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Donnerstag, 28. September 2023

The Black Phone (2021)

https://www.imdb.com/title/tt7144666/

Im Jahr 1978 versetzt der sogenannte "Greifer" eine Kleinstadt in Colorado in Angst und Schrecken. Immer wieder verschwinden Kinder spurlos. Die Grundschülerin Gwen (Madeleine McGraw) sieht zwar in ihren Träumen einen Mann mit schwarzen Luftballons, der Kinder verschleppt - traut sich aber nicht, etwas zu sagen, weil ihr alkoholkranker Vater Terrence (Jeremy Davies) sie dann verprügelt. Aber dann wird auch Gwens 13-jähriger Bruder Finney (Mason Thames) entführt - und findet sich plötzlich in einem schalldichten Keller wieder, wo ihn der maskierte Greifer (Ethan Hawke) begrüßt. Schreien hilft hier gar nichts - aber an der Wand hängt ein Telefon, das trotz durchgeschnittenem Kabel immer wieder klingelt. Offenbar sind es die Geister der früheren Opfer des sadistischen Serienmörders, die sich an ihrem Mörder rächen und zugleich Finney vor einem ähnlichen Schicksal beschützen wollen...

Mehr berührend als erschreckend ist Scott Derricksons "Black Phone" weniger ein Horrorfilm als eine Coming-of-Age-Geistergeschichte. Anstelle von Blutfontänen und wogendem Schrecken hat diese unterhaltsame Adaption von Joe Hills Kurzgeschichte aus dem Jahr 2005 einen fast kontemplativen Ton, der den bekannten Horrortropen - ein maskierter Psychopath, Kommunikation aus dem Jenseits - viel von ihrem Reiz nimmt. Der geringe Gänsehautfaktor des Films ist jedoch alles andere als ruinös. Im Mittelpunkt der Geschichte, die in der Kleinstadt Colorado in den 1970er Jahren spielt, steht der 13-jährige Finney (Mason Thames), ein hervorragender Baseball-Pitcher, der unter der Last seiner toten Mutter, der Tyrannen in der Schule und seines missbrauchenden, alkoholkranken Vaters (Jeremy Davies) leidet. Eine frühe Lektion eines neuen Freundes (ein charismatischer Miguel Cazarez Mora) darüber, wie man sich wehrt, erweist sich als vorhersehbar, als Finney das jüngste Opfer von The Grabber (Ethan Hawke) wird, einem clownesken Zauberer und Entführer mehrerer Jungen aus der Nachbarschaft. 

Auch wenn der Film wenig gruselig und wenig spezifisch ist (der Grabber ist ein generischer, etwas komischer Bösewicht mit einer unerforschten Psychose), ist "The Black Phone" als eine Feier der jugendlichen Unverwüstlichkeit erfolgreicher. Während Finney in einem schalldichten Zementkerker schmachtet, nutzt seine kleine Schwester Gwen (Madeleine McGraw, eine herausragende Leistung) die übersinnlichen Fähigkeiten, die sie von ihrer Mutter geerbt hat, um ihn zu finden. Finney erhält auch Hilfe von den früheren Opfern des Mörders, die ihn über das alte Telefon an der Wand über seinem Bett anrufen, ohne sich von der Tatsache abschrecken zu lassen, dass es längst abgeschaltet ist. Derrickson (der das Drehbuch zusammen mit C. Robert Cargill schrieb) greift auf Elemente seiner eigenen Kindheit und Jugend zurück und beschwört eine Zeit herauf, in der Ted Bundy in den Nachrichten war und "The Texas Chainsaw Massacre" im Autokino lief. Die Bilder des Films haben einen sanften, antiken Schimmer, der die nostalgische Stimmung verstärkt und gleichzeitig das Grauen abmildert. (Man vergleiche zum Beispiel Finneys Entführung mit Georgies Entführung in dem 2017 erschienenen Gruselfilm "Es": Beide zeigen Luftballons und ein maskiertes Monster, aber nur eines ist furchterregend.) Da hilft es auch nicht, dass Hawke in einer Figur gestrandet ist, deren Folterrepertoire hauptsächlich aus kunstvollen Handgesten besteht.

