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Mittwoch, 22. November 2023

Thanksgiving (2023)

https://www.imdb.com/title/tt1448754/

Am sogenannten Black Friday, dem Tag nach Thanksgiving, brechen im US-amerikanischen Plymouth Unruhen aus, die ein schreckliches Ende nehmen. Und auch danach ist in dem beschaulichen Küstenstädtchen in Massachusetts nicht an Ruhe und Frieden zu denken. Ein unbekannter Killer, der erstaunlich viel Inspiration aus den Traditionen des amerikanischen Erntedankfestes zu ziehen scheint, verbreitet Angst und Schrecken und beginnt damit, Jagd auf die Einwohner zu machen. Kann der örtliche Sheriff (Patrick Dempsey) dem blutrünstigen Monster Einhalt gebieten?

Die Liste wirklich großartiger Horrorkomödien ist überraschend kurz. Um etwas Lustiges zu machen, das gleichzeitig überzeugend spannend und befriedigend blutig ist, bedarf es einer feinen Note, weshalb Wes Cravens "Scream"-Filme wahrscheinlich die besten Beispiele für unterhaltsame, lustige Slasher sind. Auch wenn die neuesten "Scream"-Filme sicherlich in Teilen von Craven inspiriert wurden, ist es ihnen nie ganz gelungen, die Kombination aus Schrecken und Spaß einzufangen, die die vier Originalfilme so großartig macht. Zum Glück ist Eli Roths alberner, wirklich gruseliger neuer Slasher "Thanksgiving" (der ursprünglich nur als Fake-Trailer im "Grindhouse"-Double-Feature von Robert Rodriguez und Quentin Tarantino begann) hier, um "Scream" und seinen unmittelbaren Fortsetzungen die Fortsetzung zu geben, die sie wirklich verdienen. Genau wie beim ursprünglichen "Scream" findet der Großteil von "Thanksgiving" ein Jahr nach einer tödlichen Tragödie statt. Aber in diesem Fall handelt es sich nicht um einen einzigen Mord, sondern um einen Massenansturm am Black Friday, bei dem drei Menschen getötet wurden. Im Gegensatz zu "Scream" beginnt Roths Film jedoch tatsächlich mit dem Ereignis. Die Panik beginnt, als ein Walmart-ähnlicher Laden in Plymouth, Massachusetts, verspricht, dass die ersten 100 Käufer, die am Vorabend von Thanksgiving ankommen, ein kostenloses Waffeleisen bekommen. Scharen von Menschen tauchen auf, verzweifelt auf der Suche nach ihrem "Goodie". Das Ganze ist unbestreitbar albern, dient aber auch als hervorragender Tongeber für den kommenden Film. Roth verwischt gern die Grenzen zwischen seinem Horror und seiner Komödie und sorgt dafür, dass die großzügigen Blutspritzer des Films gleichermaßen Lacher und Grinsen hervorrufen.

"Thanksgiving" verliert keinen Schritt an Schwung, als es auf ein Jahr nach den Massakern zurückblickt und enthüllt, dass eine mysteriöse Person, die als Gouverneur der Plymouth-Kolonie, John Carver, getarnt ist, Menschen ermordet hat, die an der Tragödie beteiligt waren. Er richtet sich speziell an die Gruppe der Teenager, die früh eingestiegen sind und die ganze Tortur gefilmt haben. Natürlich gibt es einen hilfreichen Sheriff, der die Morde untersucht, einen verdächtigen neuen Polizisten in der Stadt und viele lokale Verrückte, die der Verdächtigenliste hinzugefügt werden können - darunter ein besonders urkomischer Waffenhändler, gespielt von Joe Delfin. Die Tonart des Films ist luftig und gespickt mit überraschend witzigen Witzen, die um Tropen und Archetypen von High-School-Filmen herumtanzen, aber auch um Themen wie Landanerkennungen, ohne dass sie den Blutfluss bremsen. In wahrer "Scream"-Manier gleicht das solide Kerngeheimnis eher einer jugendlichen Detektiv-Farce als einem akribischen Detektivfilm. Die Hauptfiguren (alle auf eine ruckartige, kindgerechte Art liebenswert) ziehen voreilige Schlüsse, werfen Anschuldigungen in völlig falsche Richtungen und werden einer nach dem anderen auf zunehmend grausame Art und Weise angegriffen, die es immer schafft, an Thanksgiving zu erinnern.


Und apropos "grausame Art und Weise". Das ist etwas, womit "Thanksgiving" sogar "Scream" übertrifft. Roth nutzt jede Gelegenheit, um seine Truppe aus manchmal mitfühlenden Teenagern auszuweiden und zu verstümmeln. "Thanksgiving" erreicht zwar nie das Kotzgefühl-hervorrufendes oder Magenumdreh-Niveau von Roths Splatter-Filmen wie "Hostel" oder "The Green Inferno", aber es gibt immer noch genug Eingeweide und halbierte Körper, um die meisten anderen Slasher im Vergleich dazu zahm erscheinen zu lassen.

Was Roths Film, abgesehen von seinem charakteristischen Blut, so beeindruckend und unterhaltsam macht, ist die Geschicklichkeit, mit der er mit dem Ton umgeht. Die Gratwanderung, die er in der ersten Black-Friday-Schlägerei vollzieht, die zu gleichen Teilen lustig, albern, ekelhaft und gruselig ist, ist eine heikle Balance, die er den gesamten Film hindurch aufrechterhält. Roth nutzt die vielen albernen Einzeiler und Gags in Jeff Rendells Drehbuch, um die Spannung in seinen Horrorszenen zu erhöhen, anstatt sie zu untergraben, etwa wenn der John Carver-Mörder einen ganz besonderen Thanksgiving-Vogel zum Kochen vorbereitet oder wenn das letzte Mädchen des Films posiert als Schaufensterpuppenkopf, während der Mörder an ihrer Highschool herumstreift. Komische Slasher, bei denen sich beide Hälften ergänzen, sind selbst unter den unterhaltsamsten Angeboten des Genres selten. Filme wie "Happy Death Day" oder "Freaky" sind zu lustig und unbeschwert, als dass sie jemals wirklich Angst machen könnten, während ein Film wie "Haus der 1000 Leichen" so düster und ekelhaft ist, dass der Humor beim ersten Anschauen kaum auffällt. Nur wenige Filme haben dieses Gleichgewicht jemals so gut gemeistert wie Cravens vier "Scream"-Filme. "Thanksgiving" erreicht nicht ganz die kometenhaften Höhen dieser Reihe, aber es kommt weitaus näher als alles andere in den letzten Jahren - einschließlich des "Scream"-Franchise selbst.

