Dienstag, 7. April 2026

Anaconda (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt33244668/

Eine Freundesgruppe direkt in der Midlife-Crisis will aus ihrem Trott ausbrechen und noch mal was anderes machen wollen - allen voran Doug (Jack Black) und Griff (Paul Rudd). So beschließen sie zusammen den wilden Plan, ein Remake ihres Lieblingsfilms aus ihrer Jugend zu drehen: "Anaconda". Und weil es sie nach Abenteuer giert, soll das natürlich am authentischen Schauplatz mitten im Regenwald passieren. Tief im Amazonas angekommen, müssen sie aber – wie soll es auch anders sein – schnell um ihr Leben kämpfen. Denn nicht nur der Dschungel mit seinen Bewohnern selbst erweist sich als unerbittlicher Widersacher, sondern es treiben auch gefährliche Kriminelle hier ihr Unwesen. Natürlich gibt es auch die titelgebende Riesenschlange außerdem wirklich und verwandelt das kleine Abenteuer nun endgültig in ein gefährliches Spiel um Leben und Tod, bei dem es schnell nicht mehr nur um ein verrücktes Filmprojekt von Freunden geht.

Das Remake von "Anaconda" ist einer jener Filme, die mit einem Augenzwinkern an ihre eigene Lächerlichkeit erinnern und dadurch erst richtig charmant werden. Tom Gormicans Meta-Komödie nimmt den Kultklassiker von 1997 nicht als heiliges Erbe, sondern als perfekten Vorwand für ein chaotisches Freundesabenteuer: Eine Gruppe Midlife-Crisis-Opfer zieht in den Amazonas, um ein Remake ihres filmischen Idols zu drehen - bis eine echte Riesen-Anakonda die Dreharbeiten in ein echtes Schlangenabenteuer verwandelt. Was als selbstironische Hommage beginnt, entpuppt sich als herrlich unbeschwerte Runde aus Slapstick, Buddy-Chemie und genau genug Monster-Gore, um den Biss zu haben. Es ist kein Horror-Meisterwerk, aber eine Komödie, die ihre Schwächen als Stärke verkauft - und dabei lacht, bis die Lachtränen fließen.


Jack Black, ein Wirbelsturm aus Enthusiasmus und Tollpatschigkeit, spielt Doug McCallister, Paul Rudd, der ewige sympathische Chaot, seinen Jugendfreund Griff. Blacks hyperaktiver Traumtänzer, dessen "Lass uns das Ding drehen!"-Optimismus (wie schon in "King Kong") kollidiert mit Rudds trockenem Sarkasmus - das funktioniert wunderbar: ihre Chemie passt perfekt. Um dem Alltag zu entfliehen, schnappen sie sich die Filmrechte für "Anaconda" und chartern ein Boot in den Amazonas-Dschungel, um mit Freunden Claire (Thandiwe Newton), Kenny (Steve Zahn) und der mysteriösen Ana (Daniela Melchior) ihr Remake zu drehen. Mit winzigem Budget, improvisierten Kostümen und einem Cameo von Ice Cube als sich selbst entsteht ein meta-chaotisches Set: Doug als J.Lo-Stand-in, Griff als Jon Voight, alle stolpern durch Script-Änderungen und Technikpannen. Doch als eine gigantische Anakonda auftaucht - hungrig, aggressiv, mit lauten Jump Scares - wird aus Fake-Film echter Überlebenskampf. Newton bringt Claire scharfsinnige Coolness, Zahn Kenny als panische Comicfigur. Melchior bleibt als Ana etwas unterrepräsentiert, doch ihr Subplot mit brasilianischen Schurken (Selton Mello) gibt dem Chaos Struktur. Die Besetzung trägt Szenen wie die Boot-Reparatur oder das "Anaconda"-Sing-along mit solcher Leichtigkeit, dass man vergisst, wie klug der Humor getimt ist. 


Regisseur Tom Gormican dirigiert mit Augenzwinkern: Der Film parodiert B-Movie-Klischees - schlechte CGI-Schlangen, Script-Änderungen in letzter Minute, Cameos - und dreht sie zu Insider-Gags. Die echte Anakonda (besser animiert als 1997) beißt aggressiv zu, doch der Fokus liegt auf Komik: Laute Scares dienen dem Punchline, Gore ist cartoonesk. Der Amazonas fühlt sich lebendig an - neblig, sumpfig, bedrohlich -, und der Score mischt 90er-Nostalgie mit tropischem Beat. Es ist kein reiner Monster-Horror, sondern eine Komödie, die ihr Monster als Sidekick nutzt. Thematisch schimmert Midlife-Weisheit durch: Doug und Griff lernen, Träume trotz Chaos zu leben, Freundschaft über Fame zu stellen. Positive Botschaften wie Loyalität und Kreativität. Meta-Elemente spotten Hollywoods IP-Gier, ohne zu predigen - ein Spiegel für Fans, die Remakes lieben/hassen. 

"Anaconda" beißt zwar nicht ganz so hart zu wie erwartet, lacht aber herzhaft über sich selbst. Black und Rudd glänzen, Gormican bastelt ein charmantes Chaos - perfekt für Meta-Fans. Es schluckt sein Erbe nicht ganz, spuckt es aber mit Witz aus: Ein unterhaltsamer Biss ins Leere, der trotzdem satt macht. 

6,5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Columbia Pictures

Montag, 6. April 2026

Stromberg: Wieder alles wie immer (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt34991535/

Zwanzig Jahre sind vergangen, seit Bernd Stromberg (Christoph Maria Herbst) und sein Team von der Schadensregulierung der CAPITOL-Versicherung die deutsche Büro-Kultur auf den Kopf gestellt haben. Damals dominierten flapsige Sprüche, fragwürdige Umgangsformen und Kantinenessen ohne vegane Optionen. Nun steht ein Wiedersehen an, das klären soll, ob Stromberg und seine einstige Truppe sich ebenso verändert haben wie die moderne Arbeitswelt. Berthold "Ernie" Heisterkamp (Bjarne Mädel), Tanja und Ulf Steinke (Diana Staehly und Oliver Wnuk), Jennifer Schirrmann (Milena Dreissig) und Stromberg selbst treffen sich erneut - im Rahmen einer pompös inszenierten Reunion vor laufenden Kameras. Doch wie bei jeder Familienfeier kommen alte Konflikte, ungelöste Spannungen und reichlich Alkohol ins Spiel. Was als nostalgische Rückschau beginnt, gerät bald außer Kontrolle und endet in einem Chaos, das niemand vorausgesehen hat.

Gleich eines vorweg: dass mit der Film überhaupt ein paar Schmunzler abringen konnte, lag nur an einigen Interkationen zwischen Bjarne Mädel und Christoph Maria Herbst. Was man ihm zugute halten muss ist, dass "Stromberg: Wieder alles wie immer" eben nicht so tut, als wäre die Zeit stehen geblieben. Er ist weniger eine Rückkehr als ein Beweis dafür, wie schnell ein guter Einfall seine eigene Karikatur werden kann. Der Film weiß sehr genau, dass Bernd Stromberg nur deshalb funktioniert, weil er aus einer Kultur des kleinen Machtmissbrauchs stammt, aus dem Büro als moralischem Niemandsland, in dem ein Mann mit Halbglatze, Halbwissen und großer Klappe plötzlich so etwas wie Autorität beanspruchen durfte. 2025 wirkt diese Figur nicht nostalgisch, sondern wie ein Überbleibsel, das sich weigert, seinen Platz im Museum einzunehmen. Genau darin liegt der Reiz des Films - und auch sein größter Fehler. Das Publikum dürfte trotzdem einen weiteren Bürofilm erwartet haben, eine neue Runde jener präzisen, schmerzhaft komischen Beobachtung des Arbeitsalltags, die "Stromberg" einst so einzigartig machte. Stattdessen bekommt man einen Film, der sich zwar mit den alten Figuren zurückmeldet, aber zu oft den Eindruck erweckt, nur noch am Erbe zu hängen, das er selbst längst nicht mehr erneuern kann. 

Christoph Maria Herbst spielt Bernd Stromberg weiterhin mit bewundernswerter Kontrolle, doch genau diese Kontrolle lässt den Film paradoxerweise kalt wirken. Stromberg war einmal deshalb so unangenehm und lustig, weil er als Figur aus einem konkreten Milieu kam: dem kleinen Büro mit seinen kleinlichen Machtkämpfen, seinen peinlichen Hierarchien und seiner alltäglichen Unanständigkeit. Hier aber wirkt er wie ein Fossil, das man aus dem Schrank geholt hat, um zu prüfen, ob es noch denselben Effekt hat. Hat es nicht. Oder nicht mehr genug. Der Film verlässt sich sehr stark darauf, dass die bloße Rückkehr dieser Figur bereits ein Ereignis sei. Doch Wiedererkennung ist keine Dramaturgie. Das größere Problem ist, dass "Stromberg: Wieder alles wie immer" weder wirklich als Bürofilm funktioniert noch als scharfe Gegenwartsdiagnose. Wer eine neue, bissige Beobachtung des Arbeitslebens erwartet hatte, findet stattdessen einen Film, der seine Figuren durch Szenen schiebt, die eher wie Pflichtnummern wirken als wie lebendige Zuspitzungen. Es gibt Momente, in denen die alten Reibungen noch aufscheinen, doch viel zu oft wirken sie wie Wiederholungen ohne neuen Zweck. Man lacht gelegentlich, aber selten überrascht. Und bei einer Figur wie Stromberg ist Überraschung entscheidend, weil sein ganzes Prinzip auf dem unangenehmen Gefühl beruhte, dass im nächsten Satz schon wieder eine Grenze überschritten werden könnte. Hier kennt man die Grenze längst, und der Film hat nicht viel mehr im Sinn, als sie noch einmal zu umkreisen.

