Montag, 7. August 2023

군함도 - 軍艦島 - Gunhamdo - Battleship Island (Director's Cut) (2017)

https://www.imdb.com/title/tt5969696/

1945: Die von den Japanern besetzte koreanische Insel Hashima wird von allen nur "Battleship Island" genannt - denn von Weitem könnte man fast meinen, man sehe ein Kriegsschiff. Tatsächlich handelt es sich dabei jedoch um ein Eiland, auf dem die koreanische Bevölkerung unter grausamen Bedingungen zur Zwangsarbeit genötigt werden. Tagtäglich riskieren sie in den Kohleminen ihr Leben, bis sich die Insassen um den jungen Vater Lee Kang-ok (Jung-min Hwang), den Unruhestifter Choi Chil-sung (Ji-seob So) und Park Moo-young (Joong-Ki Song) schließlich zusammen tun - und einen Aufstand planen, der erst der Anfang einer spektakulären Flucht sein soll. Denn bevor die Männer elendig auf der Insel verrecken, wollen sie noch einmal alles riskieren...

Während in den Kinos Christopher Nolans Film "Dunkirk" dem breiten westlichen Publikum präsentierte, strömten die Südkoreaner fast gleichzeitig zu "Battleship Island" / "Gunhamdo", einem zweieinhalbstündigen Epos aus dem Zweiten Weltkrieg, das sich an die Spitze der heimischen Kinokassen katapultierte. Mit seiner übermäßig komplexen Handlung und seinem manchmal schrillen Ton wird Ryoo Seung-Wans nächster Film nach "Veteran" ist er jedoch weitaus unbekannter als Nolans Kriegsgeschichte. Der aufwändig produzierte Film, der auf einer frei erfundenen Version historischer Ereignisse basiert, lässt die japanischen Übergriffe auf koreanische Zivilisten während des Krieges mit einem methodisch durchdachten Ansatz Revue passieren. In dem Bemühen, dieses besondere Ereignis eines nationalen Traumas zu personalisieren, stellen die Filmemacher ein charismatisches Vater-Tochter-Paar vor, das stellvertretend für eine Nation steht, die durch familiäre Trennungen zerrissen ist. Als sich der Zweite Weltkrieg dem Ende zuneigt, schuften Zehntausende von Koreanern, die von der japanischen Besatzung versklavt wurden, in einer Vielzahl von Industrien. Doch dank seiner Schlagfertigkeit, seines flexiblen moralischen Charakters und seiner Fähigkeiten als Japanisch-Übersetzer ist es Lee (Hwang Jung-Min) gelungen, der Einberufung zu entgehen. Es hilft ihm, dass er der alleinerziehende Vater der bezaubernden 8-jährigen So-hee (Kim Su-An) ist, aber sie ist aufmerksam genug, um zu erkennen, dass ihr Vater trotz seiner Tätigkeit als charismatischer Jazz-Bandleader kaum mehr als ein kleiner Betrüger ist, der sich als Musiker ausgibt.

Wie so ziemlich jeder, der Verbindungen zur japanischen Kolonialverwaltung in Korea hat, sucht Lee nach einem Weg nach oben oder nach einem Ausweg, und als seiner Band ein Auftritt in Nagasaki angeboten wird, ergreift er die Chance. Es handelt sich jedoch um einen ausgeklügelten Plan, was Lee zu spät erkennt, als er und So-hee zusammen mit 400 anderen Koreanern als Gefangene in einem Arbeitslager auf der Hashima-Insel landen. Nachdem seine Tochter mit zahllosen Frauen vom Schiff verschleppt wurde, findet sich Lee in den Gruben wieder, mit wenig Hoffnung, seine Freiheit oder Würde wiederzuerlangen. Lee lernt jedoch schnell und arbeitet sich schnell in die Gunst seiner japanischen Gefangenen, indem er mit Schmuggelware und hilfreichen Gerüchten handelt. Als er auf ein von Park (Song Joong-Ki), einem koreanischen Geheimagenten, angeführtes Komplott zur Flucht von der Insel stößt, nutzt Lee seine Verbindungen, um sich und So-hee sicheres Geleit zu verschaffen, allerdings nur, wenn er die Schlüssel zum Telegrafenamt abliefern kann, um ein Rettungsschiff zu alarmieren. Die unterseeischen Kohleminen auf der Hashima-Insel vor der Küste Nagasakis, die aufgrund ihrer Ähnlichkeit mit einem japanischen Kriegsschiff als "Battleship Island" bekannt ist, spielten eine Schlüsselrolle bei den Kriegsanstrengungen der Nation und wurden von Zwangsarbeitern betrieben. Und obwohl die Bedingungen extrem waren, gab es nie einen Anlass für eine Massenflucht, wie sie im atemberaubenden Schluss des Films gezeigt wird, einer Sequenz von bravourösen Szenen, die für sich allein genommen schon ausreichen würden, um fast jeden anderen Actionfilm abzuschließen.

