Montag, 6. März 2023

The Battery - Ben & Mickey vs. The Dead (2012)

https://www.imdb.com/title/tt2272350/

Nach einer Zombie-Apokalypse ist beinahe die gesamte Menschheit ausgelöscht. Ben (Jeremy Gardner) und Mickey (Adam Cronheim) sind zwei der wenigen, die überlebt haben. Beide waren vor dem Untergang Baseballspieler, doch so richtig gut angefreundet haben sie sich nie. Vorsichtig und strikte Regeln befolgend schlagen sie sich durch ein zerstörtes und verlassenes Land. Überraschende Zombie-Attacken sind dabei schon an der Tagesordnung und auch mit den Eigenarten des jeweils anderen müssen sie erstmal umzugehen lernen. Verzweifelt suchen die beiden nach Überbleibseln vergangener Tage und dem Kontakt zu anderen Überlebenden. Während Mickey sich mit seinen Kopfhörern und einer romantischen Ader ausgestattet in eine bessere Welt träumt, findet Ben sich langsam mit dem harten Alltag ab. Als die beiden tatsächlich auf eine kleine Gruppe Überlebender treffen, geraten die Dinge nur noch weiter außer Kontrolle...

Als aufmerksamer und interessierter Zuschauer hat man ja schon viele Zombie-Apokalypsen miterlebt oder miterleben müssen und "Ben & Mickey vs. The Dead" erfindet in dieser Beziehung das Rad auch nicht neu: Man erhält keine Erklärung wie es zu der Katastrophe kommen konnte, kaum Background, es ist einfach so wie es ist. Als Zuschauer steigt man ohne Warm-up also direkt ein und begleitet die beiden Ex-Baseballspieler beim Durchstreifen menschenleerer Areale auf der Suche nach Proviant und Nützlichem, was dem Überleben eben so zuträglich ist. Eigentlich ein typischer "Loot-Shooter": Sammeln, Töten, Überleben.

Klingt in erster Linie nach einem klassischen Zombie-Survival-Slasher. Ist es aber nicht. Hier wurde Low-Budget clever umgesetzt. Zum einen stehen in "Ben & Mickey vs. The Dead" die Untoten angenehmerweise mal nicht im Zentrum des Geschehens. Sie sind nur die Ursache allen Übels. Zum anderen verzichtet man hier zum allergrößten Teil auf Zombiefetzereien, Ressourcenkriege mit anderen Überlebenden und einen spannungstreibenden Score - auch die für dieses Genre üblichen Splattereinlagen sucht man hier vergebens. Die Zombies sehen nicht so zermatscht aus. Optisch in vergleichsweise gutem Zustand bewegen sie sich wirklich krötenlangsam. Die schnellen Untoten erzeugen zwar weitaus mehr Thrill, aber die hier passen einfach mehr zur insgesamt wenig reißerischen Grundatmosphäre. Die Erzählweise ist trocken, das Tempo gemütlich und die Ausstattung minimalistisch. Das reicht vollkommen. Die gechillten Aufnahmen, die ruhige Kamera und die Tatsache, dass man es fast nur mit Mickey und Ben zu tun hat macht den Film keineswegs langweilig. "Ben & Mickey vs. The Dead" wirkt beinahe wie ein Kammerspiel - und noch dazu ein ziemlich gutes.

6,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Meteor Film

Sonntag, 5. März 2023

Mo - Unanständig (2019)

https://www.imdb.com/title/tt10598260/

Mo (Dana Rogoz), kurz für Monica, ist eine junge Studentin vom Lande mit einem rebellischen und wechselhaften Charakter. Während der Kybernetikprüfung an ihrer Universität werden sie und ihre beste Freundin Vera (Mădălina Craiu) von Ursu (Răzvan Vasilescu), dem strengsten Professor der Universität, beim Schummeln erwischt. Nachdem die beiden Freundinnen ihn aufsuchen, und um die zweite Chance bitten, ihnen zu erlauben, die Prüfung mit der anderen Gruppe zu wiederholen und um nicht von der Universität geworfen zu werden, lädt der Professor sie zu sich nach Hause ein. Doch bei ihrer Ankunft in seiner Wohnung müssen die Studenten eine gänzlich unerwartete Prüfung ablegen...

Radu Dragomirs Spielfilmdebüt "Mo" beschäftigt isch mit einer sozialen Botschaft über die Probleme der Gesellschaft, in der wir leben. Das erklärte Ziel des Films ist es nämlich, das Bewusstsein für die Häufigkeit von sexuellem Missbrauch und Vergewaltigung zu schärfen, wenn ein unausgewogenes Machtverhältnis zwischen Täter und Opfer besteht, wie zum Beispiel hier, Lehrer gegen Schüler. Das Beispiel ist wohl nicht zufällig, denn es ist das eigentliche Thema des Films. Soziale Botschaften sind immer schwierig zu vermitteln und oftmals ist es eine mühselige Angelegenheit für den Zuschauer, dem die Themen oft mit dem Holzhammer eingebleut werden sollen. Aber "Unanständig" (so der deutsche Titel) hat in dieser Situation das Glück, dass er in seinem Kern gut genug ist, um Sinn zu ergeben und auf eigenen Füßen zu stehen, auch wenn Dana Rogoz nicht von Pontius zu Pilatus läuft, um dem Publikum zu erklären, wie wichtig und ernst das Thema des Films ist.

Răzvan Vasilescu macht den ganzen Film aus, weil er absolut außergewöhnlich ist: ein nuancierter Antagonist, charmant und grausam gleichermaßen, der mit jeder Minute des Films mehr Angst einflößt. Doch auch die beiden Protagonistinnen, vor allem Dana Rogoz, spielen ihre Rollen ebenso gut und mit voller Hingabe. Sicher, "Unanständig" ist kein perfekter Film. Trotz seiner bescheidenen Länge  von nur 76 Minuten fühlte sich der erste Akt so an, als würde er nie enden, da er mit langen, atmosphärischen Aufnahmen überhäuft wurde, die die Handlung oder die Nuancen der Charaktere überhaupt nicht voran bringen. Sobald die Mädchen aus der Prüfung heraus sind, findet der rumänische Film jedoch das perfekte Tempo, um seine Geschichte zu erzählen. Und die erzählt er so furchtbar gut, dass es einem die Kehle zuschnürt - vor allem, wenn man bedenkt, dass er aus einem Land kommt, in dem die Rechte der weiblichen Bevölkerung noch längst nicht in der Neuziet angeommen sind.

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe
: amazon Video

Samstag, 4. März 2023

Creed III - Creed III: Rocky's Legacy (2023)

https://www.imdb.com/title/tt11145118/

Adonis Creed (Michael B. Jordan) ist endlich ganz oben im Leben angekommen: Mit dem Sieg über Ivan Dragos Sohn Viktor (Florian Munteanu) hat er sich nicht nur endgültig einen Platz an der Spitze des Boxsports gesichert, sondern sich auch erfolgreich den eigenen Dämonen der Vergangenheit gestellt. Wozu noch kämpfen? Also hängt der Weltmeister Creed seine Boxhandschuhe an den Nagel und widmet sich fortan seiner Familie und der Förderung neuer Box-Talente. Doch die Vergangenheit will nicht ruhen und es erhebt sich ein Schatten aus Adonis Jugend, der den ehemaligen Weltmeister vor neue Herausforderungen stellt. Plötzlich steht sein alter Jugendfreund Damian (Jonathan Majors) nach Jahren im Gefängnis vor ihm. Damian wurde damals eine große Box-Karriere vorausgesagt, doch ein Fehltritt in der Jugend kostete ihn die Freiheit. Der frisch Rehabilitierte möchte sich noch einmal im Ring beweisen und bittet Adonis, ihm dabei zu helfen. Doch Damian scheint es dabei um mehr zu gehen als nur eine Chance im Ring. Kann Adonis seinem alten Freund trauen? 

Fast ein halbes Jahrhundert lang hat sich die "Rocky"-Reihe verständlicherweise um Sylvester Stallones Rocky Balboa gedreht. Selbst als sich die Serie in Ryan Cooglers Film "Creed" auf Adonis Creed (Michael B. Jordan), den Sohn von Apollo Creed, konzentrierte, war Rocky immer noch ein wichtiger Teil dieser Serie. Während Stallones Rocky in "Creed" Sinn ergab und Stallone seine erste Oscar-Nominierung seit fast vierzig Jahren einbrachte, wurde spätestens in "Creed II" klar, dass nach acht Teilen mit Stallone sein weiteres Auftreten in der Serie eher eine Ablenkung von der Geschichte von Creed war als ein Gewinn. Doch in "Creed III" geht die Geschichte der Titelfigur endlich über Rocky hinaus, so dass Creed ganz allein im Rampenlicht steht und Jordan die Gelegenheit erhält, sein Regiedebüt zu geben. In "Creed III" geht es interessanterweise darum, wie die Vergangenheit und die Gegenwart die Zukunft beeinflussen, und wenn man das bedenkt, ist es auch faszinierend, dass Rocky nicht ein einziges Mal erwähnt wird. Aber da "Creed III" die Kindheit des jungen Adonis Creed erforscht, bevor man ihn in "Creed" kennenlernt, aktualisiert Jordan als Regisseur diese Reihe für eine neue Generation, spielt mit dem, was dieses Franchise sein kann, experimentiert und bricht mit den Normen - während er gleichzeitig das Grundgerüst dieser Filme intakt hält. Mehr noch als das, was Coogler mit dieser Reihe gemacht hat, bringt Jordan frischen Wind in das Rocky/Creed-Universum und ist ein aufregendes Beispiel für das Potenzial, das in dieser Reihe auch nach neun Filmen noch steckt.

"Creed III" beginnt im Jahr 2002. Man sieht den jungen Adonis (gespielt von Alex Henderson) und seine Freundschaft mit Damian "Dame" Anderson (Spence Moore II), einem jungen Golden-Gloves-Champion, der nichts als Potenzial vor sich hat. In diesen frühen Tagen war Adonis in der Ecke seines Freundes, da Dame ein aufstrebender Boxer war, der mit seinen schnellen Knockouts beeindruckte. Die beiden scheinen ein perfektes Team zu sein, denn Adonis weiß, welche Ratschläge er seinem brillanten Boxerfreund geben muss. Doch nach einem Sieg gerät Adonis eines Abends vor einem Laden in einen Kampf mit einem Mann, und als Dame eine Waffe zieht, werden die beiden aus dem Weg geräumt. Die Gegenwart: Adonis ist der unangefochtene Weltmeister im Schwergewicht, hat sich auf dem Höhepunkt seines Könnens zur Ruhe gesetzt, den Rockstar Bianca Taylor (Tessa Thompson) geheiratet und mit ihr ein Kind, Amara (Mila Davis-Kent), bekommen. Währenddessen kommt Dame (Jonathan Majors) gerade aus dem Gefängnis und sucht seinen Freund aus Kindertagen auf, der es zu etwas gebracht hat. Dame sagt, dass er zwar älter geworden ist, seine Träume aber die gleichen geblieben sind und er immer noch ein Championboxer sein will. Creed bringt seinen Freund nach Delphi und verschafft ihm einen Job als Sparringspartner des aktuellen Champions Felix Chavez (Jose Benavidez). Creed sagt Dame, dass seine Träume Zeit brauchen, aber Dame war fast zwei Jahrzehnte lang eingesperrt, und das Letzte, was er tun will, ist Zeit zu verschwenden. Wie Dame zu Creed sagt: "Wenn Apollo Creed es mit einem Außenseiter aufnehmen konnte, warum kannst du es nicht?" Während er zusieht, wie sein alter Freund zum Weltmeister wird, sehnt sich Dame nach einem Leben voller Erfolg und Ruhm, dem Leben, das er führen wollte, bevor er weggesperrt wurde. Während Creed versucht, seinem Freund zu helfen, seine Ziele zu erreichen, ist Dame viel mehr daran interessiert, seine Träume endlich zu verwirklichen.

Mehr als jeder andere "Rocky"/"Creed"-Film nimmt sich "Creed III" die Zeit, den Zuschauer den kommenden Feind kennenlernen zu lassen, und lässt ihn sowohl mit Dames Situation als auch mit seiner Frustration darüber, dass Adonis seinen Freund weitgehend vergessen hat, mitfühlen, während er gleichzeitig zeigt, dass Creed nicht ganz unschuldig an der Entstehung dessen war, was aus Dame werden würde. "Creed III" macht diesen Konflikt zu einem zutiefst persönlichen Kampf zwischen zwei Männern, die einst wie Brüder waren, und das Drehbuch von Keenan Coogler und Zach Baylin erforscht das Grau in den Geschichten dieser beiden Männer. "Creed III" ist keine herkömmliche Geschichte über das Boxen, sondern eine Geschichte über die Familie - sowohl die, in die man hineingeboren wird, als auch die, die man auf seinem Weg entdeckt - und die Opfer, die man für die bringt, die man liebt. Jordan sorgt dafür, dass dieses Mal die ganze Familie zu Wort kommt, baut diese Welt weiter auf und gibt den Figuren eine Stimme. Bianca hat ihre Live-Auftritte aufgegeben, um das Gehör zu schützen, das ihr noch geblieben ist, und obwohl sie ein Lächeln aufsetzt und sagt, dass ihr das Produzieren genauso viel Spaß macht, ist es klar, dass ihr diese Entscheidung wehgetan hat. Biancas und Creeds Tochter Amara wird in ihrer Schule gehänselt, und Adonis versucht, ihr beizubringen, wie sie sich schützen kann, und zeigt ihr, dass es beim Boxen nicht um Gewalt geht, sondern um Timing, Kontrolle und Konzentration. Sogar Adonis' Mutter Mary (Phylicia Rashad) hat einige wirklich bewegende Momente, als sie versucht, die Briefe von Dame an Adonis nach all den Jahren zu verstecken, und die Sorge hat, Adonis zu verlieren, nachdem er bereits seinen Vater verloren hat.

Aber auch im Fitnessstudio ist der Fokus auf die Familie zu spüren, denn Adonis hat dabei geholfen, eine Gruppe potenzieller Champions aufzubauen, und ist sogar mit Viktor Drago (Florian Munteanu) eng befreundet. Doch es sind die Liebe und die Geschichte zwischen Adonis und Dame, die diese Geschichte so kraftvoll machen, und Cooglers und Baylins Drehbuch stellt sicher, dass so viel Zeit wie möglich mit diesem Duo verbracht wird, eine notwendige Vorbereitung für den Moment, in dem die beiden schließlich im Ring zueinander finden müssen. Kein anderer "Rocky"/"Creed"-Film hat sich so viel Zeit genommen, um die Beziehung zwischen den Kämpfern auf diese Weise aufzubauen, und das Ergebnis ist beeindruckend und macht diesen Film zu mehr als nur Stolz, Größe oder Macht. "Creed III" wird emotional und erforscht die Emotionen der Figuren auf eine Weise, wie es die Reihe noch nie zuvor versucht hat. Ein großer Teil des Erfolgs von "Creed III" ist die Leistung von Jonathan Majors, der einen der fesselndsten Antagonisten in der Geschichte der Serie darstellt. Majors ist großartig darin, Rollen wie diese zu spielen, die auf ihre eigene Art männlich und stolz, aber auch extrem sensibel und emotional sind. Dames Wut ist nicht unangebracht, und seine Frustration über seine Situation ist verständlich. Es ist auch unmöglich, nicht zu genießen, was Majors hier tut: Er beginnt als der lange verlorene Bruder von Adonis, um dann langsam sein wahres Wesen zu zeigen, während diese ursprüngliche Seite von ihm immer weiter nach unten sickert. Selbst wenn er sich am blödesten anstellt, ist es schwer, Dame nicht irgendwie zu mögen, und neben seiner Leistung als Kang in "Ant-Man And The Wasp: Quantumania" wird dies sicherlich sein Jahr werden.