Auch das Ensemble leidet unter dieser Müdigkeit. Bjarne Mädel ist als Berthold "Ernie" Heisterkamp nach wie vor hervorragend, weil er jene Mischung aus Verletzlichkeit und passiver Gegenwehr mitbringt, die fast automatisch die stärksten Szenen erzeugt. Aber selbst er bleibt in einem Material gefangen, das eher auf Wiederbelebung als auf Entwicklung setzt. Die übrigen Rückkehrer werden mit sichtbarer Sorgfalt eingesetzt, doch der Film traut ihnen nicht wirklich zu, mehr zu sein als Erinnerungsanker. Das ist das eigentliche Problem solcher späten Fortsetzungen: Sie wollen das Publikum mit Vertrautheit beruhigen, vergessen dabei aber, dass Vertrautheit allein selten Kino trägt. Sie ist ein Anfang, kein Ziel. Regisseur Arne Feldhusen inszeniert das Ganze mit professioneller Gelassenheit, aber auch mit einer gewissen Vorsicht, die dem Stoff nicht guttut. Man spürt, dass er die Mechanik kennt, doch man spürt ebenso, dass der Film nicht so recht weiß, wohin er mit dieser Mechanik will. Soll er bissiger sein als früher? Melancholischer? Selbstkritischer? Die Antwort scheint oft zu lauten: alles ein bisschen, aber nichts konsequent. So entsteht ein Film, der in der Tonlage schwankt, ohne daraus Energie zu ziehen. Gerade die satirischen Spitzen verlieren dadurch an Schärfe; sie kommen nicht wie präzise gesetzte Stiche, sondern eher wie Erinnerungen an frühere Treffer. Am enttäuschendsten ist vielleicht, dass der Film den Büroalltag nicht mit jener unerbittlichen Genauigkeit betrachtet, die man von ihm erwarten durfte. Ein guter "Stromberg"-Film müsste das Arbeitsleben so zeigen, dass man sich gleichzeitig amüsiert, schämt und ein wenig ertappt fühlt. "Stromberg: Wieder alles wie immer" kommt dieser Wirkung gelegentlich nahe, bleibt aber zu oft an der Oberfläche seiner eigenen Idee hängen. Die Welt, die er zeigt, ist nicht mehr die alte, aber der Film zieht daraus keine wirklich neue Konsequenz. Er registriert den Wandel, statt ihn bissig-satirisch auszubeuten.

So bleibt am Ende ein Werk, das vor allem eines nicht sein will und es dann doch wird: bequem. Es spielt auf Sicherheit, auf Nostalgie, auf den Wiedererkennungswert einer Figur, die längst ikonisch geworden ist. Aber genau diese Sicherheit ist das Problem. "Stromberg" war immer dann am stärksten, wenn er unbequem war, wenn er unangenehm, kleingeistig, aber zugleich präzise als Symptom einer bestimmten Arbeitskultur wirkte. Hier wird er wiederholt, nicht wirklich neu belebt. Und ein wiederholter Witz, so treffend er einst war, verliert irgendwann seine Giftigkeit. Das Ergebnis ist kein Desaster, aber eine verpasste Gelegenheit. Das Publikum bekommt nicht den Bürofilm, den es erwartet hat, und der Film gibt auch nicht überzeugend an, warum er etwas anderes sein sollte. Er ist zu sehr Fortsetzung, um Neues zu wagen, und zu wenig mutig, um sich als eigenständiger Kommentar zu behaupten. Am Ende bleibt vor allem der Eindruck, dass hier eine Figur zurückkehrt, die einst präzise in ihre Zeit geschnitzt war, nun aber in einer Form wieder auftaucht, die ihre beste Eigenschaft eingebüßt hat: ihre Aktualität.

4/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: MadeFor Film//Brainpool/Prime Video/SevenPictures/Banijay Media Germany

Pretty Lethal - Pretty Lethal: Schön Tödlich (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt26678938/

Die fünf Profi-Balletttänzerinnen Bones, Princess, Zoe, Chloe und Grace (Maddie Ziegler, Lana Condor, Iris Apatow, Millicent Simmonds, Avantika) sind mit ihrer Lehrerin Miss Thorna (Lydia Leonard) unterwegs zu einem wichtigen Tanzwettbewerb in Budapest. Mitten im bewaldeten Nirgendwo hat ihr Bus dann aber eine Panne hat und kann nicht mehr weiterfahren. Handyempfang gibt es im Funkloch fern der Zivilisation auch keinen und als es dann auch noch in Strömen zu regnen beginnt, finden sie notgedrungen Zuflucht in einer seltsam anmutenden Absteige. Geleitet wird sie von Devora Kasimer (Uma Thurman), die früher selbst einmal Tänzerin war, die aber irgendwie unheimlich wirkt. Schnell merken die Ballerinas, dass hier irgendetwas ganz und gar nicht stimmt, doch da ist es schon zu spät und die Gruppe muss um ihr Überleben kämpfen. Allerdings kommt den Frauen dabei ihre harte Ausbildung zugute und sie lernen schnell neue, diesmal äußerst tödliche Tanzschritte.

Das ist genau die Art von Film, die man sich vorstellt, wenn man "Ballerinas vs. Gangster" hört: Ein Haufen zickiger Tänzerinnen landet in einem unheimlichen Gasthaus und muss ihre tänzerischen Skills zu tödlichen Waffen umfunktionieren - ein Konzept, das so absurd ist, dass es funktionieren muss, und tatsächlich tut es das, mit einem Übermaß an Gore, Choreografie und Uma Thurman, die wie eine verrückte Primaballerina aus der Hölle präsentiert wird. Vicky Jewson liefert hier typisches Streamer-Thriller-Futter - verrückt, blutig, unterhaltsam, aber letztlich zu seicht, um mehr als ein unterhaltsamer Abend mit einem Actionfilm zu sein.

Die jungen Darstellerinnen verkörpern eine dysfunktionale Truppe, die lernt, zusammenzuarbeiten; doch Uma Thurmans Devora stiehlt jede Szene mit herrlicher Bosheit. Die Mädels - ihre Gegenspielerinnen - sind aber als Charaktere entweder nicht nicht lächerlich genug oder eben zu ernst, um einen wirklich für ihre Figur zu begeistern, doch ihre physische Präzision (Ballett als Kampfsport) überzeugt. Jewson inszeniert dynamisch: fantasievolle Kills (Zehennägel-Torture Porn dank Ballettfüßen), ordentlich choreografierte Fights, kitschige Baroque-Ästhetik. Das Tempo ist, nach einer etwas zu langen Exposition straff und liefert dann aber Schlag auf Schlag blutige Action. Der Humor kommt auch nicht zu kurz, der Gore-Level passt. Wäre nur nicht der Plot so dünn, die Charaktere austauschbar und würde der Film etwas mehr Tiefe jenseits des Gemetzels bringen - er wäre besser und erinnerungswürdiger.

"Pretty Lethal" thematisiert oberflächlich Teamwork und Empowerment, bleibt aber bei den Ballerinas, die den Gangstern zeigen, wer hier wirklich härter ist - ein Guilty Pleasure, das seine Absurdität kennt und regelrecht umarmt. Kein Meisterwerk, aber ein spaßiger Streamer für Action-Fans. Und mehr konnte (und sollte) man eigentlich auch nicht erwarten.

6/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: amazon Video/87North

Dienstag, 31. März 2026

Captivity (2007)

https://www.imdb.com/de/title/tt0374563/

In einem Club wird das junge Model Jennifer Tree (Elisha Cuthbert) von einem psychopathischen Killer betäubt und mit in sein Haus genommen. Dort sperrt der Entführer die schöne Frau in eine Hightechzelle, die so eingerichtet ist, dass sich Jennifer zunächst in einem Hotelzimmer wähnt. Als das Model erkennt, wie die Lage wirklich aussieht, fängt sie an zu randalieren - und wird wieder betäubt. Wer nun denkt, der Urlaubstrick wäre das einzige, was sich der Psychogeiselnehmer ausgedacht hat, irrt. Jennifer steht eine grausame Zeit bevor. Ob ihr Mitgefangener Gary (Daniel Gillies) bei der Flucht helfen kann?

"Captivity" ist genau das, was man von einem Torture Porn-Film auf dem Höhepunkt des Genres und im Zuge des Mitschwimmens auf der "SAW"-Welle erwartet - und leider auch genau das, was ihn so enttäuschend macht: Eine schöne Frau wird entführt, gefoltert, und der Film verwechselt Ekel mit Spannung, ohne je eine Geschichte zu erzählen, die über das bloße Aussetzen von Elisha Cuthbert an sadistische Freuden hinausginge. Roland Joffé, der einst mit "The Killing Fields" und "The Mission" zu den Meistern des epischen Dramas gehörte, landet hier in der Vorhölle des Direct-to-Video-Horrors. Er wartet mit relativ harmlosen Folterporno-Klischees auf und liefert dazu mäßige Spannung, nichts, an was man sich 2 Minuten nach dem Abspann erinnern würde. Cuthbert ist das einzige Highlight: Ihre Jennifer leidet glaubwürdig, ohne zu übertreiben - eine Performance, die mehr verspricht als das Skript hält. Gillies und Vince sind austauschbar sadistisch, ohne Tiefe. 

Joffé und Kameramann Denis Lenoir schaffen keine Atmosphäre - der Keller ist steril, Folter-Szenen klinisch, ohne Spannungsbogen. Dazu kommt ein Twist, den man meilenweit vorhersehen kann, Sound und Schnitt fehlen Rhythmus - es gibt viel zu kritisieren. Als Torture Porn fehlt ihm Reflexion - keine Kritik an Voyeurismus, nur Exploitation. Cuthberts Engagement rettet wenig; Joffé versagt kläglich. Ein trauriges Relikt des Genres, das seine eigene Leere beweist.

