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Mittwoch, 22. Februar 2023

Malignant (2021)

https://www.imdb.com/title/tt3811906/

Madison (Annabelle Wallis) wurde einst als traumatisiertes Mächen von einer liebevollen Pflegefamilie adoptiert. Als erwachsene Frau wird sie nun von ihrer tragischen Vergangenheit eingeholt, denn Gabriel, ihr vermeintlich imaginärer bester Freund aus Kindheitstagen, scheint sehr wohl zu existieren. Allerdings verfolgt ihr einstiger Wegbegleiter keineswegs gute Absichten, sondern reißt Madison vielmehr mit in einen dunklen Strudel hinab: Gabriel begeht nämlich eine Reihe brutaler Morde, die Madison aufgrund ihrer besonderen Verbindung zu ihm mitansieht, als wäre sie live selbst mit dabei. Aber geschehen die Taten wirklich oder existieren die blutigen Vorfälle nur in ihren Gedanken? Die Grenze zwischen Wahrheit und Einbildung sind längst verschwommen... 

James Wan. Mit "Saw" machte er das Terror-Kino der 70er Jahre wieder populär, mit "Insidious" und "Conjuring" verhalft er dem altmodischen Spuk-Grusel zu einem Comeback. Nebenbei führte er auch mal bei "Fast & Furious 7", sowie bei "Aquaman" Regie, was deutlich zeigen dürfte, dass Wan nicht auf ein Genre festgefahren, sondern vielschichtig ist. Schön ist dabei jedoch, dass er den Finger trotzdem nicht vom Horror-Stoff lassen kann und bei "Malignant" konnte er sich offenbar richtig austoben - was ihm allerdings auch geteilte Kritiken einbrachte. Während einige eine überraschende Meisterleistung in diesem Werk sahen, empfanden andere ihn als albern. Letzteres ist verständlich, denn "Malignant" macht wirklich keinen Spaß, wenn man die Wendungen einmal kennt. Am Anfang wirkt alles noch sehr nach einem normalen Geisterspuk-Filmchen, doch schon bald gesellen sich weitere Elemente der verschiedenen Subgenre hinzu und obwohl man sich irgendwann den finalen Twist denken kann, überrascht Wan mit einem selbst für seine Verhältnisse äußerst blutigem und überbordendem Finale. Dass das alles nicht immer logisch zusammenpasst - drauf gepfiffen. Wan schafft es nämlich, einer recht bekannte Geschichte eine originelle Umsetzung zu verpassen. 

Sowieso ist es vor allen Dingen die visuelle Umsetzung, die aus "Malignant" etwas Besonderes macht. Hat man schon viele Filme von Wan gesehen, kennt man seine Stil-Mittel, die man auch hier serviert bekommt. Sehr einprägsam sind da immer diese Kamerafahrten. Trotzdem kopiert sich der Regisseur nicht einfach selbst, sondern bedient seine Markenzeichen gekonnt. So erhält man leichte Haunted-House-Elemente, aber auch Slasher-Motive. Eine verzerrte Stimme ist vorhanden, auch gruseliges Ambiente wird geboten. Das ist zwar niemals so richtig unheimlich, aber darum geht es dem Werk im Endeffekt ja auch gar nicht. In der stilsicheren Art und Weise, wie Wan sein Finale zelebriert, macht es einen reichlich spaßigen Eindruck. Wenn dann plötzlich die Action dominiert und noch reichlich gesplattert wird, wirkt das irgendwie dermaßen unpassend, dass es schon wieder cool ist. Denn obwohl man es bei "Malignant" mit einem Mainstream-Horrorfilm zu tun hat, pfeift der Film auf jegliche Konventionen. 

Unterm Stich sind die 110 Minuten Laufzeit zu keinem Zeitpunkt langweilig. Das Geschehen verändert sich stetig und zögert nicht zu lange. Die größte Spannung kommt zwar nicht auf, aber es gibt genügend stark gemachte Szenen, um stetig am Ball bleiben zu wollen. Hinzu gesellen sich solide Darsteller. Annabelle Wallis hat als einzige mehr zu tun, was sie souverän erledigt, aber auch alle anderen gehen völlig in Ordnung. Mit einer ausgeprägten Figurenzeichnung braucht man hier nicht zu rechnen, denn es stehen andere Dinge im Fokus. Doch alleine die optische Gestaltung des Killers gegen Ende ist eigenständig genug, um hier von Originalität sprechen zu können. Abgerundet wird das Ganze von einer gesunden Härte und einem gelungenen, treibenden Score, der stellenweise sofort das Nostalgie-Herz berührt.

7/10

Quellen
Inhaltsangabe: Warner Bros.
Poster/Artwork: Warner Bros.

Freitag, 19. November 2021

F9 - Fast & Furious 9 (Director's Cut) (2021)

https://www.imdb.com/title/tt5433138/

Dominic Toretto (Vin Diesel) hat immer großen Wert auf die „Familie“ um seine Frau Letty (Michelle Rodriguez), ihren gemeinsamen Sohn Sohn Brian, seiner Schwester Mia (Jordana Brewster) und seine Mitstreiter Roman (Tyrese Gibson) und Tej (Ludacris) gelegt. Als dann allerdings plötzlich ein weiterer Blutsverwandter von Dom auf der Bildfläche erscheint, sieht das etwas anders aus. Doms und Mias verschollener Bruder Jakob (John Cena), ein tödlicher Killer und Dieb, will mit Dom eine Rechnung begleichen und tut sich dafür mit der Cyber-Terroristin Cipher (Charlize Theron) zusammen. Dom steht vor seiner wohl größten Herausforderung. Da kommt es ihm gerade recht, dass er unverhoffte Unterstützung von seinem totgeglaubten Freund Han (Sung Kang) bekommt, der den Anschlag auf sein Leben offenbar doch überlebt hat. Dom muss sich nun den Sünden seiner Vergangenheit stellen und sich mit seiner Crew zusammenschließen, um die Weltverschwörung zu stoppen, die von Jakob und Cipher angeführt wird.

Seit "Fast Five" hat man im Heimkino stets noch eine längere Fassung nachgelegt. Auffällig war dabei schon, dass diese mit jedem weiteren Teil weniger spannend war. Besonders in Teil 5 wurden noch etliche Zensuren für das PG-13-Rating im Extended Cut wieder rückgängig gemacht. Bei Teil 6 und Teil 7 waren solche Änderungen auch noch festzustellen, nahmen aber mengenmäßig immer mehr ab. Teil 8 hatte dann zwar den bislang größten Laufzeitunterschied, fügte dabei aber nur recht eindeutig aus Straffungsgründen entfernte Handlungsszenen und eher belanglose Action-Kleinigkeiten wieder ein. Teil 9 setzt nun auch in dieser Hinsicht noch einen drauf.

Der Director's Cut wurde vorab vor allem mit seinen "spektakulären Action-Erweiterungen" beworben, die Regisseur Justin Lin "sorgfältig ausgewählt" hätte. Weitere bedeutungsschwere Szenen mit den meistgeliebten Charakteren wurden angepriesen. Alles eher heiße Luft. Die zusätzlichen Fitzelchen mit dem Armadillo Truck im Finale sind quasi nicht weiter der Rede wert und dienen vorwiegend als weitere Beispiele der Verwunderung, dass ein Film mit derartiger Budget-Dimension tricktechnisch auf derart niedrigem Niveau umgesetzt wird. Tej und Ramsey liefern sich nun noch mehr Wortgefechte, die weder besonders witzig noch originell sind. Die familiären Bindungen zwischen Dom, Jakob und Mia bekommen ohne Frage mehr Raum, aber mehr Tiefe geht damit nicht einher. Zu guter Letzt wäre da noch der um knapp 10 Sekunden erweiterte Gastauftritt von Cardi B, was sich in seiner Belanglosigkeit perfekt ins Marketing-Konzept für das Zielpublikum einfügt. Alles in allem: Wer dem Franchise immer noch etwas abgewinnen kann, bekommt mit der längeren Schnittfassung vielleicht schon den ein der anderen, kleinen Mehrwert. Man hat hier quasi nur noch die Qual der Wahl und bekommt immerhin keinen grundlegend anderen Film und schon gar keinen besseren Film zu sehen.

4,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Universal Pictures
Textauszüge: schnittberichte.com

Freitag, 16. August 2019

Fast & Furious Presents: Hobbs & Shaw (2019)

https://www.imdb.com/title/tt6806448/

Secret-Service-Agent Luke Hobbs (Dwayne Johnson) und Ex-Elitesoldat Deckard Shaw (Jason Statham) mussten in der Vergangenheit zwar bereits zusammenarbeiten, taten dies jedoch immer zähneknirschend. So richtig grün sind sich die beiden Muskelprotze nicht und lassen auch keine Gelegenheit aus, um sich gegenseitig zu triezen. Doch die Sicherheit des Planeten hat natürlich Vorrang vor den Querelen der beiden und als der internationale Terrorist Brixton (Idris Elba) auf der Bildfläche auftaucht, sind Hobbs und Shaw gezwungen, einmal mehr zusammenzuarbeiten. Brixton ist nicht nur hochintelligent, sondern durch genetische und kybernetische Weiterentwicklung sogar eine Art Supersoldat, dem ein einzelner Mann nichts entgegensetzen könnte. Doch im Doppelpack haben Hobbs und Shaw eine Chance – und Deckard ist nicht der einzige aus der Shaw-Familie, der ein Hühnchen mit Brixton zu rupfen hat. Denn auch seine Schwester, die abtrünnige MI6-Agentin Hattie Shaw (Vanessa Kirby), ist hinter dem Terroristen her...


Die "Fast & Furious"-Reihe macht aus ihrer eigenen übertriebenen Dummheit ja selten einen Hehl und insofern bleibt das Spin-Of "Hobbs & Shaw" durchaus bei den Wurzeln der Serie. Es geht darum, möglichst laut möglichst viel kaputt zu machen, es geht um die Aufrechterhaltung eines sehr, nun ja, traditionellen Männlichkeits-Verständnis und es geht natürlich auch um Familie und die Reiberein dazwischen.


Die Tonalität dieses Edel-Action-Trashfestes wird schon in den ersten Minuten gesetzt, wenn "The Rock" vor einem Drogenhändler bierernst doziert, dass er dessen Aktivitäten monatelang im DarkNet verfolgt haben will (man stelle sich das kurz bildlich vor). Sobald die beiden Streithähne dann aufeinander losgelassen werden, entwickelt sich eine Art Hochglanz-Bud-Spencer-und-Terrence-Hill-Ripoff, in dem sich die beiden durch eine seidentuchdünne Handlung prügeln, kalauern, und Schwanzvergleichen. Die Trefferquote der Pointen ist dabei auch durchaus okay, auch wenn das permanente Gedisse irgendwann zu viel wird. Und damit schwankt der Humor zwischen 'überraschend clever' und 'tiefergelegter als Shaws 2017er McLaren 720S'. Anders gesagt: Man muss als Zuschauer teilweise eine hohe Affinität für sehr schlichten Humor mitbringen, inklusive Penis- und Deine-Mudda-Jokes. Im Grunde wirkt der Film häufig wie eine freie Actionfilm-Adaption von Adam McKays Meisterwerk "Die Stiefbrüder", dessen Witz darauf fußt, dass sich zwei Mitvierziger wie Achtjährige aufführen dürfen.


Die Action ist überwiegend kreativ choreographiert, spektakulär, herrlich drüber, aber für David-Leitch-Verhältnisse sehr CGI-lastig und mitunter sogar unübersichtlich zerschnitten. Das stört jedoch nicht groß, da der Film jeden Anflug von Realismus oder Physik peinlichst genau vermeidet. Es torpediert allerdings die Strahlkraft des Bösewichtes zusehend, dass gefühlt jeden Actionszene damit endet, dass die Helden dem Bösewicht in letzter Sekunde entkommen können.


So weit, so überraschungsfrei, glücklicherweise hat Regisseur David Leitch neben Vanessa Kirby und Idris Elba noch ein paar weitere Edeljoker im Ärmel, deren Cameos an dieser Stelle nicht verraten werden. Bleiben wir also bei Kirby und Elba. Erstere bestätigt ihren tollen Actionfilm-Einstand in "Mission: Impossible: Fallout" hier in jeder Form. Dabei bleiben allerdings weniger ihre etwas vorhersehbaren "Black Widow"-Moves, sondern vielmehr ihr immer etwas linkisches und stets unberechenbares Charisma im Gedächtnis. Idris Elba gibt einen wunderbaren und extrem coolen Bösewicht, vielleicht den besten der gesamten "Fast & Furious"-Reihe, dessen Obsession für transhumanistische Optimierungen und Medienmanipulation einen perfekten Gegenpol für urkonservatives Weltbild unserer Helden bildet. Dazu gehören neben Fake-Media-Rufen eine ambivalente Fortschrittsangst, die undifferenziert zwischen Technikphobie und -begeisterung schwankt. 


Deshalb bedienen sich Hobbs und Shaw einerseits ganz selbstverständlich neuester Automobile und Spionagegadgets, der körperlich optimierte Supersoldat Brixton Lore geht ihnen dann aber doch 10 Schritte zu weit (obwohl sie ihren eigenen Körper im Fitnessstudio und durch Anabolika ja selbst optimieren). Hinzu kommt die auffällige Rückbesinnung auf die eigenen Wurzeln, Familie, Tradition und insbesondere auf Mutti. Das mag der "Fast & Furious"-Reihe geschuldet sein, aber es ist schon auffällig, dass sowohl Hobbs, als auch Shaw am Ende vor allem ihre Mutter stolz machen wollen. Einer wild gewordenen Technikbegeisterung und unübersichtlichen Konfliktlinien setzen unsere urkonservativen Haudegen eine archaische Stammeskultur (wortwörtlich) und klar umrissene Familienwerte entgegen. Das ist immerhin sehr konsequent und stimmig zu ende gedacht und natürlich bis ins Mark reaktionär.

7,5/10

Von UNIVERSAL kommt der Film im Steelbook, welches den Film sowohl als 4K Ultra-HD Blu-ray und auch als Blu-ray enthält.   


Quellen
Inhaltsangabe: Universal Pictures

Freitag, 21. Dezember 2018

Aquaman (2018)

https://www.imdb.com/title/tt1477834/

Aquaman (Jason Momoa), der mit bürgerlichem Namen Arthur Curry heißt, ist als Sohn seines menschlichen Vaters Tom Curry (Temuera Morrison) und seiner atlantischen Mutter Atlanna (Nicole Kidman) berechtigt, den Thron von Atlantis zu besteigen. Doch aktuell regiert sein Halbbruder Orm (Patrick Wilson) das Unterwasserkönigreich und dieser möchte auch die anderen sechs Königreiche der Meere um sich scharen, um gemeinsam einen Krieg gegen die Menschen an der Erdoberfläche zu führen, die seit vielen Jahren die Ozeane verschmutzen. Gemeinsam mit Mera (Amber Heard) macht sich Aquaman auf die Suche nach dem Dreizack des ersten Königs von Atlantis, der seinen Anspruch auf den Thron untermauern würde. Doch das kann Orm nicht zulassen und so hetzt er den beiden den Piraten David Kane alias Black Manta (Yahya Abdul-Mateen II) auf den Hals, der mit Aquaman noch eine Rechnung zu begleichen hat...

"Aquaman" - der Hawkeye des DC-Universums, zumindest wird er mit diesem oft scherzhaft so verglichen. Ein gehasster und geliebter Superheld. Gleichermaßen. Und irgendwie eine Randerscheinung - so gemein das auch klingen mag. Und nun sein erster Solo-Film. Nachdem im letzten Jahr die "Justice League" den Aquaman recht schnell, überhastet und kaum logisch als Teil der Gerechtigkeitsliga einführte, war es ja nur eine Frage der Zeit, bis die Origin-Story nachgeschoben wurde. Doch genau hier liegt wieder einmal der Hase im Pfeffer. Origin-Stories sollte niemals nachgeschoben werden. Und das hat auch einen Grund: die meisten Zuschauer gehen nämlich mit einer gewissen Erwartungshaltung und einem Vorwissen aus dem Mash-up in diesen Streifen. Damit verbaut man sich Möglichkeiten der Entfaltung, weil irgendwo alles schon vordefiniert sein muss. Natürlich ist irgendwo klar, dass der Held (nahezu) immer als Sieger hervorgeht, hier ist der Weg das Ziel. Trotzdem ist die Vorgehensweise von DC/Warner nicht gerade sehr geschickt - um das mal vorsichtig auszudrücken.

Mit James Wan fand man immerhin einen erfahrenen Regisseur, der zwar ursprünglich aus dem Segment Horror-/Gruselfilm kommt, aber mit "Fast & Furious 7" bewiese, dass er auch Action kann.Und wie. Man stelle sich vor, jemand würde die größten Action-Sequenzen der letzten Jahrzehnte Hollywoods zusammenschneiden, was zu einem Brei aus "Tron: Legacy", "Avatar", "Clash Of The Titans", "Superman", "Jurassic Park" und "Gladiator" führte. Man stelle sich einen Film vor, in dem ein Oktopus ein Schlagzeugsolo bekommt und dies eben nicht zu den verrücktesten Momenten zählt. Willkommen bei "Aquaman", wo man anfangs schon keine Ahnung hat, was hier los ist, aber auch aus unerfindlichen Gründen nicht wegschauen kann. Und eigentlich ist "Aquaman" auch keine Origin-Story, sondern knüpft an "Justice League" an, um, gespickt mit vielen kleinen Rückblenden, zu erzählen, wie aus Arthur Curry der König von Atlantis wird.

Der Held ist der titelgebende Aquaman , bzw. sein Alter Ego Arthur Curry, ein reines Porträt eines Superhelden, der anfänglich noch mit seinem Vater in einer Bar herumhängt, über und über tätowiert, immer einen locker-flockigen Spruch auf den Lippen und irgendwie auch nicht die hellste Kerze auf der Torte. Zumindest sorgen seine Aussagen im Film teilweise für ungläubiges Kopfschütteln. Doch Schwamm drüber, denn das Mitglied der "Justice League" (was im Film glücklicherweise kaum erwähnt wird) muss ja erst einmal über sich hinauswachsen, die Welt retten und über wie unter Wasser kräftig aufräumen, damit Frieden herrscht. Jason Momoas Version des Arthur Curry wirkt, als wäre er gerade aufgestanden, zum Strand gefahren, auf dem Surfbrett über ein paar Wellen geritten und dann direkt zum Set gefahren - und komischerweise passt das wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Dabei ist Momoa kein wirklich guter Schauspieler. Er wirkt durch Präsenz, Physis und Aussehen. Dass er - ohne Frage - ein sympathischer Typ ist, spiegelt sich zwar in seinem Charakter wieder, und das hilft auch dem Film ungemein weiter. Trotzdem holpert er wieder etwas. Und das liegt auch am Aufbau. Denn gerade wenn der Film Hunger auf mehr macht, gibt es einen harten Cut und man befindet sich in einem ermüdenden und schier endlosen politischen Entscheidungsfindungsprozess in Atlantis.


Und auch one Gegenspieler geht es nicht. Und "Aquaman" hat gleich zwei davon. Patrick Wilsons' König Orm, Arthurs Halbbruder, schwebt mit seinem an einen Plesiosaurus erinnernden Kreatur (warum auch nicht?) durch die Tiefsee und will einen Krieg mit der Menschheit entfesseln. Er führt also einen U-Boot-Angriff auf Atlantis unter falscher Flagge durch - just in dem Moment, an dem sich die anderen Herrscher der Unterwasservölker gerade einig waren, dass ein krieg gegen die Menschen Unsinn wäre. Gutes Timing. Allein dies könnte einen anderen Helden auf eine filmlange Suche führen, um die Unschuld der Menschheit zu beweisen, aber hier wird es kaum noch erwähnt. Es ist einfach wie es ist und Arthur Curry muss diesem Möchtegern-König das Handwerk legen - und dann schwimmen ja noch größere, *hüstel*, Fische im Teich.

Also befinden wir uns auf zwei parallelen, aber gleichermaßen knackigen Quests. Orm muss sein Königreich Atlantis mit den Armeen aus Dolph Lundgrens Seepferdchen, Djimon Hounsous Meermännern und Brian Blessed's Krabbenviechern zu vereinen. In der Zwischenzeit muss Arthur in feinster "Tomb Raider"-Manier dem mystischen Geheimnis hinterher jagen, um den verborgenen Dreizack von Atlantis zu finden, um sich damit den Thron als rechtmäßiger Erbe zu verdienen und den Krieg zu beenden. Seine vorwiegend menschliche Erziehung bedeutet auch, dass er nach dem Verschwinden seiner Mutter Atlanna (Nicole Kidman) erst einmal wieder mit dem Wasser und seiner wahren Natur auseinandersetzen muss. Um diesen Quests noch ein wenig Orientierung, Witz und Sinn zu verleihen, verlässt sich Arthur ausschließlich auf seinen Sidekick Mera, gespielt von Amber Heard, die wie der Cosplayer der kleinen Meerjungfrau Arielle aussieht und seinen Dreh- und Angelpunkt darstellt.


Die Handlung ist damit und ehrlich gesagt ein reines Chaos, dazu übertrieben kompliziert und trotzdem vorhersehbar. Was den Film passiv unterhaltsam macht, ist, dass Regisseur James Wan erstaunlich viel Action und unglaublich geile Szenen auf die Leinwand wirft und vieles davon bleibt als "Wow, cool!" tatsächlich im Gedächtnis haften. Es ist diese Art an Unterhaltung, die hervortritt, wenn man etwas so unverschämt Übertriebenes sieht, wie ein Milchlastwagen, der unter Wasser explodiert. Gerade wenn man glaubt, man hätte alles gesehen, setzt Wan noch einen drauf und etwas noch bizzareres passiert. Allein der Angriff der Trench ist so fetzig und voller wuchtiger Bildgewalt, dass man glaubt es geht nicht mehr, nur um dann zu sehen, wie ein riesiges Monster, dass aus einem der "Godzilla"-Film entsprungen sein könnte, in der finalen Schlacht unter allen Parteien aufräumt oder eine Schlacht auf dem Meeresboden, die mehr an "Star Wars" erinnert, als an irgendetwas anderes. Fernab davon haben es die Amerikaner mit Geografie offenbar nicht so, denn an welchen Orten einzelne Szenen stattfinden (und vor allem innerhalb welchen Zeitraums), kann einfach nicht stimmen. Aber auch hier: Schwamm drüber.


Denn das ist alles so quietschbunt und atemlos, dass es erstaunlicherweise von vorn bis hinten Spaß macht. Trotz völliger Überlagerung der Szenerie, des Chaos und dem CGI-Overkill, schafft Wan es, den Zuschauer über die zweieinhalb Stunden Laufzeit bestens zu unterhalten. Der Soundtrack von Harry Gregson-Williams ist ungewohnt elektrolastig (auch für einen Superheldenfilm) und erinnert über kleine Strecken immer mal wieder an die Klänge von Daft Punk aus "Tron: Legacy". Dafür ist das von Pitbull gecoverte "Africa" (Original von Toto) wohl nur im Film, um diese grausame Verstümmelung von Liedgut zu promoten. Es passt sogar irgendwie rein, will aber nicht fetzen.

Natürlich nimmt Momoa jeden Zentimeter Raum ein, den ihm der Film gibt, und legt nochmal eine ganze Schippe auf seinen sowieso schon schelmischen Charme. Es ist wie es ist: Wan ist ein ausreichend begabter Action-Regisseur, der nicht nur mit der Erwartungshaltung der Zuschauer spielt, sondern auch weiß, wie man diesen regelmäßig überraschen kann. Letztlich ist zwar alles zu viel und wer nach diesem Film eine Ruhepause mit Ambientmusik in einem dunklen Zimmer braucht, dem sei gesagt: er ist nicht allein, aber "Aquaman" ist nach "Wonder Woman" endlich mal wieder eine fetzige Comic-Verfilmung. Und die Post-Credit-Sequenz legt den Grundstein für eine weitere Verfilmung mit dem Aquaman. Und warum auch nicht? Wenn es läuft...

8/10

Von WARNER BROS. Home Entertainment kommt der Film auch als "Limited 2-Disc-Edition" mit Ultra HD Blu-ray und Blu-ray im Steelbook.


Quellen:
Inhaltsangabe: Warner Bros.
Poster/Artwork: Warner Bros.

Freitag, 25. August 2017

The Fate Of The Furious - Fast & Furious 8 (Extended Director's Cut) 2017)

http://www.imdb.com/title/tt4630562/

Können Dom (Vin Diesel) und seine Freunde, die er Familie nennt, endlich ein normales Leben haben? Nach dem Rückzug von Brian und Mia hat er sich mit Letty (Michelle Rodriguez) in die Flitterwochen verabschiedet und die restliche Crew ist von allen Vergehen aus der Vergangenheit freigesprochen worden. Doch dann taucht die mysteriöse Cyber-Terroristin Cipher (Charlize Theron) auf, verführt Dom und macht ihn zu ihrem Partner bei einer Reihe von Verbrechen. Mr. Nobody (Kurt Russell) bittet die Gang um Letty, Roman (Tyrese Gibson), Tej (Ludacris) und Co., zu helfen. Gemeinsam mit Hobbs (Dwayne Johnson), der wegen Doms Verrat im Knast sitzt, und Todfeind Deckard Shaw (Jason Statham) müssen sie bei einer Jagd rund um den Globus eine Anarchistin stoppen, die Chaos in die Welt bringen will. Und wichtiger: Sie müssen den Mann nach Hause holen, der sie zu einer Familie machte...

Es gibt nicht viele Filmreihen, die bis auf einen achten Teil oder gar darüber hinaus heranwachsen und keine oder kaum Verschleißerscheinungen zeigen. Horror-Franchises fanden früher oder später bei ihrer einstmals großen Fanbasis keinen sonderlichen Anklang mehr und der Innovationskraft in der Filmbranche tun solche Entwicklungen auch nur gut. Aber vielleicht hängt es bei Reihen auch am genre an sich und was sich das Publikum davon verspricht. Die "Fast & Furious"-Reihe setzte aber von Anfang an neben Auto-Actionlementen, die man in ihrer Kreativität stets zu steigern wusste, immer auch auf das Mittel der Teamchemie oder "Familie", wie es immer gepredigt wird. Das kam und kommt an bei Fans rund um den Globus und gab auch erzählerisch viel Spielraum. Nicht zuletzt die tragische Note des echten Todes von Darsteller Paul Walker befeuerte diesen Zusammenhalt zwischen Konsumenten und Produkt noch etwas weiter und katapultierte seinen letzten Beitrag "Fast & Furious 7" zu einem weltweiten Kinoeinspielergebnis von für unmöglich gehaltenen 1,5 Milliarden Dollar.


Dass die zugrunde liegende Formel mittlerweile aber doch langsam zu erlahmen droht, erkennt man auch an den immer ausgefalleneren Actionkonstrukten, die man sich ausdenkt, um noch einen oben drauf zu setzen. In "Fast & Furious 8" ist es ein U-Boot. Geht es in der Größenordnung weiter, bleibt wenig übrig. Dass man quasi das Asphalt-Pendant zu den populären Comichelden-Teams geworden ist, ist den Machern offenbar auch selbst klar. Demnach steht laut Produzenten auch dem Weg ins All nichts entgegen, wenn man einen passenden Storyaufhänger dafür finden würde. Bis zu Teil 10 reiche der Masterplan aktuell, aber man wird sicherlich Wege finden, die Cashcow weiter zu melken. Ein Anfang ist mit dem Spin-Off für die Figuren von Dwayne "The Rock" Johnson und Jason Statham ja bereits in der Mache.

Ob Regisseur F. Gary Gray in dieser Fassung namens "Extended Director's Cut" wirklich mehr von seiner Vision einbringen konnte, darf man bezweifeln. Vin Diesel ist nicht nur Hauptdarsteller, sondern auch ausführender Produzent und hat diesen Einfluss auch schon während der Dreharbeiten geltend gemacht. Meldungen zufolge soll es zwischen ihm und Johnson atmosphärische Störungen gegeben haben, was dazu führte, dass Diesel ein paar für seinen Kollegen vorgesehene Szenen in letzter Minute strich, bevor sie gedreht werden sollten. Und auch die ursprünglich schon als Post-Credit-Zugabe geplante Szene zwischen The Rock und Statham ließ er offenbar wutentbrannt aus den bereits an viele Kinos ausgelieferten Screenern und Kinorollen entfernen. Da ist wohl doch nicht alles so familiär wie gedacht. Der "Extended Director's Cut" von "Fast & Furious 8" wirkt auf den ersten Blick wie ein enormer Zugewinn zur Kinofassung, zumindest beim Blick auf die Laufzeitdifferenz. Satte 13 Minuten läuft der "Extended Director's Cut" länger als die ohnehin schon etwas langatmige Kinofassung. Für echte Liebhaber aber natürlich schön, wenn sich denn dahinter auch echter Mehrwert bieten würde. Man darf aber gerne großzügig zwei Drittel des Laufzeitunterschieds für Zeitersparnis für die Kinovorführungen abziehen. Unzählige Szenen laufen im "Extended Director's Cut" geringfügig länger, weil man es sich auch einfach erlauben kann. Die Szenen, die tatsächlich neu sind, zielen vor allem auf Charakterzeichnung ab, manchmal sind es auch nur hinzugefügte Sätze. So bekommt der ohnehin schon schrille Roman noch ein paar Momente für seine egomanische Hysterie, Cipher und Dom duellieren sich verbal ein wenig mehr und fast jeder andere Charakter bekommt zumindest eine kleine Erweiterung. Gewaltzensur ist hier allenfalls ein kleiner Randaspekt. Ob die zusätzlichen Actionszenen zur Sicherung der PG-13-Freigabe in der Kinofassung fehlten, bleibt Spekulation.

Was dagegen richtig sauer aufstößt, ist die Tatsache, dass der "Extended Director's Cut" in Deutschland zum aktuellen Zeitpunkt ausschließlich als Digital Download / Ultraviolet angeboten wird. So hat man als Kunde - völlig zurecht - das Gefühl von den Firmen "erpresst" zu werden. Gerade Sammlern von analogen Datenträgern ist die neue Art der Verbreitung von exklusiven Filmversionen ein Dorn im Auge und auch bei Inhabern von nicht allzu leistungsfähigen Internetverbindungen wird diese Suppe nicht schmecken. Aber will man die erweiterte Fassung sehen, hat man augenblicklich keine große Wahl. Man kann nur hoffen, dass diese Verbreitung von Medien erst wirklich komplett Mode wird, wenn auch die Verbindungen allerortens auch so große Datenmengen in entsprechender Geschwindigkeit zulassen.

6,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Universal Pictures

Mittwoch, 20. Juli 2016

Star Trek: Beyond (2016)

http://www.imdb.com/title/tt2660888/

Captain Kirk (Chris Pine) macht das Raumschiff Enterprise startklar, um mit seiner loyalen Crew einmal mehr fremde Planeten zu erforschen. Gleich für mehrere Jahre soll sie ihre neue Mission in die Weiten des Weltalls führen. Doch nicht alle außerirdischen Lebensformen, denen Kirk, sein Erster Offizier Spock (Zachary Quinto), Nyota Uhura (Zoe Saldana), Dr. Leonard McCoy (Karl Urban), Pavel Chekov (Anton Yelchin) und der gewitzte Chefingenieur Scotty (Simon Pegg) auf ihrer Reise begegnen, sind der Crew der Enterprise freundlich gesinnt. Nach einem Angriff feindlicher Aliens unter der Führung des finsteren Krall (Idris Elba) müssen Kirk und seine Besatzung der Enterprise auf einem fremden Planeten notlanden. Doch dort angekommen, stellt die Crew mit Schrecken fest, dass sie an diesem gefährlichen Ort ganz auf sich allein gestellt sind. Hilfe erhalten Kirk und Co. im Kampf gegen Krall von der Alien-Kriegerin Jaylah (Sofia Boutella)...

Die Reise in unendliche Weiten geht in die nächste Runde. Als J.J. Abrams 2009 das "Star Trek"-Franchise reanimierte, stand er vor einer schweren Aufgabe. Denn wie sollte er die alten Fans zufriedenstellen und gleichzeitig "Star Trek" etwas zeitgemäßer machen und darüber hinaus noch neue Fans gewinnen? Ganz einfach: er erschuf mit seinem 2009er "Star Trek" eine ganz neue Zeitlinie, die erst kürzlich offiziell als Kelvin-Timeline in die "Star Trek"-Geschichte einging. Für den dritten Teil dieser Zeitlinie übernahm nun Regisseur und Genre-Newcomer Justin Lin, der vielen sicher als Regisseur der "Fast & Furious"-Reboot-Reihe bekannt sein dürfte. Spätestens hier müssten einige die Luft anhalten, doch keine Sorge, zu einem reinen Action-Spektakel verkommt der Film nicht. Zwar imponiert das Sequel mit einigen recht wilden Actionsequenzen, entpuppt sich aber nicht als der im Trailer beworbene pure Actioner. Der Abrams-typische Einsatz von Lens-Flares erfolgt hier glücklicherweise nur noch rudimentär, doch sonst ist in diesem Filmuniversum auf den ersten Blick alles beim Alten geblieben. Mit einer sympathisch-heiteren Eröffnungsszene wirft Lin den Zuschauer direkt in ein adrenalinhaltiges Spektakel, in dem auch der Humor nicht zu kurz kommt – und Public Enemy schallt zusammen mit den Beastie Boys und Rihanna durchs All.


Für das alles sorgte auch Simon Pegg, der als Co-Writer zusammen mit dem aus dem US-amerikanischen TV bekannten Autoren Doug Jung das Drehbuch für "Star Trek Beyond" übernahm. Offensichtlich geizte Pegg nicht damit, seiner Rolle des Chefingenieurs Montgomery "Scotty" Scott noch mehr Spritzigkeit, Dramatik und Witz zu verpassen als in den beiden Vorgängern. Warum auch nicht? Auf eine seltsame Art und Weise passt es und ist dennoch irgendwie traditionell. Leider ist dieser Film auch der letzte Ausflug für den kürzlich und viel zu jung verstorbenen Anton Yelchin, der den sympathischen russischen Offizier Pavel Chekov spielt. Merkwürdig ist einzig und allein die Rolle des John Cho, welcher den Steuermann Hikaru Sulu spielt. Vermutlich wollte man seinem initialen Alter Ego, George Takei, welcher offen homosexuell lebt, etwas Respekt und Anerkennung zollen und ließ die Figur Hikaru Sulu kurzerhand auch im neuen Film offen schwul sein. Dass dies Takei gar nicht gefiel und - wie er selbst über Twitter und Facebook schreib - gegen Roddenberrys Vision verstieß (Roddenberry sprach sich Zeit seines Lebens für die Rechte Homosexueller aus, lies aber seine Figuren in Filmen und Serien bewusst heterosexuell), hatte man sich so sicher nicht gedacht. Sei es wie es wolle, allen kann man es eben auch nicht recht machen.

In "Star Tek Beyond" befindet sich die Crew um James T. Kirk (Chris Pine), Spock (Zachary Quinto), Leonard "Pille" McCoy (Karl Urban), Lieutenant Uhura (Zoe Saldana) und den zuvor genannten Sulu, Chekov und Scott im dritten Jahr einer Fünf-Jahres-Deep-Space-Mission. Nun erwartet die Enterprise ein vermeintlich geradliniger Auftrag: die Außerirdische Kalara (Lydia Wilson) hat ihre Schiffsbesatzung auf einem bislang unentdeckten Planeten verloren und bittet die Sternenflotte um Hilfe bei der Rettung. Schon vor der Ankunft wird Kirk und seinem Team klar, dass an der Mission etwas faul ist. Kirk und Spock befinden sich dazu beide inmitten von introspektiven Krisen und großen Veränderungen. Kirk nähert sich einem Geburtstag, der ihn älter machen wird als sein Vater je war; Spock ist gezwungen, trotz seiner Gefühle für Uhura, zu seinem Volk zurückkehren und zu helfen, Neu-Vulkan zu besiedeln. Ein blitzschneller Angriff des Kriegers Krall (Idris Elba) zwingt die Überlebenden zur Bruchlandung im felsigen Wüstengebiet von Altamid, einem unwirtlichen Planeten, der von einem instabilen Nebel umgeben ist. Durch die brutale Attacke voneinander getrennt, muss die Crew zunächst wieder zueinander finden, um schließlich den Kampf gegen den Tyrannen aufzunehmen: Nur ein altes Artefakt an Bord der Enterprise fehlt Krall zur Fertigstellung einer fatalen biologischen Waffe. Zusammen mit der einheimischen Einzelgängerin Jaylah (Sofia Boutella) wird ein Plan zur Abwendung der Katastrophe geschmiedet.

Auf diese Weise gelingt ein amüsantes Zusammenspiel der einzelnen Crewmitgliedern außerhalb der Haupthandlung und außerhalb ihrer gewohnten Gruppendynamik. Scotty und die energische Jaylah treffen aufeinander, Kirk und Chekov sind mit der zwielichtigen Kalara (Lydia Wilson) auf der Suche nach einem Artefakt, ausgerechnet McCoy und ein schwer verletzter Spock müssen sich ständig schlagabtauschartig diskutierend durch unwirtliches Gelände schlagen, während Sulu und Uhura zusammen mit dem Großteil der Enterprise-Crew Gefangene von Krall geworden sind. Ja, "Star Trek Beyond" ist eine großartige Parabel über Annäherung und Kontakt und darüber hinaus wird allerlei an Action und Gags geboten. Tja, und selbst dann, wenn die Materialschlacht im dritten Teil die Überhand zu gewinnen droht, verlässt sich der Streifen auf seine tiefgründige Seite, die versteckt im Hintergrund schlummert. Wenn man bedenkt, dass die meisten Hollywood-Franchises bereits ab Teil zwei irgendwie fad wirken, verfügt die aktuelle "Star Trek"-Reihe trotz bewährter Rezeptur immer noch über einen ansprechenden, fetzigen Touch.


Der heimliche Star des Films ist der unerschütterliche Erste Offizier Spock, der, obgleich immer logisch und ruhig, einen etwas drolligen Humor vermittelt, eine Art schüchternen Romantiker. Er regiert den gesamten Film mit einer einzigen hochgezogenen Augenbraue. Und man kann sich sicher sein: ohne Spock wäre "Star Trek" nicht "Star Trek" und gleichzeitig viel zu gewöhnlich. Der Film selbst liefert nun aber genau das, was der Zuschauer von Anfang an erwarten konnte: eine einzige sehr ansehnliche Episode des Franchise. Mit Krall liefert Idris Elba einen wirklich kaltblütigen Bösewicht, der den Puls souverän in die Höhe treibt und dessen wahre Hintergründe lange im Verborgenen bleiben. Eine noch stärkere Leistung liefert aber Sofia Boutella. Ihr Charakter gleicht Daisy Ridley in "The Force Awakens", ist aber ein wenig energischer, härter. Auch Chris Pine zeigt sich wieder als sehr guter Schauspieler mit einfachem Charme und gebührender Autorität. Karl Urban und Zachary Quinto liefern sich erneut herrliche sprachliche Duelle. Quinto zeigt bisweilen herrliches comichaftes Timing, bevor er eine würdige Antwort absetzt und den Zuschauer damit großes Gelächter abringt.


Erneut ist auch Michael Giacchino als Komponist an Bord. Seine fantastischer Score geht eindrucksvoll Hand in Hand mit der Story. Er ist pompös, schnell - und doch tauchen sie immer wieder auf, die leisen, berührenden Töne, die "Star Trek Beyond" nachhaltig in ein besonderes Weltraumabenteuer verwandeln und in wenigen Momenten sogar an "die alten Zeiten" erinnern können. Und Justin Lin hat sich entgegen aller Skepsis als kompetenter Handwerker erwiesen, der den zahlreichen Höhepunkten eine bemerkenswerte inszenatorische Wucht zu verleihen vermag. Manchmal toppt er sogar Abrams, wenn man beispielsweise an eine von Beastie Boys-Klängen passend unterlegte, irrwitzige Sabotageaktion (die einem einfach ein Grinsen ins Gesicht treibt) oder einen schweißtreibenden Zweikampf in einer mit künstlicher Gravitation ausgestatteten Stadt denkt.

Zwischen all den lauten Gefechten dringt in diesem Abenteuer sogar kurz mal der Entdecker-Geist Gene Roddenberrys durch - der größte Teil der Handlung spielt sich immerhin in einer unbekannten Welt ab. Im Mittelpunkt des neuen Films stehen erneut die Schauwerte und atemlose Action, während man die Charaktere nach zwei Filmen bereits so verinnerlicht hat, dass sie ohne viele Zusatzinformationen aus dem Stand funktionieren. Zu Beginn werden einige leicht existenzielle Fragen angerissen, die sich aber im folgenden Feuerwerk schnell pulverisieren und zum Ende auch schon wieder vergessen sind. Das mag jetzt alles erneut wenig mit dem intellektuellen Ansatz der "Star Trek"-Ursprünge zu tun haben, aber geschenkt: "Star Trek Beyond" macht letztlich genauso viel Spaß wie seine zwei Prequels, wenn man über die eine oder andere Länge zum Schluss und ein wenig Abnutzungserscheinungen hinwegsieht. Und ganz am Ende liest man auf einer Texttafel "In loving memory of Leonard Nimoy", gefolgt von einer weiteren ganz offensichtlich noch rasch hinzugefügten Texttafel: "For Anton". Ja, das stimmt zum Schluß dann doch noch etwas wehmütig.

8,5/10

Man kann ja kaum behaupten, dass die Firmen den geneigten Fan nicht fordern. Ganze 7(!) Edition erschienen auf Blu-ray in Deutschland und die schönste Edition kommt dennoch aus UK. Die zoom.co.uk-exklusive Edition hat nämlich das subjektiv schönste Cover, welches das originale Kinoplakatmotiv ist und noch dazu geprägt ist. Dazu gibt es ein Leticularmagnetcover mit dem Motiv des Teaser-Posters und natürlich den Film in 2D und 3D. Na wenn das nichts ist...



Quellen
Inhaltsangabe: Paramount Pictures
Poster/Artwork:: Paramount Pictures