Donnerstag, 11. Juni 2026

RocknRolla - RockNRolla (2008)

https://www.imdb.com/de/title/tt1032755/

Der Unterwelt-Pate Lenny Cole (Tom Wilkinson) hat drei Londoner Kleinganoven bei einer Grundstückspekulation böse auflaufen lassen. Am Ende der verunglückten Aktion hat das Trio aus One Two (Gerard Butler), Bob (Tom Hardy) und Mumbles (Idris Elba) Schulden von zwei Millionen Pfund. Da kommt ihnen ein Geschäft, das die gerissene Buchhalterin Stella (Thandie Newton) vorschlägt, gerade recht. Ihr Boss, der skrupellose russische Milliardär Uri Obomavich (Karel Roden), will Lennys Kontakte im Stadtrat nutzen, um sich eine Baugenehmigung zu erschleichen. Die sieben Millionen Pfund Schmiergeld fangen die drei Kleinganoven auf Stellas Tipp hin bei der Übergabe ab. Doch das ist nur der Anfang von nicht enden wollenden Verwicklungen...

"RocknRolla" ist kein perfekter Gangsterfilm, aber ein sehr lebendiger. Guy Ritchie kehrt hier nach den eher enttäuschenden Zwischenstationen seiner Karriere mit einem Film zurück, der sich deutlich an den Energiequellen seiner frühen Erfolge orientiert und genau daraus seine Wirkung bezieht: aus Tempo, Sprachwitz, Milieustudie, Musik und einem permanenten Gefühl von geschäftiger Unordnung. Der Film erzählt von einer Londoner Unterwelt, die sich im Wandel befindet. Der altgediente Gangster Lenny Cole, gespielt von Tom Wilkinson, kontrolliert noch immer die etablierten Strukturen, doch ein russischer Geschäftsmann namens Uri Obomavich will über einen Immobilien-Deal in großem Stil mitmischen. Dazwischen geraten Kleinganoven wie One Two, Mumbles und Handsome Bob, außerdem die Buchhalterin Stella, die selbst mitspielen will, und Johnny Quid, der ausgerechnet als Rocker mit Selbstzerstörungsinstinkt eine zentrale Rolle im Geflecht von Verrat, Geld und Macht übernimmt. 

Was "RocknRolla" sofort von vielen konventionellen Gangsterfilmen trennt, ist seine Haltung. Ritchie interessiert sich weniger für psychologische Tiefe als für Bewegung, Rhythmus und ein Milieu, das sich über Sprache, Kleidung, Gesten und Statusspiele definiert. epd Film beschreibt den Film als kraftvoll, vital und selbstbewusst; der Titel sei Programm. Genau das ist der richtige Zugang: *RocknRolla* will nicht moralisch ergründen, sondern elektrisieren. Dabei ist der Film ganz offensichtlich auch eine Rückkehr zu bekannten Mustern. Es ist ein lässiges, hippes Gangster-Genrestück, das sich an "Bube, Dame, König, grAs" und "Snatch" orientiert, ohne diese beiden Filme einfach zu wiederholen. Der Vorwurf der Selbstwiederholung liegt nahe, doch gerade diese Wiedererkennbarkeit ist hier Teil des Vergnügens. Ritchie arbeitet mit seinen eigenen Werkzeugen: verschachtelte Handlung, schnelle Schnitte, lakonische Dialoge, Popmusik als Motor und Figuren, die noch cooler wirken wollen, als sie ohnehin schon sind. Die große Stärke des Films liegt in seiner Besetzung. Gerard Butler gibt One Two genug lässige Energie, um als Einstiegspunkt in dieses Geflecht zu funktionieren, während Tom Wilkinson als Lenny Cole mit kalter Autorität und köstlicher Eitelkeit auftritt. Mark Strong spielt Archy mit kontrollierter Bedrohlichkeit, Thandie Newton bringt als Stella Eleganz und Berechnung zusammen, und Toby Kebbell stiehlt als Johnny Quid viele Szenen mit einer Mischung aus Punk-Attitüde, Chaos und Anarchie. 