Doch selbst mit diesem Fokus auf die Familie und den Protagonisten im Zentrum der Geschichte drückt Jordan "Creed III" im Ring seinen Regie-Stempel auf. Er verlangsamt die Action während der Kämpfe und zeigt die Entscheidungen, die ein Boxer in Sekundenbruchteilen treffen muss, die kleinen Hinweise, die zum Sieg eines Kampfes beitragen, und die unglaubliche Kraft und Macht, die in diesen Kämpfen steckt. Jordan hat gesagt, dass er bei der Produktion dieses Films von Anime beeinflusst wurde, und das ist sicherlich in der Art und Weise zu spüren, wie er diese Kämpfe filmt, wie sich die Boxer bewegen und wie Jordan die Perspektive auf verblüffende Weise verändert. Jordan weiß, dass der Zuschauer diese Filme schon seit fast 50 Jahren sieht, und er gibt dem Publikum nun etwas völlig Neues im Ring. Bei Dames erstem Kampf zum Beispiel sehen wir, wie der Boxer neue Winkel ausprobiert und einzigartige Schläge anbringt, die unbeholfen, aber perfekt platziert wirken, da er ein längeres Spiel spielt als nur eine Runde nach der anderen. Es ist nur eine kleine Veränderung, aber sie hat eine große Wirkung auf den Zuschauer, der schnell erkennt, dass Jordan nicht die gleichen alten Kämpfe liefert, an die man gewöhnt ist.

Das gilt vor allem für den Höhepunkt des Kampfes, in dem Jordan das Regelwerk von "Rocky"/"Creed" komplett über den Haufen wirft und etwas wirklich Experimentelles versucht, wie es die Serie noch nie zuvor gesehen hat. Der finale Kampf wird für langjährige Fans der Serie sicherlich eine Art Test sein, die sich wahrscheinlich über die neue Art und Weise ärgern werden, wie Jordan diesen Kampf inszeniert, der auch die lange Geschichte der beiden Boxer miteinander beleuchtet, aber ich persönlich fand es eine brillante Art und Weise, etwas Neues in dieser Serie auszuprobieren, und eine Gelegenheit für Jordan, dieser Marke auf eine Art und Weise seinen Stempel aufzudrücken, die sich anfühlt, als würde er diese Welt in eine neue Ära führen. Auch hier ergreift Jordan die Möglichkeiten, die diese Reihe bieten könnte, anstatt sich von den Vorgaben der Vergangenheit einschränken zu lassen. "Creed III" ehrt die Vergangenheit, blickt aber gleichzeitig in die Zukunft und stellt Jordan - sowohl den Schauspieler als auch den Regisseur - auf eine Weise ins Rampenlicht, die seine immensen Talente zeigt. Indem er den Schwerpunkt direkt auf die Familie legt und den größten Teil des Films in diese Dynamik eintaucht, mit ausgezeichneten Leistungen von Jordan, Rashad und Majors, unter anderem, und indem er neue Dinge in dieser Reihe ausprobiert, die oft für ihre formelhafte Natur bekannt ist, ist "Creed III" ein Hauch von frischer Luft. Adonis vermeidet in "Creed III" vielleicht die Vergangenheit, aber Jordan lernt aus dem, was bereits getan wurde, und bringt die Serie in eine völlig neue Generation, indem er diese Welt auf eine Weise weiterentwickelt, die sie wieder völlig neu erscheinen lässt. 

8/10

Quellen
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Warner Bros./MGM/New Line Cinema

Son Of The Mask - Die Maske 2: Die nächste Generation (2005)

https://www.imdb.com/title/tt0362165/

Vor einem Jahrzehnt stürzte die legendäre Loki-Maske das Leben eines ahnungslosen Mannes ins Chaos, nun ist eine ganze Familie dran.
Hund Bear schleppt die grüne Maske eines Tages an - der erste, der ihr verfällt, ist Tim (Jamie Kennedy). Der sonst so unscheinbare Cartoon-Zeichner mutiert bei einer Halloween-Party zur Stimmungskanone und wittert in der Maske alsbald den Schlüssel zu einer großen Karriere. Während bei seiner Frau Tonya (Traylor Howard) die biologische Uhr tickt, möchte sich Tim die Freuden des Vaterwerdens gerne ersparen. Unter dem Einfluss der Maske ist es mit der Enthaltsamkeit jedoch so eine Sache und nach neun Monaten erblickt schließlich der kleine Alvey das Licht der Welt. Zunächst verläuft alles wie in jeder gewöhnlichen Kleinfamilie. Aber dann muss Tonya ihren Mann und den kleinen Sohn für eine Woche allein zurücklassen... 

"Die Maske 2: Die nächste Generation" ist ein quitschbuntes und cartooneskes CGI-Feuerwerk, welches besonders jüngere Kinder ansprechen soll. Die Macher gingen wohl davon aus, dass Kinder sehr einfach zu unterhalten wären und servieren mit der Fortsetzung zum Kultfilm mit Jim Carrey ein chaotisches Flickwerk ohne Feingefühl. Und das obwohl die Geschichte in "Die Maske" auserzählt war. "Die Maske 2: Die nächste Generation" entwickelt drei Geschichtsstränge, welche versuchen den Film krampfhaft zusammenzuhalten: Tim Avery, gespielt von Jamie Kennedy, entdeckt die magische Maske, zieht sich das Ding über sein Gesicht, verwandelt sich in ein extrovertiertes Alter Ego und haut beim Fest seiner Cartoon-Produktions-Firma auf den Putz. Durch dieses brillante Auftreten auf der Party wird er befördert. Ohne das magische Artefakt ist er aber wieder ein uninteressanter und einfallsloser Pinsel. Dauzu gesellt sich ein chaotischer Haushalt in klassischer Tom-und-Jerry-Manier: Jack Russel Terrier mit sagenumwobener Maske auf, versucht Baby, welches übersinnliche Kräfte bei seiner Zeugung erhalten hat, loszuwerden. Baby versucht Papa loszuwerden. Und Papa ist überfordert. Wieso der süsse Hund den kleinen "Alvey" beseitigen will, beziehungsweise der Säugling den Vater mobbt, ist und bleibt ein Rätsel. Alan Cumming, welcher den Antagonist verkörpert, versucht mit hinterlistigen Tricks die Maske zu ergattern. Hier gibt es auch einen an den Haaren herbeigezogenen Konflikt zwischen ihm und dem Göttervater Odin, welcher von Bob Hoskins interpretiert wird.

