Sonntag, 22. März 2015

[KINO FFFnights] The Guest (2014)

http://www.imdb.com/title/tt2980592/

Der Sohn der Petersons ist im Afghanistankrieg gefallen. Die Familie trauert noch, als ein Unbekannter namens David (Dan Stevens) vor ihrer Tür steht und sich als ehemaliger Kamerad vorstellt. Er will der Familie Trost spenden und wird von Mutter Laura (Sheila Kelley) eingeladen, ein paar Tage zu bleiben. David erzählt von der Zeit, die er mit dem Verstorbenen verbracht hat, freundet sich bei ein paar Bier mit dem Vater (Leland Orser) an, hilft dem Einzelgänger Luke (Brendan Meyer) mit ein paar Schlägern in der Schule fertigzuwerden und wird auch von Tochter Anna (Maika Monroe) für einen ziemlichen Traumtypen gehalten. Doch der Gast ist nicht, was er vorgibt zu sein, und nach einigen ungewöhnlichen Ereignissen werden die Petersons misstrauisch... 

Was für eine grandiose Mimik Dan Stevens hat ist unfassbar! Der Hauptdarsteller von "The Guest" hatte zumindest mich schon bei seinem ersten Lächeln. Sein "David" wirkt zunächst charmant und attraktiv, aber auch kühl und geheimnisvoll. Und genau von dieser Wechselwirkung profitiert auch der gesamte Streifen. Regisseur Adam Wingard zeigt nach dem tollen "You're Next" erneut eindrucksvoll, wie man auch ohne großes Budget in den Händen erstklassige Filme drehen kann. Er setzt hier auf einen spürbaren Retro-Flair, indem er sein Werk an Genre-Vorbilder aus den 80ern anlehnt und vor allem auf einen tollen Soundtrack setzt, der sich aus Dubstep- und Synthie-Pop-Melodien zusammensetzt. Gegen Nicolas Winding Refns "Drive" zieht der Film natürlich klar den Kürzeren, dennoch sind die ständigen Vergleiche nicht völlig aus der Luft gegriffen, wenn man alleine schon die Optik und Performance des Hauptdarstellers sowie den extrem coolen Soundtrack begutachtet, der seit der Sichtung bei mir hoch und runter läuft. 

Die Handlung lebt davon, dass man ständig rätselt, in welche Richtung diese verlaufen wird und was sich hinter der mysteriösen Fassade von David verbirgt. Dazu trägt vor allem das bereits erwähnte fantastische Schauspiel von Hauptdarsteller Dan Stevens bei, der mit seiner sympathischen, kühlen und gleichzeitig rätselhaften Art ein wenig an die Ausstrahlung eines Ryan Gosling erinnert und hier neben dem ansonsten ebenfalls gut gewählen Cast deutlich hervorsticht. 

Die Auflösung, die gegen Ende geliefert wird, ist allerdings nicht allzu originell und überzeugend. Die Schockwirkung und Wucht, die der Streifen aber im letzten Drittel dadurch entfaltet, dürfte viele Zuschauer kalt erwischen sowie für verwunderte Reaktionen sorgen und ist deshalb überraschend wie beeindruckend zugleich. "The Guest" von Regisseur Adam Wingard und Drehbuchautor Simon Barrett ist ein Action-Thriller der außergewöhnlicheren Sorte. Auch wenn am Ende nicht alles zu 100% stimmig zusammengeführt wird und einige Ungereimtheiten übrig bleiben, ist der Streifen aufgrund der stimmigen Inszenierung mitsamt tollem Soundtrack, einigen überraschenden Einbrüchen und dem fantastischen Schauspiel von Dan Stevens unbedingt sehenswert. Für den charismatischen Dan Stevens in der psychopathischen und titelgebenden Hauptrolle dürfte "The Guest" wohl das Sprungbrett für größere Filme sein - und das hätte er sich auch redlich verdient. "The Guest" ist ein ganz starker Genrestreifen, der ansprechend langsam in Fahrt kommt und ordentlich Stimmung aufbaut, um dann später hemmungslos drauflos zu wüten. Kompromisslos, blutig, etwas schwarzhumorig und sehr, sehr böse... klasse!


7,5/10