Posts mit dem Label SHYAMALAN werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label SHYAMALAN werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 22. Juni 2026

Lady In The Water - Das Mädchen aus dem Wasser (2006)

https://www.imdb.com/title/tt0452637/

Cleveland Heep (Paul Giamatti) ist Hausmeister in einem Apartment-Komplexes in der Vorstadt von Philadelphia und führt ein unauffälliges Leben ohne Turbolenzen. Doch das soll sich schlagartig ändern, als eines Nachts die mysteriöse, nixenartige Story (Bryce Dallas Howard) im Pool auftaucht und den tollpatschigen Heep nach einem unglücklichen Ausrutscher vor dem Ertrinken rettet. Die junge Frau stellt den verdutzten Hausmeister vor ein Rätsel. Zusammen mit Nachbarin Mrs. Choi (June Kyoko Lu) und ihrer Tochter Young-Soon (Cindy Cheung) findet er heraus, dass Story eine Narf ist und aus der "Blauen Welt" stammt. Dorthin will sie auch wieder zurückkehren, aber bösartige Kreaturen versuchen ihre Rückkehr mit allen Mitteln zu verhindern. Nur gemeinsam mit Heep und den Bewohnern der Hausanlage kann sie sich den Weg zurück in die Freiheit bahnen...

Mit "Lady In The Water" wagte M. Night Shyamalan 2006 einen mutigen Schritt weg vom klassischen Mystery-Thriller, für den er nach "The Sixth Sense", "Unbreakable" und "Signs" bekannt geworden war. Statt einer spannungsgeladenen Geschichte mit überraschender Wendung präsentierte er ein modernes Märchen voller Symbolik, Fantasie und spiritueller Themen. Das Ergebnis ist ein Film, der bis heute polarisiert: Für die einen ein unterschätztes Fantasydrama, für die anderen ein selbstverliebtes Experiment, das an seinen eigenen Ambitionen scheitert. Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo dazwischen. Die Grundidee besitzt zweifellos Charme. Shyamalan erschafft eine moderne Fabel über Hoffnung, Gemeinschaft und die Bedeutung von Geschichten. Besonders interessant ist dabei die Vorstellung, dass gewöhnliche Menschen zu Helden werden können, ohne es selbst zu wissen. Der Film vermittelt eine optimistische Botschaft und besitzt eine Aufrichtigkeit, die man schlicht nicht infrage stellen kann. Zu den größten Pluspunkten gehört die Besetzung. Paul Giamatti liefert eine starke und emotional glaubwürdige Leistung ab. Sein Cleveland wirkt verletzlich, einsam und zugleich sympathisch, wodurch er schnell zum emotionalen Mittelpunkt des Films wird. Auch Bryce Dallas Howard überzeugt als geheimnisvolle Story. Ihre ruhige Ausstrahlung verleiht der märchenhaften Figur eine gewisse Glaubwürdigkeit, die für das Funktionieren der Geschichte essenziell ist.

Atmosphärisch gelingt Shyamalan ebenfalls einiges. Die Wohnanlage wird zu einer fast magischen Kulisse, in der sich das Alltägliche und das Fantastische auf ungewöhnliche Weise vermischen. Die Kameraarbeit von Christopher Doyle und die stimmungsvolle Musik tragen dazu bei, dass der Film oft eine traumartige Qualität entwickelt. Gerade in seinen ruhigeren Momenten entfaltet "Lady In The Water" eine besondere Atmosphäre, die ihn von vielen Fantasyfilmen seiner Zeit unterscheidet. Die visuelle Gestaltung und die emotionale Ernsthaftigkeit des Films fasziniert, wenngleich die Geschichte etwas lahm ist. Gleichzeitig offenbaren sich damit auch die Schwächen des Films recht deutlich. Die Mythologie wirkt häufig unnötig kompliziert und wird in langen Dialogpassagen erklärt, anstatt organisch erzählt zu werden. Viele Nebenfiguren bleiben eher Konzepte als echte Charaktere, und manche Handlungselemente erscheinen konstruiert. Auch der Erzählrhythmus stellt eine Herausforderung dar. Einerseits ist die ruhige, märchenhafte Herangehensweise angenehm, wird aber schnell langatmig. Nicht jede Idee geht auf, und manche Szenen wirken deutlich wirkungsvoller in ihrer Absicht als in ihrer tatsächlichen Umsetzung. Dadurch entsteht der Eindruck eines Films, der voller interessanter Einfälle steckt, diese aber nicht immer überzeugend zusammenführen kann.

"Lady In The Water" ist damit ein ambitioniertes Fantasydrama mit viel Herz und einer unverwechselbaren Handschrift. Nicht alle Ideen funktionieren, und das Drehbuch bleibt der größte Schwachpunkt des Films. Dennoch sorgen die starke Besetzung, die märchenhafte Atmosphäre und Shyamalans Mut zum Ungewöhnlichen dafür, dass der Film trotz seiner Fehler ein sehenswertes und interessantes Werk bleibt - wenn auch kein vollends gelungenes.

6,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkLegendary Pictures/Blinding Edge Pictures/Warner Bros. Pictures

The Happening (2008)

https://www.imdb.com/title/tt0949731/

Nachdem sich in Großstädten an der Ostküste der Vereinigten Staaten immer mehr mysteriöse Selbstmorde ereignen, kommt Elliott Moore (Mark Wahlberg), Biologielehrer aus Philadelphia, dahinter, dass Pflanzen ein Nervengift entwickelt haben, das Menschen schließlich in den Freitod treibt. Er flieht mit seiner Frau Alma (Zooey Deschanel) und seinem Kollegen Julian (John Leguizamo) sowie dessen Tochter aufs Land, um der tödlichen Gefahr zu entrinnen. Doch dann erreicht die Katastrophe auch entlegenere Gebiete und die panischen Flüchtlinge versuchen, irgendwie zu überleben.

M. Night Shyamalan gehörte Mitte der 2000er-Jahre zu den meistdiskutierten Regisseuren Hollywoods. Nach Erfolgen wie "The Sixth Sense", "Unbreakable" und "Signs" galt jede neue Veröffentlichung als Ereignis. Mit "The Happening" wagte er 2008 einen ungewöhnlichen Umwelt-Horrorthriller, der weniger auf Monster oder übernatürliche Wesen setzte als auf eine unsichtbare Bedrohung aus der Natur selbst. Die Ausgangsidee war originell, die Umsetzung sorgte jedoch für eine der umstrittensten Reaktionen seiner Karriere. Zunächst aber besitzt "The Happening" durchaus Qualitäten. Die Eröffnungssequenzen erzeugen echtes Unbehagen und gehören zu den stärksten Momenten des Films. Shyamalan versteht es, Angst aus Unsicherheit zu erzeugen. Die Vorstellung einer unsichtbaren Bedrohung, die jederzeit und überall zuschlagen kann, ist effektiv und sorgt anfangs für eine beklemmende Atmosphäre. Leider gelingt es dem Film nicht, diese Spannung über die gesamte Laufzeit aufrechtzuerhalten. Mit zunehmender Dauer treten die Schwächen des Drehbuchs immer deutlicher hervor. Die Handlung verliert an Dynamik, wichtige Entwicklungen wirken konstruiert und die Erklärungen für die Ereignisse überzeugen nur bedingt. 

