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Montag, 9. Februar 2026

Hellboy: The Crooked Man (2024)

https://www.imdb.com/de/title/tt26757462/

1959: Hellboy (Jack Kesy) arbeitet als Agent des Bureau For Paranormal Research And Defense (B.P.R.D.), als ihm die noch gänzlich unerfahrene Agentin Bobbie Jo Song (Adeline Rudolph) als neue Partnerin zur Seite gestellt wird. Zusammen werden sie damit beauftragt, ein mysteriöses Wesen zu fangen, das in einen verwunschenen Bergwald in den Appalachen entkommen ist. Bei ihrer Suche nach der Kreatur stoßen sie auf die Bewohner eines dort nahezu komplett isoliert gelegenen Dorfes, das wiederholt von Hexen bedroht wird. Doch die wahre Gefahr lauert in Form des Dämons Jeremiah Witkins (Martin Bassindale). Der tritt in der Gestalt eines fast 200 Jahre alten Mannes auf, der als „The Crooked Man“ bekannt ist – und der weitere Seelen fordert, um Erlösung zu finden. Was Hellboys neue Kollegin nicht weiß: Das Monster hat eine Verbindung zu ihrem Partner, die den gehörnten Helden vor ungeahnte Herausforderungen stellt.

"Hellboy: The Crooked Man" ist der seltene Fall eines Reboots, der sich klein macht, um größer zu wirken: Statt apokalyptischer Weltuntergänge versucht der Film, den Zuschauer in einem maroden Holzhaus in den Appalachen einzusperren - mit Dämonen, Schuld und sehr viel Schlamm. Nach Guillermo del Toros barock-märchenhaften Filmen und dem 2019er Reboot wirkt "Hellboy: The Crooked Man" wie ein bewusstes Gegengift. Der Film verlegt Hellboy an des Ende der 1950er Jahre und erzählt eine in sich geschlossene Folk‑Horror‑Episode irgendwo in den Wäldern, basierend auf der gleichnamigen Comic‑Miniserie von Mike Mignola und Richard Corben. Statt Franchise-Architektur gibt es eine überschaubare, fast kammerstückartige Geschichte: Hellboy strandet mit Bobbie Jo Song in einem von Hexerei und Schuld vergifteten Dorf und stößt auf die dämonische Figur des Crooked Man, der mit seiner eigenen Vergangenheit verknüpft ist. Man spürt den Versuch, die Figur aus der Sackgasse des größer, lauter, mehr Monster zu befreien und zu dem zurückzuführen, was Mignola ursprünglich geschrieben hat: episodische, unheimliche Missionsberichte eines müden Ermittlers. Die alten Del‑Toro‑Filme - "Hellboy" und "Hellboy II: Die goldene Armee" - waren liebevoll ausgestattete Gothic‑Opern, voller Kreaturen, Detailverliebtheit und melancholischem Humor. Sie inszenierten Hellboy als tragischen Romantiker in einer überbordenden Fantasiewelt; der 2019er‑Film "Hellboy: Call Of Darkness" dagegen eskalierte die Gewalt, füllte die Leinwand mit Monstern und zerstückelte seine Handlung in Setpieces, ohne je einen emotionalen Kern zu finden. "Hellboy: The Crooked Man" schlägt eine dritte, bewusst kleinere Spur ein: Er verzichtet auf das Ensemble der B.P.R.D., auf große Mythologie und auf die Versuchung, das nächste Kapitel eines Universums aufzuschlagen. Stattdessen konzentriert er sich auf Atmosphäre, lokale Folklore und eine einzige Storyline, deren Stakes persönlich und geografisch begrenzt bleiben. Wo der Vorgänger beinahe pausenlos aufdrehte, lässt dieser Reboot Platz für Stille, Düsternis und das Knarren von Holz in der Nacht.

In gewisser Weise ist das der ehrgeizigere Ansatz: Del Toro schuf ein eigenes Universum, der 2019er‑Film versuchte, es zu übertrumpfen - "Hellboy: The Crooked Man" wagt es, klein zu sein und Hellboy als Wanderer durch Horrorgeschichten zu begreifen, nicht als Marvel‑Superheldenimitat. Jack Kesy ist nach Ron Perlman und David Harbour der dritte Schauspieler, der sich unter die Hörner begibt, und er tut das mit einer Mischung aus Lässigkeit und Müdigkeit, die sehr nah am Ton der Comics liegt. Seine Version des Charakters setzt weniger auf große Emotionen als auf trockenen, leicht genervten Humor und die Haltung eines Mannes, der diesen Job schon etwas zu lange macht. Die praktischen Effekte und das Make‑up sind auch deutlich besser, als erste Bilder befürchten ließen, und erlauben Kesy, Mimiken und kleine Reaktionen durchscheinen zu lassen. Wenn er lakonisch auf groteske Hexenrituale reagiert, hat das eine beiläufige Komik - er wirkt nicht überwältigt, sondern leicht genervt - als sei das alles nur eine weitere Akte auf seinem Schreibtisch. Jefferson White als Tom Ferrell bringt eine verletzliche, schuldbeladene Note ein; er ist weniger Sidekick als moralisches Zentrum der Geschichte. Adeline Rudolph als Bobbie Jo Song wird als neugierige, eigenständige Figur angelegt, deren Faszination für das Übernatürliche sie nicht zu einem Frau in Nöten degradiert, sondern zu einer Partnerin, die Hellboy konterkariert. Martin Bassindale schließlich spielt den Crooked Man mit einer dünnen, unangenehm menschlichen Boshaftigkeit, die besser zu einem Volksmärchen des Schreckens passt als zu einem bombastischen Superheldenfinale.

Die Entscheidung, stark auf praktische Effekte zu setzen, ist das heimliche Manifest dieses Films. Hexen, Dämonen und der Crooked Man selbst wirken geerdet und nicht abgehoben, dreckig, als wären sie direkt aus einem vergilbten Holzschnitt ins 20. Jahrhundert hinübergeglitten. Nebel, Wälder, Holzhäuser und Kerzenlicht erzeugen einen Folk‑Horror‑Ton, der eher an "The Evil Dead" erinnert als an zeitgenössische Superheldenfilme. Das Budget ist leider sichtbar begrenzt. Man merkt den Sets ihre Kargheit an, manche digitalen Ergänzungen fallen neben den praktischen Effekten ab. Doch wenn der Film seinen Rhythmus findet, nutzt er diese Einschränkung, um intimer und klaustrophobischer zu werden; Gewaltspitzen sind hart, aber nicht selbstzweckhaft, und einzelne Szenen - etwa die Rückkehr einer Hexe aus dem Grab - sind schon verdammt unheimlich. Dass die Produktion den Horror nicht als bloße Würze versteht, sondern als tonalen Kern, unterscheidet sie deutlich von "Hellboy: Call Of Darkness", dessen Splatter oft wie verzweifelte Überkompensation wirkte. "Hellboy: The Crooked Man" ist kein Effekt-Schaulaufen, sondern ein Gruselmärchen, in dem die Monster Ergänzungen zur Moral der Geschichte sind. 

Wenn man die "Hellboy"‑Filme als Variationen desselben Stoffes begreift, dann stehen Del Toros Werke für das romantische Epos, "Hellboy: Call Of Darkness" für das überzogene Mixtape - und "Hellboy: The Crooked Man" für die schlichte Lagerfeuergeschichte, erzählt von jemandem, der weiß, wie dunkel Wälder wirklich werden können. Der Film ist beileibe nicht makellos, sein Budget knarzt, und sein Ehrgeiz liegt eher in Ton und Treue zur Vorlage als in filmischer Opulenz. Aber als Reboot erfüllt er genau das, was man sich von dieser Reihe wünschen konnte: Er gibt Hellboy seine Proportionen zurück - als übernatürlicher Ermittler in einer Welt aus Mythen, Flüchen und schlechtem Wetter. Dies ist kein großer Film, aber einer, der die richtige Geschichte auf die richtige Weise erzählt - und manchmal genügt das. 

