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Donnerstag, 15. Januar 2026

Book of Shadows: Blair Witch 2 - Blair Witch 2 (2000)

https://www.imdb.com/de/title/tt0229260/

Das Grauen von Blair Witch nimmt kein Ende. Sechs Jahre nach dem Verschwinden der Filmstudenten bietet der Geschäftsmann Jeffrey Patterson (Jeffrey Donovan) Touren in die Black Hills übers Internet an. Vier junge Leute zeigen Interesse und melden sich für diesen Trip an. Es sind Stephen Ryan Parker (Stephen Barker Turner), seine schwangere Freundin Tristen (Tristene Skyler) sowie Erica (Erica Leehrsen) und Kim (Kim Director). Stephen und Tristen recherchieren ein Sachbuch über den Fluch: "Blair Witch: Hysterie oder Historie". Erica glaubt eine Hexe zu sein, und Kim meint eine übersinnliche Gabe zu besitzen. Am Ziel angekommen, errichten sie ihr Lager direkt neben den Überresten der Grundmauern des Hauses, wo der Einsiedler Rustin Parr einst sieben Kinder ermordete und - Gerüchten zufolge - hier auch das Haus der Hexe Elly Kedward stand...

Es gibt Filme, die auf den Schultern von Giganten stehen - und dann gibt es "Blair Witch 2", einen Film, der diese Schultern kurzerhand absägt und das ikonische Fundament seines Vorgängers achtlos im Morast vergräbt. Wo "The Blair Witch Project" den Found-Footage-Stil mit beinahe dokumentarischer Authentizität zu einem neuen Realismus erhob, entscheidet sich "Blair Witch 2" unter der Regie von Joe Berlinger für eine so konventionelle wie uninspirierte Ästhetik: klassische Kameraführung, hektisches Editing, und eine Struktur, die sich selbst nicht versteht. Der erste Teil suggerierte, dass die Angst im Off lauert - in dem, was man nicht sieht. Teil zwei hingegen scheint panisch bemüht, alles gleichzeitig zu zeigen: Gewalt, Okkultismus, Blut, Halluzinationen. Es ist der Inbegriff des filmischen Overstatements. Der subtile Schrecken des Originals wird ersetzt durch eine schrille Collage aus Videoclips, Traumsequenzen und MTV-Optik. Man spürt geradezu, wie Berlinger - ein dokumentarisch versierter Regisseur - mit den Anforderungen des Studios ringt. Das Ergebnis ist ein in sich widersprüchlicher Hybrid: halb satirischer Meta-Kommentar auf Medienhysterie, halb peinlich konstruierter Horrorfilm.

Hinzu kommt die wohl gravierendste Schwachstelle: das Schauspiel. Die Darsteller wirken, als agierten sie in unterschiedlichen Filmen. Kim Director chargiert zwischen Goth-Karikatur und Überforderung, Jeffrey Donovan schwankt zwischen ironischer Distanz und unfreiwilliger Komik, und Erica Leerhsen liefert eine Performance, die gleichermaßen hysterisch wie leer wirkt. Anstatt glaubwürdige Figuren zu erschaffen, liefern sie Posen ab - symptomatisch für ein Werk, das jegliche psychologische Subtilität vermissen lässt. Der Film zerstört mit seiner Darstellung schlicht alles, was den Mythos des Originals ausgemacht habe - seine Ambiguität, seine Authentizität, seine stille Angst. Kurz: der zweite Teil verwandelt Furcht in Lärm. Er ist aber vor allem schlecht, weil er nicht versteht, warum der erste Teil Erfolg hatte.

