Donnerstag, 9. März 2023

PMC: 더 벙커 - PMC: Deo Beong-keo - PMC: The Bunker - Take Point - The Attack: Enter The Bunker (2018)

https://www.imdb.com/title/tt7156436/

Am Tag der Präsidentschaftswahlen in den USA im Jahr 2024 begeben sich Ahab (Jung-woo Ha) und sein Team von Elite-Söldnern auf eine geheime CIA-Mission, um den nordkoreanischen Militärminister in einem unterirdischen Bunker unterhalb der koreanischen demilitarisierten Zone zu entführen, und um den Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen zu beeinflussen. Sie geraten jedoch ins Kreuzfeuer, wodurch die Spannungen bis an den Rand eines dritten Weltkriegs eskalieren - doch im Team gibt es auch Verräter... 

"The Attack" ist ein, obgleich er in der jüngsten Vergangenheit spielt, futuristisch angehauchter und dazu extrem unglaubwürdiger, sowie recht wirrer und hektischer Actionthriller mit reichlich Militäraction und jeder Menge Geballer und Explosionen, der in vielen Szenen mehr wie ein Actionspiel wirkt und sogar an "Command & Conquer" erinnert. Nach einer satirisch wirkenden Exposition, die eine Menge Spaß verspricht, wird der Film ernster und verwandelt sich alsbald in eine ziemliche Action-Sause mit wilden Kamerafahrten und ordentlichen Shoot-Outs. Leider ist die Handlung hier ziemlich egal (und wird im Verlauf immer wirrer), die Charaktere sind es auch. Somit bleibt die Spannung trotz manch wirklich schicker Einfälle schnell auf der Strecke. Billig wirkt das alles aber nicht, es gibt die ein oder andere skurrile Idee und hin und wieder ist es auch ein bisschen spannend. Visuell ist - nicht zuletzt aufgrund der Kameraführung und der Videospielästhetik - einiges geboten. Am Ende ist man dann aber doch froh, dass dieser Overkill endlich vorbei ist. "The Attack" lässt sich auch relativ gut weggucken, doch man wünscht sich ständig, dass der Film einfach besser wäre und nicht so gleichgültig rüberkommen würde.

5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Koch Films

Mittwoch, 8. März 2023

Plane Dead - Flight Of The Living Dead: Outbreak On A Plane - Plane Dead: Zombies On A Plane - Plane Dead: Flug in den Tod (Unrated) (2007)

https://www.imdb.com/title/tt0780583/

Auf dem Flug von Los Angeles nach Paris gerät die Transportmaschine in heftige Turbulenzen, was dazu führt, dass eine Frau, die dank eines Experiments mit einem mutierten Virus infiziert ist, aus ihrer Kühlbox fällt. Wiederbelebt und hungrig auf Menschenfleisch, bahnt sie sich ihren Weg durch die Passagiere und eine blutige Kettenreaktion nimmt ihren Lauf...

Keine üble Grundidee. Limitierter (ansprechender) Agitationsraum für die Protagonisten, Fleischfressende Monster, viele Passagiere und als der Pilot zum Co-Piloten sagt: "Zum Glück ist das mein letzter Flug." kommt sogar eine Prise Humor zum Tragen, weiß der der Zuschauer was kommen wird. Und selbstverständlich ist es bei einem Szenario wie diesem nachvollziehbar, zunächst einmal die Passagierliste abzuhaken. Nachdem ein bunter Strauß Klischeefiguren zusammengestellt ist und für Diversität gesorgt ist, verpasst der Film jedoch den richtigen Moment, um auf die Tube zu drücken. Das Spiel auf Zeit spart zwar Produktionskosten, aber wenn der Zuschauer nur häppchenweise bei Laune gehalten wird, schlägt sich das auf den Unterhaltungswert nieder. Wenn die Zombies denn mal zuschlagen, sind sie zumindest Zombies der nächsten Generation, die mit hoher Geschwindigkeit attackieren und kräftig zubeißen. Die praktischen Effekte und auch das Make-up der Untoten gehen in Ordnung, die CGI sind aber nicht der Renner, wie bei einer Produktion mit Direct-2-Video-Niveau nicht anders zu erwarten. "Plane Dead" bietet anspruchslose, aber nette Unterhaltung für Zwischendurch. Wer die etwas lahme erste Hälfte übersteht, wird mit Blut und Action in der zweiten belohnt. Immerhin.

