https://www.imdb.com/title/tt27165187/https://letterboxd.com/film/the-end-of-oak-street/Ein rätselhaftes kosmisches Ereignis reißt die Nachbarschaft der Familie Platt aus ihrer gewohnten Umgebung und versetzt sie an einen unbekannten Ort, an dem Dinosaurier die Landschaft beherrschen. Für Denise (Anne Hathaway), Greg (Ewan McGregor) sowie ihre Kinder Brian (Christian Convery) und Audrey (Maisy Stella) beginnt damit ein gefährlicher Überlebenskampf. In der fremden Welt lauern zahlreiche Bedrohungen, denen die Familie nur gemeinsam entgegentreten kann. Während sie nach einem Ausweg sucht und versucht, sich in der ungewohnten Umgebung zurechtzufinden, wird der Zusammenhalt der Platts immer wieder auf die Probe gestellt. Um die Herausforderungen zu meistern und einen Weg zurück nach Hause zu finden, müssen sie sich aufeinander verlassen und den Gefahren der prähistorischen Welt stellen.
David Robert Mitchell ist zurück - und er bringt Dinosaurier mit. Acht Jahre nach "Under The Silver Lake" meldet sich der Regisseur von "
It Follows" mit "The End Of Oak Street" überraschend im großen Mainstream-Kino zurück. Produziert von J. J. Abrams und mit Anne Hathaway und Ewan McGregor prominent besetzt, verbindet der Film nostalgisches 80er-Jahre-Abenteuerkino mit Science-Fiction, Familiendrama und handfestem Dinosaurier-Survival. Das Ergebnis ist nicht ganz der große Klassiker, den seine ambitionierte Ausgangslage verspricht, aber ein ausgesprochen unterhaltsames und atmosphärisches Abenteuer. Was zunächst wie ein ziemlich verrückter "
Jurassic Park"-Abklatsch klingt, entwickelt sich erfreulicherweise zu einer Mischung aus mehreren bekannten Spielberg- und Amblin-Motiven. Genau darin liegt zugleich die größte Stärke und Schwäche des Films. "The End Of Oak Street" liebt das Abenteuerkino der 1980er-Jahre ganz offensichtlich. Die Vorstadt, die Kinderfiguren, die Familie in einer außergewöhnlichen Situation, die Dinosaurier und die Mischung aus Spannung und Sentimentalität erinnern immer wieder an eine Zeit, in der große Genreunterhaltung noch stärker von Figuren als von Franchise-Mythologien lebte.
Mitchell kopiert Spielberg allerdings nicht einfach. Wer "
It Follows" kennt, erkennt schnell seine Handschrift wieder. Schon dort machte er vertraute amerikanische Wohngegenden zu unheimlichen Orten. Auch hier beginnt der Schrecken nicht sofort mit einem Dinosaurierangriff, sondern mit kleinen Veränderungen, die zunächst kaum einzuordnen sind. Die sommerliche Vorstadt wirkt plötzlich falsch: Die Hitze nimmt zu, Pflanzen erscheinen, wo sie nicht hingehören, und die Umgebung entwickelt eine merkwürdige Fremdartigkeit. Diese langsame Verschiebung vom Alltäglichen ins Unheimliche gehört zu den gelungensten Elementen des Films. Dabei ist die Kameraarbeit von Michael Gioulakis ein wichtiger Trumpf. Mitchell nutzt ungewöhnliche Bildkompositionen, Split-Diopter-Aufnahmen und sorgfältig aufgebaute Räume, um die vermeintliche Sicherheit der Vorstadt zu unterlaufen. Die Dinosaurier werden nicht permanent ins Bild gestellt, sondern teilweise über Geräusche, Bewegungen und die Reaktionen der Figuren angekündigt. Das erzeugt stellenweise tatsächlich Spannung, statt lediglich CGI-Spektakel abzuspulen.
Die Dinosaurier selbst sind natürlich das große Verkaufsargument - und der Film weiß das. Glücklicherweise behandelt Mitchell sie nicht ausschließlich als digitale Attraktionen. Gerade die Begegnungen mit den Tieren besitzen häufig etwas Bedrohliches und Unberechenbares. Der Film versteht, dass ein Dinosaurier nicht unbedingt permanent brüllen und Menschen jagen muss, um beeindruckend zu sein. Ein Schatten, ein Geräusch oder ein plötzlich auftauchender Kopf können bereits reichen. Hier unterscheidet sich "The End Of Oak Street" wohltuend von manchen neueren
"Jurassic World"-Filmen, deren Dinosaurier zunehmend wie austauschbare Actionmonster behandelt wurden. Doch letztlich geht es gar nicht hauptsächlich um Dinosaurier. Der eigentliche Kern des Films ist die Familie Platt. Anne Hathaway und Ewan McGregor spielen zwei Menschen, deren Ehe bereits vor der Katastrophe Risse zeigt. Die außergewöhnliche Situation zwingt sie, alte Konflikte beiseitezuschieben und sich wieder aufeinander zu verlassen. Hathaway verleiht Denise dabei eine bemerkenswerte Mischung aus Verletzlichkeit und Entschlossenheit. McGregor wiederum spielt Greg weniger als klassischen Actionhelden denn als Vater, der verzweifelt versucht, seine Familie zusammenzuhalten. Auch Maisy Stella und Christian Convery funktionieren überzeugend als Kinderfiguren, ohne dass der Film sie zu den üblichen nervigen Teenagerklischees degradiert. Gerade Audrey und Brian tragen einen Teil des emotionalen Gewichts der Geschichte.