Die Dialogführung ist wenig überzeugend: Viele Gespräche wirken hölzern und künstlich, wodurch selbst talentierte Darsteller Schwierigkeiten haben, ihren Figuren Glaubwürdigkeit zu verleihen. Mark Wahlberg und Zooey Deschanel bleiben weit hinter ihren Möglichkeiten zurück, was allerdings ebenso dem Material wie ihren Darstellungen anzulasten ist. Dennoch wäre es zu einfach, "The Happening" als völligen Fehlschlag abzutun. Der Film besitzt eine seltsame Eigenartigkeit, die ihn bis heute interessant macht. Seine Mischung aus Katastrophenfilm, Paranoia-Thriller und ökologischer Warnung wirkt ungewöhnlich und hebt ihn von vielen austauschbaren Horrorproduktionen seiner Zeit ab. Rückblickend wirkt "The Happening" wie ein Film voller guter Ansätze, der nie eine überzeugende Form findet. Die Grundidee besitzt Potenzial, einzelne Szenen erzeugen echte Beklemmung, doch das schwache Drehbuch, die merkwürdigen Dialoge und die unbefriedigende Auflösung verhindern, dass daraus ein wirklich gelungener Thriller wird.

4/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork20th Century Fox/UTV Motion Pictures/Spyglass Entertainment/Blinding Edge Pictures/Dune Entertainment III

Dienstag, 28. April 2026

Signs - Signs: Zeichen (2002)

https://www.imdb.com/title/tt0286106/

Graham Hess (Mel Gibson) hat nach dem Tod seiner Frau den Glauben an Gott verloren. Gemeinsam mit seinen Kindern und seinem Bruder Merrill (Joaquin Phoenix) lebt er auf einer Farm, die über viele Felder verfügt. Eines Tages werden Kornkreise in einem der Felder gefunden, mysteriöse Dinge häufen sich: So greift der Hund ohne Warnung die Kinder an. Eines nachts scheinen außerdem auch Fremde auf der Farm herumzulaufen. Doch nicht nur bei Graham spielen sich unheimliche Dinge ab. Auf dem gesamten Planeten sind Kornkreise aufgetaucht und die Menschen haben das Gefühl, dass etwas in der Luft liegt. Unerklärliche Situationen häufen sich. Graham und Merrill wollen es nicht glauben, jedoch verdichten sich die Anzeichen, dass sie es wirklich mit Außerirdischen zu tun haben. Doch falls dies wahr ist, kommen die galaktischen Besucher in Frieden oder nicht?

Mit "Signs" erreichte M. Night Shyamalan im Jahr 2002 den Höhepunkt jener kreativen Phase, die ihn nach "The Sixth Sense" und "Unbreakable" zu einem der spannendsten Regisseure Hollywoods machte. Was auf den ersten Blick wie ein klassischer Alien-Invasionsfilm wirkt, entpuppt sich schnell als überraschend persönliches Drama über Verlust, Glauben und die Suche nach Sinn in einer scheinbar chaotischen Welt. Mehr als zwanzig Jahre nach seiner Veröffentlichung gehört "Signs" noch immer zu den bemerkenswertesten und atmosphärisch dichtesten Werken des Regisseurs. Im Mittelpunkt steht Graham Hess (Mel Gibson), ein ehemaliger Priester, der nach einer persönlichen Tragödie seinen Glauben verloren hat. Gemeinsam mit seinem Bruder Merrill (Joaquin Phoenix) und seinen beiden Kindern lebt er auf einer abgelegenen Farm in Pennsylvania. Als eines Morgens riesige Kornkreise in den Feldern auftauchen, beginnt eine Reihe seltsamer Ereignisse, die nicht nur die Familie, sondern schließlich die ganze Welt erschüttern. Doch anstatt sich auf spektakuläre Zerstörung oder aufwendige Spezialeffekte zu konzentrieren, richtet Shyamalan den Fokus konsequent auf die Menschen im Zentrum der Krise. 

Die größte Stärke von "Signs" ist damit seine Atmosphäre. Shyamalan beweist hier ein außergewöhnliches Gespür für Spannung und versteht es meisterhaft, Angst aus den einfachsten Dingen zu erzeugen. Ein Geräusch im Maisfeld, ein Schatten auf einem Dach oder das Knacken eines Babyphones reichen aus, um ein Gefühl tiefen Unbehagens hervorzurufen. Insbesondere die Fähigkeit des Films, Beklemmung aus dem Nichts entstehen zu lassen, ist bemerkenswert. Dabei lebt der Film nicht allein von seiner Spannung, sondern vor allem von seinen Figuren. Mel Gibson liefert eine seiner unterschätztesten Leistungen ab. Sein Graham Hess ist ein gebrochener Mann, dessen innerer Konflikt weit interessanter ist als die Frage nach den Ereignissen am Himmel. Joaquin Phoenix ergänzt ihn hervorragend als loyaler Bruder, während Rory Culkin und Abigail Breslin der Familie eine glaubwürdige Wärme verleihen. Gerade diese familiäre Dynamik sorgt dafür, dass die Bedrohung emotional greifbar bleibt. Visuell setzt "Signs" auf Zurückhaltung. Statt die außerirdische Bedrohung permanent zu zeigen, arbeitet Shyamalan mit Andeutungen und Unsicherheit. Diese Entscheidung macht viele Szenen deutlich wirkungsvoller als vergleichbare Blockbuster ihrer Zeit. Auch James Newton Howards Musik trägt erheblich zur Spannung bei und verstärkt die beklemmende Stimmung nahezu durchgehend. 

Ganz frei von Schwächen ist der Film allerdings nicht. Vor allem das Finale und dass bestimmte Aspekte der Auflösung logische Fragen aufwerfen mindert den Gesamteindruck, auch überzeugt die Verbindung zwischen religiöser Symbolik und Science-Fiction nicht vollständig. Das Finale ist weniger wirkungsvoll als den meisterhaften Spannungsaufbau zuvor. Interessanterweise hat "Signs" im Laufe der Jahre jedoch eher gewonnen als verloren, denn die einzigartige Atmosphäre hat bis heute nihts von ihrer Intensität eingebüßt und eine bestimmte Sezene am Ende macht "Signs" zu einem der unheimlichsten Alienfilme überhaupt. Damit ist "Signs" weit mehr als ein Film über Kornkreise oder Außerirdische. Es ist eine Geschichte über Glauben, Zufall und die Frage, ob Ereignisse im Leben einen größeren Zusammenhang besitzen. Gerade weil Shyamalan seine Science-Fiction-Idee mit einer sehr menschlichen Geschichte verbindet, entfaltet der Film eine emotionale Wirkung, die weit über die üblichen Grenzen des Genres hinausgeht. 

7,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkTouchstone Pictures/Blinding Edge Pictures/The Kennedy/Marshall Company

Dienstag, 29. Oktober 2024

Trap - Trap: No Way Out (2024)

https://www.imdb.com/title/tt26753003/

Der Familienvater Cooper (Josh Hartnett) besucht mit seiner Teenager-Tochter (Ariel Donoghue) ein Konzert ihres großen Pop-Idols Lady Raven (Saleka Shyamalan). Doch es stellt sich schon bald heraus, dass die Polizei das Mega-Event nutzen will, um einem berüchtigten Serienkiller, der in den Medien nur "The Butcher" genannt wird, eine Falle zu stellen, ihn festzusetzen und so seinem blutigen Treiben endlich ein Ende bereiten zu können. Und tatsächlich erweist sich die Information der Gesetzeshüter, dass sich der Butcher bei dem Konzert aufhalten soll, als richtig, handelt es sich bei dem Mörder in Wahrheit doch um den so harmlos wirkenden Cooper! Der will seine geheime „Identität" natürlich weiter unter Verschluss halten und sucht daher fieberhaft nach Mittel und Wegen, wie er am besten seinen hartnäckigen Verfolgern entwischen kann, während sich die Schlinge um ihn immer und immer weiter zuzieht...

