Samstag, 6. Juni 2026

七人の侍 - Shichinin no samurai - Seven Samurai - Die sieben Samurai (Original Version) (1954)

https://www.imdb.com/de/title/tt0047478/

Im Japan des späten 16. Jahrhunderts sieht sich eine Dorfgemeinde von Reisbauern seit Jahren den Angriffen und Plünderungen von skrupellosen Banditen ausgesetzt. Doch eines Tages haben sie von der ständigen Angst und Unterdrückung genug. Kurz vor der Erntezeit schicken sie einige Bewohner in die große Stadt, um dort ungebundene Samurai zur Verteidigung des Dorfes anzuwerben. Obwohl sie außer Nahrung und Unterkunft nichts bieten können, gelingt es sieben Samurai unterschiedlichster Herkunft unter der Führung des alternden, aber weisen Kambei Shimada (Takashi Shimura) für ihre Sache zu gewinnen. Die sieben Samurai machen sich auf den Weg in das Dorf, wo sie zunächst sehr skeptisch und ängstlich empfangen werden. Dennoch bereiten sie die Verteidigung vor und geben den Einwohnern grundlegende Kampfanweisungen mit Speeren, Stöckern und Klingen. Die Zeit drängt, denn nicht lange nach ihrer Ankunft, werden die ersten Späher der Banditen gesichtet...

Akira Kurosawas "Die sieben Samurai" ist ein Film, der zu den Klassikern gehört. Ein Film, der als Blaupause für viele nachfolgende Streifen herhält und der in vielen Produktionen referenziert, gewürdigt oder zitiert wird und in der Tat scheint fast jeder spätere genreübergreifende Actionfilm, vom Western bis zum modernen Blockbuster, etwas von diesem Film geerbt zu haben. Es ist auch kein Film, den man einfach sieht; man durchlebt ihn. Kurosawa schuf 1954 ein Werk, das zugleich Abenteuerfilm, Kriegsfilm, Gesellschaftsstudie und moralische Meditation ist - und das alles mit einer solchen erzählerischen Sicherheit, dass selbst seine Überlänge niemals wie Übermaß wirkt, sondern wie eine unbedingte Notwendigkeit. 

Die Ausgangslage der Story ist brillant schlicht: Ein Dorf wird von Banditen bedroht und heuert sieben Ronin (den alternden Samurai Kambei Shimada (Takashi Shimura), den jungen Sohn einer Samurai-Familie Katsuhiro, Shichiroji (Isao Kimura), einen Freund Kambeis, den Möchtegern-Samurai Kikuchiyo (Toshirō Mifune), den Bogenschützen Gorobei Katayama (Yoshio Inaba), den schweigsamen Kyuzo (Seiji Miyaguchi), der von Katsuhiro bewundert wird, Heihachi Hayashida (Minoru Chiaki) und Shino (Keiko Tsushima), die einzige Frau) an, um die Ernte und damit sein Überleben zu sichern. Daraus entwickelt Kurosawa ein komplexes Geflecht aus Klassenunterschieden, Ehre, Angst und Zusammenarbeit. Die Bauern sind nicht bloß dankbare Schutzbefohlene, sondern Menschen, die von Verzweiflung und Misstrauen geprägt sind. Die Samurai wiederum sind keine makellosen Helden, sondern Individualisten mit sehr unterschiedlichen Temperamenten, Fähigkeiten und Lebenslagen. Gerade diese Vielfalt macht den Film so reich: Er ist nie nur die Geschichte einer Mission, sondern immer auch die Geschichte eines kleinen, vorübergehenden sozialen Bündnisses. Dabei ist Takashi Shimura als Kambei der ruhende Pol des Films. Er wirkt nicht wie ein triumphaler Anführer, sondern wie ein Mann, der schon viel zu viel gesehen hat und deshalb weiß, dass jede echte Verteidigung mit Demut beginnt. Toshirō Mifune dagegen bringt die wilde, fast überschäumende Energie hinein, die den Film immer wieder an die Kante des Chaos bringt. Zwischen diesen Polen entfaltet sich unter den weiteren 5 Ronin eine Dynamik, die den Film lebendig hält: Disziplin gegen Impuls, Strategie gegen Stolz, Erfahrung gegen Feuer. 

Kurosawas Inszenierung ist dabei von einer Präzision, die bis heute staunen lässt. Die berühmten Actionszenen sind nicht einfach spektakulär, sondern räumlich klar und emotional aufgeladen. Regen, Schlamm, Pferde, Holzpalisaden, rennende Körper, schnelle Blicke - alles ist so organisiert, dass man jederzeit versteht, wo sich wer befindet und was auf dem Spiel steht. Besonders die Kämpfe im Regen gehören zu den eindrucksvollsten Szenen der Filmgeschichte, weil sie die physische Härte der Auseinandersetzung mit einer fast musikalischen Form verbinden. Und das ist der entscheidende Punkt, an dem der Film über all seine Genre hinauswächst. Er ist nicht nur aufregend, sondern menschlich. Man spürt, wie die Männer einander misstrauen, sich bewähren, scheitern, lernen und vor allem: wie das Dorf nicht einfach gerettet wird, sondern nur für einen Moment überlebt. Die berühmte Schlussfolgerung des Films ist deshalb so bittersüß, weil sie die Samurai nicht zu Gewinnern macht. Sie haben nicht für Ruhm gewonnen, sondern für andere - und genau darin liegt ihre Tragik. 

