https://www.imdb.com/de/title/tt34991535/Zwanzig Jahre sind vergangen, seit Bernd Stromberg (Christoph Maria Herbst) und sein Team von der Schadensregulierung der CAPITOL-Versicherung die deutsche Büro-Kultur auf den Kopf gestellt haben. Damals dominierten flapsige Sprüche, fragwürdige Umgangsformen und Kantinenessen ohne vegane Optionen. Nun steht ein Wiedersehen an, das klären soll, ob Stromberg und seine einstige Truppe sich ebenso verändert haben wie die moderne Arbeitswelt. Berthold "Ernie" Heisterkamp (Bjarne Mädel), Tanja und Ulf Steinke (Diana Staehly und Oliver Wnuk), Jennifer Schirrmann (Milena Dreissig) und Stromberg selbst treffen sich erneut - im Rahmen einer pompös inszenierten Reunion vor laufenden Kameras. Doch wie bei jeder Familienfeier kommen alte Konflikte, ungelöste Spannungen und reichlich Alkohol ins Spiel. Was als nostalgische Rückschau beginnt, gerät bald außer Kontrolle und endet in einem Chaos, das niemand vorausgesehen hat.
Gleich eines vorweg: dass mit der Film überhaupt ein paar Schmunzler abringen konnte, lag nur an einigen Interkationen zwischen Bjarne Mädel und Christoph Maria Herbst. Was man ihm zugute halten muss ist, dass "Stromberg: Wieder alles wie immer" eben nicht so tut, als wäre die Zeit stehen geblieben. Er ist weniger eine Rückkehr als ein Beweis dafür, wie schnell ein guter Einfall seine eigene Karikatur werden kann. Der Film weiß sehr genau, dass Bernd Stromberg nur deshalb funktioniert, weil er aus einer Kultur des kleinen Machtmissbrauchs stammt, aus dem Büro als moralischem Niemandsland, in dem ein Mann mit Halbglatze, Halbwissen und großer Klappe plötzlich so etwas wie Autorität beanspruchen durfte. 2025 wirkt diese Figur nicht nostalgisch, sondern wie ein Überbleibsel, das sich weigert, seinen Platz im Museum einzunehmen. Genau darin liegt der Reiz des Films - und auch sein größter Fehler. Das Publikum dürfte trotzdem einen weiteren Bürofilm erwartet haben, eine neue Runde jener präzisen, schmerzhaft komischen Beobachtung des Arbeitsalltags, die "Stromberg" einst so einzigartig machte. Stattdessen bekommt man einen Film, der sich zwar mit den alten Figuren zurückmeldet, aber zu oft den Eindruck erweckt, nur noch am Erbe zu hängen, das er selbst längst nicht mehr erneuern kann.
Christoph Maria Herbst spielt Bernd Stromberg weiterhin mit bewundernswerter Kontrolle, doch genau diese Kontrolle lässt den Film paradoxerweise kalt wirken. Stromberg war einmal deshalb so unangenehm und lustig, weil er als Figur aus einem konkreten Milieu kam: dem kleinen Büro mit seinen kleinlichen Machtkämpfen, seinen peinlichen Hierarchien und seiner alltäglichen Unanständigkeit. Hier aber wirkt er wie ein Fossil, das man aus dem Schrank geholt hat, um zu prüfen, ob es noch denselben Effekt hat. Hat es nicht. Oder nicht mehr genug. Der Film verlässt sich sehr stark darauf, dass die bloße Rückkehr dieser Figur bereits ein Ereignis sei. Doch Wiedererkennung ist keine Dramaturgie. Das größere Problem ist, dass "Stromberg: Wieder alles wie immer" weder wirklich als Bürofilm funktioniert noch als scharfe Gegenwartsdiagnose. Wer eine neue, bissige Beobachtung des Arbeitslebens erwartet hatte, findet stattdessen einen Film, der seine Figuren durch Szenen schiebt, die eher wie Pflichtnummern wirken als wie lebendige Zuspitzungen. Es gibt Momente, in denen die alten Reibungen noch aufscheinen, doch viel zu oft wirken sie wie Wiederholungen ohne neuen Zweck. Man lacht gelegentlich, aber selten überrascht. Und bei einer Figur wie Stromberg ist Überraschung entscheidend, weil sein ganzes Prinzip auf dem unangenehmen Gefühl beruhte, dass im nächsten Satz schon wieder eine Grenze überschritten werden könnte. Hier kennt man die Grenze längst, und der Film hat nicht viel mehr im Sinn, als sie noch einmal zu umkreisen.
