Samstag, 23. März 2013
The ABCs Of Death (2012)
"The ABCs Of Death" ist das vielleicht ehrgeizigste Anthologie-Filmprojekt aller Zeiten. Wenn weltweit einschlägige Genrefilme-Macher aus 15 Ländern einen Buchstaben aus dem Alphabet zugeteilt bekommen und daran anlehnend eine Geschichte über den Tod abliefern sollen, wird eines schnell klar: Hier kommt eine Menge verrückt-krasses Zeug zusammen! Schockierend, exotisch und voller Ironie, ist THE ABCs OF DEATH eine Vision der modernen Horror-Vielfalt.
Es ging ja gut los und hörte sich im Vorfeld auch gut an. 26 Genre-Regisseure bekamen einen Buchstaben zugeteilt und sollten nun in kurzer Zeit einen genre-typischen Beitrag abliefern, der ein paar Minuten lang ist. Der Vorspann lies hoffen und auch Buchstabe A ging sofort gut zur Sache. Selbst Buchstabe B machte noch Laune, aber danach ging es so steil bergab, das hätte man schon als Abgrund bezeichnen können. "The ABCs of Death" ist ein waschechter Crowdpleaser, ein Film, bei dem man sich gemeinsam vor Lachen die Bäuche hält, gemeinsam vor Entsetzen nach Luft schnappt und danach erst recht gemeinsam über Subtexte, Geschmacklosigkeiten und die beste Splatter-Szene debattiert.
Weniger involvierend sind all die Kurzfilme, in denen bloß Genre-Allgemeinplätze durchgespielt werden, aber sehr wohl hat Noboru Iguchi die Aneinanderreihung von Kurzfilmen mit einer Vollbremsung gestoppt: im passend betitelten "Fart" endet die gemeinsame Reise einer Lehrerin und der von ihr besessenen Schülerin wortwörtlich im Allerwertesten der Pädagogin. Bei derartigen Fäkalhumor-Eskapaden mag man noch eine Augenbrauhe hochziehen und müde lächeln, aber vor allem auch richtig ekeln. So hat man das Gefühl, dass jeder 3. Regisseur von nun an seine anale und toilettäre Phase ausgelebt hat. Rotz!
"Hydro-Electric Diffusion" von Regisseur Thomas Cappelen Malling schießt ebenso mit Volldampf über alle Geschmacksgrenzen hinweg, wenn der Regisseur irgendwo zwischen Naziploitation und "Der fantastische Mr. Fox" eine von Winston Churchills großer Luftkriegsansprache träumende Dogge gegen eine SS-Füchsin antreten lässt. Ebenso: Schotter!
Wieder andere Episoden sind dagegen so herrlich albern und clever zugleich: in Yudai Yamaguchis "Jidai-geki" ("Samurai Movie") zieht ein gefallener Samurai beim rituellen Selbstmord immer absurdere Grimassen, bis seinem Henker vor schallendem Gelächter das Katana aus der Hand fällt. Mit Adam Wingards "Quack" und Jon Schnepps "WTF!" folgt zwischendurch die passende Reflektion auf diesen ständigen Overkill der Bilder, Ideen und Referenzen. Während der Regisseur als sein eigener Hauptdarsteller fieberhaft überlegt, was er mit dem Buchstaben W anfangen soll, wird er zunehmend wahnsinniger, die Schnittfrequenz schneller und der erzählerische Zusammenhang loser – bis die Episode in einem Inferno zerstückelter Eindrücke gipfelt.
Xavier Gens klagt in "X Is For XXL" mit eindringlicher Klarheit den Schlankheitswahn an: Von einer Beauty-Werbung heimgesucht erleidet eine schwergewichtige Frau erst eine Fressattacke – und beginnt dann, das verhasste Übergewicht mit dem Messer abzutragen, Schicht für Schicht. 6 von 26 Kurzfilmen retten aber leider nicht den ganzen Film. So sieht man teils uninspirierte und auch richtiggehend dämliche Werke und man hofft inständig, dass der Film zu Ende ist. Wenigstens kann man es anhand der Buchstabenreihenfolge erahnen. Müll.
4/10
Obwohl ich den Film so schlecht bewerte, bin ich dann doch irgendwo Sammler. Und ich habe gern Reihen komplett. "The ABCs Of Death" erschien als Nr. 18 in der CAPELIGHT PICTURES-Mediabook-Reihe und ist letztendlich doch (vom Artwork her) ganz schick...
Montag, 27. April 2015
The ABCs Of Death 2 (2014)
http://www.imdb.com/title/tt2926810/Sterben muss jeder. Aber die Art und Weise kann so unterschiedlich sein, wie man es sich nur vorstellen kann. Oder besser gesagt, wie diese 26 Regisseure es sich vorstellen können. In "The ABCs of Death 2" wurden wieder unterschiedlichste Filmemacher ausgewählt, die ihre Horrorvisionen von Tod und Sterben in Kurzfilmen mit dieser Sammlung auf die Leinwand bannen. Für jeden Buchstaben des Alphabets gibt es eine neue Möglichkeit, ins Gras zu beißen. Der Zuschauer muss sich auf Knochenbrüche, Enthauptungen, Kopfschüsse, Beißattacken, Messerstiche, Autounfälle, menschenfressende Hamburger, Kämpfe von Hund gegen Mensch, Verbrennungen, Monster und allerlei weitere absurde, schaurige und brutale Tode einstellen.
Deutlich besser als der sehr fäkallastige Vorgänger. Doch auch hier - und das ist im Grunde klar - kann nicht jede der Episoden ins Schwarze treffen. Eines haben alle gemeinsam: sie sind entweder verstörend oder blutig, aber wie immer haben die Asiaten in Punkto Skurrilität die Nase ganz weit vorn. Mit 26 Episoden, die den Film auf überraschend kurzweilige 2 Stunden bringen ist mit dem zweiten Teil aber immerhin ein wesentlich besserer und auch irgendwie runderer Film gelungen. Die Fortsetzung bietet dem Zuschauer ein paar mehr Highlights. Aber nun zu den einzelnen Episoden:
"A is for Amateuer": ein ziemlich solider Auftakt mit gelungener Pointe.
"B is for Badget": nett und herrlich trashig.
"C is for Capital Punishment": die derbe Splatterszene ist kompromisslos und handgemacht, kurzzeitig kommt sogra Spannung auf.
"D is for Deloused": Stop-Motion mit einem Touch von David Lynch, komisches Ding.
"E is for Equilibrium": einfach ein netter kleiner gag für Zwischendurch.
"F is for Falling": seltsame Episode, die nicht recht weiß wohin.
"G is for Grandad": diese Episode lief als einer der Vorfilme auf den nights 2015 - skurril und immerhin lustig.
"H is for Head Games": aus künstlerischer Sicht ganz gut gemacht, aber ohne wirkliche Story.
"I is for Invincible": eine sehr skurrile Story mit gelungenen Make Up-Effekten.
"J is for Jesus": gehört zu den besseren Geschichten, wie ein kleiner, sehenswerter Kurzfilm.
"K is for Knell": ebenfalls nett, mit viel Atmosphäre und unheimlicher Grundidee.
"L is for Legacy": verstörend schlecht, und somit auch eine der schlechtesten Episoden.
"M is for Masticate": kurzzeitiges Schmunzeln und gut gefilmt, nett.
"N is for Nexus": etwas vorhersehbar, aber nicht übel.
"O is for Ochlocracy": wirklich originelle Grundidee, überraschend und mal etwas anderes.
"P is for P-P-P Scary!": eine kleine Hommage an die S/W-Komödien mit witzigen Einfällen, aber auch reichlich nervtötend.
"Q is for Questionnaire": sehr skurril, aber unterhaltsam.
"R is for Roulette": ein deutscher Kurzfilm, lief ebenfalls als einer der vier Vorfilme auf den nights 2015 und ist dazu noch sehr solide gemacht und bietet ein rätselhaftes Ende.
"S is for Split": solider Thriller mit gutem Splitscreen-Einsatz und überraschendem Ende.
"T is for Torture Porn": der Titel lässt eine ähnliche Story wie "Libido" aus Teil 1 erahnen, aber hier wird es noch abstruser und ekliger.
"U is for Utopi": eine etwas ungewöhnliche Grundidee, die aber am Ende zündet.
"V is for Vacation": einer der Höhepunkte der zweiten Hälfte und die zweitbeste Story des Films. Simpel, aber dreckig und sehr krass inszeniert.
"W is for Wish": liebevoll und originell getrickst, aber inhaltlich etwas mau und unfreiwillig komisch.
"X is for Xylophone": der dritte Film, den man schon von den nights kannte. Harte Story, sehr krankes Ende, ein typischer Bustillo/Maury eben.
"Y is for Youth": der vierte Film der nights mit einer sehr skurrilen und abgedrehten Story.
"Z is for Zygote": und damit ein gekonnter Abschluss des Films, der zwar inhaltlich Reserven hat, aber mit extrem verstörend ekelhaften und herausragenden Make Up-Effekten auftrumpfen kann
Für Horror-Trashfans ist "The ABCs Of Death 2" durchaus eine unterhaltsame Empfehlung, hat ein paar gute Höhepunkte. Das Konzept mit 26 verschiedenen Regisseuren ist eben Segen und Fluch zugleich, denn so fallen die qualitativen Schwankungen eben immer deutlich auf...
5,5/10
In Deutschland erscheint eine stark gekürzte Fassung mit 23 Kurzfilmen unter dem Titel "23 Ways To Die". Es fehlen die Episoden "C is for Capital Punishment" (von Julian Gilbey), "D is for Deloused" (Stop Motion von Robert Morgan) und "T is for Torture Porn" (von Jen and Sylvia Soska). Bei unseren Nachbarn in Österreich ist allerdings ein limitiertes Mediabook von NSM/CAPELIGHT auf den Markt gekommen, welches einmal gut zum Vorgänger passt und zudem alle Episoden, ungeschnitten und unzensiert beinhaltet:
Sonntag, 14. April 2019
Nightmare Cinema (2018)
"You’ll be with me forever!" verspricht Mickey Rourke als teuflisch grinsender Filmvorführer seinen Gästen, denen er in einer ganz persönlichen Vorführung ihre wenig verheißungsvolle Zukunft auf der großen Leinwand präsentiert. Ein Horrorfilm in fünf Geschichten, inszeniert von fünf Großmeistern (Joe Dante, Mick Garris, Ryûhei Kitamura, David Slade und Alejandro Brugués) ihres Fachs: fünf Fremde gehen nach und nach in ein verlassenes Kino, stilvoll passend für die Rahmenhandlung dieser Episoden-Sammlung im historischen Rialto Kino in Pasadena, Kalifornien, wo ein Vorführer (Mickey Rourke) darüber entscheidet, was es zu sehen gibt. In den Filmen, die auf der Leinwand zu sehen sind, wird jeder der Zuschauer mit seinen ureigensten Ängsten und Geheimnissen konfrontiert...