Gerade Johnny Quid ist derjenige, an dem sich der Film am deutlichsten entzündet. Er ist nicht nur eine Figur, sondern ein Ausdruck des ganzen Films: exzessiv, unzuverlässig, musikalisch, selbstzerstörerisch und doch irgendwie magnetisch. In ihm bündelt Ritchie die Idee, dass Macht, Image und Inszenierung im kriminellen London untrennbar miteinander verbunden sind. Dazu passt auch die Beobachtung der Kritiken, dass "RocknRolla" den Wandel des Milieus ernst nimmt: Statt Drogengeschäften geht es um Immobilien, Schmiergeld und städtische Machtverhältnisse. Visuell und rhythmisch ist der Film stark auf Wirkung gebaut. Die Musik treibt die Szenen voran, die Kamera sucht nach Glanz in einer schmutzigen Welt, und der Schnitt gibt dem Ganzen eine fast musikalische Struktur. Das ist die eigentliche Qualität von "RocknRolla": Es geht nicht nur darum, was passiert, sondern wie sich ein Ereignis in einen Flow verwandelt. Natürlich hat diese Form ihren Preis. Der Film ist zu sehr an Oberfläche, Coolness und Verwicklungen interessiert ist und bleibt emotional auf Distanz. 

"RocknRolla" ist kein großes Epos über Schuld und Vergebung, sondern ein pointierter, manchmal überdrehter, oft sehr unterhaltsamer Gangsterfilm über Gier, Loyalität und Selbstdarstellung. Er lebt davon, dass er sich selbst mit einem gewissen Augenzwinkern betrachtet, ohne in reine Parodie abzugleiten. Deshalb funktioniert er besser als spätes Lebenszeichen eines Regisseurs, der seine eigene Handschrift wiedergefunden hat, als als radikale Neuerfindung. Auch retrospektiv wirkt der Film interessant, weil er kurz vor der Finanzkrise entstand und ausgerechnet im Immobiliengeschäft die Brutstätte krimineller Macht sieht. Das verleiht ihm im Nachhinein eine gewisse Schärfe, die man bei der Erstaufführung vielleicht weniger stark wahrnahm. Ritchie zeigt eine Welt, in der alte Bosse und neue Geldeliten um denselben Kuchen kämpfen, und genau darin liegt mehr Gegenwartsbezug, als der lässige Ton zunächst vermuten lässt. Am Ende ist "RocknRolla" kein Meisterwerk, aber ein sehr gelungenes Comeback. Der Film ist schnell, laut, selbstverliebt, oft herrlich komisch und in seinen besten Momenten genau so cool, wie er sein möchte. Er kopiert nicht bloß seine Vorbilder, sondern aktualisiert seine eigene Formel für eine neue Londoner Gangsterwelt. Wer Ritchies frühe Filme mochte, bekommt hier eine entschlossene Rückkehr zur Form; wer mehr Tiefe erwartet, wird die Lackschicht sehen und nicht die Maschine darunter. Beide Reaktionen sind verständlich, doch nur die erste wird dem Film ganz gerecht. 

6,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Warner Bros./Studiocanal/Toff Guy Films/Dark Castle Entertainment

Mittwoch, 10. Juni 2026

Deadly Spawn - Kosmokiller: Sie fressen alles (1983)

https://www.imdb.com/de/title/tt0087998/

Ein Meteorit landet auf der Erde und setzt eine winzige, schleimartige Kreatur frei, die sich nach dem Verzehr von menschlichem Fleisch schnell vergrößert und vermehrt. Sobald der "Kosmokiller" aus dem Meteoriten entkommt, nistet er sich im Keller einer kleinen Stadtfamilie häuslich ein. Während er die verschiedenen Familienmitglieder und jeden unglücklichen Besucher angreift, die es wagen, in den Keller zu gehen, wächst er in seiner Größe und erschafft mehr kleine Kosmokiller-Würmer, die sich schnell auf die ganze die Stadt ausbreiten. Vier Teenager, unterstützt vom jüngeren Bruder der Familie, müssen einen Weg finden, die immer größer werdende Monstrosität zu stoppen...

Mit dem bescheidenen Budget von gerade mal 25.000 $ realisierte Douglas McKeown diesen 80er-Jahre-B-Horrormovie, bei dem man in jeder Szene die Energie der Macher, aber auch die Schwächen in der Ausstattung spürt. Die Besetzung umfasst Charles George Hildebrandt als Charles, Tom DeFranco als Pete, Richard Lee Porter als Frankie, Jean Tafler als Ellen, Karen Tighe als Kathy und James L. Brewster als Sam und nicht ganz zufällig, so scheint es, versucht der Film an den Erfolg von Ridley Scotts "Alien" anzuknüpfen. Was den Film hier besonders macht, ist die Atmosphäre. Der Großteil der Handlung spielt während eines längeren Regens, der seit ein paar Tagen andauert und alles wasserdurchtränkt und klaustrophobisch wirken lässt. Das hat auch den Effekt, dass bequeme unterirdische Wasserwege für die gefräßigen Aliens entstehen, die sich durch die Dunkelheit schleichen, bis es Zeit zum Fressen ist - und um zu wachsen. Und sie wachsen fast zu obszönen Mengen, gewinnen zusätzliche Köpfe und Zähne und die Fähigkeit, ganze Buicks zu verschlucken. Die Grundformel für jeden Creature-Feature-Fan ist also erfüllt. 

Auch die Besetzung der Hauptfiguren ist bemerkenswert, denn hier sind es nicht die typischen dummen Teenager, die auf Jason warten, sondern College-Wissenschaftler und Rentner, die die Show stehlen. Die vier Hauptcharaktere sind eine der ersten Male, dass ich mich erinnern kann, dass Science- und Horror-Nerds die Überlebenden sind. Besonders der junge Charles, der Horror-Enthusiast, der als Stellvertreter für jeden Horror-Fan fungiert, der wegen seiner Begeisterung seltsam angesehen wurde, ist sympathisch. Er ist klug, ruhig und ressourcenschonend. Und er ist nicht pompös oder unehrlich. Er ist einfach ein normaler Junge mit einer lebhaften Vorstellungskraft. Allerdings ist die Schauspielleistung insgesamt nicht sehr beeindruckend, die Hauptcharaktere sind nicht wirklich gut aufgebaut, also kümmert man sich auch nicht wirklich darum, ob sie Monster-Nahrung werden oder nicht. Doch die Spezialeffekte sind auch der Hauptgrund, warum dieser Film so toll ist. Nicht nur die Creature-Effekte sind erstaunlich, sondern auch die Gore-Effekte werden in schönen Details durchgeführt. Es fehlt also schon mal nicht an Blut, wenn die Kreaturen angreifen. 

"Kosmokiller: Sie fressen alles" kann dann am Ende als ein mutiger, leidenschaftlicher Versuch, die alten Creature-Feature-Filme der 1950er-Jahre wiederzubeleben, allerdings mit einer guten Splatterdosis, angesehen werden. Das Monster-Design und Konzept ist ziemlich cool, die Begeisterung ist ansteckend, die Effekte sind beeindruckend für das Budget, und der Film hat eine Symbolik, die selten geworden ist. Er ist nicht perfekt, aber er ist unterhaltsam, und er erinnert daran, dass Horrorfilme immer noch ihre Berechtigung haben, solange sie nicht vergessen, warum sie überhaupt spannend waren.

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Filmline Communications

Hansel and Gretel - Hänsel und Gretel (Short) (2007)

https://www.imdb.com/de/title/tt1482859/

Es waren einmal ein Bruder und eine Schwester, Hänsel und Gretel . Früh am Morgen stahlen sich die beiden ungezogenen Kinder ohne die Erlaubnis ihrer lieben Eltern von zu Hause, um im Wald zu spielen . Ihre Eltern hatten ihnen verboten, jemals allein im Wald zu spielen, da sie sich sonst verirren und nie wieder nach Hause finden könnten.

