Freitag, 3. November 2017

Bang Boom Bang - Ein todsicheres Ding (1999)

http://www.imdb.com/title/tt0135790/

Der Kleinganove Keek (Oliver Korittke) hat ein großes Problem, als sein Komplize Kalle Grabowski (Ralf Richter) plötzlich vor der Tür steht, obwohl der eigentlich im Gefängnis sein sollte. Grabowski hat in einem Pornofilm jedoch seine Frau wiedererkannt und daraufhin die Haftanstalt in Wut verlassen. Da Keek Grabowskis Anteil an dem gemeinsamen Bruch verspielt hat, für den Grabowski im Gefängnis war, muss Keek nun alles daran setzen, um diskret das Geld zu beschaffen, dass er Grabowski schuldet. Keeks Kumpel Schlucke (Martin Semmelrogge) soll im Auftrag seines Chefs Werner Kampmann (Dieter Krebs) in dessen Firma einbrechen, damit Kampann die Versicherung übers Ohr hauen kann. Das scheint für Keek die ideale Gelegenheit zu sein, um an Geld für Grabowski zu kommen. Aber das todsichere Ding entpuppt sich als Reinfall mit ungeahnten Folgen.

Um die Jahrtausendwende hatte Quentin Tarantino schon drei Filme rausgehauen, die man als Gauner-Komödien bezeichnen könnte. Guy Ritchie hatte bereits "Bube, Dame, König, grAs" abgeliefert und stand im Begriff, "Snatch" nachzureichen – ebenfalls zwei (überaus sehenswerte) Gauner-Komödien. Diese Welle aus dem anglo-amerikanischen Raum schwappte damals so langsam auch zu uns rüber, was dann wohl auch der Anlass gewesen sein dürfte, "Bang Boom Bang" zu drehen. Nun kann ein deutscher Film, der (zumindest) britische Gauner-Komödien imitieren will, eigentlich nur voll in die Hosen gehen.
Würde man meinen. Thorwarth und seine Crew haben es aber wider Erwarten geschafft, was überaus Vorzeigbares abzuliefern. Dabei spielt natürlich eine Rolle, dass das Identifikationspotential unweit größer als bei ausländischen Filmen ist und dass sich zahlreiche bekannte Gesichter Deutschlands ein Stelldichein gegeben haben. Das ist aber nicht alles, denn die Figuren sind herrlich skurril, die Witze zünden auch Jahre später noch und die Handlungsstränge werden geschickt zusammengeführt und mit ein, zwei netten Wendungen serviert.

Die Charaktere erzielen ihre Wirkung, was neben deren überspitzten Profil vor allem an dem hingabevollen Spiel der Darsteller liegt. Martin Semmelrogge - hier wahrscheinlich in der Rolle seines Lebens - als Schlucke, Oliver Korittke als Kek und selbstredend Diether Krebs als Kampmann sind nur der Gipfel des Eisbergs. Die Dialoge und atmosphärischen Kulissen wissen zu überzeugen. Zwischendurch verliert der turbulente Kleinganovenklamauk leider etwas an Fahrt und verheddert sich im Geflecht der Beziehung zwischen seinen zahlreichn Akteuren. Ein solides Buch, gelungener Witz und für 1999 hervorragende Kameraarbeit machen "Bang Boom Bang" zu einem der deutsche Filme, die sich jeder anschauen kann und sollte. Was sich allerdings jeder mal reinziehen sollte, sind die ersten zehn, fünfzehn Minuten. Das genügt nämlich, um Ralf Richter und Til Schweiger in den Rollen ihres Lebens zu sehen. Tils Auftritt passt hier wie die Faust aufs Auge zu seiner Bedeutung als Schauspieler und Filmemacher.

8/10

Als Teil der "Unna Trilogie" erschien der Film in einer schicken 4-Disc Deluxe Edition von TURBINE Medien.