The Black Phone" lehnt sich stark an die vertrauten erzählerischen Obsessionen von Hills Vater Stephen King an - mutige Kinder, rücksichtslose Eltern, gruselige Clowns und ihr Spielzeug - und fühlt sich unvermeidlich abgeleitet an. Aber die jungen Schauspieler sind sympathisch, der Schauplatz ist liebevoll erdacht und die Ängste des Heranwachsens stehen im Mittelpunkt. Für die meisten der Zuschauer waren diese Ängste aber auch mehr als genug, um Gänsehaut zu erzeugen. 

7/10

Quellen: 
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Universal/Turbine

Sonntag, 22. November 2020

An American Werewolf in London - American Werewolf (1981)

https://www.imdb.com/title/tt0082010/

Die amerikanischen Studenten David (David Naughton) und Jack (Griffin Dunne) machen einen Road Trip durch Europa. Ihre Reise führt sie auch in den kleinen Ort East Procter, der im nordenglischen Hochmoor gelegen ist und dessen Bewohner offensichtlich ein Geheimnis hüten … Als die Jungen sich bei Vollmond verlaufen, werden sie von einem waschechten Werwolf angefallen – Jack stirbt bei der Attacke, während David leicht verletzt von den Dorfbewohnern gerettet werden kann und in ein Londoner Krankenhaus gebracht wird. In seinen Träumen rät ihm der verstorbene Jack, David solle sich selbst töten, da er nun auch ein Werwolf sei – als er später davon berichtet, will niemand dem Jungen glauben, nicht einmal Krankenschwester Alex (Jenny Agutter), in die sich David Hals über Kopf verliebt hat. Als jedoch beim nächsten Vollmond sechs Menschen in der Londoner Innenstadt getötet werden und David am nächsten Tag nackt im Wolfsgehege des Zoos aufwacht, ist nicht nur er selbst, sondern auch sein Arzt Dr. Hirsch (John Woodvine) beunruhigt...

Der Horrrofilmklassiker "American Werewolf" schafft es leider nur sehr selten auf die Listen der ganz großen Horrorfilm-Klassiker. Das ist verwunderlich, denn "American Werewolf" unter der Regie von John Landis ist eine wundervoll unterhaltsame Mischung aus Horrorfilm, Drama und Komödie, die mit ausgezeichneten Effekten und einem tollen Soundtrack (u.a. Cleardance Clearwater Revivals "Bad Moon Rising") aufwartet. Es ist allerdings genau diese Mixtur, welche diesen Film ausmacht. Die einzelnen Zutaten ergeben ein völlig homogenes Ganzes, erzeugen einen sehr charmanten Genrebeitrag, der sichtlich mit sehr viel Liebe inszeniert wurde.

Dabei greift "American Werewolf" größtenteils nur altbekanntes auf, modifiziert diese klassischen Elemente aber so respektvoll, dass der Sprung in die Moderne ganz vorzüglich gelingt. Es wirkt einfach alles sehr sehr sympathisch, der Film ist durchzogen von einem grinsendem Augenzwinkern und oft auch zartem Spott. Diesen bekommen aber der Werwolf-Kult, das moderne Leben und der Mensch an sich in gleichen Teilen ab. Es ist ein böser durchaus böser Humor der "An American Werewolf in London" durchtränkt, er ist aber gleichzeitig immer wohlwollend. John Landis wusste wohl auch, dass sich der Werwolf wenig dazu eignet, so wirklich Angst und Schrecken zu verbreiten. Dieses "Was wäre wenn das echt passieren würde", was ja vielen Horrorfilmen ja erst ihren besonderen Reiz gibt, will hier einfach nicht greifen und so ist es nur zu begrüßen, dass sich Landis hauptsächlich auf seine kleine Geschichte verlässt, seine liebevollen Charaktere, seinen leisen Witz und diesen mit ein paar schönen (und teilweise doch recht blutigen) Effekten anreichert. Für diese ausgezeichneten Spezialeffekte heimste Rick Baker eine Oscarnominierung ein, sallein die Verwandlungsszene ist definitiv ein Highlight. "An American Werewolf in London" ist ein Erwachsenenversion eines Grimmschen Märchens eben näher, als einem "Dawn Of The Dead" oder "The Texas Chainsaw Massacre", funktioniert aber gerade deshalb so gut.

