Donnerstag, 9. Juli 2026

Evil Dead Burn (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt31170389/
https://letterboxd.com/film/evil-dead-burn/

Nach dem Verlust ihres Mannes sucht eine Frau Zuflucht auf dem abgeschiedenen Anwesen seiner Familie, in der Hoffnung, dort Unterstützung zu finden. Die angespannte Atmosphäre schlägt jedoch in offene Bedrohung um, als die Anwesenden nacheinander von einer unheimlichen Kraft erfasst und zu Deadites verwandelt werden. Mitten in diesem Chaos wird sie mit Versprechen aus der Vergangenheit konfrontiert, deren Bedeutung weit über den Tod hinausreicht und sie nun zwingt, sich den daraus entstehenden Folgen zu stellen...

Nur ganz wenige Horror-Filmreihen sind allein aufgrund ihrer Kompromisslosigkeit und Brutalität so bekannt geworden wie das "Evil Dead"-Franchise. ("Terrifier" vielleicht noch, aber da kommt eine erweiterte Sadismus-Komponente dazu.) Das Markenzeichen dieser Film ist seit jeher das absolut Böse, welches sich in den Menschen einnistet, deren Körper auf grausamste und gleichzeitig kreative Art und Weise verstümmelt - und dabei einen Heidenspaß hat. Das Franchise beinhaltete auch bis heute Szenen, die, egal wie oft man diese gesehen hat, immer wieder aufs Neue wehtun. Das Brotscheidemesser oder das Cuttermesser in "Evil Dead", die Käsereibe in "Evil Dead Rise" - die Macher fanden immer wieder neue Alltagsgegenstände, die sie mit äußerst schmerzhaften Methoden auf den menschlichen Körper anwendeten. Doch im Vergleich mit dem neuen "Evil Dead Burn" des französischen Regisseurs Sébastien Vaniček können "Evil Dead" und "Evil Dead Rise" gemessen am Gewaltlevel quasi einpacken.

Auch kaum eine Horrorr-Filmeihe schafft es seit über vier Jahrzehnten, sich immer wieder neu zu erfinden und dabei ihrem Kern treu zu bleiben. Nach dem überraschend starken "Evil Dead Rise" führt Vaniček die Reihe nun konsequent fort - und liefert einen Film ab, der die bekannten Zutaten aus Blut, Dämonen und schwarzem Humor mit einer beklemmenden Familiengeschichte verbindet. Das Ergebnis gehört zwar nicht zu den absoluten Höhepunkten der Reihe, ist aber ein ausgesprochen gelungener Beitrag, der den Zuschauer bestens bedient. Im Mittelpunkt steht Alice (Souheila Yacoub), die nach dem Tod ihres Mannes Zuflucht bei ihren Schwiegereltern auf einem abgelegenen Anwesen sucht. Die Hoffnung auf Trost hält allerdings nicht lange an, denn das Böse lässt nicht lange auf sich warten. Ja, selbstverständlich sind die Protagonisten erneut so blöde und lesen aus dem "Buch der Toten, dem Necronomicon, und ja, natürlich überschlägt sich dann die ganze Situation innerhalb von gefühlten Minuten. Nach und nach werden Familienmitglieder von den Deadites besessen und das Trauerwochenende entwickelt sich zu einem blutigen Überlebenskampf, bei dem niemand sicher ist. Die Reihe bleibt sich dabei treu und verbindet familiäre Konflikte mit gnadenlosem Horrorkino. 


Was sofort auffällt, ist die Atmosphäre. Vaniček setzt deutlich stärker auf düsteren Terror als auf überdrehten Humor. Das abgelegene Landhaus entwickelt sich schnell zu einem beklemmenden Albtraum, dessen enge Räume und dunklen Flure permanent Spannung erzeugen. Doch statt sich ausschließlich auf Gore zu verlassen (und keine Sorge, den gibt es reichlich!), baut der Film seine Bedrohung geduldig auf und erzeugt immer wieder Momente, in denen man förmlich darauf wartet, dass das Chaos losbricht. Sobald die Deadites die Kontrolle übernehmen, liefert "Evil Dead Burn" genau das, was Fans der Reihe erwarten durften: Splatter und Gore ungeschönt. Die Make-up-Effekte sind hervorragend, die Besessenen wirken gleichermaßen verstörend wie grotesk und die Gewaltszenen sind kreativ inszeniert. Vermutlich ist "Evil Dead Burn" damit sogar der kompromisslosesten Teil der gesamten Reihe. Bestimmt nicht der blutigsten (Für das "Evil Dead"-Remake wurden fast 50.000 Gallonen (ca. 190.000 Liter) Kunstblut verwendet.), wohl aber der brutalste.


Auch Souheila Yacoub überzeugt als Hauptfigur. Sie verleiht Alice genügend Verletzlichkeit, ohne dabei zur klassischen Horror-Protagonistin zu werden. Ihre emotionale, klassische Ausgangslage - Trauer, Schuld und familiäre Spannungen - gibt dem Film einen überraschend ernsten Unterton, der den Horror zusätzlich verstärkt. Das übrige Ensemble erfüllt seine Aufgabe ebenfalls solide und trägt dazu bei, dass die familiären Konflikte glaubwürdig wirken, bevor das übernatürliche Grauen endgültig übernimmt. Auch handwerklich bewegt sich der Film auf einem sehr hohen Niveau. Die Kameraarbeit erzeugt eine permanente Unruhe, während Sounddesign und Musik den psychologischen Druck zusätzlich verstärken. Besonders erfreulich ist, dass viele der Splattereffekte wieder praktisch umgesetzt wurden. Das verleiht den Gewaltszenen eine angenehm greifbare Wirkung und erinnert an die handgemachte Ästhetik, für die die Reihe seit jeher bekannt ist.