Mit M Night Shyamalan bringt man nur zwei Dinge in Zusammenhhang: makellose Volltreffer oder brachiale Nieten. Der Schöpfer des Oscar-nominierten Films "The Sixth Sense" beendete seine Karriere als Starregisseur mit vier Razzie-Anwärtern in Folge, die eine durchschnittliche Rotten Tomatoes-Bewertung von 15 % vorweisen konnten. Seine Arbeit hatte jede Persönlichkeit verloren, der Filmemacher war nur noch ein Idiot, der angeheuert wurde, um große, dumme Studiofilme wie "After Earth" zu inszenieren - so stießen neue Shyamalan-Filme auf weniger Intrigen und mehr Frustration. Aber er machte einen kurzen Schritt zurück und formierte sich neu und arbeitete mit den Horror-Hitmachern Blumhouse für den Found-Footage-Horrorfilm "The Visit" zusammen, der mit einem Mikrobudget ausgestattet war, einem fiesen kleinen B-Movie, der ihn wieder in die guten Bücher von Publikum und Kritikern brachte. Er folgte mit einem noch größeren Erfolg, dem etwas weniger kleinen und wesentlich fieseren "Split", und plötzlich waren diejenigen, die Shyamalan unterstützt und dann verlassen hatten, wieder glücklich in seinem Team. Doch so schnell er es auch umdrehte, so schnell schaffte er es, es mit dem falsch eingeschätzten Einstieg in die Unbreakable-Trilogie "Glass", dem ungeschickten Body-Horror "Old" und dem kassentechnischen Apokalypse-Fehlschlag "Knock At The Cabin" zu vergeuden. Der Nervenkitzel war definitiv verflogen. Doch auch wenn man seine blöden Filme ertragen muss, fällt es immer noch schwer, nicht dieses Kribbeln vor Aufregung zu verspüren, wenn sein Name einen Trailer ziert - teils, weil viele von uns wissen, dass er es immer noch in sich haben muss, und teils, weil viele andere Regisseure seiner Größenordnung immer noch so engagiert sind daran, originelle Multiplex-Thriller zu machen? Die Veröffentlichung seines neuesten, hochkarätigen Horrorthrillers "Trap" hat bereits zu mehr Trailer-Memes als zu größeren Sommerfilmen geführt. Aber es wurde von den Kritikern ferngehalten, da Warner Bros. die Vorführung verweigerte - eine Seltenheit für einen Film dieser Größenordnung und ein besorgniserregendes Warnsignal für einen Regisseur, dessen Karriere damit übersät ist.

Letztendlich ist es nicht ganz so toxisch, wie diese Hands-off-Strategie vermuten lässt, aber "Trap" ist auch nicht wirklich viel: ein schlaffer und unaufgeregter kleiner Nachtschwärmer, der Shyamalans Comeback-Kurs nicht korrigieren kann. Er behauptet, seine ursprüngliche Aussage sei gewesen: "Was wäre, wenn "Das Schweigen der Lämmer" auf einem Popkonzert passieren würde?", eine ziemlich verrückte Idee, bei der Josh Hartnetts Serienmörder-Vater im Rahmen einer verdeckten Operation gefangen ist, während er seine Tochter zu ihrer Lieblingskünstlerin mitnimmt . Was daraus entstehen sollte, ist eine Übung in klammer, tickender Spannung, aber "Trap" ist ein Film, der wahnsinnig spannungslos ist, eine unterhaltsame Tonlage, die aber noch nicht weit genug entwickelt wurde, um als ganzer Film zu funktionieren. Die Dialoge sind unbeholfen wie Shyamalan an seinem schlimmsten Tag, komödiantische Momente sind unglaublich unlustig, Hartnetts "Butcher" macht als Killer wenig bis gar keinen Sinn und die Situationen sind überstürzt und schlecht durchdacht, mit unlogischem Schreibstil, der verwirrendere Fragen aufwirft, als ein Film wie dieser eigentlich sollte. Von den zahllosen Logiklöchern, die selbst dem dümmsten Kinozuschauer auffallen sollten, wollen wir da gar nicht erst anfangen.

Das Ungeheuerlichste an "Trap" ist, wie Shyamalan alles als Hintertür-Schaufenster für seine Tochter Saleka nutzt, die den Megastar auf der Bühne spielt, ihre Originalmusik singt und im umwerfend schrecklichen letzten Akt zu einer der Schlüsselfiguren des Films wird. Nur wenige Monate nachdem er versucht hatte, seine andere Tochter Ishana durch die Produktion ihres verhassten Horrorfilms "The Watchers" ins Rampenlicht zu drängen, besteht er nun darauf, dass Saleka ausbricht - ein ebenso unwahrscheinlicher Aufstieg angesichts der Beweise. Während ihre Musik für einen Star ihres Formats geradezu glaubwürdig, wenn auch etwas altmodisch ist, ist sie als Schauspielerin eine unangenehme Ablenkung. Shyamalan spielt in "Trap" sogar den Onkel seiner Tochter, in dessen einziger Szene er dem Publikum erzählt, wie unglaublich nett und unglaublich talentiert sie ist. Boah.

Seiner Tochter dabei zu helfen, in der Branche Fuß zu fassen, ist eine weitaus glaubwürdigere Hintergrundgeschichte für die Existenz von "Trap" als seine Idee "Hannibal Lecter umgeben von Superfans", denn als geschlossener Was-wäre-wenn-Thriller funktioniert es einfach nicht. Shyamalans Regie ist zu eintönig und gedämpft für etwas so absurd Albernes und sein Drehbuch macht sich einfach nicht die Mühe, die Falle, die dem Zsuchauer gestellt wurde, wirklich zu lösen mit cleveren Ideen oder, was am enttäuschendsten ist, raffinierten Wendungen. "Trap" ist ein Thriller, der fälschlicherweise glaubt, er sei teuflisch klug. Wenn man sich mehr darüber im Klaren wäre, wie dumm es eigentlich ist, hätte es vielleicht viel mehr Spaß gemacht.

3/10

Quellen
Inhaltsangabe: Warner Bros.
Poster/Artwork: Blinding Edge Pictures/
Warner Bros.

Freitag, 10. Februar 2023

Knock At The Cabin (2023)

https://www.imdb.com/title/tt15679400/

Das Paar Eric (Ben Aldrige) und Andrew (Jonathan Groff) verbringt seinen Urlaub gemeinsam mit Töchterchen Wen (Kristen Cui) in einer abgelegenen Hütte in der Natur. Beim Spielen im Wald trifft die kleine Wen auf den sanftmütig wirkenden Leonard (Dave Bautista). Das Familienidyll nimmt daraufhin ein jähes Ende, als dieser sich plötzlich begleitet von drei weiteren bewaffneten Fremden (Rupert Grint, Nikki Amuka-Bird und Abby Quinn) gewaltsam Zutritt zur Hütte verschafft und die Familie als Geiseln nimmt. Die Eindringlinge erzählen ihren Geiseln von einer mysteriösen Vision und fordern von ihnen eine unvorstellbare Entscheidung: Ein Opfer, um die drohende Apokalypse abzuwenden. Diese Entscheidung müssen sie jedoch allein fällen - auch darf sich niemand selbst das Leben nehmen. Da die Familie nur begrenzten Zugang zur Außenwelt hat, muss sie entscheiden, was sie glaubt, bevor alles verloren ist: Sind sie wirklich dazu auserwählt, die Welt zu retten oder handelt es sich bei Leonard und seinen Begleitern um eine wahnsinnige Sekte, die sie in ein perfides Spiel aus Gewalt und Angst drängen. Doch ganz so leicht will sich die Familie nicht den gewalttätigen Eindringlingen ergeben, schließlich haben Eric und Andrew in ihrer Beziehung schon ganz andere Hindernisse überwinden müssen...