Auch seine Länge von über 3 Stunden in der japanischen Originalfassung wird oft diskutiert, doch sie ist Teil seines Wirkungsprinzips. Kurosawa braucht diese Zeit, um aus einer schlichten Bedrohung ein lebendiges System von Beziehungen zu formen. Das Dorf, die Felder, die Vorbereitungen, die Rekrutierung der Samurai, die kleinen Gespräche, das Warten auf den Angriff - all das ist nicht Verzögerung, sondern Aufbau. Der Film versteht, dass Spannung nicht schneller wird, wenn man sie kürzt - im Gegenteil: sie wird stärker, wenn man sie ernst nimmt. Am Ende bleibt "Die sieben Samurai" ein Monument des Kinos, weil er so viele Dinge zugleich kann: aufregend und nachdenklich sein, episodisch und präzise, spektakulär und intim. Er hat das Actionkino nicht nur geprägt, sondern ihm eine moralische und emotionale Tiefe gegeben, die bis heute selten erreicht wird. Und wie bei jedem großen Film hat man am Ende nicht das Gefühl, etwas gesehen, sondern etwas verstanden zu haben - über Loyalität, Gemeinschaft und die Kosten des Überlebens. 

9/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Toho Studios

Donnerstag, 4. Juni 2026

Scary Movie - Scary Movie 6 (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt32093575/

Sechsundzwanzig Jahre nach ihrer ersten Begegnung mit einem maskierten Täter geraten die verbliebenen Mitglieder der damaligen Gruppe - Shorty Meeks (Marlon Wayans), Ray Wilkins (Shawn Wayans), Cindy Campbell (Anna Faris) und Brenda Meeks (Regina Hall) erneut in Lebensgefahr. Der Mörder, auch bekannt als Ghostface, scheint es abermals auf sie abgesehen zu haben und knüpft an die Ereignisse von damals an.

Sechsundzwanzig Jahre nach ihrer ersten Begegnung mit einem verdächtig vertrauten maskierten Killer kehren die verbliebenen Mitglieder der ursprünglichen Gruppe unter der Regie von Michael Tiddes zurück. Shorty Meeks gespielt von Marlon Wayans, Ray Wilkins von Shawn Wayans, Cindy Campbell von Anna Faris und Brenda Meeks von Regina Hall geraten erneut in die Kreuzfeuer eines Killers, und kein Horrorfilm-IP ist vor ihnen sicher. Der berüchtigte Ghostface kehrt zurück und knüpft an die Ereignisse von damals an, während die Handlung einer Gruppe von Freunden folgt, die sich nach vielen Jahren wieder zusammenfindet, als Chaos ausbricht. Mit "Scary Movie" feiert die Kultreihe nach 13 Jahren ihr Comeback gemeinsam mit ihren ursprünglichen Schöpfern. Die Wayans-Brüder Kee­nen Ivory, Shawn und Marlon Wayans sind erstmals seit "Scary Movie 2" aus dem Jahr 2001 wieder an Bord. Marlon Wayans kehrt als Shorty zurück und ist erneut am Drehbuch beteiligt, gemeinsam mit Shawn Wayans, Keenen Ivory Wayans und Rick Alvarez. 

Die Parodien dieses Mal greifen bewusst aktuelle Horrorfilme auf. Als Inspirationsquelle dienen unter anderem "The Substance", "Blood & Sinners", "Weapons", "Terrifier", "Longlegs", "Get Out", "Halloween", "Wednesday", "Final Destination", "Smile" und natürlich "Scream". Der Film nimmt die sogenannte Cancel Culture satirisch ins Visier und verspricht politisch inkorrekte Comedy, wie man sie in der heutigen Zeit nur noch selten sieht. Marlon Wayans sagt dazu, sie wollten den Spaß zurückbringen und glauben, das gehe nur, wenn sie die Cancel Culture canceln. Doch trotz dieses Versprechens und der Rückkehr der Originalbesetzung gibt es Probleme, denn wenn man die Referenzen zu modernem Horror wegnimmt, hätte dieser Film bereits 2006 erscheinen können. Fast jeder Witz im Trailer sei etwas, das man schon von nervigen Familienmitgliedern gehört habe. Der Film scheint mehr auf Social-Media-Kultur abzuzielen als auf Horror als Genre selbst. Das enttäuscht, denn die Wayans-geführten Teile waren clevere, liebevolle Parodien auf Horrorfilme, die beim Publikum auch gut ankamen.

