Donnerstag, 14. Dezember 2017

[KINO] Star Wars: The Last Jedi - Star Wars: Die letzten Jedi 3D (2017)

http://www.imdb.com/title/tt2527336/

In einer entscheidenden Schlacht gegen die Erste Ordnung hat der Widerstand die Superwaffe Starkiller-Basis vernichtet. Der Triumph währt jedoch nicht lange, denn der von General Leia (Carrie Fisher) angeführte Widerstand gerät schnell wieder in große Bedrängnis. Nach dem Versagen seines Lehrlings Kylo Ren (Adam Driver) im Duell gegen Rey (Daisy Ridley) übernimmt der Oberste Anführer Snoke (Andy Serkis) mit seiner weit überlegenen Flotte höchstpersönlich die Jagd auf die Rebellen. Ein Großangriff auf deren Hauptbasis soll den Widerstand endgültig auslöschen. Zwar kann die galaktische Resistance dank mutigen Einsatzes des Piloten-Asses Poe Dameron (Oscar Isaac) mit knapper Not entkommen, doch die Erste Ordnung heftet sich prompt an ihre Fersen. Die letzte Hoffnung des Widerstandes liegt beim Jedi-Meister Luke Skywalker (Mark Hamill). Doch als Rey ihn in seinem Versteck auf einem abgeschiedenen Planeten aufspürt, ist der einsiedlerisch lebende, desillusionierte Luke wenig begeistert von der Ruhestörung. Er weigert sich kategorisch, an dem Konflikt teilzuhaben oder die machtsensible Rey auszubilden. Während dem Widerstand die Zeit davonläuft, unternehmen der bekehrte Stormtrooper Finn (John Boyega) und Mechanikerin Rose (Kelly Marie Tran) einen verzweifelten Rettungsversuch...

"This is not going to go the way you think!"

Dieses Zitat stammt von Luke Skywalker, das dem "Star Wars"-Fanboy schon im Trailer intensiv in die Ohren drang, und es fasst den gesamten Film eigentlich perfekt zusammen. Was man sich auch wünscht, vorstellt und ausmalt, es wird alles doch irgendwie anders kommen.

Doch von vorn. Als "Das Erwachen der Macht" vor fast genau zwei Jahren in den Kinos anlief, entfachte J.J. Abrams, der schon erfolgreich das "Star Trek"-Franchise wiederbelebte, mit seinem Film den "Star-Wars"-Hype neu und so wie man ihn seit den Achtzigern nicht mehr kannte. Disney und LucasFilm erfüllten ihr Versprechen, kehrten zu den Wurzeln der Reihe zurück und lieferten eine Fortsetzung, auf die die Fans seit über 30 Jahren gewartet haben. Obwohl die Reaktionen unter Zuschauern und Kritikern zunächst überwältigend positiv waren, wurden gerade in den Fankreisen kurz nach dem Start enttäuschte Stimmen laut, die Abrams vorwarfen, mit seinem Film die Reihe nicht voranzubringen, sondern stattdessen den allerersten Film, "Eine neue Hoffnung", zu kopieren und trotz abgewandelter Form nahezu 1:1 auf die Leinwand - natürlich mit 2015er Technik - zu bringen. Es läuft letztlich auf die Frage hinaus, wo eine Hommage bzw. eine Verbeugung endet und ein Plagiat beginnt. Es stimmt, Abrams und seine Autoren "borgten" sich viele Ideen aus der Original-Trilogie von George Lucas. Vor allem folgten sie jedoch im Geiste den Vorbildern und deren universellem Thema von jungen Träumern, die aus ihrem tristen Alltag ausbrechen, unglaubliche Abenteuer erleben und Heldentaten vollbringen - perfekte Identifikationsfiguren für die jungen Zuschauer der Filme. Durch die Rückbesinnung auf die Stärken der ersten "Star-Wars"-Filme führte "Das Erwachen der Macht" neue Charaktere und Handlungsstränge in eine vertraute Welt fließend ein und schaffte damit das notwendige Fundament für weitere Geschichten aus einer weit, weit entfernten Galaxie.

