Dienstag, 30. Juni 2026

The Haunting Of Hill Haus - Spuk in Hill House (2018)

https://www.imdb.com/title/tt6763664/

Die fünf Geschwister Theodora (Kate Siegel), Steven (Michiel Huisman), Luke (Oliver Jackson-Cohen), Shirley (Elizabeth Reaser) und Nell (Victoria Pedretti) haben ihre Kindheit in einer der berüchtigtsten Geistervillen der USA verbracht. Nach dem Selbstmord ihrer jüngsten Schwester kommen die verbliebenen Vier Jahre später wieder in dem unheimlichen Anwesen zusammen, und stellen sich gezwungenermaßen den Geistern der Vergangenheit, die sie erst aus dem familiären Hill House getrieben haben. Während einige davon nur in den Köpfen und vor allem Erinnerungen der Geschwister leben, wirken wiederum andere erschreckend real.

https://www.imdb.com/title/tt7023382/
1. Steven sieht einen Geist (Steven Sees A Ghost)
Steven Crain ist ein Autor, der für seinen autobiografischen Roman "Spuk in Hill House" bekannt ist. Darin beschreibt er seine Kindheitserlebnisse in dem Spukhaus, das er mit seinen Eltern Hugh und Olivia sowie seinen jüngeren Geschwistern Shirley, Theo, Nell und Luke bewohnte. Während ihres Aufenthalts werden die Crains mit paranormalen Ereignissen konfrontiert und müssen ohne Olivia fliehen, die im Haus stirbt und die restliche Familie traumatisiert. Jahre später verarbeitet Steven die traumatischen Erlebnisse seiner Familie in seinem Buch, was das Verhältnis zu seinen Geschwistern belastet. Obwohl es ein Bestseller wird, lässt er die meisten der beängstigenden Ereignisse aus und glaubt eigentlich nicht an das Paranormale. Theo lernt in einem Nachtclub eine Frau namens Trish kennen und bringt sie mit nach Hause, um mit ihr zu schlafen. Steven und Shirley verpassen Anrufe von Nell, die daraufhin Hugh anruft und ihre Sorge um Luke äußert, der drogenabhängig geworden ist. Als Steven nach Hause kommt, erwischt er Luke beim Diebstahlversuch und gibt ihm stattdessen Geld. In seiner Wohnung trifft er auf Nell, die in einer Ecke steht. Er erhält einen Anruf von Hugh, der ihm mitteilt, dass Nell nach Hill House gegangen und tot ist. Steven erkennt, dass er einen Geist sieht. - 8,5/10

https://www.imdb.com/title/tt7815916/
2. Offener Sarg (Open Casket)
In Kindheitserinnerungen in Hill House findet Shirley einen Karton mit ausgesetzten Kätzchen und nimmt sie auf. Die Kätzchen sterben jedoch alle, was Shirley tief trifft. Sie grübelt darüber nach, warum sie ihnen nicht helfen konnte. Später, während Olivias Beerdigung, ist die zunächst verzweifelte Shirley erstaunt darüber, dass die Bestatterin ihre Mutter "heilen" und ihr ihre frühere Schönheit zurückgeben konnte. Als Erwachsene ist Shirley Bestatterin und betreibt zusammen mit ihrem Mann Kevin ein Bestattungsunternehmen. Sie vermietet ein Gästehaus an Theo, der inzwischen Kindertherapeut ist. Shirley erfährt von Nells Tod. Verzweifelt beschließt sie, ihre Schwester selbst einzubalsamieren und zu "heilen". Dabei begegnet sie jedoch dem Geist ihrer Mutter. - 8,5/10

https://www.imdb.com/title/tt7688206/
3. Berührung (Touch)
Theo kann die Gefühle von Menschen und die Eindrücke von Gegenständen wahrnehmen, wenn sie diese mit bloßen Händen berührt. In ihrer Kindheit bittet Luke sie einmal, ihn mit dem Speiseaufzug ins oberste Stockwerk fahren zu lassen. Als Theo den Knopf nach oben drückt, fährt der Aufzug stattdessen nach unten, und Luke begegnet einem Geist, der ihn angreift. Er ist wütend, dass die Erwachsenen ihm nicht glauben. Theo geht der Sache nach und findet eine versteckte Falltür, die in einen Keller führt, der nicht in den Bauplänen des Hauses eingezeichnet ist. Olivia erzählt ihr, dass ihre Großmutter genauso "sensibel" war wie sie selbst und gibt Theo ein Paar Handschuhe zum Schutz ihrer Hände. Bei ihrer Arbeit trifft die erwachsene Theo auf ein Kind, das sie nicht "lesen" kann und das behauptet, von "Mr. Smiley", einem Monster, gequält zu werden. Theo geht zum Haus des Mädchens und entdeckt die Wahrheit: Ihr Pflegevater missbraucht sie, und Mr. Smiley ist eine Manifestation dieses Missbrauchs. Theo lässt den Pflegevater verhaften. Anschließend geht sie in die Leichenhalle, berührt Nells Stirn und bricht dann schreiend zusammen. Eine Rückblende auf ihre letzte Nacht in Hill House zeigt, dass Theo, als Hugh sie bei ihrer Flucht packte, verstörende Bilder von Geistern sah und Olivia, die gestoßen wurde und mit dem Kopf gegen eine Wand schlug. - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt7578528/
4. Das Zwillingsding (The Twin Thing)
Der kleine Luke ist frustriert, weil nur Theo ihm glaubt, was die Geister angeht, die er sieht, darunter auch seine "imaginäre Freundin" Abigail. Luke nimmt einen Bowlerhut an, den seine Mutter auf dem Dachboden findet, und setzt ihn auf. Der heutige Luke ist seit 90 Tagen clean. Seit ihrer Geburt können Luke und Nell die körperlichen Beschwerden des jeweils anderen spüren. Lukes beste Freundin Joey, die in der Entzugsklinik ist, flieht, um Drogen zu nehmen, und Luke folgt ihr, um sie zurückzuholen. Der kleine Luke begegnet dem Geist eines ungewöhnlich großen Mannes, der seinen Bowlerhut zurückhaben will. Luke findet Joey, fühlt sich aber plötzlich unnatürlich kalt und steif. Da er kein Geld für eine Unterkunft hat, bricht Luke in Stevens Wohnung ein, um Sachen zu stehlen und zu verkaufen. Er wird jedoch von Steven erwischt, der ihm Geld gibt. Joey stiehlt das Geld und flieht, und Luke wird überfallen. Er irrt umher, verfolgt von dem Geist mit dem Hut. Luke ruft seine Sozialarbeiterin an, und sie und Steven finden ihn und teilen ihm mit, dass Nell Suizid begangen hat. Luke erkennt, dass er Nells Tod die ganze Zeit gespürt hat und erklärt, es sei kein Selbstmord gewesen. - 8,5/10

