Freitag, 13. März 2026

Amsterdamned - Verfluchtes Amsterdam (1988)

https://www.imdb.com/de/title/tt0094651/

In den trüben Gewässern der Amsterdamer Grachten wird eine junge Prostituierte tot aufgefunden - kopfüber von einer Brücke baumelnd, von Touristenbooten aus sichtbar, der Körper brutal zerfetzt und blutleer. Inspektor Eric Visser (Huub Stapel), ein routinierter Polizist und Vater einer rebellischen Tochter, übernimmt die Ermittlungen unter enormem Druck: Die Medien spekulieren über einen Serienmörder, der aus dem Wasser zuschlägt, und der Bürgermeister fürchtet um den Ruf der Stadt als Touristenmagnet. Die ersten Ermittlungen laufen gerade, schon werden weitere Frauen kaltblütig abgeschlachtet. Wie es scheint, taucht der Mörder vollkommen überraschend für seine Opfer aus dem Wasser auf. Nachdem Visser die hübsche Taucherin Laura (Monique van de Ven) kennenlernt, ergeben sich plötzlich merkwürdige Verbindungen zu dem gnadenlosen Killer... Die Ermittlungen führen durch Amsterdams Unterwelt - von Rotlichtvierteln über belebte Grachten bis in die labyrinthartige Kanalisation -, begleitet von atemlosen Bootjagden und nächtlichen Tauchgängen, während die Angst vor dem unsichtbaren Räuber die Stadt lähmt. 

Dick Mass' nasskalter, dreckiger Genremix aus Slasher, Cop- und Action-Thriller aus den Kanälen einer Stadt, die sonst nur für Tulpen und Fahrräder bekannt ist liefert genau die Art von 80er-Jahre-Unterhaltung, die man sich in einer Sommernacht auf VHS reinzieht, auch wenn die finale Auflösung etwas patzt. In "Verfluchtes Amsterdam" (der Originaltitel "Amsterdamned" ist um so vieles besser!)  wird die titelgebende Stadt nicht als Postkartenidylle inszeniert, sondern als finsteres Labyrinth: trübe Grachten, Rotlichtviertel, modrige Hinterhöfe und eine Kanalisation, die wie ein Abgrund wirkt. Maas nutzt die Stadt genial als Spielfeld - die berüchtigte Leichen-Szene, in der eine Tote über das Glasdach eines Schulboots rutscht und eine rote Blutspur zieht, ist ein bitterböser Höhepunkt, der an Dario Argentos Werke  erinnert. Die Bootsjagd durch enge Kanäle fühlt sich wie ein europäischer James Bond an, mit Carpenter-ähnlichem Synthie-Score und düsterer Atmosphäre, die in den ersten zwei Akten greift. Der Killer bleibt lange ein Schatten im Wasser, was Spannung erzeugt, ohne in Klischees abzugleiten. 

Huub Stapel trägt den Film als sympathischer Cop, der Raubüberfälle im Vorbeigehen löst und mit seiner Tochter herumfrotzelt - ein Hauch von Humor mildert die Brutalität. Monique van de Ven als Taucherin Laura bringt Chemie rein, während das Ensemble (Serge Henri Valcke, Tatum Dagelet) die Ermittlerfamilie abrundet. Es ist kein Deep-Acting-Kino, aber solide für B-Movie-Niveau. "Verfluchtes Amsterdam" liefert genau, was man erwartet und ist unterm Strich ein unterhaltsamen Genre-Mix aus Thriller, Slasher und Action“ - und ja, es stimmt: Amsterdam glänzt als Kulisse, die Morde sind kreativ und blutig, die Stunts echt. Kritik muss sich der Film dann lediglich im Finale gefallen lassen, denn dieses wirkt gehetzt, die Motive des Täters  sind geradezu haarsträubend und völlig aus dem Kontext gerissen, doch seis drum - bis hierhin hatte man eine gute Zeit. "Verfluchtes Amsterdam" ist damit zwar irgendwo Kult, aber kein Meisterwerk. Er bietet Nervenkitzel, er ist blutig, wartet mit einem herrlich-bissigen schwarzem Humor auf - und einer Erinnerung daran, dass selbst europäische Genrefilme der 80er international mithalten konnten.

7/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: First Floor Features

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen