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Samstag, 3. Juli 2021

Fear Street, Part One: 1994 - Fear Street, Teil 1: 1994 (2021)

https://www.imdb.com/title/tt6566576/

1994 findet eine Gruppe von Jugendlichen heraus, dass zwischen den unheimlichen Ereignissen, die sich seit Generationen in ihrer auf den ersten Blick beschaulichen Heimatstadt Shadyside - direkt neben dem vermeintlich perfekten Örtchen Sunnyvale - im US-Bundesstaat Ohio zutragen, offenbar ein Zusammenhang besteht. Und das ist noch nicht einmal ihr größtes Problem. Denn jetzt scheint es die Hexe, die hinter all dem zu stecken scheint, ausgerechnet auf sie abgesehen zu haben... 

Regisseurin Leigh Janiak darf mit bisher einem abendfüllenden Spielfilm und vier Episoden zu diversen Horror-Serien durchaus noch als "Neuling" auf dem Gebiet des Horrors betrachtet werden. Mit "Fear Street", der filmischen Adaption nach den Büchern aus der Feder von R.L. Stine hat sie ein Mammutprojekt für den Streaminganbieter Netflix angenommen. Der erste Teil der "Fear Street"-Trilogie ist vollgepackt mit 90er-Jahre-Nostalgie, Blutfontänen und überraschenden Wendungen - und verspricht für "Part Two" eine ganze Menge. "Fear Street, Part One: 1994" enthält Anspielungen auf "Die Nacht der lebenden Toten", eine viel zitierte, ikonische Szene aus "The Shining", Anspielungen auf "Der weiße Hai", Verweise auf "Poltergeist" und mehr. Genauer gesagt ist "Fear Street Part One: 1994" so etwas wie eine Hommage. Netflix hat die Serie zweifellos wegen ihres "Stranger Things"-ähnlichen Settings in sein Programm aufgenommen - wie heranwachsende Teenager versuchen, mysteriöse Rätsel zu lösen, mit denen die Erwachsenen nicht umgehen können, alles eingehüllt in einem verträumten Dunst der Nostalgie - aber "Fear Street Part One: 1994" ist mehr als seine Einflüsse oder der Algorithmus, in den es so gut passt.

Im Mittelpunkt steht eine Stadt mit einer gruseligen Geschichte - Shadyside ist berüchtigt für verschiedene Morde über Jahrzehnte hinweg, die unaufgeklärt bleiben und von der Gemeinde verdrängt werden. Keine Frage, dass die niedrige Lebensqualität in dieser Hinsicht die Stadt unsympathisch gemacht hat, besonders im Vergleich zur benachbarten, makellosen Stadt Sunnyvale. Die beiden sind dadurch verbunden, dass sie Gegensätze sind, wozu auch gehört, dass Sunnyvale in allen Belangen überlegen ist. Unsere Helden leben in "Shadyside", auch bekannt als "Shittyside", und sie finden sich nach einem weiteren Massaker mitten in der Geschichte wieder. "Fear Street, Part One: 1994" hat leider eine etwas langatmige Art, auf den Punkt zu kommen, doch kurz erzählt geht es darum, dass eine Gruppe von Teenagern versehentlich die Ruhestätte einer Hexe stört, die im Laufe der Jahrhunderte eine Art Kult von Killern geschaffen hat.

Ein souveräner Geschichtenerzähler beschreibt den Fortlauf, und genau da kommen Janiaks Fähigkeiten ins Spiel. Es ist fast so, als würde ihr Stil im Laufe der Geschichte noch schärfer werden - anfangs hektisch und wenig schlau führt sie von einer Szene zur nächsten. Aber "Fear Street, Part One: 1994" findet eine großartige Balance zwischen dem Aufbau der Hintergrundgeschichte und ihrer Einbindung in die chaotische Gegenwart: Die Mythologie setzt sich fest, und der Film konzentriert sich auf schlanke und besonders fiese Nervenkitzel, die ein paar exzellente Slasher-Set-Pieces in der High School und einem Lebensmittelladen beinhalten, alles mit einer ausdrucksstarken, verspielten Lichtpalette. Die spaßigsten Teile von "Fear Street, Part One: 1994" zeigen eine starke Balance zwischen dem Brutalen und dem Spielerischen, und obwohl die Energie ein sich entwickelnder Charme des Films ist, ist es der von Janiak geschaffene Gesamtton, der beeindruckt. "Fear Street, Part One: 1994" bietet ein paar Veränderungen gegenüber den Slasher-Stereotypen - vielleicht am meisten, dass er sich transparent um seine Charaktere kümmert, diese Teenager, die einfach nur lebendig durch die Nacht kommen wollen und im Allgemeinen unterschätzt wurden. Das Drehbuch von Janiak und Phil Graziadei gibt sowohl den Momenten, in denen sie um ihr Leben rennen, als auch den Momenten, in denen sie versuchen, Teile von sich selbst herauszufinden, eine starke Balance, besonders im Handlungsbogen von Deena und Sam. Im gleichen Atemzug liebt die Serie die junge Sexualität ihrer Charaktere und behandelt es nicht als Todesurteil, wie es die Gesetze der Slasherfilme bekanntlich tun. Sie sieht auch Kates und Simons Pillenhandel nicht als Grund an, warum sie bestraft werden sollten, sondern als Erweiterung ihres Kampfes und ihrer Cleverness. All das bereichert "Fear Street Part One: 1994" und macht ihn in einer straff ausgeführten zweiten Hälfte noch interessanter.

Und dann, wie in Slashern üblich, aber hier besonders intensiv, häufen sich plötzlich die Leichen. Der Film mag nicht so gruselig sein, wie seine kumulativen Jump-Scares und der durchgängig orchestrale Score vermuten lassen, aber die Investition in die Sicherheit aller Beteiligten ist nicht zu unterschätzen. Es ist ein voller Cast von aufstrebenden Jungstars, wie "Stranger Things" zuvor, und "Fear Street" vermittelt dieses greifbare Gefühl, Spaß zu haben, während man mit ihnen abhängt, aber sich Sorgen macht, dass einer von ihnen plötzlich sterben könnte. Und so wartet man beim Abspann gebannt auf "Part Two: 1978", von dem man jetzt bereits gespannt erwarten darf, sich in eine Art "Crystal Lake" zu verwandeln.