Horror-Anthologien. Immer eine Mischung aus Hochs und Tiefs, extrem selten nur Hochs. Zuletzt kam "México Bárbaro", aber auch Vertreter wie "The ABCs Of Death" oder sogar "Katzenauge" kennen sicher viele interessierte Zuschauer. Solche Filme ermöglichen es den Machern, ihre Kunst etwas freier auszuüben. Ohne den großen Druck des Budgets oder die Herausforderung, mindestens 90 Minuten füllen zu müssen. Dadurch können sie ausprobieren was geht, etwas komischer, verrückter oder auch grausamer werden. Aber weil ein einzelner Filmemacher den Film nicht trägt, ist es noch schwieriger, den Ton und die Struktur genau zu bestimmen - etwas, das nur wenige Anthologien, selbst die guten, erreichen. Die neueste große Anthologie, "Nightmare Cinema" unterscheidet sich da leider auch nicht. Produzent Mick Garris vereint eine Runde von fünf Horrorfilm-Regisseuren für eine Handvoll stilvolle, starke Shorts, die nur knapp aufgrund einiger struktureller Probleme und eines Interstitiums, das nicht genug Sinn ergibt um die schwächeren Beiträge wirklich zu tragen, eine wirklich gute Wertung verfehlt.
Im berühmten Rialto-Kino in Pasadena, Kalifornien trifft eine junge Frau ein, offensichtlich wütend auf ihren Ex, sieht verwundert auf die Anzeigetafel, nimmt eine Karte, trott ein und nimmt im Kino Platz. "The Projectionist" (ein viel zu wenig genutzter Mickey Rourke), ist die Rahmenhandlung, die für jeden neuen Gast ein neues Albtraum-Szenario bereitstellt.
"Nightmare Cinema" beginnt mit einem seiner Höhepunkte, "The Thing In The Woods", ein herrlicher und teilweise ultrabrutaler Slasher mit SciFi-Überraschung von "Juan Of The Dead"-Regisseur Alejandro Brugués. Auf die Drehungen und Wendungen einzugehen würde den Spaß verderben, aber es genügt hier zu sagen, dass es als witziger Slasher beginnt, sich zu einem zeigefreudigem, brutalen Massaker steigert und in etwas viel lustigerem, lebendigerem und bei weitem interessanterem mündet. Es ist mit Abstand das stärkste Segment im Film und setzt leider einen Standard, dem die übrigen Shorts auf dieser Ebene nicht das Wasser reichen können.
Aber das soll nicht heißen, dass der Rest keine eigenen, verworrenen Köstlichkeiten hat. Als nächstes zeigt Horrorlegende Joe Dante eine klassische Huldigung an die "Twilight Zone", die im psychologischen Terror verwurzelt ist, und "Mirari" heißt. Eine schöne Frau mit einer bedeutenden, aber subtilen Gesichtsnarbe auf der Wange wird von ihrem Verlobten zu einer plastischen Operation überredet. Verwunderlich ist da nur, dass der junge Mann gar nicht aufhören kann, darüber zu reden, wie gut seine liebe Mutter nach ihrer Operation aussieht. Schon nach kurzer Zeit ist sie auf dem Stuhl des Arztes sediert und Dante liefert eine freche, chirurgisches Schreckensvision. Das vorhersehbare Ende enttäuscht ein wenig, aber Dante baut Spannung und Unbehagen auf. Er erfindet das Rad hier nicht neu, aber es ist ein Spaß, der aus den Seiten des klassischen Playbooks gerissen wurde.
Im nächsten Film wird es ein bisschen seltsamer,denn es folgt mit "Mashit" ein finsterer Dämonen-Horror von "The Midnight Meat Train"-Schaffer Ryûhei Kitamura. Das Segment entfesselt bald einen Wirbelwind aus Blut und Körperteilen, während eine satanische Kraft mit einem wilden Funken Humor durch eine katholische Kirche (und ihre Kinder) wirbelt. Die kühnen Elemente der Komödie passen nicht zu einigen von "Mashits" ernsthaften und düsteren Themen, aber im wilden Finale spielt Kitamuras kinetischer Angriff gut auf und sorgt für ein unterhaltsames, übertriebenes Ergebnis mit ein paar guten Pointen.
Als nächstes geht "Nightmare Cinema" mit David Slades ruhigem Schwarz-Weiß-Segment "This Way To Egress" weit nach unten. Ein surrealer Ausrutscher durch ein Kaninchenloch in die Hölle; in einen Albtraum des Wahnsinns. Elizabeth Reaser gibt die beste Performance des Films als Helen, eine Frau, die in einem halluzinatorischen Albtraum steckt, in dem die Welt um sie herum zu verrotten scheint. Verzweifelt sucht sie nach Antworten bei einem Psychologen, aber jeder neue Schritt auf dem Weg zur Wahrheit vertieft nur ihre Qual. Slade liefert einen grandiosen Beitrag ab, der eine einzigartige, aufregende Atmosphäre erzeugt, nach dem sich der Zuschauer eine Dusche und eine liebevolle Umarmung wünscht.