Die Handlung ist leider nicht so originell wie der Rest. Sie folgt letztlich bekannten Mustern der Reihe und überrascht erzählerisch nur selten. Einige Figuren bleiben trotz guter Ansätze etwas unterentwickelt, und wer auf größere Neuerungen innerhalb des Franchise gehofft hat, dürfte feststellen, dass sich der Film bewusst auf seine bewährten Stärken konzentriert. Gerade im Mittelteil entstehen kleinere Längen, bevor das Finale noch einmal ordentlich Tempo aufnimmt. Dennoch gelingt Vaniček der schwierige Spagat, den Geist der Originalfilme zu bewahren und gleichzeitig seinen eigenen Stil einzubringen. "Evil Dead Burn" fühlt sich weder wie eine bloße Kopie noch wie ein übertriebener Neuanfang an. Stattdessen erweitert der Film die Reihe  sinnvoll und zeigt erneut, dass das "Evil Dead"-Universum noch lange nicht auserzählt ist. 

Im Grunde ist der Film dann auch genau die Fortsetzung, die man sich als Fans wünschte: düster, gnadenlos, atmosphärisch und herrlich blutig. Zwar fehlen der Geschichte die ganz großen Überraschungen und einige Figuren hätten mehr Tiefe vertragen, doch die intensive Atmosphäre, starke Effekte und der kompromisslose Horrorfaktor machen den Film zu einem der stärksten Genrebeiträge des Jahres und zu einem würdigen neuen Kapitel der legendären Reihe.

8/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/ArtworkNew Line Cinema/Screen Gems/Ghost House Pictures/Domain Entertainment

They See You - The Watchers (2024)

https://www.imdb.com/title/tt26736843/

Die 28 Jahre alte Künstlerin Mina (Dakota Fanning) ist auf der Suche nach Inspiration für ihr nächstes Werk und strandet in einem riesigen Urwald im Westen Irlands, der nicht kartografiert ist und in dem seltsamerweise jedes Auto, das sich ihm nähert, an der Baumgrenze liegen bleibt. Nach den ersten Momenten der Panik und der Unsicherheit gelingt es dem Mädchen, einen Unterschlupf zu finden, wo sie drei verzweifelte und verängstigte Fremde trifft, die behaupten, sich seit mehreren Tagen verirrt zu haben und jede Nacht von einer unerbittlichen Gruppe mysteriöser Kreaturen verfolgt zu werden. Diese von den Streunern als Wächter bezeichneten Kreaturen tauchen angeblich auf, um ihre menschlichen Gefangenen zu beobachten und all jenen, die den Unterschlupf nicht rechtzeitig erreichen, schreckliche Dinge anzutun, was ihre Odyssee zu einer Überlebensstrategie im Unbekannten macht.

Ishana Night Shyamalans Regiedebüt "The Watchers" musste sich von Beginn an mit den Filmen ihrs Vaters M. Night Shyamalan vergleichen lassen. Basierend auf dem gleichnamigen Roman von A.M. Shine präsentiert sie einen Mystery-Horrorfilm, der weniger auf klassische Schockeffekte setzt als auf dichte Atmosphäre, irische Folklore und ein stetig wachsendes Gefühl des Unbehagens. Das Ergebnis ist durchaus sehenswert, bleibt am Ende aber hinter seinen eigenen Ambitionen zurück. Dabei wirken die endlosen Wälder Irlands gleichermaßen wunderschön wie bedrohlich, und Shyamalan versteht es, diese Kulisse wirkungsvoll einzusetzen. Nebel, Dunkelheit und die permanente Unsicherheit darüber, was sich zwischen den Bäumen verbirgt, sorgen für eine konstant angespannte Grundstimmung. Gerade in der ersten Filmhälfte lebt "The Watchers" von dieser geheimnisvollen Inszenierung, die das Kopfkino geschickt arbeiten lässt. Auch Dakota Fanning trägt den Film souverän. Ihre zurückhaltende Darstellung macht Mina zu einer glaubwürdigen Hauptfigur, deren Unsicherheit und Neugier gleichermaßen nachvollziehbar bleiben. Unterstützt wird sie von Georgina Campbell und Olwen Fouéré, die der kleinen Gruppe zusätzliche Dynamik verleihen. Die Chemie zwischen den Figuren funktioniert insgesamt gut, auch wenn manche Nebencharaktere etwas blass bleiben.

Positiv fällt außerdem auf, dass "The Watchers" nicht versucht, sein Publikum mit permanenten Jump Scares zu erschrecken. Stattdessen setzt der Film auf langsamen Spannungsaufbau, geheimnisvolle Andeutungen und die Faszination für die zugrunde liegende Mythologie. Die Anleihen bei irischen Sagen und Märchen verleihen der Geschichte eine angenehme Eigenständigkeit und unterscheiden sie von vielen anderen aktuellen Horrorproduktionen. Genau hier beginnt allerdings auch das größte Problem des Films. Je näher die Handlung ihrer Auflösung kommt, desto stärker verliert die Geschichte an Wirkung. Was anfangs geheimnisvoll und faszinierend erscheint, wird im letzten Drittel zunehmend durch ausführliche Erklärungen ersetzt. Die Enthüllungen wirken dabei weniger überraschend als erhofft und nehmen dem Mysterium einen Teil seiner Faszination. Das Drehbuch schafft es einfach nicht, seine vielen Ideen letztlich überzeugend zusammen zu führen verlässt sich lieber zu sehr auf Erklärungen. Auch das Erzähltempo ist nicht immer optimal. Während die ersten Szenen von ihrer mysteriösen Stimmung profitieren, entstehen im Mittelteil einige Längen. Die Handlung tritt stellenweise auf der Stelle, bevor sie gegen Ende plötzlich sehr viele Informationen in kurzer Zeit vermittelt. Dadurch wirkt das Finale etwas überladen und emotional weniger wirkungsvoll, als es eigentlich sein könnte.

Dennoch sollte man "The Watchers" nicht vorschnell abschreiben. Gerade als Regiedebüt zeigt Ishana Shyamalan ein gutes Gespür für Bildsprache, Atmosphäre und Spannungsaufbau. Es ist ein vielversprechender erster Schritt einer Regisseurin mit erkennbarem Talent. Dass nicht jede erzählerische Entscheidung aufgeht, schmälert diesen positiven Eindruck nur teilweise. Wer ruhigen Mystery-Horror mit folkloristischen Elementen und einer geheimnisvollen Atmosphäre schätzt, wird hier durchaus auf seine Kosten kommen. Wer hingegen auf einen großen Twist oder kompromisslosen Horror hofft, dürfte am Ende etwas ernüchtert sein. Ein sehenswerter Genrebeitrag, der Lust auf weitere Arbeiten von Ishana Night Shyamalan macht - auch wenn er hier das große Potenzial seiner Prämisse nicht vollständig ausschöpft.