Der allseits bekannte Regisseur M. Night Shyamalan war schon immer mit seiner eigenen Legende im Zwiespalt. Sein Durchbruchsfilm von 1999, "The Sixth Sense", drehte sich um eine Wendung, die so sensationell war, dass sie zu seinem Markenzeichen wurde. Doch Shyamalan gilt heute weniger als Regisseur denn als Trickbetrüger; für sein Publikum ist nur wichtig, wie reibungslos ihm der Teppich unter den Füßen weggezogen wird. Er hat Höhen und Tiefen in seiner filmischen Vita; ein unerbittlicher Kreislauf aus unvergleichlichem Hype und unvermeidlicher Enttäuschung. Mit kaum einer nennenswerten Wendung (zumindest im traditionellen Sinne) wirkt sein neuester Film "Knock At The Cabin" wie eine Absage an die Vergangenheit. Es ist ein (größtenteils) auf einen einzigen Schauplatz beschränkter, erzählerisch geradliniger Horror, der das heikle moralische Rätsel in seinem Zentrum mit einfallsreichem, Hitchcock'schem Flair aufrollt. Man darf in diesem Sinne hoffen, dass "Knock At The Cabin" stets als Erinnerung daran dient, dass Shyamalan für sein handwerkliches Können ebenso gefeiert werden sollte wie für seine Schocktaktik.

Der Film basiert auf Paul Tremblays 2018 erschienenem Roman "The Cabin At The End Of The World" und folgt einem Paar, Eric (Jonathan Groff) und Andrew (Ben Aldridge), das mit seiner kleinen Tochter Wen (Kristen Cui) in einer charmanten Hütte Urlaub macht, die Shyamalan von New Hampshire an den Rand seiner Heimatstadt Philadelphia verlegt hat. Der Familienspaß wird unterbrochen, als sie von vier bewaffneten Fremden als Geiseln genommen werden. Ihr Anführer, Leonard (Dave Bautista), erklärt, dass die Familie ein grausames Opfer bringen muss, um die Apokalypse abzuwenden. Die Eindringlinge sind nicht sofort als Fanatiker zu erkennen. Redmond (Rupert Grint) mag ein wenig aggressiv sein, aber der Rest - Leonard, Sabrina (Nikki Amuka-Bird) und Adrianne (Abby Quinn) - sind schwermütig und wirken beinahe, als wollen sie sich für ihre Forderungen entschuldigen. Und so folgt das quälende Dilemma von "Knock At The Cabin": Vertrauen Eric und Andrew den offen gesagt unglaublichen Worten von Fremden? Und ist dieses Vertrauen das Ende ihrer Familie wert?

Die ursprüngliche Romanadaption der Autoren Steve Desmond und Michael Sherman landete 2019 auf der Blacklist, einer Plattform für die heißesten unproduzierten Drehbücher Hollywoods, bevor sich Shyamalan auf einen überarbeiteten Entwurf stürzte, der Teile von Tremblays Handlung drastisch veränderte. Jetzt ist der Film reiner, auf seine ideologischen Grundzüge reduziert. Obwohl die fragliche Hütte nichts Spektakuläres an sich hat, rast Shyamalans Kamera wie ein Todesengel durch den Raum, schwindelerregend in den Winkeln und beunruhigend intim. Seine Linse nähert sich den Gesichtern von Eric und Andrew immer weiter an, während ihnen die schreckliche neue Realität dämmert.

"Knock At The Cabin" ist ein Kammerstück über Liebe und Glauben. Es erforscht, wie das menschliche Gehirn von dem zwanghaften Bedürfnis angetrieben wird, Muster zu finden und aus dem Chaos eine Geschichte zu machen. Eric und Andrew sind in jedem Winkel ihres Lebens mit Homophobie konfrontiert, und eine der vielen Ungewissheiten in "Knock At The Cabin " besteht darin, ob das Paar zu Recht an den Motiven seiner Entführer zweifelt. Auch Leonard und seine Crew sind sich ihrer Sache nicht so sicher. Auch ihr Glaube an die bevorstehende Apokalypse wird immer wieder in Frage gestellt. 

Als beschützender Vater Ben erkundet Aldridge die Liebe in ihrer verzweifeltsten Form, während Groffs Eric eine fast selige emotionale Klarheit besitzt. Bautista, der vor allem als Darsteller in den MARVEL-Filmen bekannt ist, bekundete vor kurzem sein Interesse an "dramatischerer" Kost. Mit "Knock At The Cabin" hat er sich diesen Wunsch scheinbar bereits erfüllt. Die Rolle des Leonard ist für den zum Schauspieler gewordenen Wrestler perfekt geeignet. Als grundsätzlich sympathischer Antagonist vertieft Bautista die schüchterne Aufrichtigkeit und auffallende Naivität, die bereits in seiner Rolle in "Guardians Of The Galaxy" zu sehen war. Auf diese Weise kann man ihn als einen verwandten Geist zu Shyamalan sehen. Befreit von der Last der Erwartungen, finden sowohl Schauspieler als auch Regisseur zu ihrer Kraft. Das Ergebnis ist, dass auch "Knock At The Cabin" dies tut. Und das macht den Film zu einem unterhaltsamen Vergnügen für den geneigten Zuschauer.

7/10

Quellen
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Universal Pictures

Sonntag, 6. März 2022

Old (2021)

https://www.imdb.com/title/tt10954652/

Guy (Gael García Bernal) und Prisca (Vicky Krieps) sind mit ihren Kindern Trent (Nolan River) und Maddox (Alexa Swinton) im Urlaub und freuen sich auf einen Tag an einem versteckten, abgelegenen Strand. Ganz für sich haben sie das Meer zwar nicht, denn schon bald tauchen andere Menschen am Strand auf, doch das erweist sich bald als ihr geringstes Problem: Beim Schwimmen findet der junge Trent die Leiche einer Frau, die nur wenige Augenblicke später schon komplett skelettiert ist. Und auch die Kinder werden plötzlich sehr schnell älter, wovon nicht nur Trent (jetzt: Alex Wolff) komplett verstört ist. Wie es scheint, altern alle, die sich am Strand aufhalten, rasend schnell. Spätestens am nächsten Morgen, so ist es zu befürchten, werden die meisten Strandurlauber tot sein. Und das Schlimmste ist: Es scheint kein Entkommen aus dieser verstörenden Beschleunigung zu geben... 

M. Night Shyamalans Mystery-Thriller "Old" blieb leider den Kritikern im Halse stecken. Moniert wurde die Verarbeitung der bizarren Comic-Vorlage, bei der der Regisseur alles frivol-grenzwertige entfernte und es mit einer Twist-Rahmenhandlung umsäumte. Nun, man kann auch ruhig zugeben, dass "Old" nicht der beste Shyamalan-Film ist. Zu viele Logikfehler werden dem Zuschauer schlicht als gegeben vor den Kopf geschlagen. Spätestens nach der Hälfte des Films, wenn auch dem letzten Zuschauer klar ist, dass die Protagonisten in einer Fast-Forward-Zeitfalle festsitzen, fragt man sich doch, warum sich Wunden innerhalb von Sekunden schließen, Haare und Fingernägel aber stets sauber und unangetastet in ihrer bisherigen Form verweilen - mal abgesehen von den Veränderung, die durch das Wachstum der Kinder entstehen. Vermutlich hätte der Film dann "Hairs & Nails" gehießen, denn das wäre dann wahrscheinlich das größte Problem der Hauptdarsteller.

Doch davon ab ist "Old" eigentlich nicht wirklich schlecht. Hätte Shyamalan eben diese Logikfehler nicht eingebaut, wäre vermutlich jedem Charakter, der den mysteriösen Strand betritt sofort aufgefallen, dass hier was mächtig schnell schief läuft. Okay. Nehmen wir so hin, denn die Hauptdarsteller machen insgesamt einen guten Job, obwohl keiner von ihnen ganz besonders heraussticht und sie mancher Situation nicht so schnell auf die Schliche kommen wie der geneigte Zuschauer. Das alles ist ansprechend fotografiert und mit ebenso unaufdringlicher Geräuschkulisse untermalt. Shyamalan setzt mehr auf den Off-Screen-Thrill, von Horror mag man hier nicht sprechen, auch wenn die eine oder andere Szene nur etwas mehr blutig ist. Die vermutlich erschütterndste Szene spielt sich auch nur in den Köpfen der Zuschauer, die selbst Kinder haben, ab. 