7/10

Quellen
Inhaltsangabe: Sony Pictures
Poster/Artwork: Sony Pictures

Sonntag, 5. Dezember 2021

Carga (2018)

https://www.imdb.com/title/tt7753158/

António (Vítor Norte) überquert als Lastwagenfahrer regelmäßig die Grenze. Was er nicht weiß: Unwissentlich wird er damit zum Komplizen von brutalen Menschenhändlern, die ihre lebendige Fracht heimlich auf dem LKW des Familienvaters unterbringen. Eines Tages befindet sich so die hübsche Viktoriya (Michalina Olszanska) auf der Tragfläche, deren Traum von einem besseren Leben bitter enttäuscht wird, als sie in die Prostitution gezwungen wird. Doch sie denkt gar nicht daran, aufzugeben, und kämpft mit allen Mitteln um ihre Freiheit... 

"Carga" beschäftigt sich mit einem sehr düsteren und gleichzeitig ernstem Thema, doch Regisseur Bruno Gascon findet nicht durchgängig den richtigen Ton für die leider allzu beständige Geschichte über Macht, Gier, Grausamkeit, Verrat - sprich: die Fratze der Unmenschlichkeit nicht weniger Menschen. In der ersten Hälfte des Films inszeniert er eine langatmige und das Thema unredlich ausbeutende Horrorgeschichte im Stil von "Hostel". Doch das eigentliche Thema Menschenhandel verfehlt er dabei immer wieder um Haaresbreite. Im zweiten Teil zeichnet "Carga" dann ein vermeintlich tiefgründig psychologisierendes Profil und wird mit erhobenem Zeigefinger sogar noch moralisch. Das will nicht so recht zusammenpassen, doch trotz dieses verschenkten Potentials machen zumindest die Hauptdarsteller einen guten Job und bringen dien abgrundtief hässlichen Zustand der Welt dem Zuschauer nahe. Und das mit nur wenigen Worten und oft sehr brutalen Bildern.

6,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: I-ON New Media

Sonntag, 15. August 2021

Mark Of The Devil - Hexen bis aufs Blut gequält (1970)

https://www.imdb.com/title/tt0065491/

Österreich, Anfang des 18. Jahrhunderts. Im Namen der Kirche werden Frauen als Hexen verfolgt und auf brutalste Weise gefoltert.: Graf Cumberland übernimmt das Regiment im Fürstentum und löst damit den brutalen Hexenjäger Albino ab, für den Folter und Verbrennung zur Tagesordnung gehören. Doch auch der Graf versteht es als seine heilige Pflicht, die vermeintlichen Dienerinnen Satans zu jagen und unschädlich zu machen. Diese Kunst will Cumberland an seinen Schüler Christian weitergeben, doch der verliebt sich in Vanessa, eine Verdächtige...

Die Effekte mögen etwas in die Jahre gekommen sein, die Schreie gehen aber nach wie vor durch Mark und Bein. "Hexen bis aufs Blut gequält" zeigt einen Ausschnitt aus einer Zeit, zu der man nicht gerne anwesend sein möchte. Eine Welt dominiert von Männern (und) der Kirche. Eine Welt in der eine Frau bezichtigt wird eine Hexe zu sein, wenn sie sich nicht dem Willen des Mannes unterwirft. Wahllose Beschuldigungen, wenn einem das Gesicht nicht passt oder man mit Dingen konfrontiert wird, die einem unbekannt sind. Hinter der Fassade, die einem alten Sissi Film gleicht, werden wirklich groteske und brutale Geschehnisse gezeigt. Abgebrühte "Saw"- und "Hostel"-Liebhaber werden hier sicherlich nur gähnen, aber für seine Zeit hat der Film schon ein paar wirklich ordentliche Gewaltspitzen. Obwohl Udo Kier für mich ein sehr hölzerner Darsteller ist, verliert man sich trotzdem in seinen kristallblauen Augen und leidet stellenweise mit ihm mit, wenn er sich entscheiden muss, ob er auf sein Herz oder den Verstand hört. Soll er den Worten seines Meisters, einem berühmten Hexenjäger, weiterhin Folge leisten, oder sich seiner Vernunft bedienen. Der Zahn der Zeit ist nicht spurlos an diesem Werk vorbeigegangen, aber gefesselt hat es mich dennoch. Zwar war "Hexen bis aufs Blut gequält" eine internationale Produktion, im Kern bleibt es aber ein starker Beitrag für die deutsche Filmlandschaft.

7/10

Von TURBINE Medien kommt der Film als deutsche Erstauflage ungeschnitten und unzensiert im auf 5.000 Stück limitierten DigiPak auf BD in HighDefintion. 

Quellen
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Turbine

Sonntag, 12. Juli 2020

Follow Me (2020)

https://www.imdb.com/title/tt8160834/

Cole (Keegan Allen), ein Hipster-Twen, dessen VLOG "Escape From Life" mit extremen und grenzüberschreitenden Aktionen wirbt, testet das riskante und einmalige Angebot eines stinkreichen Fans aus. Der lädt Cole (und damit seine gesamte Social Media-Anhängerschaft) nach Moskau ein, wo eine besonders Attraktion auf den vergnügungssüchtigen Weltenbummler warten soll. Um was es sich handelt, soll erst vor Ort verraten werden. Die Moskauer High Society entpuppt sich für die Clique dann aber wie erhofft: Luxus, Wodka, schöne Frauen. Schließlich lüftet ihr Gastgeber Alexei (Ronen Rubinstein) das Geheimnis: In einen Escape Room soll die Reise gehen - aber keinen herkömmlichen. Eine bahnbrechende, lebensverändernde Erfahrung wird ihnen versprochen. Ein Escape Room in einem streng geheimen Bunker, irgendwo in Russland? Was kann da schon schiefgehen, denkt sich Cole - wie sich zeigt, offenbar eine ganze Menge! Denn in diesem Escape Room wartet eine blutige Überraschung nach der anderen auf die angereisten YouTuber...

"Kennste einen, kennste alle" - so könnte man vor der Sichtung von "Follow Me" denken. Die Macher von "Escape Room" (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen 2019er "Escape Room"!) dachten wohl, sie könnten ihrem Erstlingswerk noch etwas mehr Drive verpassen, indem sie Elemente aus eben jenem Escape Room mit Fallen aus "SAW" und Gegnern aus "Hostel" aufpeppen. Es ist dabei geradezu empörend, wie sehr hier Elemente aus den vorgenannten Filmen regelrecht kopiert werden (in einer Szenen wird sogar die Ideengrundlage aus "Stirb langsam 3" zitiert), und "Follow Me" wäre allein schon damit ein recht unterdurchschnittlicher Film geworden - wenn das Finale nicht wäre. Der Film beginnt mit einem Video-Log, welches dem Zuschauer kurz die Protagonisten des Films vorstellt: den Vlogger himself, seine Freundin, deren Liebe zwar recht frisch doch intensiv zu sein scheint, seine Vlogger-Crew und - Überraschung! - auch noch sein bester Freund. Es dauert auch nicht lange, bis sich herauskristallisiert, welcher Bauart welche Person ist und schon kann es, nach einem etwas nervenaufreibendem Besuch in einem russischen Nachtclub in den besagten Escape Room gehen. Dass Cole den Schlüssel zu seinem Raum aus einer (offenbar echten) Leiche herausholen muss, scheint ihn auch nicht sonderlich zu verwundern - schließlich ist das ja hier ein grenzüberschreitende Erfahrung und so leicht bekommen sie ihn nicht dran. Es wird erst seltsam, als seine Freundin in einem Wassertank beinahe ertrinkt und als denn noch Männer mit Masken auftauchen, die verdächtig an den bekannten Film "Hostel" erinnern, dämmert ihm, dass hier etwas gar nicht so rund läuft wie erwartet.

Der Regisseur Will Wernick ist schon ein ausgebuffter Hund. Er spielt mit dem Zuschauer, so wie die Besitzer des Escape Rooms mit ihren Insassen. Das blöde dabei ist: er läuft damit Gefahr, die Hälfte seiner Zuschauer aufgrund etablierter Szenarien im Laufe des Films zu verlieren. Denn: ist man nicht Willens oder hat gar das Sitzfleisch, um den Film zu Ende zu schauen, entgeht einem die Pointe. Und die wertet den bis dahin vor sich hinplätschernden "Alles schon mal gesehen"-Film um ein vielfaches auf. Der Grund ist einfach: tatsächlich hat man alles auf dem Weg zum Ziel so schon einmal gesehen, manches sogar mehrfach. Da fehlt es schlicht an Innovation. Zudem sind die Charaktere völlig austauschbar und so richtig personifizieren kann man sich mit keinem davon, geschweige denn mitfiebern. Sprich: die Personen sind einem völlig egal und irgendwann wartet man nur noch darauf zu sehen, wie denn nun jeder einzelne von ihnen dezimiert wird. Völlig überraschend ist hier nichts, seien es die Versuche zu entkommen oder das Beobachten von Folterszenen, oder dem Verstecken vor den maskierten Männern. Dass sich Cole in manchen Situationen auch nur reichlich dämlich verhält, kommt nicht wirklich überraschend dazu. Erst (und eigentlich allein) das Finale hat es in sich und serviert dem Zuschauer einen so herrlichen Twist, auf den zwar früh im Film hingewiesen wird, aber den man bis dahin schon wieder völlig vergessen hat, weil man sich auf Mord- und Totschlag konzentrierte. Mit einem Paukenschlag hebt sich der Film schlagartig über das Mittelmaß und lässt den Zuschauer doch noch befriedigt zurück.

"Follow Me" ist damit nicht schlecht geworden. Er ist aber auch nicht wirklich gut. Die Problematik, die Zuschauer ohne Sitzfleisch zu verlieren ist ein Pokerspiel mit einem ganz schwachen Blatt. Es sei daher jedem geraten, den nötigen Willen mitzubringen, diesen Film auch bis zum Ende sehen zu wollen. Alle anderen, so steht es zu befürchten, schalten vorher ab.

5,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Escape Productions

Sonntag, 14. Juni 2020

Finale (2018)

https://www.imdb.com/title/tt5039416/

Die dänische Nationalmannschaft steht vor ihrem großen Sieg und Millionen Dänen fiebern vor den Fernsehgeräten mit. Auf der Straße ist kein Mensch unterwegs - nur in einer kleinen Tankstelle schieben die Freundinnen Belinda (Karin Michelsen) und Agnes (Anne Bergfeld) ihre Schicht. Aber so ganz allein scheinen die beiden Mädchen nicht zu sein. Ungewöhnliche Dinge ereignen sich in den Räumen der Tankstelle. Schnell wird ihnen klar, dass sie zum Spielball eines ganz anderen Events geworden sind, in dem es nicht um Sieg oder Niederlage geht. Hier wird um das bloße Überleben gekämpft!

"Finale" basiert auf dem gleichnamigen Roman von Steen Langstrup, der seit Mitte der 90er Jahre düster-blutige Thriller schreibt und von Literaturkritikern als "Stephen King Dänemarks" bezeichnet wird. Regisseur Søren Juul Petersen nahm sich nun in seinem Regiedebüt der Buchvorlage an und erzählt auf zwei Zeitebenen, analog zum Buch, die Geschichte von "Finale". Dabei kreiert er eine durchaus unheilvolle Atmosphäre. Gerade in den Rückblenden, die das Geschehen in der Tankstelle zeigen, erzeugen die gewählten Kameraeinstellungen, gepaart mit der stimmigen Musik, ein sehr kohärentes Gesamtbild.

Im Jetzt sieht der Zuschauer, wie die Protagonistinnen Belinda und Agnes gefangen sind und in einem perversen Spiel bis aufs Blut gequält werden. Die eingestreuten Rückblenden beginnen mit der Schicht der beiden in einer Tankstelle und erzählen, wie es zu der Entführung gekommen ist. Leider tut diese Art der Erzählung diesem Horrorthriller gar nicht gut. Was im Buch vielleicht noch funktionierte, nimmt dem Zuschauer jegliche Spannung und vor allem Tempo, wenn es drauf ankommt. Auch die beiden Hauptdarstellerinnen entsprechen mit ihren Charakterzeichnungen gängigen Genre-Stereotypen, was neben sich den nicht minder ungeschickt agierenden Bösewichten wirkliches Mitfiebern verhindert. Lediglich der bisher in isländischen Produktionen zu erlebende Damon Younger zeigt sich als sadistischer Foltermeister von seiner schrecklichsten aber zugleich auch besten Seite.

Es bleiben ein paar interessante Szenen an der Tankstelle und die wenigen Gore-Szenen, die Fans von Horrorthrillern oder Torture Porn freuen werden. Denn das Malträtieren der an einen Stuhl gefesselten Agnes mit einem Tacker oder das Durchstechen ihrer Brustwarze mit der Sicherheitsnadel eines Namensschilds geraten deftig. Gore-Hounds kommen also durchaus auf ihre Kosten, auch wenn, obwohl gewisse Parallelen nicht von der Hand zu weisen sind, "Finale" sicher kein zweites "Hostel" ist. Gerade aber auch diese Schauwerte führen in "Finale" aber die Kritik am Überwachungsstaat und perversem Voyeurismus ad absurdum, die gerade bei wiederholt eingefügten Szenen aus der Sicht von Überwachungskameras immer wieder betont wird.

"Finale" ist pseudo-hintersinnige Durchschnittsware - gut gefilmt, ansprechend serviert, trotzdem nicht wirklich gelungen und mit dem Unterschied, dass sie mal nicht aus den USA, sondern Dänemark kommt.

6/10

"Pierrot Le Fou UNCUT #20", so lautet der Editionsname des limitierten Mediabooks, welches den Film in der ungeschnittenen Fassung enthält:


Quellen:
Inhaltsangabe: Pierrot Le Fou
Poster/Artwork: Pierrot Le Fou

Samstag, 3. Februar 2018

The Dentist (1996)

http://www.imdb.com/title/tt0116075/

Als Zahnarzt ist es normal, sich um die hygienischen Belange seiner Patienten zu kümmern. Dr. Alan Feinstone hat jedoch eine sehr extreme Abneigung gegen Schmutz jeder Art. Sei er nun physischer oder psychischer Natur. Da ist an etwas so schmutziges wie Sex gar nicht zu denken. Deshalb muß er auch schon bald entdecken, daß sich seine Frau einen Geliebten hält. Für Dr. Feinstone erweitert sich in diesem Moment der Bereich in welchem er Schmutz bekämpft von der Mundhöhle seiner Patienten zu seinem gesamten persönlichen Umfeld, das er nun von menschlichem Abschaum reinigt. Und sein Terminkalender ist immer voll - schließlich müssen wir alle mal zum Zahnarzt...

"The Dentist" ist ein herrlich sadistischer Schocker der es sogar auf ein Sequel gebracht hat aber insgesamt gesehen vielleicht acht bis zehn Jahre zu spät kam. 1996 aber lagen die meisten Horror Franchises am Boden und so wundert es nicht, dass Dr. Feinstone dann in den Videotheken eher ein minimaler Erfolg beschieden war. Wäre der Streifen in den 80ern gedreht worden hätte er sich bestens in die ausufernden Reihen um Jason, Michael und Konsorten einreihen können. Hier gibt es zwar nichts Übernatürliches aber wenn man ehrlich ist, kann man ruhig zugeben, dass ein Amok laufender Yuppie-Zahnarzt, der seine Patienten quält, wirklich an Ängsten rührt. Kann man jetzt nicht wirklich als Urphobie bezeichnen, wie beispielsweise die Angst vorm schwarzen Mann oder die Furcht im Traum zu sterben aber richtig prickelnd findet wohl niemand den Besuch beim Mann der die Bonushefte ausfüllt. Das mag, ganz salopp ausgedrückt daran liegen, dass die Situation beim Zahnarzt einen ganz schönen Kontrollverlust seitens des Patienten darstellt.

Natürlich steht und fällt ein solcher Film mit der Hauptrolle und da hat Brian Yuzna mit Corbin Bernsen einen absoluten Glücksgriff getan. Der ehemalige "L.A. Law" Anwalt, der nie einen Hehl aus seiner Vorliebe für Trash- und Horrorfilme gemacht hat, füllt die Rolle glänzend aus, hat sichtlich Spass an der Sache und erwischt genau die richtige Mischung aus Bedrohlichkeit und spaßigem Overacting. Am Anfang kommt seine Rolle sogar noch erstaunlich sympathisch rüber und es wird sogar versucht seinen psychischen Verfall einigermaßen glaubhaft zu erklären. Das wird natürlich niemals ein Arthouse-Drama, hat aber bei dem Regisseur aber auch niemand erwartet. Der Rest ist dann purer schwarzhumoriger Sadismus der trotz oder gerade wegen seiner Brutalität (die übrigens hauptsächlich im Kopf des Betrachters entsteht) ein echter Partyspass und alle Menschen, die auf die neueren Folterfilme a la "SAW" oder "Hostel" stehen, sollten ruhig mal auf einen Besuch in Dr. Feinstones Praxis vorbeischauen.

7/10

Von NSM Records kommt der Film hierzulande ungeschnitten und in HD im limitierten Mediabook:

Samstag, 30. Dezember 2017

Turistas (Unrated Version) (2006)

http://www.imdb.com/title/tt0454970/

Nach einem Busunfall im Regenwald landet eine Gruppe von Rucksacktouristen in einem abgelegenen brasilianischen Dorf. Die Amerikaner Alex (Josh Duhamel), Bea (Olivia Wilde) und Amy (Beau Garrett), die von der lebenslustigen Australierin Pru (Melissa George) und zwei jungen Engländern begleitet werden, können ihr Glück kaum fassen, als sie den malerischen Strand sehen. Nach einer euphorisierten und exzessiven Partynacht in einer nahen Strandbar kommt jedoch das böse Erwachen. Betäubt von Alkohol und Drogen wurden die jungen Reisenden ausgeraubt und besitzen nun weder Kleidung, Geld oder ihre Ausweise. Ihre gestohlenen Habseligkeiten sind aber bald ihr geringstes Problem, denn das war erst der Anfang. Eine örtliche Miliz und deren fanatischer Anführer Zamora -  ein sadistischer Operationsarzt -  zwingen die hilflosen Touristen zu einem Kampf um das nackte Überleben in der drückenden Hitze des Dschungels.

John Stockwell's sechster Film ist ein wenig neues zeigender, aber dennoch spannender Horror-Thriller. Fast scheint es so als ob Stockwell nach "Into The Blue" mit "Turistas" nun einen Schritt weiter gehen wollte, starben doch in ersterem nur ein paar "Böse", so geht er hier in die vollen und lässt die netten, ahnungslosen Freunde geradewegs auf die Schlachtbank spazieren. Für viele als Inselabklatsch von "Hostel" verschrien, hat der Film hierzulande wenig Anerkennung bekommen. Einzig bekannt im Cast sind Olivia Wilde und Melissa George.

"Turistas" besticht durch eine wunderbare Vielfalt an Landschaft - Strände, Berge, Wälder, Wasserfälle und Unterwasserhöhlen, da bekommt man glatt Fernweh - wäre da nicht dieser "kleine" Haken... Der Aufbau, Busunglück - neue Bekanntschaften - Strand - Strandbarfeier ist stilsicher umgesetzt obwohl sich "Turistas" gängiger Schocker-Elemente bedient. Es verwunderte dahingehend auch nicht, dass Alex (Josh Duhamel) zum Helden avanciert. Aber "Turistas" ist unterhaltsam, wenngleich diese Schwarz/Weiß-Darstellung von Brasilien und den ewig dummen/arroganten Touristen ein wenig zu platt ist. Trotzdem ist "Turistas" durchaus ein Horrorfilm, der den Abend füllen kann und unterhält.

6,5/10

Sonntag, 26. Februar 2017

Neighbor (2009)

http://www.imdb.com/title/tt1362103/

Für Dan schien das Wochenende perfekt, denn in seinem Haus sollte eine große Party stattfinden. Doch eine geheimnisvolle junge Frau durchkreuzt rigoros seine Pläne. Sie überwältigt ihn und startet, offenbar ohne das geringste Motiv, einen eiskalt-brutalen Folterreigen an dem Musiker. Und als wenn es nicht schon schlimm genug wäre, dass die Psychopatin Dan furchtbaren Schmerzen aussetzt, muss er auch noch miterleben, wie sie nach und nach seine Freunde vor seinen Augen brutal umbringt. Schon bald ist der Punkt erreicht, an dem der junge Mann nur noch seine Erlösung herbeisehnt...

Wenn man "Neighbor" schaut, muss man von vornherein wissen was einen erwartet: ein storyloses Abschlachten und Torture-Porn in einer Form, die der hiesigen FSK so sehr zu hart war, dass sie der ungeschnittenen Fassung gleich gar keine und nur einer um mehr als 4 Minuten gekürzten Version die FSK-18-Freigabe erteilten. "Neighbor" ist Hochglanz-Folterkino ohne Hintergrund. Abgesehen davon das der fiese Killer mit den kranken Ideen und kreativ zweckentfremdeten Haushaltsgegenständen ausnahmsweise mal eine Frau ist, unterscheidet sich "Neighbor" recht wenig von anderen Horrorstreifen mit Exploitation-Elementen wie beispielsweise "Funny Games", "Hostel" oder "Grotesque". Insbesondere was Zehen/Finger in Verbindung mit Bohrmaschinen angeht, könnten Kenner der letzten beiden Filme einiges bekannt vorkommen. Durch das explizite zur Schau stellen der teilweise relativ harten Szenen, wartet "Neighbor" auch mit überraschend unverblümten Bildern auf. Für Genrefreunde prinzipiell empfehlenswerter Streifen, aber sicherlich nichts für zimperliche Filmfreunde. Wer auf reine Schauwerte steht und auf Story verzichten kann wird immerhin bedient.

5/10

Von DRAGON Home Entertainment kommt der Film ungeschnitten im Mediabook. Natürlich limitiert und nur über das deutschsprachige Ausland in seiner ungeprüften Fassung.

Dienstag, 1. November 2016

Hostel: Part III - Hostel 3 (2011)

http://www.imdb.com/title/tt1255916/

Ein paar Tage vor seiner Hochzeit mit Amy (Kelly Thiebaud) geht Scott (Brian Hallisay) zu einer Junggesellenparty in Las Vegas mit seiner Freunden Mike (Skyler Stone), Justin (John Hensley) und Carter (Kip Pardue). In einem Strip-Club treffen sie die Eskort-Damen Nikki (Zulay Henao) und Angela (Evelina Oboza), die die vier Freunde zu einer Party in den Randbezirken von Vegas einladen. Am nächsten Morgen bemerken die Freunde, dass Mike fehlt. Etwas später finden sie heraus, dass Nikki auch verschwunden ist, und so machen Scott, Justin und Mike mit Angela auf, die Beiden zu suchen. Dabei werden sie von einer Gruppe Männer entführt und müssen bemerken, dass sie den Mitgliedern eines sogenannten Elite Hunting Clubs zur Verfügung gestellt werden, deren Bedürfnis es ist, ihren sadistischen Fantasien freien Lauf zu lassen...

Am Anfang ist man, zugegebenermaßen, wirklich sehr positiv überrascht. In den ersten 5 Minuten wird sehr geschickt mit den Erwartungen des Zuschauers gespielt, sodass man denkt und hofft: ja, das könnte was werden. Und dieses Spiel mit den Erwartungen wird im späteren Verlauf sogar noch ein- oder zweimal wiederholt, was auch noch ganz gut gemacht ist, aber dann...

An und für sich ist es ja keine schlechte Idee, die ganze Geschichte mal ein wenig neu zu erzählen, vor allem da "Hostel: Part II" quasi ein Remake des Erstlings - nur eben mit Frauen - gewesen ist und man dort noch mehr über die Vorgehensweise der Organisation erfahren hat. Aber das Setting nach Las Vegas verlegen und die Storyline von "The Hangover" dann noch durch den Torture-Porn-Reißwolf ziehen? Das sorgt vielleicht anfänglich für etwas frischen Wind, dennoch bleibt der Film hinter den Erstlingen zurück. Die Story ist nicht besonders spannend und die Kills wirken weniger schockierend und teilweise sogar billig. Gerade an Realismus hat man hier eine Menge eingebüßt. Natürlich ist Realismus hier vielleicht nicht das richtige Wort und auch wenn es etwas abstrus und auch krank herüberkommen mag, so kann mich sich doch zumindest in die Story aus den beiden Vorgängern hineinversetzen und sich vorstellen, dass es dies irgendwo sogar geben könnte - auch wenn man am liebsten gar nicht darüber nachdenken will.

Das ganze dann aber als Vegas-Show verpackt? Das passt gar nicht. Das man in diesem reichlich seltsam anmutenden Konstrukt dann aber auch noch keine Meisterleistungen der Darsteller erwarten konnte, wird wohl spätestens damit jedem klar gewesen sein. Die Riege der Darsteller bewegen sich nun mal im Rahmen ihrer Möglichkeiten, die das Drehbuch eben vorgegeben hat. Nichtsdestotrotz wirkt alles, auch wenn einige Szenen in bester "Hostel"-Manier daherkommen, an vielen Stellen einfach nur sehr belanglos. Alles in allem bekommt man in der Endabrechnung ein paar nette kleine Überraschungen geboten, die für mehr hätten stehen können, es im Endeffekt jedoch nicht taten. Schade eigentlich. Dem dritten Teil der Reihe fehlt unterm Strich aber vor allem einfach das dreckige, düstere Setting der beiden Vorgänger. Eine wirklich unnötige Fortsetzung. 

4,5/10

Dienstag, 30. August 2016

The Stranger (2014)

http://www.imdb.com/title/tt2238470/

Ein mysteriöser Mann kommt auf der Suche nach seiner Frau in eine kanadische Kleinstadt mit dem Ziel, ihr Leben zu beenden. Daran führt kein Weg vorbei, denn sie leidet an einer gefährlichen und hochansteckenden Krankheit. Der Fremde stellt sich als Martin (Cristóbal Tapia Montt) vor und erfährt, dass seine Liebste Ana (Lorenza Izzo) bereits vor langer Zeit verstorben ist. Vor Ort findet er im Graffiti-Künstler Peter (Nicolás Durán) jemanden, der eine Verbindung zu seiner Ehefrau hatte und ihm bei seinen Nachforschungen helfen kann. Bei einem brutalen Zusammenstoß lernt er außerdem Caleb (Ariel Levy), den Sohn eines korrupten Polizisten aus der Stadt kennen. Erst einmal kommt er bei einer lokalen Familie unter, doch was Martin nicht ahnt: Er selbst ist auch infiziert und sein Blut löst eine schreckliche Epidemie aus...

Man ist mittlerweile an einem Punkt angekommen, wo der Name Eli Roth nicht mehr völlig als Garant für lupenreine Horror-Unterhaltung steht. War Roth nochals Regisseur mit Vorzeige-Horror/Splatterfilmen wie "Hostel", "Cabin Fever" oder zuletzt "The Green Inferno", welcher immer noch ein passabler Horrorstreifen ist, unterwegs, so sind seine Ausflüge als Produzent eher wenig schmackhaft. Es sind beinahe nur mittelmäßige Streifen, die er als Produzent unterstützt. Diese haben allesamt großes Potential (keine Frage), wie auch "The Stranger"; versemmeln aber viele Punkte bei Ausführung, Drive und Thrill. Dabei trägt der Aufbau des Films erkennbar Roths Handschrift. Die Charaktere sind recht konsequent in Gut oder Böse unterteilt. Was einerseits zwar völlig in Ordnung ist, andererseits aber dazu führt, dass es kaum Spannung oder gar Überraschungen gibt. Auch in diesem Streifen ist das nicht anders. Das Roth hier nicht selbst Regie führte, könnte auch den Mangel an Blutfontänen erklären, die man erwarten würde. Natürlich ist der Film nicht gänzlich blutfrei (im Gegenteil), aber er hat auch nicht diese extremen Splatterorgien, auf Gore wird gar gänzlich verzichtet. "The Stranger" ist insgesamt aber nicht völlig übel. Die Darsteller überzeugen auf B-Movie-Niveau, die Geschichte ist so ganz in Ordnung und man will wissen wie es weitergeht, indess ist die Story auch hier wieder zu sehr auf einzelne Personen ausgelegt, beinahe zu sehr nach Schema 'Einzelkämpfer' und damit leider nur grenzwertig ernst zu nehmen. Dabei tut der Film, als wollte er etwas damit sagen, nur kommt er nie zum Punkt. Das ist etwas schade und so verschwindet "The Stranger" im Einheitsbrei vieler neuerer Horrorfilme, ohne sich dabei besonders hervorzutun.

5/10

Sonntag, 6. Dezember 2015

Train (Unrated) (2008)

http://www.imdb.com/title/tt1015474/

Eine Gruppe junger Amerikaner ist mit dem Zug in Russland unterwegs. Was sie allerdings nicht wissen: Der Zug, in dem sie reisen, ist die fahrende Schlachtbank skrupelloser Organhändler, die auf der Suche nach frischen Körpern sind. Nachdem die hübsche Alex erst den Coach und dann auch ihren Freund Todd nicht mehr finden kann, wittert sie Gefahr. Sie macht sich auf die Suche nach ihren Freunden, die alle nach und nach verschwunden sind. Und das, was sie sieht, als sie den brutalen Schlächtern gegenübersteht, übertrifft ihre schlimmsten Vorstellungen.

Von der Idee her ganz nett: Ein Zug, in dem man ahnungslosen Opfern die Organe entnimmt, um sie an den Höchstbietenden zu verkaufen. Da hätte man einiges draus machen können. Nur war der Film leider niemals darauf ausgelegt einen Sinn zu ergeben oder irgendeine Story zu erzählen. Hauptsache viele Folterszenen... Moment, Folterszenen?

Wieso foltert man die Menschen denn, wenn man Ihnen die Organe entnehmen möchte? Wäre es nicht weitaus logischer, den "Patienten" zu betäuben und ihm so nach und nach chirurgisch die Organe zu entfernen? Nein, stattdessen wird ihm bei vollem Bewusstsein der Bauch aufgeschnitten, damit ein total versiffter Schlachter darin herumwühlen kann. Und so geht es dann bei jedem nachfolgendem Opfer weiter. Doch als ob das nicht seltsam genug wäre, verhalten sich die Charaktere auch noch so dermaßen ungeschickt, dass man es kaum wahrhaben möchte. Nicht nur einmal haben sie beispielsweise die Chance ihren Peiniger zu töten und aus dem Zug zu entkommen. Aber das Gesetz des mittelmäßigen Horrorfilms schreibt vor, dass die Protagonisten lieber wegrennen anstatt den Fiesling zu töten, der ausgeknockt am Boden liegt. Und das Gesetz sagt auch, dass es faszinierender ist, einem anderen Fiesling bei der Misshandlung einer Leiche zuzusehen, anstatt einfach von hinten mit einer Axt zuzuschlagen und dem Spuk ein Ende zu machen. Dazu kommt, dass die Schauspieler blass und uninteressant wirken, sodass Mitfiebern mit einzelnen ans Herz gewachsenen Charakteren kaum möglich ist.

"Train" ist also ein völlig austauschbarer Torture Porn, der in der hier besprochenen Unrated Fassung dann aber  doch einige recht harte Szenen vorzuweisen hat. Dazu ist dieser krude, kranke "Hostel"-Verschnitt (dessen Härtegrad er locker übertrumpft) immerhin noch etwas  spannend in Szene gesetzt.

5,5/10

Von Illusions, Unltd. kam der Film in einem Mediabook, welches den Film in HD und natürlich in beiden Fassungen (Kinofassung und Unrated Fassung) enthält:

Freitag, 20. Juni 2014

Hostel: Part II - Hostel 2 (Unrated) (2007)

http://www.imdb.com/title/tt0498353/

Die Fortsetzung des sensationell erfolgreichen Horrorhits knüpft nahtlos an und begibt sich auf die Spur von drei jungen Amerikanerinnen, die während des Sommersemesters in Rom Kunst studieren. Bei einem Wochenendausflug nach Prag werden sie von einer Freundin zu einer Umleitung überredet und in das berüchtigte slowakische Hostel gelockt. Schon bald erfahren sie das düstere Geheimnis dieses Ortes äußerst schmerzhaft am eigenen Leib - und erleben die Hölle auf Erden...

Wie geschrieben: die Geschichte geht direkt da weiter, wo sie im ersten Teil aufhört und da bekam man dann direkt schon den ersten Schocker geliefert, der mit Paxton aus dem Vorgänger zusammenhängt. Pluspunkt. Dieselben Schauspieler. Pluspunkt. Der Anfang hat es damit schon sehr in sich, da hier eine große Spannung aufgebaut wird, die "dieses Gewerbe" richtig bedrohlich erscheinen lassen. Leider bremst die darauffolgende Story die Fahrt des schnell gestarteten Zuges etwas aus, bevor es dann - wie schon im Teil zuvor - mit einem Schlag los geht.

Ansonsten muss man schon sagen, dass Regisseur Eli Roth ein fauler Hund ist. Im Prinzip handelt es sich nämlich um dieselbe Story - wie aus dem Vorgänger bekannt - nur eben dieses Mal mit jungen Frauen. Was prinzipiell okay ist, einem aber irgendwie schon nach Ideenlosigkeit aussieht. Doch dann gibt es da hier und da ein paar neue Kleinigkeiten, die einen versöhnlich stimmen. Man bekommt beispielsweise einen Einblick in die Sichtweise der Folterknechte. Auch die Folterszenen und allgemein diese ganze Geschichte ist nach wie vor richtig krank und vor allem geizt sie wieder einmal nicht mit sehr zeigefreudiger Gewalt. Letztlich aber, und das macht den perfiden Reiz des neuen umstrittenen Werkes aus, führt das konsequente Bedienen der scheinbar unvermeidlichen "höher, schneller, weiter"-Schiene hier auch zu einem neuen Filmerlebnis, das all das zu halten vermag, woran der Vorgänger noch scheiterte: "Hostel: Part II" gibt sich nicht mehr mit der Reproduktion gängiger Klischees zufrieden, sondern überspitzt sie - und das passt ein klein wenig besser.

"Hostel: Part II" ist generell nicht ganz so gut wie der kontroverse Vorgänger, aber auch nicht viel schlechter. Unnötig ist er auf keinen Fall, da er neue Ansichtsweisen und einige (für das Genre) interessante Ideen mit sich bringt. Aber wie schon beim Ersten gilt auch hier: "Wer es nicht mag, Hände weg!"  

6,5/10

Hostel (Extended Version) (2005)

http://www.imdb.com/title/tt0450278/

Sie suchen das Abenteuer und finden das nackte Grauen! Die beiden abenteuerlustigen College-Freunde Paxton und Josh sind mit ihrem neuen Kumpel, dem Isländer Oli, mit dem Rucksack unterwegs auf Europa-Tour. Da bekommen sie einen Geheimtipp: Abseits der üblichen Reiserouten soll im tiefsten Ost-Europa ein Nirwana für Backpacker liegen - ein Hostel in der Slowakei, in dem atemberaubende und obendrein noch willige Frauen auf sie warten. Und tatsächlich: Die Freunde lernen die beiden Schönheiten Natalya und Svetlana kennen und sie haben die Zeit ihres Lebens. Doch die währt nur kurz. Zu spät bemerken sie, dass sie in einer tödlichen Falle sitzen. Flucht ist unmöglich - sie stecken bereits mitten in den finstersten Abgründen der menschlichen Natur. Was sie dort erleben, ist so unvorstellbar, dass es alles in den Schatten stellt, was an Grausamkeit und Perversion bislang bekannt war und nur als Mythos galt. Haben sie eine Chance, diesen Alptraum zu überleben?

"Hostel" - der Innbegriff und Auftakt für das Genre des Torture-Porn. Mir ist bewusst, dass viele diesen Film regelrecht hassen, aber mir geht es hier wie bei einem Autounfall: ich kann einfach nicht wegschauen und lege ab und zu die Disc in meinen Player...

In seiner meiner Ansicht nach ehrlichsten Szene lässt "Hostel" seinen Protagonisten einen dreckigen Gang entlang schleifen, an dessen Seiten er das ganze Ausmaß des ihn erwartenden Leiden sieht und im Sekundentakt flashen stroboskopartig auch auf den Zuschauer Bilder des Grauens ein, die ohne nennenswerten Zusammenhang in völliger Reizüberflutung aneinandergereit werden. Vor allem in seinem Finale baut der Streifen nämlich auch nicht auf wirkungsstarke Dramaturgie oder ausgefeilte Inszenierung sondern auf die pure Gewalt. Regisseur Eli Roth will hier nichts erzählen, ihm reicht die reine Schockwirkung. Und wenn ich dann wegen Bildern von aufgeschnittenen Achillesversen oder geöffneten Brustkörben zusammenzucke, dann will Roth nichts anderes zeigen, als dass durch die Bilder eben dieses Erschrecken entsteht. Während seinem ebenfalls sehr sehenswerten Erstling "Cabin Fever" noch die Lust am Thrill und dem Hommagieren der Genretraditionen zugrunde lag, geht es hier rein um das Zeigen körperlicher Folter. Und so schwebt zusammen mit dem bedrohlichen Gefühl der Gewalt über den slowakischen Kellerräumen auch die Frage: warum?

In dem er die dunkle Seite der menschlichen Faszination für Gewalt in all seiner Deutlichkeit aufzeigt, macht Roth hier Horror genauso wie er sein sollte: nicht pubertär und zitatgeil sondern scharfsinnig und unangenehm. Trotzdem lässt sich Roth zu viel Zeit, um mit dem Grauen hinter dem Berg hervorzukommen und lässt seine 3 Protagonisten erst einmal durch Europa reisen, ohne das irgendetwas Auffälliges passiert - von exzessivem Sex oder Drogenmißbrauch mal abgesehen. Die Zeit hätte man natürlich zur Charakterentwicklung nutzen können, man kann es aber auch machen wie Roth und einfach die ganze Zeit Leute beim Sex oder beim Kiffen filmen. Das hat etwas Primitives und auch was Langweiliges, aber gut, das ist wohl sein Stil. Das Grauen kommt dann ab der Hälfte urplötzlich und mit voller Härte. Paxtons Selbstjustizschlachtzug am Ende kommt dann aber ziemlich unreflektiert und nicht sorgfältig genug daher. Die Wut ist nachvollziehbar, die Darstellung aber eher lieblos. Auch die Location Osteuropa trieft voller Vorurteile.

Roth weiß, was er zu tun hat und wie er gewisse Reaktionen hervorrufen kann. Dabei verlagert er den Schrecken sehr oft auf die Ton- oder Andeutungsebene um ihn dann umso erbarmungsloser zurück ins Bild zu rücken. Das ist sehr gekonnt, vor allem, wenn man bedenkt, dass das hier erst sein zweiter Film ist. Und natürlich ist "Hostel" über die Maßen brutal. Warum ihm so eine einschneidende Bedeutung zukommt oder zukommen sollte, liegt aber nicht an der Brutalität sondern daran, wie sie eingesetzt wird. Wie oben schon erwähnt, dient sie hier keinem erzählerischen oder emotionalem Zweck mehr und lässt sich auch psychologisch oder storytechnisch auf Nichts zurückführen als auf den reinen sadistischen Trieb. Außerdem soll sie auch beim Zuschauer keine Spannung oder Spaß sondern nur noch den Schock und Ekel hervorrufen. Ich schätze, in einigen Jahren wird der Film wohl als (zurecht!) streitbarer Klassiker gelten, über den jeder Generefilmfan mindestens einmal gesprochen hat.

7/10

Von NAMELESS Media kommt der Film ungeschnitten/unrated in HD im auf 555 Stück limitierten und nummerierten Mediabook: 

Samstag, 11. Januar 2014

Aftershock (2012)

http://www.imdb.com/title/tt1780762/

Nach dem schweren Erdbeben in Chile im Jahr 2010 entkommen zahlreiche Insassen eines Gefängnisses, das auf einer abgelegenen Insel liegt, und nun sorgen die Straftäter in den Straßen für Angst und Schrecken. Eine Gruppe von US-Touristen befindet sich gerade in einem Club, als die Erde zittert. Eigentlich wollten Gringo (Eli Roth) und seine Freunde beim Tanzen nur ein paar Mädels kennenlernen. Doch was als spaßige Partynacht geplant war, entpuppt sich als der blanke Horror, denn die Menschen können um einiges furchteinflößender sein als eine Naturkatastrophe, wie in Aftershock bewiesen wird.

Anscheinend durfte Regisseur Nicolás Lópes hier Eli Roth's Marionette spielen, denn einfach alles hier fühlt sich hier wie eine Weltuntergangs-Version von "Hostel" an. Gut, "Aftershock" ist nicht ganz so schlimm, aber dennoch eher als Horror- statt als Katastrophenfilm zu bezeichnen. Zudem braucht er eine Weile, bis es endlich los geht. Die drei unsympathischen Vertreter des männlichen Geschlechts (darunter Roth), gehn in Chile fett feiern als auf einmal die Welt unterzugehen scheint. Gefangene brechen aus, Tsunamis kommen, klingt ja eigentlich ganz nett. Abgesehn von der nervigen Videoclip-Ästhetik ist es das auch. Als die Freunde anfangs noch herauszufinden versuchen, wie sie der Hölle denn jetzt entkommen entpuppt sich "Aftershock" als durchaus unterhaltsam, ein "Final Destination"-Moment folgt dem Nächsten, bis sich dann letztendlich die ausgebrochenen "Strafgefangenen" hinzugesellen. Letztendlich ist "Aftershock" kein absolutes Desaster, dennoch ist das hier auch kein hervorragendes Werk und ist gegen Ende hin leider extrem selbstzerstörerisch. Bis auf einige fiese Momente und ein erfrischendes Szenario hat "Aftershock" wenig zu bieten. Kann man gucken, muss man nicht.

5,5/10

Sonntag, 7. April 2013

Hell (2011)

http://www.imdb.com/title/tt1643222/

Einst spendete sie Leben, Licht und Wärme. Doch nun hat die Sonne die Erde mit ihrer entfesselten Strahlkraft in verdörrtes, lebloses Ödland verwandelt. Deutschland ist nicht verschont geblieben. Wälder sind versengt, Tierkadaver säumen die Straßen. Nur wer sich gegen das blendende Licht der Sonne schützt, hat eine Chance zu überleben. Wie Marie (Hannah Herzsprung), die mit ihrer kleinen Schwester Leonie (Lisa Vicari) und Phillip (Lars Eidinger) in einem abgedunkelten Auto Richtung Gebirge fährt: Dort, so heißt es, soll es Wasser geben! Unterwegs lesen sie Tom (Stipe Erceg) auf. Er erweist sich als unentbehrlich. Doch kann man ihm auch wirklich trauen? Die Anspannung in der kleinen Gruppe wächst. Dann werden die vier in einen Hinterhalt gelockt. Der Überlebenskampf beginnt...


Der Film wirbt mit der Zeile "Von Roland Emmerich, Regisseur von "The Day After Tomorrow" und "2012"" und vergisst dabei zu erwähnen, dass Herr Emmerich eigentlich nur ausführender Produzent war. Dabei muss sich der Film gar nicht mal verstecken oder gar mit großen Namen auf Kundenfang gehen: für einen deutschen Film, der das Thema Endzeit und Apokalypse aufgreift ist er gar nicht mal so schlecht. Dies mag einerseits an der guten Kameraführung liegen, die eindeutig an die amerikanischen Produktionen angelehnt ist, andererseits an der altbekannten aber gut umgesetzten Story (von der Situation an sich mal abgesehen) und nicht zuletzt an den Schauspielern, die der Thematik gekonnt die Glaubwürdigkeit verleihen, die sie so dringend braucht. 

Die Geschichte ist, wie bereits beschrieben, keineswegs neu: eine Apokalypse, dieses Mal in Form einer über die Maßen sengenden unbarmherzigen Sonne, und eine Handvoll Menschen, in einem gerade noch so vor sich dahinschleichenden Fahrzeug sind noch am Leben und suchen nach Wasser und unwahrscheinlicher Rettung, finden aber dabei nur Tod, Grausamkeiten und Leid. Während sich der Film geradlinig vom "Mad Max"/"Book Of Eli"-Genre zum Torture-Horror ala "Hostel" (aber bei weitem nicht so hart!) entwickelt, steigt auch die Spannung kontinuierlich an und man möchte schon wissen, wie das wohl ausgeht. Als die Szenerie komplett kippt und sich die ganze Geschichte zu purem Verfolgungs-Horror entwickelt hat man sich endgültig in dem Film festgebissen.

Dazu trägt auch das klasse Setting bei und auch das Ende weiß innerhalb seiner Grenzen zu überzeugen. Somit verdient der Streifen seine Beachtung und bekommt stolze

7/10

Sonntag, 20. März 2011

I Spit On Your Grave (Unrated) (2010)

http://www.imdb.com/title/tt1242432/

Die Schriftstellerin Jennifer Hills zieht sich in eine kleine Waldhütte zurück, um an ihrem neuen Roman zu arbeiten. Doch die Großstädterin missfällt mit ihrer Attitüde einigen Bewohnern einer nahegelegenen Kleinstadt. Als diese losziehen, um der Autorin eine Lektion zu erteilen, ist das der Beginn eines Wettlaufs ums Überleben. Was die Männer nicht ahnen: es geht auch um ihr Überleben.

Dies ist eins der besseren Remakes. Auch wenn durchaus viel Gewalt gezeigt wird, ist es nicht so voyeuristisch und schlecht wie in den ganzen "Torture-Porn" Filmen nach "Hostel". Hier wird der körperlichen Gewalt einem großen psychischen und physischen Gewaltausbruch entgegengesetzt. Sprich hier wird (auch wenn es zunächst recht plakativ erscheint) der gewaltätige Ausbruch erklärt, indem man auf die psychische Gewalt der Frau eingeht. Nicht umsonst heisst das Original "Day Of The Woman". Es geht hier zwar primär um einen "Rape'n Revenge"-Movie, aber dies dient nur als Ausgangslage zum Zeigen der menschlich-psychischen Umwandlung einer geschundenen Seele, die nie wieder geheilt werden kann und sie zerstört wurde. Ich will nicht zu hochreibend sein, aber traumatisierte Soldaten haben ebenfalls solche Erfahrungen gemacht. Im Prinzip ist dies auch ein Kriegsfilm: Krieg gegen die Seele mit anschließender Zerstörung der Peiniger. Und dieser Film schmerzt richtig körperlich. 

7,5/10

Dieser Film wurde in Deutschland umgehend indiziert und beschlagnahmt. Der Weg zum Besitz muss wieder einmal über das deutschsprachige Ausland führen.


Quellen
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: CineTel Films