"Scary Movie" ist ein Film, der meint zu wissen, was seine Fans wollen, und liefert eigentlich auch genau das, was sie von der Reihe erwarten: Derber Humor, Grenzüberschreitungen und eine Gruppe von Figuren, die wieder zusammenkommen, stehen im Mittelpunkt. Aber es ist auch ein Film, der zu oft in die Vergangenheit blickt und viel zu stumpf. Die Witze sind beileibe nicht so scharf wie früher, die Parodien längst nicht so clever wie im ersten Teil, und manchmal fühlt es sich an, als hätte man einen fünfzehnjährigen Jungen aus 2005 eingefroren und ihn moderne Horrorfilme parodieren lassen. Die Originalbesetzung ist hingegen stark, Anna Faris und Regina Hall tragen ihre Charaktere mit Selbstsicherheit, und die Wayans-Brüder bringen ihre gewohnte Dynamik zurück. Wenn das ganze doch nur witziger wäre! Mit viel Wohlwollen könnte man "Scary Movie" als ehrlichen Versuch, eine Kult-Reihe zurückzubringen, ansehen. Mit den ursprünglichen Schöpfern, einem Cast, der die Charaktere liebt, und dem Willen, Grenzen zu überschreiten, sollte der Film eigentlich genug bieten, um Fans zufriedenzustellen. Doch irgendwie will und will der Funke nicht überspringen.

5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Miramax/Paramount Pictures/Wayans Brothers Entertainment

El Mariachi (1992)

https://www.imdb.com/title/tt0104815/

Eigentlich möchte der Mariachi (Carlos Gallardo) nur als Musiker arbeiten. Doch ein Gangsterboss hält ihn für den Killer Azul (Reinol Martinez), der seine Waffen in einem Gitarrenkoffer mit sich rumzutragen pflegt. Die Verwechslung wird perfekt, als beide Koffer unfreiwillig vertauscht werden. Und dann sorgt auch noch die Liebe für weitere Gefahr: Der Mariachi und die Barbesitzerin Domino (Consuelo Gómez) haben ein Auge aufeinander geworfen. Dummerweise wird die Bar von Unterweltchef Mocco (Peter Marquardt) finanziert - und der steht selbst auf Domino. Ein blutiger Kampf zwischen vermeintlichen und echten Gangstern nimmt seinen Lauf...

"El Mariachi" ist einer jener seltenen Debütfilme, die man nicht nur sieht, sondern auch ihre Herstellungsbedingungen spürt. Robert Rodriguez baute 1992 aus einem winzigen Budget, improvisierten Mitteln und einer erstaunlichen Portion formalen Instinkts einen Film, der wie ein südlich glühender Albtraum aus Verwechslung, Gewalt und romantischer Tollpatschigkeit wirkt. Der Film ist unglaublich unterhaltsam und besitzt jene unmittelbare Energie, die entsteht, wenn jemand mit wenig Geld, aber sehr klarer filmischer Vorstellungskraft arbeitet. Die einfache Prämisse der Story ist das stabile Fundament des Films: Ein Mann, der von Musik lebt, wird in eine Welt gedrängt, in der die Gitarrentasche plötzlich zum Symbol für Gewalt wird. Rodriguez macht daraus keinen eleganten Metaphernfilm, sondern einen direkten, fiebrigen Genre-Cocktail, in dem sich Western, Gangsterfilm und Melodrama ständig ineinander schieben. Was an "El Mariachi" sofort auffällt, ist seine visuelle Konsequenz. Selbst ohne große Mittel versteht Rodriguez, wie man Bildräume organisiert: enge Gassen, staubige Straßen, improvisierte Innenräume, harte Lichtkontraste. Das Ergebnis ist kein polierter Studiofilm, sondern ein raues Stück Kino, das seine Begrenzungen in Stil verwandelt. Gerade weil vieles so direkt und knapp erzählt ist, hat der Film eine physische Qualität, die größere Produktionen oft verlieren: Man spürt die Hitze, die Enge, die Gefahr und die ständige Unsicherheit, ob dieser Held jemals in Ruhe spielen oder nur noch rennen wird.

Auch die Gewalt des Films ist bemerkenswert. Sie ist nicht virtuos im großen Hollywood-Sinn, aber sie ist deutlich genug, um die Welt des Films als brutal und unversöhnlich zu markieren. Dass die Effekte gelegentlich einfach oder sogar unbeholfen wirken, nimmt ihnen nicht ihre Funktion; sie zeigen eher, wie kompromisslos Rodriguez in seinem eigenen Ton bleibt. Der Film ist kein feingeschliffenes Meisterstück, sondern ein ehrlicher, wild zusammengenieteter Überlebenskünstler. Genau das macht ihn sympathisch und, auf seine Weise, beeindruckend. Das Entscheidende ist jedoch, dass "El Mariachi" nie bloß eine Bastelarbeit bleibt. Hinter der improvisierten Oberfläche steckt echtes Erzählen: Figuren werden klar geführt, Spannung wird effizient aufgebaut, und die Geschichte entwickelt trotz ihrer Kürze einen kleinen emotionalen Bogen. Die Beziehung des Mariachi zu Domino bringt eine überraschende Zärtlichkeit in den Film, und diese Zärtlichkeit ist wichtig, weil sie die Gewalt nicht romantisiert, sondern ihr etwas Menschliches entgegensetzt. 