5,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkBlinding Edge Pictures/Inimitable Pictures/Fís Éireann/Screen Ireland

Mittwoch, 8. Juli 2026

Lake Mungo (2008)

https://www.imdb.com/title/tt0816556/

Die 16-jährige Alice Palmer ertrinkt im örtlichen Stausee. Als ihr Tod als Unfall abgehakt ist, wird sie von ihrer trauernden Familie begraben. In der Folge erlebt die Familie eine Reihe von unerklärlichen Vorkommnissen, die sich in und um ihr Haus herum abspielen. Beunruhigt nehmen die Palmers die Dienste des Parapsychologen Ray Kemeny in Anspruch. Ray entdeckt, dass Alice ein heimliches Doppelleben geführt hat. Die Spuren führen die Familie direkt zum Lake Mungo, wo sie mit Alices Vergangenheit konfroniert wird...

Wer bei "Lake Mungo" einen klassischen Found-Footage-Schocker mit permanenter Anspannung und einer Flut an Jump Scares erwartet, dürfte überrascht sein. Joel Andersons australischer Independent-Film geht einen völlig anderen Weg. Statt auf laute Schockmomente setzt "Lake Mungo" auf eine dokumentarische Erzählweise, unterschwelligen Horror und eine melancholische Geschichte über Verlust und Trauer. Das macht den Film zu einem ungewöhnlichen Genrevertreter - wenn man sich darauf einlassen kann. Anderson verzichtet fast vollständig auf die typischen Mechanismen moderner Horrorfilme und baut stattdessen langsam ein Gefühl von Unbehagen auf. Die Bedrohung ist selten sichtbar, sondern entsteht vielmehr durch Andeutungen, Stille und die allmähliche Erkenntnis, dass hinter Alices Tod weit mehr steckt, als zunächst angenommen. Dadurch entwickelt der Film eine unterschwellige Beklemmung, die einen noch nach dem Abspann beschäftigt. 

Gleichzeitig ist "Lake Mungo" weniger ein Geisterfilm als vielmehr ein Drama über Trauer. Der eigentliche Horror entsteht nicht allein durch mögliche übernatürliche Ereignisse, sondern durch die Erkenntnis, wie wenig die Familienmitglieder tatsächlich voneinander wussten. Je tiefer die Nachforschungen gehen, desto deutlicher wird, dass Alice ein Leben führte, das selbst ihren Eltern weitgehend verborgen geblieben war. Diese emotionale Ebene verleiht dem Film eine Tiefe, die viele Genreproduktionen vermissen lassen. Es ist eine ebenso traurige wie unheimliche Auseinandersetzung mit Verlust und Vergänglichkeit. Auch schauspielerisch funktioniert das Konzept erstaunlich gut. Die Darsteller wirken nie wie klassische Filmfiguren, sondern eher wie echte Menschen, die in einer Dokumentation über ein tragisches Ereignis interviewt werden. Gerade diese Natürlichkeit trägt erheblich dazu bei, dass die Geschichte glaubwürdig erscheint. Man vergisst zeitweise beinahe, dass man einen Spielfilm sieht.

Allerdings bringt genau dieser dokumentarische Stil auch einige Probleme mit sich. Das Erzähltempo ist ausgesprochen ruhig und verlangt wirklich Geduld. Über lange Strecken passiert nur wenig, stattdessen besteht der Film aus Interviews, Fotos und Rekonstruktionen. Wer auf klassische Horrorszenen oder eine kontinuierliche Spannungssteigerung hofft, kann sich stellenweise unterfordert fühlen. Die konsequente Atmosphäre ist zwar lobenswert, leider kann der Film seine Wirkung nicht bis zum Ende vollständig aufrechterhalten. Hinzu kommt, dass manche Wendungen zu konstruiert wirken und nicht jede Enthüllung die gewünschte emotionale oder erzählerische Wirkung entfaltet. Einige Handlungsstränge verlaufen im Sande oder werfen neue Fragen auf, ohne sie wirklich zu beantworten. Das passt zwar grundsätzlich zur mysteriösen Ausrichtung des Films, ist aber dennoch kaum zufriedenstellend.

Trotzdem besitzt "Lake Mungo" einen Moment gegen Ende, der ohne große Effekte oder laute Musik einen Schock erzeugt, der sich tief einprägt und die gesamte Geschichte im Nachhinein noch einmal in einem anderen Licht erscheinen lässt. Das macht aus "Lake Mungo" einen insgesamt ungewöhnlichen Horrorfilm, der den Zuschauer eben nicht mit Jump Scares, sondern mit Atmosphäre, Trauer und subtiler Beklemmung konfrontiert. Die authentische Inszenierung, die glaubwürdigen Darsteller und einige nachhaltig verstörende Momente machen den Film sehenswert. Als melancholischer Mystery-Horror funktioniert "Lake Mungo" ganz gut - als packender Horrorfilm hingegen nur mit kleinen Einschränkungen.

6,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkMungo Productions/Screen Australia/SBS Independent

Dienstag, 7. Juli 2026

Into the Wild (2007)

https://www.imdb.com/de/title/tt0758758/
https://letterboxd.com/film/into-the-wild/

m Sommer 1990 hat Christopher McCandless (Emile Hirsch) sein Studium mit Bestnoten abgeschlossen. Seine berufliche Zukunft sieht blendend aus. Doch der junge Mann ist an solchen Oberflächlichkeiten nicht interessiert. Er wird von ideellen Werten angetrieben, denen seine gut situierten Eltern (William Hurt und Marcia Gay Harden) nicht genügen können. Für Chris ist klar: Er will kein Teil seiner heuchlerischen Umgebung werden. Nachdem er alle seine Ersparnisse der Wohlfahrt gespendet hat, beginnt er im Sommer 1990 eine Reise durch die Vereinigten Staaten, eine Suche nach sich selbst. Der Weg führt ihn über Kalifornien, den Grand Canyon, Mexiko und Washington State final nach Alaska, wo er in der unwirtlichen Ödnis nur von der Natur ernährt überleben will. Unterwegs macht er Bekanntschaft mit einem alternden Hippie-Paar (Catherine Keener, Brian Dierker), einem über-enthusiastischen, FBI-gesuchten Farmvorarbeiter (Vince Vaughn), einer frühreifen Aussteiger-Nymphe (Kristen Stewart) und einem vereinsamten Witwer (Hal Halbrook). All diese Menschen prägen Chris, aber von seinem Ziel lässt er sich nicht abbringen...