https://www.imdb.com/title/tt7958030/
5. Die Frau mit dem verbogenen Hals (The Bent-Neck)
Die kleine Nell wird von einer Erscheinung gequält, die sie die Frau mit dem gebrochenen Genick nennt - ein Geist mit einem gebrochenen Genick. Die erwachsene Nell sucht wegen Schlafparalyse den Schlaftherapeuten Arthur auf. Die beiden verlieben sich und heiraten. Doch im ersten Ehejahr erleidet Arthur ein Hirnaneurysma und stirbt, während die Frau mit dem gebrochenen Genick zurückkehrt. Nell setzt ihre Medikamente ab, da sie glaubt, dadurch die Frau zu sehen. Überzeugt von ihrem Therapeuten, dass Hill House nur noch eine Ruine und nicht der alptraumhafte Ort ihrer Vergangenheit sei, reist Nell dorthin. Sie sieht es so, wie es in ihrer Kindheit war: komplett renoviert, mit ihrer Familie und Arthur. Doch in Wirklichkeit ist das Haus verlassen und menschenleer. Nell wird zur Wendeltreppe geführt, wo sie sich eine Schlinge um den Hals legt und sich vorstellt, es sei das Medaillon ihrer Mutter. Dann wird sie vom Geist ihrer Mutter gestoßen und bricht sich das Genick. Im Sterben reist Nell durch die Vergangenheit und enthüllt, dass sie selbst die Frau mit dem gebrochenen Genick war und ihr jüngeres Ich die ganze Zeit heimgesucht hat. - 9/10

https://www.imdb.com/title/tt8160066/
6. Zwei Gewitter (Two Storms)
Die Folge wechselt zwischen zwei Stürmen: einem, den die Familie in der Vergangenheit in Hill House erlebte, und einem in der Gegenwart, in der Nacht vor Nells Beerdigung, als die Familie Crain sich im Bestattungsinstitut trifft, um ihren Leichnam zu sehen – endlich nach Jahren wieder vereint im selben Raum. In Hill House verschwindet Nell. Olivia sieht Geister und verfällt in einen Trancezustand, in dem sie sich seltsam verhält. Nell taucht erschüttert wieder auf und behauptet, sie sei die ganze Zeit direkt vor der Familie gewesen und habe geschrien, doch niemand habe sie sehen oder hören können. In der Gegenwart, während die Crains streiten, geschehen seltsame Dinge: Steven sieht den Geist seiner Mutter, der Strom fällt aus, und jemand klebt Nell Knöpfe auf die Augen. Steven verlangt von Hugh Antworten darüber, was wirklich passiert ist, was zu Konfrontationen führt. Shirley erwischt Theo und Kevin zusammen in einem Abstellraum. Nells Sarg kippt von selbst um und versetzt die Crains in einen Schockzustand. Nells Geist, als die Frau mit dem gebrochenen Genick, ist im Raum anwesend, doch niemand sieht sie – außer Hugh für einen kurzen Moment. - 9,5/10

https://www.imdb.com/title/tt8160068/
7. Grabrede (Eulogy)
Es wird enthüllt, dass Hugh oft mit Olivia spricht, als wäre sie noch da. Er kann sich mit Theo versöhnen, die sagt, sie hätte sich bei ihm melden sollen. Während der Beerdigung versucht er, den Kontakt zu seinen anderen Kindern wiederherzustellen. In der Vergangenheit begutachtet Hugh das Haus auf Sturmschäden. Mr. Dudley hilft ihm dabei und enthüllt einige Details über die früheren Bewohner. Er schlägt vor, dass die unberechenbare Olivia eine Auszeit vom Haus braucht und erklärt damit, warum er und Mrs. Dudley nachts nie dort sind. Olivias Verhalten wird immer beunruhigender. Als Hugh aufwacht und eine desorientierte Olivia mit einem Schraubenzieher an seinem Hals vorfindet, beschließen sie, dass sie Hill House für ein paar Tage verlassen muss. Während der Renovierungsarbeiten im Keller, wo Luke verunglückte, entdeckt Hugh versehentlich die Leiche von William Hill, dem ursprünglichen Besitzer, der sich in den Wänden des Hauses eingemauert hatte. Nach Olivias Tod gibt Hugh bei der Vernehmung durch die Polizei an, der Rote Raum sei verschlossen gewesen. Doch in der letzten Nacht im Haus stellt er fest, dass die Tür zum Roten Raum unverschlossen ist. Nach der Beerdigung greift Olivias Geist Luke, dann Hugh und Theo an. Nach der Beerdigung verschwindet Luke spurlos und stiehlt Shirleys Brieftasche und Theos Auto. - 8,5/10

https://www.imdb.com/title/tt8160070/
8. Markierungen (Witness Marks)
Steven und Hugh fahren herum, um Luke zu finden. Steven glaubt, die Probleme der Familie seien auf eine psychische Erkrankung zurückzuführen und erklärt, er habe sich einer Vasektomie unterzogen, um die "Krankheit" seiner Familie nicht weiterzugeben. Im Bestattungsinstitut streiten Shirley und Theo über Theo und Kevin im Abstellraum. Die Familie entdeckt, dass Luke auf dem Weg nach Hill House ist. Hugh offenbart Steven, dass dieser die ganze Zeit Geister gesehen hat, ohne es zu wissen, und versichert ihm, dass keiner von ihnen psychisch krank ist. Er enthüllt, dass das Baumhaus, in dem Steven und Luke sich oft aufhielten, in Hill House gar nicht existierte und beschreibt die Crains als "wie ein unfertiges Essen" für das Haus. Auch Shirley und Theo fahren nach Hill House, um Luke zu retten. Während sie sich streiten, erscheint plötzlich Nells Geist und erschreckt sie. Theo bricht zusammen und erklärt, Shirley habe sie und Kevin missverstanden; es sei nichts weiter passiert, als dass sie versucht habe, ihre Fähigkeit, zu fühlen, wiederzuerlangen. Luke versucht, Hill House niederzubrennen, wird dabei aber vom Geist von Poppy Hill, William Hills wahnsinniger Ehefrau, angegriffen. - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt8160064/
9. Böse Träume (Screaming Meemies)
In der Vergangenheit beginnt Olivia, im Haus beunruhigende paranormale Erlebnisse zu haben. Sie sieht eine Vision der Leichen der erwachsenen Nell und Luke und begegnet dem Geist von Poppy Hill, die ihr prophezeit, dass die Welt draußen ihre Kinder verschlingen wird und sie sie beschützen muss. Desorientiert und verängstigt beschließen Olivia und Hugh, dass sie eine Auszeit nehmen und zu ihrer Schwester Janet fahren sollte. Doch Olivia, die nun labil und vom Haus beeinflusst ist, fährt nie hin, und die letzte Nacht der Familie in der Villa nimmt ihren Lauf. Die wahnhafte Olivia nimmt Nell, Luke und Abigail, die dort übernachtet hat, zu einer Teeparty im Roten Zimmer mit, das nun geöffnet ist. Hugh erkennt, dass Olivia den Tee mit Rattengift vergiftet hat, um die Kinder zu töten. Sie glaubt, dies sei der einzige Weg, sie vor der Welt zu schützen. Er rettet Luke und Nell, kann Abigail aber nicht mehr retten. Voller Entsetzen bringt er die Kinder eilig aus dem Haus, während Olivia, die aus ihrem schrecklichen Traum erwachen will, von der Wendeltreppe springt. - 8,5/10

https://www.imdb.com/title/tt8160072/
10. Eine bleierne Stille (Silence Lay Steadily)
Steven und Hugh finden Luke bewusstlos im Roten Zimmer. Steven, Theo und Shirley werden mit Luke eingeschlossen und erleben alptraumhafte Offenbarungen über ihr Leben, während das Haus versucht, sie zu töten. Alle Geschwister werden von Nells Geist gerettet. Sie erwachen und finden Luke im Sterben vor. Nells Geist erklärt, dass das Rote Zimmer der "Magen" des Hauses ist und sich jedem als anderes Zimmer tarnen kann, um ihn zu beruhigen, während es ihn "verdaut". Es hatte sich als Baumhaus für Luke, als Spielzimmer für Steven und so weiter getarnt. Die Geschwister entschuldigen sich, Nell nicht gerettet zu haben, und sie versichert ihnen, dass sie sich alle geliebt haben. Olivias Geist hält die Geschwister gefangen und will nicht, dass sie gehen. Hugh überzeugt sie, die Tür zu öffnen, und verspricht ihr etwas. Sie befreit sie, und Shirley und Theo fahren Luke ins Krankenhaus. Hugh und Steven bleiben zurück, und die Folgen von Olivias Tod werden enthüllt, unter anderem die Tatsache, dass die Dudleys Abigails Eltern waren. Hugh verabschiedet sich von Steven und betritt den Roten Raum, um für immer bei Olivia und Nell zu bleiben (sein Versprechen). Steven erkennt endlich die Anwesenheit der Geister des Hauses an. Zwei Jahre später feiern die Geschwister, deren Bande wiederhergestellt sind, gemeinsam mit ihren Partnern Lukes Nüchternheit. Ein alternder Horace bringt Clara ins Haus, wo sie stirbt; ihr Geist vereint sich mit Abigail. - 8,5/10


Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkAmblin Television/FlanaganFilm/Paramount Television Studios

Montag, 29. Juni 2026

Double Blind - Schlaf! Nicht! Ein! (2023)

https://www.imdb.com/title/tt14729020/

Die junge Claire (Millie Brady) ist wegen ihres enormen Schuldenbergs in Schwierigkeiten. Da hört sie von einer klinischen Studie des Pharmakonzerns Blackwood, für die Freiwillige gesucht werden, um ein neues Medikament an sich testen zu lassen. Aufgrund der dafür angebotenen, für ihre Verhältnisse recht üppigen Aufwandsentschädigung meldet sich die junge Frau umgehend an. Das Ganze soll fünf Tage dauern und wird in der Zentrale des Unternehmens durchgeführt, wo den Probanden auch Kost und Logis gestellt werden. Claire ist Teil einer Gruppe etwa Gleichaltriger, zu der außerdem Amir (Ashley Kumar), Paul (Brenock O'Connor), Alison (Abby Fitz) und Vanessa (Shonagh Marie) zählen. Als Versuchsleiterin agiert Dr. Burke (Pollyann McIntosh), die den jungen Leuten stetig steigende Dosen des Mittels verabreicht. Das in Pillenform eingenommene Präparat soll Ermüdung reduzieren – ein Effekt, an dem sowohl die Wirtschaft als auch das Militär höchst interessiert sind. Als sich plötzlich erschreckende Nebenwirkungen zeigen, wird die Studie trotz offensichtlicher Gefahren fortgesetzt. Um die Bedenken unter den Teilnehmer*innen zu zerstreuen, wird ihnen eine Bonuszahlung angeboten...

