Donnerstag, 7. September 2017

The Deer Hunter - Die durch die Hölle gehen (1978)

http://www.imdb.com/title/tt0077416/

Michael (Robert De Niro), Steven (John Savage) und Nick (Christopher Walken) sind drei befreundete, russisch-stämmige Stahlarbeiter aus Pennsylvania. "Serving God and country proudly" steht auf einem großen Spruchband, als die drei Männer in den Vietnamkrieg ziehen. In der grünen Hölle werden sie schnell mit allen Grausamkeiten konfrontiert, die dem indochinesischen Konflikt immanent sind. Michael, Steven und Nick müssen zusehen, wie nordvietnamesische Soldaten unschuldige vietnamesische Bauern, vor allem Frauen und Kinder, töten und geraten alle drei in Gefangenschaft des Vietcong. Zusammen mit anderen traumatisierten Gefangenen zwingt der Vietcong die drei zu einem bestialischen "Spiel", in dem sie sich nacheinander einer Art russischem Roulette unter einem Bild Ho Chi Minhs aussetzen müssen. Michael aber findet eine Möglichkeit, dem selbstmörderischen Spiel zu entkommen...

Was kann einen Menschen aus der Bahn werfen und zu einem seelischen Wrack machen? Was könnte den Rahmen des Erträglichen sprengen, die Feder aus dem Antrieb springen lassen oder das Fass zum überlaufen bringen? Die Antworten darauf sind wohl so verschieden wie vielzählig. Aber nicht selten würde 'Krieg' genannt werden. Mit herausragenden Leistungen bringen Robert DeNiro, Christopher Walken und John Savage die körperliche und seelische Versehrtheit der Kriegsveteranen näher als es eigentlich noch nötig wäre. Eine 3 stündige Reise durch das vom Vietnam-Krieg traumatisierte Amerika der 70er, vom lebensbejahenden "Can't Take My Eyes Off You", über zwei Tropfen Wein auf einem Brautkleid und dem Irrsinn des Russischen Roulettes hin zum fantastischen Score Stanley Meyers, den erhabenen Panoramabildern Vilmos Zsigmonds bis zum finalen, bitter-trotzigen "God Bless America".

Eigentlich ist "The Deer Hunter" in erster Linie eine Freundschaftsgeschichte von drei jungen Männer, die aus dem gleichen Provinznest stammen, in patriotischer Absicht in den Krieg ziehen und letztlich verwundet zurückkehren. Dafür setzt der Film auf ein dreiteiliges Handlungsgerüst. Die drei Teile unterscheiden sich nicht nur handlungsmässig voneinander, sondern auch in deren Stimmungsbild. Sinnbildlich gibt es in den drei Teilen jeweils Einzelszenen wie auch Musikstücke, die den Seelenzustand der Protagonisten bestens dokumentieren. Im ersten Teil erlebt man dies in der halbstündigen Hochzeitsfeier, im zweiten Teil kann dies in der aufreibenden russischen Roulette-Szene und im dritten Teil wahrscheinlich in der Wiederbegegnung zwischen Linda und Michael beobachtet werden. Auch die Musik scheint sich diesem Konzept unterworfen zu haben. Anfangs trällern die Protagonisten fröhlich das erwähnte Musikstück "Can’t Take My Eyes Off You " und am Ende setzt "God Bless America" den Schlusspunkt. Es ist wohl auch bezeichnend, dass Musik in der Kriegsepisode keine Rolle mehr spielt.