Das letzte Segment ist "Dead", einer emotionalen, eher zurückhaltenden Geistergeschichte von Mick Garris, die der Energie und Intensität der anderen Shorts nicht im Ansatz gerecht wird. Hier gibt es eine Grundidee, die zum Mitfiebern anregt, sich aber letztendlich irgendwie zu lang und zu kurz anfühlt, ohne den Humor oder das stilistische Flair der besten Momente des "Nightmare Cinema". Garris leitete auch den Wrap-Around, das etwas zu vage ist, um den Film so zusammenzuhalten, wie er sollte. Was ist das Kino? Wer ist der Projektionist? Warum diese Leute? Hm. Das Rialto mag ein Tor zur Hölle oder ein Geisterhaus des Schreckens sein, aber es ist schwer zu sagen, warum dann diese Geschichte drumherum sein musste. Es ist auch eine seltsame Entscheidung, den Ton des Films mit jedem neuen Segment zu verringern, eine unglückliche Entscheidung, die von einem hohen auf einen niedrigen Pegel bringt. Ein wenig Umstrukturierung würde dem Film einen großen Gefallen tun.
"Nightmare Cinema" ist jedoch letztlich immer noch eine überdurchschnittlich gute Anthologie mit einigen guten bis großartigen Materialien, die es sich lohnt zu sehen, insbesondere "The Thing In The Woods" und "This Way To Egress", die beide das zeug zu echten Klassikern haben.
6,5/10
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Good Deed Entertainment/Cinelou Films
Mittwoch, 6. November 2013
V/H/S 2 - S-VHS (2013)
In einem abgedunkelten Raum stehen vor einer Wand mehrere Reihen von flackernden Monitoren übereinander gestapelt. Die Kamera fängt ein Videotape ein, auf dem ‘Watch this’ steht. Dieser Einladung folgt umgehend eine zitterige Hand, die das Tape seiner Bestimmung entgegen trägt. Das Grauen, von dem wir nun Zeuge werden, kennt keinen Namen, denn es ist das Böse an sich.
Der Vorgänger hatte mir ja recht gut gefallen und dann lief auf dem diesjährigen FantasyFilmFest der Nachfolger "S-VHS". Also wars ein Blindkauf für mich - und einer der sich mal so richtig gelohnt hat. Mehr als ein mal dachte ich mir während des Films: "Was zum Teufeeeeeeeel?" Aber das spricht eigentlich nur für "S-VHS" aka "V/H/S 2". Was man hier geboten bekommt ist sicher keine Found-Footage Standartkost, sondern richtig, richtig durchgeknallte Scheiße, geniale Ideen und dabei richtig gute Effekte. Erklärt wird nichts, der Horror passiert einfach und man weiß nicht wieso. Wie schon in "V/H/S" gibt es keine Anhaltspunkte für das Geschehen. Man denkt sich immer nur "Shit just got real" und so ist es dann eben auch. Hat mir sogar besser gefallen als der erste Teil, da "V/H/S" noch ein paar Längen hatte bzw. teilweise etwas arg anstrengend anzusehen war. Hier wird aber bei den einzelnen Kurzfilmen generell gar nicht lang gefackelt und es geht gleich mächtig zur Sache. Alle Filmchen konnten durch die Bank weg überzeugen und brachten mich dazu, wie gebannt hinzustarren. Extrem packend, teilweise sogar irgendwie echt witzig (nicht unfreiwillig) und total absurd.
Aber zu den einzelnen Filmen:
Die Rahmenhandlung bildet "Tape 49", in der ein Detektiv mit seiner Partnerin auf die Suche nach einem verschwunden Studenten geht. Das Appartement des Gesuchten ist offensichtlich verlassen, nur laufen noch die TV-Geräte und ein Stapel Videokassetten liegt achtlos auf dem Boden. Und während der Detektiv das Haus unter die Lupe nimmt, beginnt seine Begleitung die Filme zu sehen...
Es beginnt mit "Phase I Clinical Trials" mit einer sehr genialen Idee: einem Unfallopfer wird ein künstliches Auge - eine Kamera - eingepflanzt. Ein Prototyp, mit dem er wieder normal sehen können soll. Das tut er auch - und sogar mehr als zuvor: denn nun sieht er Geister und Tote, die um ihn herum auferstehen und ihm gar nicht wohlgesonnen sind... Allein für die Idee - 7,5/10 Weiter geht es mit "A Ride In The Park" und einer fast unschlagbaren Idee. Wer kommt schon darauf, sich eine GoPro auf den Fahrradhelm zu setzen, um dann von einem Zombie gebissen zu werden, nur damit der Zuschauer ab nun das Geschehen aus der Zombie-Cam erleben kann? Klasse gemacht, grandiose Idee und geht richtig zur Sache! - 9/10
"Safe Haven" lies mich anfangs etwas zweifeln, was hier jetzt kommen soll. Aber das Ding entwickelt sich und man begleitet als Teil eines Kamerateams einen Massensuizid einer Sekte, der auch das Team selbst alsbald involviert und sogar noch eine teuflische Überraschung innehat! Grandios! - 8/10
Der letzte hat mich dann leider nicht so überzeugt. "Slumber Party Alien Abduction" erzählt die Geschichte einer typischen "Home Alone"-Party, die irgendwann außer Kontrolle gerät, weil Aliens das Haus angreifen und die Gäste (Kinder, Hunde) umbringen. Das war aufgrund der Wackelkamera am Hund zwar nett gemeint, aber mir zu viel. Das einzig schlechte Segment trotz guter Idee. - 5/10
... tja und dann werden wir wieder ins "Tape 49" entlassen, dass ebenfalls noch ein kleines Schmankerl zu bieten hat. Ehrlich: wäre "The ABCs Of Death" so gewesen wie der hier, dann hätte ich mich vor Freude überschlagen. So rückt "V/H/S 2" an die Spitze der "Found-Footage"-Episodenhorrorfilme. Insgesamt sehr geil!