Nebst dem, dass die Erzählung schlecht nachvollziehbar ist, ist dieses Werk schauspielerisch sehr fragwürdig. Besonders der Hauptdarsteller ist in Bezug auf seine Sprechrolle nahe an Arbeitsverweigerung. Unmotiviert trägt er regungslos seine auswendig gelernten Texte vor. Des Weiteren kann der Film definitiv nicht mit seiner Kameraführung und Schnitt brillieren. Selbst ein hyperaktives Kind fühlt sich durch die vielen Crash Zooms gestört und von den hektischen Ping-Pong-Schnitten genervt. Zusätzlich sind die computergenerierten Bilder von der Zeit gezeichnet und entsprechend hässlich. Die grössten zwei Mängel sind jedoch die Musik und der Humor. Zum einen wird bei der Firmenfeier eine Art Medley auf den Zuschauer losgelassen mit miserablen Gesangseinlagen und Keyboard-Klimperei, welche wohl als MIDI-Format komprimiert und abgespielt wurde. Bei solch einem schlechten Soundtrack kam bei uns der Wunsch auf uns die eigenen Ohren abzureisen. Die stimmige Filmmusik wie beispielsweise das swingige Theme der Royal Crown Revue des Originals "Die Maske" aus dem Jahre 1994 fehlt schmerzlich. Der Humor und der Slapstick sind platt und nicht annährend so unterhaltsam wie bei Road Runner. Egal, ob man Jim Carrey mag oder nicht; seine Grimmasen und seine Ausstrahlung fehlen in diesem Streifen eindeutig.

Ganz nach dem Motto: Bemüht lustig zu sein, endet damit, dass der Zuschauer sich fremdschämt. "Die Maske 2: Die nächste Generation" bietet kein unterhaltsames Gummigesicht, wie im ersten Teil, sondern höchstens einen Hauptdarsteller mit langweiliger Visage. Und deswegen darf dieser Streifen gerne in Vergessenheit geraten.

2/10

Quellen
Inhaltsangabe: Warner Bros.

Freitag, 3. März 2023

Legends Of The Fall - Legenden der Leidenschaft (1994)

https://www.imdb.com/title/tt0110322/

Colonel William Ludlow (Anthony Hopkins) und seine drei Söhne Samuel (Henry Thomas), Tristan (Brad Pitt) und Alfred (Aidan Quinn) leben zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den Rocky Mountains. Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges wird das Verhältnis der drei Brüder auf eine harte Probe gestellt: Alfred verliebt sich in Susannah (Julia Ormond), die Verlobte von Samuel, die wiederum Gefühle für Tristan hat. Als die Brüder sich zu allem Überfluss gegen den Willen ihres Vaters dazu entscheiden, im Krieg an der Front kämpfen, droht der Familienbund für immer zu zerbrechen. Samuel kostet der blutige Konflikt das Leben. Tristan gibt sich die Schuld für den Tod seines Bruders und verschwindet für einige Jahre. Als er schließlich als gerissener Pferdehändler und Alkoholschmuggler auf die väterliche Farm zurückkehrt, ist Alfred mit Susannah verheiratet und als Kongressabgeordneter in der Politik tätig. Die Beziehung der Brüder wird auf eine Zerreißprobe gestellt und sie werden schließlich erbitterte Rivalen - auch im Kampf um Susannahs Liebe. 

"Legenden der Leidenschaft" ist die Art von epischem Melodram, die nur Hollywood so gut hinbekommen kann. Es ist mehr ein Spektakel als eine Show, mit überwältigenden Momenten des Triumphs und der Tragödie. Worte wie "zurückhaltend" und "subtil" sind in diesem Zusammenhang bedeutungslos. Der Film von Edward Zwick ist die Art von Film, die keine große Anstrengung erfordert, um sich ihr hinzugeben und sie zu genießen, mit ihr zu weinen und sie einfach nur zu bestaunen. Im Mittelpunkt des Drehbuchs von Susan Shilliday und Bill Wittliff stehen die drei Ludlow-Brüder: Alfred (Aidan Quinn), der älteste und geradlinigste; Tristan (Brad Pitt), das mittlere Kind mit einer besonderen Affinität zur Natur; und Samuel (Henry Thomas), der jüngste und idealistischste. Der Patriarch der Familie ist Oberst Ludlow (Anthony Hopkins), ein ehemaliger Offizier, der die US-Armee verließ, als er mit deren Behandlung der Indianer nicht einverstanden war. Die vier Männer leben zusammen mit einer Reihe von indianischen Freunden in den Rocky Mountains von Montana, weit weg von den Annehmlichkeiten - wenn nicht gar der Präsenz - der Zivilisation. Es wäre schwierig, liebevollere und fürsorglichere Brüder als Alfred, Tristan und Samuel zu finden - bis eine Frau das Leben aller drei auf den Kopf stellt. Die aus Boston stammende Susannah (Julia Ormond) ist mit Samuel verlobt. Die bevorstehende Hochzeit kann jedoch nicht verhindern, dass sich seine beiden Brüder in sie verlieben - und sie in mindestens einen von ihnen.

