Samstag, 7. März 2026

The Bride! - The Bride!: Es lebe die Braut (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt30851137/

Chicago in den 1930er-Jahren: Frankensteins Monster (Christian Bale), stets von schier unendlicher Einsamkeit gequält, sucht die Hilfe der rätselhaften Dr. Euphronius (Annette Bening). Der innigste Wunsch des Monsters: eine Gefährtin, die an seiner Seite steht. Gemeinsam machen sich die beiden also an ein düsteres Werk - sie wählen eine Frau als Opfer aus und bringen ihren Leichnam (Jessie Buckley) mit wissenschaftlicher Raffinesse zurück ins Leben. Was zunächst als grausames Experiment beginnt, verwandelt sich schon bald in eine leidenschaftliche Liebesgeschichte zwischen dem Monster und seiner wiedergängerischen Braut. Doch die ungewöhnliche Romanze bleibt nicht unentdeckt: Schon bald setzt die Polizei alles daran, das ungleiche Paar zu jagen - und ihre Liebe muss sich einer gefährlichen Bewährungsprobe stellen...

Das Remake des Monsterfilmklassikers "Frankensteins Braut" aus dem Jahre 1935 ist weniger ein Remake als eine Art kommentierende Antwort auf "Frankensteins Braut" - und stellt die Figur, die 1935 kaum drei Minuten sprechen durfte, radikal in den Mittelpunkt. Regisseurin Maggie Gyllenhaal inszeniert ein lautes, exzessives Horror-Musical, das James Whales elegantes Gothic-Märchen nicht nur erneuern oder gar ersetzen, sondern hinterfragen will: Was wäre, wenn die Braut sich weigert, Projektionsfläche zu bleiben? "The Bride!: Es lebe die Braut" verlegt die Geschichte in die 1930er Jahre, zwischen Speakeasies, Großstadtneon und Monster-Mythos: Frank - ein von Doktor Frankenstein erschaffenes, lustvolles Monster - sucht in New York die Wissenschaftlerin Doktor Euphronious auf, um eine Gefährtin zu finden. Durch einen Zufall exhumieren sie Ida, eine junge Frau, die zuvor in einem Chicagoer Nachtclub die Aufmerksamkeit von Mary Shelley selbst auf sich zog - als Geistfigur, die "noch so viel mehr hätte sagen wollen" als in ihrem Roman. Ida wird zur Braut, und zwischen ihr und Frank entspinnt sich eine wilde, anarchische Romanze, während Polizei und Öffentlichkeit auf dieses "unmögliche" Liebespaar reagieren und ein radikaler sozialer Aufruhr entsteht. 

Formell baut Gyllenhaal auf opulente Ausstattung, IMAX-Bilder von Kameramann Lawrence Sher und große Musicalnummern - ein bewusst großes Studioprojekt mit einem Budget um 80 Millionen Dollar.  Hildur Guðnadóttir komponiert die Musik, unterstützt von Fever Ray, was den Film klar in eine zeitgenössische, experimentell-poppige Klangwelt versetzt, weit entfernt von den klassisch-romantischen Horror-Scores der 1930er. James Whales "Frankensteins Braut" war schon 1935 weniger simples Sequel als makaber-ironischer Kommentar auf die Figur des Monsters und auf religiöse wie gesellschaftliche Moralvorstellungen seiner Zeit. Elsa Lanchesters Braut erscheint erst am Schluss, ist visuell ikonisch - die ikonische, hochstehende Frisur mit dem weißen seitlichen "Blitz", der bandagierte Körper - aber dramatisch fast stumm, ein Geschöpf, das sich vor dem Monster entsetzt und im Finale gemeinsam mit ihm vernichtet wird.  Die eigentliche Hauptfigur ist das Monster selbst, tragisch und kindlich, während die Braut zur Pointe einer tragischen Groteske wird.   

Gyllenhaal knüpft genau hier an: Sie nimmt eine Figur, die in der Filmgeschichte als Bild existiert, aber nie als Subjekt, und fragt: Was geht in dieser Kreatur vor, wenn sie nicht sofort "Nein" sagt und im Labor explodiert - sondern lebt, liebt, denkt? Gyllenhaal macht damit das, was man locker als "Punkrock-Horror-Story" beschreiben könnte: Sie dreht die Blickrichtung um, von der Frage "Bekommt das Monster seine Frau?" hin zu "Was, wenn diese Frau das System zerlegt, das sie erschaffen hat?"  Wo Whale noch tief im Produktionskodex, in Zensur und in heteronormativen Konventionen verankert war, erlaubt sich "The Bride!: Es lebe die Braut" offene Sexualität, queere und feministische Untertöne und einen expliziten politischen Gestus - inklusive der Entscheidung, Gewaltspitzen in der Postproduktion wieder zurückzunehmen, weil der Film nicht zum reinen Schockkino werden soll.

Jessie Buckley trägt den neuen Film mit einer Dreifachrolle: als Ida, als reanimierte Braut und als Mary Shelley - eine Entscheidung, die die Autorin selbst als Figur in das Geflecht von Schöpferin, Kreatur und Legende einbindet. Christian Bale spielt Frank, das Monster, diesmal weniger stumm-tragisch als charismatischer, aber gefährlicher Außenseiter, dessen Wunsch nach Liebe immer wieder in Besitzanspruch kippt. Annette Bening als Dr. Euphronious und Penélope Cruz als Myrna Mallow geben dem Ensemble zusätzliche Gravitation; Jake Gyllenhaal und Peter Sarsgaard ergänzen das Panorama derjenigen, die von der "neuen Frau" fasziniert, verängstigt oder bedroht sind. Im Originalfilm von 1935 war Elsa Lanchester gleichzeitig Mary Shelley und die Braut - aber die Mary-Shelley-Szene diente hauptsächlich dazu, den Film literarisch zu rahmen. Gyllenhaal greift diese Doppeldeutigkeit sichtbar auf und radikalisiert ihn: Wenn Buckley wiederum Mary Shelley spielt, wird die Autorin zur inneren Stimme der Braut - eine Art Selbstkorrektur der eigenen Geschichte, die damals unausgesprochen blieb. 

"The Bride!: Es lebe die Braut" ist weniger daran zu messen, ob sie dem Original gerecht wird, sondern daran, ob sie eine eigene moralische und emotionale Wahrheit findet. Der Film versucht nicht, Whales Meisterwerk zu übertreffen; er versucht, mit ihm zu sprechen. Er nimmt die ikonische Stummheit der Braut, füllt sie mit Gesang, Wut und Humor - und riskiert damit Überladung, Kitsch, vielleicht sogar den Vorwurf der Radikalität auf Bestellung. Aber genau dieses Risiko gehört immer auch zum lebendigen Kino: Wenn ein Film mit einem so kanonischen Text ringt, kann er abstürzen oder etwas Neues freilegen. "Frankensteins Braut" bleibt das fein geschnitzte, ironisch-melancholische Kleinod der Universal-Ära. "The Bride!: Es lebe die Braut" ist nun seine laute Enkelin, die mit Neonlicht, Choreografien und wütenden Liebesliedern in denselben Saal stürmt und schreit: "Ich war damals nur eine Pointe. Jetzt erzähle ich meinen eigenen Film!"

7,5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/ArtworkWarner Bros./First Love Films/In The Current Company

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