Manchmal reicht eine einzige starke Idee aus, um einen Horrorfilm sofort interessant zu machen. "Double Blind", das Langfilmdebüt des irischen Regisseurs Ian Hunt-Duffy, setzt genau auf ein solches Konzept: Nach einem fehlgeschlagenen Medikamententest tritt bei den Teilnehmern eine fatale Nebenwirkung auf - wer einschläft, stirbt. Aus dieser simplen, aber äußerst wirkungsvollen Prämisse entwickelt sich ein klaustrophobischer Survival-Thriller, der über weite Strecken überzeugt, sein Potenzial jedoch nicht vollständig ausschöpfen kann. Die größte Stärke des Films ist ohne Zweifel seine Ausgangsidee. Schlaf ist ein Grundbedürfnis, dem niemand dauerhaft entkommen kann - das wusste schon Wes Craven. Genau daraus entwickelt "Double Blind" eine permanente Grundspannung. Jeder Moment der Müdigkeit wird zur Bedrohung, jede Sekunde ohne Schlaf bringt die Figuren näher an den körperlichen und psychischen Zusammenbruch. Diese permanente Anspannung sorgt dafür, dass der Film sein Publikum über weite Strecken effektiv fesselt. 

Auch das sterile Forschungsgebäude entwickelt sich schnell zu einem unangenehmen Labyrinth aus Fluren, Krankenzimmern und verschlossenen Türen. Mit zunehmender Schlaflosigkeit verschwimmen Realität und Halluzinationen immer stärker, wodurch der Film eine angenehm paranoide Stimmung erzeugt. Dabei setzt Hunt-Duffy weniger auf billige Jump-Scares als auf psychologischen Druck und die zunehmende Verzweiflung seiner Figuren. Millie Brady überzeugt als Claire mit einer glaubwürdigen Mischung aus Entschlossenheit und wachsender Erschöpfung. Sie trägt den Film souverän und schafft es, ihrer Figur auch in den ruhigeren Momenten emotionale Glaubwürdigkeit zu verleihen. Das übrige Ensemble erfüllt seine Aufgaben solide, auch wenn nicht alle Figuren ausreichend Zeit erhalten, um wirklich Konturen zu entwickeln. Angesichts des überschaubaren Budgets wirkt der Film erstaunlich hochwertig. Kamera, Sounddesign und Schnitt arbeiten effektiv zusammen und verstärken das beklemmende Gefühl, dass den Figuren buchstäblich die Zeit davonläuft. 

Leider trägt die starke Prämisse nur den Anfang mühelos;  im weiteren Verlauf fällt es dem Drehbuch schwer, die Spannung kontinuierlich zu steigern. Einige Wendungen wirken vorhersehbar, und spätestens im letzten Drittel wiederholt der Film seine Mechanismen etwas zu häufig. Hinzu kommt, dass manche Figuren recht klischeehaft bleiben. Dadurch verlieren einzelne dramatische Momente etwas von ihrer Wirkung, weil nicht alle Charaktere ausreichend Tiefe erhalten. Auch die Hintergründe des Experiments werden nur oberflächlich beleuchtet. Wer sich umfangreiche Erklärungen oder größere wissenschaftliche Zusammenhänge erhofft, dürfte am Ende mit einigen offenen Fragen zurückbleiben. Dennoch gelingt es "Double Blind", bis zum Schluss spannend zu bleiben. Gerade weil der Film seine Laufzeit auf rund 90 Minuten beschränkt, entstehen kaum größere Längen. Statt sich in komplizierten Mythologien zu verlieren, konzentriert sich Hunt-Duffy auf seine einfache, aber wirkungsvolle Grundidee und setzt diese mit viel Atmosphäre um. Viele Kritiker sahen darin einen vielversprechenden Einstand für den Regisseur und lobten den Film als effektiven kleinen Genrebeitrag mit großer Wirkung. 

5,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkEpic Pictures Group/Failsafe Films

Five Nights At Freddy's (2023)

https://www.imdb.com/de/title/tt4589218/

Eigentlich hat der Sicherheitsbeamte Mike Schmidt (Josh Hutcherson) ja schon genügend Probleme am Hals. Deshalb ist er zunächst froh, eine neue Stelle als Nachwächter bei "Freddy Fazbear's Pizza" antreten zu können. Schließlich ist das Familienrestaurant schon seit Jahren geschlossen - und so verspricht der Job ganz besonders unspektakulär zu werden. Wobei sich Mike nie die Frage gestellt hat, warum eine längst verrammelte Pizzeria überhaupt einen Nachtwächter braucht? Die Antwort gibt es gleich in der ersten Nacht: Irgendwann erwachen die animatronischen Tier-Maskottchen Freddy Fazbear, Bonnie, Chica und Foxy zum Leben - und töten jeden, der sich nach Mitternacht noch in das Gebäude wagt! Offenbar waren sie auch der Grund, warum "Freddy Fazbear's Pizza" überhaupt schließen musste - aber das hat Mike natürlich niemand verraten...

Die Kinoadaption des beliebten Indie-Horrorspiels "Five Nights At Freddy's", in dem es darum geht, Nachtschichten in einer Pizzeria zu überleben, erweist sich als äußerst umstritten. Auf dem Papier bietet der Film nämlich alles, was ein effektiver Horrorfilm benötigt. Die unheimlichen Animatronics gehören seit Jahren zu den ikonischsten Figuren des modernen Horrorgenres. Ihre Mischung aus nostalgischer Kinderunterhaltung und latent bedrohlicher Erscheinung besitzt enormes Potenzial. Tatsächlich sind die Figuren auch einer der gelungensten Aspekte des Films. Die von Jim Hensons Creature Shop umgesetzten Animatronics sehen hervorragend aus. Freddy, Bonnie, Chica und Foxy wirken greifbar, detailreich und deutlich eindrucksvoller als viele rein digitale Kreaturen moderner Horrorfilme. 