7/10

Quellen
Inhaltsangabe: Netflix
Poster/Artwork: Netflix

Mittwoch, 6. Februar 2019

Summer Of 84 (2018)

https://www.imdb.com/title/tt5774450/

Sommer 1984: Davey (Graham Verchere), Woody (Caleb Emery), Eats (Judah Lewis) und Curtis (Cory Gruter-Andrew) sind die besten Freunde. Die Vier verbringen die Ferien gemeinsam und schlagen die Zeit in ihrem Baumhaus, an der örtlichen Bowlingbahn oder mit BMX-Fahren tot. Doch die makellose Vorstadtidylle beginnt zu zerfallen als plötzlich ein Serienkiller auftaucht, der in der Nachbarschaft sein Unwesen treibt und die Bewohner mit einer Reihe von Morden in Aufruhr versetzt. Die vier Jungs haben schnell einen Verdächtigen gefunden: Den alleinstehenden Polizisten Wayne Mackey (Rich Sommer). Kurzerhand beschließen sie, auf eigene Faust gegen ihn zu ermitteln und den Schlächter von Cape May zur Strecke zu bringen. Ein gefährliches Spiel um Leben und Tod nimmt seinen Lauf...

Die 80er sind wieder "in". Zum Teil modisch, aber auf jeden Fall popkulturell. Eine Retro-Welle schwappt gerade durch die Film- und Serien-Landschaft. Filme wie "Stand By Me", "Die Goonies" oder auch "E.T. - Der Außerirdische" haben die Autoren und Regisseure zweifelsohne inspiriert. Nachdem J.J. Abrams bereits 2011 mit "Super 8" besonders den Filmen Steven Spielbergs aus den 1980er Jahren ein filmisches Denkmal setzte, hat spätestens die erfolgreiche Netflix-Serie "Stranger Things" einen Hype um dieses Jahrzehnt ausgelöst, in dessen Fahrwasser sich auch das Filmemacher-Kollektiv RKSS mit der Hommage "Summer Of 84" bewegt und nach "Turbo Kid" die zweite Hommage an die 80er Jahre liefert . Mit viel Liebe zum Detail spioniert man im besten 80er-Jahre-Feeling dem verdächtigen Nachbarn hinterher. Da ist es auch zu verzeihen, dass sich der Film ausgiebig Zeit nimmt und die Geschichte teilweise nur behäbig vorankommt.

Die atmosphärische Inszenierung und der extrem eingängige und starke Synthie-Soundtrack von LeMatos versetzen den Zuschauer gelungen zurück in die 1980er Jahre. Zum Einsatz kommen dabei bekannte Einstellungen und Mechanismen, welche den Zeitgeist charmant zur Geltung kommen lassen. Die vier noch relativ unbekannten und somit frischen Jung-Darsteller (Graham Verchere, Judah Lewis, Caleb Emery und Cory Gruter-Andrew) sind zudem von Beginn an sympathisch und machen ihre Sache ordentlich. Man fiebert mit ihnen mit, auch wenn der Spannungsaufbau einen recht flachen Anstieg hat. Zu lange hält man sich an bestimmten Details auf und verfolgt ohne große Höhepunkte und Spannungsmomente das Ziel. So hat man oft das Gefühl, Story-mäßig auf der Stelle zu treten. Mit dem Ende schafft man es aber letztlich doch, ein stimmiges Gesamtbild zu generieren und tritt dem verblüfften Zuschauer noch einmal ordentlich in die Magengrube.

Laue Sommernächte und einem Serienkiller auf der Spur. "Summer Of 84" sorgt für eine ganze Ladung Nostalgie-Gefühle und trotzt den Spannungslöchern mit Charme und BMX-Rädern.

7,5/10

Von PANDASTORM Pictures kommt der Film auch als schickes "Collector's Edition Mediabook":

Mittwoch, 29. September 2021

Free Guy (2021)

https://www.imdb.com/title/tt6264654/

Guy (Ryan Reynolds) führt ein Leben als Kassierer in einer Bank, das vor allem von der täglichen Routine und dem Chaos und der Gewalt um ihn herum geprägt ist. Jeden Tag wird seine Bank aufs Neue überfallen, aber damit hat sich Guy abgefunden. Eines Tages findet er dann jedoch heraus, dass er in Wahrheit in einem brutalen Open-World-Videospiel namens "Free City" lebt und ein sogenannter NPC ist - eine Videospielfigur, die nicht von einem menschlichen Spieler gesteuert wird. Verantwortlich für diese Erkenntnis sind die Programmierer Milly (Jodie Comer) und Keys (Joe Keery), die "Free City" gehackt haben. Guy verliebt sich in Millys Avatar Molotovgirl, doch die Tatsache, dass sich ein NPC merkwürdig verhält, bleibt den Köpfen hinter dem Spiel natürlich nicht verborgen. Der Publisher Antwan (Taika Waititi) möchte "Free City" abschalten und nun ist es an Guy, sich und die anderen Videospielfiguren zu retten... 

Nach den etwas nichtssagenden Trailern, die zumindest aber jede Menge Spaß versprachen, ist "Free Guy" eine kleine Überraschung geworden. Das Ganze ist tatsächlich  ein großer Actionspaß geworden, der das Herz immer am rechten Fleck hat und für Videospielfans durchaus eine interessante Nummer sein kann. "Free Guy" ist nicht frei von Schwächen und manche Darstellungen sind ziemlich ungeschickt, aber insgesamt bekommt man einen spaßigen Film geboten, der die Erwartungen weit übertrifft. 