Damit bleibt "El Mariachi" vor allem ein Beweis dafür, dass Kino nicht von Geld, sondern von Blick, Rhythmus und Entschlossenheit lebt. Rodriguez machte aus einem Minimalbudget (gerade mal etwas über 7.000$ (9.000$ waren geplant)) einen Film mit Maximalwirkung, und genau deshalb ist er bis heute so oft als Referenz für unabhängige Filmemacher genannt worden. Er ist roh, schnell, manchmal ungehobelt - aber er hat Herz, Stil und die seltene Kühnheit, aus sehr wenig sehr viel zu machen. Das ist ein Film, der beweist, dass eine gute Idee und ein störrischer Wille manchmal mehr wert sind als ein ganzes Studio voller Geld. 

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Los Hooligans Productions

Mittwoch, 3. Juni 2026

Four Rooms - Silvester in fremden Betten (1995)

https://www.imdb.com/de/title/tt0113101/

Manchmal ist es doch wirklich besser, einfach mal im Bett liegen zu bleiben. Ted (Tim Roth) ist der neue Page im ehemals noblen, nun heruntergekommenen Hotel "Mon Signor" und soll dort ausgerechnet in der Sylvesternacht zu seinen ersten Diensten antreten. Im Verlaufe des Abends gerät Ted zunächst an die "Honeymoon Suite", wo ein mysteriöser Hexenbund versucht, mit obskuren Ritualen an "Die fehlende Zutat" zu gelangen. Weiter geht’s zu einem psychopathischen Ehemann, welcher in Ted den Lover seiner Frau sieht und diesen zugleich mit Psychosexspielchen beschäftigt. In der dritten Episode macht sich ein knallharter Latino-Gangster (Antonio Banderas) mit seiner Frau auf den Weg zu einer wilden Silvesterparty und vertraut dabei Ted seine Kinder an. Doof nur, dass sich diese im Laufe des Abends immer mehr zu kleinen Terroristen entwickeln... Die letzte Station bildet das Penthouse, wo Chester Rush (Quentin Tarantino) und seine durchgedrehte Gefolgschaft (mit dabei Bruce Willis) Silvester feiern. Als wäre das nicht schon schlimm genug, soll nun Ted den Vollstrecker einer alten Hitchcock-Wette spielen, in der ein Mann seinen kleinen Finger darauf verwettet, dass er es schafft, ein Feuerzeug zehnmal in Folge anzuzünden...

Vier Regisseure (Allison Anders, Alexandre Rockwell, Quentin Tarantino und Robert Rodriguez), vier Hotelzimmer, eine Silvesternacht und ein unglückseliger Page namens Ted, gespielt von Tim Roth, der zwischen Ritualen, Ehekrieg, verwöhnten Kindern und einem absurden Promi-Wetteinsatz hin- und hergejagt wird, als wäre er die einzige Zigarettenkippe in einem überfüllten Aschenbecher. "Four Rooms" ist einer dieser Episodenfilme, die das Chaos nicht vermeiden, sondern geradezu als Programm feiern. Das Ergebnis ist etwas ungleichmäßig, aber nie langweilig. Dies ist ein Film mit einem herrlich komischen Segment, einem brauchbaren und zwei, die nur behäbig funktionieren - also ein Mischmasch, der mehr über die Temperamente seiner Macher verrät als über die Klammerhandlung selbst. Doch gerade darin liegt auch sein Reiz: "Four Rooms" ist keine sauber austarierte Anthologie, sondern ein Ausbruch unterschiedlicher komischer Instinkte, die sich in denselben Flur verirrt haben. 

Am stärksten ist der Film, wenn er Tim Roth einfach laufen lässt. Ted ist kein klassischer Held, sondern ein überforderter Überlebender, dessen Nacht immer grotesker wird, ohne dass der Film ihm jemals die Würde eines Auswegs gönnt. Roth spielt ihn mit genau der richtigen Mischung aus Nervosität, Unterwürfigkeit und zunehmend genervter Resignation. Dass er den ganzen Abend überlebt, ist bereits ein kleiner Triumph; dass er dabei halbwegs bei Verstand bleibt, ein Wunder. Besonders auffällig ist die Lust am Exzentrischen. Die einzelnen Episoden sind wie kleine Laboratorien des Geschmacks: Allison Anders setzt auf Hexen und weibliche Dynamik, Alexandre Rockwell auf ein morbides Ehedrama, Robert Rodriguez auf hyperaktive Kinder und Tarantino auf selbstverliebte Gewaltpossen, die er mit seinem typischen Sprachwitz auflädt. Nicht alles sitzt, und nicht alles soll sitzen. Der Film lebt gerade davon, dass die Folgen seiner Ungleichheit sichtbar bleiben. 

