Sonntag, 1. November 2015

Saving Private Ryan - Der Soldat James Ryan (1998)

http://www.imdb.com/title/tt0120815/

6. Juni 1944. Amerikanische Soldaten landen in "Omaha Beach", wie das Operationsgebiet in der Normandie genannt wurde. Eine Gruppe von acht Soldaten, die den Sturm auf die Küste überlebt, erhält den Auftrag den Fallschirmjäger James Ryan (Matt Damon), dessen drei Brüder bereits im Krieg gefallen sind und der selbst als vermisst gilt, ausfindig zu machen und nach Hause zu schicken. Während die Soldaten unter dem Kommando von Captain John Miller (Tom Hanks) immer tiefer in feindliches Gebiet eindringen, stellen sie sich allmählich die Frage, warum sie sich in Lebensgefahr bringen sollen, um einen einzelnen Mann zu retten. Umgeben von der brutalen Realität des Krieges und zermürbt von den Auseinandersetzungen innerhalb der Truppe, durchlebt die Einheit, von Desertion und Feigheit bis hin zu Heldentum und Selbstaufopferung, alle Facetten des grausamsten und verheerendsten Konflikts der bisherigen Menschheitsgeschichte.

Steven Spielberg sagte einmal: "Mein Vater brachte Geschichten vom Krieg nach Hause, und er erklärte mir immer wieder, dass es nichts Glorreiches ist. Was ich in diesem Film versuchte, war, sich dem Aussehen und dem Klang und sogar dem Geruch des Kampfes, wie er wirklich ist, zu entsprechen."

Die Ladeluken der Landungsboote öffnen sich. Ein Kugelhagel aus deutschen MGs prasselt auf die Soldaten nieder. Männer kippen um wie Domino-Steine. Gestandene Soldaten lehnen Arm in Arm an Panzersperren. Ängstlich. Weinend. Gebete gen Himmel rufend. Gliedmaßen fliegen durch die Luft. Gedärme liegen verstreut am Strand herum. Das Meer ist rot, von Blut durchtränkt. Leichen, wohin man sieht. Pures Chaos. Bedrückender, markerschütternder, ja schlichtweg perfekter kann man einen Kriegsepos nicht beginnen. Mit seinem Omaha-Beach-Intro hat Regisseur Steven Spielberg Filmgeschichte geschrieben. Nie zuvor wurde Krieg erschütternder, realistischer oder glaubwürdiger inszeniert. Nie brachte ein Film den Zuschauer schon nach seinen ersten Minuten auf den harten Boden der Tatsachen. Spielbergs Bildgewalt ist gewaltig, schier unglaublich - einmal mehr unterstützt von den herausragenden Klängen eines John Williams und unglaublich authentischen Soundeffekten. Und wenn auch nicht in solcher Größe – das wäre zu viel des Guten gewesen - feuert er diese audiovisuellen Salven während der gesamten Lauflänge weiter. Immer und immer wieder.

Auch kommen viele dreistündige Verfilmungen um eine gewisse Langatmigkeit nicht herum, aber dieses fünffach Oscarprämierte Meisterwerk umgeht dieses Problem. Spielberg verknüpft eine - zugegeben - recht dünne, abenteuerlastige Story mit der rohen Brutalität des Krieges, stellt die Sinnlosigkeit der Mission, einen einzelnen Soldaten zu retten und dafür viele andere möglicherweise zu opfern, eindrucksvoll dar und zieht den Zuseher mit seiner Geschichte über brüderlichen Zusammenhalt, Sehnsucht nach der Heimat und das zerstörerische Element Krieg komplett in seinen Bann. Ein simples Drehbuch avanciert so zu einem mitreißenden Gefühls-Drama. Man fiebert regelrecht mit Cpt. Millers (Tom Hanks) Einsatztrupp um Sgt. Horvath (Tom Sizemore), Pvt. Reiben (Eward Burns), Pvt. Jackson (Barry Pepper), Pvt. Mellish (Adam Goldberg), Medic Wade und (ganz stark Giovanni Ribisi) und Cpl. Upham (Jeremy Davies) mit, jeder Treffer in deren Körper fühlt sich an wie eine eigene Kugel in der Brust.

Nicht zuletzt liegt das an dem grandiosen Cast, aus dem es neben einem wie immer meisterlichen Tom Hanks überraschenderweise auch Vin Diesel, der Private Carparso spielt, herauszuheben gilt. Zwischen den zahlreichen Gefechtsszenen nimmt sich Spielberg immer wieder Zeit, die Charaktere vorzustellen, mehr und mehr von ihnen zu enthüllen und so auch beim Zuschauer genügend Sympathie und Tiefgang zu entwickeln, der einigen (Anti-)Kriegsfilmen aufgrund ihrer nüchternen Betrachtungsweise eben fehlt. "Saving Private Ryan" ist da eben anders. Er ist mit Sicherheit aber auch einseitiger, pathetischer, subjektiver und somit nicht gerade ein Paradebeispiel für einen Anti-Kriegsfilm. Für den Anti-Amerikaner mag das ein willkommener Nährboden sein, aber man kann diese Parteiergreifung, die nie in ein klassisches "Gut-und-Böse-Schema" übergeht (denn auch Amerikaner erschießen sich Ergebene, zudem ist das Grundmotiv Heimatrückkehr und nicht Deutschenhass) durchaus als das Zünglein an der Waage sehen, welches Spielbergs Werk für zu einem hervorragendem emotionalen Drama macht.

Die Glorifizierung bzw. Heroisierung von Cpt. Miller und seinen Männern sowie der amerikanische Patriotismus reißen mit. Dass das vielen Zuschauern sauer aufstößt ist da fast klar, jedoch hätte ohne diese Glorifizierung Spielbergs Kracher vor allem gegen Ende in dieser Form einfach nicht funktioniert. Denn genau diese heroischen Momente in den Schlussszenen sind es nämlich, die spätestens bei dem Satz "I hope that, at least in your eyes, I’ve earned what all of you have done for me." jedem die Tränen in die Augen treiben, die alle Dämme brechen lassen und "Saving Private Ryan" zu einem Meisterwerk erheben. Perfekt Inszeniert und untermalt mit einem, wenn nicht dem besten Score des Genres.

9,5/10