2/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Lionsgate/Captivity Productions/Foresight Unlimited/Russian American Movie Company

Montag, 30. März 2026

Sei Donne Per L’assassino - Blood And Black Lace - Blutige Seide (1964)

https://www.imdb.com/de/title/tt0058567/

Die Contessa Christiana Cuomo (Eva Bartok) und ihr Partner Max Morlacchi (Cameron Mitchell) leiten in Rom eine exklusive Modeagentur voller glamouröser Models. Die scheinbar perfekte Welt aus Seidenroben und Fototerminen wird brutal zerstört, als die Models Isabella, Nicole, Peggy und weitere systematisch ermordet werden - von einem maskierten Killer in schwarzem Umhang, der mit phallischen Werkzeugen wie Scheren, Meißeln oder Peitschen grausame, inszenierte Morde begeht. Die Polizei unter Kommissar Silvestri (Thomas Reiner) ermittelt im Kreis der Verdächtigen: Neben den Agenturchefs kommen Models, Liebhaber und Angestellte infrage. Isabellas blutiges Tagebuch enthüllt ein Netz aus Drogenhandel, Erpressung und sexuellen Intrigen. Jeder Mord folgt einem Ritualmuster - die Leichen werden in der Agentur präsentiert -, während Panik und Misstrauen wachsen. Am Ende zeigt sich: Gier und Verrat innerhalb der glitzernden Fassade treiben den Killer an, in einem finalen Blutbad, das die wahren Täter entlarvt...

Mario Bavas "Blutige Seide" gilt als der protokollreine Ursprung des Giallo-Genres: ein farbexplodierender Kriminalfilm, der schöne Models in einem römischen Modesalon zu inszenierten Opfern eines maskierten Killers macht und mit jedem Mord zeigt, dass Stil hier Plot und Charakter bei Weitem übertrumpft. Bava, der italienische Maler mit der Kamera, schuf 1964 ein visuelles Manifest, das Slasher, Whodunit und Gothic-Horror zu einem Genre verschweißte - präzise, blutig, unvergesslich, aber mit Figuren, die kaum mehr als elegante Leichname sind. Der Film ist mit knapp 90 Minuten straff  gehalten, aber Plot dient nur der Optik und liefert perfekte Giallo-Zutaten. 

Die Models sind austauschbare Schönheiten - Objekte männlicher Begierde mit eindeutig sexuellem Subtext und tödlicher Rache -, Bartok und Mitchell verkörpern dekadente Eleganz, Reiner den routinierten Cop. Die Todeskämpfe entblößen die Models, die Morde sind teilweise richtig sadistisch.  Und diese sind auch die größte Stärke des Films, denn jeder Tod spiegelt die Laster der einzelnen Opfer wider. Doch die fehlende Dramaturgie und mangelnde Tiefe in Charakteren fallen negativ ins Gewicht. Auch der Plot hangelt sich von einem Kill zum nächsten und hat sonst keine weitere spürbare Funktion. Dafür ist Bavas Genie audiovisuell: Antonio Rinaldis Kamera malt mit Licht - Grün-Gelb-Rot-Schwarz als abstrakte Tafeln, Neonbeleuchtung, geometrische Kompositionen, Inszenierung der Morde als eine Art Ballett: Kamerafahrten durch Maskenlöcher, surreale Sets, Les Baxters nervöser Score. Das passt alles perfekt. Letztlich lässt sich dieser Urvater des Giallo aber durchaus als Satire auf die gesamte Modewelt der 60er sehen: Schönheit als Fluch, Frauen als Ware, Gier als Killer. Bava pfeift 1964 auf Realismus und schafft mit "Blutige Seide" eine für damalige zeit moderne Inszenierung, bei der Nihilismus auftrumpft: der Tod siegt immer. 

"Blutige Seide" ist rein storytechnisch ein eher lahmer Film mit blassen Charakteren. Doch auf der Haben-Seiten ist er visuell revolutionär, genre-definierend, stilistisch ekstatisch und ein Film, der mit jedem Bild atmet (und blutet).

7/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Emmepi Cinematografica

Samstag, 28. März 2026

They Will Kill You (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt31728330/

Asia Reaves (Zazie Beetz), eine Ex-Strafgefangene, braucht dringend einen Neuanfang und nimmt eine Stelle als Haushälterin in einem luxuriösen, aber merkwürdig abgeschotteten New Yorker Hochhaus an. Das Gebäude, "The Virgil", ist eine exklusive Wohnanlage, in der über Jahre hinweg immer wieder Menschen spurlos verschwunden sind - ein Umstand, von dem Asia zunächst nichts weiß. Schon kurz nach Arbeitsantritt merkt sie, dass mit den Bewohnern und den vielen verschlossenen Bereichen des Hauses etwas nicht stimmt: seltsame Rituale, flüsternde Nachbarn, Überwachungskameras an jeder Ecke und ein dichtes Netz aus Regeln, das ihr Verhalten kontrollieren soll. Allmählich entdeckt Asia, dass im Virgil ein satanischer Kult residiert, der das ganze Hochhaus als Tempel und Todesfalle nutzt und regelmäßig Menschenopfer bringt - und dass sie für die bevorstehende Nacht als nächste Opfergabe vorgesehen ist...

Regisseur Kirill Sokolov, der bereits mit "Why Don't You Just Die!" als Freund des überdrehten Splatter-Slapsticks aufgefallen ist, inszeniert seinen "They Will Kill You" als bösartige Genre-Achterbahn, so laut und exzessiv, dass man den Film eher erlebt als analysiert. Er tut auch gar nicht erst so, als wollte er subtil sein und liefert  einen 100‑minütiger Adrenalinschub aus Horror, Action und pechschwarzer Komödie, der eine Frau in e in Hochhaus steckt und das Gebäude in einen einzigen, blutgetränkten Todesparcours verwandelt. Zazie Beetz spielt mit vollem Einsatz ihre Asia in einer Mischung aus Verletzlichkeit und zäher Überlebensenergie. Sie ist aber keine unverwundbare Actionheldin, sondern eine Frau, die Panik kennt und trotzdem weitermacht, weil sie keine andere Wahl hat - mit zunehmender, fast stoischer Brutalität, die trotzdem nie die Menschlichkeit verliert. 

Das Ensemble um sie herum ist ein vergnügt böses Bestiarium: Heather Graham als Sharon, eine kultische Anführerin, die entfesselt zwischen Stepford-Lächeln und hysterischem Fanatismus schwankt; Tom Felton als Kevin, ein ungestümer Jünger, dessen nervöse Energie in jeder Szene droht, in Gewalt zu explodieren. Patricia Arquette und Paterson Joseph sorgen für zusätzliche Schrägheit und Machtausübung im Kultgefüge, während Myha’la als mögliche Verbündete oder Rivalin Asias Ambivalenz in das Ensemble bringt. Eine der Stärken des Films liegt darin, dass Sokolov seine Schauspieler das Maximum geben lässt: Jede Nebenfigur ist ein bisschen zu laut, zu exzentrisch, zu überzeichnet - aber in einem Film, der sich als ein Mix aus "Kill Bill" und "Ready Or Not" (dessen Fortsetzung bereits in ein paar Tagen ins Kino kommt) inszeniert, fühlt sich gerade diese Übertreibung richtig an.

Sokolov liebt Setpieces, und "They Will Kill You" ist voll davon. Das Gebäude wird zur Bühne für alle denkbaren Arten für physische Konfrontationen: Aufzüge, Zwischenräume, Flure, Treppenhäuser und Penthäuser verwandeln sich in Arenen, in denen jede Tür ein neues, oft blutig-komisches Szenario öffnet. Ein Adrenalinrausch voller actiongeladener Kämpfe, jede Menge Blut und Gemetzel sowie zahlreicher Momente, in denen man laut lachen muss. Die Kamera ist agil, aber nicht unlesbar; der Schnitt ist schnell, aber gerade noch nachvollziehbar: Man spürt in jeder Sequenz Sokolovs Musikvideo-Erfahrung und seinen Hang zur Cartoon-Gewalt. Das Design des Hauses und der Rituale ist bewusst überzeichnet: Masken, Roben, Altäre und Gänge wirken wie eine Mischung aus satanischem Escape Room und Vergnügungspark. Das ist nicht subtil, aber stimmig: Der Film will mehr Achterbahn als Albtraum sein; das Grauen ist physisch, aber selten existenziell. 


Die vielleicht heikelste Balance in "They Will Kill You" ist der Ton. Der Film ist ein non-stop Actionspektakel, ohne zu viele Pausen. Sokolov und Co-Autor Alex Litvak schreiben Dialoge, die pointiert, manchmal bewusst trashig sind und immer wieder das Grauen unterlaufen. Das erinnert schon bald an eine wilde Mischung aus "Evil Dead" und "Itchy & Scratchy": totales Over-the-Top-Cartoon-Gemetzel, bei dem abgerissene Körperteile, Waffen und slapstickhafte Slasher-Momente fast immer mit einem Lacher enden. Das funktioniert hervorragend, solange man den Film als Spektakel, nicht als psychologischen Horror versteht. Wer mehr Story erwartet, wird dagegen massiv enttäuscht werden: Der Plot ist minimal, Vorhersehbarkeit wird bewusst in Kauf genommen, um Kill-Choreografie und Gags in den Vordergrund zu stellen. Unter der Oberfläche gibt es Ansätze von Kommentar: Asias Rolle als Außenseiterin, die das System von innen zerschlägt, hat Züge des klassischen Final Girl, erweitert um ein deutliches "Eat The Rich"-Vergnügen, das seit "Ready Or Not" zum modernen Horror gehört. Doch dieser Kommentar ist so unterschwellig und marginal, dass er kaum ins Gewicht fällt. Tieferliegende Fragen nach Kultpsychologie oder Opfer/Täter-Dynamiken werden angerissen, aber nie wirklich verfolgt. 

Unterm Strich ist "They Will Kill You" kein feiner Horrorfilm; er ist eine blutverschmierte, knochenbrechende, oft sehr witzige Genre-Maschine, die genau liefert, was Trailer und Titel versprechen. Zazie Beetz bekommt eine Starrolle, in der sie sowohl körperlich als auch komisch glänzen kann, das Ensemble trägt den Exzess, und Sokolov bestätigt seinen Ruf als Regisseur, der Gewalt in pure Kinetik und Cartoon-Energie übersetzen kann - ein lustvoll böser, handwerklich versierter Ritt durch einen satanischen Wohnturm, der zeigt, dass Splatter und Stil sich nicht ausschließen müssen.