Und diese wird mit dem zweiten Kapitel der neuen Trilogie, "Die letzten Jedi" fortgeführt. Der Hype mag nun insgesamt etwas schwächer sein, doch zumindest Fanboys haben dem Teil enorm entgegengefiebert. Schließlich hatte "Das Erwachen der Macht" bei all den Wiederholungen doch auch eine Menge Neues gebracht – und damit offene Fragen. Was hat Luke all die Jahre getrieben? Wer sind die Eltern von Rey? Wie sieht der geheimnisvolle Snoke im wahren Leben aus? Und tatsächlich liefert Regisseur Rian Johnson, der mit dem Film "Looper" auf sich aufmerksam machte, auf all diese Fragen eine Antwort. Es sind nur nicht unbedingt die Antworten, die erwartet oder gar erhofft wurden. Die große Stärke des nunmehr achten Teils ist es dann auch, wie sehr er mit den Erwartungen des Publikums gespielt. Im einen Moment erfüllt er sie, im nächsten stellt er alles auf den Kopf. Aber er liefert über all das hinaus immer wieder großartigen Fan-Service.


Der Wermutstropfen zuerst: mit über 150 Minuten ist die neunte Episode deutlich zu lang geraten. Dabei wäre das gar nicht nötig gewesen. So erweist sich ein ganzer Handlungsstrang als regelrecht unnötig, wenn Autor Johnson sein Script etwas sorgfältiger ausgearbeitet hätte. Zwar gibt es innerhalb dieser Plotline mit Benicio Del Toro einen neuen Charakter, der durchaus stimmig ist und etwas Würze ins Universum bringt, das ändert aber nichts daran, dass das ganze Drumherum bei genauerer Betrachtung eigentlich keinerlei Sinn ergibt. Das soll nicht heißen, dass der Film "leiert", zäh oder gar langweilig ist, ganz im Gegenteil. Es bleibt nur das Gefühl, dass er unnötig aufgebauscht ist. Daneben gibt es diverse Plotholes, unzählige Logikfehler und man hat mehr als einmal das Gefühl, dass gerade "zufällig" die überleben, die das Script später noch braucht.

Fehlende Sorgfalt lässt sich auch beim Aufbau der Erzählstruktur erkennen. Das Pacing von "Die letzten Jedi" hat nämlich mehr als einmal so seine Probleme. Es ist vor allem Anfangs nahezu eine Katastrophe. Das Narrative springt da etwas unharmonisch zwischen den einzelnen Erzählsträngen umher und gerade wenn eine Plotline mal so richtig in Fahrt kommt, wechselt der Film zur nächsten. Das kann schon mal frustrieren, vor allem wenn so versucht wird, Spannungsmomente zu generieren, aber eigentlich damit das Gegenteil erreicht wird. Auch bei den Figuren läuft nicht alles glatt. So bleibt Schurke Kylo Ren (Adam Driver) die wohl interessanteste Figur der neuen Trilogie, aber es verwundert schon, dass seine Fähigkeiten und Kräfte immer gerade so stark sind, wie es das Script gerade erfordert. Er schien bereits in "Das Erwachen der Macht" nicht so recht in die Rolle des Gegenspielers und Neu-Darth-Vaders zu passen. Daran ändert auch "Die letzten Jedi" vielleicht nichts, zumindest darf Driver aber zeigen, wie viel schauspielerische Intensität in ihm schlummert. Und diese Weiterentwicklung ist echt gut.

Spannend sind zudem die gemeinsamen Auftritte von ihm und Daisy Ridley. Ridley beweist wieder einmal, was für ein Glücksgriff die Newcomerin im Franchise war und beeindruckt mit einer Performance, deren anfängliche Begeisterung über ihr neues Schicksal langsam dem Frust und der Enttäuschung über Lukes Widerwillen, sie zu unterrichten, weicht. Wie schon im ersten Film durchmacht Ridleys Charakter Rey auch in "Die letzten Jedi" die größte Entwicklung durch und diese bleibt zu jedem Zeitpunkt glaubwürdig. Natürlich werden im Handlungsstrang um Luke und Rey Erinnerungen an "Das Imperium schlägt zurück" wach, in dem ebenfalls der junge Protagonist bei einem alten Meister in die Lehre geht. Dass hier der Schüler von einst nun das Sagen hat, schließt schön den Bogen. Gleichzeitig weicht diese Konstellation beim späten Nachkommen aber deutlich von dem ab, was sich 1980 noch auf Dagobah zugetragen hat. Zusätzlich zu den düsteren Szenen, die auch in einem Horrorfilm nicht deplatziert wirken würden, wendet sich Johnson den seelischen Abgründen zu. Es sind die packendsten Momente in dem Streifen, nicht zuletzt der Besetzung wegen: Mark Hamill zeigt sich hier in Bestform. Es ist eine reine Freude.