Mehr noch, der Film nutzt seine eigene Instabilität als Energiequelle. Ein sauberer Episodenfilm würde die Übergänge glätten; "Four Rooms" stolpert lieber charmant durch seine eigene Silvesternacht, als würde er jederzeit über eine Champagnerflasche oder einen verfluchten Türspion fallen. Manche Einfälle wirken zu lang, manche Pointen zu laut, manche Szenen wie Skizzen statt voll ausformulierten Geschichten. Aber gerade die Übertreibung macht den Reiz aus: Hier geht es nicht um Ausgewogenheit, sondern um den Rausch des Überdrehten. Am Ende bleibt "Four Rooms" ein Film, der nicht aus Geschlossenheit lebt, sondern aus Temperament. Er ist ein ungleiches, aber vergnügliches Experiment, das einmal glänzt, einmal schwankt und sich nie so verhält, als wolle es jemandem gefallen. Und genau deshalb ist er, trotz aller Brüche, ein ziemlich zimmerlauter Spaß: Man verlässt ihn nicht mit dem Gefühl eines perfekten Films, sondern mit dem Erinnerungswert einer Nacht, in der man nie wusste, welche Tür als Nächstes aufgehen würde. 

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Miramax/A Band Apart

Montag, 1. Juni 2026

The French Connection - Brennpunkt Brooklyn (1971)

https://www.imdb.com/title/tt0067116/

Die befreundeten New Yorker Detectives "Popeye" Doyle (Gene Hackman) und "Cloudy" Russo (Roy Scheider) haben in einem Jahr mehr Junkies festgenommen als ihre Kollegen, aber letztlich nur kleine Fische. Ihr Chef (Eddie Egan) ist zudem nicht besonders erfreut über die Methoden, mit denen insbesondere Doyle seinen Beruf ausübt. Doyle schleppt Russo in ein Restaurant, in dem sich einige tatsächliche bzw. vermeintliche Gangster treffen. Zu ihnen gehört Sal Boca (Tony Lo Bianco), den Doyle für einen Drogendealer hält. Schnell erfahren sie, dass ein französischer Großdealer namens Alain Charnier (Fernando Rey) sich in New York aufhält. Charnier hat den französischen TV-Star Devereau (Frédéric de Pasquale) dazu überreden können, in dessen Auto 60 kg hochwertiges Heroin zu verstecken, um es über Boca an den Gangsterboss Weinstock (Harold Gary) zu verkaufen.Charnier, der mit seinem Killer Nicoli (Marcel Bozzuffi) in New York aufgetaucht ist, ist ein gewiefter Hund. Schnell merkt er, dass die Polizei ihn, Boca und die anderen Beteiligten beschattet. Die Jagd beginnt...

Regisseur William Friedkin macht aus Robin Moores Buchvorlage keinen eleganten Detektivfilm, sondern einen nervösen, schmutzigen, fast fiebrigen Gang durch New York, in dem die beiden Detectives "Popeye" Doyle (Gene Hackman) und "Cloudy" Russo (Roy Scheider) wie Männer wirken, die ihre Umwelt nicht beobachten, sondern attackieren. "Brennpunkt Brooklyn" ist damit einer jener seltenen Kriminalfilme, die nicht nur spannend sind, sondern sich anfühlen, als wären sie athentisch, lebendig, greifbar und direkt aus dem Gesamtbild ihrer Stadt herausgeschnitten. Allein das berühmt gewordene Verfolgungsstück unter der Hochbahn ist nur der spektakulärste Ausdruck einer Inszenierung, die den ganzen Film mit einer fast dokumentarischen Härte auflädt. Friedkin interessiert sich nicht für glatte Ermittlungsroutine, sondern für Bewegung, Instinkt und Obsession. Die Kamera bleibt dicht an den Figuren, die Schnitte haben Biss, und die Stadt selbst wirkt nicht wie Kulisse, sondern wie ein feindseliger Organismus. Wer diesen Film heute sieht, versteht schnell, warum er so oft in einer Reihe mit den größten Verfolgungs- und Actionsequenzen genannt wird - er macht Tempo nicht aus Glamour, sondern aus Verzweiflung. 

Gene Hackman trägt den Film mit einer Leistung, die man am besten als erschreckend selbstverständlich beschreibt. Sein "Popeye" Doyle ist kein charmanter Cop, kein Vorbild, kein sauberer Held, sondern ein Mann mit einem kaputten moralischen Kompass, der sich an seinem Job festbeißt, weil er sonst kaum etwas hat, woran er sich festhalten könnte. Genau darin liegt die Größe der Figur: Er jagt nicht nur Drogenhändler, weil sie das Gesetz brechen, sondern weil ihn die Jagd selbst definiert. Hackman spielt ihn mit jener rohen, ungeschliffenen Energie, die den Film zugleich unangenehm und unwiderstehlich macht. Auch die Nebenrollen sind bemerkenswert präzise gesetzt. Roy Scheider bringt als Buddy "Cloudy" Russo eine ruhigere, vernünftigere Gegenfarbe ein, die den Wahnsinn von Popeyes Impulsen umso deutlicher erscheinen lässt. Fernando Rey als Alain Charnier verleiht dem Gegenspieler eine glatte, fast höfliche Kälte, die den Konflikt nicht kleiner, sondern unheimlicher macht. Das Schöne an Friedkins Film ist, dass er seine Gegner nicht zu Karikaturen reduziert; jeder von ihnen hat die Überzeugung, das Richtige zu tun - nur sind ihre Methoden unterschiedlich grausam.