7/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Skydance/New Line Cinema

Freitag, 27. März 2026

Rosemary's Baby - Rosemaries Baby (1968)

https://www.imdb.com/de/title/tt0063522/

Das bisher kinderlose Ehepaar Rosemarie (Mia Farrow) und Guy Woodhouse (John Cassavetes) ziehen zusammen in eine neue Wohnung im Herzen von New York. Wie sie bei der Besichtigung erfahren, hat das Haus eine mysteriöse Vergangenheit, was primär Rosemarie nicht davor abschreckt, sich dennoch dort niederzulassen. Als sie nach einem tödlichen Unfall einer Mieterin das ältere Ehepaar Minnie (Ruth Gordon) und Roman Castevet (Sidney Blackmer) kennenlernen, fühlen sich die neuen Bekannten geradezu euphorisch zu den Woodhouses hingezogen. Bei einem gemeinsamen Essen fällt Rosemarie nach dem Genuss einer Mousse au Chocolat in einen tiefen Schlaf, in dem sie träumt, dass sie vom Teufel vergewaltigt wird. Tatsächlich, so erfährt sie nach ihrem Erwachen, hat ihr Ehemann mit ihr geschlafen, weil dieser die Zeit des Eisprungs nutzen wollte. Als sie kurz darauf schwanger wird, nimmt das Unheil seinen Lauf.

"Rosemary's Baby" ist einer der seltenen Horrorfilme, bei denen die Bezeichnung "Klassiker" nicht nostalgische Höflichkeit, sondern eine nüchterne Beschreibung ist: Regisseur Roman Polanski verwandelt Ira Levins ohnehin effektiven Bestseller in ein Meisterstück über Paranoia, weibliche Ausgeliefertheit und den Horror, dass das Böse nicht in entfernten Krypten, sondern in gut geheizten Altbauwohnungen wohnt. Das permanente, unterschwellige Gefühl unvorstellbarer Gefahr um Rosemary Woodhouse herum - und genau dieses Gefühl, nicht einzelne Schocks, macht den Film so nachhaltig beunruhigend. Die Handlung ist auf den ersten Blick simpel: Rosemary (Mia Farrow) und ihr Mann Guy (John Cassavetes), ein Schauspieler, ziehen in ein altes New Yorker Apartmenthaus, den Bramford, dessen Geschichte von okkulten Vorfällen durchzogen ist. Sie freundet sich mit den schrulligen Nachbarn Minnie und Roman Castevet (Ruth Gordon, Sidney Blackmer) an, die erst aufdringlich, dann geradezu vereinnahmend werden - Kräutertränke, "freundliche" Ratschläge, ein dichtes Netz sozialer Kontrolle. Rosemary wünscht sich ein Kind, hat einen verstörenden Traum von einem satanischen Ritual und wacht mit Kratzspuren und Schmerzen auf; kurz darauf ist sie schwanger, Guy bekommt plötzlich beruflichen Erfolg, und ihr Umfeld - inklusive Frauenarzt Dr. Sapirstein - beginnt sie wie eine Patientin in einem Experiment zu behandeln. Der Film folgt ihrem wachsenden Verdacht: dass die Castevets ein Satanistenkult sind, dass Guy sie verraten hat und dass ihr Kind nicht "normal" sein wird. Wenn die berühmte finale Offenbarung kommt, wirkt sie nicht als Schock, sondern als unausweichlich: Das Grauen liegt darin, dass der Zuschauer im Grunde schon lange weiß, was passieren wird, und Rosemary nicht helfen kann.

Einer der Gründe, warum "Rosemary's Baby" als Meilenstein gilt, liegt in Polanskis Inszenierung: Die Inszenierung ist auffallend natürlich, fast nüchtern: Manhattan der 60er, reale Straßen, enge Wohnungen, Dialoge, die wie Alltagsgespräche klingen. Der Film vermeidet plakativen Horror zugunsten psychologischer Spannung; Polanski bringt das Publikum dazu, die hysterischen, fantastischen Befürchtungen der Heldin für möglich zu halten, indem er die Welt um sie herum so glaubhaft und unspektakulär hält. Die Kamera bleibt meist auf Rosemarys Höhe, folgt ihr durch Türen, lässt wichtige Dinge bewusst außerhalb des Bildes passieren - ein formales Prinzip, das späteren Horror stark prägte: Angst vor dem, was man eben nicht sehen kann, nicht vor dem, was man meilenweit angelaufen kommen sieht. Jump Scares, Monster, Effekthascherei fehlen fast völlig; die Angst entsteht aus dem ständigen Verdacht, dass hinter jedem freundlichen Lächeln ein Komplott lauert. 

Mia Farrows Darstellung, mit ihrer zerbrechlichen Physis, dem Kurzhaarschnitt, der hohen Stimme, verkörpert eine Figur, in der sich Naivität, Intelligenz und zunehmender Wahnsinn mischen. Die Identifikation mit ihr ist so stark, dass ihr Kontrollverlust sich direkt auf den Zuschauer überträgt. John Cassavetes spielt Guy als charmanten Opportunisten: nie als offenen Bösewicht, sondern als Mann, dessen Ambitionen ihn Schritt für Schritt korrumpieren; seine Ambivalenz verstärkt die Ungewissheit - liebt er sie noch, oder ist sie nur noch Pfand in einem Pakt? Ruth Gordon, die für Minnie einen Oscar bekam, balanciert grotesken Humor und Bedrohung: eine liebevolle Nachbarin, deren aufdringliche Fürsorge und schrille Art oft komisch sind und zugleich das Gift einbringen, das Rosemary schluckt. Der Film nutzt Humor gekonnt, um Spannung zu entladen - nur um die nächste Drehung der Schraube umso schmerzhafter enger zu ziehen. Und hat Ruth nicht eine gewisse Ähnlichkeit mit Tante Gladys?

Jenseits des Satanismus ist "Rosemary's Baby" ein hochpolitischer Film seiner Zeit. 1968 flamme gerade eine zweite Welle des Feminismus auf; Debatten um die Pille und das Abtreibungsverbot kulminierten: Eine junge Frau, deren Körper, Schwangerschaft und Entscheidungen von Männern, Ärzten und Nachbarschaft kontrolliert werden. Rosemary glaubt zunächst, sie sei zu Hause sicher, doch das Apartment wird zum Gefängnis; der Film zerlegt das Ideal der autonomen 60er-Hausfrau und zeigt, wie patriarchale Kräfte hinter dieser Fassade wirken. Aber auf religiöser Ebene traf der Film einen Nerv: "Rosemary's Baby" fiel in eine Phase wachsenden Interesses an Okkultismus und gleichzeitiger Erosion traditioneller kirchlicher Autorität; er wurde von christlichen Gruppen als blasphemisch attackiert und mitverantwortlich für die spätere "satanische Panik" (auf die auch "Der Exorzist" mitschwamm) gemacht, weil er suggeriert, dass Satanisten nebenan wohnen könnten. Gerade dieser Alltags-Satanismus - kultistische Rituale in einer ganz normalen New Yorker Mietwohnung - verleiht dem Film seine bleibende Unruhe. 

"Rosemary's Baby" ist daher ein Meilenstein, der das Genre neu ausrichtete: weg von Gummimonstern, hin zu psychologischer Spannung und einer naturalistischen Oberfläche, hinter der das Übernatürliche nur langsam sichtbar wird. Spätere Werke wie "Der Exorzist", "Das Omen", aber auch moderner elevated Horror ("Hereditary", "Der Babadook") sind ohne diese Blaupause schwer vorstellbar. Man muss bedenken, der Film massentaugliches Kino war, das intensive Angst ohne die üblichen Effekte erzeugte; Polanskis Film ist eine Geschichte, in der das Ende nicht als Überraschung, sondern als schrecklich unvermeidlich funktioniert: Man weiß, was auf Rosemary zukommt, und das Grauen besteht darin, ihr beim Hineinschlittern zuzusehen. Diese Einsicht fasst bis heute die Erfahrung zusammen, "Rosemary's Baby" zu sehen - ein makellos komponiertes, schauspielerisch herausragendes und thematisch reiches Werk, das das Horrorgenre erwachsen machte - und es bis heute nicht nötig hat, auch nur einen einzigen Billigschreck einzusetzen.

9/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Paramount Pictures

Mittwoch, 25. März 2026

Wrong Turn - Wrong Turn: The Foundation (2021)

https://www.imdb.com/de/title/tt9110170/

Die New Yorker Freunde Jen (Charlotte Vega), Darius (Adain Bradley), Milla (Emma Dumont), Adam (Dylan McTee), Gary (Vardaan Arora) und Luis (Adrian Favela) unternehmen einen Camping-Trip in die Berge von West Virginia. Abgelenkt von der prächtigen Natur vergessen sie jedoch die Worte einer einheimischen Gastwirtin: "Bleibt auf den Wanderwegen!" Und so verirren sich die sechs Freunde natürlich und laufen einem brutalen Geheimkult namens The Foundation direkt in die Arme, der dort bereits seit der Zeit vor dem amerikanischen Bürgerkrieg lebt. Die Foundation-Anhänger sind nicht besonders begeistert von den Fremden, denen sie noch dazu den Tod eines der ihren vorwerfen. Daraufhin muss Jen eine Entscheidung treffen, die ihr Leben für immer verändern wird, um die anderen zu retten...

"Wrong Turn" - der siebte Teil der Reihe, zugleich ein Reboot ohne die alten Kannibalen-Hillbillies - nimmt das bewährte Wanderer-in-der-Falle-Setup und dreht es auf den Kopf: Statt dummer Opfer gegen monströse Bergbewohner kämpfen urbane Hipster gegen eine isolierte Gemeinschaft namens "The Foundation", die ihr Land mit brutaler Konsequenz verteidigt. Mike P. Nelson und Drehbuchveteran Alan McElroy machen aus stumpfem Splatter einen überraschend nachdenklichen Überlebens-Thriller, der blutig, unvorhersehbar und mit einem Twist aufwartet, der die Moralfrage stellt: Wer sind hier wirklich die Monster? Der Film splittet sich nach einem frühen Gemetzel: Überlebende kämpfen mit Fallen, Scharfschützen und moralischen Dilemmata, während Matthew Modines Figur die Perspektive wechselt. Der Reset um die Hälfte, der aus Slashing eine Paranoia-Jagd macht ist neu- mit Köpfen, die wie Fußbälle fliegen, aber auch mit Dialogen, die Isolation und Selbstbestimmung thematisieren. Das Finale dreht die Erwartung um, ohne zu predigen. 