So interessant es ist, was Johnson mit Luke Skywalker, Rey und Kylo Ren anstellt, so langweilig ist ein Großteil des Rests. Mit Finn wusste er beispielsweise gar nichts anzufangen, Poe Dameron (Oscar Isaac) wird zu einem kopflosen Draufgänger degradiert, BB-8 ist nur noch ein Schatten seiner selbst und das neue Widerstandsmitglied Rose Tico (Kelly Marie Tran) wird nur mit viel Schmalz und Getue in die Story gequetscht. Besonders schlimm hat es aber General Hux (Domhnall Gleeson) erwischt, der von einem beinahe schon faschistischem General in "Das Erwachen der Macht" zu einer kümmerlichen Witzfigur mutiert, die von ihren Gegner schon gar nicht mehr als ernste Bedrohung empfunden wird. Und auch sonst ist das mit der Komik von "Die letzten Jedi" so eine Sache. Sicher, Humor hat es immer in "Star Wars" gegeben. Die Original-Trilogie hatte witzige Momente. Die Prequels ebenfalls - mal beabsichtigt, mal weniger. Auch in "Das Erwachen der Macht" und in "Rogue One: A Star Wars Story" durfte mitunter gelacht werden. Das Vorhandensein von Witzen ist also nicht per se falsch. Sie sind oft sogar tatsächlich auch witzig. Sie passen nur so gar nicht in den Film. Die frechen One-Liner und humorigen Momente wirken wie aus einem Superheldenfilm und beißen sich gehörig mit dem Rest. Als hätte sie ein artfremder Autor in das Drehbuch geschmuggelt. Ganz besonders schlimm und vor allem deplatziert wirkt da noch (vor allem im Finale) der Running Gag mit Leias neuer Frisur.


"Die letzten Jedi" hat also einige Makel unumstößlich vorzuweisen. Dies ändert allerdings nichts daran, dass Johnson es versteht, die von vielen geliebte und verehrte Welt der Jedi, Sith, Rebellen und der First Order fortzusetzen. Dabei greift der Regisseur gerne in die Referenzkiste, vertraut aber nicht nur blind und gehörig auf Nostalgie, sondern versteht es, teils sogar exzellent, das "Star Wars"-Universum zu erweitern. Dabei wird Johnson aber wohl einige vor den Kopf stoßen, denn es gibt Momente, die gewiss für Unmut, Kopfschütteln und Unverständnis sorgen werden. Genau diese sind es aber, die "Die letzten Jedi" dazu verhelfen, dass die Karten im dritten Teil, der 2019 kommen soll, neu gemischt und vergeben werden könnten.

Auch das wird gewiss nicht allen gefallen. Genau wie der Humor des Films. Die ersten Bilder und Filmausschnitte versprachen ein durchaus düsteres Abenteuer, aber eigentlich erweist sich "Die letzten Jedi" als eher dem Humor zugetanes Werk. Johnson benutzt diesen viel zu gern dafür, um überdramatische Epik zu kontern. Gerade in den Szenen zwischen Rey und Luke Skywalker gibt es immer wieder Momente, in der aufkeimender Pathos durch Amüsement zum Schweigen gebracht wird. Und das passt oft gar nicht. Auf der anderen Seite wiederum hält der Film durchaus die Balance. Zu sehen ist das u.a. bei den kleinen Inselbewohnern namens Porgs. Die wurden im Marketing ziemlich omnipräsent dargestellt. Zum Glück bleiben sie aber eine niedliche Randnotiz und verbleiben sicher als käufliches Gimmick, welches wohl jeder neue (und junge) "Star Wars"-Fan haben wollen wird.

Kurzum: "Die letzten Jedi" ist wie die Macht. Es gibt eine helle und eine dunkle Seite. Welcher man sich anschließt, liegt im Auge des jeweiligen Betrachters. Diese Kritik hier tendiert klar zur hellen Seite, denn trotz einer zu sprunghaften Erzählweise, die noch dazu zu lang geraten ist, wird das Universum schön und teils überraschend weiter geformt. "Die letzten Jedi" ist kein "Das Imperium schlägt zurück" (auch wenn man dies unter Umständen erwarten würde), aber es ist klar das Werk eines Filmemachers, der sich vor der Nostalgie verbeugt, ohne ihr zu verfallen und gerade mit der letzten Szene gelingt Johnson eine der schönsten des Jahres. Warum? Weil darin wunderbarer Optimismus enthalten ist, genau wie ein deutlicher Meta-Kommentar zur Liebe der Fans für das Produkt und das ist ein großes Märchen, ein Sci-Fi-Spektakel, ein Fantasy-Abenteur: Es ist immer noch "Star Wars".

7/10