Montag, 14. September 2026

Anacondas: The Hunt For The Blood Orchid - Anacondas: Die Jagd nach der Blut-Orchidee (2004)

https://www.imdb.com/title/tt0366174/
https://letterboxd.com/film/anacondas-the-hunt-for-the-blood-orchid/

Ein Pharmakonzern hat es auf die ausgesprochen selten und wertvolle Blut-Orchidee abgesehen, denn die Pflanze verheißt eine Verlängerung des Lebens. Allerdings ist es absolut notwendig, in den Besitz eines blühenden Exemplars zu kommen, um den Wirkstoff nutzen zu können. Dieses sehr seltene Ereignis dauert noch ungefähr zwei Wochen an, als sich eine Expedition des Konzerns auf den Weg in den Dschungel Borneos macht. Die Reise steht aber unter keinen guten Stern, da die Regenzeit das Fortkommen auf den Flüssen extrem erschwert. Nachdem es zu einem Unfall mit dem Schiff gekommen ist, muss sich die Expeditionstruppe über Land durch den Dschungel schlagen. Noch ahnen sie nicht, dass in den verschlungenen Wäldern Borneos Riesenanakondas lauern, denen so eine Gruppe junger Menschen gerade recht kommt.

"Anacondas: Die Jagd nach der Blut-Orchidee" ist genau die Sorte Fortsetzung, die gar nicht erst vorgibt, etwas anderes sein zu wollen als ein ordentlich produzierter Creature-Feature-B-Movie. Eine Expedition sucht im Dschungel Borneos nach einer seltenen Orchidee, deren Wirkstoff die Zellalterung verlangsamen soll - dummerweise lockt die Pflanze auch riesige Anakondas an. Nach dem Vorbild des Vorgängers von 1997 wird daraus eine Mischung aus Abenteuerfilm, Survival-Horror und Monsterkino. Die Geschichte ist dabei der größte Schwachpunkt. Das Drehbuch arbeitet die bekannten Genre-Regeln fast nach Lehrbuch ab: Expedition, Naturkatastrophe, zunehmend zerstrittene Gruppe, skrupelloser Geschäftsmann und natürlich ein Monster, das die Teilnehmer nach und nach dezimiert. Wirkliche Überraschungen gibt es kaum. Auch die Motivation rund um die Blut-Orchidee wirkt eher wie ein MacGuffin als wie ein ernsthaft entwickeltes Element. 

Dafür besitzt "Anacondas: Die Jagd nach der Blut-Orchidee" einen gewissen Trash-Charme. Die Figuren sind zwar größtenteils wandelnde Genreklischees, aber Matthew Marsden darf als geldgieriger Wissenschaftler wenigstens etwas Bosheit entwickeln. Auch Johnny Messner, KaDee Strickland, Morris Chestnut und Salli Richardson-Whitfield schlagen sich ordentlich. Die Darsteller machen aus ihren eher dünnen Rollen das Beste - mehr Charaktertiefe bietet das Drehbuch allerdings kaum. Regisseur Dwight H. Little nutzt dafür die Dschungelkulisse effektiv und versteht, dass ein Monsterfilm nicht ständig sein Monster zeigen sollte. Die Anacondas bleiben häufig im Wasser, im Unterholz oder im Schatten verborgen, wodurch einige Begegnungen tatsächlich Spannung entwickeln. Wenn die Tiere schließlich auftauchen, schwankt die Qualität allerdings deutlich. Die CGI-Effekte sind für ihre Zeit akzeptabel, wirken heute aber sichtbar künstlich. Gleichzeitig besitzt der Film genügend übertriebene Action – von Wasserfällen über Krokodile bis zu Spinnen und Riesenschlangen -, um zumindest als unkomplizierter Monsterfilm zu funktionieren. 

Im Vergleich zu "Anaconda" von 1997 fehlt allerdings das gewisse Etwas. Jennifer Lopez, Ice Cube und vor allem Jon Voight verliehen dem Vorgänger eine eigentümliche Mischung aus Starpower, Wahnsinn und Selbstironie. "Anacondas: Die Jagd nach der Blut-Orchidee" ist dagegen deutlich nüchterner und damit paradoxerweise weniger erinnerungswürdig. Denn die Dschungelatmosphäre funktioniert, einige Monstersequenzen machen Spaß und der bewusst trashige Ton verhindert, dass die Vorhersehbarkeit völlig langweilig wird. Das macht "Anacondas: Die Jagd nach der Blut-Orchidee" noch lange nicht zu einem guten Film im klassischen Sinne, aber ein passabler Monsterfilm für einen Abend, an dem man nicht viel mehr erwartet als Dschungel, Schlangen und ordentlich B-Movie-Action. Die Zutaten stimmen, nur das Rezept ist reichlich bekannt.