Der NPC Guy lebt als Bankangestellter in "Free City", trägt jeden Tag die gleiche Kleidung, trinkt immer denselben Kaffee und überhaupt scheint sich alles in einer endlosen Schleife zu wiederholen. Erst als der Mann im blauen Shirt auf eine besondere Frau trifft, fasst er den Mut aus der Routine auszubrechen und sein Leben völlig auf den Kopf zu stellen. In die Welt, in der Guy lebt, blickt er fortan mit anderen Augen. Auch dank einer ganz besonderen Brille.

"Free Guy" schafft es schon nach wenigen Sekunden, seine Welt kurz und knapp zu erklären, wodurch man als Zuschauer sehr schnell im Bilde ist. Klar, wenn man ein leidenschaftlicher Profigamer ist, wird man hier einige Fehler entdecken und der ein oder andere Spieler wird hier auf sehr klischeehafte und fast schon beleidigende Art gezeigt. Zudem hat der Film auch einige kleinere Längen, besonders am Ende und in einigen Schlüsselszenen macht es sich die Story zu einfach. Doch hier braucht es einfach keine allzu komplexe oder tiefschürfende Geschichte, denn womit der Film punkten kann, ist der Humor, der nahezu immer treffsicher und amüsant ist. Die Cyberwelt wird sehr skurril und rasant dargestellt, aber auch die Handlung in der realen Welt funktioniert sehr gut und hat einen angenehmen Handlungsverlauf.

Ryan Reynolds rockt. Natürlich lebt er auch in "Free Guy" ein Stück weit seine "Deadpool"-Masche aus, but come on: das will doch eigentlich auch jeder so. Als Guy spielt er zwar eine total liebenswürdige und sehr witzige Figur, bei der es permanent Spaß macht, ihr zuzusehen, aber ab und zu blitzt der anarchische Zynismus durch, der Reynolds in letzter Zeit so charmant macht. Auch Jodie Comer passt hervorragend in diese Welt und besonders ihre Geschichte in der realen Welt wird interessant erzählt. Nicht nur mit Ryan Reynolds hat sie eine großartige Chemie, auch mit Stranger Things Star Joe Keery, der hier ebenfalls großartig aufspielt, ergibt sie ein perfektes Team. Klar, die gesamte Lovestory ist etwas altbacken und generisch, aber immerhin ist sie nicht so penetrant inszeniert. Der absolute Showstealer ist aber Taika Waititi, der hier der heimliche Star als Antagonist ist. Der Kerl ist einfach ein Comedy-Gott und fast alles was er macht und sagt ist zum brüllen komisch. Als völlig überzogener Boss ist er urkomisch und seine Sprüche wirken fast alle improvisiert. Es gibt auch einige Easter Eggs und den ein oder anderen Gastauftritt. Besonders ein zweisekündiger Cameo Auftritt ist ein echter Geniestreich.

Regisseur Shawn Levy gelingt mit "Free Guy" wohl die Blockbuster-Überraschung des Jahres. Nach eher mäßigen Trailern entpuppt sich die Action-Komödie nämlich als großer Spaß für alle Gamer, da es der Film im Gegensatz zu vielen anderen Videospielverfilmungen schafft, das Gaming-Gefühl auf die Leinwand zu transportieren. Sicherlich kann man sich an der simplen Helden-Geschichte stören und die US-Youtuber hätten gerne etwas weniger auftreten dürfen, letzten Endes ist "Free Guy" jedoch dank seiner toll-aufgelegten Stars und unzähligen gelungenen Gags ein großer Spaß. Zumal der Film den Cameo-Auftritt des Jahres besitzt. Wer jedoch mit Videospielen nichts oder nur wenig am Hut hat, dürfte sich mit dem Film deutlich schwerer tun, da viele Anspielungen einfach nicht verstanden werden. Alle Gamer dürfen sich "Free Guy" jedoch nicht entgehen lassen.

8/10

Von TWENTIETH CENTURY STUDIOS erschien der Film exklusiv bei zavvi UK auch im limitierten Steelbook in 4K Ultra-HD: 

Quellen
Inhaltsangabe: Twentieth Century Studios / Disney+

Sonntag, 29. Dezember 2019

Phantasm - Das Böse (1979)

https://www.imdb.com/title/tt0079714/

Nach einer Beerdigung beobachtet Mike, wie ein angsteinflößender Mann, der „Tall Man", mit bloßen Händen den Sarg wegschleppt. Mike verfolgt den Tall Man und findet heraus, dass dieser, bewacht von silbernen, fliegenden Kugeln, im inneren eines Mausoleums, tote menschliche Körper zu teuflische Zwergsklaven werden lässt und diese mittels eines Dimensionstors in eine unbekannte Welt transportiert. Mike berichtet seinem Bruder und dessen Freund von diesem grauenvollen Treiben. Zusammen beschließen sie, diesen Grausamkeiten ein Ende zu bereiten. Kurz darauf werden sie von dem Tall Man und seinen Kreaturen erbarmungslos gejagt. Für die drei Freunden stellt sich die Frage, wie kann man etwas töten, was nicht von dieser Welt oder bereits tot ist?

Don Coscarellis Gruselklassiker "Phantasm" besticht auch heute noch mit seinem surrealen, träumerischen und geisterbahnartigen Charme. Für Zuschauer der jüngeren Generation ist das sicher alles ziemlich Retro, aber wer was mit "Stranger Things" anfangen konnte, wird seine Freude an diesem so großartigen Stil wiederentdecken. "Phantasm" erzählt eine simple, aber fantasievolle Geschichte, die mit guten Ideen punkten kann. Die Story ist für die Epoche des Kinos typisch und auch die Inszenierung ist unverkennbar. Spezial Effekte und Musik verleihen dem Streifen zusätzlich den Charme den er einfach haben muss. Dazu gibt es solide Darsteller zu sehen und eine Figurenzeichnung, die ihren Zweck zumindest erfüllt. Handwerklich wurde der Film sehr ansprechend umgesetzt und ein paar Szenen sind schon echt kultig. Für den geneigten Horrorfan gibt es auch ein paar nette blutigen Effekte zu bestaunen. Nur sollte man sich aufgrund der mittlerweile aufgehobenen Beschlagnahmung nicht auf allzuviel Splatter einstellen, denn brutal ist "Das Böse" nun wirklich kaum. Aber die Atmosphäre hat das gewisse Etwas und man kann diesen Horrorfilm schön ernst nehmen. Daraus entsteht ein hoher Unterhaltungswert.