5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Edel Media & Entertainment

Dienstag, 7. März 2023

Freaky (2020)

https://www.imdb.com/title/tt10919380/

Als die 17-jährige Schülerin Millie Kessler (Kathryn Newton) ein weiteres Opfer des berüchtigten Serienmörders „Blissfield Butcher“ (Vince Vaughn) zu werden droht, wird ein uralter Fluch ausgelöst, der dafür sorgt, dass die beiden die Körper tauschen. Plötzlich steckt die Teenagerin im Körper des erwachsenen Killers und der Mörder steckt im Körper der jungen Frau! Nun bleiben Millie nur 24 Stunden Zeit, um den Tausch rückgängig zu machen, denn sonst muss sie für immer mit dem Antlitz eines gesuchten Killers durch die Gegend laufen. Allerdings will der Blissfield Butcher selbst sein altes Äußeres gar nicht zurück, denn im Körper der so unschuldig wirkenden Teenagerin lassen sich Bluttaten viel besser begehen. Daher braucht Millie die Hilfe ihrer besten Freunde Nyla (Celeste O’Connor) und Joshua (Misha Osherovich) sowie ihres Schwarms Booker (Uriah Shelton)...

Regisseur Christopher Landon hat es sich wohl zur Lebensaufgabe gemacht, das Horrorgenre von Grund an auf den Kopf zu stellen. Bereits mit "Scouts vs. Zombies" brachte er einen Volltreffer, was die Kombination aus Witz und blutigem Horror verband, nahtlos ging es weiter mit "Happy Death Day" und "Happy Death Day 2 U", wobei letzterer als Fortsetzung ein wenig hinter seinem Erstling her hinkte. Dennoch: die Idee ist klar und Landon hat defintiv ein Händchen für überraschende, blutige und spaßig Unterhaltung. Zudem haben seine Filme immer etwas herrlich Geekiges an sich. Dieser Enthusiasmus zieht sich so entschlossen durch "Freaky", dass sich Landons neuester Streich vor allem zu beginn ein wenig schwerfällig anfühlt, weil er eine Körpertausch-Farce und einen Highschool-Slasher mit zu vielen Anspielungen auf die Horrorklassiker vergangener Zeiten vermischt. Es ist fast so, als ob der Filmemacher dachte: "Sie machen sie nicht mehr so wie früher", genau wie der Rest der verblieben Zuschauer, und es auf sich genommen hat, ein bisschen von allem wiederherzustellen, was beispielsweise von einem "Freitag, der 13." in den Köpfen gebelieben ist. Diese Art der weit verbreiteten Hommage ist sowohl ein Fehler von "Freaky" - der Film ist nie so unvorhersehbar, wie man es sich wirklich wünscht - als auch das Hauptmerkmal, das die Fans solcher Kost, zu denen zugegebenermaßen auch dieser Kritiker gehört, auf liebenswerte Weise anspricht.

Eine große Ausnahme von der Offensichtlichkeit des Films sind die beiden risikofreudigen Leistungen der Hauptdarsteller Vince Vaughn und der durchweg großartigen jungen Schauspielerin Kathryn Newton. Ersterer spielt den berüchtigten (und natürlich maskierten) Serienmörder, der in seiner verschlafenen Stadt als "Blissfield Butcher" bekannt ist und den Film in Gang setzt, indem er eine Gruppe ahnungsloser Teenager in einem grausigen Auftakt mit lauten Anklängen an "Scream" ermordet. Letztere ist die immer wieder gemobbte Außenseiterin Millie, ein kluges, hübsches, introvertiertes Mädchen in altmodischen Klamotten. Sie verbringt ihre Tage mit ihren beiden engen Freunden (Celeste O'Connor und Misha Osherovich, die das Beste aus ihren klischeehaften Rollen als kluge beste Freundin und schwuler Teenager machen) und ist besessen von ihrem Schwarm (Uriah Sheltons Booker), während sie versucht, sich von ihren bösartigen Peinigern fernzuhalten.