Und das ist der entscheidende Punkt: "Brennpunkt Brooklyn" ist nicht nur wegen seiner berühmten Action stark, sondern weil er versteht, dass Spannung aus Charakter und Geographie entsteht. Die Jagd durch New York hat Gewicht, weil sie aus einer Welt kommt, die schmutzig, hektisch und ungeschönt wirkt. Die Handlung selbst ist im Kern simpel - eine Heroinlieferung, ein Undercover‑Netz, eine obsessive Ermittlung - aber Friedkin verwandelt diese Einfachheit in Druck. Man spürt förmlich, wie die Geschichte immer enger wird, bis sie nur noch aus Bewegung, Schweiß und drohender Gewalt besteht. Was den Film aber über das reine Genre hinaushebt, ist seine Unromantik. Hier gibt es keine sauberen Lösungen, keine heroische Erlösung, keinen endgültigen Triumph. "Brennpunkt Brooklyn" bleibt stets hart, unversöhnlich und am Ende beinahe nihilistisch in seiner Weigerung, die Welt moralisch zu ordnen. Gerade deshalb hält er so gut stand: Er ist nicht bloß ein Klassiker des Polizeifilms, sondern ein Stück Kino, das die schroffe, nervöse Energie einer ganzen Epoche in Bilder verwandelt hat und am Ende bleibt ein Film, der so direkt und körperlich wirkt, dass man beinahe den Lärm der Stadt im Ohr behält, wenn der Abspann längst gelaufen ist. "Brennpunkt Brooklyn" ist ein Klassiker, weil er nicht geschniegelt klassisch sein will, sondern schmutzig, hart und unruhig bleibt. Und genau darin liegt seine bis heute ungebrochene Wucht.

8/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork:  Twentieth Century Fox/Schine-Moore Productions//D'Antoni Productions

Swordfish - Passwort: Swordfish (2001)

https://www.imdb.com/title/tt0244244/

Gangster Gabriel (John Travolta) plant einen neun Milliardencoup mit seiner Freundin Ginger (Halle Berry). Doch dafür brauchen sie den Computerhacker Stanley (Hugh Jackman). Der darf nach einem Gefängnisaufenthalt seine Tochter nicht mehr sehen. Also wird er mit der Aussicht überredet, nach dem Coup genug Geld zu bekommen, um sich einen Anwalt für den Sorgerechtsstreit leisten zu können. Der Hacker willigt ein und programmiert einen Computerwurm, der es Gabriel ermöglicht, 9,5 Millionen Dollar von der Weltbank zu erbeuten - eine Summe, die für Terroranschläge ausgegeben werden soll...

Ein Film, der sich mit der großspurigen Selbstsicherheit eines Computerspezialisten benimmt, aber das Charisma eines Energy-Drinks hat: laut, schillernd, ziemlich sicher, dass er cooler ist als alle anderen, und dabei ständig in der Gefahr, seine eigene Pose für Substanz zu halten. Dominic Sena inszeniert hier den High-Tech-Thriller "Passwort: Swordfish" über Cyberkriminalität, Regierungsgeheimnisse und einen Mann, der für Geld und Kontrolle in Systeme eindringt, bis der Film selbst wie ein Hack wirkt: nicht in eine Maschine, sondern in die Aufmerksamkeit des Publikums. Das Problem ist, dass der Film seine eigene Oberflächenenergie mit Intelligenz verwechselt. Der Film will wie ein moderner, zynischer Thriller über die Macht der Netze wirken, doch vieles daran ist weniger präzise als protzig: Explosionen, digitale Interfaces, flotte Schnitte, schnelle Sprüche, eine Handlung, die immer weiter in Richtungen ausgreift, die sie nicht wirklich vertieft. Man spürt, dass das Drehbuch von Skip Woods mehr an der Mechanik der Wendung interessiert ist als an ihren Konsequenzen. Die Konsequenz ist dann oft nur noch eine weitere Pose, ein weiterer Sicherheitscode, ein weiterer Versuch, den Zuschauer mit Tempo davon abzulenken, dass die innere Logik dünn ist. 