Highlight des Films ist aber auf jeden Fall Angus Scrimm als "Das Böse". Er und sein bösartiges Zwergengefolge jagen einem einen ordentlichen Schauer über den Rücken. Kurz und gut: "Phantasm" sollte man sich nicht entgehen lassen, den irgendwie gehört er auch zu den ganzen Horrorklassikern, die man als Filmliebhaber eigentlich in sein Herz schließen müsste. Gerade Fans von altmodischen Horrorfilmen, die etwas in Richtung Fantasie gehen, sollten "Phantasm" auf jeden Fall gesehen haben.

7/10

Von KOCH Films erschien der Film im limitierten Mediabook. Dieses beinhaltet den ungeschnittenen Film auf Blu-ray und DVD, sowie jede Menge Bonusmaterial.

Quellen
Inhaltsangabe: Koch Films

Dienstag, 30. Mai 2023

Air - Air: Der große Wurf (2023)

https://www.imdb.com/title/tt16419074/

Anfang der 1980er-Jahre ist Nike-Mitarbeiter Sonny Vaccaro (Matt Damon) davon überzeugt, dass seine Firma das aufstrebende Basketball-Talent Michael Jordan unter Vertrag nehmen sollte. Doch sein Boss, Nike-Gründer Phil Knight (Ben Affleck), ist skeptisch. Eine derartige Rekordsumme für einen jungen Spieler auf den Tisch legen, der noch keine einzige Minute in der Spitzenliga NBA gespielt hat? Doch Vaccaro hat große Pläne, will sogar einen eigenen Schuh für den Jungstar konzipieren. Und die Zeit drängt, baggert doch auch die deutsche Konkurrenz von Adidas an Jordan. Der ist sich noch nicht sicher, wo und ob er unterschreiben soll. Doch Vaccaro hat ein Ass im Ärmel: Er hat erkannt, dass Jordans Mutter Deloris (Viola Davis) der Schlüssel zu seinem Erfolg ist. Für welches Unternehmen das Basketball-Wunderkind künftig auflaufen wird, hängt auch von ihrer Meinung und ihrem Rat an ihren Sohn ab. 

Nach sechs Jahren kehrt Ben Affleck auf den Regiestuhl zurück, um das, was ein trockenes Vorstandsdrama hätte sein können, in ein interessantes, spannendes, wohltuendes Stück über die Entstehung der Marke Air Jordan bei Nike zu verwandeln. Der Film, der von Debüt-Drehbuchautor Alex Convery geschrieben wurde, dreht sich um die angeschlagene Nike-Basketballabteilung im Jahr 1984 und konzentriert sich auf die Bemühungen des Talentscouts Sonny Vaccaro (Matt Damon), der einen mutigen Plan ausheckt, um den aufstrebenden Starspieler Michael Jordan (Damian Delano Young) anzuwerben.

"Air" lässt den Zuschauer in das Jahr 1984 eintauchen: eine Montage von Archivmaterial aus diesem Jahr, untermalt mit einer Soundbrücke von Dire Straits' elektrisierendem "Money For Nothing", mehrere Zwischensequenzen zu verschiedenen Erinnerungsstücken an das Jahrzehnt wie Retro-Müsli und Faxgeräte, ein nostalgischer Soundtrack zum Mitwippen, der das Erlebnis untermalt. Einiges davon funktioniert wirklich gut, wie z. B. der euphorische Einsatz von Cyndi Laupers "Time After Time" und der emotionale Höhepunkt, der in Form von Bruce Springsteens "Born In The USA" kommt. Aber manches ist unbeholfen und klanglich schrill. Manchmal hat man das Gefühl, dass der Nostalgiefaktor erzwungen wird, um den Wohlfühlton des Films aufrechtzuerhalten, damit man während der dialoglastigen Geschäftsbesprechungen unterhalten wird. Dies spiegelt den aktuellen Trend der 80er-Jahre-Nostalgie in Film und Fernsehen wider, wobei "Stranger Things" im Jahr 2016 der Auslöser war. Es handelt sich um eine Formel, die inzwischen ziemlich abgestanden ist.

Oberflächlich betrachtet mag ein Film über die Führungskräfte einer Sportbekleidungsmarke im Wesentlichen ein zweistündiges Geschäftsmeeting sein, aber "Air" bedient sich all der aufregenderen Konventionen des typischen Sportfilms. Im Kern geht es um eine Underdog-Geschichte, in der "Nike Basketball" die Underdogs der Sportartikelbranche sind. Sie sind unterfinanziert (in einem Unternehmen, das über eine Milliarde Dollar wert ist) und eine Lachnummer im Vergleich zu den erfolgreicheren Abteilungen der konkurrierenden Marken Adidas und Converse. Ihr "Team" besteht aus dem mutigen Vaccaro, dem sensiblen Rob Strasser (Jason Bateman), dem exzentrischen Pete Moore (Matthew Maher) und dem komödiantischen Howard White (Chris Tucker). Sie werden von dem spirituellen Nike-CEO Philip Knight "gemanagt", der von Ben Affleck selbst gespielt wird. Diese Mischung aus Persönlichkeiten, die durch das dynamische Drehbuch von Alex Convery und ein hervorragendes Ensemble von Nebendarstellern noch verstärkt wird, schafft ein Team, mit dem man mitfiebern kann, auch wenn sie das rücksichtslose Spiel des großen Geschäfts spielen.