Schlechte Nachrichten also für alle, die einen sich durch den Film unbarmherzig mordenden Vince Vaughn sehen wollen, der ein wenig in seiner dunklen Seite schwelgt - die leise, unheimliche Seite, die der meist komödiantische Schauspieler immer besaß, die aber in den Filmen nie richtig zur Geltung kam, außer vielleicht in "Brawl In Cell Block 99". Hier ist Vaughn hauptsächlich hinter einer Maske und als der Blissfield Butcher unterfordert, bis es zum Körpertausch zwischen ihm und Millie kommt, als der Butcher die junge Frau zu Beginn des Films mit einem mythischen Messer verwundet. Es ist Landon hoch anzurechnen, dass er mit den Eigenheiten und Freuden der Körpertausch-Formel sehr gut umgeht, und seine Schauspieler sind durch und durch gut. Vaughn glänzt vor allem mit physischer Komik und stellt glaubhaft ein Teenager-Mädchen dar, das im Körper eines Kriminellen feststeckt und gegen eine 24-Stunden-Uhr anrennt, bevor der Fluch unumkehrbar wird. Newton, die jetzt eine verführerische Lederjacke, einen modischen Pferdeschwanz und karmesinroten Lippenstift trägt, ist die neue Millie. Sie nutzt ihr mädchenhaftes Aussehen, ihre neu entdeckten Killerfähigkeiten und ihren Instinkt voll aus und überzeugt damit, dass sie eines Tages der nächste begehrte Hollywood-Actionstar werden könnte. 

Mit anderen Worten: "Freaky" ist ein lustiger, verspielter und nostalgischer Ritt, der für Lacher, zahlreiche einfallsreiche blutige Morde und gelegentlich sogar für einige dem 21. Jahrhundert angemessene Beobachtungen zu Geschlechternormen und Sexualität sorgt. Mit einem rasanten Tempo, attraktiven Produktionswerten und einem unerwartet bewegenden emotionalen Kern über familiäre Liebe trifft "Freaky" alle wahrscheinlichen Töne, wenn Millie sich mit ihren Schulkameraden zusammentut (in Vaughns Körper, um das klarzustellen), und beschenkt den Zuschauer mit ein paar denkwürdigen Gags und genialen One-Linern. Für einen Film, der weder im Horror- noch im Komödienbereich das Rad neu erfindet, ist die bemerkenswerteste Leistung von "Freaky" die Freude darüber, dass etwas so stolz Altmodisches heute noch existieren kann, ohne veraltet zu wirken. Man sollte eben nur keine allzu großen Überraschungen erwarten. 

7/10

Quellen
Inhaltsangabe: Universal Pictures

Montag, 6. März 2023

Initiation - Slayed: Wer stirbt als nächstes? (2020)

https://www.imdb.com/title/tt7397098/

Die Whiton University wurde gerade erst von einem fiesen Online-Spiel auf den Kopf gestellt, da folgt bereits der nächste Schock: Wes Scott (Froy Gutierrez), ein Star-Sportler der Hochschule wird brutal ermordet. Scotts Schwester Ellery (Lindsay LaVanchy) begibt sich auf dem Campus auf Spurensuche und stößt dabei auf einige der dunklsten Geheimnisse der Universität. Doch unterdessen fallen weitere Studenten und Studentinnen dem Killer zum Opfer und für Ellery wird die Suche nach dem (oder der?) Schuldigen zu einem blutigen Wettlauf gegen die Zeit... 

"Slayed" ist eine unrunde Mischung aus Krimi, Thriller und Slasher, wobei keines dieser Versatzstücke wirklich vollständig überzeugen kann. Im ersten Drittel ist man mehrmals kurz davor abzuschalten, denn die Story kommt einfach nicht in die Gänge. Mit dem Auftreten des maskierten Killers wird es dann zwar besser, aber man riecht die Finten und die Lösung des Whodunnit meilenweit gegen den Wind. Was bleibt sind hübsche College-Girls und -Boys und ein paar nette Kills. Das wars.

3,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Leonine

The Battery - Ben & Mickey vs. The Dead (2012)

https://www.imdb.com/title/tt2272350/

Nach einer Zombie-Apokalypse ist beinahe die gesamte Menschheit ausgelöscht. Ben (Jeremy Gardner) und Mickey (Adam Cronheim) sind zwei der wenigen, die überlebt haben. Beide waren vor dem Untergang Baseballspieler, doch so richtig gut angefreundet haben sie sich nie. Vorsichtig und strikte Regeln befolgend schlagen sie sich durch ein zerstörtes und verlassenes Land. Überraschende Zombie-Attacken sind dabei schon an der Tagesordnung und auch mit den Eigenarten des jeweils anderen müssen sie erstmal umzugehen lernen. Verzweifelt suchen die beiden nach Überbleibseln vergangener Tage und dem Kontakt zu anderen Überlebenden. Während Mickey sich mit seinen Kopfhörern und einer romantischen Ader ausgestattet in eine bessere Welt träumt, findet Ben sich langsam mit dem harten Alltag ab. Als die beiden tatsächlich auf eine kleine Gruppe Überlebender treffen, geraten die Dinge nur noch weiter außer Kontrolle...

Als aufmerksamer und interessierter Zuschauer hat man ja schon viele Zombie-Apokalypsen miterlebt oder miterleben müssen und "Ben & Mickey vs. The Dead" erfindet in dieser Beziehung das Rad auch nicht neu: Man erhält keine Erklärung wie es zu der Katastrophe kommen konnte, kaum Background, es ist einfach so wie es ist. Als Zuschauer steigt man ohne Warm-up also direkt ein und begleitet die beiden Ex-Baseballspieler beim Durchstreifen menschenleerer Areale auf der Suche nach Proviant und Nützlichem, was dem Überleben eben so zuträglich ist. Eigentlich ein typischer "Loot-Shooter": Sammeln, Töten, Überleben.

Klingt in erster Linie nach einem klassischen Zombie-Survival-Slasher. Ist es aber nicht. Hier wurde Low-Budget clever umgesetzt. Zum einen stehen in "Ben & Mickey vs. The Dead" die Untoten angenehmerweise mal nicht im Zentrum des Geschehens. Sie sind nur die Ursache allen Übels. Zum anderen verzichtet man hier zum allergrößten Teil auf Zombiefetzereien, Ressourcenkriege mit anderen Überlebenden und einen spannungstreibenden Score - auch die für dieses Genre üblichen Splattereinlagen sucht man hier vergebens. Die Zombies sehen nicht so zermatscht aus. Optisch in vergleichsweise gutem Zustand bewegen sie sich wirklich krötenlangsam. Die schnellen Untoten erzeugen zwar weitaus mehr Thrill, aber die hier passen einfach mehr zur insgesamt wenig reißerischen Grundatmosphäre. Die Erzählweise ist trocken, das Tempo gemütlich und die Ausstattung minimalistisch. Das reicht vollkommen. Die gechillten Aufnahmen, die ruhige Kamera und die Tatsache, dass man es fast nur mit Mickey und Ben zu tun hat macht den Film keineswegs langweilig. "Ben & Mickey vs. The Dead" wirkt beinahe wie ein Kammerspiel - und noch dazu ein ziemlich gutes.

