Mittwoch, 4. November 2015

The Gambler (2014)

http://www.imdb.com/title/tt2039393/

Der Literaturprofessor Jim Bennett (Mark Wahlberg) hat ein echtes Problem. Seine Spielsucht bringt ihn immer wieder in äußerst prekäre Situationen, besonders wenn man bedenkt, wem er alles Geld schuldet. Seine reiche Mutter (Jessica Lange), die ihren Sohn längst abgeschrieben hat, ist da wohl noch das geringste Problem. Viel gefährlicher dagegen ist der Gangster Neville (Michael Kenneth Williams), der sein Geld mit Nachdruck zurückfordert und für den ein Leben nichts anderes ist als ein Pfand. Das Glücksspiel hat für Bennett längst die Welt der Spieltische verlassen und prägt nun sein gesamtes Leben. Ganz davon abgesehen, dass er eine heikle Affäre mit einer seiner Studentinnen (Brie Larson) hat, begibt er sich bald auf illegales und riskantes Terrain, um die zwielichtigen Persönlichkeiten, mit denen er sich eingelassen hat, auszutricksen. Das erregt schließlich auch die Aufmerksamkeit des Kredithais Frank (John Goodman), der ein fast schon väterliches Interesse an Bennetts Zukunft hegt. Doch inwieweit kann Bennett ihm wirklich trauen?

Ein Film für Melancholiker. Völlig gedankenverloren verweilt Jim Bennett (mal ganz anders und sehr gut: Mark Wahlberg) immer wieder für einen Augenblick. Man weiß nicht genau, ob er sich selbst und sein Leben reflektiert oder ganz entgegen der ursprünglichen Annahme einfach nur Leerlauf im Kopf hat. Wie seine Studentin Amy Philipps (grandios und irgendwie faszinierend: Brie Larson) irgendwann im Verlaufe zu ihm sagt: "Du bist einer dieser Menschen, die ohne Probleme geboren wurden, sich dann aber alle möglichen von selbst anschaffen."

Jim nimmt vielleicht nur ein einziges Mal die falsche Abzweigung; schon ist alles dahin. Er ist gefangen im leidigen Strudel des Versagens. Aber vielleicht immer noch ein Lächeln auf den Lippen. Sieht er denn glücklich aus? Das Leben besteht nicht nur aus materiellen Werten. Ständige Selbstreflexion führt zu unsäglichem Leid. Da kann man ein Lied von singen. Aber nicht zu laut, das weckt die anderen auf. Es geht also ruhig und bedächtig zu in "The Gambler". Ganz anders als vermutet, als vom Trailer suggeriert, handelt es sich hierbei nicht um einen coolen Zockerthriller, es ist vielmehr ein melancholisches Psychogramm eines Menschen, der die wohl bestmögliche Ausgangssituation, die man heutzutage immer noch haben kann in den Wind schießt und sich lieber den Fragen des Existenzialismus stellt.


Fast schon beneidenswert. Auch wenn man fast überwiegend mit einem aufkeimenden  Fragezeichen auf der Stirn dasitzt, funktioniert die Geschichte wunderbar - wenn man sich denn darauf einlässt. Aber genau deshalb muss man vielleicht ähnlich veranlagt sein und in etwa verstehen (eventuell gar nachvollziehen) können, weshalb Jim sich so verhält und so handelt. Denn das ist manchmal ganz und gar unlogisch (wenn man mal stark vom westlichen Handlungsfeld ausgeht), aber bei näherer Betrachtung doch absurd-sympathisch. Ein Mann in der Identitätskrise seines Selbst, aber auch stellvertretend für eine ganze Gesellschaft, für die ganze Menschheit. Hier wird gar nicht mal mehr die Frage nach einem Sinn des Lebens gestellt. Diese Überlegungen sind mittlerweile doch obsolet geworden. Passend dazu - und zu weitaus mehr noch - ist dann des Protagonisten Umgang mit Geld.

Allerdings haben Charakterrollen für mögliche Oscar-Nominierungen offensichtlich seit einigen Jahren bei männlichen Schauspielern einen Magerwahn ausgelöst. Nach Christian Bale, Matthew McConaughey oder Jake Gyllenhaal hat es nun auch Mark Wahlberg erwischt, der noch in Filmen wie "The Fighter" auf seinen stählernen Körper angewiesen war. Für "The Gambler" hat er angeblich 27 Kilo abgespeckt, weswegen John Goodman nur mit dem Kopf schütteln sollte. An so eine Magerkur würde das Schwergewicht wohl nicht mal im Traum denken. Goodman weiß auch trotz oder dank seiner Leibesfülle wieder zu überzeugen und hat mit seiner Erklärung des "Fuck You-Status" einen richtig genialen Moment. Auch Jessica Lange spielt die Rolle der verbitterten Mutter verdammt gut. Ihr von Botox entstelltes Gesicht ist allerdings ein Grauen. "The Gambler" überzeugt davon abgesehen aber nicht nur schauspielerisch. Obwohl eine Straffung dem Film gut getan hätte, harmonieren vor allem die sehr ausdruckstarken Bilder perfekt mit dem richtig guten Soundtrack und schaffen somit eine ganz besondere Atmosphäre, die von Beginn an in den Bann zu ziehen weiß.

7,5/10

Exklusiv bei Saturn gab es den Film im Steelbook. Mit einem schlichten, aber schönem Innendruck und einem passenden und dazu glanzlackierten Äusseren...