7/10
In Deutschland ist der Film mal wieder nicht ungeschnitten zu bekommen. Mittlerweile gibt es auch einen Schnittbericht für die fehlenden Szenen: S-VHS. In der in Deutschland erschienenen Fassung fehlen glatte 5 Minuten und 22 Sekunden!!! Dafür kann man aber (auch wieder einmal) bei unseren Nachbarn in Österreich und der Schweiz die ungeschnittene Fassung in einem schicken Mediabook käuflich erwerben:
Inhaltsangabe: Sunfilm Entertainment / LFG
Donnerstag, 20. April 2023
Kids vs. Aliens (2022)
Eine House-Party von Teenagern gerät aus den Fugen. Nicht so wie man vielleicht vermuten könnte, in einem Gelage, sondern noch viel schlimmer: Aliens greifen an und zwei ständig streitende Geschwister müssen zum ersten Mal in ihrem Leben zusammenhalten, um die außerirdischen Invasoren zu besiegen.
Nach seinem letzten abendfüllenden Spielfilm "Hobo With A Shotgun", der Regisseur Jason Eisener vor allem wegen seiner sadistischen Gewalt bekannt machte und ein paar kleinere Beigaben, wie zum Beispiel dem Segment "Y Is For Youngblood" in "The ABCs Of Death", meldet sich der Regisseur nun mit einem Kinderfilm auf den diesjährigen FantasyFilmFest nights zurück. "Kids vs. Aliens" ist aber kein Kinderfilm im herkömmlichen Sinne. Es ist ein - vor allem in der zweiten Hälfte - derbe blutiges, buntes Vergnügen mit etwas schablonenhaften Figuren. Der größte Teil des Budgets scheint dafür verwendet worden zu sein, ihn so bunt wie möglich zu gestalten. Das Geld ist gut angelegt, denn die unverblümte trashige Ästhetik entschädigt zumindest teilweise für die dünne Handlung und die unverblümten Pappfiguren. Auch die Dialoge sind krude, aber das passt zum allgemeinen Ton, ist also nicht ganz so schlimm. Mit einer Laufzeit von 75 Minuten fühlt sich "Kids vs. Aliens" auch eher wie ein Pilot an als wie ein vollständig realisierter Spielfilm, nicht zuletzt, weil in den letzten 30 Sekunden mehr Handlung angedeutet wird als sich in der letzten halben Stunde tatsächlich entfaltet.
In dieser ersten halben Stunde werden die Charaktere eingeführt, nämlich der ungestüme Teenager Gary (Dominic Mariche) und seine Teenager-Schwester Samantha (Phoebe Rex), die - in einer weiteren großen Tradition des Genrefilms - von ihren arbeitssüchtigen Eltern fast die ganze Zeit unbeaufsichtigt gelassen werden. Technisch gesehen hat Samantha das Sagen. Aber sie ist selbst ein großes Kind, das sich unter anderem für coole Schwerter und Wrestling interessiert. Und sie nimmt begeistert an den Filmen teil, die Gary und seine Kumpels Jack (Asher Grayson Percival) und Miles (Ben Tector) in einer Scheune auf dem Familiengrundstück von Gary und Samantha immer aushecken. Bis der obligatorische Schul-Schönling Billy (Calem MacDonald) auftaucht. "Kids vs. Aliens" betrachtet Samanthas spätere Verwandlung in einen Teenager aus kindlicher Sicht; in der Vorstellung dieses Films bedeutet Erwachsenwerden, Zigaretten zu rauchen, viel Make-up zu tragen und seine wahren Freunde und Interessen aufzugeben. Auch die moralischen Dimensionen der Handlung sind vereinfacht: Billy ist ein eindeutiger Bösewicht - alle Teenager in diesem Film mit Ausnahme von Samantha sind eigentlich Soziopathen - und der Film spiegelt Garys verletzte Gefühle über das wider, was er als Verrat seiner Schwester ansieht. Sie bekommt jedoch eine Chance, sich zu rehabilitieren, als die Außerirdischen nach der Hälfte des Films etwas verspätet auftauchen.Die außerirdische Bedrohung hat eine Halloween-Ästhetik, was in Ordnung ist, weil dieser Film während seiner Laufzeit nie einen Anspruch auf Realismus erhebt. Mit viel zu schnellen Schnitten hat aber der Film auch seine Längen. Und dann wird es blutig. Köpfe werden gespalten, es suppt und Körper schmelzen zu einem Haufen von orangefarbenem und gelbem Schleim. Der Unterschied im Tonfall zwischen Eisners beiden Filmen zeigt, wie sehr sich die Popkultur seither verändert hat. "Hobo With A Shotgun" war Teil der "Neo-Grindhouse"-Bewegung, die im Gefolge von Quentin Tarantinos und Robert Rodriguez' "Grindhouse" im Jahr 2007 aufkam, einer zynischen und oft bösartigen Welle von Filmen, die ein kindisches Vergnügen daran hatten, die Grenzen von Sex und Gewalt auf der Leinwand zu verschieben. Im Einklang mit dem heutigen (p)optimistischen Zeitalter behält "Kids vs. Aliens" den aggressiven Neon-Splatter bei, verliert aber den Zynismus - eine Entscheidung, die ihn trotz aller Fucks und Kunstblut zu einem überraschend zahmen Film macht.
