Der Agent Mark (Sam Neill) erledigt für die Regierung verschiedene, diskrete Angelegenheiten, die ihn oft mit einem Koffer voller Geld für einige Tage an weit entfernte Orte führen. Als er eines Tages von einem Auftrag zurückkehrt, bittet ihn seine Frau Anna (Isabelle Adjani) ohne Angabe von Gründen um die Scheidung. Obwohl Mark die Ehe lieber retten würde, stimmt er der Scheidung zu und überlässt Anna das Sorgerecht für ihren gemeinsamen Sohn Bob (Michael Hogben) und das Apartment. Doch er kann nicht loslassen. Er entwickelt eine Sehnsucht nach ihr, die bald in eine Obsession umschlägt. Als er Annas Apartment aufsucht, findet er nur den vernachlässigten Sohn vor. Von einer Freundin Annas erfährt er schließlich, dass diese sich schon seit Längerem sehr merkwürdig verhält und des Öfteren für einige Zeit unauffindbar ist. Nach und nach dämmert Mark, dass mit Anna etwas ganz und gar nicht in Ordnung ist...
"Possession" ist kein Horrorfilm im üblichen Sinn, sondern ein fiebriger Albtraum aus einer Ehe, die buchstäblich auseinanderfetzt - ein Werk, das so roh und überwältigend ist, dass man sich fühlt, als würde man ein privates Inferno belauschen. Regisseur Andrzej Żuławskis radikales Meisterwerk aus dem geteilten Berlin fühlt sich an wie ein Nervenzusammenbruch, den man miterlebt - ein Film, der Ehekrisen nicht psychologisiert, sondern in pure, körperliche Agonie verwandelt. Ein Film, der erst nach zwei Stunden endet, aber tagelang nachhallt; es ist das Kino als Schreikabine, in dem Isabelle Adjani und Sam Neill eine Beziehung auseinandernehmen, bis nur noch Schleim und Doppelgänger übrigbleiben.
Mark (Sam Neill), ein Spion, kehrt nach langem Auslandaufenthalt in seine Berliner Wohnung zurück und findet seine Frau Anna (Isabelle Adjani) verändert: Sie will sich scheiden lassen, schläft mit dem esoterischen Heinrich (Heinz Bennent) und zieht schließlich in eine schimmlige Sublet-Wohnung um die Ecke, wo sie etwas Unaussprechliches verbirgt. Was als banales Beziehungsdrama beginnt - endlose Streitereien, Schuldzuweisungen, das Kind Bob als stummer Zeuge -, eskaliert rasch in Body Horror: Anna erleidet in einer U-Bahn-Station eine blutige Ekstase, tanzt wie von Furien besessen, und aus ihrer Wohnung kriecht ein tentakelbewehrtes Geschöpf, das sie nährt und liebt. Was als Scheidungskrise beginnt, eskaliert in Hysterie, Tentakelungeheuer und Doppelgänger, bis die gesamte Realität zerbricht.
Żuławski filmt die erste Stunde wie einen Krieg der Geschlechter: er dreht mit Handkamera durch enge Berliner Treppenhäuser und U-Bahnen, schafft Klaustrophobie ohne Effekte - nur mit Schauspielern, die explodieren und Schreien, die durch graue Treppenhäuser hallen. Bruno Nuyttens Licht fängt Schatten wie lebende Wesen ein, Andrzej Korzyńskis Score mischt dissonante Streicher mit sakralen Chören, und die berüchtigte U-Bahn-Szene mit Adjani wird zur Achse des Films: Sie spuckt Blut, verliert eine Fehlgeburt und tanzt sich in Trance - ein Moment purer physischer Katharsis, der an die Ekstase-Filme von Pasolini erinnert. Carlo Rambaldis Tentakelmonster, ein schlaffer Phallus aus Schleim und Tentakeln, ist keine CGI-Farce, sondern eine greifbare Metapher für unterdrückte Triebe, die ausbrechen. Isabelle Adjani gewann für ihre Anna den César als beste Darstellerin - und das völlig zu Recht: Sie ist Raserei, Verführung und Wahnsinn in einem, eine Frau, die ihre Besessenheit nicht nur spielt, sondern lebt; ihre Schreie durchschneiden den Zuschauer wie Glasscherben. Sam Neill kontert als Mark mit unterdrückter Wut, die in Paranoia kippt; sein langsamer Zerfall, vom kontrollierten Spion zum zitternden Wrack, ist ebenso fesselnd. Adjani und Neill spielen mit einer nie dagewesenen Intensität; ihre Szenen sind so körperlich, dass man die Erschöpfung spürt. Heinz Bennent und Margit Carstensen ergänzen als Heinrich und Helen, die voyeuristische Umwelt, die das Chaos beobachtet."Possession" ist keine Allegorie mit Lösung, sondern ein fiebriger Blick auf das Scheitern: Die Ehe als Labor, in dem Menschen mutieren, Besessenheit als Flucht vor der Langeweile des Alltags, Berlin als Kulisse kalter Teilung. Ein Film, der nicht erklärt, sondern überwältigt, und dadurch tiefer ins Bewusstsein sickert als rationale Analysen. In Zeiten von Paartherapie wirkt er radikaler denn je: Was, wenn Liebe nicht heilt, sondern zerstört? "Possession" ist definitiv kein gemütlicher Horrorabend, sondern ein Trauma auf Zelluloid - 127 Minuten, die man erleidet und nie vergisst.


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