Dienstag, 8. September 2026

Fackham Hall (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt29008225/
https://letterboxd.com/film/fackham-hall/

1931 in Fackham Hall, einem großzügigen Herrenhaus, in dem die Familie Davenport seit vielen Generationen residiert: Lord Humphrey (Damien Lewis) und Lady Prudence (Katherine Waterston) sorgen sich allerdings um den Fortbestand der Dynastie. Gibt es doch keinen männlichen Erben. Wenigstens hat ihre jüngste Tochter Poppy (Emma Laird) zugestimmt, ihren reichen Cousin Archibald (Tom Felton) zu heiraten, sodass Fackham Hall zumindest irgendwie in der Familie bleiben würde. Poppys mit 23 Jahren bereits als alte Jungfer geltende Schwester Rose (Thomasin McKenzie) bereitet den Eltern indes weiterhin Sorgen. Da taucht Eric Noone (Ben Radcliffe) im Haus auf – ein Kleingauner, der Lord Humphrey eigentlich nur eine Nachricht überbringen soll. Aufgrund einer Verwechslung, die er nicht richtigstellt, erhält Eric jedoch eine Anstellung als Bediensteter – was er gern nutzen würde, um einige Wertsachen zu stehlen. Während Poppys Hochzeitstag in einem Desaster endet, entwickelt Eric dann aber Gefühle für Rose – wodurch seine kriminellen Pläne erschwert werden. Ebenso wie der sich auf dem Grundstück ereignende Mord, weshalb nun die Polizei aufkreuzt…

"Fackham Hall" ist genau die Sorte Film, die sich eigentlich längst überlebt haben sollte - und gerade deshalb überraschend viel Spaß macht. Jim O’Hanlons Komödie (und dem Drehbuch unter anderem von Jimmy Carr) nimmt sich "Downton Abbey" und andere britische Kostümdramen zur Brust und kombiniert deren herrschaftliche Anwesen, steife Etikette und standesbewusste Intrigen mit dem anarchischen Humor von "Die nackte Kanone", "Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug" und Filmen von Monty Python. Das Ergebnis ist eine rasante, bewusst alberne Parodie, die nicht jeden Gag trifft, aber konsequent genug ist, um immer wieder zu überraschen. 

Im Mittelpunkt stehen der Kleinganove Eric Noone (Ben Radcliffe) und Rose Davenport (Thomasin McKenzie), die sich im titelgebenden Herrenhaus begegnen. Rund um die Familie Davenport entwickelt sich eine Mischung aus verbotener Romanze, Mordfall und Standeskomödie. Die Handlung ist dabei vor allem ein Gerüst für Pointen - und das ist durchaus Absicht. Mit hoher Gagdichte und einer Mischung aus Slapstick, Wortspielen und Genreparodie arbeitet sich der Film durch seine Story und versteht es, dem Zuschauer immer wieder einen Lacher zu entlocken. Die Besetzung ist einer der großen Pluspunkte. Thomasin McKenzie und Ben Radcliffe spielen ihre Liebesgeschichte erfreulich ernsthaft, während Damian Lewis, Katherine Waterston, Tom Felton und Anna Maxwell Martin mit sichtlicher Freude an der absurden Situation agieren. Entscheidend ist, dass die Darsteller ihre Figuren nicht als Parodie spielen: Sie behandeln selbst den dümmsten Dialog mit maximaler aristokratischer Ernsthaftigkeit. Genau das funktioniert. Der Humor ist allerdings eine klare Geschmacksfrage. Neben cleveren Wortspielen und gut getimten visuellen Gags gibt es reichlich Fäkal-, Sex- und Körperhumor. Manche Pointen sind brillant vorbereitet, andere wirken wie Nummern, die aus einem Sketch stammen und für einen Spielfilm etwas zu oft wiederholt werden. 

Handwerklich ist "Fackham Hall" erstaunlich liebevoll. Ausstattung, Kostüme, Kamera und Musik reproduzieren die gediegene Ästhetik des britischen Period Dramas so überzeugend, dass die Kontraste zum primitiven Humor umso besser funktionieren. Gerade diese detailreiche Oberfläche ist mehr als bloße Kulisse: Der Film braucht die Würde und Schönheit seiner Welt, damit die folgenden absurden Zerstörungen und Wortspiele überhaupt ihren Effekt haben. Was fehlt, ist die Präzision der großen Vorbilder. "Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug" oder "Die nackte Kanone" konnten aus ihren absurden Gags einen nahezu perfekten Rhythmus entwickeln. "Fackham Hall" erreicht diese Klasse nur punktuell. Einige Sequenzen sind herrlich, andere ziehen sich, und die 97 Minuten fühlen sich trotz des hohen Tempos gelegentlich länger an. Genau hier liegt der Abstand zu den Klassikern, die der Film offensichtlich verehrt.

Letztlich ist Fackham Hall" keine neue "Die nackte Kanone", aber eine sympathisch respektlose Erinnerung daran, wie viel Spaß eine klassische Spoof-Komödie machen kann. Die Gagdichte ist hoch, die Besetzung bestens aufgelegt und die liebevolle Nachahmung des britischen Kostümdramas bildet die perfekte Grundlage für den absurden Humor. Nicht jeder Witz sitzt, manches ist pubertär und die Dauerfeuer-Methode nutzt sich ab - trotzdem gibt es genügend wirklich gute Treffer, um den Film über seine Schwächen hinwegzutragen. Wer mit britischen Period Dramas und hemmungslosem Slapstick etwas anfangen kann, bekommt hier 97 Minuten angenehm anspruchslosen Unsinn. 

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkMews Films/Elysian Film Group/Two & Two Pictures/Vacancy Films/Anonymous Content

Montag, 7. September 2026

The Adjustment Bureau - Der Plan (2011)

https://www.imdb.com/title/tt1385826/
https://letterboxd.com/film/the-adjustment-bureau/

David Norris (Matt Damon) blickt einer rosigen Zukunft als Politiker entgegen. Doch dann tauchen mysteriöse Anzugträger auf und untersagen ihm die Beziehung zur Tänzerin Elise (Emily Blunt). Warum, weshalb? Das erfährt David nicht so genau. Die schick gekleideten Herrschaften machen ihm allerdings deutlich, dass er ein großes Risiko eingeht, wenn er ihrer Forderung nicht nachkommt. Seine und die Zukunft anderer Menschen steht auf dem Spiel. Fortan ist Norris hin- und hergerissen zwischen Leidenschaft und Karriere, zwischen emotionaler Gewissheit und totaler Unwissenheit. Langsam dämmert ihm, dass er bloß als Bauer auf einem gigantischen Schachfeld dient. Und das ist eine Erkenntnis, die ihm gar nicht behagt. Als Mann der Tat ergreift Norris die Initiative, um das große Glück seines Lebens zu retten.

In diesem intelligenten, aber letztlich etwas zu glatten Mix aus Science-Fiction, Liebesfilm und metaphysischem Thriller spielt Matt Damon den aufstrebenden Politiker David Norris, dessen Leben von einer geheimnisvollen Organisation überwacht und gesteuert wird. Als David zufällig erfährt, dass bestimmte Menschen dafür sorgen, dass sein Leben nach einem vorgegebenen Plan verläuft, beginnt er sich gegen ein System aufzulehnen, das offenbar über seinen freien Willen entscheidet. Die Grundlage für George Nolfis Film bildet Philip K. Dicks Kurzgeschichte "Adjustment Team" - und genau dessen typisch paranoide Vorstellung einer unsichtbaren Macht ist der reizvollste Teil des Films. Damon und Emily Blunt sind dabei ein überzeugendes Paar. Damon spielt David mit sympathischer Bodenständigkeit, während Blunt als Tänzerin Elise Richardson genügend Energie und Charme mitbringt, damit die Liebesgeschichte nicht komplett in der Science-Fiction-Idee untergeht. Ihre Chemie ist zweifellos einer der Gründe, warum der Film trotz seiner Schwächen funktioniert. 

Auch die Grundidee ist stark: Was wäre, wenn unser vermeintlich freier Wille tatsächlich nur innerhalb eines festgelegten Plans existiert? Die "Adjustment Bureau"-Agenten, die mit Türen durch Raum und Zeit reisen und Davids Entscheidungen korrigieren sollen, verleihen dem Film eine angenehm surreale Note. Nolfi findet dafür einige hübsche visuelle Einfälle, ohne die Geschichte mit übermäßigen Spezialeffekten zu erschlagen. Das Problem ist, dass der Film aus dieser faszinierenden Prämisse zu wenig herausholt. Statt die philosophischen Fragen wirklich zu vertiefen, entscheidet er sich zunehmend für eine konventionelle Liebesgeschichte: David und Elise sollen zusammen sein, also muss das Schicksal eben ausgetrickst werden. Dadurch wird die interessante Frage nach Determinismus und freiem Willen schließlich auf ein relativ simples "Liebe besiegt das System" reduziert. Auch die Gegenspieler bleiben etwas enttäuschend. John Slattery und Anthony Mackie sind als Mitglieder des Adjustment Bureau zwar charismatisch, ihre Organisation bleibt aber letztlich zu nebulös. Gerade die Regeln dieses Systems wirken immer dann flexibel, wenn das Drehbuch sie braucht. Das sorgt für Spannung, schwächt aber die innere Logik des Films.

Dafür stimmt das Tempo. "The Adjustment Bureau" ist kurzweilig, visuell elegant und besitzt gerade in seinen Verfolgungssequenzen durch Türen und wechselnde Räume einige originelle Momente. Die Inszenierung erinnert dabei an klassische Paranoia-Thriller, ohne deren düstere Konsequenz zu erreichen. Im Vergleich zu Philip K. Dicks deutlich verstörenderen Verfilmungen wie "Blade Runner" oder "Minority Report" bleibt Nolfis Film wesentlich zugänglicher und romantischer - und damit letztlich aber auch weniger nachhaltig. Damit ist "The Adjustment Bureau" ein unterhaltsamer und gut gespielter Science-Fiction-Thriller, dessen starke Ausgangsidee leider nicht konsequent genug weitergedacht wird. Matt Damon und Emily Blunt tragen die romantische Ebene, die Raum-und-Zeit-Spielereien sorgen für Spannung, doch die philosophischen Möglichkeiten werden zugunsten eines konventionellen Liebesfilm-Finales verschenkt. Kein schlechter Film, aber einer, bei dem man ständig spürt, dass eigentlich noch deutlich mehr möglich gewesen wäre.

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkUniversal Pictures/MRC/Gambit Pictures

Sonntag, 6. September 2026

The Monuments Men - Monuments Men: Ungewöhnliche Helden (2014)

https://www.imdb.com/de/title/tt2177771/
https://letterboxd.com/film/the-monuments-men/

Als der Zweite Weltkrieg sich dem Ende zuneigt und Nazideutschland an allen Fronten immer weiter zurückgedrängt wird, erlässt Hitler den Befehl, dass keine Kunstwerke für den Feind zurückgelassen werden sollen. Alles, was nicht mitzunehmen ist, soll vernichtet werden. Genau diese Zerstörung wertvoller, historischer Kunstwerke zu verhindern ist die Aufgabe des ungewöhnlichen amerikanischen Platoons um Anführer Frank Stokes (George Clooney). Zusammen mit seinem Freund James Granger (Matt Damon) und fünf weiteren Kunstexperten begibt sich Stokes direkt an die Westfront, um den Schaden, soweit dies möglich ist, einzudämmen. Doch seitens der Armee wird der Spezialeinheit hauptsächlich Unverständnis entgegen gebracht und die Männer, die von der Kunst weitaus mehr Ahnung haben als vom Krieg, müssen sich ihren Respekt hart erkämpfen...

"The Monuments Men" erzählt eine faszinierende wahre Geschichte, macht daraus aber einen erstaunlich gemütlichen Kriegsfilm. Eine Gruppe von Kunsthistorikern, Museumsleuten und Architekten wird gegen Ende des Zweiten Weltkriegs nach Europa geschickt, um von den Nazis geraubte Kunstwerke zu retten. Regisseur George Clooney verbindet historische Fakten mit Heist-Movie, Kriegsdrama und Komödie - und genau diese Mischung ist zugleich reizvoll und problematisch. Die Besetzung ist großartig: Neben Clooney spielen Matt Damon, Bill Murray, John Goodman, Hugh Bonneville und Jean Dujardin verleihen ihren Figuren Charme und Persönlichkeit. Besonders Murray und Balaban sorgen als ungleiches Duo für einige der besten komischen Momente. Cate Blanchett hat als französische Kunsthistorikerin Claire Simone ebenfalls Präsenz, wird vom Drehbuch aber deutlich unter Wert verkauft; ihre Romanze mit Damons Figur gehört zu den schwächeren Elementen. 

Interessanter ist die eigentliche Idee des Films. "The Monuments Men" fragt, ob Kunst angesichts eines Krieges überhaupt gerettet werden muss, wenn Menschenleben auf dem Spiel stehen. Diese Frage besitzt enormes Gewicht, und Clooney findet dafür einige gute Momente - etwa wenn deutlich wird, dass ein Kunstwerk gegen militärische Ziele kaum Priorität besitzt. Gerade hier zeigt der Film, warum kulturelles Erbe mehr sein kann als bloßer Besitz. Leider erzählt Clooney diese durchaus spannende Geschichte zu brav. Der Film springt zwischen seinen Figuren und Schauplätzen hin und her, ohne ihnen immer genügend Zeit zu geben. Dadurch bleiben viele Charaktere eher sympathische Typen als wirklich ausgearbeitete Persönlichkeiten. Auch die Spannung hält sich in Grenzen: Der Film will (ähnlich wie "Three Kings" gleichzeitig Kriegsfilm und Heist-Movie sein, bietet aber für beide Genres erstaunlich wenig Action beziehungsweise echtes Abenteuer.

Auch der Ton schwankt. Alexandre Desplats gefällige, teilweise ausgesprochen patriotische Musik, die lockeren Sprüche und die ernsten Kriegsmomente wollen nicht immer zusammenpassen. Mal fühlt sich "The Monuments Men" wie ein klassischer Abenteuerfilm an, dann wieder wie ein ehrfürchtiges Plädoyer für die Bedeutung von Kunst. Diese Unentschlossenheit verhindert, dass die dramatischen Momente ihre volle Wirkung entfalten. Handwerklich ist das Ganze allerdings hochwertig und angenehm altmodisch. Ausstattung, Kostüme, Schauplätze und Kameraarbeit vermitteln überzeugend das Europa der letzten Kriegsmonate. Und hinter der etwas weichgespülten Inszenierung steckt tatsächlich ein bemerkenswerter historischer Stoff: Die reale Monuments, Fine Arts and Archives Section bestand aus weit mehr Personen und war für die Sicherung und Rückführung von Millionen Kulturgütern verantwortlich - der Film reduziert diese komplexe Mission stark auf seine sieben Hauptfiguren. "The Monuments Men" ist damit kein großer Kriegsfilm, aber ein sympathischer und durchaus sehenswerter Streifen über ein ungewöhnliches Kapitel des Zweiten Weltkriegs. Die starke Besetzung, die historische Ausgangslage und die zentrale Frage nach dem Wert kulturellen Erbes überzeugen; die episodische Dramaturgie, die tonalen Schwankungen und die überraschend geringe Spannung bremsen ihn jedoch aus. 

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkColumbia Pictures/Fox 2000 Pictures/Smoke House Pictures/Obelisk Productions/Studio Babelsberg

The Brothers Grimm (2005)

https://www.imdb.com/de/title/tt0355295/
https://letterboxd.com/film/the-brothers-grimm/

Deutschland im frühen 19. Jahrhundert: Die Brüder Jakob (Heath Ledger) und Wilhelm Grimm (Matt Damon) ziehen durch Dörfer und Städte. Sie geben vor, Märchen und Geschichten zu sammeln. Aus den Erzählungen hören sie schnell heraus, wo sich die naive Landbevölkerung vor Hexen und Gespenstern fürchtet. Und sogleich bieten die Brüder an, die Menschen vor Spukgestalten zu schützen sowie Hexenbeschwörungen und Exorzismen durchzuführen. Als die französischen Besatzer, allen voran General Delatombe (Jonathan Pryce) und sein Folterscherge Cavaldi (Peter Stormare), Wind von dem Betrug bekommen, fangen sie die Brüder kurzerhand ein und stellen sie vor die Wahl: Entweder ein langsamer, schmerzhafter, ekliger Tod in Cavaldis Folterkeller oder aber eine Reise in das kleine Dörfchen Marbaden, um dort das Geheimnis eines angeblich verwunschenen Waldes und das Verschwinden junger Mädchen aufzuklären...

In Terry Gilliams faszinierenden, aber ziemlich unausgewogenen Märchenabenteuer "Brothers Grimm". spielen Matt Damon und Heath Ledger die Brüder Will und Jake Grimm, die 1796 als Betrüger durch das von Napoleon besetzte Deutschland ziehen und vorgeben, gegen Hexen und Geister zu kämpfen. Als sie den Auftrag erhalten, das Verschwinden mehrerer Mädchen aufzuklären, stellen sie fest, dass der verfluchte Wald tatsächlich Magie birgt. Ehren Kruger verbindet dabei Motive aus "Rotkäppchen", "Hänsel und Gretel", "Rapunzel" und "Dornröschen" zu einer bewusst eigenständigen Märchencollage. Gilliams größte Stärke ist natürlich die Optik. Der düstere Wald, die grotesken Kreaturen, die Spiegelkönigin und die liebevoll überzeichnete Ausstattung besitzen eine fantastische, teilweise morbide Bilderbuchqualität. Gerade deshalb ist es schade, dass die Geschichte mit ihren vielen Figuren, Nebenhandlungen und Wendungen häufig den Eindruck erweckt, als wolle sie sämtliche Ideen gleichzeitig unterbringen. 

Auch das Hauptdarstellerduo funktioniert besser, als der Film manchmal vermuten lässt. Ledger gibt Jacob eine verträumte, beinahe romantische Seite, während Damon den pragmatischeren Will verkörpert. Lena Headey sorgt als Angelika für Bodenhaftung, Monica Bellucci bleibt als Spiegelkönigin vor allem eine visuell interessante Märchenfigur. Peter Stormare wiederum darf als grotesker Folterknecht Cavaldi ordentlich aufdrehen und liefert einige der schwärzesten komischen Momente. Das eigentliche Problem ist der Ton. *Brothers Grimm* möchte gleichzeitig Fantasy, Horror, Komödie, Abenteuerfilm und Buddy-Movie sein. Manchmal entsteht daraus genau jene anarchische Energie, die man von Gilliam erwartet; häufig wirkt der Film jedoch schlicht hektisch und überladen. Dabei steckt durchaus mehr unter der Oberfläche. Die Gegenüberstellung von rationalistischem französischem Besatzungsdenken und deutscher Märchen- und Geisterwelt hätte ein spannendes historisches Fundament bilden können. Auch die Frage, wie aus Lügen und erfundenen Geschichten schließlich tatsächlich Märchen entstehen, ist reizvoll. Der Film entwickelt diese Ideen jedoch nicht konsequent genug. Dadurch bleibt von der durchaus interessanten Ausgangslage vor allem eine aufwendig ausgestattete Fantasy-Achterbahnfahrt.

Im Vergleich zu Gilliams stärkeren Fantasyfilmen fehlt es an erzählerischer Klarheit und emotionalem Zentrum. Trotzdem ist "Brothers Grimm" keineswegs langweilig: Dafür gibt es zu viele bizarre Einfälle, starke Bilder und groteske Nebenfiguren. Es ist eben ein typischer Fall von "zu viel Film". Gilliams visuelle Fantasie ist beeindruckend, Damon und Ledger harmonieren, und die Märchenmotive sorgen für einige herrlich düstere Momente. Doch die Handlung ist überladen, der Ton schwankt ständig und vieles wirkt eher zusammengestellt als wirklich entwickelt. Kein Gilliam-Meisterwerk, aber ein eigenwilliges, atmosphärisches Fantasyabenteuer, das gerade wegen seiner Fehler interessanter bleibt als mancher glattgebügelte Hollywood-Blockbuster.

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkSummit Entertainment/Atlas Entertainment/Mosaic Media Group/Dimension Films/Metro-Goldwyn-Mayer/Daniel Bobker Productions

Samstag, 5. September 2026

Syriana (2005)

https://www.imdb.com/de/title/tt0365737/
https://letterboxd.com/film/syriana/

CIA-Agent Bob (George Clooney) verliert bei einem Waffendeal in Ägypten eine Rakete, die er sicher in die USA zurückbringen sollte. Bei der Zentrale ist er damit in Ungnade gefallen, auch wenn ihm das niemand so richtig bestätigen will. Darüber hinaus quälen ihn familiäre Probleme mit seinem Sohn. Schließlich ist er froh, einen spannenden Auftrag in Beirut ausführen zu können: Er soll Prinz Nasir (Alexander Siddig) eliminieren, der mit seinem Bruder um die Nachfolge eines mächtigen Öl-Emirs in Beirut rivalisiert. Die Vereinigten Staaten sähen lieber den anderen Sohn des Emirs an der Macht, da Nasir ein Hardliner sein soll, der gerade den Chinesen eine Pipeline gab und offen gegen die USA wettert. Während sich Bob auf den Weg macht, wird die Fusion zweier Ölkonzerne in den USA eingeleitet: Der Ölkonzern Killen hat in Kasachstan gerade eine wichtige Pipeline gewonnen und soll nun von den Amerikanern geschluckt werden. Anwalt Bennett Holiday (Jeffrey Wright) soll die Fusion überprüfen und stößt auf Ungereimtheiten, Bestechung und Betrug, in den die Ölgiganten Whiting (Christopher Plummer) und Jimmy Pope (Chris Cooper) von Killen verstrickt sein könnten. Während Holiday seine Untersuchung macht, wird Finanzexperte Bryan Woodman (Matt Damon) Prinz Nasirs Berater und stellt fest, dass der Prinz große liberale Reformen für sein Land plant, die seinem profitgierigen Bruder egal sind. Während sich die Situation um die Fusion und Bobs Auftrag immer weiter zuspitzt, begibt sich ein junger Pakistaner (Mazhar Muzir) in die Gesellschaft islamistischer Terroristen...

Stephen Gaghans "Syriana" ist ein zwar schwer zugänglicher, aber anspruchsvoller Politthriller, der das weltweite Ölgeschäft nicht als simple Verschwörung, sondern als kaum durchschaubares Geflecht aus Macht, Geld, Geheimdiensten und persönlichen Interessen zeigt. George Clooney, Matt Damon, Jeffrey Wright und Christopher Plummer bewegen sich in mehreren miteinander verbundenen Handlungssträngen zwischen Washington, Genf, Texas und dem Persischen Golf. Man versteht nie das gesamte System - aber man erkennt, wie Menschen darin benutzt werden. Clooney ist als desillusionierter CIA-Agent Robert Barnes hervorragend und körperlich kaum wiederzuerkennen. Auch Matt Damon überzeugt als Geschäftsmann, dessen private Tragödie zunehmend mit den großen politischen Interessen kollidiert. Jeffrey Wright und Christopher Plummer setzen starke Akzente, während Alexander Siddig als reformorientierter Prinz Nasir dem Film eine interessante Perspektive auf Macht und politische Abhängigkeit gibt. Die Ensembleleistung ist eine der großen Stärken des Films. 

Gaghan inszeniert bewusst ohne komfortable Erklärungen. Die zahlreichen Schauplätze, Figuren und Handlungsebenen ergeben ein Mosaik, dessen einzelne Teile sich erst langsam verbinden. Das ist faszinierend, kann aber auch anstrengend sein. Inhaltlich ist "Syriana" besonders stark, weil der Film seine Kritik nicht auf einen einzelnen Bösewicht reduziert. Ölkonzerne, Politiker, Geheimdienste und arabische Herrscher verfolgen ihre eigenen Interessen - und Korruption erscheint weniger als Ausnahme denn als Bestandteil eines Systems. Damit erinnert der Film an die politischen Paranoia-Thriller der 1970er und an "Traffic", besitzt aber durch seine globale Perspektive eine eigene Dimension. Die Schwäche liegt darin, dass Gaghans Ehrgeiz gelegentlich größer ist als seine erzählerische Kontrolle. Manche Dialoge wirken programmatisch, einige Nebenfiguren verschwinden fast ebenso schnell, wie sie eingeführt werden, und die Vielzahl an Verbindungen kann die emotionale Wirkung abschwächen. Der Film möchte gleichzeitig Thriller, Politdrama und Systemanalyse sein - und erreicht diese Ziele nicht immer im gleichen Maß. 

"Syriana" ist ein intelligenter, hervorragend besetzter und politisch ambitionierter Thriller, der seinem Publikum einiges abverlangt. Seine größte Stärke - die komplexe, fragmentierte Erzählweise – ist zugleich sein größtes Hindernis. Dafür besitzt der Film eine bemerkenswerte Atmosphäre, starke Darsteller und eine bis heute relevante Vorstellung davon, wie wirtschaftliche Interessen und politische Macht ineinandergreifen. Nicht immer leicht zugänglich, aber deutlich interessanter als ein gewöhnlicher Verschwörungsthriller. 

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkParticipant/4M/Section Eight/FilmWorks/MID Foundation/Warner Bros. Pictures

Freitag, 4. September 2026

Green Zone (2010)

https://www.imdb.com/de/title/tt0947810/
https://letterboxd.com/film/green-zone/

Das Team von US-Army-Offizier Roy Miller (Matt Damon) hat einen wichtigen Auftrag: Es geht darum, im Irakkrieg des Jahres 2003 die Massenvernichtungswaffen von Saddam Hussein aufzuspüren. Doch trotz vermeintlich solider Geheimdienstinformationen zieht Miller eine Niete nach der anderen. Verärgert wendet er sich an seine Vorgesetzten, die jedoch von seinen Einwänden nichts hören wollen. Drahtzieher dieser fragwürdigen Hinweise ist offenbar der Sonderbeauftragte des Pentagons, Clark Poundstone (Greg Kinnear). Miller vertraut sich dem abgebrühten CIA-Mann Martin Brown (Brendan Gleeson) an, der ebenfalls vermutet, dass im Irak etwas kolossal schief läuft. Dank eines Tipps des irakischen Zivilisten Freddy (Khalid Abdalla) stürmt Miller mit seinen Leuten eine Zusammenkunft hochrangiger Saddam-Vertrauter, die aber größtenteils flüchten können. Brown hetzt Miller auf ihre Fersen…

Irakkriegsdrama, Politthriller und kompromissloses Actionkino - Paul Greengrass’ "Green Zone" ist schon angesichts dieser Zusammensetzung deutlich stärker als reine Unterhaltung, aber weniger überzeugend, als seine brisante Ausgangslage verspricht. Matt Damon spielt Chief Warrant Officer Roy Miller, der im Irak 2003 nach den angeblichen Massenvernichtungswaffen sucht und zunehmend erkennt, dass die Geheimdienstinformationen dahinter nicht stimmen können. Aus der militärischen Routine wird eine persönliche Suche nach der Wahrheit. Damon funktioniert hervorragend als bodenständiger Soldat, während Greg Kinnear als machtbewusster Pentagon-Mann und Brendan Gleeson als CIA-Agent für die politischen Gegenspieler sorgen. Besonders gelungen ist, dass der Film die Suche nach den WMD nicht als abstrakte politische Debatte, sondern als unmittelbaren Thriller erzählt. Greengrass und Kameramann Barry Ackroyd erzeugen mit Handkamera, schnellen Schnitten und chaotischen Gefechtsszenen ein beinahe dokumentarisches Gefühl. 

Allerdings wird genau dieser Stil irgendwann zum Problem. Die permanente Wackelkamera und hektische Montage machen die Action zwar intensiv, aber nicht immer übersichtlich. Auch die Handlung selbst ist weniger komplex, als sie gerne wäre: Der politische Hintergrund wird stark vereinfacht, und aus der realen Kontroverse um die irakischen WMD entsteht letztlich ein ziemlich klassischer Verschwörungsthriller. Interessant bleibt der Gegensatz zwischen Anspruch und Unterhaltung. "Green Zone" möchte über die politischen Folgen des Irakkriegs sprechen, funktioniert aber am überzeugendsten als Actionfilm. Dadurch entsteht eine gewisse Ambivalenz: Der Film ist sichtbar engagiert, reduziert seine komplexe historische Realität jedoch auf einen amerikanischen Helden, der die Wahrheit entdeckt und gegen korrupte Entscheidungsträger vorgeht. 

Handwerklich beeindruckend und temporeich mit einem starken Matt Damon und einigen wirklich packenden Gefechtsszenen. Seine politische Botschaft ist allerdings zu plakativ, die Figurenzeichnung teilweise schematisch und die hektische Inszenierung nicht immer angenehm; als Kombination aus Irakkriegsfilm und Bourne-artigem Thriller funktioniert das Ganze aber durchaus.

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkUniversal Pictures/StudioCanal/Relativity Media/Working Title Films (GB)/KanZaman Productions/Atresmedia Cine

Battle: LA - World Invasion: Battle Los Angeles (2011)

https://www.imdb.com/de/title/tt1217613/
https://letterboxd.com/film/battle-los-angeles/

Die Erde fällt interstellaren Plünderern zum Opfer – und die außerirdischen Aggressoren sind richtig mies drauf. Stadt um Stadt und Land um Land gerät der blaue Planet in die Hände der Invasoren, die Menschheit ist dem Inferno völlig hilflos ausgeliefert. Los Angeles wird zum Zentrum der Résistance gegen den übermächtigen Feind. Der abgebrühte Sergeant Michael Nantz (Aaron Eckhart) soll die Verteidigung der Stadt stärken. Können er und seine Truppe (u.a. Michelle Rodriguez, Cory Hardrict, Will Rothhaar, Jim Parrack und R&B-Sänger Ne-Yo) die Apokalypse abwenden?

Jonathan Liebesmans "Battle: Los Angeles" ist im Kern weniger Science-Fiction als ein Kriegsfilm mit Aliens. Wenn unbekannte Außerirdische weltweit angreifen, folgt der Film fast ausschließlich einem US-Marineinfanterie-Trupp unter Staff Sergeant Michael Nantz (Aaron Eckhart), der sich durch das zerstörte Los Angeles kämpft. Das Ergebnis erinnert deutlich an "Black Hawk Down" trifft auf "War Of The Worlds": laut, hektisch und ausgesprochen patriotisch. Aaron Eckhart ist dabei der wichtigste Trumpf. Er verleiht Nantz trotz der ziemlich schematischen Figur genügend Glaubwürdigkeit und menschliche Präsenz. Auch Michelle Rodriguez, Ramón Rodríguez und Bridget Moynahan funktionieren innerhalb des Ensembles ordentlich. Die Figuren bleiben allerdings überwiegend Genretypen: der unerfahrene Soldat, der harte Vorgesetzte, der skeptische Kamerad. Der emotionale Zusammenhalt des Trupps soll die Geschichte tragen, wirkt aber nicht selten wie aufgesetzte Militärromantik. 

Visuell und akustisch macht Liebesman dagegen ordentlich Druck. Wackelkamera, schnelle Schnitte, Explosionen und Dauerfeuer erzeugen tatsächlich das Gefühl, mitten in einem Gefecht zu stecken. Gleichzeitig wird die Inszenierung durch ihre permanente Hektik irgendwann ermüdend. Inhaltlich ist "Battle: Los Angeles" hingegen erwartungsgemäß dünn. Warum die Aliens angreifen, bleibt weitgehend Nebensache; ihre Motivation, die Erde beziehungsweise deren Wasser zu erobern, ist kaum mehr als ein Vorwand für die Gefechte. Gegenüber intelligenteren Invasionsfilmen wie beispielsweise "District 9" fehlt dem Film deshalb jede wirkliche gesellschaftliche oder politische Dimension. Und trotzdem: Als schnörkelloses Actionkino funktioniert der Film erstaunlich gut. Wer keine philosophische Alien-Geschichte erwartet, sondern beinahe zwei Stunden Dauergefecht mit einem charismatischen Hauptdarsteller, bekommt genau das. Die Effekte sind solide, die Action besitzt Wucht und einige Gefechte entwickeln durchaus Spannung. Nur sollte man die emotionale und dramaturgische Tiefe nicht dort suchen, wo vor allem geschossen wird.

"Battle: Los Angeles" ist weder ein guter Science-Fiction-Film noch ein besonders origineller Kriegsfilm, aber ein durchaus effektiver Actioner. Zwischen Alien-Invasion, militärischer Machtdemonstration und einem Videospiel findet Liebesman einen brachialen, wenn auch ziemlich eindimensionalen Stil. Die dünne Geschichte, die Klischees und die übertriebene Wackelkamera verhindern mehr - wer sich aber auf lautes, kompromissloses Popcornkino einlässt, wird zumindest ordentlich bedient.

5,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkColumbia Pictures/Relativity Media/Original Film