5/10
Inhaltsangabe: Plaion
Montag, 4. Februar 2019
México Bárbaro - Barbarous Mexico (2014)
Acht junge, wilde Genre-Regisseurinnen und Regisseure haben sich versammelt, um der Sagenwelt ihres Landes furchterregendes Leben zu verleihen: Ihre Geschichten erzählen von Räubern, die auf ihrer Flucht von einem verführerischen Geist verfolgt werden. Sie zeigen, dass ein Joint einen diabolischen Fluch mit sich bringen kann, uralte schamanische Rituale und wie diebische Kobolde auch vor den intimsten Kostbarkeiten nicht haltmachen. Egal, ob auf der erschreckenden "Insel der Puppen", im unwirklichen Kratergebiet der mexikanischen Gebirgsregion oder bei einer Feier zum "Tag der Toten": Niemand ist sicher! "México Bárbaro" entführt in ein Land, das voll ist mit gierigen Legenden, welche die Menschen mit Grauen erfüllen. Von surrealem Grusel bis zu blutrünstigem Terror: In diesem Episodenfilm ist jeder Schrecken versammelt, den Mexiko zu bieten hat!
Filmische Anthologien haben in den letzten Jahren geradezu eine starke Renaissance erlebt. Egal ob man an die beiden "ABCs Of Death", "Southbound" oder die "V/H/S"-Trilogie denkt - sie alle zeigen, manchmal in einer größeren Geschichte verschachtelt, Episodenfilme in Kurzfilmlänge. Ganz egal, was davon man nun bevorzugt, von Low-Budget bis Hollywood-Mainstream, die Qualität reicht - unabhängig vom Budget - von grauenhaft schlecht bis ausgezeichnet. "México Bárbaro" (alias "Barbarous Mexico") bringt nun acht Regisseure aus Mexiko zusammen, um acht verstörende Horror-Geschichten zu erzählen. Da es sich um separate Kurzgeschichten handelt, die außerhalb dieser Kollektion nicht miteinander verwandt sind und in keine Rahmenhandlung eingebunden sind, kann man diese auch getrost einzeln bewerten.
"Tzompantli", geschrieben und inszeniert von Laurette Flores Bornn, macht den Anfang. Menschen verschwinden und es gibt nur Gerüchte über ihren Verbleib. Ein Mann riskiert seine eigene Sicherheit, um sich mit einem Informanten zu treffen, der sagt, er wisse, was da geschieht. Anstatt der typischen Drogenkartellgeschichte, die man vielleicht erwartet hätte, erzählt der Informant eine viel beängstigendere Geschichte und führt unseren mutigen Detektiv zu einer Werkstatt, in der ein verstörendes Geheimnis wartet. Das ist dann für den Auftakt auch eine ansprechend gruselige Geschichte, die in eine andere Richtung geht, als man zunächst erwarten würde - was immer ein Plus ist. Ein guter Einstieg mit gutem Grusel. Allerdings sollte man tunlichst vermeiden, den Begriff "Tzompantli" zu googeln - es könnte den Spaß an dieser Geschichte verderben. An zweiter Stelle steht "Jaral de Berrios", Regie von Edgar Nito und geschrieben von Edgar Nito und Alfredo Mendoza. Ein paar Diebe, von denen einer mit einem Bauchschuss schwer verletzt ist, suchen und finden in einem verlassenen Gebäude Schutz. Der Verletzte sagt, der Ort sei verflucht, aber der andere wendet sich ab und schaut sich um. Sehr bald erfahren man, wie gefährlich dieser Ort für die Anwesenden wirklich ist. "Jaral de Berrios" ist eine großartige, übernatürliche / geisterhafte Geschichte mit einer guten Balance aus Angst und Verrücktheit, ganz zu schweigen von Brutalität. Genau mit der richtigen Laufzeit, passt.
Ein Bereich, in dem "México Bárbaro" definitiv Erfolg hat, ist seine Vielfalt. Es gelingt ihm, das Sub-Genre von Story zu Story zu verändern, die Gänge so zu wechseln, sodass alles relativ frisch bleibt, aber auch nicht zu sehr, dass es sich wie ein unzusammenhängendes Chaos anfühlt. Während nun die ersten beiden Geschichten dunkel und ernst waren, trägt "Drena", geschrieben von Aaron Soto, ein wenig blöden Humor und viel Gemeinheit zum Film bei. Ein Mädchen findet eine Leiche in einem Graben und in seinen Fingern befindet sich noch ein letzter Rest einer Zigarette, welchen sie natürlich mit nach Hause nimmt. Im Laufe der Nacht langweilt sie sich und entschließt sich, das Ding zu rauchen, was eine kleine Kreatur veranlasst, aus ihrer Wand zu kommen. Diese Kreatur verlangt das Menstruationsblut ihrer Schwester und wenn dieses Blut nicht innerhalb von zwölf Stunden übergeben wird, saugt es ihre Seele aus ihrem Hintern. Das kann man ohne weiteren Kommentar stehen lassen, aber dies ist erstaunlicherweise komisch und schmutzig zugleich. Ein anderes komisches Segment folgt, "La Cosa mas Preciada", geschrieben von Isaac Ezban. Dies ist die Geschichte eines jungen Paares, das ein Zimmerchen für eine Nacht gemietet hat, wo sie zum ersten Mal Sex haben möchten. Wie man es erwarten würde, werden sie unterbrochen, in diesem Fall von einem alten Mann, der auf dem Gelände arbeitet. Er sagt, dass sie eigentlich nicht da sein sollten, und warnt sie, nicht nach Einbruch der Dunkelheit das Zimmer zu verlassen, sondern auch nichts draußen zu lassen, da "sie" es stehlen werden. Sie ignorieren seine Warnungen (wer hätte es geahnt?), und schon bald leiden sie auf sehr unangenehme Weise daran. Diese Geschichte ist genauso doof wie böse.
