Sonntag, 29. März 2015

Platoon (1986)

http://www.imdb.com/title/tt0091763/

Vietnam, 1967. Der Student Chris Taylor (Charlie Sheen) meldet sich voller Idealismus als Freiwilliger im Dschungelkrieg. Er trifft dort u.a. auf Sergeant O’Neill (John McGinley), einen ekelhafter Arschkriecher, Lieutenant Wolfe (Mark Moses) und King (Keith David), der ständig die Tage zählt, bis er nach Hause darf. In der grünen Hölle gelangt Chris schnell zu einer bitteren Erkenntnis: Der Krieg schafft keine Helden, sondern macht aus Menschen rohe Bestien. Chris' Träume zerplatzen endgültig, als er merkt, dass der Kampf auch in den eigenen Reihen tobt - zwischen dem brutalen Sergeant Barnes (Tom Berenger) und Sergeant Elias (Willem Dafoe), der sich trotz der nervenaufreibenden Kämpfe seine Menschlichkeit bewahrt hat, herrscht blanker Hass. Der führt schließlich dazu, dass Barnes Elias tötet. Chris sinnt auf Rache...

"Jemand hat einmal gesagt, die Hölle sei die Abwesenheit jedweder Vernunft."

"Platoon". Es ist der Antikriegsfilm, der so ziemlich alles portraitiert, was am Krieg falsch ist. Und damit schuf Regisseur Oliver Stone einen unglaublich mitreißenden und vor allem aber ehrlichen Film. Aber er portraitiert nicht nur den Krieg als große gesichtlose Masse oder als dunkle Bestie, er konzentriert sich auch auf vielen Facetten, die in dieser Bestie leben und kämpfen (müssen) und zeigt einen wahren, ungeschönten Einsatz in Vietnam mit ehrlichen, um ihr Leben kämpfenden Soldaten: Neuling, Kämpfer, Veteran. Dass es in diesem Konflikt dann noch um menschliche Abgründe und beinahe schon wesenverändernde Situationen geht, macht den Film dann nur noch einmal besser. Er konzentriert sich auf den Einsatz eines Soldaten, Chris (Charlie Sheen), dessen Gang durch die 'grüne Hölle' eindrucksvoll und mitfühlend inszeniert wird. Stone zeigt die Ankunft eines idealistischen Collegeboys in einer Hölle aus Frustration, Langeweile, Ablehnung, Tod, Alkohol- und Drogenexzessen, unkoordinierten Befehlen und gleichgültigen wie unfähigen Vorgesetzten. Das einzig verbliebene heroische Element bleibt das Überleben. 365 Tage lang. Jeder Tag wird zur Zerreißprobe. Körperlich wie emotional. Ein nackter Rausch hervorgerufen durch eine unvorstellbar scheinende Realität.

"In dem Dorf, dass möglicherweise schon seit 1000 Jahren stand, wusste niemand, dass wir an diesen Tag kommen sollten. Hätten sie´s gewusst, sie wären davon gelaufen."

Im Laufe des Filmes ist es dabei eigentlich ein Kinderspiel auch mit den Charakteren neben Chris mitzufühlen und sich von der Story und den Soldaten mitreißen zu lassen. Wenn auch die Perspektive auch sehr beschränkt bei den Amerikanern und deren physischem und psychischen Leid verharrt, so ist "Platoon" dennoch ein eindrucksvoller Film, der das Vietnamtrauma exemplarisch an Sheens Charakter demonstrativ vor Augen führt und dabei derart realistisch die Situationen der Soldaten schildert, dass man vor der Brutalität und der grünen Hölle förmlich zurückschreckt. Beeindruckend inszeniert Oliver Stone seine zum Teil selbst erlebten Ereignisse und kreiert dank treffender musikalischen Untermalung, sowie den durchweg überzeugenden Darstellern, einen symbolträchtigen und ausdruckstarken Kriegsfilm, der weniger die amerikanische Geschichte in den Fokus rücken will, sondern vielmehr die Auswirkungen eines Krieges und die damit verbunden Veränderungen beim Menschen veranschaulicht. 

"Wir haben nicht gegen den Feind gekämpft, wir haben gegen uns selbst gekämpft".

"Platoon" ist ein einziger spannend erzählter psychischer Kampf um das Bewahren der Vernunft, in einer Umgebung in der das Chaos und der Wahnsinn ihre gewaltigen Kräfte ausleben. Spätestens wenn Charlie Sheen das Schlachtfeld am verlassen ist und sein Monolog, begleitet von Samuel Barbers Klängen, das Ende markiert, läuft einem ein kalter Schauer über den Rücken. "Platoon" ist ein Meisterwerk, so eindrücklich und dicht, dass es einen erschaudern lässt. Und so intensiv, dass es einem die Worte "sinnlos" und "Wahnsinn" tief in den Schädel brennt:

"Der Krieg ist jetzt für mich vorbei, aber er wird immer bestimmend sein, sowie auch Elias immer bestimmend sein wird, der mit Barnes, wie Rah sich ausdrückte, um meine Seele kämpfte. In manchen Augenblicken fühle ich mich wie das Kind, das diesen beiden Männern geboren, aber, mag es sein wie es will, diejenigen von uns, die davon gekommen sind, haben die Verpflichtung etwas Neues zu beginnen, einen Wert zu finden, für dieses Leben."

Grandios.

10/10