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Samstag, 9. März 2019

The Maze Runner - Maze Runner: Die Auserwählten im Labyrinth (2014)

https://www.imdb.com/title/tt1790864/

Eines Tages wacht Thomas (Dylan O'Brien) in einem Aufzug auf, aber das einzige, woran er sich erinnern kann, ist sein Vorname. Seine gesamten restlichen Erinnerungen sind verschwunden. Er stellt fest, dass er nicht allein ist: Als sich die Aufzugtür öffnet, strömen weitere Teenager-Jungs auf ihn zu und begrüßen ihn. Der Ort, an dem er angekommen ist, nennt sich „die Lichtung“ und wird von einer großen Steinwand umschlossen. Genau wie Thomas wissen auch die anderen nicht, warum sie dort sind und wie sie dorthin gelangt sind. Sie wissen nur, dass sich jeden Tag große Türen in der Steinwand zu einem Irrgarten öffnen, der hinter den Mauern liegt. Nachts schließen sich die Türen wieder und alle 30 Tage wird ein neuer Jugendlicher mit dem Aufzug gebracht. Das ist zunächst alles, was Thomas in Erfahrung bringen kann. Als eines Tages ein Mädchen (Kaya Scodelario) den mysteriösen Ort erreicht, ist dies eine Sensation, denn sie ist das erste weibliche Mitglied der aus 60 Personen bestehenden Gruppe. Jeder einzelne hat eine bestimmte Aufgabe - einige werden ausgewählt, durch das Labyrinth zu laufen und den Verlauf der Mauern aufzuzeichnen. Doch im Irrgarten scheinen sie nicht allein zu sein...

Beginnt ganz stark, baut aber zum Ende hin etwas ab und damit blieb diese Science-Fiction-Dystopie letztendlich nach dem großartigen Trailer etwas hinter den hohen Erwartungen zurück, überzeugen konnte der Film trotzdem. Zum Einen zeichnen sich dafür Wes Balls Inszenierungsstil und zum Anderen die Schauspielerleistungen verantwortlich. Wes Ball gelingt es, die dystopische Thematik in beeindruckenden Bildern einzufangen und die Handlung sinnvoll aufzubauen. Zu Beginn wird man als Zuschauer direkt Hals über Kopf in das Filmgeschehen geworfen, zusammen mit dem Hauptcharakter Thomas muss man sich zunächst erstmal orientieren. Danach schildert Ball ausführlich, wie das Leben im Labyrinth aussieht und wie sich aus dem Jungentrupp eine funktionierende Gesellschaft entwickelt hat. Das ist spannend und vor allem interessant. Garniert werden diese Schilderungen durch großartige visuelle Effekte. Die Welt des Labyrinths ist sehr atmosphärisch. Reiz an der Handlung entsteht vor allem aus der Unwissenheit der Protagonisten. Die Unterschiede der Charaktere sorgen für einige gruppendynamische Konfliktsituationen. Durch das Auftreten von Thomas treten schnell die ersten Probleme und Veränderungen auf. Natürlich sind manche Wendungen vorhersehbar, aber nichtsdestotrotz war ich stets aufs neue angefixt, und wollte mehr über die Ereignisse erfahren. Darüberhinaus vermag es Ball, die Renn- und Actionszenen mit solch einer Spannung zu inszenieren, dass dies die paar Vorhersehbarkeiten locker wett macht.


Der Cast von "The Maze Runner" trumpft vor allem deshalb auf, weil er zum Großteil mehr oder weniger unbekannt ist. Thomas Sangster kennt man schon aus der Erfolgsserie "Game of Thrones" und Will Poulter hat sich hier vom großartig-nervigen Eustachius Knilch aus dem dritten "Die Chroniken von Narnia"-Teil zu einem fiesen und bulligen Antagonisten gemausert. Der Rest des Casts ist (noch) unbekannt, macht seinen Job aber genauso gut (vor allem Dylan OBrien als Thomas). Die Chemie in der Truppe stimmt einfach und gerade für solch eine Thematik ist das sehr wichtig.



