Sonntag, 26. Februar 2023

Escape Room - Escape Room: Tödliche Spiele (2017)

https://www.imdb.com/title/tt5748392/

Ein 30. Geburtstag steht an und der soll in einem exklusiven Escape Room in Los Angeles gebührend gefeiert werden. Dafür hat sich Brice (Skeet Ulrich), der Besitzer der Halle, etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Im Escape Room hat er eine alte Box versteckt, die etwas Dämonisches beinhaltet. Das Behältnis stammt aus Ramonas (Sean Young) Antiquariat und galt eigentlich als unverkäuflich. Sie hat Brice eindringlich vor der Kiste gewarnt - doch ohne Erfolg! Nun müssen die vier Geburtstagsfreunde die Suppe auslöffeln. Sie haben nur eine Stunde Zeit, die Rätsel zu lösen und lebend zu entkommen... 

Die Billgproduktion "Escape Room" hat gleich mehrere Probleme: in erster Linie ist wurde Setting bereits in unzähligen anderen Filmen zu Tode gespielt: Ein Dämon in einer Kiste, lass ihn nicht raus, gefangen in einem Raum, töte oder werde getötet, löse das Rätsel. Das ist so alt wie die Kiste, in der der Dämon eingesperrt ist. Zudem lahmt der Film in der Mitte und man lässt sich leicht ablenken. In einem einzelnen Raum, in dem sich der Mörder aufhält, können die potentiellen Opfer aber auch nur sehr wenig tun. Dazu gesellt sich eine gewisse Dummheit der einzelnen Darsteller, die hier eigentlich ein Spiel spielen, in dem es genau darum geht, nachzudenken. Dass sie dann auf uninspirierende Weise niedergemäht werden, ist nur konsequent. So bleibt unterm Strich ein Langweiler, der durch absoliut nichts wirklich heraussticht.

3/10

Quellen
Inhaltsangabe: Indeed Film

Der Wolf - The Wolf - Der Wolf: Theater des Todes - Der Wolf und die 7 Geißlein: Theater des Todes (2021)

https://www.imdb.com/title/tt13763684/

Schauspielstudentin Emma (Kiana Klysch) befindet sich in einer echten Lebenskrise. Seit dem Unfalltod ihres Vaters leidet die junge Frau unter einer extrem ausgeprägten Bühnenangst. Als sie am Vorabend von Halloween ihre letzte Abendschicht als Servicekraft im Theater antritt, weiß sie noch nicht, dass ihr der größte Schrecken noch bevorsteht: ein irrer Mörder hat es auf sie und ihre Freunde abgesehen! In der Gestalt des Wolfs aus Grimms berühmtem Märchen beginnt der Psychopath ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel. Eingeschlossen im Theater und ohne Aussicht auf Hilfe kämpfen die sieben Angestellten voller Verzweiflung darum, bloß nicht so zu enden, wie die sieben Geißlein. 

Der in Meerane geborene David Brückner, der unter anderem für seine Kurzfilme "Glauchau sehen und sterben" seine Beteiligungen an "German Angst" oder "Babylon Berlin" bekannt ist, liefert mit "Der Wolf" seinen 5. abendfüllenden Spielfilm ab, der seine Inspiration nicht wirklich leugnen kann. Als deutscher Slasher, für den viele Szenen im Stadttheater in Glauchau und auf dem UCI Kino Mercedes Platz in Berlin gedreht wurden, orientiert er sich deutlich am Vorbild amerikanischer Slasher, präsentiert sogar eine Krallenhand und wartet mit ordentlichen praktischen Effekten auf. Der Independent Produktion merkt man aber auch an, aus welchem Lager sie kommt. Besonders einige der Darstellerinnen fallen negativ auf, von den Dialogen, die der Inbegriff der Bezeichnung "cringe" sein könnten, will man insgesamt gar nicht reden. Zum Glück reden wir hier auch von einer knackigen, knapp 80-minütigen, Laufzeit, sodass man immerhin nicht allzu viel Unsinn ertragen muss und sich von einer blutiger Szenen zur anderen "rettet". Immerhin ist der Soundtrack ganz passable und kann an über die dilettantischen Darsteller hinwegsehen, hat man einen etwas soapigen Slasher aus deutschen Landen, der mitunter ganz witzig ist.