Leider gelingt es dem Film nur selten, aus diesen Figuren echten Horror zu erzeugen. Auch mangelt es massiv an Spannung. Statt auf konstantes Unbehagen oder intensive Schockmomente zu setzen, konzentriert sich die Geschichte stark auf ihre Hintergrundgeschichte und die emotionalen Probleme der Hauptfigur. Dadurch entsteht ein Film, der sich oft eher wie ein Mystery-Drama mit Horrorelementen anfühlt als wie ein echter Gruselfilm. Dabei liefert Josh Hutcherson als Mike eine solide Leistung ab und bemüht sich, seiner Figur emotionale Tiefe zu verleihen. Das Problem liegt weniger beim Schauspiel als beim Drehbuch. Viele Nebenfiguren bleiben oberflächlich, Dialoge wirken stellenweise hölzern, und die Handlung erklärt ihre Mysterien oft ausführlicher, als nötig wäre. Gerade die Traumsequenzen, die einen großen Teil der Laufzeit einnehmen, bremsen das Tempo immer wieder aus und nehmen der Geschichte viel von ihrer Dringlichkeit.

Ein weiteres Problem besteht darin, dass der Film oft nicht genau weiß, welche Zielgruppe er ansprechen möchte. Die Atmosphäre dürfte für jüngere Zuschauer stellenweise ausreichend unheimlich sein, für mich war es einfach nur harmlos bis sogar langweilig. Man fühlt, dass das düstere Potenzial der Vorlage zugunsten einer familienfreundlicheren Ausrichtung abgeschwächt wurde. Das ist schade, denn dadurch entsteht ein Werk, das zwischen Jugendfilm, Mystery und Horror pendelt, ohne auch nur in einer dieser Kategorien vollständig zu überzeugen. Dennoch wäre es unfair, die Qualitäten des Films vollständig zu ignorieren. Die Produktionsgestaltung ist ansprechend - das muss man zugeben. Freddy Fazbear’s Pizza wirkt wie ein eingefrorenes Relikt aus einer anderen Zeit und vermittelt genau jene Mischung aus Nostalgie und Verfall, die man erwarten könnte auch ohne die Spielereihe zu kennen. Sicher gibt es Fanservice - doch der funktioniert auch nur, wenn man diese Spiele kennt. Ein Minuspunkt also, denn damit holt der Film längst nicht alle Zuschauer ab. Aus Sicht eines eigenständigen Kinofilms reichen letztlich die Stärken also nicht aus, um die offensichtlichen Schwächen auszugleichen. Zu oft bleibt die Spannung auf der Strecke, zu selten entfaltet sich echter Horror, und die Handlung verliert sich in Erklärungen statt in Atmosphäre. Was hätte ein nervenaufreibender Albtraum werden können, entwickelt sich stattdessen zu einer überraschend zahmen und oft vorhersehbaren Geistergeschichte.

"Five Nights At Freddy's" überzeugt zwar mit liebevoll gestalteten Animatronics und einer starken visuellen Umsetzung, als Horrorfilm bleibt er jedoch deutlich hinter seinen Möglichkeiten zurück. Die geringe Spannung, die schwache Figurenzeichnung und die unentschlossene Tonalität verhindern, dass die Verfilmung ihr enormes Potenzial ausschöpft. Für eingefleischte Fans mag der Film interessante Momente bereithalten, als eigenständiges Kinoerlebnis bleibt jedoch vor allem das Gefühl einer vertanen Chance.

3,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkBlumhouse Productions/Scott Cawthon Productions

Sonntag, 28. Juni 2026

Tucker and Dale vs Evil - Tucker and Dale vs. Evil (2010)

https://www.imdb.com/title/tt1465522/

Vom Erscheinungsbild ausgehend scheint der Fall klar: Tucker McGee (Alan Tudyk) und Dale Dobson (Tyler Labine) sind gefährliche Hillbillys. Das sehen die zwei warmherzigen Kumpel jedoch ganz anders. Guter Dinge machen sie sich auf die Socken zu ihrer Ferienhütte im wilden West Virginia, um eine gemütliche Zeit zu verleben. Als sie dabei einer College-Clique über den Weg laufen, kommt es zum dramatischen Zwischenfall: Der Versuch, die schöne Allison (Katrina Bowden) vor dem Ertrinken zu bewahren, wird als versuchtes Kidnapping ausgelegt – in den Augen der Teenager stehen Tucker und Dale nun eindeutig als Psychopathen da. Die sind zwar eigentlich so friedliebend, wie nur irgend möglich, können das folgende Blutbad jedoch nicht mehr verhindern...

Horror-Komödien sind ein schwieriges Genre. Viele Filme schaffen es entweder nicht, wirklich lustig zu sein, oder vergessen darüber, Spannung und Atmosphäre aufzubauen. "Tucker and Dale vs. Evil" gelingt jedoch etwas Seltenes: Der Film funktioniert gleichzeitig als liebevolle Horror-Parodie, als blutige Splatter-Komödie und als überraschend warmherzige Geschichte über Vorurteile und falsche Wahrnehmungen. Regisseur Eli Craig schuf damit einen modernen Kultfilm, der sich seinen hervorragenden Ruf über die Jahre mehr als verdient hat. Die Ausgangssituation wirkt zunächst vertraut. Eine Gruppe College-Studenten fährt für ein Wochenende in die Wälder West Virginias, wo sie auf die beiden Freunde Tucker (Alan Tudyk) und Dale (Tyler Labine) treffen. Mit ihren Arbeitsklamotten, den struppigen Bärten und ihrem rustikalen Auftreten entsprechen die beiden genau dem Klischee der gefährlichen Hinterwäldler, das Horrorfilme seit Jahrzehnten bedienen. Das Problem: Tucker und Dale sind eigentlich zwei ausgesprochen freundliche und gutherzige Typen, die lediglich ihre neu erworbene Ferienhütte renovieren möchten. Durch eine Reihe unglücklicher Missverständnisse geraten die Studenten jedoch zunehmend in Panik und sind überzeugt, es mit psychopathischen Killern zu tun zu haben. Was folgt, ist eine Kettenreaktion aus grotesken Unfällen, Missverständnissen und blutigen Katastrophen, die immer absurder werden.