Dies ist der Eröffnungstext (übersetzt) zu Robert Eggers' filmischen Debüt. Basierend auf dem klassischen Märchen der Brüder Grimm ist "Hänsel und Gretel "ein düsterer und stilisierter, schwarz-weißer, expressionistischer Stummfilm mit detailliertem Design und einer unheimlichen Filmmusik. In knappen 27 Minuten erzählt Eggers stilsicher die altbekannte Geschichte im Detail nach und beweist hier schon seine Treffsicherheit in Bezug auf Bildsprache, Einsatz von Musik und Kameraarbeit. Es ist beileibe kein perfekter Film, doch der Stil, der an einen Stummfilm aus den 1930er Jahren erinnert, die eingeschobenen Texttafeln, die Musik, die aus ebenjener Zeit entsprungen sein könnte und die limitierten Schauspieler haben das gewisse Etwas. Natürlich erfindet Eggers hier das Rad nicht neu, sondern spielt lieber mit Bildkomposition und Kamerawinkeln, um dem Märchen der Gebrüder Grimm seine eigene Note zu verpassen. Für ein Debüt wirklich nicht schlecht.

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Palehorse Productions

Brothers (Short) (2014)

https://www.imdb.com/de/title/tt5803522/

Die Geschichte zweier Brüder, Tom und Jake, und ihrer problematischen Beziehung.

Robert Eggers drehte diesen 11-minütigen Kurzfilm 2014 als Bewerbung für Investoren, und genau darin liegt seine Kraft: Der Film ist nicht nur ein Kurzfilm, sondern ein "Proof of Concept", der die ganze dunkle, atmosphärische, psychologische Spannung von Eggers' späteren Werken zeigt und ein Beweis dafür, dass Eggers die Fähigkeit hat, die Natur als Albtraum zu gestalten. Zwischen den Wäldern von New Hampshire, fernab von jeder Straße, leben zwei Brüder, Tom und Jake, bei ihrer herrischen Großmutter. Sie sind jung, sie sind allein, und sie sind in einem ständigen, unsichtbaren Kampf gefangen, der nicht nur über sie, sondern auch über ihre Beziehung und ihre Zukunft entscheidet. "Brothers" ist eine Kain-und-Abel-Geschichte, die auf Eggers' eigenen Kindheitserinnerungen basiert, an Geschichten von New Hampshire-Farmleben aus der Mitte des 20. Jahrhunderts und an eine tragische Jagd-Begebenheit. "Brothers" ist irgendwo nachvollziehbar, verständlich und doch unfassbar tragisch. Eine Geschichte, die effektiv und effizient erzählt wird, und dabei genau so lang ist wie sie sein muss, um alles zu sagen. Kameraarbeit und Sounddesign, sowie der limitierte Dialog haben eine gute Sogwirkung inne und faszinieren, Spannung baut sich langsam auf und entlädt sich dann mit einem Schlag. Das Ende ist dann bitter und düster und lässt einen nachdenken. Beeindruckend.

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkParts & Labor/Code Red Productions

The Tell-Tale Heart - Das verräterische Herz (Short) (2008)

https://www.imdb.com/de/title/tt1330057/

In einem stattlichen Herrenhaus ruft der kranke Hausherr seinen Diener mit einer Glocke. Der Diener trägt, füttert und wäscht seinen Herrn, wobei er jeden Augenblick in der Gegenwart des kränklichen alten Mannes fürchtet und hasst. Dies wiederholt sich eine Woche lang, bis der Diener schließlich frustriert seine Taschenuhr zerbricht, anstatt sie erneut aufzuziehen. In der achten Nacht betritt der Diener das Schlafzimmer des Herrn. Der Herr erwacht und will wissen, wer da ist. Daraufhin leuchtet der Diener ihm mit seiner Laterne ins Auge. Von Wut überwältigt, erstickt der Diener den Herrn mit dessen eigenen Bettlaken. Dann trägt er die Leiche in den Keller hinunter, zerstückelt sie und vergräbt sie unter den Dielen, bevor es an der Haustür klopft...

In der düsteren, viktorianisch eingebauten Halle eines verlassenen Hauses in New Hampshire entwickelt sich eine Geschichte, die wir alle kennen - Edgar Allan Poes "Das verräterische Herz" - doch Robert Eggers macht aus diesem Klassiker eine ganz eigene, atmosphärische Vision. Der Film ist ehrlich, leidenschaftlich und voller Vorahnung dessen, was Eggers später ausgestalten würde. Was "The Tell-Tale Heart" von Beginn an besonders macht, ist seine Atmosphäre. Eggers verzichtet auf viele Dialoge und lässt die Stimmung durch Licht, Klang und Bild entstehen. Der Sounddesign ist eindringlich, das Herz des Opfers pulsiert im Hintergrund, ein rhythmischer, fast medizinischer Klang, der sich langsam in die Psyche des Zuschauers einschlägt. Der Film lebt von der rhythmischen, verzerrten Beziehung zwischen Auge und Herz. 

Die Bildsprache ist ebenso beeindruckend. Der Film ist in einem engen, klaustrophobischen Aspekt gedreht, der die Beobachter in die enge Welt des Dieners und des Meisters hineindrückt. Die Kamera bleibt oft auf den Gesichtern, besonders auf dem Gesicht des alten Mannes. Richard Easton ist grandios, und seine Darstellung ist eine der besten, die ich in einem Kurzfilm gesehen habe. Ein besonders bemerkenswerter Aspekt ist die Verwendung einer Puppe, um den alten Mann zu spielen. Eggers wollte ursprünglich einen sehr gebrechlichen, alten Schauspieler für die Rolle engagieren, aber die Drehbedingungen in einem verlassenen, kalten, 19. Jahrhundertshaus in New Hampshire waren so schwierig, dass er eine Puppe bevorzugte. Diese Entscheidung macht den Film einzigartig: Der alte Mann ist nicht nur ein Mensch, sondern ein unbelebtes, fast unheimliches Objekt, das die Angst und die Schuld des Dieners verstärkt.

Die Handlung ist einfach, aber Es ist nicht nur die Geschichte eines Dieners, der seinen Meister tötet, sondern die Geschichte eines Menschen, der von seiner Schuld und seiner Angst zerreibt. Eggers zeigt, wie die Schuld sich langsam in den Diener einschlägt, und wie das Herz, das er tötet, immer noch pulsiert. Der Film ist eine Studie über Schuld, Angst und die Unmöglichkeit, die Vergangenheit zu vergessen. Vermutlich ist dies eine der besten Edgar Allen Poe-Adaptionen, die man je gesehen hat, und sicherlich die beste Adaption von "Das verräterische Herz" überhaupt. Der Film ist nicht nur eine Adaption, sondern eine Interpretation, die die Atmosphäre und die Stimmung von Poe einfängt, ohne die Prosa zu überbetonen. Auch die technische Umsetzung ist für ein Low-Budget-Projekt erstaunlich wirkungsvoll. Die Kameraarbeit ist präzise, das Sounddesign ist eindringlich, und die Darstellung ist beeindruckend. Der Film ist nicht perfekt, aber er ist ein Beweis dafür, dass große Wirklichkeit nicht von großen Budgets abhängt.

Am Ende bleibt "The Tell-Tale Heart" ein außergewöhnlich reiner Kurzfilm, ein Stück Kino, das fast aus nichts besteht und doch lange nachwirkt. Eggers beweist hier bereits, wie sicher er das Publikum durch Raum, Tempo und Wahrnehmung führen kann. Was als Fernsehen begann, ist zu einem fast archetypischen Albtraum geworden: der Mensch allein gegen sein eigenes Herz, in der dunklen, kalten Halle eines verlassenen Hauses. "It is the beating of his hideous heart!" - und das ist genau das, was den Film so mächtig macht.

8/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Palehorse Productions

The Losers (2010)

https://www.imdb.com/de/title/tt0480255/

Clay (Jeffrey Dean Morgan) und sein Einsatzkommando haben gerade eine Gruppe Kinder aus einer terroristischen Dschungelfestung befreit und in den Rettungshelikopter gebracht, schon wird der Helikopter von einer Rakete zerschossen. Eigentlich galt die Aufräumaktion Clays Mannschaft. Sie ging vom Waffenhändler Max (Jason Patric) aus, der damit eine äußerst ungemütliche Erzfeindschaft besiegelt die Losers in der Öffentlichkeit diskreditiert. Die allerdings treffen bald auf eine mysteriöse Fremde (Zoe Saldana) namens Aisha, die ihr ganz eigenes Hühnchen mit dem irrsinnigen Schurken rupfen will. Gemeinsam entwickeln die Verstoßenen einen Plan, der Max‘ dunkle Machenschaften bloßlegen und die Jungs rehabilitieren soll...