4/10

Quellen
Inhaltsangabe: White Pearl Movies

Samstag, 25. Februar 2023

Disclosure - Enthüllung (1994)

https://www.imdb.com/title/tt0109635/

Die erfolgreiche Managerin Meredith Johnson (Demi Moore), die Tom Sanders (Michael Douglas) gerade im Kampf um eine Führungsposition ausgestochen hat, schickt sich an, ihren Ex-Liebhaber zu ruinieren, nachdem sich dieser einem erneuten Techtelmechtel verweigert. Tom, der eigentlich glücklich verheiratet ist und der seine Affäre mit Meredith auch in gewisser Weise bereut, plädiert auf sexuelle Belästigung. Die Öffentlichkeit hingegen glaubt aber Meredith, die den Vorwurf kurzerhand umdreht und als Vergewaltigungsversuch darstellt. Nach und nach durchschaut Tom jedoch, dass die sexuelle Beziehung von Anfang an von Meredith geplant war, um sich in eine Machtposition zu befördern. Durch den Vorfall und die nun mediale Öffentlichkeit gerät das geordnete Leben des Computerspezialisten nach und nach aus den Fugen... 

Bei dem Thema sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz (und darüber hinaus) überkommt einen in erster Linie der Gedanke an den Täter: den Mann. Wie kann er nur? Warum macht er so etwas? usw. Natürlich geht es um Macht und Ausübung derselben und "Enthüllung" greift genau dieses Thema auf - nur dass der Film den Mann in die Opferrolle setzt. Das mag in erster Linie etwas unglaubwürdig und auch unglaublich erscheinen, doch die Kontroversen, die das Thema inne hat, lassen sich projizieren - egal auf weclhes Geschlecht. "Enthüllung" macht in dieser Beziheung sogar vieles richtig, indem er stets spannend voranschreitet und das Tempo stets hoch hält. Das Thema ist aber kaum mehr als nur ein treibendes Handlungsinstrument. Es ist ohne Frage von entscheidender Bedeutung für die Geschichte, aber es gibt wenig Neues oder Überraschendes in seiner Präsentationsmethode und sicherlich nichts, was eine noch höhere Art von Kontroversen entfachen könnte. Letztendlich ist dieser Film eine Art "verhängnisvolle Affäre" am Arbeitsplatz. Sexuelle Belästigung ist fast ein Ablenkungsmanöver - der eigentliche Schwerpunkt von "Enthüllung" liegt auf Büropolitik, Unternehmenshinterlist und Gier.

Demi Moore genießt sichtlich die Gelegenheit, ihre Krallen zu tragen. Sie schleicht und stolziert durch die Rolle der Meredith und zieht den Hass des Publikums auf sich, so wie ein Magnet Eisenspäne sammelt. So langweilig Michael Douglas' Tom auch ist, es ist unmöglich, nicht mit ihm zu sympathisieren, wegen der Kräfte, angeführt von Meredith, die sich gegen ihn aufstellen. Donald Sutherland ist angemessen ölig und geschmacklos als Unternehmensleiter, der entschlossen ist, sauber aus dem Skandal herauszukommen - egal, an welcher Stelle er ausbricht. Roma Maffia spielt auch toll die aggressive, versierte Anwältin, die von Tom angeheuert wurde, um seinen Fall zu bearbeiten. "Enthüllung" ist ein Film, geschrieben von Männern, die genau verstehen, wie ein typisches Publikum unterhalten werden möchte. Gemeinsam schaffen Autor Michael Crichton, Regisseur Barry Levinson und Drehbuchautor Paul Attanasio eine unangenehme, aber nachfühlbare Situation, präsentieren einen sympathischen Protagonisten und einen durch und durch unsympathischen Bösewicht, biegen und verdrehen die Handlung und finden dann eine Lösung, die alle Zuschauer zum Aufatmen bringen sollte. Mit etwas über zwei Stunden Laufzeit ist der Film zwar lang, erzählt aber seine Geschichte nie langatmig oder ga langweilig. Sein knackiges Tempo hält ihn einfach über die gesamte Länge in Bewegung. Und der Einsatz sexueller Belästigung dient dem doppelten Zweck, Meredith ihre Reißzähne zu geben und das Publikum auf Toms Seite zu ziehen.