6,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Meteor Film

Sonntag, 5. März 2023

Mo - Unanständig (2019)

https://www.imdb.com/title/tt10598260/

Mo (Dana Rogoz), kurz für Monica, ist eine junge Studentin vom Lande mit einem rebellischen und wechselhaften Charakter. Während der Kybernetikprüfung an ihrer Universität werden sie und ihre beste Freundin Vera (Mădălina Craiu) von Ursu (Răzvan Vasilescu), dem strengsten Professor der Universität, beim Schummeln erwischt. Nachdem die beiden Freundinnen ihn aufsuchen, und um die zweite Chance bitten, ihnen zu erlauben, die Prüfung mit der anderen Gruppe zu wiederholen und um nicht von der Universität geworfen zu werden, lädt der Professor sie zu sich nach Hause ein. Doch bei ihrer Ankunft in seiner Wohnung müssen die Studenten eine gänzlich unerwartete Prüfung ablegen...

Radu Dragomirs Spielfilmdebüt "Mo" beschäftigt isch mit einer sozialen Botschaft über die Probleme der Gesellschaft, in der wir leben. Das erklärte Ziel des Films ist es nämlich, das Bewusstsein für die Häufigkeit von sexuellem Missbrauch und Vergewaltigung zu schärfen, wenn ein unausgewogenes Machtverhältnis zwischen Täter und Opfer besteht, wie zum Beispiel hier, Lehrer gegen Schüler. Das Beispiel ist wohl nicht zufällig, denn es ist das eigentliche Thema des Films. Soziale Botschaften sind immer schwierig zu vermitteln und oftmals ist es eine mühselige Angelegenheit für den Zuschauer, dem die Themen oft mit dem Holzhammer eingebleut werden sollen. Aber "Unanständig" (so der deutsche Titel) hat in dieser Situation das Glück, dass er in seinem Kern gut genug ist, um Sinn zu ergeben und auf eigenen Füßen zu stehen, auch wenn Dana Rogoz nicht von Pontius zu Pilatus läuft, um dem Publikum zu erklären, wie wichtig und ernst das Thema des Films ist.

Răzvan Vasilescu macht den ganzen Film aus, weil er absolut außergewöhnlich ist: ein nuancierter Antagonist, charmant und grausam gleichermaßen, der mit jeder Minute des Films mehr Angst einflößt. Doch auch die beiden Protagonistinnen, vor allem Dana Rogoz, spielen ihre Rollen ebenso gut und mit voller Hingabe. Sicher, "Unanständig" ist kein perfekter Film. Trotz seiner bescheidenen Länge  von nur 76 Minuten fühlte sich der erste Akt so an, als würde er nie enden, da er mit langen, atmosphärischen Aufnahmen überhäuft wurde, die die Handlung oder die Nuancen der Charaktere überhaupt nicht voran bringen. Sobald die Mädchen aus der Prüfung heraus sind, findet der rumänische Film jedoch das perfekte Tempo, um seine Geschichte zu erzählen. Und die erzählt er so furchtbar gut, dass es einem die Kehle zuschnürt - vor allem, wenn man bedenkt, dass er aus einem Land kommt, in dem die Rechte der weiblichen Bevölkerung noch längst nicht in der Neuziet angeommen sind.

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe
: amazon Video

Samstag, 4. März 2023

Creed III - Creed III: Rocky's Legacy (2023)

https://www.imdb.com/title/tt11145118/

Adonis Creed (Michael B. Jordan) ist endlich ganz oben im Leben angekommen: Mit dem Sieg über Ivan Dragos Sohn Viktor (Florian Munteanu) hat er sich nicht nur endgültig einen Platz an der Spitze des Boxsports gesichert, sondern sich auch erfolgreich den eigenen Dämonen der Vergangenheit gestellt. Wozu noch kämpfen? Also hängt der Weltmeister Creed seine Boxhandschuhe an den Nagel und widmet sich fortan seiner Familie und der Förderung neuer Box-Talente. Doch die Vergangenheit will nicht ruhen und es erhebt sich ein Schatten aus Adonis Jugend, der den ehemaligen Weltmeister vor neue Herausforderungen stellt. Plötzlich steht sein alter Jugendfreund Damian (Jonathan Majors) nach Jahren im Gefängnis vor ihm. Damian wurde damals eine große Box-Karriere vorausgesagt, doch ein Fehltritt in der Jugend kostete ihn die Freiheit. Der frisch Rehabilitierte möchte sich noch einmal im Ring beweisen und bittet Adonis, ihm dabei zu helfen. Doch Damian scheint es dabei um mehr zu gehen als nur eine Chance im Ring. Kann Adonis seinem alten Freund trauen? 