Als dystopischer Science-Fiction-Film für Jugendliche muss sich "The Maze Runner" zwangsläufig den Vergleich mit der "Tribute von Panem"-Reihe gefallen lassen und hier zeigen sich dann klar die Schwächen des Films. Die "Tribute von Panem"-Reihe wirken von ihrer Machtart her reifer, düsterer und brutaler. Sicherlich bietet "The Maze Runner" die ein oder andere Gewalt- oder Horrorszene, im Großen und Ganzen bleibt der Film jedoch eher harmlos. In der "Tribute von Panem"-Reihe wurde ja wirklich der letzte mögliche Krümel aus der PG13-Beschränkung herausgepresst. Des Weiteren hapert es an der emotionalen Bindung zu den Charakteren. Direkt egal sind einem die Figuren zwar nicht, aber wirklich mitfühlen kann man nur mit wenigen Charakteren. Da war die emotionale Bindung in der "Tribute von Panem"-Reihe bedeutend stärker ausgeprägt. Eindringliche Musikuntermalung war in "The Maze Runner" mit Ausnahme der Endszene ebenfalls kaum vorhanden.

Als sich die Handlung zum Ende hin etwas auflöst verliert der Film etwas am Reiz. Die Logiklöcher darf man nicht allzu sehr hinterfragen. Dann ist man am Ende selber in einem Labyrinth aus Widersprüchen gefangen. Die Jungdarsteller machen ihren Job gut. Die CGI-Monster sind nicht immer gut getroffen. Das Lösen des Rätsels war dann doch etwas unlogisch. Der Film macht zumindest Lust auf die weiteren Teile inklusive Cliffhanger am Ende.

7/10

Donnerstag, 14. März 2019

Maze Runner: The Scorch Trials - Maze Runner: Die Auserwählten in der Brandwüste (2015)

https://www.imdb.com/title/tt4046784/

Thomas (Dylan O’Brien) und seine Mitstreiter sind zwar dem Labyrinth entkommen, doch sind sie damit noch lange nicht in Sicherheit. Nachdem sie von der ominösen Organisation WCKD betrogen wurden, wartet mit der Brandwüste direkt die nächste große Herausforderung auf sie. Gemeinsam mit seinen Freunden Minho (Ki Hong Lee) und Newt (Thomas Brodie-Sangster) muss Dylan sich durch die trostlose Landschaft kämpfen – immer mit dem Ziel vor Augen, mehr über die finsteren Pläne des WCKD und seines skrupellosen Leiters Janson (Aidan Gillen) sowie den Grund für die ihnen auferlegten Prüfungen zu erfahren. Dabei treffen sie bald auf eine Gruppe Widerstandskämpfer, denen sie sich anschließen, um den zahlreichen todbringenden Gefahren zu trotzen, die das verbrannte Ödland für sie bereithält, und dessen verborgene Geheimnisse zu lüften...

Nahtlos knüpft sich die Fortsetzung der Maze Runner Trilogie an den Vorgänger an und ist typisch für Jugenbuchverfilmungen auch der temporeichste Film, da alle Charaktere eingeführt sind und man sich langsam zum Ende hinarbeitet. Die unvermeidliche Fortsetzung des überraschend gelungenen Erstlings führt ein neues Szenario ein, bei dem die Grundkonstellation jedoch die gleiche bleibt. Auch hier geht es im Endeffekt darum, diverse Stationen abzuklappern und die Gruppe am Leben zu erhalten. Dylan O'Brien reißt das Zepter umgehend an sich und gibt mehr denn je den Helden, wobei auch die restlichen Figuren ihre Momente abbekommen. 


Tatsächlich geht es hier erstaunlich ruppig zu, ungewöhnlich für eine Literaturverfilmung, denn im Überlebenskampf der Gruppe wird schnell und hart gestorben, die Segmente mit den Zombies sind düster und die Schlachtszene im Finale des Filmes erstaunlich kompromisslos. Es ist schön, dass die Verfilmungen der Maze Runner Bücher nicht weichgespült werden, sondern (besonders hier) einen rauen Ton angeben. Mit seiner Überlänge von knapp 130 Minuten geht dem Film allerdings nach knapp anderthalb Stunden deutlich die Puste aus, während die Narration besonders in diesen stagniert und kaum Zeit hat irgendetwas zu erzählen. Das ist schade, denn so verkommt der Film lediglich zu einer actionlastigen Sause und bleibt oberflächlich in fast allen Belangen.
 

Insgesamt bleibt der Film mit seiner dystopischen Ausgangslage also sehr konventionell (wenn auch inszenatorisch auf hohem Niveau). Er suhlt sich dafür viel zu sehr im Durchschnitt, findet seinen richtigen Flow nicht, versucht ausgerechnet im traditionellen Finale Tiefe aufzubauen, während er vorher mit purer Freude Charaktere sterben lässt. Die guten Actionszenen und die tolle Inszenierung hieven den Film gerade noch über den Durschnitt, sodass auch "Maze Runner: The Scorch Trials" gut konsumiert werden kann. Ein dritter Teil sollte jedoch darauf achten, nicht noch weiter in jene Teenie-Gefilde abzudriften, in denen sich das Gros der Jugendbuch-Verfilmungen von Anfang an befindet.

6/10

Freitag, 29. März 2019

Maze Runner: The Death Cure - Maze Runner: Die Auserwählten in der Todeszone (2018)

https://www.imdb.com/title/tt4500922/

Thomas (Dylan O'Brien), seine Freunde und die Widerstandskämpfer von The Right Arm haben sich der mächtigen Organisation WCKD gestellt und wissen nun, warum die "Auserwählten" so hartnäckig verfolgt werden – in ihnen steckt der Schlüssel zu einem Heilmittel für ein Virus, das "der Brand" genannt wird und dem der Großteil der Menschheit bereits zum Opfer gefallen ist. Nach einem Kampf sind einige von Thomas‘ Freunden in die Hände der Organisation und deren skrupellosen Leiters Janson (Aidan Gillen) gefallen – doch Thomas kann nicht akzeptieren, dass sie zum Wohle anderer ihr Leben lassen sollen, und auch mit der zur Gegenseite gewechselten Teresa (Kaya Scodelario) hat er noch eine Rechnung offen. Mit seinen verbliebenen Mitstreitern macht sich Thomas auf den Weg in die Letzte Stadt, wo WCKD seinen Hauptsitz hat – und dieser Weg führt sie ausgerechnet dorthin, wo alles begann...

Der erste Film konnte dabei sogar Zuschauer außerhalb der Zielgruppe ansprechen und fesselte sie mit enormer Spannung. Doch schon im zweiten Film weichen der Regisseur Wes Ball (*1980) und sein Drehbuchautor T.S. Nowlin eklatant von der Vorlage ab und schufen einen unambitionierten Endzeitfilm mit standardisierten Figuren und Wendungen. Alles was überraschend und neu in der Vorlage ist, wurde herausgestrichen. Von diesem Punkt ausgehend, konnten der Regisseur und seine Mitstreiter nicht mehr zurück. Nach dem großartigen ersten Teil und dem schwachen zweiten schafft der Abschluss trotzdem noch eine kleine Steigerung, der Sprung zu einem wirklich guten Film wird aber auch hier verfehlt. So ist auch der dritte Teil in jeder Hinsicht vorhersehbar, kaum spannend und besitzt viele Logiklücken und andere Fehlstellen, was viel Frustpotential birgt. Die Inszenierung ist großartig, die Handlung weitet sich weiter auf, sodass zunehmend mehr auf dem Spiel steht, allerdings sind viele Situationen arg konstruiert und die wiederholten Rettungsaktionen in letzter Sekunde zuverlässig vorhersehbar. Gegen Ende zieht sich der Film mit melodramatischen Szenen und Antagonisten, die wie üblich lieber schwafeln als ihre Chance zu nutzen.


Zwar ist es wunderbar, dass der Film, das gleiche Ensemble mit wunderbaren Darstellern wie Patricia Clarkson, Ki Hong Lee und Thomas Brodie-Sangster wieder versammeln konnten, doch ihnen fällt es sichtlich schwer, gegen ihre Stereotypen anzuspielen, so dass die Charaktere nie das Hölzerne verlieren. Auch der Zusammenschnitt der Szenen, mit zu schnellen Action-Sequenzen und zu ausgedehnten, offensichtlich emotional gemeinten Szenen macht den fast zweieinhalbstündigen Film noch schwerer ertragbar. Auch schafft er es nicht, sich über Standard-Actionfilme zu erheben und reizt die von den Romanen gegebene dystopische Erde gestalterisch nicht aus. So beschränkt sich der Film auf einen starken Kontrast zwischen dem Wüstenleben der Widerstandskämpfern und den Upper-Class-Bewohnern in der letzten existierenden Stadt (gedreht wurden diese Szenen übrigens in Kapstadt). So verspielt der Film viel Potenzial und langweilt die meiste Zeit die Zuschauer mit einer stereotypischen Inszenierung. Allein die Bindung an die Figuren durch die letzten Teile und eine Schwäche für Dystopien halten das Interesse auch für dieses Finale aufrecht.