Dramatisch ist "Enthüllung" nicht besonders, aber es ist auch kein Drama, das Crichton und Levinson anstreben. Er ist spannend, mitreißend, interessant und bedient auch die Art des Voyeurismus, die jedem irgendwo innewohnt. Zu seinen eigenen Bedingungen - der Angst vor verlorener Sicherheit, die viele Thriller ausnutzen - funktioniert "Enthüllung", und das ist alles, was man vernünftigerweise von dieser Art von Film verlangen kann.

7/10

Quellen
Inhaltsangabe: Warner Bros.

The Consultant (2023)

https://www.imdb.com/title/tt16152716/

Regus Patoff (Christoph Waltz) ist das neueste Gesicht in den Büroräumen der App-basierten Spielefirma CompWare. Seine Aufgabe als Unternehmensberater ist es, die Leistung der Mitarbeitenden und somit auch die Effizienz innerhalb des Unternehmens zu verbessern. Seine Methoden, um die Firma aus der Krise zu holen, sind allerdings äußerst unorthodox. Während einige Angestellte seine einscheindenden Veränderungen im Betriebsablauf als lästig empfinden und Regus nicht ernst nehmen wollen, erlangt er zunehmend an Macht. Mit seinen befremdlichen Lächeln scheint er die Leitung von CompWare an sich zu reißen und entledigt sich jeder Person, die sich seinem strengen Regime nicht unterwerfen will. Zwischen den Angestellten von CompWare und Regus Patoff entwickelt sich eine finstere Beziehung, wobei das Team allerlei Grenzen überschreiten muss, um sich zu beweisen. Denn in der Welt von Regus Patoff steht für sie bald nicht nur der Erhalt ihres Arbeitsplatzes auf dem Spiel, sondern auch ihr eigenes Leben.

https://www.imdb.com/title/tt16373360/
1. Schöpfer (Creator)
Nachdem dem Firmenchef von CompWare eine furchtbare Tragödie widerfahren ist, taucht ein mysteriöser Berater auf und übernimmt die Führung. - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt19838654/
2. Mama (Mama)
Auf der Suche nach Antworten bezüglich des Todes ihres Sohns, stattet Mama Sang CompWare einen Besuch ab. Elaine stellt Regus' Motive in Frage, während Craig mit einem neuen Spiel unerwartet schnelle Fortschritte macht. - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt20223318/
3. Freitag (Friday)
Regus lädt sich selbst zu einer Kneipentour mit Craig ein, die schnell außer Kontrolle gerät. Unterdessen stolpert Elaine über einen Schlüssel zum Aktenraum, während sie sich für ein Date fertigmacht. - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt20223320/
4. Sang (Sang)
In einer Rückblende sehen wir, wie Sang-woo Regus Patoff begegnet und die beiden sich vertraglich aneinander binden. In der Gegenwart ist Craig nach dem Abend mit dem Chef noch immer durcheinander, während Elaine alles dransetzt, um CompWare über Wasser zu halten. - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt20223324/
5. Krank (Sick)
Entschlossen, den rätselhaften Frank Florez zu enttarnen, unternimmt Craig einen Trip nach Pomona. Im Büro bricht Chaos aus, als Regus Patoff verkündet, eins der Büros in der Manageretage stehe zur freien Verfügung. - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt20267766/
6. Glas (Glass)
Während die Markteinführung des neuesten Spiels von CompWare näherrückt, befürchtet Elaine das Schlimmste an Auswirkungen auf Anwender. Trotz Craigs Bemühungen in der Kirche spürt Patti Regus Patoffs Einfluss, der sie ihrem Verlobten entzieht. - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt20267640/
7. Elefant (Elephant)
Tage später ist Patti immer noch nicht nach Hause gekommen, weshalb Craig sehr beunruhigt ist. Elaine ist an eine unmögliche Aufgabe gebunden und wendet sich schließlich um Hilfe an einen Ex. - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt20782096/
8. Hammer (Hammer)
Die Spiele-App Mr. Sang's Jungle Odyssey startet mit beachtlichen Nutzerzahlen. Elaine stellt weiterhin ihren moralischen Kompass in Frage. Craig stellt sich dem, was ihn die gesamte Staffel über umgetrieben hat, und Regus hält Ausschau nach seinem nächsten Unternehmen. - 8/10