Anders als in den Vorgängern haben die Opfer Charakter: Jen wächst zur toughen Leaderin, Milla bringt Free-Spirit-Vibes, Garys Tech-Nerd-Sein wird parodiert, ohne lächerlich zu machen. Vega trägt den Film mit Glaubwürdigkeit, Modine verleiht Venable väterliche Tiefe - kein bloßes Futter für Fallen, sondern Menschen, deren Fehler (Arroganz, Ignoranz) sie teuer zu stehen kommen. Die "The Foundation"-Mitglieder sind keine Karikaturen, sondern Verteidiger einer Lebensweise - das macht den Konflikt greifbar. Nelson dreht knackig (109 Minuten): Bergwelten als bedrohliche Kulisse, Fallen als kreative Kills (ohne Overkill), Sounddesign jagt Gänsehaut. Die Balance aus Gore und Idee passt, lediglich im Mittelteil kommen ein paar Längen auf und die Twists sind vorhersehbar - doch der Reset und Modines Eingreifen heben es wieder an - der Film entwickelt sich zu einer bizarren, verschlungenen Odyssee, die mehr zu bieten hat als nur coole Kills. Damit wird das Reboot smart, auf eine Weise, die Gore mit Grauzonen paart; Vega und Modine glänzen, Nelson erfrischt die Reihe. Nicht perfekt, aber ein besserer Vertreter der Reihe.

6/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Constantin Film/The H Collective

MacGyver, Season 07 (1992)

http://www.imdb.com/title/tt0088559/

Angus MacGyver (Richard Dean Anderson) ist ein Mann für alle Fälle - und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Der Geheimagent arbeitet für die "Phoenix Foundation" und kämpft gegen das Böse auf der Welt. Verbrecher haben gegen MacGyver einfach keine Chance. Denn der Agent arbeitet anders als seine Kollegen und setzt dabei nicht auf Gewalt. MacGyver ist ein Bastler und Ingenieur und kennt jede Spielart der Naturwissenschaft. Im Handumdrehen baut er praktische Waffen und rettet damit Menschen aus vermeintlich ausweglosen Situationen. Manchmal genügt ein Taschenmesser, eine Packung Streichhölzer und Klebeband und schon ist das Problem gelöst. Sprengsätze werden entschärft, Fingerabdrücke mit Billardkreide gefälscht und Kernschmelzen mit Schokolade verhindert. MacGyver hat immer eine Lösung, egal wie schwerwiegend das Problem ist...

7.1 Agenten in der Karibik (Honest Abe)
MacGyvers Freund Abe Sherman arbeitet für die CIA und will den diktatorischen Präsidenten des karibischen Inselstaates San Rochelle verhaften. Um dorthin zu gelangen, stiehlt er auf US-Boden einen Hubschrauber mit geheimer Militärtechnologie. Unfreiwillig begleitet ihn MacGyver dorthin. US-Agenten verfolgen ihn, um ihn zu liquidieren. Nach der Ankunft von Abe und MacGyver erfährt der Präsident entgegen Abes Absicht, dass Abe für die CIA arbeitet. Deswegen will der Präsident die beiden und die anderen Agenten am Galgen exekutieren. MacGyver vereitelt das, indem er die Technik des Hubschraubers nutzt, und verhilft sich und Abe damit zur Flucht. - 7/10

7.2 Mörderische Absichten (The 'Hood)
MacGyvers neue Nachbarin Kelly hört bei ihrem Arbeitgeber, einem Geschäftsmann, zufällig eine Verabredung zum Mord mit an und wird deshalb von Killern gejagt und bald gefangen genommen. MacGyver findet mit der Hilfe seines Vermieters und der Voodoo-Priesterin Mama Lorraine Kelly wieder und befreit sie. Mit ihrer Hilfe verhindert MacGyver, dass der Killer den Mord ausführt. - 7/10

7.3 Aber die Leiche fehlte! (Obsessed)
Dem mittelamerikanischen Diktator Pablo Delasora wird in den USA der Prozess gemacht. Die Phoenix Foundation sorgt im Rahmen des Prozesses für die Sicherheit. Der totgeglaubte Killer Murdoc verursacht jedoch schwere Sicherheitspannen, um die Phoenix Foundation als Sicherheitsverantwortliche öffentlich zu diskreditieren. Dadurch veranlasst der Polizeichef Bob Stryke, dass Delarosa von einem anderen Unternehmen am Stadtrand bewacht wird. Jedoch verhilft der korrupte Stryke damit insgeheim Delarosa zur Freiheit und dazu, dass Delarosas politische Gegnerin, Regierungschefin Marietta Robles von Delarosa gefangen genommen wird. Murdoc arbeitet für Delarosa als General und wird, wegen Erfolglosigkeit beim Exekutieren des indes hinzugekommenen MacGyvers, durch Delarosa standrechtlich selbst zum Tode verurteilt. MacGyver kann eine Rakete zerstören, die zwecks Sturz von Robles' Regierung in dem Land einschlagen soll. Schließlich kann MacGyver seine Ermordung durch Murdoc vereiteln, der dabei in einem explodierenden Auto einen Hang hinunterstürzt, aber dennoch überlebt. - 8/10

7.4 Der Feuerteufel (The Prometheus Syndrome)
Ein Brandstifter mit dem Namen Prometheus verursacht Großbrände, die er mit zeitgesteuerten Bomben auslöst. MacGyver assistiert der Brandaufklärungsstelle der Feuerwehr bei der Suche nach Prometheus. Bei dessen neuestem Brandanschlag stirbt Earl Stringer, Chef der Brandaufklärung, sodass seine Stellvertreterin Rachel Bradley seinen Platz einnimmt. MacGyver ermittelt, dass es dem Brandstifter um persönliche Rache an den Mitgliedern dieser Brandaufklärungsstelle bzw. Feuerwehr geht, weil diese seine Frau, die bei einem früheren Brand starb, angeblich nicht gerettet hätten. Schließlich kann MacGyver verhindern, dass Bradley und er durch eine weitere Brandbombe sterben, und mit ihr Prometheus überführen. - 8/10

7.5 Die Coltons (The Coltons)
Die Kopfgeldjäger und Colton-Brüder Jesse und Frank nehmen den Auftrag des Bezirksstaatsanwalts Denmark an, Loretta Fielding zu finden, die Augenzeugin des Dreifachmordes durch den chinesischen Drogensyndikatsleiter Chi. Sie ermitteln in Chinatown und erhalten dabei Hilfe von ihrem Bruder Billy, der auch Kopfgeldjäger werden will, und dem Familienhund Frog. Als Jesse und Frank die Zeugin gefunden und von Denmark genannten Adresse abgeliefert haben, werden sie durch das Drogensyndikat gefangen genommen, denn Denmark ist korrupt und arbeitet für Chi. Die Brüder überwältigen schließlich Denmark, Zhi und die anderen Kriminellen und befreien Fielding. - 7/10

7.6 Die Gärten des Todesbarons (Walking Dead)
MacGyver wird in seiner Nachbarschaft zufällig Zeuge der Entführung der Frau Cherine durch Angehörige der Miliz Tonton Macoute, eines früheren haitianischen Voodoo-Kultes, die an den Baron Samedi glauben. Cherine, eine Gegnerin des Kultes, wird im Inneren eines stillgelegten Staudamms gefangengehalten und so vergiftet, dass sie eine Untote wird und bald zu sterben droht. MacGyver und Mama Lorraine begeben sich dorthin, um sie zu befreien. Mama Lorraine arbeitet dort vorgeblich als indoktrinierte Priesterin und erreicht schließlich, dass Cherine zurück ins Leben kehrt. MacGyver, Lorraine und Cherine fliehen schließlich. - 6/10

7.7 Ritter MacGyver, Teil 1 (Good Knight MacGyver, Part 1)
Bei einem Ahnenforscher erfährt MacGyver, dass sich sein Stammbaum bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen lässt, in dem er einen Vorfahren namens Ian MacGyver hat. Im 7. Jahrhundert gibt es einen Clan mit dem Nachnamen M'Yver, darunter auch Ian M'Yver. Sowohl Ian MacGyver als auch Ian M'Yver haben einen Sohn mit demselben Vornamen wie MacGyvers Vorname. Auf der Straße wird MacGyver beim Versuch, Personen vor einem herabstürzenden Gegenstand zu retten, selbst schwer am Kopf getroffen, sodass er bewusstlos wird. Er träumt von sich als MacGyver im 7. Jahrhundert in Camelot, wo König Artur, der Pete sehr ähnelt, als Herr der Tafelrunde regiert. MacGyver verhindert mit einem Gegenmittel, dass Artur durch eine Vergiftung stirbt. Anschließend beweist er, unter anderem per Durchführung einer Elektrophorese, dass nicht der Alchemist und Zauberer Merlin der Attentäter ist, sondern der Ritter Duncan. Dieser handelte im Auftrag von Arturs boshafter Stiefschwester Königin Morgana, die die Frau Cecilia bei sich gefangen hält. Weil Cecilias Gatte, Sir Galahad, verletzungsbedingt für die Befreiungsaktion ausfällt, wird MacGyver von Artur zum Ritter geschlagen und dazu auserkoren, mit Merlin Cecilia zu befreien und Morganas neue, übermächtige Waffe zu zerstören. Zudem hofft MacGyver darauf, dort seinen Vorfahren Ian M'Yver zu finden, um den Vornamen von dessen Sohn und somit von sich selbst zu erfahren. Zusammen brechen sie nach Schottland auf. Unterwegs geraten sie in eine Falle Duncans, der von Morgana getötet wird. - 7,5/10