Auch das Ensemble leidet unter dieser Müdigkeit. Bjarne Mädel ist als Berthold "Ernie" Heisterkamp nach wie vor hervorragend, weil er jene Mischung aus Verletzlichkeit und passiver Gegenwehr mitbringt, die fast automatisch die stärksten Szenen erzeugt. Aber selbst er bleibt in einem Material gefangen, das eher auf Wiederbelebung als auf Entwicklung setzt. Die übrigen Rückkehrer werden mit sichtbarer Sorgfalt eingesetzt, doch der Film traut ihnen nicht wirklich zu, mehr zu sein als Erinnerungsanker. Das ist das eigentliche Problem solcher späten Fortsetzungen: Sie wollen das Publikum mit Vertrautheit beruhigen, vergessen dabei aber, dass Vertrautheit allein selten Kino trägt. Sie ist ein Anfang, kein Ziel. Regisseur Arne Feldhusen inszeniert das Ganze mit professioneller Gelassenheit, aber auch mit einer gewissen Vorsicht, die dem Stoff nicht guttut. Man spürt, dass er die Mechanik kennt, doch man spürt ebenso, dass der Film nicht so recht weiß, wohin er mit dieser Mechanik will. Soll er bissiger sein als früher? Melancholischer? Selbstkritischer? Die Antwort scheint oft zu lauten: alles ein bisschen, aber nichts konsequent. So entsteht ein Film, der in der Tonlage schwankt, ohne daraus Energie zu ziehen. Gerade die satirischen Spitzen verlieren dadurch an Schärfe; sie kommen nicht wie präzise gesetzte Stiche, sondern eher wie Erinnerungen an frühere Treffer. Am enttäuschendsten ist vielleicht, dass der Film den Büroalltag nicht mit jener unerbittlichen Genauigkeit betrachtet, die man von ihm erwarten durfte. Ein guter "Stromberg"-Film müsste das Arbeitsleben so zeigen, dass man sich gleichzeitig amüsiert, schämt und ein wenig ertappt fühlt. "Stromberg: Wieder alles wie immer" kommt dieser Wirkung gelegentlich nahe, bleibt aber zu oft an der Oberfläche seiner eigenen Idee hängen. Die Welt, die er zeigt, ist nicht mehr die alte, aber der Film zieht daraus keine wirklich neue Konsequenz. Er registriert den Wandel, statt ihn bissig-satirisch auszubeuten.
So bleibt am Ende ein Werk, das vor allem eines nicht sein will und es dann doch wird: bequem. Es spielt auf Sicherheit, auf Nostalgie, auf den Wiedererkennungswert einer Figur, die längst ikonisch geworden ist. Aber genau diese Sicherheit ist das Problem. "Stromberg" war immer dann am stärksten, wenn er unbequem war, wenn er unangenehm, kleingeistig, aber zugleich präzise als Symptom einer bestimmten Arbeitskultur wirkte. Hier wird er wiederholt, nicht wirklich neu belebt. Und ein wiederholter Witz, so treffend er einst war, verliert irgendwann seine Giftigkeit. Das Ergebnis ist kein Desaster, aber eine verpasste Gelegenheit. Das Publikum bekommt nicht den Bürofilm, den es erwartet hat, und der Film gibt auch nicht überzeugend an, warum er etwas anderes sein sollte. Er ist zu sehr Fortsetzung, um Neues zu wagen, und zu wenig mutig, um sich als eigenständiger Kommentar zu behaupten. Am Ende bleibt vor allem der Eindruck, dass hier eine Figur zurückkehrt, die einst präzise in ihre Zeit geschnitzt war, nun aber in einer Form wieder auftaucht, die ihre beste Eigenschaft eingebüßt hat: ihre Aktualität.
4/10
Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: MadeFor Film//Brainpool/Prime Video/SevenPictures/Banijay Media Germany