Donnerstag, 21. Dezember 2017

Gettysburg (Director's Cut) (1993)

http://www.imdb.com/title/tt0107007/

Der amerikanische Bürgerkrieg tobt in seiner ganzen Härte. Doch die blutigste und härteste Schlacht steht den befeindeten Truppen von Nord- und Südstaaten noch bevor. Um den Ort Gettysburg sammeln sich auf beiden Seiten große und zahlreiche Truppenverbände, um einen Wendepunkt im Sezessionskrieg hervorzurufen. Die gesamte Bevölkerung der USA ist durch den Konflikt gespalten, rein ideologisch und auch kämpferisch. So treffen in der Schlacht nicht nur ausgebildete Soldaten aufeinander, sondern auch normale Bürger, die ihren Beitrag zur, in ihren Augen, richtigen Sache leisten wollen. In den Reihen der Konföderierten gibt es zwischen den Offizieren James Longstreet (Tom Berenger) und Robert E. Lee (Martin Sheen) anschwellende Konflikte, die auch der Schlagkraft der Truppe schadet. Zwischen den beiden Kommandeuren gibt es Machtkämpfe, die sich auf die Motivation aller Beteiligten niederschlägt.

"Gettysburg" erzählt die Geschichte der dreitägigen Schlacht von Gettysburg, Höhe- und Wendepunkt des amerikanischen Bürgerkrieges. Man merkt dem Bürgerkriegsepos von Ronald F. Maxwell, der für Drehbuch und Regie verantwortlich zeichnete, mit seinen über seinen vier Stunden Laufzeit die erzählerischen Ambitionen an. Es ist ein detailverliebtes Denkmal der Beteiligten auf beiden Seiten - mit hochkarätigen Schauspielern besetzt: Martin Sheen spielt einen theatralischen General Lee, Jeff Daniels brilliert als Colonel Chamberlain auf der Gegenseite. Ein kautziger Sam Elliot stellt einen weiteren Höhepunkt dar, aber überhaupt ist der Film mit einem ganzen Haufen guter bis exzellenter Darsteller gesegnet. Tom Berenger und den kurz nach den Dreharbeiten verstorbenen Richard Jordan hat man selten besser gesehen als in "Gettysburg".

Dutzende falscher Bärte, Pathos und Gloria, viel Dialog und eine Regie, welche die eigentlich spektakulären Massenszenen fast inspirationslos inszeniert. Ohne spezielles Interesse an den eigentlichen Persönlichkeiten ist "Gettysburg" somit leider nicht mehr als eine relativ langatmige Ergänzung einer Geschichtsstunde, ja, Ergänzung, denn ohne den bitter nötigen Kontext weniger spannend. In einigen herzlich bemühten Szenen wird immerhin Verständnis für beide Parteien ersucht, dem Gegenüber steht jedoch die überzogene Fokussierung auf die mit Sicherheit nicht einzige Motivation der United States Army: die Beendigung der Sklaverei.

Maxwells Epos bestimmt keine Seite zum Sieger, nicht nur, weil es in keinem Krieg einen wirklichen Sieger gibt. Denn ganz besonders gilt dieser Grundsatz für einen Bürgerkrieg, in dem sich Männer gegenüberstehen, die kurz zuvor noch Seite an Seite gefochten haben, für oder gegen was auch immer. Der Soundtrack hat echte Geberqualitäten und trägt streckenweise etwas zu dick auf, was aber zu verschmerzen ist. So ist der Film ein wirklich gewaltiges Schlachtengemälde, in dem sich Grauen und Faszination in der Mitte des Schlachtfeldes die Hand reichen und vorläufig Frieden schließen. "Gettysburg" ist 'American Civil War Reenactment' auf höchstem Niveau.

7,5/10