Ryoo und Co-Drehbuchautor Shin Kyoung-Ill bauen auf diesen spektakulären Höhepunkt hin, indem sie Hwangs Figur in fast alle wichtigen Entwicklungen der Geschichte einbeziehen, da Lee vom anonymen Bergarbeiter zu einem wichtigen Vermittler zwischen den gefangenen Koreanern und den japanischen Minenbetreibern aufsteigt. Die Figur von Park, einem Widerstandskämpfer der koreanischen Befreiungsarmee, der von der amerikanischen OSS ausgebildet wurde, ist nicht weniger fiktiv und sorgfältig darauf ausgelegt, nationalistische Gefühle zu wecken. Und die anhaltende Kontroverse über koreanische Frauen, die im Zweiten Weltkrieg in die sexuelle Sklaverei gezwungen wurden, findet ihre Vertreterin in Mallyon (Lee Jung-Hyun), einer trotzigen "Trostfrau".

Im Großen und Ganzen ist "The Battleship Island" ziemlich gut gelungen. Zu den erfreulichsten Aspekten gehört das massive Gefühl von Größe und Erhabenheit, das Regisseur Seung-wan hier an den Tag legt. Der Film versucht, den Zuschauer direkt in die Situation hineinzuversetzen, in der er sich befindet. Man bekommt einen unmittelbaren Eindruck von den harten Arbeitsbedingungen im Lager, in dem alle mit Schmutz, Schweiß und Dreck aus dem Kohleabbau bedeckt sind, so dass das harte Leben dort sehr deutlich wird. Zusammen mit der Behandlung, die ihnen von den Verantwortlichen sowohl auf japanischer als auch auf koreanischer Seite zuteil wird, gelingt es dem Film, die Lebensumstände der Lagerinsassen recht gut zu erfassen. Von diesem Punkt aus können ihre individuellen persönlichen Geschichten in der Schlacht erzählt werden. Da es im Lager viele Beteiligte gibt, deren Geschichten erzählt werden müssen, und es gelingt, die Beziehungen aller Beteiligten auszufüllen, erhalten wir eine umfassende Darstellung und ein Verständnis, das die nötige Dramatik für die letzte Schlacht liefert.

Nachdem die Charaktere etabliert sind, bietet "Battleship Island" eine Fülle von herausragenden, energiegeladenen Actionszenen. Die verschiedenen Ausbruchsversuche, die gezeigt werden, um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie rücksichtslos und befehlshaberisch dieses Regime die Insel beherrscht, bilden die Grundlage für das fulminante Finale. Ein Gefängnisausbruchsfilm wäre nichts ohne eine gewaltige, ausufernde Sequenz, und das ist hier der Fall, denn das Finale geht in Sachen Spektakel über Bord. Die groß angelegten Sets, die es schaffen, die gesamte Besetzung in den Sequenzen zu halten, sind gewaltige und ausufernde Unternehmungen, die beeindruckende Stuntarbeit und Choreografie hervorbringen, die so gut wie jedem eine Chance auf einen Heldenmoment in den groß angelegten Sequenzen geben. Mit den energiegeladenen Kämpfen, die auf der Insel ausgetragen werden, während der Kampf um die Umsetzung des komplexen Plans Früchte trägt, werden die Grenzen zur übertriebenen Sensationslust verschoben.


 Mit "Battleship Island" kann Ryoo ein WWII-Epos von seiner Bucket List abhaken, aber die verworrene Handlung wirkt wie eine reine Manipulation, die die Wirkung der abschließenden Fluchtsequenz schmälert. Auf einer eigens konstruierten, zu 2/3 maßstabsgetreuen Kulisse der Insel inszeniert, ist es ein beeindruckendes Schauspiel visueller Technik und simulierter Kämpfe, wenn die Koreaner gegen ihre japanischen Unterdrücker rebellieren und versuchen, an Bord eines riesigen Kohlefrachters zu entkommen. In all den Wendungen, Schießereien und patriotischen Reden spielt Hwang seine Lee-Figur als einfallsreichen Jedermann, der nur lange genug überleben will, um seine Tochter aus den Fängen ihrer japanischen Entführer zu retten. Zwischen all den harten Bandagen knüpft auch Song's Rebellenführer Park eine Bindung zu dem kämpferischen jungen Mädchen, aber Kim übertrifft beide mit ihrer Darstellung von entschlossener Beharrlichkeit, die letztlich für das unverwüstliche Ausharren einer ganzen Nation gegenüber beklagenswerter Ungerechtigkeit steht.