Michael Ciminos Antikriegsdrama muss man dabei in Laufzeit und Tempo allerdings auch als Herausforderung benennen. "The Deer Hunter" ist möglicherweise nicht immer auf den Punkt inszeniert, aber auch gerade das erste Drittel mit der extrem langen Hochzeitsfeier ist passend, denn hier und auch beim ersten Jagdausflug findet eine ganz starke Charakterisierung aller Figuren statt, die Cimino auch gerne mal nur "im kleinen Rahmen" zelebriert. Der eingeschworenen Clique pennsylvianischer Stahlarbeiter wünscht man eigentlich nur das Beste für die Zukunft, was hier aber niemandem gegönnt wird, wenn die Bestie Krieg erst einmal von der Leine gelassen ist und sich durch Körper, Seelen, Träume und Herzen der Veteranen aber auch der Daheimgebliebenen beißt, während sie durch die erstickende Trostlosigkeit der heimischen Industriestadt streift.
 Die drei Stunden Laufzeit sind also durchaus angemessen und es gibt kaum Hänger. "The Deer Hunter" ist definitiv ein Meisterwerk, das man sich immer wieder anschauen kann. Was an diesem Film besonders gefällt, ist, dass Cimino die Handlung mit ausgesprochen visuellen Mitteln zu erzählen weiss. Es passiert auf den ersten Blick wenig und auch auf viele Worte wird verzichtet, doch Cimino lässt die Bilder und die Stimmungen für sich sprechen, die wohl sehr viel über den Gemütszustand der Protagonisten erzählen. Diese Erzählweise kann nur funktionieren, wenn hier richtig gute Schauspieler am Start sind. Diese findet der Zuschauer in Christopher Walken, Meryl Streep und dem überragenden Robert DeNiro, derhier erneut eine wahnsinnig guter Performance abliefert, weil er die Ambivalenz vom aggressiven, sensiblen und bedrückten Mann grandios widergibt. Zudem gibt es einige herausragend inszenierte Einzelszenen, die einen auch nach Filmende nicht mehr loslassen.

Alles in allem ist "Die durch die Hölle gehen" ist eine niederschmetternde Charakterstudie und dabei ungemein eindringlich, extrem langsam ohne auch nur eine Spur langweilig zu sein. Wenn man Interesse an spätem 70er-Jahre Kino hat, bekommt man hier ein cineastisches Monument vor den Latz geknallt, welches man nur mit Sauerstoffflasche erklimmen sollte und dem Wissen im Hinterkopf, dass der Abstieg hart ist und noch lange nachwirken wird.

8,5/10

Von Eightyfour Entertainment kommt der Film auch im auf 333 Stück limitierten Mediabook.

Mittwoch, 6. September 2017

Polo de Limón 4: Sapiches - Lemon Popsicle: Private Popsicle - Eis am Stiel 4: Hasenjagd (1982)

http://www.imdb.com/title/tt0084629/
Die Sommerferien sind für unsere drei Teenager diesmal frühzeitig beendet, denn sie müssen in ein Jugendlager, wo sie militärischer Drill erwartet. Benny und Johnny kommen mit ihren Eltern im Schlepptau im Camp an, um sich aufnehmen zu lassen. Während die Eltern ihnen Patentrezepte für das Kasernenleben erteilen, nimmt Bobby noch von seinen diversen Freundinnen Abschied. Es dauert nicht lange, bis sich die drei mit einigen jungen Damen anfreunden, die im benachbarten Camp stationiert sind. Benny, romantisch und sensibel, verliebt sich in Betty, die ausgerechnet die Tochter des Generals ist. Betty entschießt sich, Benny nichts von ihrem Vater zu erzählen, um sich zu vergewissern, dass seine Liebe nichts mit ihrem Vater zu tun hat. Dieses Geheimnis bleibt natürlich nicht lange verborgen und Komplikationen folgen.

"Lemon Popsicle" geht in die vierte Runde und vom ehemaligen Ton ist kaum mehr etwas übrig geblieben. Nun ja, die Reihe war immer schon eine Komödie, aber Klamauk war sie bis dato nie. Genau das ändert sich mit "Eis am Stiel: Hasenjagd". Dieses Mal müssen die ewig scharfen Jungs zur (israelischen) Armee und erleben hier ihre skurrilen und erotischen Abenteuer, die teilweise immer noch witzig sind und über den ganzen Film hinweg amüsieren und unterhalten können. Damit man aber nun nicht allzu irritiert ist, sollte an dieser Stelle erwähnt werden, dass der dicke Johnny in Teil 3 & Teil 4 'Momo' heißt, wobei der ursprüngliche Momo seit dem letzten Teil Bobby genannt wird, diesen Namen aber bis zum Ende der Serie beibehält. Ansonsten tritt in "Eis am Steil 4: Hasenjagd" zum ersten Mal der etwas nervende, aber gewitzte Gegenspieler Joseph Shiloach auf, der die Figur des Unteroffiziers Ramirez verkörpert.


Die Sprüche und Dialoge sind merklich flacher, die komödiantischen Einlagen werden zotiger, doch der Charme der Reihe bleibt merkwürdigerweise erhalten. Es ist nicht mehr die kitschige Schmonzette, die teilweise noch im Finale von Teil 1 und Teil 2 durchbrach und ernste Töne werden hier nur selten angeschlagen. Dafür macht der vierte Ableger unheimlich viel Spaß und sorgt noch heute für den ein oder anderen Lacher und ist damit immer noch eine ganz spezielle Perle der Filmgeschichte. Der musikalische Auftritt der "Drei Grazien" ist dabei eindeutig der Höhepunkt des Films.

6,5/10

The Mission - Mission (1986)

http://www.imdb.com/title/tt0091530/

Es ist 1750 und der Vatikan versucht nach herben Fehlschlägen erneut, einen Prediger in den Dschungel Argentiniens zu schicken. Und tatsächlich kann der Jesuit Gabriel (Jeremy Irons) duch Musik auf seiner Oboe die Guaraní überzeugen. Unterstützung bekommt er von Ex-Sklavenhändler Mendoza (Robert De Niro), der versucht, auf diesem Weg für seine Sünden zu büßen. Doch die Guarané geräten in Gefahr, als der Vertrag von Madrid die Grenze zwischen dem verklavten portugiesischen Brasilien und den spanisch kolonialisierten Ländern Südamerikas neu festlegt. Damit geraten die Guaraní in ein Gebiet, indem die Sklaverei erlaubt ist – und die Mission nicht mehr unter dem Schutz der Kirche steht...

Manchmal erscheint es einem so, als wäre die Welt nur ein großes Dorf. Die Jahre, in denen es noch etwas zu entdecken, echte Abenteuer, gab, sind vorbei. Wieder und wieder wurde die Welt vermessen, dank Globalisierung reist selbst eine Jeans durch 30 Länder und wenn wir wollen, dann bringt uns ein Pauschalflug weiß Gott wohin. Das hat wahrlich seine Vorzüge, aber dennoch sehnt man sich manchmal nach jenen Zeiten, in denen die Welt noch von schwarzen Flecken geprägt war. Auch deshalb ging vom Dschungel seit jeher eine große Faszination aus, die er sich bis heute erhalten konnte. Denn entgegen aller Wahrscheinlichkeit hausen darin noch immer Stämme, die sich in den letzten Jahrhunderten kaum weiterentwickelt haben. Schon im 18. Jahrhundert war das nicht anders und schon damals mussten die vermeintlich höher entwickelten Eindringliche feststellen, dass sie einiges von den Ureinwohnern zu lernen hatten.

Historisch akkurat platziert sich "The Mission" in einem solchen Ballungszentrum in Südamerika. Bei einem opulent eingefangenen Wasserfall treffen Sklavenhändler, Jesuitenmönche und Ureinwohner aufeinander. Das Hauptmotiv des Films ist von religiöser und kolonialistischer Natur. Beruhend auf wahren Ereignissen schildert Regisseur Roland Joffé den 1750 unternommenen Versuch der katholischen Kirche, die Ureinwohner Argentiniens vom christlichen Glauben zu überzeugen. Jeremy Irons agiert hervorragend als unbeirrbarer Gesandter des Vatikan. Seine ruhige, von Überzeugungskraft geprägte Art ist einfach wunderbar und wird mit großartigen Szenen demonstriert. An seiner Seite steht mit Robert de Niro ein gebrochener Mann, der sich als Weggefährte des von Irons gespielten Gabriel von seinen Sünden reinwaschen will. De Niro spielt großartig, schafft es in vielen Situationen einfach mit seiner Mimik so viel zu sagen, wie kaum ein zweiter. Gekonnt wird die langsam heranwachsende Beziehung zwischen den Christen und den Guarané beschrieben. Die anfängliche Skepsis gegenüber den Fremden weicht einer Herzlichkeit, die ihresgleichen sucht. Auch hier entsteht wieder ein fast dokumentarischer Eindruck, wenn die Ureinwohner Südamerikas im Fokus stehen. Alles wirkt authentisch, hätte genauso stattfinden können, auch wenn die Kamera nicht vor Ort gewesen wäre. Die Authentizität ist einfach nur atemberaubend. Konflikte jedenfalls sind in diesem Film vorprogrammiert und dass diese nicht lange auf sich warten lassen, macht schon die aller erste Szene deutlich. Die Leiche eines Priesters treibt durchs Wasser, untermalt von den ungewohnten, aber sehr wirkungsvollen Klängen Ennio Morricones. Davon ausgehend verhandelt "The Mission" eine Vielzahl an Fragen über Schuld, Verantwortung, Glaube und Macht. Dabei wird nicht jedem Themenkomplex die nötige Fürsorge zuteil und dennoch vermengt der Film alles zu einem stimmigen Gesamteindruck. Schnell entwickelt sich ein nicht reizloses Für- und Gegeneinander der unterschiedlichen Parteien, diverse Motivation werden innerhalb eines höheren Kontextes hinterfragt und in Wechselwirkung zueinander gesetzt. Dabei ist "The Mission" stets zugute zu halten, dass er obgleich aus der Perspektive der Mönche geschildert, nie deren Seite bevorzugt. Jeder kann und darf von jedem lernen, doch weil sich manch einer dafür zu stolz ist, endet es in mutwilliger Zerstörung. Auch das ist eine Erkenntnis, die man mühelos aus der Geschichte ziehen kann und die in "The Mission" Anwendung findet. Der Schlussakkord hingegen gewährt Hoffnung, appelliert an den Selbsterhaltungstrieb des Menschen und zeigt, dass ein Wiederaufbau stets möglich ist. Einmal mehr offenbart sich "The Mission" als ehrlicher und menschlicher Film, den man gesehen haben sollte.

"The Mission" ist ingesamt betrachtet ein bildgewaltiger Selbstfindungstrip in den Tiefen des südamerikanischen Dschungels, der einen großartig aufgelegten Robert De Niro und einen nicht minder gekonnt agierenden Jeremy Irons an die Grenzen ihrer Belastbarkeit treibt. Das vielschichtige Abenteuerdrama bleibt vielleicht an einigen Stellen zu oberflächlich, ist aber nicht zuletzt aufgrund eines genialen Morricone-Scores auf jeden Fall eine Sichtung wert.

7,5/10

Dienstag, 5. September 2017

Crying Freeman - Crying Freeman: Der Sohn des Drachen (1995)

http://www.imdb.com/title/tt0112750/

Die verwaiste Malerin Emu O'Hara (Julie Condra) wird Zeuge eines schrecklichen Mordes am Yakuza Takeshi Shimazaki (Kevan Ohtsji). Seltsamerweise wendet sich der Mörder danach an Emu und stellt sich ihr als Yo (Mark Dacascos) vor, dabei läuft ihm eine einzelne Träne die Wange hinab. Diesen einprägsamen Moment kann Emu einfach nicht vergessen und zeichnet das Gesicht des Killers immer wieder, nicht ahnend, dass sie sich schon mitten im Fadenkreuz des Verbrechens befindet. Denn Shido Shimazaki (Mako), der Vater des getöteten Yakuzas und selbst Anführer einer kriminellen Organisation, versucht die Polizei gegen den Auftragskiller Yo in Stellung zu bringen. Um Beweise für die Schuld Yos zu präsentieren, soll Emu als Zeugin auftreten. Dabei wird sie erneut mit Yo konfrontiert, der wieder zuschlägt. Jetzt ist auch ihr Leben in Gefahr, da sie als mehrfache Zeugin das Geheimnis um Yo lüften könnte. So gerät der Killer in einen Gewissenskonflikt.

Für Junkies im Bereich des Eastern dürfte "Crying Freeman" wohl zum Nonplusultra gehören. Es ist die beeindruckende Ästhetik in der Auseinandersetzung eines chinesischen Geheimbundes zur Rettung der Nation gegen die japanische Yakuza. Dabei wird überwiegend mit Schusswaffen hantiert, weniger mit Schwertern oder Martial Arts.
Atmosphärisch gekonnt von Christophe Gans mit düsteren Bildern umgesetzt, erledigt der chinesische Top-Killer 'Freeman' die Japaner gleich im Dutzend, doch die schlagen zurück. Die Auseinandersetzung findet zunächst in Kalifornien statt, wobei eine Künstlerin im Freien mitansieht, wie der Freeman drei Yakuza erledigt. Dafür müsste sie eigentlich auch getötet werden, doch der Freeman verliebt sich. Die Narration ist sehr schlicht, oft passiert wenig und genau das ist es was diesen Film auszeichnet, er nimmt sich die Zeit die er braucht um seine einfache und doch sehr interessante Geschichte voll aufzuzeigen, lässt sie sich ganz entfalten.

