Montag, 25. März 2013

[KINO FFFnights] Insensibles - Painless (2012)

http://www.imdb.com/title/tt1757769/ 

Der erfolgreiche Neurochirurg David (Àlex Brendemühl) wird durch einen Autounfall förmlich aus dem Leben katapultiert: Nicht nur kommt seine Liebe, Anaïs (Irene Montalà), bei dem Unfall ums Leben, die Rettungsmaßnahmen an David fördern zudem zutage, dass er an Leukämie leidet. Nur eine Knochenmarkspende einer seiner Eltern kann die erhoffte Heilung bringen. Als er sie besucht und seine Bitte vorträgt, enthüllen diese die Wahrheit: Sie sind nicht seine wirklichen Eltern. Auf der Suche nach diesen erfährt David ein dunkles Geheimnis: In den 1930ern, zurzeit des spanischen Bürgerkrieges, wird eine Gruppe von Kindern entdeckt, die als eine Laune der Natur ohne Schwerzempfinden sind. Da sie als Bedrohung angesehen werden, sperrt man sie in einer Kerker-ähnlichen Anlage vor den Augen der Öffentlichkeit weg, um an ihnen Experimente durchzuführen. Eines dieser Kinder war Davids Mutter. Und es gibt Kräfte, die Davids Neugier nicht still hinnehmen…

Die Spanier habens einfach drauf! Regisseur Juan Carlos Medina liefert bei seinem brutalen Mystery-Schocker einen sehr sehenswerten Horrorthriller ab. Mit deutlich härterer Gangart wird hier eine Richtung eingeschlagen, die man reflektiert, die einen fesselt und fasziniert. Dabei laufen im Film zwei Handlungsstränge parallel: die Gegenwart zur Klärung der Ereignisse und die Vergangenheit zur Visualisierung derselben. Das funktioniert wunderbar, gerade die gezeigten Ereignisse in den lichtarmen Einzelzellen, in denen in den 30er Jahren ein Dutzend Kinder vor sich hin vegetieren. Schnell entpuppt sich die einsame Gefangenschaft der Insassen als die spannendere der beiden Geschichten. Die gegenwärtige Spurensuche verbleibt als erzählerischer Rahmen der verdeutlicht, wie tief das Trauma der Franco-Diktatur in der spanischen Gesellschaft noch immer sitzt. Schließlich findet sich aber doch der Weg in die katalonischen Berge, wo dann beide Handlungsstränge zusammenlaufen.

Die Nähe zu Guillermo del Toros "Pans Labyrinth" ist dabei nicht von der hand zu weisen: auch hier erleiden zu Zeiten des Bürgerkriegs kleine, kranke Kinder fürchterliches, was zudem drastisch dargestellt wird: Blonde Mädchen verbrennen sich bei lebendigem Leib Haut und Haar, das Herausreißen von Haaren und Fingernägeln stellt für die Kinder eine willkommene Abwechslung im tristen Alltag dar, und selbst die blutigen Gedärme eines Hundes, dem Benigno ohne Betäubung einen kastaniengroßen Tumor herausoperiert, fängt die Kamera schonungslos ein.

Der Film driftet dabei aber glücklicherweise nicht ins Torture-Porn-Genre ab. So wirken Szenen, die nur angedeutet sind und erst in der Phantasie der Zuschauer zum Leben erwachen deutlich verstörender. Folterszenen enden oft in markerschütternden Schreien aus dem Off, die zerschundenen Körper der Kinder erzählen von Leid, das auch ohne konkrete Bilder verstört. In einer der stärksten Szenen des Films verhüllt ein milchglasartiger Vorhang im Krankenhaus ein von Berkano fast zu Tode gefoltertes Opfer, das den hauptdarsteller mit ächzender Stimme auf die richtige Spur bringt.

"Painless" punktet mit seiner knisternd-morbiden Atmosphäre und der ergreifenden Geschichte um das grausame Schicksal der von der Gesellschaft vergessenen Kinder. Phantastisch!

8,5/1