"The Losers" ist ein Actionfilm, der genau weiß, wie dünn sein Fundament ist, und sich trotzdem mit genug Charme, Tempo und Ensemble-Energie über die Ziellinie rettet. Er ist kein großer Film, aber ein unterhaltsamer: eine reizvolle Mischung aus Comicbuch-Posen, Rachekino und flotter Sprücheklopferei, die vor allem dann funktioniert, wenn man sie nicht auf höhere Ansprüche festnagelt. Der Film, inszeniert von Sylvain White und basierend auf der DC/Vertigo-Comicvorlage, erzählt von einer Special-Forces-Einheit, die im bolivianischen Dschungel von ihren eigenen Auftraggebern verraten und für tot erklärt wird. Aus der Asche dieses Verrats formiert sich die Gruppe neu, verbündet sich mit der geheimnisvollen Aisha und nimmt die Jagd auf den Strippenzieher Max auf, um sich zu rächen und ihre Namen reinzuwaschen.

Gerade in der Besetzung liegt die größte Stärke des Films. Jeffrey Dean Morgan, Idris Elba, Chris Evans, Columbus Short, Oscar Jaenada und Zoë Saldana bringen eine lockere, fast beiläufige Chemie mit, die dem Film jene Glaubwürdigkeit verleiht, die das Drehbuch nur selten selbst erzeugt. Roger Ebert beschrieb das Ergebnis als gut funktionierend und hob hervor, dass die Schauspieler „viel Selbstvertrauen“ in diesem schmalen Grat zwischen kontrollierter Satire und comicartigem Überdrehen zeigen.Diese Chemie ist wichtig, weil die Handlung selbst kaum Überraschungen bereithält. Aber die Vorhersehbarkeit und die Vertrautheit der Bausteine sind ein klarere Mangel: Betrug, Rache, Explosionen, scharf umrissene Gegenspieler und ein Plot, der sich mehr auf Bewegung als auf echte Spannung verlässt. Das Problem ist nicht, dass "The Losers" banal wäre. Das Problem ist eher, dass der Film zu oft nach generischem Actionkino riecht, obwohl er eigentlich verspielt sein will. Er erinnert an andere Filme, die besser, schärfer oder selbstbewusster waren, und das merkt man in nahezu jeder Szene. Dennoch entsteht daraus kein Desaster, sondern ein flotter, sauber montierter Genrebeitrag, der selten aufregt, aber auch selten langweilt. 

Die Regie von Sylvain White bleibt funktional, manchmal sogar überraschend spröde, doch sie gibt dem Ensemble genug Raum, um den Film zu tragen. Besonders Chris Evans fällt mit trockener Energie und einer guten komödiantischen Präsenz auf, während Idris Elba und Jeffrey Dean Morgan das Rückgrat der Gruppe bilden. Verschiedene zeitgenössische und spätere Besprechungen betonen genau diese Dynamik: Die Figuren funktionieren besser als die Story, und die Dialoge leben mehr von Timing als von Originalität. Auch der Ton des Films ist interessant, weil er sich nicht eindeutig entscheiden will, ob er reine Action oder ironische Comicverfilmung sein möchte - ein Film, der einfach seinen Job macht und aufgrund seiner seltsamen Mischung zwischen Selbstparodie und Überdrehen Laune. "The Losers" will nicht tiefschürfen, sondern unterhalten, und wenn man dieses Versprechen akzeptiert, ist der Film angenehmer als sein Ruf. Trotzdem bleibt ein Rest Enttäuschung, weil die Vorlage mehr Eigenheit vermuten lässt, als die Verfilmung am Ende freisetzt. Der Film sieht gut aus, bewegt sich schnell und verfügt über eine Besetzung, die deutlich mehr kann, als das Material verlangt. Aber all das führt eher zu einem soliden Zeitvertreib als zu einem bleibenden Eindruck. Am Ende ist "The Losers" ein typischer Fall von "besser als seine Bauteile, schwächer als seine Möglichkeiten". Wer ein kluges, leichtes Racheabenteuer mit einem starken Ensemble sucht, wird hier gut bedient. Wer jedoch mehr als eine kompetent ausgeführte, aber vertraute Comicbuch-Action erwartet, wird schnell merken, dass der Titel nicht nur ironisch, sondern auch ein wenig wahr ist. Völlig okay und gut wegguckbar. Man könnte schlimmeres ansehen. 