Trotzdem führt der dritte Film die Reihe einigermaßen sinnvoll zu Ende. Die Überlänge hätte nicht sein müssen, besonders da der Film an vielen Stellen einfach zu lang ist und damit ein Geschwindigkeitsproblem hat. Einige Szenen sind einfach nur unnötig. Die vielen Actionszenen sind gut gemacht. Manchen der Szenen machen wirklich Spaß, auch wenn vieles natürlich mit CGI gelöst wurde. Dieser Teil bietet im Gegensatz zu den Vorgängern schon deutlich sichtbare Gewaltszenen. Die Kamera hält auch diesmal drauf. Dies tut der Reihe gut, da es der Thematik angemessen sind. Manche Motivation der einzelnen Charaktere ergeben aber wenig Sinn. Der Titel "Maze Runner" zum Beispiel. Mit seiner stereotypen und zu vorhersehbaren Geschichte wirkt das Finale wie eine Ansammlung von Actionsequenzen und emotionalen Szenen aus der Lehrbuch. So kann man trotz Vorliebe für das Setting oder Freunde der ersten Teile keine Recht Freude beim Schauen entwickeln und der Film besitzt dadurch mehr Frustpotential als Unterhaltungswert.

6/10

Mittwoch, 29. September 2021

Andròn: The Black Labyrinth - Das schwarze Labyrinth (2015)

https://www.imdb.com/title/tt4073890/

Im Jahr 2154 erwacht eine Gruppe von Männern und Frauen plötzlich in einem mysteriösen Labyrinth. Niemand von ihnen weiß, wie sie an diesem finsteren und klaustrophobischen Ort gelandet sind – geschweige denn wer sie sind. Doch der Identitätsverlust ist längst nicht das Schlimmste: Immer wieder müssen sie Codes entschlüsseln, Tests bestehen und Signale deuten, um in dem bizarren und gefährlichen Irrgarten zu überleben. Während dieser tödlichen Herausforderungen wächst der Zusammenhalt der Gruppe, doch im Grunde genommen will jeder Einzelne diesen Albtraum einfach nur schnell hinter sich lassen. Was die Gefangenen nicht ahnen: Bei ihrem Überlebenskampf schaut ihnen die ganze Welt zu und schließt Wetten auf ihr Schicksal ab...

Was wie eine Mischung aus "The Maze Runner", "Cube" und/oder "Die Tribute von Panem" klingt, entpuppt sich schon nach wenigen Sekunden Laufzeit als billiges Vehikel, welches, trotz zweier renommierter Schauspieler (Alec Baldwin, Danny Glover) an Bord, lediglich versucht auf den fahrenden Cash-Train aufzuspringen. Im ersten Drittel des Films wird zumindest noch versucht, so eine Art Spannung aufzubauen und dies weckt sogar Interesse beim Zuschauer, doch spätestens ab dem zweiten Drittel häufen sich Logikfehler und wenn der Film dann plötzlich von seinem düsteren Setting in eine Art SciFi-Welt eintaucht, geht sämtlichen Stringenz verloren. Das Labyrinth ist zudem eher eine sich stets verändernde Welt, und dahingehend sind die Dialoge der handelnden Figuren unsagbar grausam geschrieben, denn grundsätzlich nehmen alle Charaktere die Situation als gegeben hin, ohne etwas zu hinterfragen. Anfangs können die Teilnehmer nicht wirklich gut kämpfen, später sind sie erfahrene Kämpfer. Dabei wird dann komischer Weise erklärt, dass es sich hierbei um Sklaven handele, die zuvor gefoltert wurden... doch dafür sehen die verdammt gut aus- wohl genährt, keinerlei Verletzungen und stark. Die Geschichte wird aber nicht nur deswegen immer absurder. Es wird mit irgendwelchen unpassenden Fachbegriffen umhergeworfen, von einer Szene zur anderen gesprungen, teilweise sehr unpassend, teilweise ohne große Erklärung. Dadurch ist der Film im Ganzen sehr unharmonisch. Die Bevölkerung kann an den Spielen unter Teilnahme des eigenen Lebens teilnehmen, was auch viele tun. Hierbei winkt die Freiheit der jeweiligen Teilnehmer, da es sich ebenfalls um Sklaven handelt. Doch dieses System ergibt keinen Sinn. Wenn die Sklaven unter ganz schlimmen Bedingungen leben, dann ist es selbstverständlich, dass sie ihr Leben verwetten, denn der Tod ist immerhin die Erlösung der Sklaverei. D.h. der größte Teil der Sklaven dürfte sterben, während der Rest frei wäre - dann hätte das Land aber kaum bis gar keine Sklaven mehr. Hier liegt also auch noch ein gewaltiger Denkfehler vor. "Das schwarze Labyrinth" als Katastrophe zu bezeichnen schmeichelt da noch und es bleibt fraglich, warum Baldwin und Glover sich überhaupt für diesen FIlm hergegeben haben.