So bleibt "American Werewolf", obwohl sein Finale etwas anderes sagt, als blutiger Feel-Good-Movie in Erinnerung. Gleichermaßen charmant und intelligent, spürt man dem Film in jeder Sekunde den Enthusiasmus und die Hingabe an, die die Macher in diesem Film steckten. Vorallem schien man zu wissen wo die Grenzen sind, was man nicht oder nur ungenügend bewerkstelligen kann...und genau dort wurde mit einer riesigen Phantasie und handwerklichen Geschick gezaubert. Das Resultat ist einer der zugänglichsten Horrorfilme die es gibt und definitv einer der Top-10 Werwolf-Filme.

8/10

Von TURBINE Medien kommt der Film als Erstauflage in der auf 1313 Stück limitierten "Ultimate Edition mit massig Bonusmaterial, Soundtrack und weltweit erstmalig auf Ultra-HD Blu-ray.


Quellen: 
Inhaltsangabe: Universal Pictures / Turbine

Donnerstag, 21. Dezember 2017

Leatherface (2017)

http://www.imdb.com/title/tt2620590/

Auf der Farm der Familie Sawyer wird im Sommer 1955 die Tochter des örtlichen Sheriffs Hal Hartman (Stephen Dorff) tot aufgefunden. Zwar kann den Sawyers der Mord nicht nachgewiesen werden, doch veranlasst Hartman aus Rache, dass Verna Sawyer (Lili Taylor) das Sorgerecht für ihren Sohn Jedidiah entzogen und dieser in eine Nervenheilanstalt gesteckt wird. Zehn Jahre später verhilft Verna dort einigen Insassen zur Flucht, um ihren Sohn endlich ganz im Sinne der Familientradition zum Killer erziehen zu können. Tatsächlich befindet er sich unter einer Gruppe von vier gefährlichen Jugendlichen, die mit der Krankenschwester Lizzy (Vanessa Grasse) als Geisel Reißaus nehmen. Bei welchem der Patienten es sich um ihn handelt, ist allerdings unklar, haben diese doch zu ihrem eigenen Schutz neue Namen verpasst bekommen. Sheriff Hartman nimmt die Verfolgung auf...

Das Regie-Duo Alexandre Bustillo und Julien Maury kennt man im Horrorgenre bereits. Ihr  künstlerisches Schaffen ist ein Aushängeschild, wenn es darum geht, erbarmungsloses Schalchten stylistish und irgendwo auch ästehtisch dem Harcore-Splatter-Liebhaber schmackhaft zu machen um sie damit auch ein wenig zu berauschen. Bereits seit ihrem Debüt "Inside", dessen Klasse das Regie-Duo bisher nicht wieder erreichen konnte, weiß derZuschauer, wie außerordentlich kalt und gleichgültig sie in ihren Filmen die besonderen Noten verpasst.

In ihrem neuen Streifen "Leatherface", der das Prequel zu Tobe Hoopers Klasser "The Texas Chainsaw Massacre" bildet, zeigen beide erneut Talent, wenn es um möglichst blutige und schmerzhafte Bebilderung von Kills geht, jedoch mekt man auch recht schnell, dass ihr Talent hier einzig und allein hinter der Kamera lebt. Denn mit "The Texas Chainsaw Massacre" hat "Leatherface" kaum etwas gemein. Daher ist es durchaus auch ein wenig verständlich und sogar nachvollziehbar, dass der Streifen von den Fans des Kettensägenmassakers förmlich in der Luft zerrissen wurde. Dabei stützen sich Bustillo und Maury doch auf eine eigentlich recht interessante Story, die, wendungsarm und mit neutralem Spannungsbogen, von Kill zu Kill hechtet. Das klingt erst einmal sehr dröge, doch gemessen an der Laufzeit von knapp 87 Minuten in der ungeschnittenen Fassung ist dem nicht so. Im Gegenteil. Bewegt man sich gedanklich von Hoopers "The Texas Chainsaw Massacre" weg und betrachtet "Leatherface" als das, was er ist, dann bekommt der geneigte Horrorfan einen adäquaten Streifen serviert, der einmal mehr durch Optik und Effekt doch noch punkten kann. Dem Regie-Duo, das in der Vergangenheit in gemeinsamen Arbeiten vor allem durch bildstarke Horror-Impressionen auffiel, gelingt es aber nur in einigen wenigen Szenen, dem holprigen Drehbuch prägnante Einstellungen zu entlocken, die durch rücksichtslose Härte, handgemachte Gore-Effekte oder verspielte Bizarrheit bestechen.