Quellen:
Inhaltsangabe
: amazon Video
Poster/Artworkamazon Video

Freitag, 24. Februar 2023

Reminiscence - Reminiscence: Die Erinnerung stirbt nie (2021)

https://www.imdb.com/title/tt3272066/

Nick Bannister (Hugh Jackman) ist kein gewöhnlicher Privatdetektiv. Sein Fachgebiet ist der menschliche Verstand und die verschütteten Erinnerungen, die es wiederzufinden gilt. Er navigiert sich durch die dunkel-verlockende Welt der Vergangenheit, indem er seinen Klienten hilft, auf verlorene Gedanken zuzugreifen. Am Rande der versunkenen Küste von Miami hat er sich einen Ort geschaffen, den er als sein Refugium sieht. Sein Leben wird auf den Kopf gestellt, als er sich der Bitte seiner neuen Klientin Mae (Rebecca Ferguson) annimmt. Aus dem simplen Auftrag entwickelt sich eine emotionale Beziehung, aus der Nick neue Kraft schöpft. Doch die anfängliche Liebe schlägt bald in Zweifel um, als er in anderen Erinnerungen seiner Kunden eine Verschwörung zu erkennen ahnt, in die Mae verwickelt zu sein scheint. Für ihn stellt sich die Frage: Wie weit geht er, um die Wahrheit über Mae zu erfahren? 

"Reminiscence " ist wieder so ein Film, der auf dem Papier dem falschen Genre zugeordnet scheint und wohl auch deshalb enttäuschte Bewertungen der Kritiker kassierte: "Reminiscence" ist nämlich in erster Linie kein Science-Fiction-Streifen, sondern vielmerh ein Krimi-Noir, der statt des handelsüblichen 40er Jahre-Ambientes ein Science-Fiction-Gewand verpasst bekommen hat. Düsterer Stil, Aufbau, zäher Handlungsfortschritt, diverse Inhalte (vor allem die obligatorische Rolle der mysteriösen, verführerischen Frau), sowie ein allmähliches Herausschälen vertrackter Beziehungen, die das Motiv offenlegen, zeigen, wo dieser Film wirklich angesiedelt ist. Das Post-Klimawandel-Szenario, was sich durch einen um 20 Meter angestiegenen Meersspiegel bemerkbar macht, der die US-Küstenstädte teilweise überflutet hat, ist ansprechend, dient aber rein optischen Zwecken und wird leider kaum genutzt. Der einzig wirkliche futuristische Inhalt, immerhin geschickt in die Noir-Story eingewoben, ist das Herausholen von vergessen Erinnerungen aus den Köpfen der Menschen mittels Zukunftstechnologie, doch auch diese Spielerei ist keineswegs neu, sondern mutiert mittlerweile zu der zu oft gemolkenen Kuh auf der Weide der Zukunftsthriller. 