Keine Frage: Ein Thriller kann ja durchaus absurd, überdreht oder sogar moralisch fragwürdig sein - aber er muss den Eindruck erwecken, dass seine Welt unter Spannung steht, nicht nur unter Dekoration. "Passwort: Swordfish" hat Stil, keine Frage. Er hat ein schneidiges Tempo, eine digitale Kälte und genug Testosteron, um einen kleinen Flughafen zu heizen. Aber es hat zu wenig Gefühl dafür, warum uns diese Leute, diese Daten, diese Deals wirklich interessieren sollten. Und doch ist der Film nicht völlig belanglos. Wer ihn heute sieht, sieht auch ein Stück Früh-2000er-Ästhetik: die Faszination für Hacking als Mythos, für High-Tech als Bedrohung, für Männer im Anzug, die so tun, als würden sie in Echtzeit die Welt umprogrammieren. Dazu kommt eine Besetzung, die mit sichtbarer Lust an der Übertreibung arbeitet. Travolta ist ein Showman, Jackman bleibt angenehm geerdet, Halle Berry erhält Momente, die weit mehr aus ihrem Star-Charisma machen als aus der eigentlichen Figurenzeichnung. 

Am Ende bleibt "Passwort: Swordfish" ein Film, der sich wie ein teurer Irrtum anfühlt, der aber mit solcher Selbstsicherheit vorgetragen wird, dass man ihm ohne Fragen zu stellen verzeiht. Er ist ein Cyberthriller für ein Zeitalter, das seine Angst vor dem Digitalen lieber in Glas, Chrom und Explosionen verpackt als in echte Unsicherheit. Und genau deshalb wirkt er heute wie ein glänzendes Relikt: faszinierend, leer genug, um kalt zu werden, und doch so vollgestopft mit Energie, dass man ihn nicht einfach abschreiben kann.

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Warner Bros.

Samstag, 30. Mai 2026

Star Wars: The Mandalorian And Grogu - The Mandalorian & Grogu (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt30825738/

Nach dem Sturz des Dunklen Imperiums haben sich die verbliebenen Kriegsherren in der Galaxis zerstreut. Während die aus den Trümmern errichtete Neue Republik versucht, die hart erkämpften Errungenschaften der erfolgreichen Rebellion zu bewahren, erhält sie Unterstützung von Din Djarin (Pedro Pascal), einem erfahrenen mandalorianischen Kopfgeldjäger, und seinem jungen Schützling Grogu. Die beiden bekommen den Auftrag Rotta den Hutten (Jeremy Allan White) zu retten, während die paar versprengten Warlords des zerschlagenen Imperiums weiterhin versuchen, an der neuen Ordnung zu rütteln und selbst wieder zu Macht zu gelangen.

"The Mandalorian And Grogu" ist der erste "Star Wars"-Kinofilm seit fast sieben Jahren - und er kommt nicht wie ein episches Vehikel, sondern wie eine verlängerte, aber gut inszenierte Doppelfolge der gleichnamigen Serie. Jon Favreau, der Schöpfer der Serie, führte Regie, schrieb das Drehbuch gemeinsam mit Dave Filoni und produzierte den Film - eine Kontinuität, die Fans vollends entlohnt, die aber auch die Grenzen des Projekts deutlich macht: 