2/10

Quellen
Inhaltsangabe: EuroVideo

Dienstag, 22. September 2020

Кома - Koma - Coma (2019)

https://www.imdb.com/title/tt6087226/

Nach einem schrecklichen Unfall wacht ein junger Architekt in einer dystopischen Welt auf, die ihm vollkommen fremd ist. Sie wirkt nicht real, sondern eher wie ein Traum. Kein Wunder, denn diese Welt basiert auf den Erinnerungen von Menschen, die in einem tiefen Koma liegen. Die neue Umgebung ist zerbrechlich, chaotisch und unbeständig. An diesem Ort passen Weltmeere, Gebirgsketten und Metropolen in einen einzigen Raum, während die Gesetze der Physik keinerlei Rolle mehr spielen. Und wer dort hinkommt, erhält außerdem besondere Kräfte. Der junge Architekt versucht aber nicht nur, die Gegebenheiten zu verstehen, sondern allen voran, einen Ausweg zurück in die Realität zu finden. Doch die Menschen hier brauchen ihn: Unheimliche Gestalten machen Jagd auf sie und er soll ihnen bei der Suche nach einem sicheren Ort helfen...

Das Spielfilmdebüt "Coma" von Nikita Argunov macht gleich von Anfang an deutlich, dass es ssich bei dieser russischen Produktion um etwas sehr hochwertiges handelt. Zumindest optisch und mit einer Fülle von Ideen, was Setting, Weltendesign und Austattung betrifft. Ja, das russische Genrekino hat sich in den vergangenen Jahren wirklich einen Namen gemacht. Doch etwas fällt immer wieder auf: Es wird auffällig oft kopiert, geklaut und zitiert. "Coma" erinnert mit seinem surrealen Bildern schon beinahe etwas zu sehr an "Inception" oder eben "Matrix", erreicht aber bei weitem nicht deren Niveau. Natürlich gab es bereits in den 2000ern Werke wie die Literaturverfilmungen "Wächter der Nacht" und "Wächter des Tages", die Filmschaffenden wie etwa Timur Bekmambetov den Weg nach Hollywood ebneten. Doch abseits solcher Ausnahmeerscheinungen gingen Filme wie "Weltengänger" oder "Guardians" hierzulande überwiegend unter. Mittlerweile führen solche Titel aber kein völliges Schattendasein mehr.

Die Story in "Coma", in die der Zuschauer ohne weiteres Vorgeplänkel hineingestoßen wird, ist relativ seltsam und erscheint nur als Aufhänger um die (zweifellos) starken Bilder zu präsentieren. Wie hier Straßenzüge, Landschaften und Häuserschluchten in chaotischen Flüssigfragmenten ineinanderfließen und dabei eine große unzusammenhängende Einheit bilden, in der berühmte Stätten von London, Paris und dem Eiffelturm bis in die Kanäle Venedigs nur einen Katzensprung voneinander entfernt scheinen, für den obendrein noch jegliche physikalische Gegebenheiten außer Kraft gesetzt scheinen - hier liegen die wirklich großen Stärken, die einmal mehr unter Beweis stellen, dass auch jenseits der USA Genrekino möglich sein kann. Dabei bewegt man sich dann aber doch eher näher an den ebenso surrealen Welten eines "Doctor Strange" als den über weite Strecken geerdeteren Traumwelten eines Christopher Nolan.