Auch wenn es viel zu mögen gibt, hat "Battleship Island" doch einige ziemlich auffällige Probleme. Zu den problematischsten gehört die überzogene Handlung von Seung-Wan, die absichtlich zu viel in die Erzählung einbaut. Mit zu vielen Charakteren und Hintergrundgeschichten, die aufgebaut und durchschaut werden müssen, gibt es viel zu viel, um mitzuhalten, wenn wir ständig daran erinnert werden, dass So-hee im Lager in ständiger Gefahr ist, oder wenn wir die extravaganten Details von Moo-youngs Fluchtplan erfahren, der im Hintergrund abläuft. Dieses ständige Gefühl des Melodramas, das hier erzeugt und im Finale ausgenutzt wird, wirkt eher erdrückend als fesselnd und verliert sich in einem Meer aus sensationslüsterner Action und chauvinistischem Charakter über die Notlage der Koreaner, die sich gegen die japanischen Imperialisten behaupten müssen. Das alles macht den Film etwas zu lang, um die volle Wirkung zu entfalten, aber im Großen und Ganzen sind diese Probleme auf lange Sicht nicht so schädlich. "Battleship Island" funktioniert nämlich unterm Strich als unterhaltsame, energiegeladene Abfolge von Actionszenen, ist aber auch voller übertriebener Melodramatik und zu viel los, so dass er insgesamt ein lohnendes Spektakel darstellt. 

8/10

Quellen
Inhaltsangabe: Koch Films

Коридор бессмертия - Koridor bessmertiya - Konvoy 48 - Convoy 48: The War Train (2019)

https://www.imdb.com/title/tt9876160/

Anfang 1943 in Leningrad: Die sowjetische Stadt wird von der deutschen Wehrmacht fast vollständig belagert. Nur ein kleiner Korridor, eine Eisenbahnstrecke, stellt sicher, dass die Stadtbevölkerung mit dem Lebensnotwendigen versorgt wird. Die Schienen verlaufen über die gefährlich dünne Oberfläche zugefrorener Flüsse – und durch feindliches Gebiet. Aber die Zugbesatzung gibt ihr Bestes, um Leningrad zu versorgen, vor allem die jungen Melderinnen Mascha und Sonja bemühen sich nach Kräften. Sie werden mit einer Geheimmission betraut: Mascha und Sonja müssen eine besondere Fracht nach Leningrad bringen...

Ein weiterer Beitrag zum zweiten Weltkrieg, wieder einmal einer aus Russland. Der originale russische Titel, der in der deutschen Übersetzung in etwa  "Korridor der Unsterblichkeit" lautet, ist auf der einen Seite ein ziemlich gutes militärisch-historisches Drama, das die Blockade von Leningrad in den Jahren 1941-44 betrachtet. Auf der anderen Seite zeigt "Convoy 48: The War Train" eine stark überromantisierte Darstellung der sowjetischen Bemühungen, Leningrad nach dem Ende der Belagerung wieder zu versorgen. Hungersnot gab es keine, der Patriotismus ist ungebrochen und die Soldaten haben niemanden jemals brutal behandelt. Es war eine Zeit der Kälte und des patriotischen Kampfes.

Allein damit sollte klar sein, dass Film eine anständige Menge an Schwächen hat. Seine Struktur der Erzählung ist trotz Gradlinigkeit oft unklar und wirkt zerrissen, kaum Stringenz ist erkennbar. Zudem gesellen sich auch erkennbare Verhaltensmuster bei den Figuren, gepaart mit einer gewissen Vorhersehbarkeit, die den Zuschauer daran hindert, wirklich wichtige Charakterzüge über die Figuren zu erfahren. Die Schauspieler machen zwar einen, dem Drehbuch entsprechenden, anständigen Job, trotzdem bleibt keiner von ihnen wirklich im Gedächtnis oder vermag den Zuschauer mitzureißen. In knapp zweieinhalb Stunden passiert eine ganze Menge, das alles ist ansprechend gefilmt - doch die Musik kündigt jede noch so kleine Überraschung im Vorfeld an, sodass auch noch die Spannungskurve leidet. Romantik steht im Vordergrund, ähnlich wie in "Enemy At The Gates", aber statt zwei Scharfschützen gibt es zwei Züge. Leider verbleibt der Film damit im Mittelmaß, auch wenn man guten Willens gern ein paar Punkte mehr vergeben hätte.

5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Plaion Pictures

Samstag, 5. August 2023

Murder At 1600 - Mord im Weißen Haus (1997)

https://www.imdb.com/title/tt0119731/

Detective Harlan Regis (Wesley Snipes) arbeitet im Morddezernat in Washington und soll den Tod einer Frau aufklären, die ausgerechnet im Weißen Haus ermordet wurde – und einfach gestaltet sich das für ihn wahrlich nicht. Der Leiter des Secret Service im Weißen Haus, Nick Spikings (Daniel Benzali) will keine auswärtige Ermittler in seinem Bereich und legt ihm alle möglichen Steine in den Weg. Zum Kreis der Verdächtigen zählen auch der Präsident selbst, sein Sohn und der Sicherheitschef, was den Fall umso brisanter macht. Regis bekommt die Secret Service-Agentin Nina Chance (Diane Lane) als vermeintliche Unterstützung zur Seite gestellt und kommt bald einer Verschwörung auf die Spur, in die selbst hohe Regierungsbeamte verwickelt zu sein scheinen... 

