Samstag, 30. Dezember 2017

Being John Malkovich (1999)

http://www.imdb.com/title/tt0120601/

Als dem Puppenspieler Craig (John Cusack) der Erfolg versagt bleibt und seine Frau Lotte (Cameron Diaz) aus dem gemeinsamen Heim ein Tierasyl macht, bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich einen Bürojob zu suchen. Doch schon mit dem Vorstellungsgespräch fängt die Absurdität an: Das Büro liegt im 7 1/2 Stock und man kann nur gebückt, die Räume durchschreiten. Diese Unannehmlichkeit macht die hübsche Maxine (Catherine Keener) wieder wett, in die sich Craig verliebt. All sein Werben ist umsonst, bis er hinter seinem Schrank einen Tunnel entdeckt, der zu einem 15 Minuten Trip in John Malkovich einlädt. Bald schon haben Craig, Lotte und Maxine die Idee: Sie vermarkten den Trip in John Malkovich, bis er ihnen eines Tages auf die Spur kommt, und selbst für eine Reise in sich ansteht...

"Being John Malkovich" ist das erste Werk von Spike Jonze in voller Spielfilmlänge. Zusammen mit Drehbuchautor Charlie Kaufmann schuf der talentierte Regisseur einen genauso intelligenten, wie abstrusen Film. Und das nicht einmal aufgrund seiner wahnwitzigen Prämisse, sondern vielmehr aufgrund seiner Handlung und den Figuren. Das ist gleichzeitig aber auch sein Problem.

Zunächst einmal, und wie so oft, weiß der Beginn des Films sehr gut zu gefallen. Ein interessanter, schrulliger Protagonist kommt an einen Ort, an dem die Regeln sehr anders sind und nur auf merkwürdige Weise begründet werden. Vor allem die Dialoge mit Dr. Lester sind dabei unglaublich abstrus und lustig. Dann allerdings kommt die eigentliche Handlung in Gang, durchaus interessant inszeniert und mit nachvollziehbaren Implikationen, was Identität angeht. Zumindest auf dem Blatt. Denn abgesehen von John Malkovich und Dr. Lester schafft es tatsächlich kein Charakter, in irgendeiner Weise nachvollziehbar und nicht klischeehaft überdreht zu agieren. Willkür in Reinform. Die enormen, psychologisch unfassbaren Unsympathien, die alle Figuren zusätzlich verkörpern, vor allem Maxime, die man gern hasst, helfen dem zusätzlich nach.

Das stört bei einem Film, bei dem die Handlung wesentlich wird. Dass diese zudem vorhersehbar ausfällt, schießt teils doch etwas den Vogel ab. Das Unmoralische, das hier alle Figuren zelebrieren, mag man gerne als Kritik am menschlichen Wesen auffassen, hier ist es aber zu übertrieben und willkürlich. Als eine Karikatur mag das vielleicht noch durchgehen, für einen Film, der mehr sein will, als eine Sketchsammlung ist das aber zu wenig. Charlie Kaufman und Spike Jonze liefern dennoch einen Film ab, der an Originalität und Einfällen kaum zu überbieten ist. Sie verzichten darauf, dass amüsante Setting jedoch stereotypisch breitzutreten und stellen stattdessen intelligente Fragen über die Freiheit des menschlichen Geistes, was dem Film eine tragikomische Ebene verleiht.

Die Darsteller, allen voran John Cusack, liefern hier mit ihre besten Performances ab. Cameron Diaz, die man mittlerweile nur noch in durchschnittlichen Comedy-Produktionen sieht, verdient übrigens ein kleines extra Lob für ihre Leistung als schräge Tierpflegerin. Kurzum: der Film unterhält einfach. Zwar braucht er etwas, ehe die eigentliche Handlung beginnt und so richtig abgedrehte Bilder gibt es nur an wenigen Stellen, aber der Fluss ist stets garantiert und die tolle Prämisse macht immer wieder neugierig. Lobend muss man auch die spannende Meta-Komponente erwähnen, da John Malcovich von John Malcovich gespielt wird, was dem Film eine zusätzlich Pointiertheit, aber auch Drastik gibt. Man fragt sich angesichts all der persönlichen Erinnerungen nicht selten, was hier faktisch und was fiktiv ist. Solche expliziten Verweise auf die Wirklichkeit vermisst man heutzutage etwas. "Being John Malkovich" ist toll. Tiefgründig, witzig, unterhaltsam. Eine Klettertour in die Abgründe des menschlichen Verstandes.

8/10