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Warner Bros./Dark Castle Entertainment/Weed Road Pictures/Studiocanal/DC Entertainment

Dienstag, 9. Juni 2026

French Connection II (1975)

https://www.imdb.com/de/title/tt0073018/

Der Detective Jimmy "Popeye" Doyle (Gene Hackman) ist noch immer auf der Jagd nach dem schmierigen Drogenhändler Alain Charnier (Fernando Rey), der ihm in New York entkommen ist. Doch diesmal führt ihn die Spur nicht mehr in die Straßen von Brooklyn, sondern nach Marseille, Frankreich, wo Charnier sein neues Rückzugsgebiet hat. In Frankreich wird Doyle nicht als der gefürchtete Cop empfangen, der er in New York ist, sondern als ein Fremder, der in einer fremden Stadt nicht weiß, wie er sich durchsetzen soll. Er wird dem französischen Polizisten Henri Barthélémy (Bernard Fresson) zugeteilt, der ihn nicht wirklich mag. Dennoch versucht Doyle, seine eigene Spur zu verfolgen, und er findet heraus, dass Charniers Drogenring weiter operiert als je zuvor...

Der Film ist eine Fortsetzung von William Friedkins 1971er Drama "Brennpunkt Brooklyn"/"French Connection" und wurde von John Frankenheimmer inszeniert. Doch "French Connection II" setzt die Geschichte um den harten Cop/Detective "Popeye" Doyle nicht einfach fort, sondern dreht den Charakter der Story selbst komplett um. Frankenheimer nimmt die Hauptfigur Doyle, erneut gespielt von Gene Hackman, den unerbittlichen, rücksichtslosen NYPD-Detektiv, der in William Friedkins Original von 1971 die Welt von New York beherrschte, und wirft ihn nach Marseille, wo er plötzlich mit der Situation konfrontiert ist, eben nicht mehr ständig die Oberhand zu besitzen. 

Doyle, dessen Kompetenz, dessen Fähigkeit, auf einer ansprechenden Ebene zu funktionieren, wird hier zum Comic Relief und fast vollständig seiner Würde entledigt. Allein die Entgiftungssequenz in der Mitte bringt den Film quasi zum Stillstand und während an dieser Stelle Handlung, Verfolgung und der Jäger völlig vergessen werden, konzentriert sich der Film nur auf die Figur und wird nicht nur langweilig, sondern ringt dem Zuschauer eine Menge Geduld ab. Das ist der Kern des Problems: Der Film ist nicht so grob, so roh, so direkt wie das Original. Er ist langsamer, und in diesem Kontext viel zu charaktergetrieben, und lange nicht so visuell, wie man es von einem Thriller erwarten würde. Stattdessen ist es eine Geschichte über Rache, die Popeye in einer fremden Umgebung, in der er nicht die Kontrolle hat, in eine Verletzlichkeit zwingt, die er in New York nicht hatte. Fernando Rey spielt erneut Alain Charnier, der Heroinschmuggler, der Popeye in New York entgangen trat. Er ist immer noch der gleiche Charakter, kalt, charmant, aber jetzt ist er der Verfolger, nicht der Verfolgte. Bernard Fresson spielt Henri Barthélémy, den französischen Polizisten, der Popeye als Partner zugeteilt bekommt und der ihn nicht mag, aber mit ihm zusammenarbeiten muss. Der Konflikt zwischen den beiden ist nicht nur kulturell, sondern auch persönlich, und er gibt dem Film eine zusätzliche Ebene, die das Original nicht hatte (und brauchte).

Das Problem ist zudem, dass der Film nicht immer weiß, wie er mit diesen neuen Elementen umgehen soll. Manchmal ist er zu rockig, manchmal zu ernst, manchmal zu comicartig. Der Film hat eine gewisse Komödie, die Popeye in einer fremden Umgebung in eine komische Rolle zwingt, aber das ist nicht immer erfolgreich. Am Ende bleibt "French Connection II" ein Film, der versucht, "Popeye" Doyle zu verändern, und das ist nicht wirklich erfolgreich. 

5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Twentieth Century Fox