2/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Artisan Entertainment

Montag, 10. Oktober 2016

Blair Witch - Blair Witch Project 3 (2016)

http://www.imdb.com/title/tt1540011/

20 Jahre ist es nun schon her, dass Heather Donahue und ihre Freunde in den Black-Hills-Wäldern verschwanden. Nun macht es sich Heathers Bruder James (James Allen McCune) zur Aufgabe, gemeinsam mit seinen Freunden Peter (Brandon Scott) und Ashley (Corbin Reid) und der mit einer Videokamera ausgestatteten Filmstudentin Lisa (Callie Hernandez) die Umstände dieses äußerst mysteriösen Verschwindens, das nie aufgeklärt wurde, zu erforschen. Durch die düsteren Wälder lassen sie sich von zwei Einheimischen führen, was die Truppe zuversichtlich stimmt: So werden sie sich ganz bestimmt nicht verirren! Als sie jedoch nachts das Gefühl haben, in ihrem Lager von jemandem – oder etwas – beobachtet zu werden, stellen sie fest, dass das Verirren ihr geringstes Problem sein dürfte... denn während sich die Legende von der Hexe von Blair zuhause noch wie ein Ammenmärchen anhörte, rückt sie im dunklen Wald immer mehr in den Bereich des Möglichen.

Als im Jahre 1999 "The Blair Witch Project" erschien, wurde die Genre-Welt erschüttert. War dieser Film, das gefundene Material, etwa echt? Sind Heather, Josh und Mike wirklich verschwunden? Die damalige Marketing-Kampagne ist bis heute eines der leuchtendsten Beispiele für virales Marketing. Selbst mit Talenten wie Adam Wingard ("The Guest") an Bord, wurde es schwer, diesen Hype in das neue Jahrtausend zu übertragen. Angekündigt mit der Bezeichnung  "The Woods" wurde Mitte des Jahres dann klar, dass es sich bei diesem Titel um den nunmehr dritten Teil des "Blair Witch Projects" handelte. Seiten wie "Bloody-Disgusting.com" hoben daraufhin den dritten Teil bereits im Vorfeld als "incredible scary" in den Horrorhimmel und verkündeten, dass "Blair Witch" das Genre auf eine ganz neue Ebene hebe. Das ist natürlich nur das übliche Aufspielen der PR. Unbestritten gelingt Adam Wingard aber ein durchweg unterhaltsamer und eindringlicher Gruselthriller, der auch noch zu gefallen weiß.

"Blair Witch" folgt dabei den Pfaden des ersten Teils und ignoriert - zum Glück! - Teil 2 ("Blair Witch 2: The Book Of Shadows") völlig. Die Found Footage ist, trotz teilweise extrem wackeliger Wackelkamera, etwas besser, was mittlerweile auch arg der Technik geschuldet ist. Keine 8mm mehr, dafür HiDef in Form von GPS-geführten Ohrclip-Kameras, einer Drohne, digitalen Videokamera und - vermutlich als Hommage an alte Zeiten - einer alten DV. Dass aber auch GPS in den Wäldern von Burkittsville nichts nützt merken die 4 Abenteuerer, die auf der Suche nach - und jetzt kommt die Verknüpfung - James (James Allen McCune) Schwester Heather sind, recht bald. Die Handlung hält sich damit in weiten Teilen an das denkbar simple Konzept des ersten Teils. Mit den zwei Einheimischen YouTubern Lane (Wes Robinson) und Talia (Valorie Curry) geht es in die Wälder hinein. Die Jugendlichen verlaufen sich bald in den dichten Wäldern der "Black Hills" und werden recht schnell mit merkwürdigen bis gruseligen Ereignissen konfrontiert. Wingard setzt dabei altbewährte Horrormittel effektiv in Szene und bringt einige Neuerungen (wie zum Beispiel die Drohne), die das Szenario zumeist gewinnbringend erweitern. Perspektivisch präsentiert sich der neue "Blair Witch" also äußerst abwechslungsreich, ohne dass der Zuschauer dadurch die Nähe zu den Figuren verlieren würden, die im Original kriegsentscheidend für die unheimliche Wirkung war.