Der Polit-Thriller "Mord im Weißen Haus" unter der Regie von Dwight H. Little bietet ein wenig Rätselraten und eine Spur Action und lässt gleichzeitig die Paranoia-Filme der 70er Jahre wieder aufleben. Littles handwerklich solide inszenierter Thriller bezieht seine Spannung vornehmlich aus der Frage nach der Identität des Mörders und den Hintergründen seiner Tat. Durch punktuelle Tempoverschärfungen in Form einiger Actionszenen, in welchen Wesley Snipes (hier im Zenit seiner Karriere) einmal mehr seine hervorragenden Kampfkünste zur Geltung bringen kann, kommt zudem zusätzlich Schwung in die Sache. Dennoch kommt man als Zuschauer nicht ganz umhin sich zu fragen, wie so manche dieser Szenen wohl etwa bei Actionexperten wie John Woo oder James Cameron ausgesehen hätten. Erscheinen die Geschehnisse in den ersten zwei Drittel des Films noch einigermaßen plausibel, wird es gegen Ende leider ziemlich abstrus, sodass man das Handeln aller Beteiligten besser nicht zu sehr hinterfragen sollte. Da Littles Thriller angenehm kurzweilig daherkommt und zudem auch in den Nebenrollen recht gut besetzt ist, gelingt dies allerdings auch relativ problemlos.

6,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Warner Bros.

Freitag, 4. August 2023

Extreme Measures - Extrem... mit allen Mitteln (1996)

https://www.imdb.com/title/tt0116259/

Der junge britische Arzt Guy Luthan (Hugh Grant), der in einem New Yorker Krankenhaus arbeitet, muss ungeplante Recherchen anstellen - denn plötzlich verschwindet die Leiche eines Mannes, der in der Notaufnahme gestorben ist. Der Patient wurde nackt und mit merkwürdigen Symptomen ins Hospital eingeliefert. Dr. Luthan entdeckt ein geheimnisvolles Band am Arm des Toten, das ihn auf den berühmten Neurologen Lawrence Myrick (Gene Hackman) aufmerksam macht. Doch Guy stößt überall nur auf Schweigen. Er scheint es mit Leuten zu tun zu haben, die das Geheimnis des Krankenhauses mit allen Mitteln hüten wollen. Finden hinter den Mauern der Heilanstalt etwa unethische Experimente statt? Bald schon ist Luthan selbst in Gefahr... 

Die Geschichte von Regisseur Michael Apted aus dem Jahre 1996 ist simpel und nach absolutem Standard-Rezept hergestellt: Man nehme einen sympathischen Typ, der unfreiwillig einer ungeheuren Schandtat auf die Spur kommt, die scheinbar übermächtigen bösen Jungs zerstören sein Leben und seine Karriere und unser Held wehrt sich dagegen mit allen Mitteln, die er hat, extrem oder weniger extrem. Angereichert wird das Ganze mit einigen Action- und Fluchtszenen vor bösen Killern. 

"Extrem...mit allen Mitteln" ist ein trotz der typischen Story ein unterhaltsamer und spannender Thriller, der ethnische, beziehungsweise moralische Fragen versucht aufzuwerfen, was ihm größtenteils sogar gelingt. Britendarling und Held ist Hugh Grant, seines Zeichens charmanter, schwer nicht zu mögender Brite, der in eher locker-leichten charmanten Komödien beheimatet ist. Doch diese Rolle hier passt gerade deswegen gut zu ihm, denn so kann man ihm die locker-flockigen Sprüche zu Beginn als hektischen aber charmant-sympathischen Arzt ebenso glaubhaft abnehmen, als auch die Panik und Verzweiflung eines Normalos, als dann alles den Bach runtergeht und er sich zudem noch in akuter Lebensgefahr befindet. Klasse und glaubhaft gespielt von Grant, der hat schwer begeistert, weil man ihm das in einem Thriller nicht so ohne weiteres zutraut. Mit Nebendarstellern wie Gene Hackman und vor allem David Morse kann man auch nicht viel falsch machen. 

Als Gegenspieler treten die gewohnt gut agierenden Scheuspieler David Morse (dem die mörderische Eiseskälte wie ins Gesicht gemeiselt scheint) und Gene Hackman als an Menschen experimentierender Arzt, der die unbequeme Frage aufwirft, wie weit die medizinische Forschung gehen darf, um "das große Gute" zu erreichen. Die Thematik, die da aufgeworfen wird, ist überaus faszinierend und spannend und man wird aus dem ganzen Film aufgrund der Frage nach der Richtigkeit sowohl der aufgeworfene Frage als auch des Endes des Films mit einem schwer zu ignorierenden Gefühl der Unbehaglichkeit entlassen. Eine bessere Bewertung verhindern das Fehlen größerer Highlights sowie eine fast völlig überflüssige Undergroundsequenz. Sonst ist das Ganze ganz gut aufgezogen: Regie und Kamera sind routiniert, dazu verfügt der Film über einen tollen Score von Danny Elfman und intelligente Dialoge, was aus "Extrem...mit allen Mitteln" dann doch ein überaus sehenswerten Thriller macht.