"Old", und das kann man ruhig sagen, ist nicht Shyamalans bester Film. Aber er ist beileibe auch nicht so übel, wie er von der breiten, öffentlichen Kritik gemacht wird. Sicher, die Story hat ihre Tücken und Löcher, doch wenn man sich darauf einlassen kann, unterhält "Old" mit seiner Grundprämisse und der Freude am puren Voyeurismus des Zuschauers auf ganzer Linie, ohne zu viel Leerlauf zu bieten.

6,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Universal Pictures

Dienstag, 5. Februar 2019

Glass (2019)

https://www.imdb.com/title/tt6823368/

Kevin Wendell Crumb (James McAvoy) ist noch immer auf freiem Fuß und hochgefährlich. Der junge Mann, der mehrere Persönlichkeiten in sich vereint, hat schon einige Menschenleben auf dem Gewissen und die Gefahr besteht, dass es schon sehr bald mehr werden, denn in ihm schlummert die Bestie, die gefährlichste seiner Persönlichkeiten. Der unverwundbare David Dunn (Bruce Willis), der seit dem Krebstod seiner Frau gemeinsam mit Sohn Joseph (Spencer Treat Clark) eine Sicherheitsfirma betreibt, heftet sich deshalb an seine Fersen, um ihm das Handwerk zu legen. In einem Lagerhaus kommt es zum Showdown zwischen Crumb und Dunn, der jedoch von einer Spezialeinheit der Polizei unterbrochen wird. Nun müssen die beiden Männer die Psychiaterin Dr. Ellie Staple (Sarah Paulson) davon überzeugen, dass sie keine Superkräfte haben – ansonsten werden sie für immer weggesperrt. Mit ihnen ihm Raum sitzt ein weiterer Patient mit einem vermeintlichen Superheldenkomplex: Elijah Price alias Mr. Glass (Samuel L. Jackon)...

"Glass" bildet den Abschluss einer Trilogie, die eigentlich gar keine ist, bzw. vermutlich nie so geplant war. Und wenn doch, dann war es die Vision eines ganz großen Regisseurs, der viel Vertrauen in sein Werk / sein Schaffen und vor allem aber auch in sein Publikum setzte. Als im Jahr 2000 "Unbreakable" in die Kinos kam dachte wohl keiner der Zuschauer mit nur einer Silbe daran, dass dies nur der Auftakt zu einer noch größeren Geschichte sein könnte. Warum auch? "Unbreakable" war in sich abgeschlossen und als "Split" 2016 - sechzehn Jahre später(!) - nach einer viel zu langen cineastischen Tiefphase M. Night Shyamalans die Zuschauer begeisterte, war es hier nur ein kurzer Moment, der etwas viel Größeres anteaserte. Aber so ist Shyamalan eben. Er überrascht den unvorbereiteten Zuschauer meist mit etwas, was einem den Mond offen stehen lässt. Und vor allem spaltet er das Publikum.


Und auch da nimmt sich "Glass" nicht raus: der Film spaltet die Kinogänger. Denn M. Night Shyamalan interessiert überhaupt nicht, was der Zuschauer erwartet, ihn interessieren nicht irgendwelche Sehgewohnheiten oder gar Erwartungshaltungen. Er erzählt seine Geschichte und entweder kauft man es ihm ab, kann diesem Werk etwas abgewinnen und denkt darüber nach, oder man verlässt enttäuscht den Saal. Nun muss man wissen, dass alle 3 Filme in gewisser Art und Weise Superheldenfilme sind. Wobei in keinem der Filme wirklich jemals klar wird, dass oder ob da Superkräfte im Spiel sind. "Glass" wird somit nicht der Film sein, den die meisten vielleicht erwarten. Er hat den enorm ruhigen (und guten) Erzählstil von "Unbreakable", weswegen der zweite Akt auch der stärkste Aspekt des Films ist. Der Film beginnt recht straff, dann wird jedoch jegliches Tempo herausgeholt. Man kann davon halten was man will, aber es ist irgendwie faszinierend der Entwicklung der Story zuzuschauen, denn trotz einiger Hinweise ist es nicht ganz klar, wohin die Geschichte treibt. Der Film dümpelt (im positiven Sinne) teils ein wenig vor sich hin, wird in einigen Momenten zum Kammerspiel.

Und doch schaut man immer ganz genau hin, denn man hat das Gefühl, man könnte irgendwo etwas übersehen. Es ist erfrischend, dass es Leute wie Shyamalan gibt, die sich noch trauen, ihre ganz eigene Geschichte auf ihre ganz eigene Art und Weise zu erzählen, mit großartigen Bildern und viel Liebe zum Detail. Das ist absolut nicht perfekt, aber das soll es wohl auch gar nicht sein. Irgendwie ist die Auflösung auch denkbar einfach, doch auch darum geht es nicht, es geht um den Weg dorthin. Die Dialoge sind brillant, die Kamera sogar herausragend und die Atmosphäre in der Anstalt ist absolut mitreißend. Der Film hat ein paar kleinere Patzer und seltsame (fragwürdige) Szenen, die wohl nur bei einer Zweitsichtung geklärt werden können - oder eben nicht, und besonders beim dritten Akt verhaut sich M. Night Shyamalan ein wenig mit seinen Twists, die alle weder Fisch noch Fleisch sind. Zudem wirft er, wie auch in den ersten 20 Minuten, ein wenig zu viel Action rein, was gar nicht nötig gewesen wäre. Das Ganze macht aber den Film keineswegs kaputt, weil die handwerkliche Arbeit und der ruhige Erzählstil für beste Unterhaltung sorgen.


Bei dem Cast kann man auch durchaus die Frage stellen, wer nun der Star des Films ist. James McAvoy, ohne wenn und aber. So schön es auch ist, Bruce Willis und Samuel L. Jackson wieder in ihren Rollen aus "Unbreakable" zu sehen, aber keiner kann mit dieser außergewöhnlichen Schauspielkunst von James McAvoy mithalten, die schon fast Oscar-würdig ist. Binnen weniger Sekunden wirkt er wie ein völlig anderer Schauspieler und das ist wohl einzigartig. Bruce Willis kann zeigen, dass er noch immer ein guter Schauspieler ist, auch wenn sein Charakter ein wenig unterfordert wirkt, wofür er selbst aber nichts kann, da sein Charakter einfach gegen Kevin total untergeht. Samuel L. Jackson als Mister Glass ist auch beim zweiten Mal großartig. Er spielt undurchsichtig und seine Motive sind am wenigsten zu durchschauen. Anya Taylor-Joy als Casey Cooke ist in jeder einzelnen Szene wundervoll und nach ihrer Rolle in "Split" erneut eine eindeutige Bereicherung. Einzig Sarah Paulson als Dr. Ellie Staple ist eine leichte Fehlbesetzung. Sie will irgendwie nicht in diese Charakterrolle passen. Sie spielt gut, aber der letzte Funke fehlt.

Auf dem Weg, den "Glass" nun mit seinen Akteuren beschreitet, werden also viele kleine Puzzleteile aus den Vorgängerfilmen, teilweise mit Rückblenden aus den Filmen selbst, zusammengesetzt, wodurch auch die eine oder andere Wendung absolut Sinn ergibt, auch wenn die eigentliche Auflösung sicher etwas konventionell daherkommt. Und damit wären wir beim Thema: man muss die beiden Vorgänger zwingend geschaut haben, denn um wirklich alles zu verstehen, ist vor allem "Unbreakable" immens wichtig. "Glass" knüpft nicht nur hier an, sondern es gibt sehr viele Andeutungen, es wird sehr viel eingestreut, was man nur dann komplett nachvollziehen (und sich daran erfreuen) kann, wenn man den ersten Film gesehen hat und das idealerweise nicht zuletzt vor 19 Jahren. Diese Verweise sind zwar nicht zwingend notwendig, um "Glass" komplett nachvollziehen zu können, aber nur wenn man "Unbreakable" wirklich vor Augen hat, bereitet der Abschluss der Trilogie wirklich Freude.


Unterm Strich ist "Glass" ganz sicher kein ultimatives Meisterwerk und die ersten Reaktionen / Reviews zeigen ja auch, dass manche rein gar nichts damit anfangen können. Man muss Shyamalan und seine Art mögen, vor allem natürlich auch mit "Unbreakable" etwas anfangen können. Dann ist "Glass" sehenswert. Außergewöhnlich, extrem ruhig und mit einer sehr guten Regie-Arbeit gesegnet. Es ist daher einfach schwer nachzuvollziehen, wie man diesen Film als langweilig betiteln kann. Gerade der gesamte zweite Akt in der Psychiatrie ist so spannend und intensiv, dass man geradezu in den Film hinein gesaugt wird. Man hätte sogar gänzlich auf die Actionszenen verzichten und den Film ausschließlich auf Dialoge beschränken können. Das Finale leistet sich allerdings auch einen dicken Bock und die Twists sind etwas haarsträubend und mit knapper Not noch hinnehmbar. "Glass" fasziniert dennoch. Nur die perfektionierte Raffinesse eines "Unbreakable" hat er nicht, weil er am Ende seinen hervorragenden Stil ein wenig verliert. Übrigens: ganz großartig ist es, den Filmsohn (Spencer Treat Clark) von Bruce Willis aus dem Jahr 2000 jetzt auch als erwachsenen Schauspieler in eben dieser Rolle zu sehen. Nach "Glass" darf man gespannt sein, wohin der Weg von M. Night Shyamalan führt. Nachdem er bereits abgeschrieben war, hat er sich zurückgekämpft und sogar an den Kinokassen scheint es wieder ganz passabel zu laufen. Und das Kino braucht ihn auf jeden Fall.

8/10

Von WALT DISNEY Studios Home Entertainment gab es den Film exklusiv bei zavvi im limitierten Steelbook. Die Erstauflage beinhaltet den Film in 4K im Halbschuber.

Quellen
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkUniversal Pictures / Buena Vista

Montag, 12. Juni 2017

Split (2016)

http://www.imdb.com/title/tt4972582/

Für die eigensinnige und achtsame Casey (Anya Taylor-Joy) und ihre zwei Freundinnen Claire (Haley Lu Richardson) und Marcia (Jessica Sula) wird das Leben zur Hölle, als sie eines Tages von einem unheimlichen Mann entführt werden. Ihr Peiniger Kevin (James McAvoy) entpuppt sich nur wenig später als ein ganz spezieller Mensch: Er leidet unter einer multiplen Persönlichkeitsstörung und vereint 23 verschiedene Wesen in seiner Psyche, die sich alle miteinander abwechseln und so für Verwirrung und Entsetzen sorgen. Während die Mädchen verzweifelt nach einer Fluchtmöglichkeit suchen, ahnen sie jedoch nicht, dass sich in Kevin etwas ganz besonders Böses regt – und zwar eine dämonische 24. Persönlichkeit, die sich nur "die Bestie" nennt und die drauf und dran ist aus Kevin auszubrechen. Für die Mädchen wird die Zeit immer knapper...

M. Night Shyamalan ist mit seinem neuesten Werk "Split" und nach seinem letzten Film "The Visit" entgültig zurückgekehrt und liefert einfach mal einen Beinahe-Volltreffer ab. Atmosphäre, Klimax, Subplots - es passt einfach alles zusammen und das ist nicht zuletzt deswegen eine wahre Freude, da nach Shyamalans "Kreativpause", in der er wahrlich keine guten Streifen ablieferte, wahrscheinlich niemand mehr ernsthaft damit gerechnet hat, dass er doch noch einmal an seine grandiosen Filme wie "The Sixth Sense" oder "Unbreakable" würde anknüpfen können.

Das Thema multipler Persönlichkeiten ist in "Split" zwar nur Projektionsfläche für Metafiktion, die zu Anfang nicht wirklich durchschaubar ist, mit zunehmender Laufzeit aber immer mehr Klarheit und damit Entsetzen mitsich bringt und gegen Ende sogar einen geschickten Bogen schlägt, zumindest dem pseudorealistischen Aufbau der Story folgend. Und gerade der Teil der Geschichte um Casey ist auf sehr klassische Art gelungen. Anya Taylor-Joy als Final Girl ist brillant geschrieben, Betty Buckley ist nur in erster Linie pure Plot Device und vom Hauptdarsteller braucht man gar nicht anfangen zu sprechen. Was James McAvoy hier abliefert ist ganz großes Kino und beinahe unfassbar, zu welchen Verwandlungen dieser Mensch fähig ist. Einzige Mankos sind kleine Längen in Mittelteil und die doch etwas zu bemühte Holzhammer-Symbolik, die den Figuren ihren jeweiligen Antrieb gibt.

Wenn M. Night Shyamalan nun so weiter macht, dann wird er bald wieder Filme in der Klasse von "The Sixth Sense" oder "Signs" machen, denn "Split" ist ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Die Handlung ist interessant und wurde gut geschrieben, nur ein paar derbe Logikfehler und Szenen, die einfach nicht sehr glaubwürdig wirken, vermiesen einem das Drehbuch leicht. Der Inszenierung kann man nichts vorwerfen, auch die Figurenzeichnung funktioniert gut und die Atmosphäre ist vielseitig. Das geht nämlich über einen normalen Psychothriller hinaus und bietet noch etwas Mystery, ferner auch als Horror zu bezeichnen. Auf jeden Fall gibt es eine dichte, düstere Stimmung und der Unterhaltungswert ist gut bis sehr gut. Was Shyamalan daraus dann weiter spinnt, wird interessant zu verfolgen sein. Bis dato gilt: "Split" ist ein guter Film mit ein paar wenigen Schwächen, aber er hat das gewisse Etwas.

8/10

Quellen
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Universal Pictures

Freitag, 7. Oktober 2016

The Visit (2015)

http://www.imdb.com/title/tt3567288/

Als eine junge Mutter (Kathryn Hahn) von ihren Eltern gefragt wird, ob ihre Enkel eine Woche bei ihnen verbringen können, treten Rebecca (Olivia DeJonge) und Tyler (Ed Oxenbould) freudig die Zugfahrt zur abgelegenen Farm ihrer Großeltern an. Dort angekommen, verbringen die Vier zunächst einen harmonischen und spaßigen Tag miteinander. Lediglich die strenge Vorgabe des Großvaters (Peter McRobbie), das Zimmer nach 21.30 Uhr nicht mehr zu verlassen, lässt die beiden Kinder etwas stutzig werden. Doch schon wenig später müssen sie feststellen, dass die Regel nicht ohne Grund existiert. Als die Geschwister nachts merkwürdige Geräusche hören und deren Ursprung auf den Grund gehen wollen, beobachten sie, wie ihre Großmutter (Deanna Dunagan) sich äußerst sonderbar verhält. Ihr Großvater tut dies am nächsten Tag als Lappalie ab. Doch auch tagsüber benehmen sich die beiden Senioren immer unheimlicher und bedrohlicher, sodass Rebecca und Tyler schließlich daran zweifeln, ob sie je wieder nach Hause zurückkehren werden.