Regisseur Sean Penn adaptierte den gleichnamigen Sachbuch-Bestseller von Jon Krakauer und erzählt die wahre Geschichte von Christopher McCandless - einem jungen Mann, der dem materiellen Wohlstand den Rücken kehrt, um in der Wildnis Alaskas nach einem einfacheren, freieren Leben zu suchen. Das Ergebnis ist ein bewegendes Roadmovie, das gleichermaßen inspiriert, fasziniert und zum Nachdenken anregt. Dieser Film ist einer der seltenen Exemplare, die weniger von ihrer Handlung als von ihren Gedanken und Gefühlen leben. Penn inszeniert diese Reise mit viel Ruhe und Respekt vor ihrer realen Vorlage. Statt aus McCandless einen unfehlbaren Helden zu machen, zeigt der Film einen jungen Mann voller Ideale, Widersprüche und Fehler. Gerade diese differenzierte Darstellung macht "Into The Wild" so interessant. Der Film romantisiert seinen Protagonisten nicht vollständig, sondern lädt das Publikum dazu ein, selbst über dessen Entscheidungen nachzudenken. 

Emile Hirsch liefert dabei eine herausragende Leistung ab und trägt den Film durchgehend im Alleingang. Er verkörpert Christopher mit einer Mischung aus jugendlichem Idealismus, Abenteuerlust und wachsender Unsicherheit. Seine Darstellung macht nachvollziehbar, warum Menschen sich von McCandless' Geschichte gleichermaßen angezogen und irritiert fühlen. Ein weiterer großer Pluspunkt sind die beeindruckenden Landschaftsaufnahmen. Ob endlose Wüsten, gewaltige Berge oder die raue Natur Alaskas - Kameramann Éric Gautier fängt die Schönheit der amerikanischen Landschaft in eindrucksvollen Bildern ein. Die Natur wird dabei nicht nur zur Kulisse, sondern zu einem eigenen Charakter, der gleichermaßen Freiheit und Gefahr verkörpert. Diese visuellen Eindrücke gehören ohne Zweifel zu den größten Stärken des Films. Auch der Soundtrack trägt maßgeblich zur Wirkung bei. Die eigens komponierten Songs von Eddie Vedder verleihen vielen Szenen eine melancholische, fast meditative Stimmung und unterstreichen die emotionale Reise des Protagonisten perfekt. Musik und Bilder verschmelzen immer wieder zu Momenten, die lange im Gedächtnis bleiben und wesentlich dazu beitragen, dass "Into The Wild" eine so intensive Atmosphäre entwickelt.

Neben seiner beeindruckenden Inszenierung überzeugt der Film auch durch seine philosophische Ebene und Themen. Freiheit, Konsumkritik, Selbstbestimmung und die Suche nach dem Sinn des Lebens ziehen sich wie ein roter Faden durch die gesamte Geschichte. Gleichzeitig stellt Sean Penn immer wieder die Frage, ob völlige Unabhängigkeit tatsächlich glücklich macht oder ob der Mensch letztlich doch auf die Nähe anderer angewiesen ist. Mit einer Laufzeit von knapp zweieinhalb Stunden nimmt sich der Film allerdings etwas zu viel Zeit für seine Episoden, wodurch das Erzähltempo stellenweise etwas gemächlich ausfällt. Einige Begegnungen wirken leicht episodisch und bremsen den erzählerischen Fluss. Zudem neigt der Film gelegentlich dazu, seinen Protagonisten etwas zu idealisieren, auch wenn er dessen Fehlentscheidungen letztlich nicht verschweigt. "Into The Wild" ist aber auch kein Film, der einfache Antworten liefert oder sein Publikum belehren möchte. Stattdessen erzählt er eine zutiefst menschliche Geschichte über Träume, Freiheit und die Konsequenzen radikaler Entscheidungen. Gerade weil der Film seinen Zuschauer zum Nachdenken anregt, entfaltet er seine größte Wirkung oft erst nach dem Abspann.

8/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkRiver Road Entertainment/Paramount Vantage/Linson Entertainment/Square One C.I.H./Into the Wild

Montag, 6. Juli 2026

The Haunting Of Bly Manor - Spuk in Bly Manor (2020)

https://www.imdb.com/de/title/tt10970552/

Nach einem schweren Schicksalsschlag nimmt die junge Lehrerin Dani Clayton (Victoria Pedretti) Reißaus nach England. Dort tritt sie im Auftrag des wohlhabenden Henry Wilgrave (Henry Thomas) schließlich eine neue Stelle an, für die sie wie gemacht zu sein scheint: So soll sie auf dessen abgeschiedenem Landsitz Bly Manor die Betreuung seiner Nichte Flora (Amelie Bea Smith) und seines Neffen Miles (Benjamin Evan Ainsworth) übernehmen, deren Eltern zwei Jahre zuvor ums Leben gekommen sind. Dani wird von den etwas sonderbaren, aber aufgeweckten Kindern sowie den im Anwesen arbeitenden Angestellten um Koch Owen (Rahul Kohli), Haushälterin Mrs. Grose (T’Nia Miller) und Gärtnerin Jamie (Amelia Eve) sehr herzlich empfangen. Allerdings häufen sich bald die merkwürdigen Vorkommnisse in und um das alte Haus. Neben ihren eigenen Dämonen scheinen auch die Geister aktueller und früherer Bewohner hier ihr Unwesen zu treiben...