Der Fokus auf die geschäftliche Seite des Sports zieht Vergleiche zu anderen Publikumslieblingen wie "Jerry Maguire". In beiden Filmen geht es um eine Sportperson in einer Führungsposition - Trainer bzw. Agent - und ihre Beziehungen zu den Sportlern, mit denen sie zu tun haben. Obwohl die gleiche Prämisse auf Air angewendet werden kann, verfolgt Afflecks Regie einen anderen, eher polarisierenden Ansatz. Auch in "Jerry Maguire" sind die Sportler Figuren mit eigener Handlungsmacht innerhalb der Erzählung. In "Air" wird uns das Gesicht des fiktiven Michael Jordan nie gezeigt, stattdessen verwendet Affleck Archivmaterial des echten Jordan und seiner Leistungen, um diese verehrte Figur im Film zu erschaffen.

"Air" ist kein Biopic über Michael Jordan, es ist ein Biopic über die Jumpman-Silhouette, die in jedes einzelne Paar Air Jordan-Schuhe eingenäht ist, die Jordan und Nike berühmt gemacht haben. Es ist eine Geschichte darüber, wie Design, Marketing und Geschäft Hand in Hand gehen, um einen relativ unbekannten Basketballspieler in eine amerikanische Ikone zu verwandeln.

Das Herzstück von "Air" ist das Drehbuch, denn Converys Arbeit ist temporeich und straff und lässt den Film wie ein Kapitel einer Miniserie über Jordans Karriere und sein Vermächtnis wirken. Trotz der vielen Fachausdrücke aus Wirtschaft und Sport ist die Handlung einfach genug, um von einem breiten Publikum verstanden zu werden. Die größte Stärke des Drehbuchs ist die Darstellung der Beziehungen zwischen Vaccaro, Jordans Agent David Falk (Chris Messina) und Jordans Mutter Deloris (Viola Davis). Falk stellt ein Hindernis für Vaccaro dar und gibt den ersten Einblick in Jordans negative Gefühle gegenüber Nike. Von da an kontrastiert Damons Jedermann-Darstellung von Vaccaro brillant mit Messinas knallhartem, schlecht gelauntem Sportagenten und verwandelt Falk von einem bloßen Hindernis in der Geschichte in eine denkwürdige Figur, die man gleichzeit liebt und hasst.

Einer der denkwürdigsten Momente von "Air" ist der leidenschaftliche Monolog von Damon als Vaccaro. Er erzählt Jordan, wie der Schuh es Menschen auf der ganzen Welt ermöglichen wird, ihr eigenes Stück von Jordans Größe zu besitzen und ihrem Leben einen Sinn zu geben. In dem Film geht es nicht um den Menschen Michael Jordan, sondern um den Mythos und die Legende von Air Jordan. "Air" ist genau wie die Schuhe eine weitere Möglichkeit für den interessierten Zuschauer, einen Blick auf Jordans transzendente Magie zu erhaschen.Und dann ist da noch Deloris Jordan, die das Herz des Films inmitten all der schnelllebigen und knallharten Aspekte der Geschäftswelt darstellt. Während Falk die Interessen Jordans im Auge hat, ist Deloris die einzige Figur, deren oberste Priorität das Glück und die Stabilität ihres Sohnes ist. Davis, der von Michael Jordan persönlich ausgewählt wurde, liefert eine hervorragende Leistung ab, indem er jeden von uns und Vaccaro auf den Boden der Tatsachen zurückholt, um uns daran zu erinnern, dass kein Geld und keine Schmeichelei die Grundprinzipien von Respekt und Höflichkeit außer Kraft setzen können. In der ersten Szene, in der man Deloris kennen lernen, zeigt sie Vaccaro einen Baum, der schon seit Hunderten von Jahren im Haushalt der Jordans steht, was in scharfem Kontrast zur kalten, unternehmerischen Umgebung der Nike-Büros steht. Deloris erinnert einen  daran, dass dies keine einfache Geschichte über einen Außenseiter ist, sondern eine Geschichte über den Schutz der Interessen derjenigen, die man liebt, damit sie wachsen und über unsere Lebenszeit hinaus weiterleben können, so wie es der Baum tun wird.

"Air" ist ein leichter, temporeicher Film, der zwei Stunden wie im Flug vergehen lässt. Er lässt einen mit dem Gedanken zurück: "Wow, ich kann nicht glauben, dass ich so viel in ein Paar Schuhe investiert habe!". Er unterläuft das traditionelle Vorstandsdrama und unterhält den Zuschauer mit einer Mischung aus komödiantischen Einzeilern und herzlichen Monologen, die alle mit vertrauter 80er-Nostalgie durchsetzt sind. Um es mit Vaccaros Worten zu sagen: "Air Jordan... das ist verdammt fantastisch."

8/10

Quellen:
Inhaltsangabe
: amazon Video

Montag, 5. Dezember 2022

My Best Friend's Exorcism - Der Exorzismus der Gretchen Lang (2022)

https://www.imdb.com/title/tt7830806/

1988 sind Abby (Elsie Fisher) und Gretchen (Amiah Miller) die besten Freunde der Welt. Die beiden kennen sich seit ihrer Kindheit, als Gretchen als Einzige zu Abbys E.T.-Themenparty kam. Seitdem sind sie unzertrennlich und bewältigen gemeinsam schulische, familiäre und soziale Probleme. Als sie eines Abends beschließen, an einer Party teilzunehmen, auf der sie mit Drogen experimentieren, nimmt ihr Leben eine seltsame Wendung: Gretchen verschwindet für ein paar Stunden im Wald, und als sie zurückkehrt, ist sie ein völlig anderes Mädchen, immer launisch und reizbar. Obwohl dies für viele ein normales Zeichen des Erwachsenwerdens ist, ist sich Abby sicher, dass ihr Ausflug in den Wald etwas damit zu tun hat, und ihre Neugier führt dazu, dass sie nachforscht und glaubt, dass ihre Freundin von einem Dämon besessen ist. 