Es ist wirklich kein Meisterwerk, das sicher nicht, aber auch kein so schlechter Film, wie er von vielen dargestellt wird. Als unentschiedene, zerfahrene Origin-Story einer die Zeit überdauernden Horror-Ikone, die ihren Schrecken gerade dadurch entfaltet, dass sie sich nicht konkret psychologisieren lässt, erweist sich Bustillo und Maurys Film spätestens im hilflosen Finale, das verzweifelt Horror-Mechanismen des bisherigen Franchise kopiert, als ein auch etwas gescheitertes Machwerk. Wer nämlich auf tiefgehende Einblicke und der Frage warum Leatherface zu diesem (späteren) Monster wurde, wartet, wird dies auch nur auf oberflächlichen Wege gezeigt bekommen. Vielleicht sollte man "Leatherface" einfach als das nehmen, was er vielleicht auch nur sein wollte: ein Horror-Splatter der äußerst harten Gangart mit losem Bezug zu Hoopers Original und mit neuen Ansätzen und Ideen. Dass er an Spannung und Wendungsreichtum krankt ist ihm da gerade noch zu verzeihen.

6,5/10 Punkten

Von TURBINE Medien kommt der Film als deutsche Erstauflage ungeschnitten und unzensiert im auf 1.000 Stück limitierten DigiPak auf BD in HighDefintion.


Quellen: 
Inhaltsangabe: Turbine

Donnerstag, 16. November 2017

The Texas Chainsaw Massacre 2 (1986)

http://www.imdb.com/title/tt0092076/

Seit einem Jahrzehnt versucht Texas Ranger Lefty Enright den grausamen Mord an seiner Familie durch die "legendäre" Sawyer-Familie zu rächen. Die Radiomoderatorin Vantia Block wird am Telefon Zeugin, wie zwei Jugendliche, die sie angerufen haben, getötet werden. Lieutenant Enright, dessen Neffen vor zehn Jahren von dem wahnsinnigen Kettensägenmörder getötet wurden, sieht in diesem Fall einen Zusammenhang mit den Geschehnissen von damals, und bittet die Techniker, den mitgeschnittenen Anruf auszusrahlen. Keine gute Idee, denn dadurch wird der Killer angelockt - und begibt sich geradewegs zum Sender, wo er alle, die Zeugen des Anrufs waren, mit seiner Kettensäge behandeln will. Bald finden sich alle in der Metzgerei der Sawyers wieder. Dort beginnt eine Schlacht von epischem Ausmaß...

Starke Fortsetzung, die zwar nicht an den unumstritten großartigen Erstling heranreicht, aber den Mut aufbringt, den nicht nur unter ökonomischen Gesichtspunkten herausragend verwirklichten Erstling stilistisch in das komplette Gegenteil zu verkehren. Es ist (bis heute) eine extrem gewagte Fortsetzung von Regisseur Tobe Hooper, denn statt subtilem Psychoterror wird gemetzelt, und zwar auf unvergleichlich grenzdebile Art und Weise. Bereits der Opener auf der Brücke ist legendär, zwar unglaublich sinnfrei aber einfach toll gemacht. Was an "Blutgericht in Texas", diesem schroffen, so vielseitigen Blick in eine verstörende Americana-Finsternis, alles brillant war, muss an dieser Stelle nicht weiter erläutert werden, gerade weil es der freidrehende Nachfolger auch von vornherein untersagt, den zwanghaften Vergleich zu forcieren – und in diesem Punkt sollte man ihm, gerade für das Ausreizen der immersiven Wirkung, unbedingt seine Aufmerksamkeit schenken.