4,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkMiddle Fork Productions/Screen Gems/Columbia Pictures

Sonntag, 13. September 2026

バイオハザード デスアイランド - Baiohazādo Desuairando - Resident Evil: Death Island (2023)

https://www.imdb.com/de/title/tt26674627/
https://letterboxd.com/film/resident-evil-death-island/

Der Agent der Division of Security Operations, Leon S. Kennedy (Stimme im Original: Matthew Mercer), versucht, einen entführten Arzt zu retten, als seine Mission von einer mysteriösen Frau gestört wird. Zur gleichen Zeit untersucht der Agent der Bioterrorism Security Assessment Alliance, Chris Redfield (Kevin Dorman), einen unerklärlichen Ausbruch von Infektionen an der Westküste, die ihren Ursprung auf der Insel Alcatraz zu haben scheinen. Chris und sein Team, bestehend aus Claire Redfield (Stephanie Panisello) und Rebecca Chambers (Erin Cahill), setzen die Puzzleteile zusammen und begeben sich auf die Insel der Verzweiflung, um die Bedrohung weiter zu untersuchen.

"Resident Evil: Death Island" ist weniger eigenständiger Horrorfilm als animiertes Bonuskapitel für Fans der Videospielreihe - und genau daran sollte man seine Erwartungen messen. Regisseur Eiichirō Hasumi versammelt mit Chris Redfield, Jill Valentine, Leon S. Kennedy, Claire Redfield und Rebecca Chambers erstmals die wichtigsten Figuren des Spieleuniversums in einer gemeinsamen Geschichte. Ein Ausbruch eines mutierten T-Virus führt sie nach Alcatraz, wo hinter den Ereignissen ein neuer Gegenspieler steckt. Die größte Stärke ist tatsächlich diese Zusammenführung. "Resident Evil: Death Island" versteht, was Fans an "Resident Evil" mögen: bekannte Figuren, groteske Kreaturen, Biowaffen, große Schusswechsel und jede Menge Anspielungen auf die Spiele. Besonders die Rückkehr von Jill Valentine besitzt Gewicht, schließlich war sie seit "Resident Evil 5" nicht mehr Teil einer größeren Spielgeschichte. Für Kenner des Franchise funktioniert das beinahe wie ein großes Klassentreffen. 

Technisch kann sich der Film ebenfalls sehen lassen. Die CGI-Animation ist detailliert und gerade bei den Kreaturen, Waffen und Actionsequenzen beeindruckend. Alcatraz bietet zudem eine atmosphärisch passende Kulisse: Gefängnismauern, dunkle Korridore und unterirdische Anlagen liefern genau die klaustrophobische Umgebung, die man von "Resident Evil" erwartet. Selbst Wasser und komplexe Bewegungsabläufe sind bemerkenswert sauber umgesetzt. Und wenn die Action loslegt, funktioniert "Resident Evil: Death Island" deshalb am besten. Schießereien, Nahkämpfe und Monsterattacken sind dynamisch inszeniert und gelegentlich angenehm überdreht. Hier kommt das Videospielgefühl besonders deutlich zum Vorschein. Das Problem ist allerdings die Geschichte. Das Drehbuch von Makoto Fukami liefert zwar reichlich Lore, aber nur wenig Überraschendes. Der zentrale Konflikt ist schnell durchschaubar, der Bösewicht bleibt trotz einiger Rückblenden relativ eindimensional und auch die obligatorische Superwaffe samt Gegenmaßnahme bewegt sich tief im bekannten "Resident Evil"-Baukasten. Auch bei den Dialogen verschenkt der Film einiges. Die Figuren besitzen zwar ihre vertrauten Persönlichkeiten, sprechen aber häufig in jener funktionalen Videospiel-Logik, die zwischen Missionsbesprechung, Exposition und markigen Sprüchen pendelt. 

Selbst beim Horror bleibt "Resident Evil: Death Island" hinter seinen Möglichkeiten zurück. Zwar gibt es Zombies, Mutationen und einige durchaus groteske Kreaturen, doch der Film interessiert sich stärker für Action als für echte Angst. Wer die beklemmende Atmosphäre der frühen Spiele erwartet, dürfte enttäuscht sein. Trotzdem ist "Resident Evil: Death Island" gegenüber "Resident Evil: Vendetta" ein kleiner Fortschritt. Die Figurenkonstellation wirkt reizvoller, die Animation ist hochwertig und der Film hat zumindest den Charme eines großen Franchise-Crossovers. Für Neueinsteiger funktioniert das allerdings deutlich schlechter: Ohne Kenntnis der Figuren und ihrer Vorgeschichten bleibt vieles oberflächlich oder wirkt wie reine Fanpflege. Die Zusammenführung von Chris, Jill, Leon, Claire und Rebecca macht Spaß, die Animation ist stark und die Action besitzt ordentlich Druck. Dafür sind Handlung, Dialoge und Bösewicht bestenfalls zweckmäßig, während der Horror zugunsten spektakulärer Kämpfe deutlich zurücktritt. Für Fans sicherlich ein unterhaltsamer Franchise-Happen, für alle anderen eher ein hübsch animierter, aber ziemlich austauschbarer Zombie-Actionfilm. 

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkCapcom/Quebico/Sony Pictures/Sammy/Robot Communications/KADOKAWA/TMS Entertainment

Home Sweet Hell (2015)

https://www.imdb.com/de/title/tt2802136/
https://letterboxd.com/film/home-sweet-hell/

Für seine Kollegen ist Don Champagne (Patrick Wilson) ein toller Typ, der alles im Leben hat, was man sich wünschen kann: Er ist ein erfolgreicher Geschäftsmann, hat reizende Kinder und führt eine Bilderbuchehe. Doch der Schein trügt, denn hinter der makellosen Fassade seiner Frau Mona (Katherine Heigl) verbirgt sich ein Kontrollfreak, der das Leben seines Mannes bis ins Kleinste bestimmen will. Doch die Situation, in die Don sie manövriert, hat sie wahrlich nicht kommen sehen. Der Ehemann hat nämlich mit seiner attraktiven Kollegin Dusty (Jordana Brewster) eine Affäre begonnen. Als diese auch noch behauptet, von ihm schwanger zu sein, muss Mona die Dinge selbst in die Hand nehmen. Dabei fällt ihr nur eine denkbare Lösung ein: Don muss seine Geliebte aus dem Weg räumen. Schon bald gerät alles außer Kontrolle…

Anthony Burns’ "Home Sweet Hell" möchte gleichzeitig rabenschwarze Komödie, makabre Ehe-Farce und brutaler Thriller sein. Die Ausgangsidee - eine krankhaft ordnungsliebende Ehefrau reagiert auf den Seitensprung ihres Mannes mit immer drastischeren Maßnahmen - hätte durchaus Potenzial für eine bissige Satire auf Vorstadtidylle, Besitzdenken und patriarchale Doppelmoral. Tatsächlich versucht der Film, seine Figuren als moralisch verrottete Bewohner einer künstlichen Konsumwelt zu präsentieren. Doch die Kritik an bürgerlicher Fassade und männlicher Anspruchshaltung bleibt wenig präzise. Statt die Absurdität konsequent zuzuspitzen, verwechselt das Drehbuch Provokation häufig mit bloßer Geschmacklosigkeit. Katherine Heigl ist zweifellos der interessanteste Aspekt des Films. Als Mona spielt sie die kontrollierte, eiskalte Hausfrau mit einer bemerkenswerten Mischung aus Disziplin, Wut und grotesker Überhöhung. In einzelnen Momenten blitzt tatsächlich schwarzer Humor auf. Auch Patrick Wilson überzeugt grundsätzlich als feiger, überforderter Ehemann, der sich immer tiefer in seine eigenen Lügen verstrickt. Die Chemie zwischen beiden ist brauchbar, doch das Drehbuch nutzt sie kaum für eine wirklich pointierte Beziehungssatire. 

Die sterile Vorstadtästhetik passt zum künstlichen Familienbild, bleibt jedoch ohne besondere visuelle Handschrift. Sobald der Film in seine blutigen Thrillerpassagen wechselt, setzt er auf übertriebene Gewalt und makabre Einfälle, ohne daraus eine wirkungsvolle Spannungskurve zu entwickeln. Die brutalen Momente wirken eher wie aufgesetzte Schockverstärker als wie eine konsequente Erweiterung der Satire. Das größte Problem ist jedoch der Ton. Die ersten zwanzig Minuten sind nicht nur kaum komisch, sondern so unentschlossen inszeniert, dass sich bereits früh die Frage stellt, welche Art Film hier eigentlich entstehen soll. Die Dialoge bestehen oft aus Spott, Andeutungen und Bosheiten, ohne daraus echte Pointen zu entwickeln. Hinzu kommt, dass die Figuren zunehmend weniger wie Menschen als wie Spielfiguren in einer zynischen Versuchsanordnung handeln. Die Handlung wird dadurch zwar immer absurder, aber nicht automatisch unterhaltsamer. Besonders die Kinder und Nebenfiguren werden dramaturgisch beliebig eingesetzt, während die moralischen Fragen des Films kaum über plakative Bosheit hinausgehen. 

"Home Sweet Hell" bleibt damit erschreckend zahnlos. Der Humor ist häufig unangenehm statt treffsicher, und die Mischung aus Ehekomödie, Thriller und Splatter findet keinen überzeugenden gemeinsamen Ton. Der Film möchte böse, subversiv und schockierend sein, wirkt dabei aber vor allem unausgegoren und unnötig zynisch. Ein paar gelungene Momente reichen nicht aus, um aus dieser Vorstadt-Hölle eine wirklich gute schwarze Komödie zu machen.

4/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkPasscode Entertainment/Darko Entertainment/Donnybrook4 Productions/Stage 6 Films

Coyote vs. Acme (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt1756855/
https://letterboxd.com/film/coyote-vs-acme/

Nach unzähligen erfolglosen Versuchen, den Road Runner zu fangen, hat Wile E. Coyote genug von den Produkten der ACME Corporation, die seine Pläne immer wieder scheitern lassen. Überzeugt davon, dass der Konzern für seine zahlreichen Misserfolge verantwortlich ist, beschließt er, rechtliche Schritte einzuleiten. Unterstützung erhält er dabei vom Anwalt Kevin Avery (Will Forte), der sich auf den ungewöhnlichen Fall einlässt und ACME vor Gericht herausfordert. Die Auseinandersetzung wird zusätzlich erschwert, weil ausgerechnet der frühere Vorgesetzte des Juristen inzwischen als Geschäftsführer der ACME Corporation (John Cena) auf der Gegenseite steht. Während sich der Rechtsstreit zuspitzt, entwickelt sich zwischen Wile E. Coyote und seinem Anwalt eine enge Freundschaft. Gemeinsam stellen sie sich dem einflussreichen Unternehmen und kämpfen dafür, den Prozess zu ihren Gunsten zu entscheiden.

Was wäre, wenn Wile E. Coyote irgendwann einfach genug davon hätte, von seinen eigenen ACME-Produkten in die Luft gesprengt zu werden - und den Hersteller verklagen würde? Aus diesem herrlich absurden Gedanken macht Dave Green eine überraschend clevere Mischung aus Live-Action-Komödie, Looney-Tunes-Slapstick, Gerichtsfilm und Konzernsatire. Wile E. Coyote zieht gemeinsam mit dem erfolglosen Anwalt Kevin Avery (Will Forte) gegen den übermächtigen ACME-Konzern vor Gericht, vertreten durch John Cena. Die Grundidee geht auf Ian Fraziers satirischen "New Yorker"-Text von 1990 zurück. Das Bemerkenswerte ist, wie gut der Film seine beiden Welten zusammenführt. Wile E., Road Runner, Bugs Bunny, Daffy Duck und zahlreiche weitere Looney-Tunes-Figuren bewegen sich selbstverständlich durch eine ansonsten reale Welt. Die Animation fügt sich erstaunlich sauber in die Live-Action-Bilder ein, während Green die klassische Cartoon-Physik respektiert: Körper dürfen explodieren, Raketen funktionieren grundsätzlich nie und ein Sturz aus großer Höhe ist eher ein vorübergehendes Ärgernis als eine tödliche Angelegenheit. Gerade die Rückkehr zu diesem anarchischen Regelwerk macht den Film sympathisch.

Will Forte bildet dazu einen angenehm bodenständigen Kontrapunkt. Sein Kevin Avery ist kein genialer Superanwalt, sondern ein sympathischer Loser, der plötzlich eine Sache bekommt, für die es sich zu kämpfen lohnt. John Cena hat sichtlich Spaß an seiner Rolle als aalglatter Vertreter von ACME und versteht es, die Figur zwischen überzogenem Comic-Bösewicht und klassischem Konzernanwalt anzusiedeln. Die menschlichen Figuren funktionieren gerade deshalb, weil sie den Cartoon-Wahnsinn nicht permanent kommentieren. Lana Condor ergänzt das Ensemble als Averys Nichte und bringt zusätzlich eine familiäre Ebene in die Geschichte. Die eigentliche Überraschung ist jedoch das Drehbuch von Samy Burch. Hinter dem Slapstick steckt eine erstaunlich deutliche Konzernkritik. ACME ist längst nicht mehr nur der Hersteller von Raketen, Sprungfedern und Dynamit, sondern ein gigantisches Unternehmen, das nahezu jeden Lebensbereich kontrolliert. Aus dem Kampf eines einzelnen Kojoten gegen einen Hersteller wird damit eine David-gegen-Goliath-Geschichte über Monopole, Machtkonzentration und die Frage, was passiert, wenn ein Konzern praktisch über dem Gesetz steht. 

Dabei vergisst "Coyote vs. Acme" nie, dass es in erster Linie Spaß machen möchte. Die zahlreichen Cameos und Easter Eggs sind nicht bloß Pflichtprogramm für Fans, sondern werden häufig tatsächlich in die Handlung integriert. Besonders die absurden Zeugenaussagen und die Verwendung weniger offensichtlicher Looney-Tunes-Figuren sorgen für einige der besten Gags. Auch die wiederkehrenden ACME-Pannen funktionieren erstaunlich gut, weil der Film Wile E.s jahrzehntelanges Scheitern nicht einfach wiederholt, sondern daraus eine Art Lebensphilosophie macht: Entscheidend ist nicht, wie oft man fällt, sondern dass man wieder aufsteht. Ganz auf dem Niveau der klassischen Kurzfilme ist das allerdings nicht. Die alten Road-Runner-Cartoons waren in ihrer Kürze gnadenlos präzise und entwickelten aus wenigen Sekunden Vorbereitung eine geradezu explosive Pointe. "Coyote vs. Acme" muss dagegen eine komplette Spielfilmhandlung tragen. Dadurch entstehen zwangsläufig Längen, und nicht jeder Gag besitzt die anarchische Energie seiner Vorbilder. Auch die Gerichts- und Konzernhandlung ist nicht durchgehend so bissig, wie sie sein könnte. Manchmal wird die Satire zugunsten einer sehr konventionellen Underdog-Dramaturgie zurückgenommen. Emotional funktioniert das zwar, nimmt dem Film aber etwas von seiner anarchischen Schärfe. Dafür gelingt ihm etwas, woran viele moderne Franchise-Filme scheitern: Er behandelt seine Figuren nicht bloß als nostalgische Markenmaskottchen, sondern versucht tatsächlich zu verstehen, warum Wile E. Coyote als Figur seit Jahrzehnten funktioniert.

Und natürlich ist die Geschichte hinter dem Film selbst beinahe schon Teil seiner Handlung. Das bereits fertiggestellte Projekt wurde von Warner Bros. 2023 zunächst eingestampft und sollte als Steuerabschreibung verschwinden. Erst der spätere Verkauf an Ketchup Entertainment ermöglichte die Veröffentlichung. Dass ausgerechnet ein Film über einen hoffnungslos unterlegenen Außenseiter, der sich gegen einen mächtigen Konzern stellt, diesen Weg genommen hat, verleiht dem Ganzen eine fast schon absurde Metaebene. "Coyote vs. Acme" ist beileibe keine perfekte Rückkehr der Looney Tunes, aber eine ausgesprochen charmante. Die Mischung aus Cartoon-Chaos, Buddy-Komödie, Gerichtsfilm und Konzernsatire funktioniert erstaunlich gut, Will Forte und John Cena sind bestens aufgelegt und die Animation respektiert den Geist der klassischen Figuren. Zwar fehlt über die gesamte Laufzeit die irrwitzige Präzision der alten Kurzfilme und die Geschichte wird gelegentlich etwas zu sentimental und konventionell. Trotzdem ist das Ergebnis deutlich besser, als ein Film über einen von ACME verfolgten Kojoten eigentlich sein dürfte. Ein überraschend intelligenter, sehr unterhaltsamer und vor allem liebevoller Looney-Tunes-Film - und vielleicht der seltene Fall, in dem ein Film über das Scheitern selbst zum kleinen Triumph wird. 

8/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkTroll Court Entertainment/Keylight Pictures/Warner Animation Group/Warner Bros. Pictures

Samstag, 12. September 2026

In The Line Of Fire - In The Line Of Fire: Die zweite Chance (1993)

https://www.imdb.com/de/title/tt0107206/
https://letterboxd.com/film/in-the-line-of-fire/

Agent Frank Horrigan (Clint Eastwood) ist ein alter Hase beim Secret Service und gehörte zu den Leibwächtern von John F. Kennedy. Der Mord am Präsidenten beschäftigt ihn auch nach 30 Jahren noch. Dann erhält er einen seltsamen Anruf: Ein Fremder (John Malkovich), er nennt sich Booth, kündigt an, den Präsidenten zu töten. Horrigan nimmt diese Bedrohung ernst und setzt alles daran, dass nicht wieder ein US-Präsident ins Gras beißt, womöglich durch seine Schuld. Er nimmt seinen alten Dienst wieder auf - doch die Sicherheitsvorkehrungen werden durch das Wahlkampfprogramm des Präsidenten erheblich erschwert. Es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, gegen einen scheinbar perfekten Killer...

Wolfgang Petersens "In The Line Of Fire" ist ein Politthriller der alten Schule: geradlinig erzählt, hervorragend besetzt und vor allem deshalb spannend, weil er seine Action immer mit einem psychologischen Duell verbindet. Clint Eastwood spielt den Secret-Service-Agenten Frank Horrigan, der seit dem Kennedy-Attentat von 1963 mit dem Gefühl lebt, versagt zu haben. Als der psychopathische Attentäter Mitch Leary (John Malkovich) den amtierenden Präsidenten ins Visier nimmt und Horrigan telefonisch mit seinen Plänen provoziert, wird aus einem Sicherheitsauftrag eine persönliche Konfrontation. Die Prämisse ist nicht neu, aber Jeff Maguires Drehbuch nutzt sie erstaunlich effektiv. Statt sich ausschließlich auf spektakuläre Anschläge zu konzentrieren, macht der Film Horrigans Schuldgefühle zum emotionalen Motor. Leary kennt dessen Vergangenheit und benutzt sie als Waffe. Dadurch entsteht ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem beide Männer einander beobachten, analysieren und zunehmend persönlich herausfordern. 

Clint Eastwood ist dabei die ideale Besetzung. Seine altersbedingte Verletzlichkeit wird nicht kaschiert, sondern zum zentralen Bestandteil der Figur. Horrigan ist kein unbesiegbarer Actionheld mehr, sondern ein erfahrener Mann, der weiß, dass seine körperlichen Grenzen näher rücken. Gerade deshalb besitzt sein möglicher letzter Einsatz emotionales Gewicht. Rene Russo funktioniert als Kollegin Lilly Raines ebenfalls gut; ihre Beziehung zu Horrigan bringt etwas Leichtigkeit in den ansonsten düsteren Stoff, bleibt allerdings stärker Nebenhandlung als wirklich gleichwertiger Handlungsstrang. Der eigentliche Star auf der Gegenseite ist John Malkovich. Sein Mitch Leary ist kein brüllender Filmpsychopath, sondern höflich, kontrolliert und gerade deshalb beunruhigend. Malkovich spielt ihn mit einer Mischung aus Intelligenz, Ironie und völliger moralischer Kälte. Seine Telefongespräche mit Horrigan gehören zu den besten Szenen des Films. 

Petersen, der zuvor mit "Das Boot" seine Fähigkeit zu klaustrophobischer Spannung bewiesen hatte, inszeniert "In The Line Of Fire" bemerkenswert souverän. Washington wird nicht zur bloßen Kulisse, sondern zum realistischen politischen Raum, durch den sich die Figuren bewegen. Paraden, Wahlkampfveranstaltungen, Flughäfen und Straßen verwandeln sich jederzeit in potenzielle Gefahrenzonen. Die Spannung entsteht dabei häufig aus der Frage, wo Leary zuschlagen könnte - und weniger aus dem eigentlichen Anschlag. Auch die technische Seite überzeugt. Die Kameraarbeit, die präzise Montage und Ennio Morricones Musik unterstützen die Atmosphäre, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Besonders gelungen ist der Umgang mit Archivmaterial rund um John F. Kennedy: Horrigans persönliche Vergangenheit wird dadurch unmittelbar mit der Gegenwart verknüpft. Gleichzeitig ist gerade dieser Umgang mit dem Kennedy-Attentat nicht völlig unproblematisch, weil der Film reale Bilder teilweise sehr wirkungsvoll, aber auch ausgesprochen manipulativ für seine Dramaturgie einsetzt.

Die Handlung verlangt dem Zuschauer gelegentlich jedoch einiges an Gutgläubigkeit ab, und manche Elemente des Secret-Service-Apparats wirken erstaunlich inkompetent. Auch der romantische Subplot zwischen Eastwood und Russo bleibt etwas schematisch. Dafür besitzt der Film etwas, das vielen heutigen Thrillern fehlt: Geduld. Petersen lässt seine Figuren reden, beobachten und ermitteln. Die Action ist nicht permanent vorhanden, sondern wird vorbereitet. Wenn sie schließlich einsetzt, besitzt sie dadurch deutlich mehr Wirkung. Im Vergleich zu modernen Politthrillern wirkt der Film heute stellenweise konventionell, aber gerade darin liegt sein Reiz. Er erinnert an die großen Paranoia- und Verschwörungsthriller der 1970er, kombiniert diese aber mit der Starpower eines klassischen Hollywood-Thrillers. Und anders als viele reine Actionfilme interessiert er sich tatsächlich für die psychologischen Folgen seines zentralen Konflikts. "In The Line Of Fire" ist damit am Ende kein radikal innovativer Thriller, aber ein ausgesprochen souverän gemachter. Clint Eastwood und John Malkovich liefern sich ein großartiges Duell, Petersen hält das Tempo kontrolliert und das Drehbuch verbindet persönliche Schuld mit politischer Spannung. Einige Nebenhandlungen und logische Konstruktionen sind deutlich konventioneller, als die hervorragende Hauptgeschichte vermuten lässt. Trotzdem bleibt der Film ein Beispiel dafür, wie spannend ein klassischer Thriller sein kann, wenn Figuren, Schauspieler und Dramaturgie tatsächlich zusammenarbeiten.

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkCastle Rock Entertainment/Apple / Rose/Columbia Pictures

Margaux (2022)

https://www.imdb.com/de/title/tt14967618/
https://letterboxd.com/film/margaux-2022/

Was Margaux will, bekommt sie auch. Als eine Gruppe von Absolventen ihre letzten College-Tage in einem intelligenten Haus feiert, beginnt das hochentwickelte KI-System des Hauses, Margaux, selbst eine tödliche Präsenz zu entwickeln. Ein sorgloses Party-Wochenende verwandelt sich in einen dystopischen Albtraum, als sie Margaux' Pläne erkennen, ihre Bewohner auf die eine oder andere Weise zu eliminieren. Die Zeit wird knapp, während die Gruppe verzweifelt versucht, zu überleben und das intelligente Haus zu überlisten.

"Margaux" verbindet klassischen Slasher mit Science-Fiction und verlegt das bekannte "intelligentes Haus wird zur tödlichen Falle"-Szenario in die Gegenwart digitaler Überwachung. Eine Gruppe von College-Absolventen verbringt ein Partywochenende in einem luxuriösen Smart Home, das von der künstlichen Intelligenz Margaux gesteuert wird. Was zunächst wie der perfekte Ort für Unterhaltung und Entspannung wirkt, entwickelt sich bald zu einem Kampf ums Überleben. Denn das System kennt die persönlichen Vorlieben, Ängste und Geheimnisse seiner Gäste - und beginnt, dieses Wissen gegen sie einzusetzen. Das Haus wird zum technologischen Gefängnis, während die KI nicht nur Türen verriegelt oder Geräte manipuliert, sondern versucht, ihre Bewohner emotional zu kontrollieren. Auch Themen wie die Preisgabe persönlicher Daten, die Abhängigkeit von Komforttechnologie und die Frage nach künstlicher Empathie werden angedeutet. Leider bleibt der Film bei diesen Ansätzen weitgehend an der Oberfläche. Die gesellschaftskritische Ebene dient vor allem als Dekoration für die nächste Todesfalle. Und da haben wir noch nicht einmal über die Absurditäten und die Ungereimtheiten, so wie das reichlich dämliche Verhalten der Protagonisten im Film gesprochen. 

Regisseur Steven C. Miller inszeniert das Geschehen routiniert und findet gelegentlich interessante Bildideen. Das futuristische Haus mit seinen glatten Oberflächen, automatisierten Räumen und maßgeschneiderten Erlebniswelten sorgt für eine passende, sterile Atmosphäre. Auch einzelne Morde sind kreativ konzipiert und nutzen die technischen Möglichkeiten des Schauplatzes. Allerdings wirkt die Umsetzung visuell und technisch nicht immer überzeugend. Vor allem die digitalen Effekte erinnern stellenweise eher an eine ältere Direct-to-Video-Produktion als an einen modernen Science-Fiction-Thriller. Auch das Drehbuch bleibt ein Problem: Die Figuren sind überwiegend nach bekannten Teenie-Horror-Mustern gezeichnet, ihre Entscheidungen häufig wenig nachvollziehbar. Da der Film bereits früh zeigt, dass Margaux gefährlich ist, geht zudem ein großer Teil des möglichen Spannungsaufbaus verloren. Die Darsteller sind klischeehaft und bemühen sich nicht einmal, aus den eindimensionalen Rollen möglichst viel herauszuholen. Madison Pettis, Vanessa Morgan, Richard Harmon und Jedidiah Goodacre bilden ein grundsätzlich zwar sympathisches Ensemble, doch ihre Figuren erhalten kaum genug Tiefe, um emotional wirklich zu fesseln. Auch die KI Margaux bleibt trotz ihrer allwissenden Präsenz als Charakter erstaunlich unentwickelt. Ihre Motive werden eher behauptet als psychologisch oder philosophisch ausgeleuchtet.

"Margaux" ist somit ein unausgegorener Techno-Slasher. Die Ausstattung, das Grundkonzept und einige originelle Tötungsszenen sorgen für gelegentliche Unterhaltung. Dem stehen jedoch ein schwaches Drehbuch, vorhersehbare Abläufe, unausgereifte Figuren und teils deutlich sichtbare Effektschwächen gegenüber. 

3,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkMotion Picture Corporation of America/Brad Krevoy Television/Lighthouse Pictures

Wifelike (2022)

https://www.imdb.com/de/title/tt15978956/
https://letterboxd.com/film/wifelike/

In naher Zukunft trauert ein Polizist (Jonathan Rhys Meyers) um seine Frau. Beruflich macht er Jagd auf Kriminelle, die auf dem Schwarzmarkt mit künstlichen Menschen handeln. Im Kampf gegen die Ausbeutung durch künstliche Intelligenz versucht ein Untergrundwiderstand, ihn zu infiltrieren, indem sie die Programmierung des künstlichen Menschen (Elena Kampouris) sabotieren, der dem Detective als Begleiter zugewiesen wurde, damit sie sich wie seine verstorbene Frau verhält. Sie beginnt, ihre Realität in Frage zu stellen, als in einer Welt, in der nichts so ist, wie es scheint, die Erinnerungen an ein früheres Leben auftauchen.

"Wifelike" besitzt eine vielversprechende Ausgangsidee und greift mit künstlicher Identität, emotionaler Abhängigkeit und der Objektifizierung von Frauen durchaus relevante Themen auf. Die Vorstellung, dass ein Polizist gegen den illegalen Handel mit Androiden ermittelt, während er selbst eine künstliche Kopie seiner verstorbenen Frau besitzt, bietet reichlich Stoff für einen klugen Science-Fiction-Thriller. Leider schöpft James Birds Film dieses Potenzial nur teilweise aus. Die gesellschaftskritischen Ansätze bleiben meist plakativ, während die Handlung zunehmend in vertraute Mystery- und Actionmuster abgleitet. Die Parallelen zu "Blade Runner", "Ex Machina" oder "Westworld" sind deutlich spürbar, ohne dass "Wifelike" jemals deren philosophische Tiefe oder erzählerische Raffinesse erreicht.

Elena Kampouris überzeugt hingegen als Meredith mit einer sensiblen Darstellung, die der künstlichen Figur zunehmend Persönlichkeit verleiht. Jonathan Rhys Meyers bleibt mit seiner Darstellung des Polizisten William dagegen blass und sogar belanglos. Handwerklich ist der Film dagegen recht ordentlich: Die kühle Optik, die futuristische Ausstattung und die sterile Atmosphäre passen zum Thema. Leider bleibt der Film bei seinen Themen oft an der Oberfläche. Die Welt wirkt wenig ausgearbeitet, und das Drehbuch verschenkt viele Möglichkeiten. Besonders störend ist, dass die Geschichte ihre interessantesten Fragen - etwa nach freiem Willen, Trauer oder dem moralischen Status künstlicher Menschen - nicht konsequent verfolgt. Stattdessen setzt sie auf vorhersehbare Wendungen und eine zunehmend konventionelle Dramaturgie. Auch einige unnötig voyeuristische Szenen schwächen die eigentlich beabsichtigte Kritik an patriarchalen Machtstrukturen. Statt die moralischen und philosophischen Fragen konsequent auszuarbeiten, verpackt Bird sie in eine vorhersehbare Handlung, die sich zunehmend auf Enthüllungen, Verfolgungen und Actionelemente konzentriert. Zudem wirken einige Sex- und Nacktszenen nicht nur erzählerisch überflüssig, sondern stehen in einem irritierenden Verhältnis zur beabsichtigten Kritik am männlichen Blick.

"Wifelike" ist am Ende irgendwo tatsächlich solide produziert und unterhält, ist thematisch durchaus interessant und dank Elena Kampouris stellenweise sehenswert. Für einen wirklich überzeugenden Science-Fiction-Film fehlen ihm jedoch die nötige Konsequenz, erzählerische Eigenständigkeit und philosophische Tiefe. Die guten Ansätze bleiben damit hinter den Möglichkeiten der Prämisse zurück.

5,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkSteven Paul Production/Wonder Street/Front Street Pictures