Dienstag, 12. Dezember 2017

Sleepy Hollow (1999)

http://www.imdb.com/title/tt0162661/

Constable Ichabod Crane (Johnny Depp) hat Ermittlungsmethoden, die für das Jahr 1799 ungewöhnlich sind - er setzt auf Verstand und Logik als einzigen Kriterien, um Motive und Täter aufzuspüren. Im kleinen Ort Sleepy Hollow soll er den Morden an einem angesehenen Bewohner, seinem Sohn und einer weiteren Person nachgehen, denen allen der Kopf abgeschlagen wurde. Die Köpfe der Opfer sind verschwunden, und die Einwohner – allen voran Bürgermeister Philips (Richard Griffiths), der Notar Hardenbrook (Michael Gough), der Arzt Dr. Lancaster (Ian McDiarmid) und Reverend Steenwyck (Jeffrey Jones) – erzählen dem verdutzten Crane eine merkwürdige, für ihn schier unglaubliche Geschichte: Der Mörder sei ein Toter, ein ehemaliger hessischer Söldner (auf Seiten der britischen Armee), der seinen Gegnern vor Jahren während des Unabhängigkeitskrieges die Köpfe abgeschlagen habe, bis man ihn selbst enthauptete und irgendwo in den Wäldern verscharrt habe. Der kopflose Reiter sei nun auf der Suche nach seinem Kopf und würde nicht eher ruhen, bis er ihn gefunden habe...

Tim Burton begibt sich mit "Sleepy Hollow" erneut in den Märchenwald und es ist eine wenig überraschende Erkenntnis, dass er sich dort ganz vorzüglich auskennt. Herausgekommen ist ein Film von einer überwältigenden Atmosphäre, die einen aber zu keinen Zeitpunkt überfährt, nie aufgesetzt oder künstlich wirkt, sondern einfach ein perfekte Melange aus Geschichte, Stimmung und Optik bietet. Und man wünscht sich danach fast mehr davon - das eine oder andere Grimm'sche Märchen in dieser Machart... ja, das wäre was.

Doch zurück zum Film. Im Grunde ist "Sleepy Hollow" eine mystische Kriminalgeschichte. Der leicht affektierte Polizist Ichabod Crane wird in das düstere Örtchen 'Sleepy Hollow' geschickt um einige seltsame Mordfälle aufzuklären und ist nebenbei ganz allein dafür zuständig, diesem Film seinen stillen, humoresken Unterton zu verleihen. Außerdem scheint dieser Ichabod Crane die Geburtsstunde eine ganz bestimmten Rollentypus zu sein, den Johnny Depp danach immer wieder bediente. Besonders dieser eine Piratenkapitän ist das in laut, was Mr. Ichabod Crane in leise ist. Hier gefällt das umso mehr, da es eben recht still und verhalten ist.

Aber man muss hier auch gar nicht soviel Worte verlieren, da es weder die Schauspieler sind, die "Sleepy Hollow" zu solch einem Vergnügen machen, noch ist es die Story an sich. Es ist dieser dunkle Wald in den man entführt wird, diese alte Welt in der die Grenzen noch schwammig waren in Bezug darauf, was man glaubte und was nicht. Und genauso wie Dorfbewohner in einer ungewissen Angst leben, sich vor einem Phantom fürchten, oder eben auch nicht, so ist genau dieser Umstand auch der Motivationsmotor für den Zuschauer. Gibt es das wirklich? Es ist möglich, da es in diesem tiefen Wald einiges gibt. Oder will doch wieder ein Regisseur den Zuschauer nur an der Nase herumführen? Tim Burton jedenfalls scheint nicht der zu sein, der sich um so was Gedanken macht. Er will seine Geschichten erzählen, sie ausschmücken wie Märchen und den Zuschauer mit Bildern verzaubern und verführen. Er akzeptiert kleine Geschichten als das, was sie sind, solange er etwas spezielles für sich in ihnen finden bzw. sehen kann. Er plustert sie nicht auf und macht sie nicht künstlich komplizierter - was ja doch meist auch gar nicht funktioniert. Ein moderner Märchenerzähler, dass ist wohl das, was Tim Burton am besten beschreibt. Und erzählte er vorher meist Geschichten für etwas kleineren, so beginnt er mit "Sleepy Hollow" damit, nur auch Schauermär für die größeren Leute zu erzählen.

8,5/10