Hugh Jackman und Rebecca Ferguson überzeugen in den Hauptrollen, wobei vor allem die erste halbe Stunde tatsächliches Interesse beim Zuschauer weckt. Leider erliegt der Plot danach seinem Noir-Stil, der viel zu zäh und unnötig aufgeblasen vorankommt und dabei inhaltlich zu wenig bietet. Im Verlauf wird das Beziehungsgeflecht immer wirrer, und es ist kaum noch nachzuvollziehen, wer aus welchem Grund was macht oder gemacht hat. Die Idee, einen Noir-Krimi im dystopischen Zukunftssetting anzusiedeln, ist dadurch zwar durchaus gelungen dargestellt und man könnte es sogar als etwas Neues bezeichnen, allerdings wird zu wenig daraus gemacht. Die Mischung aus Science-Fiction und krimi-Noir ist toll, aber es fehlt der entscheidende Funke um einen vollständig spannenden, einnehmenden Film zu liefern.

5,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Warner Bros.

Unforgettable - Unforgettable: Tödliche Liebe (2017)

https://www.imdb.com/title/tt3462710/

Als die Ehe von Tessa Connover (Katherine Heigl) zu Bruch geht, steht sie vor dem Scherbenhaufen ihres Lebens und leidet noch lange unter der gescheiterten Beziehung. Im Gegensatz dazu findet ihr Ex-Mann David (Geoff Stults) schnell wieder eine neue Liebe, die er ebenso schnell zu heiraten beschließt: Julia Banks (Rosario Dawson). Julia zieht gemeinsam mit David in das Haus, in dem dieser einst mit Tessa lebte, und übernimmt auch die Rolle der Stiefmutter für Tessas und Davids Tochter Lilly (Isabella Rice) – eine große Aufgabe für Julia, die sich an ihre neue Verantwortung erst noch gewöhnen muss, aber sich David zuliebe aufopferungsvoll um ihre neu gewonnene Stieftochter kümmert. Doch für die alleingelassene Tessa ist dies ein emotionaler Tiefschlag, von dem sie sich nicht erholen kann, und sie setzt es sich zum Ziel, der neuen Frau ihres Ex das Leben zur Hölle zu machen... 

"Unforgettable" strahlt von Anfang an eine saftige Bösartigkeit aus. Er weiß genau, was für eine Art von Film er ist, und er tut was er soll. Die Geschichte zweier schöner Frauen, die sich um denselben gut aussehenden Mann streiten, ist kein vollständig neues Terrain, aber die Denise Di Novi, die zum ersten Mal Regie führt, bringt die daraus resultierende Prämisse gut auf den Punkt und genießt es, sie dort vor sich hin köcheln zu lassen. Dabei wirkt das gesamte Konstrukt irgendwie soapig, aber man kann sich dabei gut amüsieren. Letzteres liegt zu einem großen Teil an der Leistung von Katherine Heigl als verschmähte Geschiedene, die sich an der neuen Liebe ihres Ex-Mannes rächen will. Mit ihrer statuenhaften Figur, ihrer platinblonden Frisur und ihrem eisigen Blick beherrscht Heigl jede Szene auf eine Art und Weise, die urkomisch, beängstigend und ebenso urkomisch beängstigend ist. Dennoch ist es schwer, die Tatsache zu ignorieren, dass die Darstellung sowohl von Heigls Figur Tessa als auch von Rosario Dawsons Julia unangenehm veraltet wirkt. "Unforgettable" stellt diese Frauen als bösartige Rivalinnen dar, die beide die Liebe und Anerkennung eines reichen Mannes suchen, um sich bestätigt und vollständig zu fühlen. Doch das Drehbuch von Christina Hodson lässt Raum, um die Ursprünge ihrer Unsicherheiten und ihre weibliche Stärke zu erkunden. Und die Darstellung von perfekten, urteilenden Müttern in einer überwiegend weißen, wohlhabenden Stadt in Südkalifornien, die Pasadena ähnelt, ist nicht allzu abwegig.