Na vielen Dank für die Albträume, Mr. Shyamalan! Nach der Bruchlandung "After Earth" (zumindest an den Kinokassen, der Film an sich war dann doch weniger katastrophal wie oftmals behauptet wird) konnte sich M. Night Shyamalan mit eigenen finanziellen Mitteln diesen Film ermöglichen und bietet für seine (noch übrigen) Fans mal wieder ein kleines aber feines Stück Genrekino, wie man es von ihm erwarten würde.

"The Visit" ist eine unterhaltsame Horror-Groteske, in der Shyamalan Horror- und Found-Footage-Filme und letztlich auch seine eigene Arbeit persifliert. "The Visit" gibt vor, ein ernsthafter Horrorfilm zu sein, durchbricht aber die Erwartungen immer wieder mit skurrilen Scherzen. Zur Verstärkung dieses Effekts werden nahezu alle gängigen Horror-Klischees bedient, nur um immer wieder mit völlig überdrehten, fast schon ins surreal übersteigerten, Einschüben für Lacher zu sorgen. Zumindest bei einem Teil des Publikums. Diese Technik bzw. diese Art von Humor dürfte sicherlich nicht jedermanns Sache sein und setzt schon eine ganz spezielle Art von Publikum voraus. Dass die Reise zu den Großeltern als Found-Footage-Werk angelegt ist, schreckt zwar im ersten Moment etwas ab, erweist sich letztendlich aber als nicht so nervig wie befürchtet. Gleiches gilt für die beiden Kiddies (Olivia DeJonge und Ed Oxenbould), die ihre Sache recht gut machen. M. Night Shyamalan gelingt es überdies, einige ziemlich schräge und vor allem richtig gruselige Momente zu kreieren. "The Visit" entpuppt sich nach einem etwas tragikomischen, leicht beschwingtem Beginn als übler Psychoschocker, der auch mal wieder eine so richtig gruselige Atmosphäre schaffen kann.

Vor allem auch Deanna Dunagan trägt ihren Teil dazu bei, die es hervorragend und genüsslich versteht, in einem Moment die liebevolle Oma "Nana" zu spielen, nur um sich ab halb 10 abends zur absoluten Psycho-Großmutter zu verwandeln, die kotzt, kratzt, krabbelt und ihre Enkel in den Ofen klettern lässt (eine so plakative "Hänsel & Gretel"-Anspielung, dass es einfach nur köstlich ist). Man merkt an dieser Stelle, dass es der Film nicht komplett ernst meint, und sein bitterböses Spiel mit den Enkelkindern und dem Zuschauer bis zum Shyamalan'schen Twist zum Ende treibt. Somit ist "The Visit" eine freudige Wiederkehr zu den Stärken eines Regisseurs, der spätestens vor drei Filmen seine Wurzeln irgendwie aus den Augen verlor.

7,5/10

Noch ein Wort muss ich zur Freigabe verlieren. FSK-12, wie bitte? Keine Frage, es geht recht unblutig zu in "The Visit", aber  gerade der Psychoterror/-horror der letzten halben Stunde hätte locker für eine 16er Freigabe gereicht.

Quellen
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Universal Pictures

Samstag, 22. August 2015

Unbreakable - Unzerbrechlich (2000)

http://www.imdb.com/title/tt0217869/

David Dunn (Bruce Willis) ist der einzige Überlebende eines Zugunglücks – und das ohne einen einzigen Kratzer. Es dauert nicht lange, da bekommt er Besuch von Elijah Price (Samuel L. Jackson), der ein Museum für Comic-Künste führt. Der seit der Geburt an einer Glasknochen-Krankheit leidende Elijah eröffnet David, dass dieser unzerbrechlich ist. Dass er wie die mythologischen Figuren aus Sagengeschichten und Comics das Zeug zu einem Superhelden hätte. Von dieser verrückten Idee will der vernünftige David nichts hören, doch bohrende Fragen und nachdenklich stimmende Bemerkungen von Elijah lassen ihn nichtsdestotrotz nachforschen. David muss erkennen, dass an der Theorie des merkwürdigen Comicfans durchaus etwas dran sein könnte...

Nach dem durchschlagenden Erfolg von "The Sixth Sense" befand sich M. Night Shyamalan bereits unter einem merklichen Druck, denn er stand unter einer enormen Erwartungshaltung von Seiten aller, was seinen nächsten Film anging. Mit "Unbreakable" zeigt sich der Regisseur allerdings unbeeindruckt von jeglicher Erwartungslast und schafft etwas, das ganz anders ist als sein vorheriges Werk und trotzdem von enorm eigener Qualität geprägt ist.
Shyamalan beleuchtet den modernen Superhelden-Mythos und kreiert eine liebevolle Hommage an Comics selbst. Die Faszination der Fans, die mit leuchtenden Augen auf die bunt gestalteten Cover blicken und sich jedes mal erneut auf übermenschliche Fantasy-Geschichten freuen, ist auch die grundlegende Stimmung, die der Regisseur in sein Handlungsgerüst einfließen lässt.

"How many days of your life have you been sick?"

Im Grunde ist "Unbreakable" eine klassische Origin-Story, bei der der Superheld erst in seine Rolle wachsen muss und mit seiner Identität hadert. In diesem Fall ist das David Dunn, gespielt von Bruce Willis. Shyamalan zeichnet den Weg seines Protagonisten als nüchternes, realistisches Charakter-Drama, bei dem er in einem introvertiert-düsteren Stil und mit immer wieder auffällig beeindruckenden langen Takes das Innen- sowie Familienleben von David beleuchtet und die Beziehung ausbaut, die sich zwischen ihm und Elijah Price entwickelt. Der Regisseur geht jeglicher Form von Action, die man sich bei so einem Film eigentlich selbstverständlich erwarten würde, fast vollständig aus dem Weg und ist viel mehr an den zahlreichen Konfliktsituationen interessiert, die den Figuren in einer Situation wie dieser begegnen, wenn es darum geht, seine eigene Identität neu zu entdecken und diese vor allem verstehen zu können.

"Unbreakable" ist zudem einer dieser Filme, die nicht schlecht altern, sondern mit der Zeit besser werden. Vor allem in der heutigen Flut an standardisierten Comic-Verfilmungen wirkt er fast schon wie ein Fels in der Brandung, der einem zeigt, dass es auch noch andere, wirklich kreative Filme gibt, die den Superhelden-Mythos auf außergewöhnliche Weise behandeln. Und das macht "Unbreakable" zu einem mehr als empfehlenswerten Film, der vor allem anderen durch die Hauptdarsteller und die Realitätsnähe besticht. Das Ende - sofern man es bis dahin noch nicht erraten hat - ist ein zu Tränen rührender und gleichzeitig erschütternder Schlag in die Magengrube, wie es schon bei "The Sixth Sense" der Fall war. Man mag kaum glauben, das einem Regisseur zweimal derselbe Kniff gelingen kann - Shyamalan jedoch bewesit eindrucksvoll das Gegenteil.

An einem Punkt erzählt David Elijah, dass er sich immer unendlich traurig fühlt, wenn er früh aufwacht. Als sich die beiden ein letztes mal die Hand geben haben, sagt Elijah zu David: "Do you know what the scariest thing is? To not know your place in this world, to not know why you're here. That's... that's just an awful feeling." Am Ende haben beide ihren Platz in der Welt gefunden.

8/10

Von WALT DISNEY Studios Home Entertainment gab es den Film exklusiv bei zavvi im limitierten Steelbook. Die Erstauflage beinhaltet den Film in 4K im Halbschuber.


Quellen
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork
Touchstone Pictures / Buena Vista

Montag, 10. August 2015

The Sixth Sense (1999)

http://www.imdb.com/title/tt0167404/

Malcolm Crow (Bruce Willis) ist Kinderpsychologe und bekommt eine für ihn bedeutende Auszeichnung verliehen, die er mit seiner Ehefrau Anna (Olivia Williams) Abends feiert. Als plötzlich mit Vincent Grey (Donnie Wahlberg) ein ehemliger jedoch nicht geheilter Patient ins Haus eindringt, kommt es zur Katastrophe. Crow wird angeschossen und der Täter begeht Selbstmord. Ein Jahr später kümmert sich der Psychologe um den verhaltensgestörten Jungen Cole (Haley Joel Osment). Malcolm beschäftigt sich dabei so intensiv mit dem Fall, dass sich seine Frau dadurch vernachlässigt fühlt. Trotz allem möchte der ehrgeizige Seelenklempner nicht aufgeben, und schließlich wird Malcolms Zuneigung zum Jungen belohnt. Er erfährt, was Cole peinigt: Der Junge sieht tote Menschen. Er begreift, dass auch Vincent diese "Gabe" besaß und rät dem Jungen, vor den Verstorbenen keine Angst mehr zu haben, sondern ihnen zuzuhören.

"The Sixth Sense" ist einer der Filme, die einen richtig schön überraschen können - zumindest wenn man ihn zum allerersten Mal schaut. Die Story ist geschickt aufgebaut und von Anfang an sehr interessant. Sie beschäftigt so sehr, dass es trotz der durchweg ruhigen Inszenierung selten langweilig wird, nur hier und da ist die ein oder andere Sequenz etwas langatmig geraten. Nichtsdestotrotz gelingt Regisseur und Autor M. Night Shyamalan mit diesem Werk eine wirklich sehenswerte Mischung aus Psychothriller und Geisterhorror. Mit seiner einfachen, unspektakulären Inszenierung schafft der indische Regisseur eine trügerisch-ruhige, genreuntypische Atmosphäre, nur um diese immer wieder mit Schockerelementen zu zerschlagen. Shyamalan zeigt, dass man Horror auch in beängstigender Art und Weise in einer kleinen Räumlichkeit darstellen kann, indem man eine schreckliche Enge erzeugt und auf Spezialeffekte und CGI-Orgien verzichtet. Auch die gute Dosierung dieser Szenen verleiht ihnen noch mehr Wirkung. Dadurch, dass die Handlung immer auf die zu nächste Horrorszene hinarbeitet, ist besonders das zweite Drittel des Films unglaublich spannend.

Den Protagonisten spielt hierbei Bruce Willis in diesem Mystery-Drama der Extraklasse und zeigt, dass er außer dem stahlharten Actionhelden auch noch tiefgründigere Charaktere spielen kann. Charismatisch und sympathisch kommt er in "The Sixth Sense" rüber. Sein Klient, gespielt vom damals 11-jährigen Haley Joel Osment, steht ihm jedoch in Nichts nach, doch wenn man ehrlich ist dann kommt die tragende Leistung von ihm, für die er zurecht als zweitjüngster Schauspieler eine Oscar-Nominierung bekam.

Es macht auch beim zweiten oder dritten Mal sehen noch Laune, dem kleinen Jungen in seine Welt zu folgen und die Puzzelstücke zur Lösung des Bildes langsam zusammenzusetzen. Hinzu kommt dann ein völlig überraschendes Ende und hier ist es wirklich besser, man liest sich nur spoilerfreie Kritiken vor dem Film oder allumfassend bewertende Kommentare erst nach der Sichtung durch, dann kann man auch völlig unbefangen in die Geschichte eintauchen. Denn für den Ahnungslosen ist das Ende ganz großes Kino und hinterlässt einen rundum positiven Eindruck von einem zweifelsohne sehr gelungenen und durch seine auf Einfachheit beschränkte Inszenierung bestechenden Psychothriller. Großartig!

9/10

Von FILMJUWELEN erschien der Film im limitierten Mediabook:


Quellen
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Universal Pictures/Filmjuwelen

Samstag, 26. Oktober 2013

After Earth (2013)

http://www.imdb.com/title/tt1815862/

In "After Earth" treibt die Menschheit seit 1000 Jahren ohne einen Heimatplaneten ziellos durchs All. Als der legendäre General Cypher Raige (Will Smith) und sein Sohn Kitai (Jaden Smith) in einen Asteroidensturm geraten, stürzen sie mit ihrem Raumschiff ab und landen auf der Erde. Doch die Erde ist zu einem gefährlichen Ort geworden. Cypher wird bei der Bruchlandung schwer verletzt. Der 13-jährige Kitai muss nun einen Weg finden, ihn zu retten. Sein ganzes Leben träumte Kitai davon, in die Fußstapfen seines legendären Vaters zu treten. Jetzt erhält der Junge seine Chance.

Regisseur M. Night Shyamalan hat in der Vergangenheit viele gute Filme abgeliefert, angefangen von "The Sixth Sense" über "Unbreakable" und "Lady In The Water" bis hin zu "Signs", welcher schon nicht mehr ganz so innovativ war. Mit "After Earth" begibt er sich auf das Sci-Fi-Terrain - und scheitert kläglich. Leider. Dabei gab die Story einiges her: die Menschheit verlassen und verloren im All auf der Suche nach einer neuen Heimat - und auf der Suche nach jener neuen Welt gerät das Erkundungsschiff, welches das Vater-Sohn-Gespann Smith an Bord hat, in Schwierigkeiten und stürzt ab - auf der Erde.

Bis dahin ist es ja noch ganz gut, aber der ständig den Tränen nahe und doch so hart an sich arbeitende Rekrut Kitai (Jaden Smith, für den ich von Film zu Film mehr Abneigung empfinde) fängt schon nach 5 Minuten an, mich tierisch zu nerven. Anstatt sich der Situation zu stellen und seinen Mann zu stehen guckt er sich ständig ängstlich um und kämpft immer mit sich selbst und seinen Gefühlen, heimgesucht von Flashbacks und Kindheitserinenrungen. Natürlich will er seinem Vater etwas beweisen, wie es jeder Sohn will. Aber so? Das kaufe ich ihm nicht ab.

Will Smith hingegen macht seine Sache als ständig abwesender Vater, der fast völlig emotionslos ist, eine gute Figur. Nichtsdestoweniger trägt ja sein Sohn den Film und genau das ist das Kriterium, was ihn abstürzen lässt. Zudem ergeben sich völlig slurrile und unlogische Situationen (Warum rettet der"Adler" Kitai, wenn er ihn doch vorher seinen Kindern zum Fraß vorwerfen wollte? Nur weil Kitai seinen Brut vor angreifenden Großkatzen retten wollte - und selbst dabei scheiterte? Neeeee!). Abgesehen davon ist der Film extrem vorhersehbar und lässt schon ab Zeitpunkt des Absturzes keinen Zweifel darüber offen, wie der Streifen ausgeht. Zum Glück ist der Film nicht noch dazu ewig lang. Der Score hingegen ist gelungen und auch die Animationen (vor allem vom menschenjagenden Alien-Viecht URSA) sind großartig, auch wenn man manchen Tieren nahezu ansehen kann, dass diese eben nicht echt sind. Beim Alien hätte man es mit der Animation belassen sollen.

Tja, Herr Shyamalan, das war nichts, bzw. nicht viel. Der Trailer sagt im Grunde schon alles, was man über den Film wissen muss - und dabei bleibt es auch. Da hätte man mehr herausholen können, aber scheinbar gehen dem Herrn die Ideen aus. Schade.

5,5/10

Im Saturn gibt es ein exklusives Steelbook zum Film, welches den Film in einer 4K-gemasterten Fassung an Bord hat, welche tatsächlich ein bombastisch-gutes Bild liefert:


Quellen
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Sony