7.8 Ritter MacGyver, Teil 2 (Good Knight MacGyver, Part 2)
Nach der Überwindung einiger Hindernisse erreichen MacGyver und Merlin das Schloss von Morgana und entdecken dort, dass es sich bei Morganas übermächtiger Waffe um Schießpulver handelt. In der Nachbarzelle von Cecilias Zelle finden sie den sterbenden Ian M'Yver und mit dessen Hinweis eine codierte Mitteilung, aus der hervorgeht, dass dessen Sohn den Vornamen Angus hat. MacGyver kann sich und Cecilia und Merlin aus Morganas Gewalt befreien, indem er mit einem improvisierten Blitzableiter sowohl das Schloss ihrer Gefängniszelle als auch die Schießpulver-Vorräte sprengt. Nachdem MacGyver durch einen Kopfschuss Morganas zu Boden gesunken ist, erwacht er aus seinem Traum. - 8/10

7.9 Tödlicher Hass (Deadly Silents)
Der frühere Stummfilmschauspieler Pinky Burnette hat verschollen geglaubte Filmrollen mit Auftritten von ihm wiedergefunden. Als er sie über MacGyver der Phoenix Foundation zur sicheren Aufbewahrung geben will, werden sie ihm von zwei Männern gestohlen. Der Diebstahl dient dazu, Pinky auf das Gelände von Pinkys Filmstudio zu locken und dort zu ermorden, weil Pinky einst den Vater eines der beiden Männer betrogen habe und, damit das Studio an diesen Vater vererbt wird. Die Männer stellen ihm und MacGyver mehrere Fallen, um Pinkys Tod wie einen Unfall aussehen zu lassen. MacGyver kann sich und Pinky durch seine Einfälle aus den Fallen befreien und schließlich die Kriminellen dingfest machen. - 7/10

7.10 Der letzte Boxkampf (Split Decision)
MacGyver hilft dem ehemaligen Häftling Earl Dent bei der Resozialisierung, indem er ihm und seiner jugendlichen Tochter Ronnie, die bislang in einer Pflegefamilie lebte, bei sich ein Obdach gewährt. Außerdem lässt sich MacGyver durch ihn als Boxtrainer engagieren. Dent will in seinen früheren Beruf als Profiboxer zurückkehren, um Geld zu verdienen. MacGyver vermittelt in Auseinandersetzungen zwischen Vater und Tochter. Earl wird von seinem früheren Manager aus finanziellen Gründen dazu gezwungen, in der achten Runde absichtlich k.o. zu gehen. Zu dem Zweck entführt der Manager Ronnie. MacGyver schafft es rechtzeitig, Ronnie zu befreien, sodass Earl nicht k.o. geht. Earl entschließt sich, Catcher zu werden. - 7/10

7.11 Der Bandenkrieg (Gunz 'n Boyz)
In der Stadt gibt es einen Krieg zwischen bewaffneten, dealenden Jugendbanden. Der Waffenlieferant, dessen Kosename Kanonenmann ist, von einer der beiden Banden ermordet ein Gangmitglied und hängt dem Jugendlichen Brian den Mord an. MacGyver spürt dem Kanonenmann nach, der als frustrierter Ex-Polizist der Kriminalität überdrüssig geworden ist und deshalb beide Banden in einen Hinterhalt lockt, wo er sie und MacGyver mit einem Wagen voller Dynamit töten will. MacGyver verhindert die Explosion des Wagens und überwältigt den Kanonenmann. Die Eltern der Jugendlichen verhindern, dass diese mit Waffen aufeinanderlosgehen. - 7/10

7.12 Kampf den Spekulanten (Off The Wall)
Wohnungsmieterin Gloria Diaz erlebt die Zwangsräumung ihrer Wohnung mit, die der Hausbesitzer Kasanti veranlasst hat. Der Anwaltskanzlei, die Diaz vertritt und die Beweise gegen die Wohnungskündigung bzw. gegen Kasanti hat, werden die Beweise in Kasantis Auftrag gestohlen. MacGyver begibt sich mit Glorias Enkel Lobo auf die Suche nach den Beweisen. Dabei erwehren sie sich auch einigen Schlägern von Kasanti und verdächtigen zunächst den Investor Lawton. Nachdem Kasanti tot aufgefunden wurde und MacGyver in der Bauaufsicht ermittelt hat, erkennt er, dass der Bauaufsichtsleiter korrupt ist, für Kasanti die Drecksarbeit erledigte und die Beweise verschwinden ließ. Schließlich kann MacGyver den Bauaufsichtsleiter überführen. - 7/10

7.13 Tod in China (The Stringer)
MacGyver erhält von dem chinesischen Untergrundkämpfer Tan Yee kurz vor dessen Ermordung ein aus China herausgeschmuggeltes Videoband als Beweis dafür, dass chinesische Studenten, die beim Tienanmen-Massaker verhaftet wurden, in einem chinesischen Arbeitslager gefangengehalten und misshandelt werden. Bei MacGyvers Flucht vor den China-treuen Chinesen erhält er unerwartete Hilfe von dem Journalisten Sean A. Malloy, kurz Sam, der sich als MacGyvers Sohn erweist und nun am Ende seiner Suche nach seinem Vater ist. Sam ging aus MacGyvers Beziehung mit einer Frau hervor, die vor zehn Jahren von dem Chinesen Chung vor Sams Augen exekutiert worden war. Chung ist nun derjenige Chinese, der in dem Arbeitslager produzierte Metallprodukte für den US-Markt verschiffen lässt und diese Geschäfte wegen des Videos gefährdet sieht. Chung lässt Yees Mitwisserin Mei Jan auf seinen Frachter entführen. MacGyver und Sam folgen dorthin und befreien sie. Schließlich gibt MacGyver seine Arbeit für die Phoenix Foundation auf und verreist mit Sam. - 8/10

7.14 Schweres Wasser (The Mountain Of Youth)
Jack Dalton ist im Dritte-Welt-Land Kabulstan, um Wasserproben von der sog. Ewigen Quelle zu nehmen, deren Wasser lebensverlängernd wirkt. MacGyver folgt ihm und entdeckt mit ihm und einer Einheimischen, dass kabulstanische Soldaten das Wasser entgegen dem Willen der einheimischen Bevölkerung abzweigen. Die drei entdecken, dass die Kabulstanis in einer geheimen Anlage schweres Wasser herstellen, das für Atombomben nützlich ist. Nach kurzer Gefangenschaft entkommen sie mit einem Beweisvideo, das sie zur UNO bringen wollen. - 7,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Plaion
Poster/ArtworkParamount Television/Henry Winkler/John Rich Productions

Dienstag, 24. März 2026

Project Hail Mary - Der Astronaut: Project Hail Mary (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt12042730/

Ryland Grace (Ryan Gosling) erwacht an Bord eines Raumschiffs - weit entfernt von der Erde und ohne jede Erinnerung an seine Identität oder den Grund seiner Mission. Bruchstückhaft kehren seine Erinnerungen zurück. Er erkennt, dass er eine zentrale Rolle in einem Wettlauf gegen die Zeit spielt: Eine rätselhafte Substanz bedroht die Sonne und damit das Überleben der Menschheit. Um eine globale Katastrophe zu verhindern, setzt Grace sein naturwissenschaftliches Wissen ein und entwickelt ungewöhnliche Lösungsansätze. Während seiner Reise stößt er auf eine überraschende Verbindung, die ihm zeigt, dass er in seinem Kampf möglicherweise nicht auf sich allein gestellt ist.

"Der Astronaut"/"Project Hail Mary" nimmt Andy Weirs gleichnamigen Roman von 2021 und macht daraus einen kosmischen Abenteuerfilm, der ein bisschen wie "Der Marsianer" denkt. Er ist clever, witzig und durch und durch optimistisch, und wird mit Phil Lord und Christopher Miller im Regiestuhl kein ehrfürchtig-schwerer Weltraumopferfilm, sondern eine vergnügt-melancholische Buddy-Komödie über den vielleicht einsamsten Mann im Universum und seinen besten Freund - ein spinnenartiges Alien mit dem Spitznamen Rocky. "Der Astronaut" ist darüber hinaus einer jener Science-Fiction-Filme, die eigentlich alles falsch machen dürften - eine anfänglich etwas seltsame, einsame Person, eine sehr lange Laufzeit, viel Technobabbel - und dabei doch eine erstaunlich lebendige, warmherzige Erfahrung liefern. Es ist kein düsterer "Interstellar", sondern ein angenehmer zweieinhalbstündiger Ritt, in dem ein einsamer Biologe die Menschheit rettet, indem er mit einem außerirdischen Kumpel bastelt und lacht - all das getragen von Ryan Goslings unwiderstehlichem Charme. 

Er spielt Ryland Grace, einen Highschool-Lehrer und genialen Molekularbiologen, der aus einem Koma aufwacht - allein auf einem Raumschiff, Lichtjahre von der Erde entfernt, mit zwei toten Crewmitgliedern und Erinnerungen, die mit "löchrig" positiv genug beschrieben sind. Die Sonne unseres Sonnensystems stirbt, Sterne erlöschen und die Erde droht einzufrieren - aufgrund von "Astrophagen“. Diese außerirdischen Mikroorganismen, welche der Hitze der Sonne widerstehen, bilden eine Infrarotlinie zwischen Sonne und Venus, die sogenannte Petrova-Linie. Grace' Mission: die Ursachen finden und eine Lösung entwickeln, irgendwo am Rande des Sonnensystems. Rückblenden (mit Sandra Hüller als knallharter Projektleiterin Eva Stratt) erzählen von der Forschung, der Rekrutierung, dem Wettrennen gegen die Zeit - alles, ohne jemals langweilig zu werden. Das hat "Der Astronaut" vor allem Ryan Gosling zu verdanken. Er spielt Grace als Mischung aus Klassenclown, Nerd und im Grunde sehr müdem, einsamen Mann, ein schräger, unrasierter und etwas verpeilten Everyman, der vor Angst witzelt, vor Druck tanzt und trotz Einsamkeit strahlt - ein irgendwie "charismatischer "Space Bro", dem man sofort ins Herz schließt. Ein Held, der keine Superwaffe hat, nur Neugier, Hartnäckigkeit und einen trocken-ironischen Humor. 