Vor allem aber ist "Unforgettable" einfach nur verrückt. Das wird gleich zu Beginn deutlich, als Julia in ihren Abschiedskuchen schneidet, um sich darauf vorzubereiten, ihren Job in San Francisco aufzugeben. Di Novi nimmt sich die Zeit, auf der riesigen Klinge zu verweilen, während sie den Buchstaben "L" in ihrem Namen anschneidet. Der Zuschauer weiß an dieser Stelle bereits, dass ein Mord stattgefunden hat: Julias Ex-Freund, dessen Missbrauch sie dazu brachte, eine einstweilige Verfügung zu erwirken und ein neues Leben zu beginnen, ist tot. Doch während der eigentliche Krimi nicht sonderlich spannend ist, werten die Darsteller und die Inszenierung diesen vertrauten Stoff auf. Julia will ihre Probleme hinter sich lassen und mit ihrem Verlobten David (Geoff Stults) neu anfangen, an dem aber nicht viel dran zu sein shceint. Er wirkt wie eine Ken-Puppe, und eine Ex, Tessa, eine "Psycho-Barbie". Die expositorischen Dialoge mögen dabei klobig sein, aber die Sprüche sind teilweise erstklassig. Ebenfalls nicht sehr subtil ist die Tatsache, dass Tessa und Julia völlig gegensätzlich sind, obwohl die Auswahl der Kostüme dies auf geniale Weise deutlich macht. 

In "Unforgettable" wird die Tatsache, dass Julia die einzige Farbige in dieser idyllischen Kleinstadt ist, nie explizit angesprochen, aber man spürt den impliziten Rassismus in der Art und Weise, wie Tessa und ihre Freundinnen sie mit Verachtung mustern. Dawsons Erdverbundenheit bewahrt den Film davor, in eine waschechte Seifenoper abzugleiten, und ihr werden hier die wenigen, seltenen Momente echter Emotionen zuteil. David, ein ehemaliger Wall-Street-Finanzguru, verfolgt derweil seinen Traum, eine Kleinbrauerei zu gründen. Die verklemmte Tessa war von diesem Plan nie beeindruckt, aber die lebenslustige Julia ist für alles zu haben. Und es ist diese offensichtliche, lebendige Verbindung zwischen den beiden, die Tessa vor Eifersucht kochen lässt. In "Unforgettable" werden keine Hasen gekocht, aber Tessa lässt sich auf einige ausgeklügelte Hightech-Tricks ein. Ihre zunehmend (und großartig) albernen Streiche führen schließlich zur Rückkehr von Julias Ex-Freund (Simon Kassianides), wenn auch auf eher geschmacklose Weise. Bis dahin ist alles zum Lachen - zumindest für den Zuschauer. Aber keiner der Männer hier ist auch nur annähernd so interessant wie die Frauen. Neben Heigl und Dawson ist Cheryl Ladd einfach köstlich böse als Tessas botoxgeschminkte und perfekt frisierte Mutter, die vor nichts zurückschreckt, um das Glück ihrer Tochter zu sichern. Ladd hat einige der besten, passiv-aggressiven Sprüche des Films drauf, aber die unaufhörliche Erbsenzählerei ihrer Figur gibt auch Aufschluss darüber, was Tessa so schlimm zugesetzt hat. Und die Komödiantin Whitney Cummings macht mehr aus der obligatorischen Rolle der witzigen besten Freundin, als man erwarten würde. Nichts davon ist besonders einprägsam. Aber es unterhält über die gesamte Laufzeit.

6,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Warner Bros.

Mittwoch, 22. Februar 2023

Malignant (2021)

https://www.imdb.com/title/tt3811906/

Madison (Annabelle Wallis) wurde einst als traumatisiertes Mächen von einer liebevollen Pflegefamilie adoptiert. Als erwachsene Frau wird sie nun von ihrer tragischen Vergangenheit eingeholt, denn Gabriel, ihr vermeintlich imaginärer bester Freund aus Kindheitstagen, scheint sehr wohl zu existieren. Allerdings verfolgt ihr einstiger Wegbegleiter keineswegs gute Absichten, sondern reißt Madison vielmehr mit in einen dunklen Strudel hinab: Gabriel begeht nämlich eine Reihe brutaler Morde, die Madison aufgrund ihrer besonderen Verbindung zu ihm mitansieht, als wäre sie live selbst mit dabei. Aber geschehen die Taten wirklich oder existieren die blutigen Vorfälle nur in ihren Gedanken? Die Grenze zwischen Wahrheit und Einbildung sind längst verschwommen... 

James Wan. Mit "Saw" machte er das Terror-Kino der 70er Jahre wieder populär, mit "Insidious" und "Conjuring" verhalft er dem altmodischen Spuk-Grusel zu einem Comeback. Nebenbei führte er auch mal bei "Fast & Furious 7", sowie bei "Aquaman" Regie, was deutlich zeigen dürfte, dass Wan nicht auf ein Genre festgefahren, sondern vielschichtig ist. Schön ist dabei jedoch, dass er den Finger trotzdem nicht vom Horror-Stoff lassen kann und bei "Malignant" konnte er sich offenbar richtig austoben - was ihm allerdings auch geteilte Kritiken einbrachte. Während einige eine überraschende Meisterleistung in diesem Werk sahen, empfanden andere ihn als albern. Letzteres ist verständlich, denn "Malignant" macht wirklich keinen Spaß, wenn man die Wendungen einmal kennt. Am Anfang wirkt alles noch sehr nach einem normalen Geisterspuk-Filmchen, doch schon bald gesellen sich weitere Elemente der verschiedenen Subgenre hinzu und obwohl man sich irgendwann den finalen Twist denken kann, überrascht Wan mit einem selbst für seine Verhältnisse äußerst blutigem und überbordendem Finale. Dass das alles nicht immer logisch zusammenpasst - drauf gepfiffen. Wan schafft es nämlich, einer recht bekannte Geschichte eine originelle Umsetzung zu verpassen. 

Sowieso ist es vor allen Dingen die visuelle Umsetzung, die aus "Malignant" etwas Besonderes macht. Hat man schon viele Filme von Wan gesehen, kennt man seine Stil-Mittel, die man auch hier serviert bekommt. Sehr einprägsam sind da immer diese Kamerafahrten. Trotzdem kopiert sich der Regisseur nicht einfach selbst, sondern bedient seine Markenzeichen gekonnt. So erhält man leichte Haunted-House-Elemente, aber auch Slasher-Motive. Eine verzerrte Stimme ist vorhanden, auch gruseliges Ambiente wird geboten. Das ist zwar niemals so richtig unheimlich, aber darum geht es dem Werk im Endeffekt ja auch gar nicht. In der stilsicheren Art und Weise, wie Wan sein Finale zelebriert, macht es einen reichlich spaßigen Eindruck. Wenn dann plötzlich die Action dominiert und noch reichlich gesplattert wird, wirkt das irgendwie dermaßen unpassend, dass es schon wieder cool ist. Denn obwohl man es bei "Malignant" mit einem Mainstream-Horrorfilm zu tun hat, pfeift der Film auf jegliche Konventionen. 

Unterm Stich sind die 110 Minuten Laufzeit zu keinem Zeitpunkt langweilig. Das Geschehen verändert sich stetig und zögert nicht zu lange. Die größte Spannung kommt zwar nicht auf, aber es gibt genügend stark gemachte Szenen, um stetig am Ball bleiben zu wollen. Hinzu gesellen sich solide Darsteller. Annabelle Wallis hat als einzige mehr zu tun, was sie souverän erledigt, aber auch alle anderen gehen völlig in Ordnung. Mit einer ausgeprägten Figurenzeichnung braucht man hier nicht zu rechnen, denn es stehen andere Dinge im Fokus. Doch alleine die optische Gestaltung des Killers gegen Ende ist eigenständig genug, um hier von Originalität sprechen zu können. Abgerundet wird das Ganze von einer gesunden Härte und einem gelungenen, treibenden Score, der stellenweise sofort das Nostalgie-Herz berührt.

7/10

Quellen
Inhaltsangabe: Warner Bros.
Poster/Artwork: Warner Bros.