Die ganze Dummheit, die in den beiden vorangegangenen Geschichten inne lag, wird in Lex Ortegas "Lo Que Importa es lo de Adentro" völlig aus dem Fenster geworfen. Er konzentriert sich auf eine Mutter und ihre zwei Kinder, die sich beeilen müssen, um am Morgen fertig zu werden. Während es den Anschein hat, dass der kleine Junge in den Augen der Mutter nichts richtig machen kann, wiederholt das kleine Mädchen immer wieder "Boogey!", Während es auf einen Mann draußen zeigt, etwas, das den Zorn seiner Mutter anzieht. Wenn sie an dem Mann vorbeigehen, ist er nett zu Mutter und Sohn, zieht aber vor dem kleinen Mädchen Grimassen. Am späten Nachmittag geht der kleine Junge hinaus, um Fußball zu spielen und kommt nie wieder... An dieser Stelle würden Spoiler viel zu viel verraten, aber was als nächstes passiert, ist verstörend und unerwartet, um es gelinde auszudrücken. Der Autor und Regisseur Jorge Michel Grau bringt als sechsten Beitrag "Munecas" ins Spiel. Er folgt einer Frau, die, wie man schnell erkennen kann, gerade etwas Schrecklichem entkommen ist und sich vor jemandem versteckt. Sie wurde geschlagen, ist blutig, dreckig und müde, aber sie kämpft immer noch mit einem Mann, der doppelt so groß ist. Dieser Teil von "México Bárbaro" ist außerordentlich brutal, aber erst wenn man erkennt, woher der Mann kam und was dort vor sich geht, erkennt man die Abgründigkeit und Verwirrung, mit der Grau bis dahin den Zuschauer zu narren wusste. Nicht übel."Siete Veces Siete", eine von Paulo Rique verfasste und von Ulises Guzman inszenierte Geschichte beginnt verrückt und wird immer verrückter. Sie beginnt mit einem Mann, der in ein Leichenschauhaus geht, eine Leiche zu seinem Lastwagen bringt und dann zu einem Teich mitten im Nirgendwo fährt. Von dort wenden sich die Dinge ins Surreale. Man sieht - unter anderem - einen brennenden Mann auf einem Pferd, eine nackte Frau, aus der Spinnenbeine herausbrechen und eine wiederbelebte Leiche. Die Art und Weise, wie diese seltsamen Gestalten durch eine Kombination aus Flashbacks und aktueller Handlung zusammengefügt wird, liefert eine Geschichte, die auf ihrem Höhepunkt eine der brutalsten, heftigsten und surrealen Rache-Geschichten enthüllt, die man seit einiger Zeit gesehen haben dürfte. "México Bárbaro" endet mit der achten Episode, Gigi Saul Guerreros' "Dia de los Muertos", und der Erzählung von einer Frau, die erklärt, wie sie von ihrer Mutter gelernt hat, stark zu sein. In einem Raum voll wenig bekleideter junger Damen, die, wie man bald erfährt, alle in einem Nachtclub als Tänzerinnen beschäftigt sind. Nur heute Nacht fügen sie die Gesichtsfarbe und die Dekoration hinzu, die mit "Dia de los Muertos" (dem "Tag der Toten") einhergeht. So entgegenkommend diese Frauen für ihre meist männliche Klientel sind, werden sie sehr schlecht behandelt, beleidigt, befummelt und erniedrigt. Aber die Dinge werden sich gerade für die Gewalttätigen wenden - und das nicht zum Besten.