Der Film ist zweigeteilt: Die erste Hälfte ähnelt einer Ansammlung von Fetch-Quests, die sich um die Verfolgung imperialer Überreste drehen; die zweite Hälfte kehrt zur Serie zurück, zu jenen Stellen, wo sie am besten war - Abenteuer, bei denen Mando und Grogu gemeinsam kämpfen und Lehren über Familie lernen. Der Film bietet explosive Action, fantastische Anspielungen, Cameos und Hommagen, gigantische Kampf-Szenen und schöne Bilder aus der "Star Wars"-Welt. Die Action-Beats kommen alle paar Minuten, damit niemand einschläft. Grogu, der eukalyptusfarbene Lehrling - zierlich, animatronisch, mit faltigem Gesicht und wackelnden Ohren - kontrastiert mit der sonstigen glatten Ästhetik. Seine ausdrucksstarken Augen und lebendigen Ohren sind voll sichtbar, und er bleibt nach wie vor entzückend charmant. Die Beziehung zwischen Mando und Grogu trägt den Film - sie kämpfen gemeinsam, lernen voneinander, und die Familien-Botschaft ist hier glaubwürdiger als in der dritten Staffel der Serie. Pedro Pascal spielt Mando mit schneller Intensität, robuster Stärke und unerschütterlichem Stoizismus, auch wenn er immer maskiert bleibt und gerade mal 5 Minuten sein Gesicht zeigen darf. Sigourney Weaver ist offenbar auf Autopilot, aber ihre Präsenz wirkt. Martin Scorsese spricht ein paar Zeilen mit story-relevanten Informationen - ein herrlicher Moment, gerade weil Scorsese 2019 noch zum Disney/MARVEL/Star Wars-Franchise sagte, dass sich solch ein Kino wie ein "Freizeitpark" anfühle und "kein echtes Kino" sei. Das macht seine Aussage im Film, als Mando seine Figur, das Ardennianer-Alien und Sandwich-Koch Hugo Durant, großzügig bezahlt ("Dafür erzähle ich euch was immer ihr wollt") besonders amüsant. Auch amüsant sind die kleinen Anspielungen und Szenen, die Favreau bewusst in den Film einbaute: Eine der markantesten Verfolgungsjagden im Film ist eine direkte Hommage an William Friedkins berühmten Crime-Klassiker von 1971: "Brennpunkt Brooklyn", eines der Gebäude  Ein Gebäude auf Shakari, welcher derb an "Blade Runner" erinnert, trägt den Namen "Weathers Apollo", eine direkte Widmung an den 2024 verstorbenen Schauspieler, der in der Serie den Greef Karga spielte. Die Arena-Kämpfe scheinen direkt aus "Gladiator" zu stammen und dass die Arena "rein zufällig" wie das Schachspiel aus "Star Wars: Epsiode IV: Eine neue Hoffnung" aussieht und dann auch noch dieselben Kreaturen auftauchen ist auch kein Zufall. Auch Jonny Coynes Darstellung des Janu ist stark von Telly Savalas selbstgefälliger, charismatischer Interpretation von Bonds größtem Widersacher Ernst Stavro Blofeld beeinflusst, und die verschneite Kulisse scheint auch die Schauplätze für den epischen Auftakt von "The Mandalorian and Grogu" inspiriert zu haben, in dem Din Djarin - genau wie James Bond in "James Bond 007: Im Geheimdienst Ihrer Majestät" - einen Berg hinabfährt, um die Welt zu retten. Nur dass Din das mit einem imperialen AT-RT tut (es ist schließlich immer noch "Star Wars"). Din Djarins Kopfgeldjäger-Gegner Embo (gesprochen von Co-Autor Dave Filoni, der auch in der Bar ein eindeutiges Cameo hat) ist ein Kyuzo, eine außerirdische Spezies, die nach dem Schwertmeister aus "Die sieben Samurai" benannt wurde, gespielt von Seiji Miyaguchi. Kurosawas Held tritt zwar würdevoller auf als der skrupellose Söldner aus "The Mandalorian And Grogu", ist aber genauso tödlich. Und vergessen wir mal nicht die Aufnahmen von X-Wings und Kampfpiloten vor dem sonnendurchfluteten Horizont. Die Bilder sind beeindruckend, was vor allem daran liegt, dass sie aus Tony Scotts Blockbuster "Top Gun" von 1986 stammen. 

Und dies sind Punkte, die einem Filmfan das Herz höher schlagen lassen. Klar, "The Mandalorian And Grogu" fühlt sich immer noch sehr wie zwei verlängerte Episoden der Serie an, die an einem Punkt zusammengenäht wurden. Die erste Hälfte ist intermittierend unterhaltsam, aber auch irgendwie mühsam. Trotz gestochen scharfer Aufnahmen wirkt das Bild zu dunkel und zu schlammig. Action-Sequenzen sind fast verdeckt, einzelne Beats schwer zu entziffern. Der Film ist zudem sehr laut - ich habe noch nie so extravagante Blaster-Geschosse gehört. Es toppt nicht die seismische Bombe, die Jango Fett in "Star Wars Episode II: Angriff der Klonkrieger" zündet, doch es rummst ordentlich. Und apropos rummst: Der Score von Ludwig Göransson ist der eigentliche Star des Films. Elektronische Klänge, vermischt mit klassischen Tönen - das passt wunderbar und bleibt im Ohr. Das Ergebnis ist damit kaum langweilig, aber nicht so begeisternd, wie Favreau, Filoni und Noah Kloor vielleicht beabsichtigt hatten. Man kann nur noch einmal betonen: Es wirkt alles oft weniger als ein Film, als eine verlängerte Folge der Serie. Doch alldem zum Trotz fühlt sich "The Mandalorian And Grogu" auch sehr richtig an. Er ist ein charmantes "Star Wars"-Kino-Comeback nach fast sieben Jahren. Er bietet explosive Action, eine Prise Humor, Emotionen und Abenteuer - und er ist wirklich spaßig trotz kleinerer Mängel, Logiklöcher (die sogar Kindern auffallen) und Ungereimtheiten. Doch er spielt wie eine mittelbeste Doppelfolge der Serie, und ich bin nicht sicher, ob er der begeisternde Hit ist, den Disney braucht, um das Kinoerlebnis für das "Star Wars"-Franchise wiederzubeleben. Viele werden den Kinobesuch vermeiden und auf den Stream warten. Bei Kindern, für die dieser Film eindeutig gemacht ist, wird er wahrscheinlich sehr gut ankommen - und für eine Generation, die noch nicht die Freude von "Star Wars" auf der großen Leinwand erlebt hat, ist er wahrscheinlich gut genug - ein unterhaltsamer, actionreicher Weltraum-Western, der nicht den Sprung zum echten Kinofilm schafft. Er ist gut genug für eine neue Generation - aber vielleicht nicht der alles-begeisternde Hit, den Disney oder das "Star Wars"-Franchise braucht.

7/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Disney/Lucasfilm