Der Eintritt Amerikas in den Ersten Weltkrieg - und der daraus resultierende blutige Preis - beschließt den einleitenden Teil des Films und enthüllt den eigentlichen Kern des Dramas. Ab diesem Punkt steigen die verworrenen Leidenschaften in einer Flut von Verrat und Eifersucht auf. Nur wenige Verbrechen, sei es des Herzens oder des Körpers, bleiben ungesühnt. Es gibt Todesfälle - einige erwartet und einige plötzlich - und Geburten. Verpasste Gelegenheiten geben Anlass zu traurigen Überlegungen darüber, was hätte sein können. Und am Ende von allem gibt es eine letzte Katharsis. Das alles wird aus der Perspektive des alten Indianers Ein-Stich (Gordon Tootoosis) mit einer solch kraftvollen Stimme erzählt, dass sich "Legenden der Leidenschaft" beinahe wie ein Märchen anfühlt, was den Zuschauer im Grunde sofort in seinen Bann zieht. Dabei gibt es nichts Tiefgründiges an "Legenden der Leidenschaft". Die wenigen Themen (wie z. B. die angeborene Korruption der Regierung) werden im Hintergrund gehalten, so dass Charakterisierung und Handlung im Vordergrund stehen. Natürlich ist dies eine extravagante Produktion mit prächtigen Bildern (ein Verdienst des Kameramanns John Toll) und einer reichhaltigen, eingängigen und grandiosen Musik (von James Horner). Vom Look und der Atmosphäre her erinnert der Film an "Der mit dem Wolf tanzt" und "Der letzte Mohikaner".

Brad Pitt, hier wie ein moderner James Dean, bringt eine Fülle von Melancholie in seine Rolle als Tristan ein, der Dreh- und Angelpunkt für mindestens drei der großen Tragödien des Films. Das Kommen und Gehen der Figur steht für das Öffnen und Schließen von Kapiteln. Selbst wenn Tristan nicht auf der Leinwand zu sehen ist, dreht sich der Film immer um ihn. Man braucht nicht lange zu raten, um zu erkennen, dass seine Liebesbeziehung zu Susannah im Mittelpunkt aller Geschehnisse steht. Doch an der Seite von Pitt steht eine nicht minder grandiose Besetzung, darunter Anthony Hopkins, Aidan Quinn und die damalige Newcomerin Julia Ormond, deren Rolle hier einen Vorgeschmack auf das gibt, was man von ihr noch zu sehen bekommt. Aber alle diese Schauspieler, egal wie angesehen sie sind, müssen die Bühne an Pitt abtreten (und tun dies auch), wenn er in Szenen gesetzt wird. Das Rampenlicht gehört ihm. Manipulation gehört zu jedem Melodrama, und "Legenden der Leidenschaft" ist da keine Ausnahme. In diesem Fall jedoch überwiegt jedoch der Unterhaltungswert bei weitem die momentane Erkenntnis, dass der Regisseur die Gefühle der Zuschauer gekonnt manipuliert. Ein Filmemacher, der das einmal schafft - ganz zu schweigen vom zweiten Mal bei einer weiteren Sichtung und erneut und erneut - verdient sowohl Respekt als auch Bewunderung. 

Es scheint ja, als gäbe es immer wieder Versuche, diese Art von Kinofilm im großen Stil zu drehen, jeder mit Ambitionen, die so groß sind wie die Berge, die hier die Kulisse bilden. Doch weil es so leicht ist, das Melodrama zu übertreiben, sind die Erfolge rar. Zum Glück gibt es in "Legenden der Leidenschaft" nur wenige, verzeihbare Fehltritte. Man muss kein Kritiker sein oder gar eine kritische Einstellung haben, um von diesem Film schlicht und ergreifend unterhalten zu werden.

9,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Columbia Pictures / Sony

Donnerstag, 2. März 2023

Dances With Wolves - Der mit dem Wolf tanzt (Director's Cut) (1990)

https://www.imdb.com/title/tt0099348/

John J. Dunbar (Kevin Costner) ist ein Lieutenant der Nordstaaten-Armee, dem nach einer schweren Kriegsverletzung das Bein amputiert werden soll. Dunbar erträgt diese Vorstellung nicht und will sich umbringen. Auf einem Pferd reitet er vor den Feindeslinien auf und ab, doch statt zu sterben, wird er zum Helden: Die Kugeln der Feinde verfehlen ihn wie durch ein Wunder. Dadurch werden die Feinde abgelenkt und die eigenen Männer bekommen frischen Mut. Am Ende steht ein glorreicher Sieg für die Nordstaaten. Dunbar darf sein Bein behalten und das Pferd, welches ihn so sicher vor dem Feindesfeuer bewahrt hat. Und er darf sich einen Traum erfüllen: Den Wilden Westen kennen lernen: Dunbar wird auf eigenen Wunsch an den westlichsten Außenposten versetzt, den es gibt. Dort findet er nichts vor. Der Posten ist verlassen, die dort stationierten Truppen wurden im Kampf mit den Indianern getötet oder sind geflohen. Trotzdem tritt Dunbar seine Stelle an. Alleine bringt er den Außenposten wieder auf Vordermann und genießt die Zeit in der freien Wildnis. An seiner Seite sind nur sein treues Pferd und ein einsamer Wolf, der ihn aus der Ferne beobachtet und jeden Tag ein Stückchen näher kommt...  

