Donnerstag, 19. März 2026

天空の城ラピュタ - Tenkū no Shiro Rapyuta - Laputa: Castle In The Sky - Das Schloss im Himmel (1986)

https://www.imdb.com/title/tt0092067/

Pazu ist ein Waisenjunge, der im Bergwerk arbeitet. Eines Abends passiert etwas Merkwürdiges: Ein Mädchen schwebt vom Himmel herab. Das Mädchen heißt Sheeta und ist auf der Flucht vor Piraten und Geheimagenten der Armee aus einem Luftschiff gesprungen - nur Dank des blauen Steins, den sie an einer Kette um den Hals trägt, scheint der Fall glimpflich abgelaufen zu sein. Pazu und Sheeta bleibt nicht viel Zeit, ihre Verfolger sind ihnen dicht auf den Versen. Erst nach und nach erfahren sie die Hintergründe, die den Regierungsbeamten Musca und die Piraten-Mutter Dora so sehr um den Stein kämpfen lassen: Das unbedarfte Waisenmädchen Sheeta ist in Wahrheit die rechtmäßige Thronfolgerin der legendären fliegenden Insel Laputa...

Der erste offizielle Film, der nach "Nausicaä aus dem Tal der Winde" unter dem damals neu gegründeten Studio Ghibli entstand war "Das Schloss im Himmel", ein Abenteuerfilm, der sich anfühlt wie ein klassischer Jugendroman: zwei Kinder, eine Legende, Piraten, Militärs, eine geheimnisvolle Welt - und dahinter eine erstaunlich klare Meditation über Macht, Technik und Natur. Inhaltlich ist es vielleicht einer der reichsten Filme von Hayao Miyazaki; stilistisch bleibt der typische, runde Anime-Look allerdings Geschmackssache - hier beeindruckt mehr die Fantasie der Welt als die Art, wie sie gezeichnet ist. Diese Welt ist jedoch zugleich vertraut und fremd: ein Retro-Steampunk-Universum voller Luftschiffe, dampfender Maschinen, antiker Roboter und schwebender Inseln: eine passende Mischung aus Science-Fiction und Jules-Verne-Romantik. Doch auch wer mit dem typischen Ghibli-Figurenstil - den großen Augen, runden Konturen und leicht kindlichen Proportionen - wenig anfangen kann, merkt, wie konsequent die Bildwelt durchkomponiert ist: Städte, Maschinen und Landschaften tragen eine eigene Logik, die das Fantastische glaubwürdig macht. 

Sheeta und Pazu gehören zu jenen Ghibli-Kindern, die ohne große Psychologie glaubhaft sind: zwei junge Menschen (dazu noch Waisen), deren Mut, Verletzlichkeit und Loyalität die Handlung tragen. Sheeta wächst vom gejagten Mädchen zur aktiven Figur, die über das Schicksal von Laputa (nicht ganz subtil jene Insel aus Jonathan Swifts "Gullivers Reisen", die mittels eines Diamantkerns schweben konnte) mitentscheidet; Pazu ist weniger ein klassischer Held als ein hart arbeitender, talentierter Mechaniker, dessen Mut immer wieder an die Grenze seiner Möglichkeiten stößt. Die Dola-Piraten sind ein Glücksfall: Dola beginnt als gierige Luftpiraten-Chefin und wird nach und nach zur rauen, komischen Mutterfigur, deren Bande zu einer Ersatzfamilie für die Kinder wird. Auf der Gegenseite steht Musca, ein höflicher Bürokrat mit kalten Augen, dessen Motive - Macht, Kontrolle, Waffentechnologie - kaum nuanciert, aber dafür beunruhigend real sind: Er verkörpert die Versuchung, eine wunderbare, alte Technik vollständig zum Werkzeug der Zerstörung zu machen. Thematisch verbindet der Film das (zeitgemäße) Staunen über Technik mit tiefer Skepsis: Laputa erscheint zunächst als Traum - eine Stadt im Himmel, in der Natur und Technologie in Einheit existieren -, zeigt sich dann aber als Ort, der von militärischer Macht korrumpiert wurde. Laputa selbst ist bewusst paradox angelegt: ein Paradies, das zum Kriegsschiff wurde, ein Symbol dafür, wie menschliche Erfindungsgabe entweder Leben schützen oder vernichten kann. 

Freundschaft und Vertrauen zwischen Sheeta und Pazu sind der Mittelpunkt der Geschichte; ihre Partnerschaft bleibt unschuldig, romantikarm, aber umso glaubwürdiger als Bündnis zweier Kinder, die aufeinander angewiesen sind. Joe Hisaishis Musik - lyrische Themen für den Flug, dramatische Fanfaren für Kämpfe und Zerstörung - macht viele Momente größer, als es die Zeichnungen allein tun: Der Score trägt jene Erhabenheit, die der eher simple Figurenstil für manche Augen nicht sofort hergibt. Auch wenn man mit dem Stil nicht viel anfangen kann, kann man doch aus Sicht eines Filmfans zugestehen, dass "Das Schloss im Himmel" eine große Leistung des frühen Studio Ghibli war: ein mitnehmenden Abenteuer, episch und doch zugänglich, kindgerecht und zugleich philosophisch aufgeladen. Gerade wer mit Anime-Ästhetik hadert, entdeckt hier, wie sehr Story, Figurenführung und Weltbau den visuellen Stil überragen: Die emotionale Wirkung entsteht aus der Reise, den Entscheidungen der Kinder und der Ambivalenz von Laputa, nicht aus der dekorativen Oberfläche."Das Schloss im Himmel" beweist damit , dass Zeichentrick nicht durch seinen Stil, sondern durch seine Vorstellungskraft definiert wird. Eine großartige Geschichte, wundervolle Charaktere, gewaltige Fantasie; die Bilder sprechen mit solcher Klarheit, dass selbst eine gewisse Distanz zum Zeichenstil die Faszination nicht brechen kann.

8/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork

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