Anfangs wird dadurch auch eine interessant anmutende Story aufgezogen, doch die läuft spürbar auf Sparflamme. Die Handlung ist nur ein undurchsichtiges Hin und Her des Freeman mit seinem Helfer gegen die Yakuza, wobei die asiatischen Gesichter (teils auch noch mit Sonnenbrillen) manchmal sogar die Unterscheidung schwer machen, wer auf welcher Seite steht. Doch das ist nicht so wichtig - hier zählt nur die Form und die Ästhetik. Von daher, und der eingebauten Love Story, erinnert das etwas an den späteren "House Of Flying Daggers". Die erste Hälfte hat etwas Packendes, Interessantes (auch über die Frau, die der Freeman verschont), das in der zweiten Häfte verlorengeht. Die Aktionen werden immer abstruser und lassen auch in der Ästhetik nach, wobei es zum Ende beinahe noch kitschig wird. Dennoch ein insgesamt guter Film, dessen starke Optik für 1995 überrascht und wesentlich moderner anmutet.

7/10

Von TURBINE Medien kommt der Film als Erstauflage im auf 1.500 Stück limitierten Mediabook und weltweit erstmalig auf BD in HighDefintion.

Bad Milo! (2013)

http://www.imdb.com/title/tt2274570/

Duncan (Ken Marino) leidet an immer stärker werdenden Magenschmerzen. Sein Psychiater Highsmith (Peter Stormare) glaubt, das liege an dem Stress, den Ken bei der Arbeit und zu Hause hat. Als die Schmerzen ein bislang unerreichtes Maß annehmen, passiert etwas, das auch der beste Mediziner nicht hätte voraussehen können: Ein kleines Monstrum entsteigt Kens Allerwertesten, der Analdämon Milo. Dieser will alle die umbringen, die Ken das Leben schwer machen. So befindet sich Kens Boss Phil (Patrick Wartburton) augenblicklich in Gefahr, doch auch seine Frau Sarah (Gillian Jacobs), die mit seinem Kind schwanger ist, könnte dem Monster zum Opfer fallen. Ken sieht nur einen einzigen Ausweg: Er versucht sich mit Milo anzufreunden, bevor seine unterbewussten Wünsche von dem Dämon brutal in die Tat umgesetzt werden.

"Der innere Dämon", das ist eine Phrase, die man relativ häufig hört, doch was ist dieser besagte Dämon überhaupt? Es geht um die innere böse Seite, die Seite, die bei uns nur in den seltensten Momenten durchflackert und trotzdem in uns wohnt. Regisseur Jacob Vaughan setzt sich mit genau dieser Thematik auf recht spezielle und trashige Art und Weise in dem B-Movie "Bad Milo!" auseinander. Und in gewisser Weise erinnert allein die Beschreibung an den Song von Knorkator namens "Werwurm".

Duncan, wunderbar dargestellt von Ken Marino, hat sehr viel Stress und Magenbeschwerden, welche - wie sich herausstellt - von seinem inneren Dämon verursacht werden, immer wenn Duncan wütend und gestresst ist, möchte dieser Dämon entkommen und die dunkelsten Fantasien Duncans ausleben. Das ist eine Grundprämisse, die sehr viel Freude bereitet, gerade die Symbiose aus Trash und Psychogramm weiß zu überzeugen, wobei letzteres eher angeschnitten als dauerhaft skizziert wird. Letztlich ist es aber sehr schön zu sehen, dass sich auch B-Movies an sehr ernste Themen heranwagen, im Laufe des Filmes sehen wir nämlich nicht nur die eine oder andere herrlich-trashige Splatter-Szene, sondern auch die Entwicklung Duncans und die Probleme, die ihn eine solche Situation gebracht haben. Sein Alltag, sowohl auf familiärer als auch auf beruflicher Ebene, wird beleuchtet, so dass man am Ende sagen kann, dass sich dieser Film um eine einzelne Person handelt und darum, wie er seinen inneren Dämon umarmt, bekämpft, hasst und dennoch auf seltsame Art und Weise liebt, schließlich ist er noch immer ein Teil von ihm.