https://www.imdb.com/title/tt8030600/
1. Der großartig gute Ort (The Great Good Place)
2007, Nordkalifornien: Nach dem Probedinner für eine Hochzeit versammeln sich das Brautpaar und die Gäste am Kamin. Als sie auf Gespenstergeschichten zu sprechen kommen, beginnt eine ältere Frau, eine Geschichte über zwei Kinder zu erzählen. 1987, England: Dani Clayton erhält bei Henry Wingrave eine Stellung als Au-pair, auf seine Nichte und seinen Neffen in Bly Manor aufzupassen und sie zu erziehen. Ihre Vorgängerin soll sich das Leben genommen haben. Auf dem Anwesen trifft sie die Kinder Flora und Miles und die Angestellten Koch Owen, Hannah und später Gärtnerin Jamie. Flora, die in ihrem Zimmer ein Puppenhausmodell des Anwesens hat, warnt sie, nachts ihr Zimmer nicht zu verlassen, um der Frau aus dem See zu entgehen. Dani sieht einen Fremden auf dem Grundstück und es gibt Anrufe, bei denen sich niemand meldet. In einer Nacht bringen die Kinder sie dazu, in Floras Schrank zu gehen, und schließen sie ein, worauf sie in Panik ausbricht. Nachdem sie sie wieder hinauslassen, sind auf dem Flurboden schlammige Fußabdrücke. - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt8205860/
2. Der Schüler (The Pupil)
Sechs Monate vorher: Nachdem Miles am Semesterbeginn im Internat einen Brief von Flora mit der Nachricht "Komm nach Hause" erhalten hat, beginnt er sich danebenzubenehmen, etwa mit einer Prügelei und indem er einen Vogel umbringt, sodass er nach Hause geschickt wird. Dani lässt die Kinder den Boden wischen, worauf Miles eine Puppe von Flora den Wäscheschacht hinunterwirft, und die Gartenarbeit übernehmen. Beim Aufräumen von Danis Sachen findet Flora eine zerbrochene Brille, was diese zum Weinen bringt. In Spiegeln sieht sie immer wieder eine Figur mit Scheinwerferlicht in den Brillengläsern. Beim Versteckspielen mit den Kindern findet Dani im Zimmer der verstorbenen Eltern ein Foto der früheren Erzieherin Rebecca mit ihrem Geliebten, dem Fremden, den sie gesehen hatte. Als dieser wieder vor einem Fenster erscheint, kippt Miles ohnmächtig um. - 7,5/10

https://www.imdb.com/title/tt8205862/
3. Die zwei Gesichter, Teil Eins (The Two Faces, Part One)
Ein Jahr vorher: Rebecca Jessel wird nach einem Bewerbungsgespräch bei Henry Wingrave und Peter Quint als Erzieherin der Kinder eingestellt. In Bly Manor verrät sie Peter, dass sie hofft, ein Anwaltspraktikum bei Henry zu ergattern. Sie flirten miteinander und beginnen eine Affäre, die Hannah missbilligt. Bald schon wird Peter besitzergreifend und eifersüchtig, als sie nett zu Owen ist. Ein Polizist hat bei seinem Rundgang Peter Quint, der Henry Geld gestohlen haben soll, nicht gefunden, also gehen Dani und Jamie selbst auf Suche. Die anderen Angestellten beschließen, über Nacht im Manor zu bleiben. Am nächsten Morgen sieht Flora am See Rebeccas Geist, was sie aufwühlt. Später führen die Kinder auf der Treppe Märchenstunde vor, bei der Flora die Geschichte einer Katze und Miles von einem Puppenmacher erzählt. Währenddessen erhält Owen telefonisch die Nachricht, dass seine Mutter verstorben ist, und fährt weg. Alleine draußen sieht Dani wieder die Scheinwerferfigur und bekommt eine Panikattacke. - 7,5/10

https://www.imdb.com/title/tt8205864/
4. Wie alles kam (The Way It Came)
Rückblicke: Dani war vor Kurzem mit ihrem Kindheitsfreund Edmund verlobt. Dessen Mutter schenkt ihr auf der Feier ihr altes Brautkleid. Bei einem Essen zu zweit sagt Dani Edmund, dass sie ihn nicht heiraten kann. Als er nach einem Streit darüber aus dem Auto aussteigt, wird er von einem Lastwagen erfasst, dessen Scheinwerfer sich in seiner Brille spiegeln. Im Krankenhaus sieht sie erstmals seinen Geist. Dani entscheidet sich, nicht auf die Beerdigung von Owens Mutter zu gehen. Flora paust im Garten Grabsteininschriften ab, auch in der Kirche den Namen Viola Lloyd. Auch Hannah bleibt dort und bereitet mit den Kindern Owens Lieblingsgericht. Bei dem Essen, nachdem Owen überraschend zurückgekehrt ist, benimmt Miles sich wie ein Erwachsener und verlangt Wein. Abends versammeln die Erwachsenen sich an einem Lagerfeuer. Jamie schlägt vor, nach einer alten Tradition symbolische Knochen für die Verstorbenen hineinzuwerfen. Hannah spricht über Rebecca, Jamie über Lord und Lady Wingrave, Owen über seine Mutter. Im Gewächshaus küsst Dani Jamie, aber sieht Edmunds Geist wieder, und Jamie fährt mit Owen ins Dorf. Als Dani nachts aufwacht und angetrunken umhergeht, lenken die Kinder sie ab, während die Frau aus dem See vorbeizieht. Schließlich wirft sie Edmunds Brille in das Feuer. - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt8205866/
5. Der Altar der Toten (The Altar Of The Dead)
Am Lagerfeuer erinnert Hannah sich zurück an Owens Bewerbungsgespräch. Sie springt zwischen verschiedenen Erinnerungen umher, agiert in diesen, als ob sie sich gerade darin befindet, sieht auch Momente, in denen sie eigentlich nicht anwesend war, und kehrt mit neuen Erkenntnissen immer wieder zu dem Bewerbungsgespräch zurück. Erinnerungen: Nach seiner Rückkehr zu Bly und Versöhnung mit Rebecca beginnt Peter, Schmuck aus Charlottes Hinterlassenschaften zu stehlen. Eines Abends schlägt er Rebecca vor, gemeinsam nach Amerika zu gehen, und sie solle packen und ihm vertrauen. In einer Nacht wird er vor den Augen der Kinder von dem Geist der Frau aus dem See an der Kehle gepackt. Er kehrt sofort als Geist zurück und beobachtet, wie sie seinen Körper aus dem Haus schleift. Dabei fährt er für einen kurzen Moment in Miles hinein. Von da an benimmt sich Miles immer wieder Mal wie ein Erwachsener, etwa indem er raucht. Eines Tages, als Hannah Miles mit Peter am Brunnen sieht, stößt Peter in Miles’ Körper sie den Brunnen hinunter, wo sie stirbt und als Geist zurückkehrt. In dem Moment kommt Dani an und begrüßt sie. - 8,5/10

https://www.imdb.com/title/tt8205868/
6. Das glückliche Eck (The Jolly Corner)
Flora sieht Rebeccas Geist und wird von ihr in ihre Erinnerungen weggesteckt, was für die anderen scheint, als ob sie schlafwandle. Abends zeigt Jamie Dani eine Mondblüte und als Owen auf die Kinder aufpasst, schlafen sie nachts miteinander. Auf Danis Anrufe über Floras Zustand reagiert Henry nicht. Er betrinkt sich in seinem Büro im Selbstgespräch mit seiner dunklen Seite in Erinnerung an die verstorbenen Wingraves. Er ist der stumme Anrufer in Bly Manor, da nie Flora abhebt. Schließlich beschließt er, zum Anwesen zu fahren. Als auch Dani Rebecca und Peter sieht, will sie mit Flora fliehen, aber Miles schlägt sie von hinten nieder. Erinnerungen: Dominic kommt gerade rechtzeitig zur scheinbaren Frühchengeburt von Flora. Als Flora fünf Jahre alt ist, sieht sie den Geist eines Jungen ohne Gesicht, dem sie laut Henry eine Geschichte geben soll. Zu ihrem sechsten Geburtstag schenkt Henry ihr das Puppenhaus und Dominic erkennt, dass Henry Floras Vater ist, den er darauf im Büro aus dem Anwesen verbannt. Nachdem Dominic und Charlotte als zweite Flitterwochen nach Indien gefahren sind, erhält Henry bald darauf die Nachricht, dass sie durch einen Unfall verstorben sind. Als der Geist des Jungen eine Puppe in das Modellhaus legt, gibt Flora ihm eine Maske für das Gesicht. - 7,5/10

https://www.imdb.com/title/tt8205870/
7. Die zwei Gesichter, Teil Zwei (The Two Faces, Part Two)
Dani ist auf dem Dachboden gefesselt und geknebelt. Während die Kinder vorschlagen, sie solle auch in Erinnerungen weggesteckt werden und traumwandeln, gleiten Rebecca und Peter selbst in Erinnerungen an. Als sie wieder da sind, sollen die Kinder ihnen nun helfen, damit sie nicht verblassen und ihr Gesicht verlieren; die Kinder würden im Gegenzug für immer in Erinnerungen weggesteckt, in denen sie mit ihren Eltern leben. Gerade als die Kinder die Geister in sich gelassen haben, ruft Hannah nach ihnen und Miles geht zu ihr. Er zwingt sie, den Brunnen hinabzuschauen, wodurch Hannah erkennt, dass sie tot ist. Währenddessen bindet Flora Dani los und enthüllt, dass sie und Rebecca nur geflunkert haben. Dani flieht mit Flora nach draußen, aber wird von der Frau aus dem See gepackt. Erinnerungen: Nachdem ein Polizist mit Hannah und Rebecca darüber spricht, dass Peter scheinbar Wertsachen gestohlen habe und abgehauen sei, erzählt Miles Rebecca, ein Monster habe Peter geholt. Jamie ermutigt Rebecca, Henry endlich auf das Anwaltspraktikum anzusprechen. Plötzlich zeigt Peter sich Rebecca und klärt sie auf, dass er ein Geist ist und das Anwesen nicht verlassen kann. Sie können sich nicht berühren, aber Peter kann in sie hineinfahren, wobei er nach kurzer Zeit ausgestoßen wird. Damit sie zusammenbleiben können, bittet sie ihn in sich hinein, wodurch er ihren Körper übernimmt. Als Rebecca geht Peter in den See und ertränkt sie so, damit sie auch ein Geist wird. Flora und Jamie sehen die treibende Leiche. - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt8205872/
8. Die Romantik mancher alter Kleider (The Romance Of Certain Old Clothes)
An dieser Stelle schiebt die Erzählerin eine andere Geschichte über Bly ein. Die Szenen dieser Geschichte sind als Schwarzweißfilm dargestellt. Mitte des 17. Jahrhunderts: Nachdem die Schwestern Viola und Perdita Willoughby ihren Vater verloren haben, heiratet die ältere Viola aus strategischen Gründen den Verwandten Arthur Lloyd, entwickelt aber bald auch Liebe zu ihm und bekommt eine Tochter namens Isabel. Während sie wertvolle Kleider ansammelt, erkrankt sie an der Lunge (wahrscheinlich Tuberkulose) und muss von der Familie in einem anderen Schlafzimmer separiert werden. Sie weigert sich, den Ritus des Vikars nachzusprechen, damit Gott ihre Seele aufnehme, und zu sterben. Nach fünf Jahren, in denen Viola verbittert und Perdita und Arthur sich angenähert haben, lässt Viola ihre Kleider für Isabel in einer Truhe auf dem Dachboden verwahren. Als Arthur auf Reisen ist, erstickt Perdita ihre Schwester, worauf bald Perdita und Arthur heiraten. An Violas sechsten Todestag entscheidet Perdita aus Geldnot die Truhe zu öffnen und wird dabei von Violas Geist erwürgt. Als Arthur und Isabel das Anwesen verlassen, werfen sie die Truhe in den See, worauf Viola beschließt, nicht ins Jenseits überzugehen. Sie geht immer wieder auf der Suche nach ihrer Tochter zu ihrem Schlafzimmer im Anwesen und zurück in den See. Wenn Menschen dabei ihren Weg kreuzen, tötet sie diese. Mit der Zeit verblasst sie und ihr Gesicht. Als sie einmal ein Kind in dem Bett sieht, nimmt sie ihn in den See mit (Floras Junge ohne Gesicht). - 8,5/10

https://www.imdb.com/title/tt8205874/
https://www.imdb.com/title/tt8205876/
9. Das Tier im Dschungel (The Beast in the Jungle)
Während Viola Dani in das Haus schleift, geht sie durch Hannah hindurch. In ihrem alten Zimmer bittet Flora sie, Dani gehen zu lassen, und Viola nimmt das Mädchen in ihren Armen zum See mit. Henry kommt an, den Viola zu Boden wirft, und dann Owen und Jamie zusammen. Auf Bitte Rebeccas lässt Flora diese in sich hinein, damit Rebecca stattdessen das Ertrinken fühlt, aber gerade bevor Viola und Flora unter der Oberfläche sind, bittet Dani Viola in sich hinein und ist an ihrer Stelle, sodass sie Flora aus dem See retten kann. Darauf ist Violas Kraft gebrochen und alle Geister erlöst; Peter verschwindet aus Miles, Hannah verschwindet und Owen und Jamie sehen ihre Leiche im Brunnen. Henry mit den Kindern sowie Dani, die spürt, dass Viola in ihr wartet, und Jamie ziehen darauf jeweils nach Amerika, wo die beiden ein Blumengeschäft betreiben. Nach fünf Jahren macht Dani Jamie einen symbolischen Antrag, da sie nicht legal heiraten können. Sie besuchen Owen, der in Paris ein Restaurant zu Ehren Hannahs eröffnet hat; er erzählt ihnen, dass die Kinder sich nicht mehr an die Vorfälle in Bly erinnern können. Dani sieht Viola in Spiegelungen und hat Angst, sich selbst zu verlieren. Als Dani eines Tages verschwunden ist, fährt Jamie nach Bly und findet sie im See ertrunken. Ihr weiteres Leben hindurch versucht Jamie, in Spiegelungen Dani zu sehen. Rahmenhandlung: Als die Erzählerin mit der Geschichte endet, sagt sie auf die Nachfrage einer Frau, man könne kein Anwesen mit dem Namen Bly finden, aber es gebe das Anwesen wirklich. Nachdem alle anderen gegangen sind, bleibt nur die Braut bei ihr. Sie sagt, es sei eine Liebesgeschichte gewesen, und spricht als lustigen Zufall an, dass Flora ihr zweiter Vorname sei. Bei der Hochzeitsfeier sieht die Erzählerin, Jamie, die Personen der Geschichte wieder, wie sie damals waren. In ihrem Hotelzimmer hofft sie schließlich, dass Dani zu ihr kommt. - 8,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkIntrepid Pictures/Amblin Television/Paramount Television Studios

Futureworld - Futureworld: Das Land von Übermorgen (1976)

https://www.imdb.com/title/tt0074559/
https://letterboxd.com/film/futureworld/

Die Handlung spielt einige Jahre nach den katastrophalen Ereignissen von Westworld. Der Freizeitkonzern Delos hat seine Anlagen wieder aufgebaut und lädt ausgewählte Journalisten ein, die Sicherheit und Fortschrittlichkeit des neuen Freizeitparks "Futureworld" zu begutachten. Die Reporter Chuck Browning (Peter Fonda) und Tracy Ballard (Blythe Danner) werden jedoch misstrauisch, als Hinweise auf eine größere Verschwörung auftauchen. Schon bald entdecken sie, dass Delos weit mehr plant als die Unterhaltung zahlungskräftiger Besucher - und dass modernste Robotertechnologie möglicherweise dazu genutzt wird, die mächtigsten Menschen der Welt zu ersetzen.

Fortsetzungen stehen oft vor der schwierigen Aufgabe, die Welt eines erfolgreichen Films zu erweitern, ohne dabei dessen Reiz zu verlieren. Genau daran scheitert "Futureworld", zumindest teilweise. Drei Jahre nach Michael Crichtons einflussreichem Science-Fiction-Thriller "Westworld" kehrte das Delos-Universum zurück - diesmal unter der Regie von Richard T. Heffron. Statt erneut auf Spannung und technologischen Terror zu setzen, schlägt die Fortsetzung einen anderen Weg ein und entwickelt sich zu einer Mischung aus Verschwörungsthriller, Science-Fiction-Abenteuer und technologischem Zukunftsmärchen. Das Ergebnis ist durchaus unterhaltsam, erreicht jedoch nie die Klasse oder Intensität seines Vorgängers. Der stärkste Aspekt von "Futureworld" ist zweifellos seine Grundidee. Während "Westworld" vor allem von außer Kontrolle geratenen Maschinen handelte, beschäftigt sich die Fortsetzung mit Identitätsverlust, Klonen, Manipulation und der Frage, ob Technologie dazu genutzt werden könnte, politische und wirtschaftliche Machtstrukturen zu kontrollieren. Rückblickend wirken manche dieser Themen erstaunlich modern und greifen Ängste auf, die auch heute noch relevant erscheinen. 

Auch Blythe Danner hinterlässt einen positiven Eindruck. Ihre Figur Tracy Ballard bringt deutlich mehr Energie in die Geschichte als der oftmals etwas passiv wirkende Chuck Browning. Danner gelingt es, selbst in den ruhigeren Szenen Interesse aufrechtzuerhalten, und sie sorgt für einige der besten Momente des Films. Peter Fonda bleibt solide, wirkt jedoch nicht immer so engagiert, wie die Geschichte es eigentlich verlangen würde. Interessant ist zudem der historische Stellenwert des Films. "Futureworld" gehört zu den frühen Science-Fiction-Produktionen, die Computergrafiken einsetzten. Einige der digitalen Animationen waren damals technisch bemerkenswert und gelten heute als kleine Meilensteine der Filmgeschichte. Natürlich wirken diese Effekte aus heutiger Sicht sehr einfach, besitzen aber einen gewissen nostalgischen Charme. 

Leider offenbaren sich mit zunehmender Laufzeit auch die Schwächen des Films. Das größte Problem ist das Tempo. Während "Westworld" seine Bedrohung konsequent aufbaute und den Zuschauer permanent unter Druck setzte, verliert sich "Futureworld" häufig in Besichtigungen futuristischer Attraktionen und längeren Expositionsszenen. Die Spannung entwickelt sich nur schleppend, und viele der faszinierenden Ideen werden erst sehr spät wirklich relevant. Hinzu kommt, dass die Inszenierung stellenweise überraschend bieder wirkt. Der Film ist zu glatt und fast fernsehhaft inszeniert. Wo Michael Crichtons Original noch eine unangenehme, beinahe bedrohliche Atmosphäre erzeugte, wirkt "Futureworld" oftmals wie eine geführte Tour durch ein futuristisches Freizeitresort. Selbst die Verschwörung entfaltet nie ganz die Dringlichkeit, die ihr eigentlich innewohnt. Selbst das Finale hinterlässt einen etwas zwiespältigen Eindruck. Die Enthüllungen sind interessant und besitzen großes Potenzial, doch die Auflösung wirkt überraschend zurückhaltend. Die Geschichte deutet wesentlich größere Konsequenzen an, als sie dann letztlich tatsächlich ausspielt. Dadurch fehlt dem Schluss die Wucht, die man nach dem Aufbau der Handlung erwarten würde. 

Trotz dieser Schwächen bleibt "Futureworld" ein durchaus noch sehenswerter Science-Fiction-Film seiner Zeit. Er mag nicht die Spannung von "Westworld" besitzen, bietet aber einige interessante Zukunftsvisionen und eine Verschwörungsgeschichte, die ihrer Epoche teilweise voraus war. Gerade Fans klassischer 70er-Jahre-Science-Fiction dürften Gefallen an den charmanten Ideen, den futuristischen Designs und der nostalgischen Atmosphäre finden. Als nostalgischer Science-Fiction-Thriller funktioniert er durchaus, als große Fortsetzung bleibt er jedoch hinter seinen Möglichkeiten zurück.

5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkAmerican International Pictures/The Aubrey Company

Sonntag, 5. Juli 2026

Westworld (1973)

https://www.imdb.com/title/tt0070909/
https://letterboxd.com/film/westworld/

Im Freizeitpark der Zukunft kann jeder den Helden spielen! Ob Cowboy, Ritter oder römischer Herrscher - der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Die Gegner und Statisten sind allesamt Androiden, die "verletzt" oder gar "getötet" werden können, während den Menschen durch eine spezielle Sensorik in den Waffen nichts geschehen kann. Peter Martin (Richard Benjamin) und John Blane (James Brolin) beschließen den Wilden Westen unsicher zu machen. Durch einen Systemfehler geraten die Androiden außer Kontrolle und die Sicherheitsprotokolle für die Waffen werden aufgehoben. Aus dem Spiel wird plötzlich tödlicher Ernst. Der mechanische Revolverheld (Yul Brynner), den Peter bereits zweimal im Duell geschlagen hat, macht sich - gemäß seiner Programmierung - auf die Suche nach seinem Gegner, um Rache für die Niederlage zu nehmen...

Lange bevor Michael Crichton mit "Jurassic Park" ein weltweites Phänomen erschuf, beschäftigte ihn bereits eine Frage, die bis heute nichts von ihrer Faszination verloren hat: Was passiert, wenn Technologie versagt und die Kontrolle über künstlich erschaffene Welten verloren geht? Die Antwort lieferte er 1973 mit "Westworld", einem Science-Fiction-Thriller, der nicht nur als Regiedebüt Crichtons beeindruckte, sondern auch den Grundstein für zahlreiche spätere Filme und Serien legte. Aus heutiger Sicht wirkt manches technisch überholt, doch die Ideen hinter dem Film sind erstaunlich modern geblieben. Was "Westworld" auch mehr als fünf Jahrzehnte nach seiner Veröffentlichung so interessant macht, ist die enorme Weitsicht seiner Grundidee. Themen wie künstliche Intelligenz, Automatisierung und die Gefahren technologischer Abhängigkeit wirken heute aktueller denn je. Besonders eindrucksvoll bleibt die Figur des namenlosen Revolvermannes, gespielt von Yul Brynner. Mit seinem schwarzen Outfit und seinem emotionslosen Blick wird er schnell zur eigentlichen Hauptattraktion des Films. Anfangs dient er lediglich als Attraktion für die Besucher, doch sobald die Systeme versagen, entwickelt er sich zu einer unaufhaltsamen Bedrohung. Seine stoische Präsenz verleiht dem Film eine Spannung, die bis heute hervorragend funktioniert. 

Dabei nimmt sich "Westworld" zunächst überraschend viel Zeit für den Aufbau seiner Welt. Crichton interessiert sich sichtbar für die Möglichkeiten seines futuristischen Freizeitparks. Die ersten Szenen wirken fast wie eine Werbebroschüre für Delos und laden den Zuschauer dazu ein, sich selbst vorzustellen, wie es wäre, in eine perfekt simulierte Vergangenheit einzutauchen. Diese ausführliche Einführung verleiht der späteren Eskalation zusätzliches Gewicht. Gleichzeitig sorgt sie jedoch dafür, dass der Film im ersten Drittel etwas gemächlicher wirkt. Sobald die Katastrophe beginnt, entwickelt sich "Westworld" jedoch zu einem spannenden Verfolgungsthriller. Die zweite Hälfte lebt vor allem von der simplen, aber effektiven Idee eines Gegners, der niemals müde wird, niemals aufgibt und immer näher kommt. Die Spannung entsteht weniger durch Action als durch die stetig wachsende Ausweglosigkeit der Situation. In dieser Hinsicht funktioniert der Film auch heute noch erstaunlich gut. 

Natürlich merkt man dem Film sein Alter an. Die Figuren bleiben teilweise recht oberflächlich, und einige Dialoge wirken aus heutiger Sicht etwas hölzern. Auch die Spezialeffekte besitzen nicht mehr dieselbe Wirkung wie in den 1970er-Jahren. Gleichzeitig liegt darin aber auch ein gewisser Charme. Besonders interessant ist, dass "Westworld" zu den ersten Filmen gehörte, die digitale Bildbearbeitung einsetzten - ein kleiner technischer Meilenstein, dessen Bedeutung oft übersehen wird. Letztlich bleibt "Westworld" ein faszinierender Science-Fiction-Klassiker, dessen Einfluss auf das Genre kaum überschätzt werden kann. Viele seiner Konzepte wurden später von anderen Filmen und Serien weiterentwickelt, doch die ursprüngliche Vision besitzt bis heute ihren ganz eigenen Reiz.

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Metro-Goldwyn-Mayer