5,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Millennium Films/Dark Horse Entertainment/Nu Boyana Films/Telepool GmbH

Freitag, 12. April 2019

Hellboy - Hellboy: Call Of Darkness (2019)

https://www.imdb.com/title/tt2274648/

Der Halbdämon Hellboy (David Harbour) hat im Kampf gegen das Böse diesmal einen ganz besonderen Auftrag: Mit frisch geschärftem Schwert, seinen blutroten Hörnern und der legendären steinernen Faust muss er der mächtigen Hexe Nimue (Milla Jovovich) und dem Monster Gruagach Einhalt gebieten. Gemeinsam mit anderen mythischen Wesen wollen die beiden Tod und Zerstörung über die Welt der Menschen bringen. Doch um das zu schaffen, brauchen sie noch jemanden: Nämlich keinen geringeren als Hellboy! Im Gegensatz zu seinem gegenwärtigen Ziel, das Böse zu vernichten, war seine einstige Bestimmung, den Weltuntergang herbeizuführen. Doch sein Ziehvater Professor Broom (Ian McShane) holte ihn auf die gute Seite und setzte ihn als Spezial-Agent gegen die Monster dieser Welt ein. Hellboy wird von Broom für einen wichtigen Auftrag nach London geschickt. Zeitgleich hinterlässt Nimue eine Schneise der Verwüstung in ganz England. Hellboy und seine Mitstreiter Anna (Sasha Lane) und Ben (Daniel Dae Kim) sehen sich plötzlich nicht nur mit einer völlig neuen Armee der Finsternis konfrontiert, sondern auch mit ihren eigenen Dämonen, die tief in ihnen selbst schlummern...

Er ist eine superstarke Comicfigur, die gegen das Böse kämpft. Aber Hellboy ist kein Superheld und dies ist kein gewöhnlicher Comic-Film. "Hellboy" wurde von Mike Mignola erschaffen und ist ein muskulöser, scharlachroter Dämon, der im Auftrag einer schattenhaften, paramilitärischen Organisation mythische Monster jagt, mit Hilfe von Menschen, die vom Paranormalen gezeichnet sind. Kein Geringerer als Guillermo Del Toro inszenierte 2004 mit Ron Perlman in der Hauptrolle die erste Adaption des Comics, es sollte noch eine weitere folgen. Und eigentlich auch eine dritte, wäre da nicht der Streit zwischen Mignola und Del Toro gewesen. Mignola fand, dass die von Del Toro auf die Leinwand gebracht Figur so gar nicht seiner Vorstellung des Höllenjungen entsprach und so wurden Pläne für einen dritten Teil mit Perlman nach schier endlosem Hin und Her ad acta gelegt und Del Toro widmete sich neuen Projekten. Zum Leidwesen einiger Fans, denn beide Filme waren unglaublich stark und phantasievoll, bis ins Detail ausgearbeitet (wie man es von Del Toro gewöhnt ist) und Perlman war der perfekte Darsteller für die Rolle.

Mit Neil Marshall, der für Horror- und Actionfilme wie "The Descent" und "Doomsday", ganz zu schweigen von zwei großen "Game Of Thrones"-Schlachten, bekannt ist, wird nun das Reboot geprägt von Over-the-top-Action und blutverschmierten Kreaturen im Rage-Modus. Subtilität ist offensichtlich nicht die Stärke dieses Mannes, aber er kurbelt diese neue Version von "Hellboy" mit einigen Umdrehungen mehr an und zeigt, dass auch seine Welt trotz der etwas chaotischen Armut ihrer Geschichte und ihrer Charakterisierung eine kreativ vorgestellte Welt ist.


Wer die Filme von Marshall kennt (und zu würdigen weiß), der weiß, dass er gern mit abgefahrenen (und blutigen) Verrücktheiten spielt, sofern er von der Leine gelassen wird. Und Verrücktheiten gibt es in "Hellboy" genug. Bevor man sich nämlich im Kinosessel überhaupt niedergelassen hat, hat ein wahnsinniger Dämon mit einer Luchador-Vampirfledermaus gerungen, eine Zauberin wurde von King Arthur geköpft und ein pulpiger Superheld hat sich mit einem Maschinengewehr durch einen Kader von Nazis und Rasputins Armee geschossen. Die Arthurian-Hintergrundgeschichte stammt eigentlich aus den "Hellboy"-Comics und mag sich schon einmal als verspielter Mash-up angefühlt haben, hier fühlt es sich wie eine kleine kreative Verzweiflung an. Aber da gibt es ja noch jene geheime Gesellschaft, die unverbrauchte Helden sucht, um Monster zu jagen, ein Schweinemonster, das Zungen aus Mönchen herausreißt und eine bösartige Hexe mit Holzbeinen und einem Auge. Das ist absolut verrückter Unsinn. Und das ist großartig. Aber eine Figur ist ganz weit vorn.

