Montag, 30. März 2026

Sei Donne Per L’assassino - Blood And Black Lace - Blutige Seide (1964)

https://www.imdb.com/de/title/tt0058567/

Die Contessa Christiana Cuomo (Eva Bartok) und ihr Partner Max Morlacchi (Cameron Mitchell) leiten in Rom eine exklusive Modeagentur voller glamouröser Models. Die scheinbar perfekte Welt aus Seidenroben und Fototerminen wird brutal zerstört, als die Models Isabella, Nicole, Peggy und weitere systematisch ermordet werden - von einem maskierten Killer in schwarzem Umhang, der mit phallischen Werkzeugen wie Scheren, Meißeln oder Peitschen grausame, inszenierte Morde begeht. Die Polizei unter Kommissar Silvestri (Thomas Reiner) ermittelt im Kreis der Verdächtigen: Neben den Agenturchefs kommen Models, Liebhaber und Angestellte infrage. Isabellas blutiges Tagebuch enthüllt ein Netz aus Drogenhandel, Erpressung und sexuellen Intrigen. Jeder Mord folgt einem Ritualmuster - die Leichen werden in der Agentur präsentiert -, während Panik und Misstrauen wachsen. Am Ende zeigt sich: Gier und Verrat innerhalb der glitzernden Fassade treiben den Killer an, in einem finalen Blutbad, das die wahren Täter entlarvt...

Mario Bavas "Blutige Seide" gilt als der protokollreine Ursprung des Giallo-Genres: ein farbexplodierender Kriminalfilm, der schöne Models in einem römischen Modesalon zu inszenierten Opfern eines maskierten Killers macht und mit jedem Mord zeigt, dass Stil hier Plot und Charakter bei Weitem übertrumpft. Bava, der italienische Maler mit der Kamera, schuf 1964 ein visuelles Manifest, das Slasher, Whodunit und Gothic-Horror zu einem Genre verschweißte - präzise, blutig, unvergesslich, aber mit Figuren, die kaum mehr als elegante Leichname sind. Der Film ist mit knapp 90 Minuten straff  gehalten, aber Plot dient nur der Optik und liefert perfekte Giallo-Zutaten. 

Die Models sind austauschbare Schönheiten - Objekte männlicher Begierde mit eindeutig sexuellem Subtext und tödlicher Rache -, Bartok und Mitchell verkörpern dekadente Eleganz, Reiner den routinierten Cop. Die Todeskämpfe entblößen die Models, die Morde sind teilweise richtig sadistisch.  Und diese sind auch die größte Stärke des Films, denn jeder Tod spiegelt die Laster der einzelnen Opfer wider. Doch die fehlende Dramaturgie und mangelnde Tiefe in Charakteren fallen negativ ins Gewicht. Auch der Plot hangelt sich von einem Kill zum nächsten und hat sonst keine weitere spürbare Funktion. Dafür ist Bavas Genie audiovisuell: Antonio Rinaldis Kamera malt mit Licht - Grün-Gelb-Rot-Schwarz als abstrakte Tafeln, Neonbeleuchtung, geometrische Kompositionen, Inszenierung der Morde als eine Art Ballett: Kamerafahrten durch Maskenlöcher, surreale Sets, Les Baxters nervöser Score. Das passt alles perfekt. Letztlich lässt sich dieser Urvater des Giallo aber durchaus als Satire auf die gesamte Modewelt der 60er sehen: Schönheit als Fluch, Frauen als Ware, Gier als Killer. Bava pfeift 1964 auf Realismus und schafft mit "Blutige Seide" eine für damalige zeit moderne Inszenierung, bei der Nihilismus auftrumpft: der Tod siegt immer. 

"Blutige Seide" ist rein storytechnisch ein eher lahmer Film mit blassen Charakteren. Doch auf der Haben-Seiten ist er visuell revolutionär, genre-definierend, stilistisch ekstatisch und ein Film, der mit jedem Bild atmet (und blutet).

7/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Emmepi Cinematografica

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