"Texas Chainsaw Massacre 2" ist ein irrsinniger, ein in schmuddeligem braun gehaltener Exzess, der in diesem gewagten Eigensinn nur dem feurigen Canon-Köcher entsprungen sein kann.  Nicht nur, dass "Texas Chainsaw Massacre 2" den Aspekt um die aus der gesellschaftlichen Mitte verstoßenen Familie noch viel extremer ins Satirische überhöht, Tobe Hooper setzt sich auch ganz explizit mit der in der nationalen Identität Amerikas verwurzelten Leidenschaft für abtrünnige Gewalt auseinander. Dieses Muster setzt sich über die gesamte Laufzeit fort, der Film wirkt zeitweise wie eine Parodie auf das Original. Fans des ersten Teils seien also gewarnt, hier besteht durchaus auch Hassfilm-Potenzial. Verdrängung und Faszination bilden hier ein reziprokes Verhältnis und synchronisieren sich in ihrer Parallelität immer dort, wo das eine das andere auszuhebeln scheint. Vielmehr fördert die Angst eine neue Dimension der entarteten Lust empor. Gewalt ist ein ansteckender Akt, einmal mit ihr in Kontakt geraten, befällt sie die Seele wie ein dunkler Schatten. Und Leatherface ist die tragische Figur im grellen Geschehen, die sich nur nach fleischlicher Liebe verzehrt und doch nur töten kann. Im Rattern der ewigen Kettensägenmassaker finden urmenschliche Sehnsüchte ihren pervertierten Abglanz.

7/10

Von TURBINE Medien kommt der Film als deutsche Erstauflage ungeschnitten und unzensiert im auf 5.000 Stück limitierten DigiPak auf BD in HighDefintion. 


Quellen: 
Inhaltsangabe: Turbine

Samstag, 16. September 2017

The Texas Chainsaw Massacre - Blutgericht in Texas (1974)

http://www.imdb.com/title/tt0072271/

18. August 1973, Texas: Ein Friedhof wurde geschändet, die Leichen aus ihren Gräbern entfernt und zu bizarren Figuren angeordnet. Sally Hardesty (Marilyn Burns) und ihr im Rollstuhl sitzender Bruder Franklin (Paul A. Partain) sind besorgt, dass auch das Grab ihres Großvaters verwüstet wurde. Also reisen sie mit Sallys Freund Jerry (Allen Danziger), ihrer besten Freundin Pam (Teri McMinn) und deren Freund Kirk (William Vail) nach Texas. Als sie feststellen, dass die Ruhestätte intakt ist, fahren sie weiter zu dem alten, verlassenen Hof der Familie Hardesty. Unterwegs nehmen sie einen etwas kauzigen Anhalter (Edwin Neal) mit, den die Gruppe aber aufgrund dessen merkwürdigen Verhaltens wieder auf die Straße setzt. Wenig später erreichen die Freunde eine Tankstelle. Dort bekommen sie zwar kein Benzin, dafür jedoch hat ein alter Mann (Jim Siedow) einen wichtigen Rat: sie sollen umkehren! Doch die jungen Leute schlagen die Warnung in den Wind. Schließlich entdecken Kirk und Pam ein Haus und wollen die Bewohner nach Benzin fragen. Sie ahnen nicht, dass dort das leibhaftige Grauen wohnt: eine degenerierte Sippe, die ihr Heim mit menschlichen und tierischen Überresten dekoriert. Ein Familienmitglied, Leatherface (Gunnar Hansen), trägt Maske und Kettensäge...