Dennoch bedienen sich Nikita Argunov und seine Co-Autoren auch dabei mehr als zuviel. Wenn davon die Rede ist, dass im Koma der Verstand wesentlich schneller funktioniert und die Zeit daher ungleich langsamer verstreicht, fühlt man sich nicht von ungefähr an die diversen Traumebenen erinnert, die DiCaprio und Co. beim Mind Heist durchdringen müssen. Auch bei den Wachowski Schwestern nimmt man ebenso unübersehbare Anleihen, sodass man nicht mal ein großartiger Kenner sein muss, um im Protagonisten Viktor den Auserwählten Neo zu sehen und in dessen Romanze mit der toughen Kämpferin Fly jene mit Trinity. Selbst bei zwei Nebenfiguren hat man die Namen sogar zweifelsfrei von Crewmitgliedern des Hovercrafts Nebukadnezzar übernommen.

Und damit wirken all diese Versatzstücke in "Coma" stets eine Spur zu vertraut und auch nicht halb so überzeugend wie in den zu ihrer Zeit Maßstäbe setzenden Vorbildern. Vor allem aber mangelt es Hauptdarsteller Rinal Mukhametov trotz einer ähnlich unterkühlten Schauspielleistung spürbar am Charisma eines Keanu Reeves. Arg schematisch bleibt sein im wahren Leben erfolgloser Architekt, der sich in dieser Traumwelt endlich frei entfalten kann, während die übrigen Charaktere sich überwiegend innerhalb angestammter Klischees bewegen. Auch aus dem Umstand, dass jeder von ihnen diese Simulationsareale unterbewusst aus seiner Erinnerung erschaft und dabei obendrein noch individuelle "Superkräfte" spendiert bekommt, macht "Coma" erstaunlich wenig.

Der Mangel an wirklicher Tiefe spiegelt sich dann auch schnell in den für sich genommen famos umgesetzen Settings wieder. Denn so toll diese auch aussehen, so bleiben sie doch reines Eye-Candy, was zudem auch noch seltsam statisch und unerforscht bleibt. Wirklich eintauchen und länger auf sich wirken lassen kann man hier in kaum etwas, was bei einem Genrefilm wie diesem aber bloß halb so wild wäre, wenn man die unterschiedlichen Schauplätze denn wenigstens einigermaßen kreativ ins Geschehen einbinden würde. Leider aber bleibt die atemlose Verfolgungsjagd, die bereits im Trailer weitreichend breit getreten wurde, schon das einzige Action-Setpiece, das die Möglichkeiten tatsächlich mal ausspielt, wohingegen der Rest vor allem in den Kampfszenen reichlich uninspiriert daherkommt. Spätestens hierbei verkommen auch die zu Anfang etablierten Schattenwesen namens "Reaper" zur reinen Optikspielerei aus zähflüssiger CGI-Masse und erinnern in ihrer mäßig getricksten Zweckhaftigkeit an die Griever aus "Maze Runner: Die Auserwählten im Labyrinth", was wiederum den ehemaligen Visual Effects Künstler Argunov dann auch irgendwo als russisches Pendant zu Wes Ball dastehen lässt.

Im letzten Drittel, wenn man beginnt, sich an den schicken Schauwerten stufenweise satt zu sehen, versucht sich "Coma" dann schlussendlich auch noch an der Doppelbödigkeit seiner Idole aus Übersee. Hier kommt dann, abgesehen von wenig subtil mitschwingender Religionskritik, nochmal besonders zum Tragen, wie beeindruckt, zugleich aber auch einigermaßen teilnahmslos einen das ganze Spektakel letztendlich zurücklässt.

"Coma" ist unterm Strich nicht bloß Style over Substance pur, sondern schlichtweg die Definition davon. Nikita Argunov versteht sich prächtig darauf, mit vergleichsweise wenig Budget etwas optisch Beeindruckendes zu präsentieren. Hätte man sich nicht deutlich spürbar bei den großen Vorbildern bedient und etwas eigenes erschaffen, dann hätte "Coma" sogar das Potential mit den genannten Originalen mitzuhalten. Stattdessen humpelt man ihnen aber sogar auf der Plotebene einigermaßen bemüht hinterher. Der russische Thriller baut zwar eine interessante Welt auf, die mit ihren eigenen Regeln aufwartet und dem Zuschauer nach und nach verständlich wird und wartet dann mit einem unerwarteten Twist auf, der alles auf den Kopf wirft und dem Film mehr Tiefe gibt, doch am Ende reicht das trotzdem nicht. Außer ein paar wirklich imposanten Bildern bleibt nicht viel im Gedächtnis.

5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Capelight Pictures