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Für die kleine Bela (Arabella Olivia Clark) ist ihre Mutter (Jessica Chastain) der wichtigste Mensch in ihrem Leben. Doch nach und nach wächst in ihr der Verdacht, dass von der Person, der sie am meisten vertraut, eine unheimliche Gefahr ausgeht. Je stärker sich fortan ihre Ängste verdichten, desto mehr gerät auch ihr Gefühl von Sicherheit ins Wanken. Während Bela versucht zu begreifen, was um sie herum geschieht, wird aus ihrem Zuhause zunehmend ein Ort, an dem nichts mehr so ist, wie es scheint. Denn ist das wirklich noch ihre Mutter, oder hat schon längst unbemerkt eine finstere Macht deren Platz eingenommen?
Was wäre, wenn die eigene Mutter plötzlich nicht mehr die Person wäre, für die man sie hält? Mit dieser unheimlichen Vorstellung eröffnet "Other Mommy" eine vielversprechende Grundlage für psychologischen Horror. Regisseur Rob Savage, der bereits mit "The Boogeyman" Erfahrungen im Genre gesammelt hat, erzählt die Geschichte der achtjährigen Bela (Arabella Olivia Clark), die von einer unheimlichen Gestalt heimgesucht wird, die genauso aussieht wie ihre Mutter Ursula (Jessica Chastain). Das Wesen verspricht Nähe und Zuneigung, verfolgt jedoch eigene, zunehmend bedrohliche Absichten. Während die Spannungen zwischen Bela und ihren Eltern wachsen, wird es immer schwieriger, Realität und übernatürlichen Schrecken voneinander zu unterscheiden. Die Idee besitzt reichlich Potenzial, doch der Film macht es sich mit der Umsetzung häufig zu einfach. Savage selbst sprach von 50 Jump-Scares im Film - das macht im Schnitt einen Jump-Scare in 90 Sekunde Laufzeit - und ich fürchte, das reicht als Argument gegen diesen Film.
Das größte Plus ist aber Jessica Chastain, die sowohl Ursula als auch deren unheimliches Gegenstück verkörpert. Als emotional schwer greifbare Mutter überzeugt sie mit einem zurückgenommenen Spiel, das hinter der kontrollierten Fassade unterschwellige Spannungen erkennen lässt. Als Other Mommy setzt sie dagegen auf verstörende Körperlichkeit, starre Blicke und ein unnatürliches Lächeln. Gerade wenn sie sich kaum bewegt und einfach nur im Dunkeln steht, entfaltet sie eine unangenehme Wirkung. Arabella Olivia Clark schlägt sich als Bela ebenfalls ordentlich, während Jay Duplass als Vater Russ für einige menschliche Momente sorgt. Allerdings bleiben die familiären Beziehungen zu oberflächlich, um den emotionalen Konflikten wirklich Gewicht zu verleihen. Auch Nebenfiguren wie Dichen Lachman und Karen Allen werden kaum sinnvoll genutzt. Inszenatorisch zeigt Savage durchaus Gespür für eindringliche Bilder. Dynamische Kamerabewegungen, kreative Übergänge und traumartige Sequenzen verleihen dem Film stellenweise eine surreale Qualität. Auch das Sounddesign kann überzeugen: Knarrende Dielen, leise Umgebungsgeräusche und gezielt eingesetzte Stille erzeugen Momente echter Anspannung. Das Problem ist, dass der Regisseur diesen Stärken offenbar nicht genug vertraut. Statt die Angst langsam wachsen zu lassen, setzt „Other Mommy“ immer wieder auf laute Geräusche, abrupte Schnitte und möglichst heftige Schreckmomente. Die angekündigte Fülle an Jump-Scares wird dadurch eher zur Belastung als zum Vorteil. Einige Kreaturenbilder bleiben dennoch im Gedächtnis, und einzelne drastische Effekte sorgen für einen willkommenen Schuss handfesten Body-Horrors.Besonders enttäuschend ist das Drehbuch von Nathan Elston, das auf Josh Malermans Roman "Incidents Around the House" (den ich nicht gelesen habe) basiert. Die Geschichte nimmt früh viele ihrer Geheimnisse vorweg und beraubt sich damit eines Teils ihrer Spannung. Hinzu kommen bekannte Genrebausteine, eine stellenweise unglaubwürdige Reaktion der Figuren auf die übernatürlichen Ereignisse und eine Mythologie, deren Regeln nicht immer überzeugend erscheinen. Statt die Bedrohung konsequent aus Belas kindlicher Perspektive zu erzählen, springt der Film hastig von einer Eskalation zur nächsten. Das Ergebnis ist daher trotz seiner attraktiven Bilder vor allem eine Ansammlung von Schreckmomenten und unausgereiften übernatürlichen Ideen. Dabei hätte "Other Mommy" durchaus mehr zu erzählen. Hinter dem übernatürlichen Schrecken stecken Fragen nach emotionaler Vernachlässigung, elterlicher Verantwortung und dem Bedürfnis eines Kindes nach Geborgenheit. Die unheimliche Doppelgängerin wird gerade deshalb interessant, weil sie Bela zunächst genau das zu geben scheint, was ihr im Alltag fehlt. Doch diese psychologische Ebene bleibt weitgehend Behauptung. Der Film deutet familiäre Probleme an, arbeitet sie aber kaum aus und lässt seine Monsterhandlung immer wieder die Figuren verdrängen. Auch das schnelle Erzähltempo hilft nur bedingt: Mit rund 93 Minuten ist "Other Mommy" zwar kompakt, fühlt sich durch die ständige Abfolge von Schockmomenten aber zunehmend repetitiv an.Unterm Strich ist "Other Mommy" ein Horrorfilm mit einer starken Grundidee, einigen gelungenen visuellen Einfällen und einer engagierten Jessica Chastain, der sich jedoch zu selten auf seine eigenen Stärken verlässt. Die Atmosphäre stimmt punktuell, und einzelne Bilder sind durchaus verstörend. Doch die überstrapazierten Jump-Scares, die dünne Figurenzeichnung und eine nur halb entwickelte Mythologie verhindern, dass daraus ein wirklich nachhaltiger Albtraum wird. Für einen kurzweiligen Genreabend reicht es gerade noch; gemessen an seinem Potenzial bleibt der Film eine verpasste Gelegenheit. Vor allem, weil der Trailer so gut war.




