Frei nach den grausamen Taten des Massenörders Ed Gein, der in den USA der fünfziger Jahre aktiv war, schuf Tobe Hooper im Jahre 1974 den bis heute wohl bekanntesten aller Horrorfilme: "The Texas Chainsaw Massacre". Und was diesen Film bis zum heutigen Tag so verstörend macht, ist nicht der Gewalt zu verdanken, von der es in einem Film mit dem reißerischen Titel (übersetzt) "Kettensägenmassaker" überraschend wenig gibt, sondern an der nervenzerreißenden Atmosphäre und wie realistisch sich der Film im Vergleich zu so vielen anderen Slashern anfühlt. Schon in den ersten Minuten weiß Regisseur Tobe Hooper eine unvergleichlich ungemütliche Atmosphäre zu erzeugen, als eine Gruppe Freunde dazu einwilligen, einen Fremden auf der Straße in ihren Wagen zu lassen. Doch statt dass wir schon im Voraus wissen, was auf die jungen Erwachsenen zukommt, verzichtet der Regisseur weitestgehend auf gruselige, laute Musik, die dem Zuschauer direkt verrät, dass sie Gefahr erwartet. Genau wie die Gruppe hat das Publikum nicht die leiseste Ahnung, was auf es zukommt, es wirkt fast schon so, als würde man sie auf ihrem Horrortrip begleiten.


Selbst Leatherface, einer der berühmtesten Gesichter im Horror-Genre bekommt keinen großen Auftritt wie so viele andere Killer, sondern kommt ganz natürlich um die Ecke ohne einem aufgezwungenen Jumpscare-Soundeffekt und schlägt genau den Charakter zu Boden, von dem man bei jedem anderen Horrorfilm nicht erwartet hätte, dass er als erstes ins Gras beißt. Genau das macht "The Texas Chainsaw Massacre" so grandios: er hält sich an keine Horrorfilm-Formel, trotz der altbekannten Prämisse. Es gibt keine Heldenmomente; kein überzogenes Drama mit trauriger Musik, wenn einer der Hauptcharaktere weg vom Fenster ist, der ganze Film dreht sich nur darum, zu überleben und dem Wahnsinnigen mit der Kettensäge zu entkommen.


Nicht nur das Setting unterscheidet Hoopers Werk von vorherigen Produktionen, denn The Texas Chainsaw Massacre bricht konsequent mit konventionellen Strukturen und Strategien des Horrorgenres. Statt wohligen Grusel aufzubauen, prägte The Texas Chainsaw Massacre den Begriff des Terrorfilms, der sein Publikum mit größtmöglicher Eskalation konfrontiert, der nicht selten auch eine degenerierte Perversion innewohnt: wo Geister und Vampire noch als Werkzeuge höherer Mächte wirken und ihrem Tun zumindest eine immanente Logik zugrunde liegt, gebären im Terrorfilm Stumpfsinn und Wahnsinn der Menschen groteske Bluttaten, deren Wesen keinerlei Funktion mehr erfüllt, sondern vollkommen sinnlos erscheint. Wo altmodische Horrorfilme unsere Synapsen mit schemenhaften Gruselsymptomen lediglich anregen, agiert der Terrorfilm absolut konkret, überfährt und überfordert uns mit seiner so anarchischen wie stumpfen Direktheit.

Und trotz der über 40 Jahre, die der Film auf dem Buckel hat, gehört vor allem das letzte Drittel des Films zu einer der verstörendsten Sequenzen, die man je gesehen hat. Statt dass der Film den Zuschauer Luft lässt und nur mit seinen blutigen Toden unterhält (die man eigentlich so gut wie gar nicht sieht), wie es so viele Filme heutzutage tun und sich als Slasher ausgeben, terrorisiert der Film auch den Zuschauer selbst. Der Film ist ungemütlich, dreckig, nicht vorhersehbar und schlägt dem Zuschauer oft genug ins Gesicht, sodass man in den letzten Minuten verzweifelt hofft, dass sich für wenigstens eine Person alles zum Guten wendet. Selten fühlt sich ein Horrorfilm so echt an, selten wurde ein Slasher so unkonventionell erzählt und in Szene gesetzt. Hut ab!

8,5/10

Von TURBINE Medien kommt der Film als deutsche Erstauflage ungeschnitten und unzensiert im auf 5.000 Stück limitierten DigiPak auf BD in HighDefintion.


Quellen: 
Inhaltsangabe: Turbine