6,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Warner Bros.

Donnerstag, 3. August 2023

Meg 2: The Trench - Meg 2: Die Tiefe (2023)

https://www.imdb.com/title/tt9224104/

Jonas Taylor (Jason Statham) und sein Kollege (Wi Jing) leiten ein Forschungsteam, das einen nicht ganz ungefährlichen Tauchgang plant, der das Team rund um die beiden in bisher kaum erkundete Tiefen des Ozeans führen soll. Gänzlich ungestört bleiben die Meeresforscher auf ihrer waghalsigen Mission jedoch nicht. Denn auch ein knallhart kompromisslos vorgehendes Unternehmen für Unterwasser-Bergbau hat bei der Suche nach wertvollen und noch abbaubaren Rohstoffen ein Auge auf die noch unausgebeuteten Tiefen geworfen. Doch als gleich mehrere der Meg genannten riesigen Urzeithaie aus den finsteren Ecken der ozeanischen Untiefen auftauchen, scheint der Konflikt mit dem gierigen Konzern im wahrsten Sinne des Wortes auf einmal eher das kleinste Problem zu sein. Der Kampf ums schiere Überleben beginnt und entwickelt sich schnell zu einem Rennen an die rettende Oberfläche.

Keiner, niemand, wirklich niemand hätte daran geglaubt, dass sich "The Meg" eine Fangemeinde aufbauen hätte können. Und doch - obwohl die familienfreundliche 2018er Action-Horror-Kreaturenkomödie von Jon Turteltaub mit eher mittelmäßigen Kritiken abgestraft wurde - war die Begeisterung für den Megalodon groß. Vermutlich lag das an der Nähe zu "Jurassic World" und dem Warner Monster Universe mit King Kong und Godzilla, welches den Film, der sich mit der Prämisse verkaufte, dass Action-Star Jason Statham gegen einen riesigen prähistorischen Hai antritt. Und doch war es schon eine kleine Enttäuschung, dass "The Meg" nur sehr wenig von Statham und dem Hai zu bieten hatte. Aber in einer Branche, in der Geld eine nicht unwesentliche Rolle spielt, wurde Stathams Vorliebe für gigantische Haikämpfe für "Meg 2: The Trench" wieder aufgegriffen, wobei Turteltaub auf bizarre Weise durch den britischen Filmemacher Ben Wheatley ersetzt wurde. Bizarr, weil Wheatley sich bisher eher an psychologisch schädlichen Filmen wie "High Rise" erfreut hat, die oft eine düstere, schwarze Komödie beinhalten, und obwohl so ein Vehikel wie "Meg 2" in der Tat von einer Injektion dunklen Humors profitieren würde, schreit der Mann nicht gerade: "Bucht mich für einen Killerhaifilm!"

Was auch immer der Grund dafür war, dass Wheatley zustimmte, "Meg 2" zu drehen, er ist sich zumindest bewusst, dass das, was er macht, nicht besonders gut ist - das Drehbuch von Jon Hoeber, Erich Hoeber und Dean Georgaris lässt sehr viel zu wünschen übrig - und es ist dieses Selbstbewusstsein, das dem Film hilft, seine viel zu großzügige Laufzeit von 116 Minuten zu überleben. Die Geschichte ist verworren, und taugt gerade mal als Aufhänger - man braucht einfach keine stundenlange Exposition, wenn es um einen Film über Riesenhaie geht. Jedenfalls begrüßt "Meg 2" Stathams einfallsreichen Jonas Taylor mit einer einleitenden Actionsequenz, die sich anfühlt, als könnte sie aus einem beliebigen Katalog des Actionstars geklaut werden. Trotz der Tatsache, dass zu viele seiner Co-Stars den letzten Film überlebt haben - eine weitere Sünde des ersten Films war es, sich mit seinem umfangreichen Schauspiel-Ensemble zu sehr anzufreunden - sind Cliff Curtis und Page Kennedy die einzigen beiden Schauspieler, die hier wieder an Bord sind, aber es ist völlig in Ordnung, wenn man sich nicht an sie erinnert, denn "Meg 2" dient so ziemlich als eigenständiger Film. Alles, was man wissen muss, ist, dass das Trio Teil eines Forschungsteams ist, das auf einem Tauchgang die Geheimnisse der Tiefen des Ozeans erforscht. Der unterirdische Graben ist eine Art unerschlossene Barriere, die, sobald sie durchdrungen ist, einen Haufen kolossaler Megalodons an die Oberfläche bringt, wo sie Chaos anrichten.

Aber wenn es doch nur so schnell und einfach wäre. "Meg 2" scheint nicht aus den Fehlern seines Vorgängers gelernt zu haben und lässt seine größte Verlockung für den Großteil seiner Laufzeit außen vor. Die knappe erste Hälfte von Wheatleys Horror-Möchtegern-Actioner sind Statham und seiner Crew von austauschbaren Opfern gewidmet, die in Taucheranzügen über den Meeresboden spazieren. Ihre Tauchkapsel wird sabotiert - und es ist keine große Überraschung, wer dahinter steckt, und man erfährt, dass es neben den Megs (dieses Mal 3) auch noch einen Riesenkraken gibt, mit dem sich die armen Protagonisten herumschlagen müssen, aber das alles erweist sich letztlich nur als lächerliches Futter für das eigentliche Glanzstück des Films: seine verrückte letzte Stunde.

Die Verschmelzung von Riesenhaien und Tintenfischen mit bewaffneten Terroristen und Dinosauriern - warum auch nicht!? - "Meg 2" wird erst im letzten Drittel so richtig lebendig, als er alle Vorsicht über Bord wirft, sich selbst übertrumpft und den Irrsinn seiner Prämisse mit einem deutlichen Augenzwinkern umarmt; schade nur, dass es so lange gedauert hat, bis es soweit war. Als die Megs endlich ein Inselresort ansteuern, in dem sich die Gäste nicht schnell genug in Sicherheit bringen können - nämlich in das Maul eines riesigen Hais (Punkte für Wheatley, weil er eine POV-Aufnahme aus dem Inneren des Haifischmauls eingebaut hat) - wappnet sich Statham, um es mit ein wenig mehr als Speeren und einem Jetski mit den Haien aufzunehmen, was zu echtem "Money Shot"-Kino führt, das davon zeugt, dass Wheatley weiß, welche Art von Film er wirklich macht. "Meg 2: Die Tiefe" ist damit beileibe noch kein guter Film. Aber er scheint das auch zu wissen, und wenn man als Zuschauer bereit genug ist ist, sich diesem (erwartbaren) Irrsinn hinzugeben, kann man mit diesem Creature-Feature Spaß haben - man muss nur viel zu viel unnötige "Handlung" über sich ergehen lassen, um dahin zu gelangen.

6,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Warner Bros.

Mittwoch, 2. August 2023

Paradise (2023)

https://www.imdb.com/title/tt27403874/

In der Zukunft ist es bald möglich, die Lebenszeit von einer Person auf eine andere zu übertragen. Das Biotech-Start-up AEON macht mit dieser Methode Milliardengewinne. Doch nicht nur das, die Firma hat mit seiner Technik das Leben auf der ganzen Welt für immer verändert. Elena (Marlene Tanczik) wird eines Tages mit Versicherungsansprüchen konfrontiert, die sie nicht bedienen kann. Als Konsequenz muss sie 40 Jahre ihres Lebens an AEON abtreten. Ihr Mann Max (Kostja Ullmann) arbeitet für AEON und setzt daraufhin alle Hebel in Bewegung, um Elenas verlorene Lebensjahre irgendwie zurückzuholen. Er findet schließlich heraus, dass die CEOs der Hightech-Firma es gezielt auf Elenas Lebenszeit abgesehen haben. Doch was steckt hinter ihrem perfiden Plan und warum ausgerechnet Elena? Max fasst einen Entschluss und entführt die ahnungslose Elena daraufhin. Für beide beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, den sie kaum gewinnen können.

"Paradise" ist ein deutscher Sci-Fi-Thriller mit einer faszinierenden Handlung. Trotz des generischen (und im Grunde auch völlig zusammenhangslosen) Titels bietet dieser Film wirklich eine gute Story, die für einen spannenden Film sorgt. Einer, der zum Nachdenken anregt und den Zuschauer vor die schwierige Frage stellt: Was würdest du tun, wenn du die Wahl hättest? Von Anfang an begeistert die Idee von "Paradise": Tausche Lebensjahre gegen Geld. In einer nicht näher defintierten Zukunft in Berlin. Hier, wie auf der ganzen Welt hat eine Methode zur Übertragung von Lebensjahren von einer Person auf eine andere das Altern völlig verändert. Nun ja - zumindest für diejenigen, die sich das Verfahren leisten können und einen genetisch passenden Partner haben, der bereit ist, seine Jahre zu spenden. Das Biotech-Start-up AEON ist ein milliardenschweres Pharmaunternehmen, das an der Spitze dieser Technologie steht, und in der Regel kann man nun niemandem mehr ansehen und wissen, wie alt er ist. Jemand kann 18 Jahre alt sein (das Alter, in dem man mit der Spende von Jahren beginnen kann), aber 20 Jahre älter aussehen, weil er zwei Jahrzehnte gespendet hat, um sich das Leben seiner Träume zu leisten. Ein anderer sieht vielleicht wie 25 aus, ist aber in Wirklichkeit 60 Jahre alt und hat einfach zusätzliche Jahre von seinem Partner erhalten (oder gekauft). Das Alter ist nun das "chronologische Alter" oder das praktisches Alter, das darauf beruht, ob man Jahre gegeben oder erhalten hat. Es ist wirklich ein brillantes Setting, und von Anfang an liegt der Schwerpunkt auf dem Guten und dem Schlechten. Oder besser gesagt, auf die Möglichkeiten für die Menschen und die Gefahr, wie sie diese neue Technologie missbrauchen können. 