Die große Stärke des Films liegt in seiner cleveren Umkehrung bekannter Horrorfilm-Klischees. Statt die typischen Opfer in den Mittelpunkt zu stellen, betrachtet die Geschichte die Ereignisse aus Sicht der vermeintlichen Bösewichte. Dadurch entstehen Situationen, die gleichzeitig urkomisch und überraschend originell sind. Dieser Perspektivwechsel fehlt zahlreichen Genre-Parodien. Besonders das Hauptdarsteller-Duo trägt den Film nahezu mühelos. Alan Tudyk und Tyler Labine entwickeln eine hervorragende Chemie und sorgen dafür, dass Tucker und Dale weit mehr sind als bloße Witzfiguren. Ihre Freundschaft wirkt authentisch, ihre Reaktionen auf das eskalierende Chaos sind herrlich nachvollziehbar, und selbst in den absurdesten Momenten behalten die Figuren eine sympathische Menschlichkeit. Gerade Tyler Labine verleiht Dale eine liebenswerte Unsicherheit, die ihn schnell liebenswert macht. Bemerkenswert ist außerdem, wie gut der Film seine Balance hält. Obwohl die Geschichte voller überdrehter Situationen steckt, verliert sie nie völlig den Boden unter den Füßen. Die Gewalt ist teilweise erstaunlich explizit und erinnert an klassische Splatterfilme, wird aber so inszeniert, dass sie eher für Lacher als für Schockmomente sorgt. Gleichzeitig nimmt der Film seine Figuren ernst genug, damit die Handlung emotional funktioniert.

Die Waldkulisse nutzt die vertrauten Bilder des Backwoods-Horrors bewusst aus, um die Erwartungen des Publikums immer wieder zu unterlaufen. Die Kameraarbeit bleibt angenehm übersichtlich, das Tempo ist hoch, und die Laufzeit von knapp 90 Minuten sorgt dafür, dass keine Längen entstehen. Natürlich ist die Grundidee irgendwann auserzählt, und nicht jeder Witz landet mit derselben Treffsicherheit. Gegen Ende verlässt sich der Film etwas stärker auf klassische Genre-Konflikte und verliert einen Teil seiner anfänglichen Überraschungsmomente. Dennoch bleibt das Niveau durchgehend hoch, weil die Figuren und ihre Dynamik jederzeit unterhaltsam bleiben. Was den Film letztlich von vielen anderen Horror-Komödien unterscheidet, ist sein Herz. Hinter all dem Blut, den Missverständnissen und dem Chaos steckt eine erstaunlich sympathische Botschaft über Vorurteile, vorschnelle Urteile und die Gefahr, Menschen nur nach ihrem Äußeren zu bewerten. Ohne jemals belehrend zu wirken, verleiht dies dem Film eine zusätzliche Ebene, die ihn nachhaltiger macht als viele vergleichbare Genrevertreter.

Eine herrlich clevere, blutige und überraschend charmante Horror-Komödie, die bekannte Genre-Muster mit viel Kreativität auf den Kopf stellt. Dank der großartigen Hauptdarsteller, eines cleveren Drehbuchs und einer perfekten Balance aus Humor und Horror gehört der Film zu den unterhaltsamsten Genre-Beiträgen seiner Zeit. Ein moderner Kultfilm, der auch Jahre nach seiner Veröffentlichung nichts von seinem Charme verloren hat.

8/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkEden Rock Media/Gynormous Pictures/Voltage Pictures

Sebelum Iblis Menjemput - May The Devil Take You - Der Teufel soll dich holen (2018)

https://www.imdb.com/de/title/tt8765496/

Alfie (Chelsea Islan) ereilt ein böses Schicksal, als ihr Vater auf einmal auf unerklärliche Weise ins Koma fällt. In Wirklichkeit haben sich beide allerdings schon vor Jahren auseinandergelebt und entfremdet. Die junge Tochter ist dennoch getroffen und versucht mit ihrer Stiefschwester Maya (Pevita Pearce) Lösungen und Antworten in einer alten, abgelegenen Villa zu finden. Doch dort stoßen beide auf eine grausame Wahrheit und dunkle Mächte.

Mit "May The Devil Take You" bewies der indonesische Regisseur Timo Tjahjanto einmal mehr, dass er nicht nur Action inszenieren kann. Bevor er mit Filmen wie "The Shadow Strays" oder "The Big 4" internationale Aufmerksamkeit als Action-Spezialist erhielt, lieferte er mit diesem übernatürlichen Horrorfilm eine düstere und blutige Hommage an das klassische Dämonen- und Haunted-House-Kino. Das Ergebnis ist ein Film, der zwar nicht jede Genre-Konvention neu erfindet, seine Vorbilder jedoch mit sichtbarer Leidenschaft und einer beeindruckenden Energie interpretiert. Bereits die Grundidee erinnert an zahlreiche Genreklassiker, von "Evil Dead" bis hin zu asiatischen Geisterfilmen der frühen 2000er-Jahre. Tjahjanto macht jedoch keinen Hehl daraus, dass er diese Einflüsse bewusst aufgreift. Statt Originalität um jeden Preis anzustreben, konzentriert er sich darauf, bekannte Elemente möglichst effektiv umzusetzen. Genau darin liegt eine der größten Stärken des Films.

Atmosphärisch funktioniert "May The Devil Take You" auch ausgesprochen gut. Die abgelegene Villa entwickelt sich schnell zu einem Ort, an dem hinter jeder Tür eine neue Bedrohung lauern könnte. Dunkle Flure, verfallene Räume und verstörende Visionen erzeugen eine konstante Spannung, die den Zuschauer über weite Strecken bei der Stange hält. Ein weiterer Pluspunkt ist Chelsea Islan in der Hauptrolle. Sie verleiht Alfie eine glaubwürdige Mischung aus Verletzlichkeit, Entschlossenheit und emotionaler Tiefe. Gerade weil die Figur nicht als typische Horrorfilm-Protagonistin angelegt ist, entsteht schnell eine Bindung zum Publikum. Auch das übrige Ensemble erfüllt seine Aufgaben solide und trägt dazu bei, dass die familiären Konflikte innerhalb der Geschichte nicht völlig in den Hintergrund geraten. Besonders hervorzuheben sind die praktischen Effekte und die Make-up-Arbeiten. Tjahjanto setzt erfreulich oft auf handgemachte Horrorbilder statt auf übermäßige Computereffekte. Das Ergebnis sind einige wirklich unangenehme und visuell einprägsame Szenen, die Genrefans lange im Gedächtnis bleiben dürften. Die Mischung aus Körperhorror, Dämonenkino und übernatürlichem Terror sorgt für zahlreiche intensive Momente.

