass er stellenweise zu formelhaft ist, der Humor manchmal zu cartoonig (angesichts der nahenden Apokalypse) wirkt. Und trotzdem ist "Der Astronaut" ein ausgesprochen unterhaltsamer, warmherziger Spacefilm, dessen größte Stärke seine Figuren, sein Humor und seine visuelle Souveränität sind - und dessen größte Schwächen in der Erzählweise, den einfachen gemachten Entscheidungen und dem Anfang liegen. Dennoch verlässt man das Kino mit einem wohligen Gefühl - so wie es sein soll. "Der Astronaut" - ein Feel-Good-SciFi-Blockbuster, der das Universum rettet, indem er den Zuschauer zum Lachen bringt, und Gosling als ultimativen Movie-Star weiter etabliert. Zwei volle Daumen runter!

8,5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Amazon MGM Studios/Pascal Pictures/Sony

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