Sonntag, 15. März 2026

Romeo Must Die (2000)

https://www.imdb.com/de/title/tt0165929/

In San Franciscos Hafenviertel Oakland herrscht schon seit vielen Jahren ein aggressiver Konflikt zwischen dem Syndikat des schwarzen Gangsterbosses Isaak O'Day (Delroy Lindo) und den Leuten seines chinesischen Konkurrenten Ch'u Sing (Henry O), bei dem auch vor Waffengewalt nicht zurückgeschreckt wird. Als Ch'us Sohn PO (Jon Kit Lee) ermordet im Schwarzenviertel aufgefunden wird, droht die Auseinanersetzung endgültig zu eskalieren. Als Pos Bruder Han (Jet Li) vom Tod seines Bruders erfährt, bricht er aus dem Staatsgefängnis aus, um die verantwortlichen Mörder zur Rechenschaft zu ziehen. Bei seinen Nachforschungen lernt er die schöne Trish (Aaliyah) kennen und verliebt sich in sie. Allerdings stellt sich schon bald heraus, dass es sich bei Trish um Isaak O'Days Tochter handelt...

"Romeo Must Die" ist einer dieser Filme, bei denen der Titel ein Shakespeare-Update verspricht - und man stattdessen in einem hybriden Gebräu aus Hip-Hop-Ästhetik, B-Gangsterfilm und CGI-veredeltem Martial-Arts landet. Das Ergebnis ist weniger tragische Liebesgeschichte als Schaukasten für Jet Lis ersten großen US-Lead und für Aaliyahs Charisma, eingebettet in eine Handlung, die eher von Plattenverträgen und Soundtrack-Verkäufen als von Shakespeare inspiriert scheint. Was den Film dennoch trägt, ist Jet Li - zumindest in den Momenten, in denen man ihn tatsächlich kämpfen lässt. Der Film beginnt mit einem spektakulären Gefängnisausbruch, in dem Lis Bewegungen kurz an seine Hongkong-Zeit erinnern, bevor die Inszenierung sie in hektische Schnittgewitter und digitale Gimmicks zerlegt. Die berüchtigten "Röntgen"-Einstellungen, in denen Knochen in CGI brechen, sollten wohl den Impact der Schläge verstärken; in der Praxis unterbrechen sie den Fluss der Choreografie und lassen Lis Kunst fast so künstlich erscheinen wie einen Cartoon. Das Finale - ein wuchtiger Showdown gegen Russell Wong - hat immerhin Härte und Sadismus, die dem Titel gerecht werden: Ein Gegner, der den verbrannten Arm des Helden traktiert, ein Kampf, der nicht "sauber" sein will. Doch insgesamt bleibt der Einsatz von Lis Fähigkeiten unter den Möglichkeiten.

Ironischerweise sind es nicht die Kämpfe, sondern die Schauspieler, die dem Film Leben einhauchen. Delroy Lindo bringt Isaak O’Day eine Gravitas, die weit über das übliche Gangsterstereotyp hinausgeht; Isaiah Washington legt Mac als undurchsichtigen Vertrauensmann an, dessen späte Wandlung jedoch dramaturgisch unterfüttert fehlt. Aaliyah wiederum hat eine entspannte, genaue Präsenz, die andeutet, was sie als Filmschauspielerin hätte werden können: Sie wirkt natürlich, hat Timing, kann liebenswert und scharfzüngig in einem Satz sein. Das Problem liegt weniger in den Performances als in den Beziehungen, die das Drehbuch nicht zu Ende denkt. Die angebliche Verbindung zwischen Han und Trish bleibt skizzenhaft; die fast völlige Abwesenheit sexueller Chemie, lässt den Shakespeare-Bezug hohl erscheinen. 

Regisseur Andrzej Bartkowiak inszeniert den Film als Hip-Hop-noir des Jahres 2000, komplett mit lauterem, dominanten Soundtrack und einem Bildstil, der Musikvideos und Matrix-Mode zitiert. Die Kombination aus urbanem Setting, R&B-/Rap-Sound und Martial-Arts-Ikone war damals durchaus frisch; gleichzeitig wirkt vieles heute wie ein Zeitdokument: die überzeichneten Gangsterposen, die digitalen Effekte und die Klarheit von Li's Action, welche die formelhaften Stilentscheidungen überdeckt. Und doch hat der Film eine eigentümliche Anziehungskraft. Er ist überladen, tonal uneinheitlich, dramaturgisch holprig, aber er ist auch ein früher, sichtbarer Versuch, asiatisches Martial Arts, schwarze Popkultur und Studiomainstream zu verbinden. In diesem Sinne ist er weniger ein geglückter Film als eine interessante Wegmarke. 

6,5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Warner Bros.

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