Das Drehbuch hat allerdings eine gewisse Unentschlossenheit. "The End Of Oak Street" möchte gleichzeitig Familienfilm, Dinosaurierabenteuer, Mystery, Science-Fiction-Thriller und nostalgischer 80er-Jahre-Film sein. Die Mischung funktioniert erstaunlich oft, aber nicht immer harmonisch. Manche Ideen werden eingeführt, ohne später ausreichend vertieft zu werden. Andere wirken wie Überbleibsel aus einem völlig anderen Film. Gerade hier liegt der Abstand zu den großen Vorbildern. Spielberg konnte in "
E.T.", "
Jurassic Park" oder "
Vergessene Welt. Jrassic Park" Abenteuer, Humor, Familiengeschichte und Spektakel miteinander verbinden, ohne dass die einzelnen Bestandteile wie separate Filme wirkten. Mitchell kommt diesem Gleichgewicht nahe, erreicht es aber nicht vollständig. Auch die nostalgische Ebene kann gelegentlich etwas zu offensichtlich wirken. 80er-Jahre-Ästhetik ist inzwischen selbst zum Genre geworden. "The End Of Oak Street" bemüht sich zwar, nicht ständig mit dem Ellenbogen darauf hinzuweisen, dass es ein 80er-Film sein möchte, doch die Referenzen auf das klassische Amblin-Kino sind unübersehbar. Das funktioniert für Zuschauer, die diese Art von Abenteuer lieben, ausgesprochen gut - kann aber auch den Eindruck erwecken, dass Mitchell eher mit Erinnerungen an bessere Filme arbeitet als mit einer völlig eigenen Filmsprache.
Zum Glück besitzt der Film genügend eigene Qualitäten, um nicht ausschließlich von Nostalgie abhängig zu sein. Besonders die familiäre Dynamik gibt dem Abenteuer eine emotionale Grundlage. Die Dinosaurier sind die äußere Bedrohung; die persönlichen Konflikte der Platts bilden die innere. Das ist klassisches Abenteuerkino, aber Mitchell erzählt es mit einem leicht düsteren Unterton, der immer wieder an seine Horrorfilme erinnert. Auch Michael Giacchinos Musik trägt entscheidend zur Atmosphäre bei. Sie darf groß und orchestral werden, ohne jede Szene mit emotionalem Zuckerguss zu überziehen. In Verbindung mit Gioulakis' Bildern entsteht so ein Film, der tatsächlich nach großem Kino verlangt. Bemerkenswert ist außerdem, dass Mitchell nach acht Jahren Pause einen deutlich zugänglicheren Film vorlegt, ohne seine eigene Identität vollständig aufzugeben. "
It Follows" war ein minimalistischer Horrorfilm, "Under The Silver Lake" ein verschrobener Neo-Noir. "The End Of Oak Street" ist dagegen eindeutig auf ein größeres Publikum zugeschnitten. Trotzdem bleibt Mitchells Interesse an fremd gewordenen vertrauten Räumen erhalten. Die Vorstadt ist bei ihm erneut kein sicherer Ort - nur diesmal stehen hinter dem Gartenzaun keine unsichtbaren übernatürlichen Verfolger, sondern Dinosaurier.
Die Schwächen liegen vor allem in der Dramaturgie. Nicht jede Szene besitzt das gleiche Gewicht, und der Film hätte an einigen Stellen durchaus straffer erzählt werden können. Einige Wendungen sind vorhersehbar, und wer einen besonders tiefgründigen Science-Fiction-Film erwartet, wird von der relativ simplen Mythologie enttäuscht sein. Trotzdem überwiegt am Ende der positive Eindruck. "The End Of Oak Street" ist kein "
Jurassic Park", und er möchte es vermutlich auch gar nicht sein. Er ist vielmehr ein liebevoller, manchmal düsterer Rückblick auf eine Form des Abenteuerkinos, die heute seltener geworden ist: eine Geschichte über eine Familie, die in einer unmöglichen Situation zusammenfinden muss - mit Dinosauriern als ziemlich überzeugendem Argument für familiären Zusammenhalt.
"The End Of Oak Street" verbindet 80er-Jahre-Nostalgie, Science-Fiction, Familiendrama und Dinosaurierabenteuer zu einem unterhaltsamen Gesamtpaket. Anne Hathaway und Ewan McGregor geben dem Spektakel eine glaubwürdige emotionale Grundlage, die jungen Darsteller überzeugen, und David Robert Mitchell findet immer wieder Bilder, die deutlich mehr Atmosphäre besitzen als ein gewöhnlicher Blockbuster. Gleichzeitig ist der Film erzählerisch nicht ganz so mutig wie seine Prämisse und kann sich von seinen Spielberg- und "
Jurassic Park"-Vorbildern nie vollständig lösen. Wer großes, klassisch erzähltes Abenteuerkino vermisst, dürfte hier dennoch auf seine Kosten kommen. "The End Of Oak Street" ist vielleicht nicht das Meisterwerk, das aus dieser verrückten Ausgangsidee hätte entstehen können - aber ein sympathischer, spannender und visuell starker Sommerfilm, der seine Dinosaurier ernst genug nimmt, um tatsächlich Spaß zu machen.
7/10
Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Warner Bros. Pictures/Domain Entertainment/Bad Robot/Jackson Pictures