Allerdings folgen viele der Schockmomente bekannten Mustern, und der erfahrene Horrorfan riecht manche Wendungen schon 10 Meilen gegen den Wind. Auch die Handlung verliert im Mittelteil gelegentlich etwas an Fokus, wenn immer neue Enthüllungen und übernatürliche Elemente eingeführt werden. Auch eine gewissen Eigenständigkeit fällt bei den zahlreichen Verweise auf Genreklassiker hinten runter. Dennoch gelingt es Tjahjanto, die Geschichte mit genügend Energie und Stil zu erzählen, um diese Schwächen weitgehend auszugleichen. Seine Regie sorgt dafür, dass selbst vertraute Szenarien frisch wirken. Der Film weiß genau, wann er Spannung aufbauen, wann er das Tempo erhöhen und wann er den Zuschauer mit einer besonders verstörenden Szene überraschen muss. Damit gehört er zwar nicht zu den innovativsten Horrorfilmen seiner Zeit, aber durchaus zu den unterhaltsamsten. Gerade Fans klassischer Dämonenfilme und asiatischer Horrorproduktionen finden hier eine gelungene Mischung aus Atmosphäre, Schocks und handwerklich überzeugender Inszenierung.

6/10


Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Netflix/Legacy Pictures/Screenplay Films/Sky Media/Ideate Media

Samstag, 27. Juni 2026

The Big 4 (2022)

https://www.imdb.com/title/tt15528292/

Dina (Putri Marino) ist nach dem Tod ihres Vaters untröstlich, aber sie muss unbedingt herausfinden, wer ihn getötet hat und warum. Während ihrer Ermittlungen erfährt Dina, dass ihr Vater der Mentor einer Assassinen-Bande war. Eine Gruppe, die jeden Job annahm und für ordentlich Aufsehen sorgte. Und obwohl sie ihre Waffen niedergelegt haben und in den Ruhestand gegangen sind, sind die Big 4 bald wieder im Einsatz, um Dina bei ihrem Streben nach Gerechtigkeit zu helfen. Denn nun sind die Feinde ihres Vaters auch hinter ihr her.

Nach dem kompromisslosen Actioner "The Night Comes For Us" schlug Regisseur Timo Tjahjanto mit *The Big 4* einen deutlich anderen Ton an. Zwar bleiben spektakuläre Prügeleien, Schusswechsel und jede Menge Körperverletzung weiterhin fester Bestandteil seines Repertoires, doch diesmal mischt er die Action mit einer ordentlichen Portion Humor und einer fast schon familienähnlichen Gruppendynamik. Das Ergebnis ist ein unterhaltsamer Actionfilm, der nicht ganz die Wucht seiner düstereren Genre-Kollegen erreicht, dafür aber mit Charme, Tempo und sympathischen Figuren punktet - wenn man sich darauf einlassen kann. Die Handlung selbst gehört dabei nicht zu den größten Stärken des Films. Die Geschichte ist funktional und liefert genügend Motivation für die zahlreichen Actionsequenzen, überrascht aber nur selten. Die Handlung wirkt zu dem auf mich gelegentlich etwas überladen und nicht jede Wendung erscheint zwingend notwendig. Dennoch gelingt es dem Film, durch sein hohes Tempo und seine sympathischen Figuren stets unterhaltsam zu bleiben.

Der eigentliche Star des Films ist die Dynamik innerhalb der titelgebenden Gruppe. Jeder der vier Ex-Killer besitzt eine eigene Persönlichkeit, eigene Macken und einen individuellen Kampfstil. Dadurch entsteht eine lockere Teamchemie, die stark an moderne Actionkomödien erinnert. Die Dialoge sind oft bewusst überdreht, funktionieren aber erstaunlich gut und verleihen den Figuren mehr Persönlichkeit als man in vielen vergleichbaren Produktionen findet. Natürlich wäre ein Timo-Tjahjanto-Film ohne Action nicht komplett. Auch wenn "The Big 4" insgesamt deutlich humorvoller ausfällt als "The Night Comes For Us", bleibt die Action auf einem beeindruckenden Niveau. Die Kampfszenen sind dynamisch, kreativ und erfreulich übersichtlich inszeniert. Besonders positiv fällt auf, dass die Choreografien trotz des komödiantischen Tons niemals zur Parodie werden. Die Kämpfe behalten ihre Intensität und sorgen regelmäßig für echte Highlights. Visuell zeigt sich erneut Tjahjantos Gespür für Stil. Die tropischen Schauplätze, farbenfrohen Kulissen und dynamischen Kamerabewegungen verleihen dem Film einen frischen Look, der sich angenehm von den oft grauen und düsteren Actionthrillern des Genres abhebt. Gleichzeitig sorgt die flotte Inszenierung dafür, dass kaum Leerlauf entsteht.

Allerdings erreicht "The Big 4" nicht den Wert seiner besten Arbeiten. Einige Figuren bleiben trotz ihrer sympathischen Darstellung eher oberflächlich, und manche humorvollen Einlagen treffen nicht immer ins Schwarze. Auch die Laufzeit von über zwei Stunden wirkt stellenweise etwas großzügig bemessen. Dennoch überwiegt der positive Eindruck. Der Film weiß genau, was er sein möchte: ein temporeiches Action-Abenteuer mit Humor, Herz und jeder Menge spektakulärer Prügeleien. Statt sich zu ernst zu nehmen, setzt "The Big 4" auf Spaß, Gruppendynamik und kreative Action - und fährt damit erstaunlich gut. Die Handlung bleibt zwar vorhersehbar und einige Längen sind nicht zu übersehen, doch die sympathischen Figuren, die gelungene Mischung aus Humor und Action sowie die hervorragend inszenierten Kampfszenen sorgen für kurzweilige Unterhaltung. Wer Spaß an überdrehten Actionkomödien mit ordentlich Tempo hat, wird hier bestens bedient.