Ein monumentales, epochales Meisterwerk voller Strahlkraft und unvergesslichen Bildern; ein Spätwestern, der den aufkommenden Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und dem indigenen Volk, den Prärie-Indianern des mittleren Westens thematisiert. Dieser Western hätte auch in die Blütezeit des Genres gepasst. Kevin Costners Regiedebüt (!!!) "Der mit dem Wolf tanzt" lief weltweit in den Kinos und mauserte sich nicht nur zu einem wahren Kassenerfolg, sondern Costner, der sich unter anderem gegen Martin Scorsese und Francis Ford Coppola durchsetzen konnte, gewann den Oscar für den Besten Film und die Beste Regie - und Lob und Anerkennung, auch oder gerade in Form einer angesehenen Auszeichnung, hat sich Costner in diesem Fall wirklich redlich verdient. "Der mit dem Wolf tanzt" ist zurecht ein Klassiker im Genre und gilt zudem als die Blaupause für alle späteren Filme, die eine technologisch überlegende Gesellschaft auf eine naturverbundene, unzivilisierte Welt treffen ließen. Dazu zählen "Pocahontas", "Last Samurai" und "Avatar", denen oftmals auch der Plagiatsversuch vorgeworfen wird. Aber was kann Kevin Costners Meisterstück im Ursprung liefern und was macht diesen Film so besonders? "Der mit dem Wolf tanzt" ist unbestritten ein sehr schöner Film. Hervorragend gefilmt, mit einem großartigen Soundtrack und einem ruhigen, feinfühligen Umgang mit der vergessenen amerikanischen Geschichte. Costner ist hier ein Meisterwerk geglückt, und sein Film liefert einen nahbaren und tiefen Einblick in die Beziehung der amerikanischen Einwanderer mit den Sioux-Indianern. Der Zuschauer fühlt sich schnell dabei ertappt, wie realistisch der Ansatz des Filmes ist, wie befreit die Handlung von den typischen Zutaten dieses Genres und wie unaufgeregt sowie beobachtend die Geschichte des John Dunbars ist, ohne dabei wirklich viele neue Erkenntnisse zu sammeln.

Mit "Der mit dem Wolf tanzt" wird oftmals der Film in Verbindung gebracht, der als erster ein klischeebefreites und möglichst realistisches Bild der nordamerikanischen Indianer vermittelt hat. Das gelingt dem Film gleichermaßen gut wie offensichtlich. Dass die Indianer kein mörderischer, schießwütiger Haufen waren, bedurfte scheinbar einer kinotauglichen Feststellung. Das indigene Volk ist genauso menschlich, freundlich, aber auch brutal und schonungslos wie die eindringenden Amerikaner. Das mag heutzutage wenig überraschen und als weltoffener Zuschauer wird man sich kaum neu belehrt fühlen. Hinsichtlich der nahbaren Darstellung der Sioux verfällt Kevin Costner zwar nicht in eine starke idealisierte Haltung, wie bspw. ein James Cameron, zeichnet allerdings selbst nur mit Mühe ein zweideutiges Bild. Über wenige Momente, in denen sich die Sioux über die Tötung von Bison-Wilderern freuen, geht auch "Der mit dem Wolf tanzt" nicht hinaus. Ob es so realistisch ist, wie schnell sie sich auf John Dunbar einlassen, bleibt auch eher der Fantasie überlassen. Costner bedient übliche Genre-Klischees kaum. So wird etwa der skeptische, hitzköpfige Indianer als Gegenspieler zum Protagonisten nur angedeutet, um dann schnell wieder fallen gelassen zu werden. Nicht immer klischeefrei bleiben dennoch zwei andere Gruppen: der alternative feindselige Indianerstamm und die durchgehend böswilligen Weißen. Obgleich die Amerikaner ohnehin kaum zugegen sind und lediglich in der letzten halben Stunde auftreten, hätte man doch zumindest die zweifelhaften Eigenschaften der Pawnee auf die Sioux übertragen können. Die Ermordung eines unbewaffneten Bauern wird dann aber doch ihnen überlassen, während Dunbars Freunde von so einer Zeichnung verschont bleiben.

Ungewöhnlich für das Genre ist auch die überraschend konfliktfreie Handlung. Große dramaturgische Höhepunkte oder Wendungen gibt es bis zum Finale kaum. Das Verhältnis zwischen Dunbar und den Sioux geht nicht minder harmonisch vonstatten. Womöglich liegt das an der gutmütigen und selbstlos angelegten Figur von Kevin Costner. Wer ist dieser John Dunbar? Welche Rolle hat er im Sezessionskrieg gespielt? Dunbar ist seinen weißen Mitmenschen von Anfang an moralisch überlegen. Das ist nicht untypisch für diese Art Film und trotzdem ist es so auffällig, da der Figur keine Charakterwandlung zugestanden werden muss. Dieses Element lösen Genrekollegen dann doch besser, denen an einer konventionelleren dramaturgischen Spannung gelegen ist. Ebenso ungewöhnlich wie das Verhältnis zu den Sioux beginnt, verläuft es über den gesamten Film. "Der mit dem Wolf tanzt" spielt in einer Endphase der amerikanischen Westeroberung. Für die Indianer ist es nur noch eine Frage der Zeit bis die Weißen kommen und Dunbar ist sich dieser Tatsache selbstverständlich bewusst. Ein größerer Kulturen-Austausch findet daher gar nicht erst statt. Welchen Reichtum bzw. Vorteilen haben sich die Indianer und Dunbar gegenseitig zu bieten? Was macht die Sioux-Kultur erhaltenswert und in welchen Punkten ist sie der der Amerikaner womöglich überlegen? Dieser Auseinandersetzung geht Kevin Costner gar nicht erst nach. Es bleibt bei kleinen Faszinationen der Sioux über Zucker und eine Kaffeemühle. Aufgrund der letzten Eroberungsphase untergräbt der Film hierbei allerdings nichts. Der "Culture-Clash" ist längst abgeschlossen, der Sieger der Geschichte lange bestimmt. Es gibt nichts mehr zu nehmen oder zu geben. Auch die Sioux werden verschwinden, so wie sie alle verschwunden sind. Dieser Umstand kann mit dem Wissen aus anderen Genre-Vertretern seltsam oberflächlich wirken oder aber ziemlich konsequent. Denn in der Hinsicht idealisiert der Film eben überhaupt nicht und wählt für die indigene Bevölkerung eine überraschend einfache Antwort: Es ist ein Volk unter vielen, mit ihren Bräuchen, Ritualen und Glauben. Und ihr reichhaltiges Wissen wird niemanden umstimmen. Das Rad der Zeit dreht sich erbarmungslos weiter, bis sie schließlich nicht mehr existieren.