David Harbor, ein Star aus der Erfolgsserie "Stranger Things", verdeckt seinen muskulösen Körper unter einer Tonne von rotem Make-up. Spätestens hier werden Vergleiche mit der Oscar-Preisträger Guillermo Del Toros "Hellboy"-Adaption von 2004 und der Fortsetzung von 2008 "The Golden Army" mit Ron Perlman angestellt. Es ist auch eine ziemlich hohe Latte für Marshall und Harbour. Schon im ersten Frame des neuen "Hellboy"-Films - in dem ein Rabe den Augapfel einer Leiche herauspickt - ist klar, dass es sich um sehr unterschiedliche Streifen handelt. Del Toros Filme hatten John Hurt als eine freundliche, besonnene Vaterfigur; Marshalls Film lässt Ian McShane ungehemmt fluchen. Del Toro fertigte eine barocke Märchenversion der Comics an; Marshall Marshalls eine R-Rated Rock-Oper. Die Vorstellung von der wahren Natur des zentralen Charakters und dessen, was er werden könnte, ist einer der emotionalen Schwerpunkte des Films. Hellboy drückt eine gewisse Zurückhaltung aus, sich dem Kampf gegen Nimue anzuschließen. "Die Antwort auf jede Bedrohung, mit der wir konfrontiert werden, kann nicht Vernichtung sein", ruft er seinen Vater, Professor Trevor Bruttenholm (Ian McShane) zu, der das Büro für paranormale Forschung und Verteidigung leitet. Papas Antwort? "Sie hat dich mit ihren parfümierten Worten und ihren frechen Brüsten verführt!“ Vielleicht, aber Hellboy ist auch besorgt wegen einer Prophezeiung, die behauptet, er werde das Ende der Welt herbeiführen. Er hat Angst vor dem, wozu er in der Lage sein könnte. In einer kurzen Traumvision sieht er sich selbst auf einem schrecklichen Drachenskelett reiten und eine menschliche Stadt in eine Version des Höllenfeuers verwandeln. Es ist ein wundervoller kleiner Moment, der sich aber als so abgekürzt und so niedrig erweist, wie Ausschnitte aus einem verlassenes Subplot. Denn das ist das größte Manko des Films: die durch die Bank weg aneinandergestückelt wirkende Story und das abrupte Ende.


Aber mit dem neuen "Hellboy" kann sich David Harbour auch gegen Perlman behaupten. Ein großer Teil von Hellboys Charme besteht darin, dass er unter seiner unverwundbaren Haut ein verletzliches Herz versteckt und Harbour Melancholie und Wut durch die Schichten roter Schminke überträgt. Manchmal ist dieser riesige rote Dämon wankelmütig und verwundet, er ist überraschend gefühlvoll, sympathisch und sogar charmant. Er sieht etwas abgerockter aus als Perlman, das passt hier aber recht gut, auch wenn erste Bilder und Poster etwas anderes vermuten ließen. McShane ist so abrasiv wie eh und je, obwohl die anderen Leistungen etwas wackeliger sind. Daniel Dae Kim und Sasha Lane wirken in ihrer jeweiligen Rolle adäquat bis okay, während Milla Jovovich das brodelnde Übel der verführerischen Königin des Blutes nicht ganz heraufbeschwören kann. Besonders erwähnenswert ist jedoch Stephen Graham, der dem widerwärtigen Schweinemonster seine Stimme verliehen hat und da einen echt guten Job abgeliefert hat.