Kaum zu glauben, dass das mittlerweile eher langweilige Thema "Exorzismus" beim Zuschauer einen "Feel-Good-Effekt" auslösen könnte. Ein ganz anderer Ansatz in diesem Bereich, doch "Der Exorzismus der Gretchen Lang" schafft genau das. Der Film beginnt wie ein Slasher Movie aus den 80ern an, wobei er auch zeitlich genau dort angesetzt ist. Teenies fahren am Wochenende zum See und feiern dort. Diesmal haben sie es aber nicht mit der Gesellschaft eines Psychopathen zutun, sondern mit etwas Übernatürlichem. Das Verhalten der Teenies ist aber ähnlich albern wie bei den alten Slashern. Der Retro-Look weiß zu überzeugen, auch die passende Musik sorgt für Stimmung. Die Schauspieler sind neu und unverbraucht. Die Story selber ist eine Mischung aus "Stranger Things", alte Slasher Klassiker und "Der Exorzist", wobei der Humor hier an vorderster Stelle steht. Ab und an sorgen ein paar Horroreinlagen für einen kurzen Gruselmoment aber ansonsten ist der Streifen, was Grusel angeht, eher etwas für die jüngere Zielgruppe.Damit wird aus "Der Exorzismus der Gretchen Lang" eine überraschend gute Amazon Produktion mit coolem 80s Look, schrillem 80s Sound und schräger Story. Wirklich unterhaltsam, wenn auch nicht der ganz große Wurf.

6,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe
: amazon Video

Mittwoch, 25. Oktober 2017

Super Dark Times (2017)

http://www.imdb.com/title/tt5112578/

Zach (Owen Campbell) und Josh (Charlie Tahan) sind beste Kumpels, die in den 90er Jahren in einem idyllischen, aber auch recht ereignislosen New Yorker Vorort aufwachsen. Die beiden sind unzertrennlich und fristen ihr Dasein hauptsächlich damit, mit BMX-Rädern durch die Gegend zu gondeln, Videospiele zu spielen und ihre Klassenkameradin Allison (Elizabeth Cappuccino) anzuschmachten. Als sie eines Nachmittags mal wieder auf der Suche nach Zerstreuung sind, ziehen sie gemeinsam mit ihren Mitschülern Daryl (Max Talisman) und Charlie (Sawyer Barth) und dem Samuraischwert von Joshs älterem Bruder im Gepäck in den Wald, um dort Milchkartons zu durchtrennen. Doch kommt es dabei zu einem tragischen Unfall, nach dem die Freundschaft zwischen Josh und Zach plötzlich nicht mehr das ist, was sie einmal war...

"Coming-of-Age"-Filme sind ja aktuell wieder voll im Trend. Und auch Serien über Jugendliche, wie zum Beispiel die im Juli 2016 vom Streamingdienst Netflix produzierte Serie "Stranger Things", die ihre Geschichte mit Horror- und Mysteryelementen garniert und so zum Überraschungshit wurde, flimmern über viele heimische Bildschirme. Der aktuelle Kinohit "Es" oder die Serie "Twin Peaks", die im Frühjahr 217 eine Renaissance erfuhr, spielen ebenfalls in dieser Liga. Und auch "Super Dark Times" von Kevin Phillips, welcher mit diesem Streifen sein Spielfilmdebüt abliefert, ist ähnlich gelagert. Eine etwas merkwürdige Einleitungsszene gibt die düstere Stimmung vor, die den Zuschauer für die kommenden einhundert Minuten lang begleiten wird, aber schnell wird dies beiseite geschoben und eine humorvolle Jugendgeschichte gezeigt. Die atmosphärische Inszenierung, sowie gute Dialoge sorgen dafür, dass man schnell in die Welt der Teenager eintauchen kann. Sie sind beste Freunde. Immer sieht man Zach (Owen Campbell) und Josh (Charlie Tahan) zusammen. Sie gehen zusammen zur Schule, verbringen ihre Nachmittage in dem New Yorker Vorort damit, nicht wirklich etwas zu tun und träumen davon, der hübschen Allison (Elizabeth Cappuccino) irgendwie näherzukommen. Und da sind da noch zwei weitere Jungs, die sich an ihre Fersen heften: Daryl (Max Talisman) und Charlie (Sawyer Barth). Die gemeinsame Zeit der Vier ist tatsächlich aufregend, wenn auch bald auf weniger schöne Weise: sie bekommen sich mächtig in die Haare, als sie den Kram von Joshs älterem Bruder durchwühlen und als dieser Streit eskaliert, ändert sich für sie alles; selbst die Freundschaft zwischen Zach und Josh wird auf eine harte Probe gestellt.

Dabei kann doch schon die Zeit als Jugendlicher ein ständiger Albtraum sein: dauernd muss man sich in der Schule mit Dingen befassen, die keinen Menschen interessieren, alles ist irgendwie schwierig, der Körper bekommt seinen eigenen Kopf, von dem aufregenden Ding, der die erste große Liebe ist, mal ganz zu schweigen. Aber selten war der Albtraum wohl derart wörtlich zu verstehen wie bei "Super Dark Times". Nur dumpf gesprochen wird während der ersten Momente, keiner weiß so recht, wie er mit der Eingangssituation umzugehen hat. Und diese Situation wird später ganz ähnlich sein, auch wenn der Film erst einmal sehr harmlos anmutet. Zach und Josh stellen sich dem Publikum vor, indem sie durchs Jahrbuch der Schule blättern, überlegen, wer von den Mädels am hübschesten ist und wer an welchem Ort es wem besorgen würde. Das ist zum Fremdschämen peinlich, aber eben auch typisch für Jungs in dem Alter, die das erste Mal so richtig in den Hormonstrudel geraten. Allgemein zeigt Phillips ein geradezu unheimliches Gespür für die authentische Darstellung von Jugendlichen. Auch wenn die Rollen eher typisch klar verteilt sind - der Nette, der Außenseiter, der Dicke, der Nerd - hat man nie den Eindruck, eine bloße Drehbuchkreation vor sich zu haben. Die Art und Weise, wie sie miteinander reden, gern cooler wären als sie sind, im entscheidenden Moment dann aber doch versagen, das macht sie auf eine sehr sympathische Weise menschlich. Auf den Punkt gespielt von den Nachwuchsdarstellern, absolut authentisch, ist "Super Dark Times" über weite Strecken geradezu ein Musterbeispiel für einen neumodischen Jugendfilm.