Mit dem Blick auf "Last Samurai" oder "Avatar" kann "Der mit dem Wolf tanzt" daher eigentlich wenig zum Thema beitragen. Weder ist Dunbar so breit charakterisiert, wie ein Tom Cruise als angehender Samurai, noch geht die Handlung so tiefgründig auf die Kultur der Ureinwohner ein, wie Cameron mit seinen Na'vi. Und dennoch ist die nachträgliche Erfahrung aufschlussreich, weil eben vieles bereits vorausgesetzt wird und in seiner Entwicklung abgeschlossen ist. John Dunbar führt nicht noch am Ende den letzten Kampf an; seine Geschichte endet nicht melodramatisch im Sonnenuntergang im Beisein der Sioux. Er muss gehen, denn schon bald werden die Amerikaner die Indianer finden. Diese Geschichte hat kein Happy End und genau das macht "Der mit dem Wolf tanzt" so nahbar. Auch wenn er bei der Darstellung der Sioux durchaus idealisiert, zum Schluss entzaubert Costner den Mythos konsequent und unterliegt keiner Romantisierung der realen Ereignisse. Ein Film wie ein Plädoyer für Völkerverständigung, Naturverbundenheit, Selbstfindung, Menschlichkeit und Liebe. Ein Meisterwerk.

9/10

Quellen
Inhaltsangabe: Kinowelt / Studiocanal

Mittwoch, 1. März 2023

Murder By Numbers - Mord nach Plan (2002)

https://www.imdb.com/title/tt0264935/

Eine junge Frau wird ermordet aufgefunden. Die erste Spur, ein Fußabdruck, führt die abgebrühte Kommissarin Cassie Mayweather (Sandra Bullock) zu Richard Haywood (Ryan Gosling), einem reichen und verwöhnten Highschool-Schüler. Aber der hat ein wasserdichtes Alibi. Die Indizien deuten alle auf den Hausmeister der Highschool, der auf seltsame Weise verschwindet und scheinbar Selbstmord begeht. Cassie jedoch geht weiter ihrer ersten Spur nach und versucht, Richard und seinen schüchternen Freund Justin Pendleton (Michael Pitt) zu überführen. Im Laufe der Hatz werden jedoch auch Cassies schlummernde Geheimnisse geweckt und in die spannende psychologische Jagd mit einbezogen. Gelingt es der coolen Ermittlerin, die zwei Schüler einzusperren, oder kommen sie mit ihrem Plan durch? 

Sandra Bullock spielt in einem Old School-Thriller, den sie selbst produziert hat, die Art, worin der Mörder schon von Anfang an offenbart wird und die leitende Ermittlerin (Bullock) ihn allmählich einkreist. Obwohl es dem Plot schon früh einen Teil seiner Spannung raubt, ist das per se kein schlechtes Konzept, wenn er es mit anderen Mitteln wieder ausgleichen kann. Damit kann "Mord nach Plan" allerdings kaum glänzen. Die etwas zähe Handlung kommt über ein laues Psychospielchen nicht hinaus, das nur selten Spannung generiert. Dazu passt eine unterkühlt wirkende Sandra Bullock, die aufgrund eines schlimmes Ereignisses jegliche Fähigkeit zu Empathie verloren hat und den ganzen Film über so auftritt. Inhaltlich geht die Story für einen Thriller dieser Art in Ordnung, doch leidet der Plot schon früh unter einem bösen Logikschnitzer, der "Mord nach Plan" beinahe schon ad absurdum führt: Der Kopf des Mörderduos (richtig stark: Michael Pitt), der alles durchdacht und bis ins kleinste Detail akribisch vorbereitet hat, erbricht neben dem Deponierort der Leiche im Wald und lässt das Erbrochene mit all seinen auch noch liegen? Das ist derart stümperhaft und widersprüchlich, dass man zunächst denkt, das sei irgendwie auch Teil des Plans, aber die Story benutzt das tatsächlich als Hauptbeweis dafür, ihn am Ende zu überführen. Kein großer Wurf von Sandra Bullock, der mit Produktionskosten von 50 Mio.$ zudem relativ teuer kam, aber wesentlich billiger wirkt, und zum Flop an den Kassen wurde.

6/10

Quellen
Inhaltsangabe: Warner Bros.