Der Clou kommt mit Rocky, dem spinnenartigen Alien-Buddy: er ist dabei mehr als nur Sidekick oder Gimmick. Sein Design - eine asymmetrische, steinige, mehrarmige CGI-Figur (mit Herz), die in einer dichten Atmosphäre in seinem eigenen Modul lebt - ist bewusst weit entfernt vom humanoiden Standard, gleichzeitig aber durch Mimik, Gesten und Klang angenehm empathisch inszeniert; er pfeift, quietscht, hilft beim Reparieren, und die beiden "sprechen" via Posen und mit Hilfe einer mühsam selbst aufgebauten Computerstimme. Es ist "E.T." als intergalaktische Sitcom, herzerwärmend und urkomisch, mit Umarmungen, die kitschig wirken, aber wunderbar funktionieren. Und das ist Stärke und Limit zugleich: Rocky wird zur idealisierten Buddy-Figur, mit Familie, (evntl. Kindern) und klaren Motiven, aber die Chance, Erstkontakt wirklich fremd und verstörend zu denken, wird bewusst auf Kosten eines "Feel-Good"- Effekts geopfert - was man dem Film aber auch sofort verzeiht. Lord und Miller legen die Beziehung der beiden sehr offen als Freundschaftsfilm an: Sie entwickeln gemeinsam eine Sprache, essen gemeinsam (zumindest so, wie dies in ihren jeweiligen Biosphären durchgeht), streiten, lachen, und retten sich gegenseitig das Leben. Inmitten des Weltuntergangs entsteht so eine beschwingte Buddy-Komödie - und genau diese Entscheidung macht den Film zugänglich und emotional, auch wenn sie das philosophische Potenzial des Stoffes etwas zähmt. 

Der Film stolpert allerdings in seiner zweieinhalbstündigen Laufzeit etwas über seine nicht-lineare Struktur: Gegenwart im All, Rückblenden zur Erde, die nach und nach erklären, wie Grace hier gelandet ist, reißen einen oftmals aus der warmen Decke, in die man sich als Zuschauer eingekuschelt hat, und holen einen wortwörtlich auf die Erde zurück. Dennoch wird die Exposition gut ausbalanciert: Die Szenen auf einer sterbenden Erde mit Stratt, die eine globale Koalition mit drastischen Mitteln durchsetzt, stehen in Kontrast zur stillen Isolation von Grace und Rocky im All. Gleichzeitig spürt man ein paar kleinere Längen. Das mehrfach hinausgezögerte Ende erweckt bald das Gefühl, dass hier ein stärkerer, kürzerer Film in einem zu langen steckt.

Lord und Miller versuchen hier das beinahe Unmögliche: Hard-Sci-Fi (Astrophysik, Biologie, Docking-Manöver) verknüpft mit Popcorn-Spaß und visuellen Gags, die an "WALL-E" erinnern und Spannung wie in "Gravity" halten. Visuell setzen sie auf die Expertise von Greig Fraser, dessen Arbeit an "Dune" zu Recht viel Lob bekommen hat. Seine VFX sind spektakulär - Raumschiff-Internas, Alienschiff, kosmische Manöver - und das alles trotzdem irgendwo nicht zu übertrieben und solide geerdet. Praktische Sets für das Schiff, überzeugende Schwerelosigkeit (wenn auch nicht immer auf Cuarón-Niveau), in Tau-Ceti-Orbit-Sequenzen, die Fraser erneut als Meister des Hell-Dunkel-Kontrasts zeigen. Und die T-Shirts sind ja wohl mal einmalig! Der Score bleibt hinter dem ikonischen Druck anderer Space-Filme zurück, erfüllt aber zuverlässig seine Funktion: Er unterstützt vor allem die Freundschaftsmomente und den Humor; durchaus passender Ansatz für einen Film, der sich dem Weltraum nicht als Horrorort, sondern als Bühne für Kooperation nähert. Die Musikauswahl ist wild, aber passend. Weir-Verfilmungen leben ja davon, dass sie echte Wissenschaft in zugängliche Rätsel verwandeln, und "Der Astronaut" setzt das nach "Der Marsianer" konsequent fort: Grace löst Probleme, indem er Biologie, Chemie und Astrophysik anwendet, rechnet an Whiteboards, testet Hypothesen, scheitert, testet neu. Echte Wissenschaft und Problemlösung mit viel Herz und Humor schafft damit eine seltene Balance. Genau hier liegen aber auch die Bruchlinien. Die emotional wichtigsten Verknüpfungen der beiden Haupträtsel - warum Tau Ceti stabil ist und warum Grace auf diesem Schiff landet - sind etwas billig. Insbesondere ist der Versuch, Grace nachträglich ein moralisches Versagen anzudichten, nicht ganz nett und glaubwürdig: Der Film will ihn gleichzeitig zum ikonischen Retter und tragischen Sünder machen, ohne dass seine gezeigte Persönlichkeit diese Wendung wirklich trägt. Ähnlich ambivalent ist der Humor: Einerseits ist dieser herrlich gemütlich und Gosling liefert mit seinem Auftritt ein angenehmes komödiantisches Timing, opfert aber dafür echte Spannung, weil man nie das Gefühl hat, dass hier wirklich etwas schlimmes passieren könnte. 

Auf der thematischen Ebene erzählt "Der Astronaut" vom Wert der Kooperation in einer fragmentierten Welt: Ein Mensch und ein Insektenwesen schließen wortwörtlich eine Sternen-Freundschaft, um zwei Spezies zu retten. Stratt verkörpert die kalte Notwendigkeit - sie nimmt Grace Entscheidungen ab, zwingt ihn in die Rolle, die er eigentlich nicht wollte - und Grace und Rocky verkörpern optimistischen, lösungsorientierten Humanismus: das Vertrauen, dass man durch Neugier, Ehrlichkeit und die Bereitschaft, sich für den anderen zu opfern, aus einer ausweglosen Lage entkommen kann. Das Finale - ohne hier ins Detail zu gehen - entscheidet sich klar gegen Zynismus: Die wichtigste Tat des Films ist ein Akt freiwilliger Selbstaufgabe, und der Epilog dehnt diese Entscheidung in eine bittersüße neue Normalität aus. Damit ist "Der Astronaut" im Grunde "Der Marsianer" Teil 2. Die Botschaft - Neugier siegt über Angst, Kooperation über Isolation - fühlt sich 2026 wie ein Medikament an. Doch "Der Astronaut" muss sich auch die Kritik gefallen lassen, dass er stellenweise zu formelhaft ist, der Humor manchmal zu cartoonig (angesichts der nahenden Apokalypse) wirkt. Und trotzdem ist "Der Astronaut" ein ausgesprochen unterhaltsamer, warmherziger Spacefilm, dessen größte Stärke seine Figuren, sein Humor und seine visuelle Souveränität sind - und dessen größte Schwächen in der Erzählweise, den einfachen gemachten Entscheidungen und dem Anfang liegen. Dennoch verlässt man das Kino mit einem wohligen Gefühl - so wie es sein soll. "Der Astronaut" - ein Feel-Good-SciFi-Blockbuster, der das Universum rettet, indem er den Zuschauer zum Lachen bringt, und Gosling als ultimativen Movie-Star weiter etabliert. Zwei volle Daumen runter!

8,5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Amazon MGM Studios/Pascal Pictures/Sony

Sonntag, 22. März 2026

Mercy (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt31050594/

LAPD-Detective Raymond (Chris Pratt) steht, wie immer mehr in dieser dystopischen Zukunft, wegen des Mordes an seiner Frau (Annabelle Wallis) vor Gericht. Die hochmoderne KI-Richterin Maddox (Rebecca Ferguson), deren Einführung er einst selbst unterstützte, leitet schließlich das Verfahren gegen ihn. Binnen lediglich 90 Minuten muss der Gesetzeshüter nun seine eigene Unschuld hieb- und stichfest beweisen, bevor die künstliche Rechtsprechung über sein weiteres Leben - oder dessen Ende - entscheidet.

Vom Konzept her ist "Mercy" ein spannender Film, seine Umsetzung anfänglich auch, doch gegen Ende verliert sich der Film in generischen Action-Setpieces: Ein Los-Angeles-Cop wird in einer nahen Zukunft von einem KI-Gericht in einen 90‑Minuten-Showdown um seine eigene Unschuld gezwungen - fast komplett erzählt über Monitore, Surveillance-Feeds und digitale Spuren. Das ist als Idee reizvoll, weil es "Minority Report", True-Crime-Podcasts und Videospiel-Ermittlungen kreuzt; als fertiger Film bleibt "Mercy" aber ein typischer "interessant, aber mittelmäßig"-Thriller: formal einfallsreich, inhaltlich bequem. Regisseur Timur Bekmambetovs Film nutzt sein 90-minütiges Zeitlimit als Klammer: Raven springt zwischen Bodycam-Footage, Ring-Doorbell-Videos, Straßenkameras, E‑Mails, Voicemails und Social-Media-Profilen - sogar auf den geheimen Instagram-Account seiner Tochter bekommt er Zugriff -, rekonstruiert die Stunden vor dem Mord und stößt auf eine Verschwörung, die ihn als Sündenbock missbraucht. Der Protagonist spielt sich durch Beweismittel, statt physisch durch die Stadt zu rennen. 