Fast ein halbes Jahrhundert lang hat sich die "Rocky"-Reihe verständlicherweise um Sylvester Stallones Rocky Balboa gedreht. Selbst als sich die Serie in Ryan Cooglers Film "Creed" auf Adonis Creed (Michael B. Jordan), den Sohn von Apollo Creed, konzentrierte, war Rocky immer noch ein wichtiger Teil dieser Serie. Während Stallones Rocky in "Creed" Sinn ergab und Stallone seine erste Oscar-Nominierung seit fast vierzig Jahren einbrachte, wurde spätestens in "Creed II" klar, dass nach acht Teilen mit Stallone sein weiteres Auftreten in der Serie eher eine Ablenkung von der Geschichte von Creed war als ein Gewinn. Doch in "Creed III" geht die Geschichte der Titelfigur endlich über Rocky hinaus, so dass Creed ganz allein im Rampenlicht steht und Jordan die Gelegenheit erhält, sein Regiedebüt zu geben. In "Creed III" geht es interessanterweise darum, wie die Vergangenheit und die Gegenwart die Zukunft beeinflussen, und wenn man das bedenkt, ist es auch faszinierend, dass Rocky nicht ein einziges Mal erwähnt wird. Aber da "Creed III" die Kindheit des jungen Adonis Creed erforscht, bevor man ihn in "Creed" kennenlernt, aktualisiert Jordan als Regisseur diese Reihe für eine neue Generation, spielt mit dem, was dieses Franchise sein kann, experimentiert und bricht mit den Normen - während er gleichzeitig das Grundgerüst dieser Filme intakt hält. Mehr noch als das, was Coogler mit dieser Reihe gemacht hat, bringt Jordan frischen Wind in das Rocky/Creed-Universum und ist ein aufregendes Beispiel für das Potenzial, das in dieser Reihe auch nach neun Filmen noch steckt.

"Creed III" beginnt im Jahr 2002. Man sieht den jungen Adonis (gespielt von Alex Henderson) und seine Freundschaft mit Damian "Dame" Anderson (Spence Moore II), einem jungen Golden-Gloves-Champion, der nichts als Potenzial vor sich hat. In diesen frühen Tagen war Adonis in der Ecke seines Freundes, da Dame ein aufstrebender Boxer war, der mit seinen schnellen Knockouts beeindruckte. Die beiden scheinen ein perfektes Team zu sein, denn Adonis weiß, welche Ratschläge er seinem brillanten Boxerfreund geben muss. Doch nach einem Sieg gerät Adonis eines Abends vor einem Laden in einen Kampf mit einem Mann, und als Dame eine Waffe zieht, werden die beiden aus dem Weg geräumt. Die Gegenwart: Adonis ist der unangefochtene Weltmeister im Schwergewicht, hat sich auf dem Höhepunkt seines Könnens zur Ruhe gesetzt, den Rockstar Bianca Taylor (Tessa Thompson) geheiratet und mit ihr ein Kind, Amara (Mila Davis-Kent), bekommen. Währenddessen kommt Dame (Jonathan Majors) gerade aus dem Gefängnis und sucht seinen Freund aus Kindertagen auf, der es zu etwas gebracht hat. Dame sagt, dass er zwar älter geworden ist, seine Träume aber die gleichen geblieben sind und er immer noch ein Championboxer sein will. Creed bringt seinen Freund nach Delphi und verschafft ihm einen Job als Sparringspartner des aktuellen Champions Felix Chavez (Jose Benavidez). Creed sagt Dame, dass seine Träume Zeit brauchen, aber Dame war fast zwei Jahrzehnte lang eingesperrt, und das Letzte, was er tun will, ist Zeit zu verschwenden. Wie Dame zu Creed sagt: "Wenn Apollo Creed es mit einem Außenseiter aufnehmen konnte, warum kannst du es nicht?" Während er zusieht, wie sein alter Freund zum Weltmeister wird, sehnt sich Dame nach einem Leben voller Erfolg und Ruhm, dem Leben, das er führen wollte, bevor er weggesperrt wurde. Während Creed versucht, seinem Freund zu helfen, seine Ziele zu erreichen, ist Dame viel mehr daran interessiert, seine Träume endlich zu verwirklichen.

Mehr als jeder andere "Rocky"/"Creed"-Film nimmt sich "Creed III" die Zeit, den Zuschauer den kommenden Feind kennenlernen zu lassen, und lässt ihn sowohl mit Dames Situation als auch mit seiner Frustration darüber, dass Adonis seinen Freund weitgehend vergessen hat, mitfühlen, während er gleichzeitig zeigt, dass Creed nicht ganz unschuldig an der Entstehung dessen war, was aus Dame werden würde. "Creed III" macht diesen Konflikt zu einem zutiefst persönlichen Kampf zwischen zwei Männern, die einst wie Brüder waren, und das Drehbuch von Keenan Coogler und Zach Baylin erforscht das Grau in den Geschichten dieser beiden Männer. "Creed III" ist keine herkömmliche Geschichte über das Boxen, sondern eine Geschichte über die Familie - sowohl die, in die man hineingeboren wird, als auch die, die man auf seinem Weg entdeckt - und die Opfer, die man für die bringt, die man liebt. Jordan sorgt dafür, dass dieses Mal die ganze Familie zu Wort kommt, baut diese Welt weiter auf und gibt den Figuren eine Stimme. Bianca hat ihre Live-Auftritte aufgegeben, um das Gehör zu schützen, das ihr noch geblieben ist, und obwohl sie ein Lächeln aufsetzt und sagt, dass ihr das Produzieren genauso viel Spaß macht, ist es klar, dass ihr diese Entscheidung wehgetan hat. Biancas und Creeds Tochter Amara wird in ihrer Schule gehänselt, und Adonis versucht, ihr beizubringen, wie sie sich schützen kann, und zeigt ihr, dass es beim Boxen nicht um Gewalt geht, sondern um Timing, Kontrolle und Konzentration. Sogar Adonis' Mutter Mary (Phylicia Rashad) hat einige wirklich bewegende Momente, als sie versucht, die Briefe von Dame an Adonis nach all den Jahren zu verstecken, und die Sorge hat, Adonis zu verlieren, nachdem er bereits seinen Vater verloren hat.

Aber auch im Fitnessstudio ist der Fokus auf die Familie zu spüren, denn Adonis hat dabei geholfen, eine Gruppe potenzieller Champions aufzubauen, und ist sogar mit Viktor Drago (Florian Munteanu) eng befreundet. Doch es sind die Liebe und die Geschichte zwischen Adonis und Dame, die diese Geschichte so kraftvoll machen, und Cooglers und Baylins Drehbuch stellt sicher, dass so viel Zeit wie möglich mit diesem Duo verbracht wird, eine notwendige Vorbereitung für den Moment, in dem die beiden schließlich im Ring zueinander finden müssen. Kein anderer "Rocky"/"Creed"-Film hat sich so viel Zeit genommen, um die Beziehung zwischen den Kämpfern auf diese Weise aufzubauen, und das Ergebnis ist beeindruckend und macht diesen Film zu mehr als nur Stolz, Größe oder Macht. "Creed III" wird emotional und erforscht die Emotionen der Figuren auf eine Weise, wie es die Reihe noch nie zuvor versucht hat. Ein großer Teil des Erfolgs von "Creed III" ist die Leistung von Jonathan Majors, der einen der fesselndsten Antagonisten in der Geschichte der Serie darstellt. Majors ist großartig darin, Rollen wie diese zu spielen, die auf ihre eigene Art männlich und stolz, aber auch extrem sensibel und emotional sind. Dames Wut ist nicht unangebracht, und seine Frustration über seine Situation ist verständlich. Es ist auch unmöglich, nicht zu genießen, was Majors hier tut: Er beginnt als der lange verlorene Bruder von Adonis, um dann langsam sein wahres Wesen zu zeigen, während diese ursprüngliche Seite von ihm immer weiter nach unten sickert. Selbst wenn er sich am blödesten anstellt, ist es schwer, Dame nicht irgendwie zu mögen, und neben seiner Leistung als Kang in "Ant-Man And The Wasp: Quantumania" wird dies sicherlich sein Jahr werden.