In "México Bárbaro" werden einige Segmente meisterhaft mit künstlerischer Vision behandelt und andere werden von einer schlechten CGI fast zerstört. Die Stile der einzelnen Regisseure reichen von Schwarz-Weiß bis hin zu körnigen Rückgängen im Grindhouse-Bereich und allem, was dazwischen liegt. Einige Kurzfilme sind in ihren kulturellen Wurzeln offensichtlich, während es ein paar anscheinend an etwas mangelt, was diese an Mexiko bindet, das einzige, was diese Segmente in irgendeiner Weise zusammenhält. Der herausragende Punkt ist Edgar Nitos "Jaral de Berrios". Sein kurzer Beitrag ist aus technischer Sicht richtig gut. Zwischen dem Sounddesign, den Visuals und dem Set erreicht Nitos schönes westliches Horrorsegment den gesamten Film aber viel zu früh. Aus der Perspektive der Geschichte gibt Nito gerade genug Futter, um mehr erforschen zu wollen. Er schreibt nicht genau, welche Legende er erforscht, gibt Ihnen aber trotzdem eine vollständige Erzählung. Dann gibt es mit Isaac Ezbans "La Cosa Mas Preciada", das bereits erwähnte Grindhouse-Stilsegment, das sich stark an den Horror der amerikanischen Achtziger orientiert. Er verbindet amerikanischen Stil mit den Maya-Geistern ("Alux"). Diese mythologischen Kreaturen sind traditionell kleine Kobolde, die mit dem Wald oder anderen natürlichen Umgebungen in Verbindung stehen. Ezbans Einstellung zu den Alux ist viel beunruhigender. Es ist klar, dass Ezban auf Humor setzt, aber der Mensch ist verzogen. Ezban schafft es, den Würgereflex der Zuschauer zu testen, und nie war man erleichterter, dass man sich auf die nächste Minute konzentrieren kann. Der dritte Platz könnte Aaron Sotos "Drena" sein, der sich scheinbar nur um einen Menstruationsknebel dreht, der an inzestuöse Erotik grenzt. Ja, das ist verrückt. Sotos Kurzfilm scheint an keiner erkennbaren Tradition oder Legende zu fehlen und fühlt sich sowohl technisch als auch narrativ aus allen Segmenten am meisten unterentwickelt an.Konzeptionell ist "México Bárbaro" allgegenwärtig. Ohne klare Regeln, um diese Segmente miteinander zu verknüpfen, leidet er am meisten unter seiner Inkonsistenz. Es sind trotz des guten Unterhaltungsfaktors zu wenige "Highs" und diese sind auch noch zu weit voneinander entfernt. Die "Lows" können trotzdem mit ihrer bizarren Herangehensweise bezaubern. Die wahre Enttäuschung lag bei den Segmenten, die nur einen Einblick in die Geschichte geben; diejenigen, die sich aufgrund ihrer fehlenden Darstellung als unvollendet und schamlos fühlten. Dies ist hart, gewalttätig und weitgehend unvorhersehbar. Als Feier der kulturellen Tradition, der Legenden und der Folklore aus Schrecken kann man dies als Erfolg werten. Noch nie war man neugieriger auf Mexikos Mythologie. So funktionieren alle Geschichten adäquat als Kurzfilme, und manche scheinen eben reif zu sein, um sich zu Filmen mit voller Länge auszudehnen (Edgar Nito, wenn Sie Ihr Segment bitte in ein vollständiges Feature umwandeln könnten, wäre das sehr zu begrüßen). Es gibt viel Blut und Gekröse, einige echte Angst-Momente und viele unerwartete Wendungen, die selbst den erfahrenen Zuschauer erreichen können. Empfehlenswert.
6,5/10
Von RAWSIDE/WICKED VISION erschien der Film im limitierten Mediabook, welches den ungeschnittenen Film auf BD und DVD beinhaltet und dazu mit jeder Menge informativen Bonusmaterial ausgestattet ist.
Montag, 20. Mai 2013
V/H/S - V/H/S: Eine mörderische Sammlung (2012)
In fünf Geschichten erzählen fünf Regisseure im Found-Footage-Stil ihre ganz eigenen Film gewordenen Phantasien. Rahmenhandlung stellt eine Gruppe von jungen Leuten dar, die den Auftrag erhalten, in ein abgelegenes Haus einzubrechen, um ein VHS-Tape zu entwenden. Das Videomaterial, das sie vorfinden, raubt ihnen den Atem – und den Verstand...
Tatsächlich ein etwas anderer Horrorfilm, im kinematografischem Stile von "Stephen King's Cat’s Eye" oder "Tales From The Crypt" und im filmischen von jedem x-beliebigen "Found-Footage"-Filmchen. Es ist also ein Episodenfilm und darin sehe ich die Stärken und auch Schwächen. Was fehlt, ist einfach der Sinn der Rahmenhandlung. Die ist einfach nur ein... Rahmen eben. Damit man einen Grund hat zu zeigen, was man eben zeigt. Also ist sie quasi gänzlich überflüssig. Die einzelnen Kurzgeschichten an sich sind eigentlich allesamt ziemlich gut, auch wenn sie sich teilweise etwas in die Länge ziehen und man sich fragt, wo das Ganze eigentlich hinführen soll. Dies gilt vor allem für die ersten beiden Stories. Die übrigen Geschichten brauchen dagegen nicht sehr lange um richtig in Fahrt zu kommen. Ein paar typische Horrorklischees werden bedient, diese halten sich aber glücklicherweise in Grenzen. Der bereits angesprochene Wackelkamerastil ist zwar manchmal echt anstrengend, schafft aber auch eine gewisse Intensität und die Effekte sehen einfach viel echter aus. Mir hat das ganze - im Gegensatz zu manch anderem Episodenmachwerk der letzten Jahre (hier seien "The ABCs Of Death" oder auch "The Theatre Bizarre" angesprochen) - ziemlich gut gefallen, auch habe ich mich ein paar mal gehörig erschrocken. Die Storys sind auch allesamt kreativ, lassen aber viele Fragen unbeantwortet, was letztendlich zum Punktabzug führt. Für ordentliche Horror-Unterhaltung reicht der Film locker, nur der Stil ist eben wirklich gewöhnungsbedürftig. Doch ohne ihn hätten aber die Geschichten vielleicht nicht so gut gewirkt wie sie es so eben tun.
6,5/10
Inhaltsangabe: Sunfilm Entertainment