Sicher, das CGI ist ein wenig unfreundlich, die Akzente sind mittelmäßig verteilt und bleiben im Rahmen des Konstrukts auf dem Teppich und der ganze Zirkus bleibt immer wieder für einen weiteren Flashback stehen. Aber dann gibt es eine Szene, in der Hellboy wütende Riesen verprügelt, während Muse aus den Lautsprechern rockt oder ein Haus mit riesigen Hühnerbeinen angewalzt kommt, damit eine russische Hexe zum tödlichen Schlag ausholen kann. Lediglich eine musikalische Untermalung (in der Sequenz zu Pferd) vergeigt den guten akustischen Gesamteindruck. Hanebüchener, übertriebener Quatsch, und wenn man so etwas mag, ist "Hellboy" von vorn bis hinten ein fetter Spaß. Der Fakt, viele dieser Monster in einen Spielfilm zu packen, könnte sogar einer der Gründe sein, warum sich dieser "Hellboy" wie ein vollgestopftes, kakophones Durcheinander anfühlt. Ja, dieser "Hellboy" aus dem Jahr 2019 unterscheidet sich stark von den vorherigen Versionen, ist aber dennoch ein angenehmes und annehmbares Creature-Feature. Ohne Frage.

6,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Millennium Films/Dark Horse/Nu Boyana Films/Summit Entertainment

Samstag, 25. Mai 2013

Hellboy II: The Golden Army - Hellboy II: Die goldene Armee (2008)

http://www.imdb.com/title/tt0411477/

Die ewige Waffenruhe zwischen unserer Welt und den unsichtbaren Gefilden der fantastischen Unterwelt hat ein Ende. Die schlafende ‘goldene Armee’ wurde von einem grausamen Herrscher der Finsternis, Prinz Nuada, zu neuem Leben erweckt, und die einzige Chance der Menschheit stellt der rot gehörnte Katzenfreund aus der Hölle dar. Gemeinsam mit seiner Feuer beherrschenden Freundin Liz (Selma Blair), dem Tiefsee- Empathen Abe (Doug Jones) und dem Protoplasma-Seher Johann (John Alexander) stellt sich Hellboy (Ron Perlman) den unheimlichen Kreaturen Nuadas entgegen. Mehrere mörderische Zahnfeen, die Horde goldener Krieger, ein buchstäblicher Berg von einem Monster, ein vieläugiger Engel des Todes und ein haushoher Krake sind nur einige der unglaublichen Wesen, die Hellboy zu schaffen machen. Und ganz nebenbei muss er sich auch noch um seine Beziehung zu Liz kümmern und als Geschöpf und Außenseiter beider Welten seinen eigenen Weg finden.

Regisseur Guillermo Del Toro erzählt mit dem zweiten Teil "Hellboy II: Die goldene Armee" die Geschichte um den Anti-Helden Hellboy nahtlos weiter. Im Vergleich zum ersten Teil merkt man hier das wesentlich höhere Budget, was dem Meister noch mehr Möglichkeiten zur Entfaltung allerlei phantastischer und teilweise unglaublicher Figuren gab. Ernsthaft: was Del Toro so manches Mal ersinnt geht über meine Phantasie weit hinaus - und das bewundere ich. Von der großen und sehr lauten Action mit 70 mal 70 goldenen Kampfmaschinen bis zu klugen Spielereien um das Wesen von Maschinenwesen und Puppen - alles ist dabei und wird liebevoll ausgereizt. Der Reichtum an fantastischen Kreaturen von kleinen bösen Zahnfeen bis zu gigantischen grünen Naturgöttern übertrifft so manch anderen Fantasyfilm. In manch kleinem Detail und manch surrealen Bild verbirgt sich immer mal wieder eine geniale Idee, die einen lächeln lässt.

"Hellboy II: Die goldene Armee" ist eine rein an Unterhaltung orientierte Comic-Verfilmung, die ebenso humoristisch-ironisch wie sympathisch ist. Auch bei dem Mexikaner findet sich mal wieder die alte Prämisse, dass das Gute und das Böse sich bedingen, so wie aus dem angreifenden Baumgott eine wunderschöne, blühende Fauna wird, so sind der dunkle Elfenprinz und seine ungleich edelmütigere Schwester unteilbar miteinander verbunden. Überstrahlt wird das erzählerische Gerüst von der optischen Brillanz des Films und natürlich von der zuvor angesprochenen unglaublichen Phantasie seines Regisseurs, so gehört der schaurig-schöne orakelnde Engel des Todes, dessen Weissagung gerade hinsichtlich eines dritten Teils der Hellboy-Saga von Relevanz sein könnte, zu einem der faszinierendsten Geschöpfe des Films. Die Story ist somit eigentlich nichts gänzlich Neues, bietet aber eine kurzweilige Unterhaltung.

Dieser grandiose Film mit seinen ebenso grandiosen Bildern und Effekten ist eine gigantisch-gute Fortsetzung: selten sah man digitale Kreationen, die so sehr nach Dampf und Eisen rochen. Mit diesem Film, der zwar nicht mit dem unbestrittenen Meisterwerk "Pans Labyrinth" auf einer Stufe steht, aber dennoch im oberen Drittel der Film-Liga spielt, hat Guillermo del Toro wieder mal eindrucksvoll bewiesen, dass er zu den talentiertesten, weil künstlerisch ausdrucksstärksten Regisseure der Gegenwart gehört und er bleibt Garant für üppigen Augenschmaus sowie Phantastisches mit Verstand und Tiefe.

8,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Universal Pictures/Dark Horse Entertainment/Relativity Media

Sonntag, 17. März 2013

Hellboy (2004)

http://www.imdb.com/title/tt0167190/

Während des Zweiten Weltkriegs wird Hellboy (Ron Perlman) aus den Flammen der Hölle geboren und von dem größenwahnsinnigen Magier Rasputin (Karel Roden) durch ein okkultes Ritual an die Erdoberfläche gebracht, um die Hölle auf Erden zu entfesseln. Doch Hellboy wird von den Alliierten gerettet. Professor "Broom" Bruttenholm (John Hurt) nimmt die kleine Ausgeburt des Teufels unter seine Fittiche und zieht sie im Schutz der "Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen" auf. Jahre später ist der erwachsene und praktisch unzerstörbare Hellboy an der Seite des Fischmannes Abe Sapien (Doug Jones) und der pyrokinetisch veranlagten Liz Sherman (Selma Blair) zum eifrigsten Bekämpfer aller bösen übernatürlichen Kräfte geworden. Hellboy und sein Ziehvater ahnen nicht, dass Rasputin seine dunklen Pläne von einst noch nicht aufgegeben hat. Er ist zurückgekehrt, um endlich Armageddon herbeizuführen. Seine wichtigste Schachfigur im diabolischen Spiel? Hellboy.


Guillermo Del Toro zeigte schon 2 Jahre vor "Hellboy" mit seiner Fortsetzung "Blade 2", dass er ein sicheres Händchen für Comicspaß auf der Leinwand hat. Bei "Hellboy" ist das nicht anders. So hat man auch hier das Gefühl, Del Toro nimmt seinen gesamten Film an nur wenigen Stelle für voll, und gerade das macht "Hellboy" zu einem überwiegend spaßigen Unfug, aus dem man zwar mehr hätte machen können, doch Del Toros Blick für extrem stylishes Produktionsdesign und exzellente und absurde Maske geben dem Film den letzten Schliff. 

Ron Perlman macht mit offensichtlicher Lust an seiner Rolle aus dem "Hellboy" einen überraschend differenzierten und irgendwie menschlichen Charakter. So zeigt sich Bizarres auch in der Liebe zum Detail. Spannung kommt mit "Hellboy" so nicht auf. Neben der offensiven Selbstironie, dem durchweg schicken Produktionsdesign und den obligatorisch flotten Einzeilern geht es der Höllenbrut auch vom Gesichtspunkt der Effekte her bildgewaltig an den Kragen. Also wer gewillt ist, von einer Comicverfilmung auch nicht mehr als eine Comichandlung zu erwarten, dürfte mit dem extrem lockeren "Hellboy" nicht enttäuscht werden. Der Streifen ist wohl kalkuliert, detailverliebt im Design, stilsicher und ausreichend kurzweilig. Eine sehr gute Comicverfilmung, die in diesem Stil nur von seinem Nachfolger übertroffen wird.

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Columbia Pictures/Revolution Studios/Dark Horse Entertainment