Der Streifen wirkt gleichermaßen grotesk unterhaltsam, teilweise fast arthausig, dann wieder trashig, hat aber auf die 84 Minuten den einen oder anderen (kleinen) Hänger, bei dem einfach redundante Handlungsabläufe gezeigt werden, die für den Plot nicht von sonderlicher Relevanz sind. Unterm Strich betrachtet handelt es sich bei "Bad Milo!" aber um ein gelungenes B-Movie, welches eher dramatisch als lustig ist und dennoch auch Trash-Fans begeistern sollte, auf jeden Fall ein Film wie kein anderer, und auch absolut sehenswert.

7/10

Montag, 4. September 2017

The Hitman's Bodyguard - Killer's Bodyguard (2017)

http://www.imdb.com/title/tt1959563/

Michael Bryce (Ryan Reynolds) ist der weltbeste Sicherheitsagent und Personenschützer und wird als solcher ausgerechnet dafür engagiert, den berühmt-berüchtigten Auftragskiller Darius Kincaid (Samuel L. Jackson) zu beschützen. Kincaid soll im Austausch für die Freilassung seiner Frau Sonia (Salma Hayek) vor dem internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gegen den verbrecherischen weißrussischen Diktator Vladislav Dukhovich (Gary Oldman) aussagen, doch dazu muss er rechtzeitig und unversehrt dort eintreffen, was Dukhovich natürlich mit allen Mitteln verhindern möchte. Bryce und Kincaid waren zwar jahrelang Feinde und haben unzählige Male versucht, sich gegenseitig zu töten, aber jetzt müssen sie wohl oder übel zusammenarbeiten, um innerhalb von 24 Stunden zu der Gerichtsverhandlung zu kommen. Der Beginn eines haarsträubenden Abenteuers...

Eines vorweg: Diese Action-Komödie ist alles andere als zimperlich, denn Kopfschüsse, Blut und rohe Gewalt werden vor allem im Finale im Minutentakt gezeigt. Dass der Film eine Komödie ist, liegt alleine an den gut aufgelegten Hauptdarstellern, die mit ihren launigen Sprüchen immer wieder für Lacher sorgen.

Mit Ryan Rynolds als Personenschützer und Samuel L. Jackson als Profikiller wurde der Buddy-Movie in erster Linie bestens besetzt, denn Regisseur Patrick Hughes bietet den Protagonisten die optimale Bühne, um ihre schauspielerischen Stärken zu präsentieren: Reynolds agiert als smarter-tragischer Held, der ein hoffnungsloser, gefühlsgetriebener Fall ist. Jackson, dem man seine fast 70 Jahre nicht mal im Ansatz ansieht, hingegen macht das, was er schon immer perfekt konnte: cool sein. Beide müssen sich zusammenreißen, um den osteuropäischen Diktator Vladislav Dukhovich ins Gefängnis zu bringen, obwohl beide verdammt gute Gründe hätten, sich mit Blei vollzupumpen. Der Bösewicht wurde mit Gary Oldman ebenfalls glänzend besetzt, der hier nicht nur ätzend fies ist, sondern auch optisch perfekt wie ein abgehalfterter Ex-Diktator präsentiert wird - so mögen die Zuschauer ihn halt am liebsten.

Doch ein echter Megahit ist "The Hitman's Bodyguard" leider auch nicht, denn 80% des Films hassen sich beide Protagonisten abgrundtief, doch um zu überleben muss das rigoros beiseite geschoben werden. Zudem ist der Film selbst dann wieder etwas zu ernst, hier hätte etwas mehr Absurdität und Komödie nur gut getan. Der Bodycount fällt streckenweise völlig aus dem Rahmen, was aber auch den Charme des Films ausmacht, denn voll ernst und realistisch sollte man dieses Höllenkommando eh nicht nehmen.
 

Vor allem beim Schlussakt in Amsterdam werden physikalische Gesetze außer Kraft gesetzt und die Logik ausgeklammert. Stattdessen gibt es packend choreographierte Fights mit streckenweise interessanten Waffen sowie aberwitzige Autoverfolgungsjagden, bei denen gerade 08/15-Autos die Stars sind. Die eigentlichen Highlights sind aber die immer wieder eingestreuten Rückblenden, wo unter anderem Samuel L. Jackson schwärmt, wie er die Liebe seines Lebens (herrlich rotzig: Salma Hayek) in einer Bar kennenlernte. Es ist definitiv die brutal-romantischste Szene der Filmgeschichte! In Gänze funktioniert der Actionstreifen daher auch wunderbar, denn er nimmt sich nicht ernst, weist frische Einfälle auf und die Besetzung ist makellos. Durchaus empfehlenswert, wenngleich nicht ganz so lustig wie erwartet.

6,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: EuroVideo

As Good As It Gets - Besser geht's nicht (1997)

http://www.imdb.com/title/tt0119822/

Melvin Udall (Jack Nicholson) ist eine schwierige Persönlichkeit. Der zwanghafte, erfolgreiche Schriftsteller schließt seine Wohnungstür viermal ab, hat Angst vor Unreinem, hasst Juden, Schwarze und Homosexuelle und macht daraus keinen Hehl. Er lebt in Greenwich Village – und seine Nachbarn können ihn natürlich auch nicht leiden. Zu denen gehört der homosexuelle Künstler Simon (Greg Kinnear), dessen Hund Verdell Udall in den Abfallschacht verfrachtet, weil der Köter ins Treppenhaus gepinkelt hat. Nachdem Simon von zwei Gaunern überfallen und beraubt wurde, muss er ins Krankenhaus. Sein Agent und Dealer Frank (Cuba Gooding Jr.) zwingt Udall dazu, auf Verdell aufzupassen – sozusagen als Wiedergutmachung für den Sturz in die Abfalltonne. Udall, dem das gar nicht recht ist, macht aus der Not eine Tugend und versorgt den kleinen Kläffer, so gut er kann. Bald beginnt der, Gefallen an seinem neuen Herrchen zu finden.

Besser gehts nicht ist einfach eine herrliche Drama Komödie in der Jack Nicholson zur absoluten Höchstform aufläuft und wunderbar charmant, witzig, schräg und sarkastisch das absolute Ekel von nebenan spielt. Ein zynischer Misanthrop, der sein Umfeld tyrannisiert und das auf unterhaltsamste Weise. Taffe Sprüche, ein Belgischer Zwerggriffon im Müllschlucker, ein schwuler Galerist, ein homosexueller Künstler und eine grenzenlos gestresste Kellnerin und Mutter. Das Aufeinandertreffen des neurotischen Zynikers mit seiner Umwelt ist traumhaft arrangiert.

Die Geschichte ist an sich trivial wie nur was, die Dynamik der Erzählung generiert sich aus der Komposition der Figuren, der Dialoge, der Musik, der Momente. Im Grunde ist es ja nur eine Parade von Szenen, in denen Nicholson brillante Gemeinheiten vom Stapel lässt und Helen Hunt ihn daür maßregelt. Wie aber Regisseur Brooks diese Szenen ablaufen lässt, mit der menschlichen Tragödie der drei Hauptfiguren verbindet und das alles mit einem Humor verbindet, als wäre Woody Allen nun plötzlich in erster Linie ein Zyniker, das ist schon wunderbar. Aber das, was den Film von der breiten Masse an ähnlich gelagerten Komödien abhebt, ist das Mit- und Gegeneinander der vier Hauptdarsteller, die quasi aneinander zur Hochform auflaufen.


Nicholson, der auf beneidens- und gleichzeitig bemitleidenswerte Weise den Kotzbrocken gibt, ist hier einfach eine Wucht. Er bräuchte seine Dialogzeilen beinahe nicht. Seine Mimik spricht deutlich aus, was er sagen möchte. Wenn er dann einem Hund noch Neurosen anerzieht, wie es zu vermeiden, auf Pflasterfugen zu treten und so perfekt sympathisch unsympathisch agiert oder Harold Ramis als Doktor zur Familie der Kellnerin schickt, damit diese bald wieder an der Arbeit auftaucht, dann ist das alles groß, trotz der simplen Geschichte, die leider auch im letzten Drittel zu eingleisig fährt und dabei etwas vom Weg abkommt.

Im Prinzip muss man dieses Werk nicht erklären oder anpreisen. Im Prinzip würde es nämlich reichen, hier eine beliebige Auswahl der Zeilen wiederzugeben, die man Nicholson für diesen Film in den Mund gelegt hat. Und wenn so etwas ausreicht, um den Rezensenten zum Schmunzeln zu bringen, kann man durchaus von einer gelungenen Komödie sprechen.

8/10