6,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Netflix/Frontier Pictures

The Shadow Strays - Codename 13 (2024)

https://www.imdb.com/de/title/tt28349451/

13 (Aurora Ribero) ist eine 17-Jährige mit mysteriöser Vergangenheit, die von einem Syndikat namens "The Shadow" von Kindesbeinen an zur Attentäterin ausgebildet wird. Als 13 bei einer Mission in Japan ein Fehler unterläuft, wird sie in die indonesische Hauptstadt Jakarta geschickt, wo über ihre weitere Zukunft entschieden werden soll. In den Slums der Metropole trifft sie per Zufall auf den 11-jährigen Monji (Ali Fikry), dessen Mutter vor kurzem von lokalen Gangstern ermordet wurde. Die beiden freunden sich an – doch dann ist Monji plötzlich spurlos verschwunden, entführt von denjenigen, die schon seine Mutter auf dem Gewissen haben. Wutentbrannt sucht 13 nach den Kidnappern und hinterlässt dabei eine Schneise der Verwüstung, was auch ihre Mentorin Umbra (Hana Malasan) und die anderen von "The Shadow" gegen sie aufbringt.

Wer in den vergangenen Jahren die Entwicklung des modernen Actionkinos verfolgt hat, kommt an Regisseur Timo Tjahjanto kaum vorbei. Spätestens seit seinem "The Night Comes For Us" gilt er als einer der kompromisslosesten Action-Regisseure der Gegenwart. Mit "The Shadow Strays" liefert er nun einen weiteren brachialen Beitrag zum Genre ab - größer, brutaler, blutiger, aber auch emotionaler als viele seiner bisherigen Arbeiten. Das Ergebnis ist ein Film, der den Actionfan in mir vollauf begeistert, auch wenn er ganz offensichtlich nicht ganz frei von erzählerischen Schwächen ist. Im Mittelpunkt steht die junge Auftragskillerin Codename 13 (Aurora Ribero), die nach einem missglückten Einsatz von ihrer geheimen Organisation suspendiert wird. Als sie den Jungen Monji kennenlernt und dieser in die Hände eines kriminellen Syndikats gerät, beginnt für sie ein blutiger Rachefeldzug gegen Gangster, Menschenhändler und schließlich ihre eigenen Auftraggeber. Die Handlung folgt dabei bekannten Genrepfaden, konzentriert sich aber stärker auf die menschliche Seite ihrer Protagonistin als man zunächst erwarten würde.

Die größte Stärke des Films sind (erwartungsgemäß) seine Actionsequenzen. Tjahjanto inszeniert Kämpfe nicht einfach nur als notwendige Handlungselemente, sondern als spektakuläre Choreografien voller Kreativität und Energie. Messer, Schusswaffen, improvisierte Gegenstände und pure Körperkraft kommen gleichermaßen zum Einsatz. Die Ideen, wie der nächste Gegner ausgeschaltet wird, und die kompromisslose Härte der Inszenierung sind absolut grandios. Besonders beeindruckend ist dabei Hauptdarstellerin Aurora Ribero. Obwohl sie keine klassische Martial-Arts-Vergangenheit mitbringt, trägt sie den Film mit bemerkenswerter Präsenz. Ihre Figur wirkt gleichermaßen verletzlich und gefährlich, was der Geschichte eine emotionale Grundlage verleiht. Ihre Entwicklung von einer gehorsamen Killerin zu einer eigenständig handelnden Figur verkörpert Ribero glaubwürdig und nachvollziehbar. Visuell präsentiert sich der Film ebenfalls stark. Die nächtlichen Straßen Jakartas, Neonlichter, Regen und dunkle Hinterhöfe erzeugen eine coole Atmosphäre, die stellenweise an moderne Neo-Noir-Thriller erinnert. Gleichzeitig bleibt die Kamera erstaunlich übersichtlich, selbst wenn Dutzende Gegner gleichzeitig durch die Gegend fliegen. Die Action wirkt deshalb nie chaotisch, sondern bleibt jederzeit überschaubar. 

Allerdings ist "The Shadow Strays" mit rund 145 Minuten Laufzeit schlicht zu lang. Einige Handlungsstränge und Actionsequenzen hätten durchaus gestrafft werden können und so manches Mal entsteht bei mir der Eindruck, dass Tjahjanto jede neue Idee hier unbedingt unterbringen wollte. Die Geschichte verliert dadurch im Mittelteil etwas an Fokus. Langweilig wird es trotzdem nie. Trotzdem bleibt die Handlung selbst letztlich eher funktional. Sie bietet nichts neues, erfüllt allerdings ihren Zweck, liefert emotionale Motivation und einige interessante Figurenmomente, erreicht aber nie die Komplexität oder Tiefe, die man von einem 145-minütigem Film durchaus erwarten könnte. Denkt man an "Brawl in Cell Block 99", der mit ebenso kompromissloser Härte vorgeht, hat man beispielhaft das erzäherlische Gegengewicht.

Doch am Ende weiß "The Shadow Strays" genau, was er sein möchte. Er will eben auch keine tiefgründige Charakterstudie oder raffinierte Thrillerhandlung erzählen. Stattdessen liefert er ein kompromissloses Actionfeuerwerk, das seine Stärken selbstbewusst ausspielt und dabei in keienr Minute langweilig wird. Als Vorbereitung auf "The Furious" harter war das Ding genau richtig und die Martial-Arts-Action gehört zweifellos zu den Highlights im asiatischen Actionkino: laut, sehr brutal, überdreht und oftmals spektakulär. Die Handlung bleibt zwar vergleichsweise simpel und die Laufzeit fällt zu großzügig aus, doch die herausragenden Kampfsequenzen, die starke Hauptdarstellerin und Timo Tjahjantos unverwechselbare Inszenierung machen den Film zu einem der sehenswertesten Actiontitel der letzten Jahre.

7,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Netflix/Frontier Pictures/XYZ Films