Doch selbst mit diesem Fokus auf die Familie und den Protagonisten im Zentrum der Geschichte drückt Jordan "Creed III" im Ring seinen Regie-Stempel auf. Er verlangsamt die Action während der Kämpfe und zeigt die Entscheidungen, die ein Boxer in Sekundenbruchteilen treffen muss, die kleinen Hinweise, die zum Sieg eines Kampfes beitragen, und die unglaubliche Kraft und Macht, die in diesen Kämpfen steckt. Jordan hat gesagt, dass er bei der Produktion dieses Films von Anime beeinflusst wurde, und das ist sicherlich in der Art und Weise zu spüren, wie er diese Kämpfe filmt, wie sich die Boxer bewegen und wie Jordan die Perspektive auf verblüffende Weise verändert. Jordan weiß, dass der Zuschauer diese Filme schon seit fast 50 Jahren sieht, und er gibt dem Publikum nun etwas völlig Neues im Ring. Bei Dames erstem Kampf zum Beispiel sehen wir, wie der Boxer neue Winkel ausprobiert und einzigartige Schläge anbringt, die unbeholfen, aber perfekt platziert wirken, da er ein längeres Spiel spielt als nur eine Runde nach der anderen. Es ist nur eine kleine Veränderung, aber sie hat eine große Wirkung auf den Zuschauer, der schnell erkennt, dass Jordan nicht die gleichen alten Kämpfe liefert, an die man gewöhnt ist.

Das gilt vor allem für den Höhepunkt des Kampfes, in dem Jordan das Regelwerk von "Rocky"/"Creed" komplett über den Haufen wirft und etwas wirklich Experimentelles versucht, wie es die Serie noch nie zuvor gesehen hat. Der finale Kampf wird für langjährige Fans der Serie sicherlich eine Art Test sein, die sich wahrscheinlich über die neue Art und Weise ärgern werden, wie Jordan diesen Kampf inszeniert, der auch die lange Geschichte der beiden Boxer miteinander beleuchtet, aber ich persönlich fand es eine brillante Art und Weise, etwas Neues in dieser Serie auszuprobieren, und eine Gelegenheit für Jordan, dieser Marke auf eine Art und Weise seinen Stempel aufzudrücken, die sich anfühlt, als würde er diese Welt in eine neue Ära führen. Auch hier ergreift Jordan die Möglichkeiten, die diese Reihe bieten könnte, anstatt sich von den Vorgaben der Vergangenheit einschränken zu lassen. "Creed III" ehrt die Vergangenheit, blickt aber gleichzeitig in die Zukunft und stellt Jordan - sowohl den Schauspieler als auch den Regisseur - auf eine Weise ins Rampenlicht, die seine immensen Talente zeigt. Indem er den Schwerpunkt direkt auf die Familie legt und den größten Teil des Films in diese Dynamik eintaucht, mit ausgezeichneten Leistungen von Jordan, Rashad und Majors, unter anderem, und indem er neue Dinge in dieser Reihe ausprobiert, die oft für ihre formelhafte Natur bekannt ist, ist "Creed III" ein Hauch von frischer Luft. Adonis vermeidet in "Creed III" vielleicht die Vergangenheit, aber Jordan lernt aus dem, was bereits getan wurde, und bringt die Serie in eine völlig neue Generation, indem er diese Welt auf eine Weise weiterentwickelt, die sie wieder völlig neu erscheinen lässt. 

8/10

Quellen
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Warner Bros./MGM/New Line Cinema