"Paradise" Stärke liegt in Max (Kostja Ullmann) und Elena (Marlene Tanzcik), die in eine Situation geraten, die gewöhnlicher nicht sien könnte, die sie aber vor Probelem stellt, die sie so nicht haben kommen sehen, denn als sich ein Unfall ereignet, der nicht von der Versicherung gedeckt ist, sind sie gezwungen, ihre "Sicherheiten" einzusetzen. Zu Max' großer Überraschung stellt sich heraus, dass es sich bei den Sicherheiten um ganze 40 Jahre von Elenas Leben handelt. Das macht natürlich jede Chance auf eine gemeinsame Zukunft zunichte. Dazu gehört auch, dass sie eine Familie gründen wollen, etwas, wovon sie immer geträumt und worauf sie hingearbeitet haben. Als angesehener Mitarbeiter von AEON versucht Max nun alles, um Elena die verlorenen Jahre zurückzugeben. Doch obwohl die Technologie umkehrbar ist, stellt sich schnell heraus, dass da gewisse Steine im Weg liegen, die beiseite geräumt werden wollen. Boris Kunz ist der Regisseur dieses Netflix-Sci-Fi-Thrillers und er hat auch das Drehbuch zusammen mit Simon Amberger und Peter Kocyla geschrieben. Während der Mittelteil dieses deutschen Sci-Fi-Thrillers ein wenig zu langsam und viel zu vorhersehbar wird, fesselt der Anfang ungemein. Ein sehr mutiges und starkes Ende, das sogar die Möglichkeit einer Fortsetzung andeutet.

6,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Netflix

Dienstag, 1. August 2023

The King's Speech - The King's Speech: Die Rede des Königs (2010)

https://www.imdb.com/title/tt1504320/

Der britische Königssohn Bertie (Colin Firth) hat ein gewaltiges Problem: Er stottert so heftig, dass jeder standesgemäße Auftritt zur totalen Blamage für sich und seine royale Sippe wird. Unzählige gescheiterte Lösungsstrategien hat der arme Mann längst jede Hoffnung aufgegeben, seine Sprachbehinderung jemals überwinden zu können. Seine Frau Elizabeth (Helena Bonham Carter) überredet ihn zu einem letzten Anlauf – und schleppt ihn in die Praxis des schrägen Sprachtherapeuten Lionel Logue (Geoffrey Rush). Erst ist Bertie abgeschreckt von Lionels ruppigem Tonfall. Doch schon kurz darauf entwickelt sich eine vorsichtige Freundschaft zwischen den ungleichen Männern und der geplagte Adelsmann erzielt erste Erfolge. Dann überschlagen sich die Ereignisse. George V. stirbt, sein Bruder Edward VIII. (Guy Pearce) entzieht sich der Verantwortung als Thronfolger – und plötzlich wird Bertie zum König gekrönt. Wie aber soll ein stotternder König England in den inzwischen unvermeidlichen Krieg gegen Nazi-Deutschland schicken? 

"The King's Speech" ist ein traditionell inszenierter, hübsch ausgestatteter britischer Historienfilm, der in den 1920er- und 30er-Jahren spielt und von jener Sorte gut gekleideter, patrizischer Engländer von damals bevölkert wird, die mitten am Tag Schnaps trinken und deren Hände selten ohne eine elegante Zigarette zu sehen sind. The King's Speech", geschrieben von David Seidler und inszeniert von Tom Hooper, ist ein unterhaltsames und fesselndes Drama aus dem wahren Leben über die morganatische Bromance zwischen dem introvertierten Stotterer König George VI. und seinem überschwänglichen australischen Sprachtherapeuten Lionel Logue: eine Affäre, die von Georges gewitzter Ehefrau in ihrer Vor-Queen-Mum-Zeit als Herzogin von York und später Königin Elizabeth vermittelt wurde. Colin Firth in der Rolle des leidgeprüften Monarchen, Geoffrey Rush in der Rolle des augenzwinkernden Sprachtrainers und Helena Bonham Carter in der Rolle der Königin, die lernen muss, Logue zu mögen, indem sie ihren eigenen Snobismus überwindet - den sie übrigens nie als Schüchternheit zu tarnen versucht -, spielen diese Figuren mit reinem Genuss.