Ähnlich wie Daniel Myrick und Eduardo Sánchez baut auch Adam Wingard besonders auf die Angst vor der Dunkelheit, das undurchdringliche Dickicht des Waldes und die Verstörungskraft unheimlicher Geräusche. Gelegentlich blickt der Genre-Enthusiast allerdings auch über den Tellerrand und zeigt für kurze Augenblicke schemenhafte Impressionen des Grauens, die jedoch nicht weiter aufgelöst werden. Viele Rätsel bleiben, neue Mysterien tun sich auf. Erst im Finale wird "Blair Witch" dann doch wieder effektiv. In den letzten 20 Minuten besinnt sich der Film auf deine eigentlichen Qualitäten und liefert eine nasskalte, angespannte Atmosphäre, die fast alle Register zieht. Hier sieht man das Potential, welches in "Blair Witch" gesteckt hätte, wenn Wingard weniger Wert auf die Befriedigung des "Paranormal Activity"-Publikums gelegt hätte. Der Regisseur greift tiefer in die Effektkiste, kreiert hier eine durchaus intensive Terroratmosphäre mit mindestens einem schönen Einfall, der Klaustrophobikern den Atem stocken lässt. Obwohl es im Finale meistens laut und wenig subtil zugeht, fiebert man mit den nicht übertrieben dämlichen Protagonisten mit, die von den Darstellern solide verkörpert werden."Blair Witch" ist damit tatsächlich nicht schlecht, wenn man sich - wie so oft - darauf einlassen kann und ein wenig mehr 2016 und die damit verbundene plumpe Zeigefreudigkeit akzeptiert.

7/10

STUDIOCANAL brachte die Filme "The Blair Witch Project" und "Blair Witch" zusammen als "Limited 2-Disc Special Edition" in einem sehr schicken Steelbook:

Sonntag, 17. August 2014

The Blair Witch Project (1999)

http://www.imdb.com/title/tt0185937/

Drei Filmstundenten machen sich auf in den Black Hills Forest, um eine Dokumentation über die legendäre “Blair Witch” zu drehen. Nur mit Kameras und einem DAT-Recorder bewaffnet zeichnen sie jeden ihrer Schritte auf, doch sie kehren niemals von ihrem Ausflug zurück. Jegliche Suche bleibt erfolglos, doch ein Jahr später wird eine Tasche mit ihren Aufnahmen gefunden. Das Material wird zusammengeschnitten und unter dem Titel “The Blair Witch Project” veröffentlicht.

"The Blair Witch Project" ist wahrscheinlich der Vorzeige-Found-Footage-Film. Er war nicht nur einer der ersten Filme, die mit Wackelkamera und mit Vortäuschung des "gefundenen Filmmaterials" den Zuschauer vor dem Bildschirm fesselte, er war mit knapp 60.000 US-$ noch dazu unfassbar günstig und hat sein Investment bis heute mehr als (das ist kein Verschreiber) ver-Vierhundertfacht.

In diesem Film überwiegt eindeutig die psychische Gewalt, richtige blutige Gewaltausbrüche gibt es nicht und durch Streitigkeiten der Protagonisten gewinnt der Film unglaublich an Spannung. Die erste Zeit verbringt man in heiterer Stimmung, aber das ungute Gefühl wird von Minute zu Minute stärker. Die Emotionen werden in diesem Film perfekt rübergebracht: "The Blair Witch Project" ist einer der Filme bei dem man den Darstellern tatsächlich auch abnimmt, das sie Angst haben und auch nervlich am Ende sind.

Man hat zudem durch diese Art der Kameraführung (man sieht immer maximal 2 Personen auf einmal) das Gefühl, man würde nicht nur ein Zuschauer sein, sondern die Person, die die Kamera hält; was zur Folge hat, das man sich selbst mit in dem Projekt involviert fühlt - und was zu noch größerer Anspannung beim Zuschauer sorgt.

Es gab neue Kameraeinstellungen wie man sie vor dem Film noch nie zu sehen bekam. Die Kamerafahrten an sich waren natürlich sehr wackelig und recht unscharf, wobei einen das nicht stört, denn so etwas verbessert die Atmosphäre in diesem Fall nur noch mehr.

Alles in allem ein Film der sich gründlich gewaschen hat und der einem mal einen richtig schön unheimlichen Abend bescheren dürfte.  Das Ende haut dann so richtig rein und hinterlässt noch heute ein unglaubliches Angstgefühl - erst recht, wenn man den Film Nachts, im Dunkeln und mit voll aufgedrehter Anlage schaut, die die wäldlichen Umgebungsgeräusche richtig schön transportieren kann. Schön gruselig - und das noch nach 15 Jahren!

8,5/10

STUDIOCANAL brachte die Filme "The Blair Witch Project" und "Blair Witch" zusammen als "Limited 2-Disc Special Edition" in einem sehr schicken Steelbook: