Asia Reaves (Zazie Beetz), eine Ex-Strafgefangene, braucht dringend einen Neuanfang und nimmt eine Stelle als Haushälterin in einem luxuriösen, aber merkwürdig abgeschotteten New Yorker Hochhaus an. Das Gebäude, "The Virgil", ist eine exklusive Wohnanlage, in der über Jahre hinweg immer wieder Menschen spurlos verschwunden sind - ein Umstand, von dem Asia zunächst nichts weiß. Schon kurz nach Arbeitsantritt merkt sie, dass mit den Bewohnern und den vielen verschlossenen Bereichen des Hauses etwas nicht stimmt: seltsame Rituale, flüsternde Nachbarn, Überwachungskameras an jeder Ecke und ein dichtes Netz aus Regeln, das ihr Verhalten kontrollieren soll. Allmählich entdeckt Asia, dass im Virgil ein satanischer Kult residiert, der das ganze Hochhaus als Tempel und Todesfalle nutzt und regelmäßig Menschenopfer bringt - und dass sie für die bevorstehende Nacht als nächste Opfergabe vorgesehen ist...
Regisseur Kirill Sokolov, der bereits mit "Why Don't You Just Die!" als Freund des überdrehten Splatter-Slapsticks aufgefallen ist, inszeniert seinen "They Will Kill You" als bösartige Genre-Achterbahn, so laut und exzessiv, dass man den Film eher erlebt als analysiert. Er tut auch gar nicht erst so, als wollte er subtil sein und liefert einen 100‑minütiger Adrenalinschub aus Horror, Action und pechschwarzer Komödie, der eine Frau in e in Hochhaus steckt und das Gebäude in einen einzigen, blutgetränkten Todesparcours verwandelt. Zazie Beetz spielt mit vollem Einsatz ihre Asia in einer Mischung aus Verletzlichkeit und zäher Überlebensenergie. Sie ist aber keine unverwundbare Actionheldin, sondern eine Frau, die Panik kennt und trotzdem weitermacht, weil sie keine andere Wahl hat - mit zunehmender, fast stoischer Brutalität, die trotzdem nie die Menschlichkeit verliert.
Das Ensemble um sie herum ist ein vergnügt böses Bestiarium: Heather Graham als Sharon, eine kultische Anführerin, die entfesselt zwischen Stepford-Lächeln und hysterischem Fanatismus schwankt; Tom Felton als Kevin, ein ungestümer Jünger, dessen nervöse Energie in jeder Szene droht, in Gewalt zu explodieren. Patricia Arquette und Paterson Joseph sorgen für zusätzliche Schrägheit und Machtausübung im Kultgefüge, während Myha’la als mögliche Verbündete oder Rivalin Asias Ambivalenz in das Ensemble bringt. Eine der Stärken des Films liegt darin, dass Sokolov seine Schauspieler das Maximum geben lässt: Jede Nebenfigur ist ein bisschen zu laut, zu exzentrisch, zu überzeichnet - aber in einem Film, der sich als ein Mix aus "Kill Bill" und "Ready Or Not" (dessen Fortsetzung bereits in ein paar Tagen ins Kino kommt) inszeniert, fühlt sich gerade diese Übertreibung richtig an.Sokolov liebt Setpieces, und "They Will Kill You" ist voll davon. Das Gebäude wird zur Bühne für alle denkbaren Arten für physische Konfrontationen: Aufzüge, Zwischenräume, Flure, Treppenhäuser und Penthäuser verwandeln sich in Arenen, in denen jede Tür ein neues, oft blutig-komisches Szenario öffnet. Ein Adrenalinrausch voller actiongeladener Kämpfe, jede Menge Blut und Gemetzel sowie zahlreicher Momente, in denen man laut lachen muss. Die Kamera ist agil, aber nicht unlesbar; der Schnitt ist schnell, aber gerade noch nachvollziehbar: Man spürt in jeder Sequenz Sokolovs Musikvideo-Erfahrung und seinen Hang zur Cartoon-Gewalt. Das Design des Hauses und der Rituale ist bewusst überzeichnet: Masken, Roben, Altäre und Gänge wirken wie eine Mischung aus satanischem Escape Room und Vergnügungspark. Das ist nicht subtil, aber stimmig: Der Film will mehr Achterbahn als Albtraum sein; das Grauen ist physisch, aber selten existenziell.
Unterm Strich ist "They Will Kill You" kein feiner Horrorfilm; er ist eine blutverschmierte, knochenbrechende, oft sehr witzige Genre-Maschine, die genau liefert, was Trailer und Titel versprechen. Zazie Beetz bekommt eine Starrolle, in der sie sowohl körperlich als auch komisch glänzen kann, das Ensemble trägt den Exzess, und Sokolov bestätigt seinen Ruf als Regisseur, der Gewalt in pure Kinetik und Cartoon-Energie übersetzen kann - ein lustvoll böser, handwerklich versierter Ritt durch einen satanischen Wohnturm, der zeigt, dass Splatter und Stil sich nicht ausschließen müssen.





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