Darüber hinaus bietet der "The King's Speech: Die Rede des Königs" eine faszinierende, wenn auch etwas belastete neue Perspektive auf die Abdankungskrise von 1936. Vor allem aber ist der arme König als jüngerer Mann gezwungen, mit dem Mund voller Murmeln zu sprechen, und er kommt dem Schicksal nahe, eine zu verschlucken. Aber wo sie sich schick machen und anständig reden musste, muss George VI. (der frühere Herzog von York, der immer "Bertie" genannt wurde) in die andere Richtung gehen: Er muss lockerer werden, weniger formell, weniger verkrampft, weniger klinisch depressiv. Der Film wirft auf geschickte Weise ein neues Licht auf das dysfunktionale Zittern im Herzen der britischen Königsfamilie und deutet frech an, dass es eine Zeit gab, in der ein britischer Monarch mit Psychoanalyse experimentierte, getarnt als Sprachtherapie. Colin Firths Gesicht ist ein Bild des Jammers in der Eröffnungsszene, unter seinem Zylinder, als würde er seiner eigenen Beerdigung beiwohnen. Es ist sein erster öffentlicher Auftritt, als er bei der Empire-Ausstellung im Wembley-Stadion durch ein Mikrofon zu einer riesigen Menschenmenge und über das Radio live zur ganzen Nation sprechen muss. Sein Stottern führt dazu, dass er kaum ein Wort herausbekommt und die Nation vor Verlegenheit zusammenzuckt. Sein furchterregender Vater, gespielt von Michael Gambon mit Englands schroffstem Bart, macht ihm klar, dass dies ein neues Medienzeitalter ist. Es geht nicht nur darum, auf einem Pferd furchterregend königlich auszusehen, der Monarch muss auch das Funkmikrofon beherrschen.

Hier kommt Lionel Logue ins Spiel - ein sturköpfiger Australier mit bohemienhaften Manieren und schäbiger Wohnung in der Harley Street. Er ist ein gescheiterter Schauspieler, der überall als Kolonialist verschrien ist, vor allem von den hochnäsigen englischen Theatertypen, für die er hoffentlich noch immer vorspricht. Man sieht ihn, wie er sich bei einer Amateurtruppe mit dem Monolog "Winter unserer Unzufriedenheit" von Richard III. bewirbt. In seinem Drehbuch sorgt Seidler für scharfe Wortwechsel, wenn Logue furchtlos durch die pompöse königliche Formalität stürmt, die Teil des Problems ist, und sich über seine früheren medizinischen Berater lustig macht: "Sie sind alle Idioten!" "Die sind zum Ritter geschlagen worden!", stottert Bertie. "Dann ist es ja offiziell, oder?" Langsam öffnet sich Bertie seinem neuen Freund und erzählt ihm von seiner unglücklichen Kindheit, ohne zu merken, wie sich seine Sprache verbessert. Die Krise kommt, als Logue seinem Patienten zu nahe kommt, und Rush zeigt, wie das "Fieber des roten Teppichs" ihn überwältigt: Er zeigt sogar eine gewisse antikoloniale Arroganz, indem er die Ambitionen von Edwards Mätresse, Mrs. Simpson, zurückweist und sich über die Idee der "Königin Wallis von Baltimore" lustig macht. Und in der Zwischenzeit bedeutet die Abdankung, dass der arme, stotternde Bertie die ultimative Last zu tragen hat, während "Herr Hitler" die Gewitterwolken des Krieges aufwirbelt. Die Nation braucht einen König, der mit klarer, inspirierender Stimme die Kräfte des Guten mobilisieren kann. Sind Bertie und Lionel dieser Aufgabe gewachsen? 

Neben den drei Hauptdarstellern gibt es auch zwei großartige Nebenrollen: Guy Pearce ist ein großartiger Edward, der glatte, unausstehliche Rüpel, der sich über Berties Stottern lustig macht und sich in Sandringham nach Telefonsex mit Mrs. Simpson sehnt - was er eklig "unsere eigenen Schläfrigkeiten machen" nennt. Gambon hat zwei großartige Szenen als George V.: zuerst als robuster Patriarch, der seinem zaudernden Sohn Befehle entgegenbrüllt, und dann - der plötzliche Niedergang ist ein bescheidener Coup du cinéma - unfähig und am Rande der Demenz, nuschelnd und stammelnd, während seine Geheimräte ihn dazu bringen, seine exekutive Verantwortung abzugeben. Defintiv wird nicht jeder diesen Film mögen: Manche mögen ihn zu royalistisch finden und haben verständlicherweise das Gefühl, dass er zu taktvoll über Berties und Elizabeths anfängliche Begeisterung für Appeasement und Neville Chamberlain hinweggeht. In dieser Version taucht Chamberlain kaum auf - wir scheinen direkt von Stanley Baldwins Rücktritt zum plötzlichen Auftauchen des Ersten Lords der Admiralität Winston Churchill überzugehen, der von Timothy Spall mit bebender Brust und steifer Sehne gespielt wird - immer mit Ratschlägen zur Seite stehend und anscheinend mit einer brennenden Zigarre in der Gegenwart des Herrschers. Aber "The King's Speech: Die Rede des Königs" beweist, dass in britischen Historiendramen der alten Schule noch viel Leben steckt - er ist so mitreißend gespielt und inszeniert, so schwungvoll und leichtfüßig.

8/10

Quellen
Inhaltsangabe: Wild Bunch