Wäre da nicht der tragische Zwischenfall, der alles auf den Kopf stellt. Den Vergleich mit "Stand By Me" kann "Super Dark Times" kaum vermeiden. Er muss ihn aber auch nur bedingt fürchten: wo die Verfilmung der Stephen-King-Geschichte mit der nostalgischen Erinnerung an die 50er spielte, sind es hier die 90er, die den Hintergrund der Geschichte liefern, passender Soundtrack inklusive. Die alternativ angehauchte Musik, welche damals den Mainstream erreichte, unterstreicht das Gefühl, es hier mit Jungs zu tun zu haben, die nicht so ganz in das alles hineinpassen. Keine Außenseiter, nicht wirklich. Aber eben auch keine Jungs, die die Welt im Sturm erobern. Es ist dann fast schon schade, wenn "Super Dark Times" sich später von diesen Elementen löst, um stärker in den Genrebereich einzudringen. Das latente Gefühl der Bedrohung intensiviert sich, die karg-frostige Landschaft wird zunehmend Austragungsort von Angst und Paranoia. Streckenweise ist das spannend, zumal auch da die Figuren im Mittelpunkt bleiben. Die Geschichte einer auseinanderbrechenden Freundschaft hätte die Horroranleihen aber gar nicht gebraucht. Denn auch das gehört zum Aufwachsen dazu, das Verändern, das Auseinanderdriften, die Erkenntnis, dass nicht auf dieser Welt tatsächlich Bestand hat, so sehr man das auch als junger Mensch noch glauben mag. Aber auch wenn die zweite Hälfte des Films nicht an die erste heranreicht, sie ein wenig unkonzentriert umherirrt, so ist das Werk insgesamt doch ein schöner Indie-Tipp, den sich Freunde von Dark Dramas nicht entgehen lassen sollten.

Selbst der Zwischenfall und seine Folgen werden lange Zeit glaubwürdig und nachvollziehbar erzählt, ohne dabei die Spannungsmomente aus den Augen zu lassen. Leider entwickelt sich der Film ein wenig vorhersehbar und überdreht im letzten Akt zudem noch etwas. Dennoch macht die Geschichte so viel richtig, dass die Zuschauer auch während der wenigen schwächeren Phasen nicht verloren gehen. Wie bei einigen vergleichbaren Werken ist auch hier ein gelungenes Casting der Schlüssel zu einem guten Film. Gerade Owen Campbell, der als von seinem Gewissen gebeutelter und bei Frauen äußerst ungeschickter Zach die zentrale Rolle spielt, weiß zu gefallen. Charlie Tahan spielt ordentlich, hätte allerdings etwas subtiler agieren können und Elizabeth Cappuccino deutet als süße Mitschülerin der Protagonisten eine gute Leinwand-Präsenz an, sodass man auf weitere Filme mit ihr gespannt sein darf. Kurzum: bei "Super Dark Times" funktioniert nicht alles. Aber Kevin Phillips legt hier ein beachtliches Erstlingswerk hin. Mit einem Jugenddrama, dass immer mehr die Kurve zum Psychothriller nimmt, zeigt er einen stimmungsvollen Genre-Beitrag, der auch wegen seiner unverbrauchten Darsteller überzeugen kann.

7/10

An dieser Stelle gebührt INDEED Film mein Dank, die mir den Film schon vorab zum Review zur Verfügung gestellt haben. Der Streifen kommt am 17. November als DVD und Blu-ray in die Läden. Von INDEED FILM erschien der Film im "2 Disc Limited Collector's Mediabook".

Donnerstag, 28. September 2017

It - Es (2017)

http://www.imdb.com/title/tt1396484/

Die Kinder Bill Denbrough (Jaeden Lieberher), Richie Tozier (Finn Wolfhard), Eddie Kaspbrak (Jack Dylan Grazer), Beverly Marsh (Sophia Lillis), Ben Hanscom (Jeremy Ray Taylor), Stanley Uris (Wyatt Oleff) und Mike Hanlon (Chosen Jacobs) leben in einer Stadt namens Derry im US-Bundesstaat Maine, in der immer wieder Menschen verschwinden – sowohl Erwachsene, als auch vor allem Minderjährige. Im Laufe eines Sommers erfahren die Kinder schließlich von einer monströsen Kreatur, die Jagd auf Menschen macht und sich in die schlimmsten Alpträume ihrer Opfer verwandeln kann. Meistens tritt das Biest jedoch in Form des sadistischen Clowns Pennywise (Bill Skarsgård) auf. Die sieben Kinder wachsen nach und nach zu einer eingeschworenen Gemeinschaft zusammen, dem "Club der Verlierer"/"Loser Club", und schwören, die Kreatur zu vernichten, die Bills Bruder Georgie (Jackson Robert Scott) auf dem Gewissen hat...

Nach der großzügig verschenkten Chance, mit "Der dunkle Turm" eine weitere gelungene King-Verfilmung zu adaptieren, ist das Remake des 1990er TV-Zweiteilers "Es" endlich ein Lichtblick und die große Hoffnung, dass es da draußen doch noch Regisseure gibt, die es schaffen, einem Roman (auch erneut) Leben einzuhauchen. Schon "Es" von 1990 war ein großartiger Film, wenngleich es dort aufgrund Budget und einem relativ schlaffen zweiten Teil Minuspunkte gab. Doch das war irgendwie auch "Meckern auf hohem Niveau", denn "Es" hatte einfach die richtige Atmosphäre, perfekte Darsteller und - das sollte man nicht unter den Tisch kehren - einen großartigen Tim Curry als Pennywise, den tanzenden Clown.

Nun übernahm, nach einigem Hin und Her, einem Wechsel des Regisseurs und mehreren Anläufen, Andy Muschietti das Projekt der Neuverfilmung und liefert mit dem 2017er "Es" einen lupenreinen Grusel-/Horrorfilm ab, der das Zeug zum Gernevertreter des Jahres hat. Muschietti macht aber auch nahezu alles richtig: er vergreift sich nicht an dem alten Film, sondern hommagiert diesen sogar, kehrt Currys Darstellung des Pennywise nicht unter den Tisch, sondern würdigt diesen sogar in einer Szene und suchte sich Jung-Darsteller, die einerseits Fans des TV-Zweiteilers mehr als zufrieden stellen, als auch neues Publikum ansprechen dürften. Der "Club der Verlierer"/"Loser Club" ist hier wie da einfach perfekt besetzt, aber hier sticht am meisten Sophia Lillis als Beverly Marsh hervor, da sie die tragischste Hintergrundgeschichte hat. Von ihrem eigenen Vater sexuell missbraucht ist sie trotzdem ein starkes und selbstbewusstes Mädchen geblieben, das sich nicht aufgibt. Bei ihr kann man nur hoffen, dass sie in Zukunft noch mehr solch ausdruckstarke Rollen spielen wird, denn sie ist trotz ihres jungen Alters nicht nur verdammt talentiert, sondern hat auch eine wahnsinnig tolle Ausstrahlung. Ebenfalls positiv auffallen kann Finn Wolfhard als Richie Tozier, der hier einen ganz anderen Charakter spielt als in "Stranger Things" und das ist - angesichts des Alters - bewundernswert wie vielseitig er ist. Sein Charakter sorgt für die meisten Lacher, die aber auch Kings derber Schreibweise zuzuordnen sind und welche hier sehr gut übernommen wurde. Jaeden Lieberher kann als Bill Denbrough ebenfalls mehr als  überzeugen und man kann seinen Schmerz über den Verlust seines kleines Bruder Georgie (ebenfalls berührend gut: Jackson Robert Scott) sehr gut nachempfinden. Leider bleiben die Figuren Stan Uris (Wyatt Oleff) und Mike Hanlon (Chosen Jacobs) etwas blass. Ben Hanscom (Jeremy Ray Taylor) hingegen erfährt eine Charkteränderung, denn in diesem "Es" ist er es, der mehr über die Geschichte von Derry in Erfahrung bringen will und auch das Interesse dafür zeigt (in der 1990er TV-Verfilmung war es Mike Hanlon). Vermutlich wollte man so seinem Charakter etwas mehr Tiefe und Liebenswürdigkeit verleihen. Auch die Rowdys Henry Bowers (Nicholas Hamilton) und seine Handlanger sind perfekt nach 2017 transportiert und obwohl man über sie auch hier wenig bis nichts über ihre Motivation erfährt, sind sie wohl einfach nur böse und gemein. Hauptproblem ist wohl, dass die Clique rund um Henry Bowers auch relativ wenig Screentime bekommen hat.

Aber der Hauptcharakter ist zweifelsohne Bill Skarsgård als Pennywise. Seine Darstellung des tanzenden Clowns ist grandios. Fies, absolut bösartig, total abgedreht und irre und man kommt nicht umhin, seine Darstellung des tanzenden Clowns Pennywise einfach nur zu honorieren. Auch wenn oft mit CGI gearbeitet wurde, hat er doch einige Szenen, die einem das Mark in den Knochen gefrieren lässt. Besonders eine Szene hat es in sich, in der man ihn gar nicht erwartet und einen sein krachender Auftritt kalt erwischt. Gerade noch ist der Zuschauer am Boden und fühlt mit dem Charakter, der so schlimmes erleben musste, mit, da bricht er in die Szenerie und reisst diese an sich. Hut ab, so sehr erschrocken habe ich mich schon lange nicht mehr. Aber auch einige andere Szenen jagen einem wohlige Schauer über den Rücken, auch wenn sich diese dem erfahrenen Grusel-/Horrorfilmgucker und aufmerksamen Beobachter ankündigen. Selbst die Jump-Scares werden in dieser Beziehung passend eingesetzt und wirken überhaupt nicht aufdringlich oder deplatziert. Auch ist "Es" im Vergleich deutlich brutaler und blutiger geworden, manchmal sogar so sehr, dass eine Szene den einen oder anderen sicher an das Remake von "Evil Dead" erinnert. Furchtbar ist auch die Tötung von Georgie, die den Zuschauer ganz kalt erwischt. Vor allem diejenigen, die noch den TV-Film im Hinterkopf hatten und seinen Tod vielleicht auch so erwartet hätten.

Positiv hervorzuheben ist damit einhergehend auch der Filmscore, der eingänglich ist und im Kopf bleibt, vermutlich auch deswegen, weil er sich Composer Benjamn Wallfisch an Themen von Richard Bellis bedient und diese geschickt transportiert. So bleiben vor allem "Every 27 Years" und "Beverly" beim Zuschauer hängen. Abschließend kann man nur betonen, dass die durch den Trailer so hoch angesetzten Erwartungen voll und ganz erfüllt werden. "Es" ist eine mehr als gelungene Neuinterpretation des Buchs von Stephen King und sogar einen Ticken besser als die 1990er TV-Verfilmung. Der "Loser Club" ist ganz klar die größte Stärke des ganzen Films, es gibt so viel Tiefe, Emotionen, Drama und Humor, gespickt mit Horrorelementen. Die perfekte Mischung. Das kann man kaum von einem anderen Horrorfilm sagen. Hier muss man sich mancher sicher sogar die eine oder andere Träne verdrücken. Bleibt nun noch das Warten auf Kapitel Zwei.

8,5/10

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