Chris Pratt bekommt mit Raven eine Rolle, die ihn deutlich kantiger auftreten lässt als seine gewohnten, charmanten Helden: ein Mann mit echten Macken - Wut, Alkohol, Eheprobleme -, dessen Schuldfrage nicht sofort eindeutig ist. Pratt wirkt in diesen düsteren, weniger nett angelegten Momenten auch lebendiger als in manchem Blockbuster. Rebecca Ferguson verleiht der KI-Richterin Maddox eine kühle, fast überlegene Präsenz, die dem Kopf-an-Kopf-Duell mit Raven etwas von einem Kammerspiel gibt - auch wenn sie letztlich eher Sprachrohr der Drehbuchideen bleibt als vollwertige Figur. Das Problem liegt in der Tiefe: Ravens Partnerin Jaq (Kali Reis) und die Nebenfigur, die letztlich als Drahtzieher enttarnt wird, bleiben flach - und genau dort greift, was man erwartet: In einem solchen Thriller ist praktisch sofort klar, wer der eigentliche Bösewicht sein wird, weil er/sie sonst keine Funktion hätte. Die Verschwörung um Raven wirkt so eher wie ein Puzzle, das rückwärts aus der Auflösung konstruiert wurde, als eine lebendige Welt, in der mehrere Möglichkeiten wirklich denkbar wären. Die Stärken liegen in Tempo und Klarheit: Die 90 Filmminuten (nahe Echtzeit) sind straff geschnitten, der Wechsel von Überwachungskameras zu Dashcams, privaten Clips und Datensätzen ist erstaunlich gut lesbar und erzeugt gelegentlich jene Sogwirkung, die das Beste an Screenlife-Thrillern ist. Doch je länger das Konzept läuft, desto sichtbarer werden die Grenzen: Die filmische Welt fühlt sich zunehmend wie ein Kontrollzentrum an, nicht wie ein echtes Los Angeles; menschliche Beziehungen werden zu Datenpunkten, Konflikte zu Einträgen in Logfiles. 

Dabei ist "Mercy" auf dem Papier hochaktuell: Ein automatisiertes Justizsystem, das mithilfe allgegenwärtiger Überwachung (inklusive einer Ring-ähnlichen Haustürkamera, die prominent im Bild ist) über Leben und Tod entscheidet, berührt reale Debatten über KI im Rechtssystem, vorausschauende Polizeiarbeit und den Verlust der Privatsphäre. Die Ironie, dass Raven und seine Kollegin früher selbst für Mercy geworben haben und nun am eigenen Leib erfahren, was sie geschaffen haben, ist eine klassisch tragische Volte. Doch die Art, wie der Film diese Themen behandelt, ist zwiespältig. "Mercy" zeigt zwar das Verfahren als gefährlich fehleranfällig, hinterfragt aber nie wirklich, ob dieser totale Zugriff auf persönliche Daten - der Blick in private Mails, Social Media, intime Nachrichten, selbst Verstorbener - an sich schon ein ungeheurer Eingriff ist. Stattdessen kippt der Film oft in eine Art Überwachungskameraporno: Je mehr Kameras Raven anzapfen darf, desto mächtiger wirkt er - und damit das System, das ihm dies ermöglicht. Gerade weil der Film aus dem Umfeld eines Studios kommt, das in der Realität mit Überwachungsprodukten kooperiert, erscheint diese Ambivalenz nicht nur als erzählerische Unschärfe, sondern als latente Werbung für genau jene Kontroll-Infrastruktur, die er zu kritisieren vorgibt. Das macht "Mercy" intellektuell interessant - man kann darüber diskutieren, was er meint und was er unbeabsichtigt sagt -, aber moralisch und politisch bleibt er unklar. 

"Mercy" ist damit ein typischer Fall von "gutes Konzept, mäßige Ausführung": Ein Film, der formal clever mit Screens, KI und Echtzeit spielt und seinem Hauptdarsteller erlaubt, eine etwas dunklere Facette zu zeigen, aber als Thriller nur selten über Genre‑Routine hinauskommt. Interessant ist er als Diskussionsanstoß über Überwachung und automatisierte Justiz, mittelmäßig als Drama über Schuld, Trauer und Verantwortung. Sehenswert genug, um darüber zu reden, aber zu bequem in seinen Antworten, um nachhaltig zu erschüttern.

5,5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: amazon studios/MGM

Samstag, 21. März 2026

Alps - Alpen (2011)

https://www.imdb.com/title/tt1859446/

Eine Krankenschwester (Aggeliki Papoulia), ein Sanitäter (Aris Servetalis), eine Turnerin (Ariane Labed) und ihr Trainer (Johnny Vekris) haben ein ungewöhnliches Geschäftsmodell entwickelt. Personen, die vor kurzem einen geliebten Menschen verloren haben, können sich an die Gruppe wenden. Die nennen sich "die Alpen", da jeder von ihnen nach einem Berg der Alpen benannt ist. Die Gruppenmitglieder können von Kunden gebucht und so zum Ersatz für den Verstorbenen werden, um die Trauerarbeit zu erleichtern. So leben sie in fremden Häusern, tragen die Kleidung der Toten und stellen Erinnerungen für die Trauernden nach. Dabei gibt es ganz bestimmte Regeln, an die sich jeder Mitarbeiter halten muss. So ist ihnen der Aufbau einer emotionalen Verbindung oder körperliche Intimität zu ihren Kunden strikt verboten. Doch nicht alle Mitglieder befolgen die Vorschriften.

Yorgos Lanthimos' vierter abendfüllender Spielfilm ist, nach "Dogtooth", in dem er schon einmal eine Familie als perverses Rollenspiel sezierte, ein in Schauspielern und Schauplätzen begrenztes Werk, in dem er seine ganz eigene Theorie darüber entwickelt, was Identität, Trauer und Schauspiel im Alltag bedeuten. Lanthimos verschiebt hier den Fokus auf den Moment nach dem Verlust: auf das Loch, das der Tod hinterlässt, und auf die merkwürdigen Versuche, es mit Fiktion zu füllen. Lanthimos’ Idee ist zugleich absurd und erschreckend logisch: Wenn wir nach einem Verlust ohnehin in Erinnerungen leben, warum dann nicht jemanden engagieren, der diese Erinnerung verkörpert? Unter dem Namen "Alpen" gründet eine kleine Gruppe - eine Krankenschwester, eine Kunstturnerin, ihr Trainer und ein Rettungssanitäter - ein Unternehmen, das Trauernden anbietet, gegen Bezahlung in die Rolle ihrer kürzlich verstorbenen Angehörigen zu schlüpfen. Die Mitglieder tragen Codenamen wie "Monte Rosa" oder "Mont Blanc"; echte Namen gibt es nicht, als wollten sie sich selbst schon aus der Welt der Identitäten verabschieden. Die Krankenschwester besucht ein älteres Ehepaar und spielt deren bei einem Autounfall verstorbene, tennisbegeisterte Tochter nach - mit einstudierten Phrasen, ritualisierten Gesprächen, wie eine Privataufführung in einem Wohnzimmer, das sich in eine Bühne verwandelt. Die "Alpen“ behaupten, Schmerzen zu lindern, doch ihre Dienstleistung ist ein kalter, fast mechanischer Ersatz - ein Rollenspiel, das die Leere eher markiert, als sie zu füllen.

Es ist eine trostlose, karge Welt, die Lanthimos in "Alpen" zeichnet: Räume wirken leer, Beziehungen bleiben unterkühlt, Dialoge sind hölzern, abgehackt, oft von einer eigentümlichen Höflichkeit, hinter der nur Leere zu liegen scheint. Diese Stilisierung ist keine Schwäche, sondern Methode. Die Figuren werden nicht psychologisch erklärt, sie werden beobachtet; Kamera und Inszenierung verweigern uns die Erleichterung der Identifikation und zwingen uns, das Verhalten wie ein Experiment zu betrachten. Immer wieder bricht Lanthimos die Starre mit bizarr komischen Momenten: etwa wenn die Krankenschwester mit einem Klienten quer durch die Stadt Filmszenen nachstellt, die sie simuliert, ohne den emotionalen Kern dahinter zu verstehen. Es wirkt wie eine Parodie auf das Method Acting des Alltags - Menschen, die so sehr versuchen, eine Rolle zu spielen, dass sie das Leben selbst verlieren. Angeliki Papoulia als Krankenschwester "Monte Rosa" ist das nervöse Zentrum des Films. Ihre Figur beginnt, sich in den angenommenen Identitäten zu verlieren, überschreitet Grenzen, mischt berufliche und private Rollen und versucht, aus den gespielten Beziehungen echte Nähe zu pressen. In ihrer berühmten Zusammenbruchsszene, wenn ihre sorgfältig kontrollierte Fassade bricht, wird sichtbar, dass der Film nicht nur von einem bizarren Service handelt, sondern von Menschen, die im eigenen Leben keine Rolle mehr finden. Sie bleibt zugleich unverständlich und tief menschlich. Wir verstehen ihre Motive nicht vollständig, aber wir erkennen das Vakuum, in dem sie sich bewegt.  

In "Alpen" ist jede Begegnung doppelt: als Realität und als Inszenierung. Trauer wird zur Choreografie, Gespräche zu Textbuchdialogen, Nähe zu einer Dienstleistung mit Stundensatz. Der Film destabilisiert systematisch unser Gefühl dafür, was in menschlichen Beziehungen normal ist - und genau darin liegt seine eigentliche Kraft. Lanthimos und sein Co-Autor Efthymis Filippou entwickelten die Idee, indem sie von Menschen ausgingen, die etwas frei erfinden - Telefonstreiche, fingierte Todesfälle -, und daraus eine Welt bauten, in der Identität eine jederzeit buchbare Fiktion ist. Die "Alpen" sind keine Betrüger im klassischen Sinn; sie sind vielleicht die konsequenteste Form dessen, was wir ohnehin tun: Wir spielen Versionen von uns selbst, für andere, für uns. Nur dass hier jemand kommt und sagt: Diese Rolle kann man auch outsourcen. "Alpen" gewann 2011 bei den Filmfestspielen von Venedig den Preis für das beste Drehbuch und wurde für den Goldenen Löwen nominiert - das ist bemerkenswert für einen Film, der so radikal sperrig, so absichtlich unbefriedigend ist. Er wirkt wie ein Schwestervariable zu "Dogtooth": weniger schockierend, weniger unmittelbar zugänglich, aber vielleicht noch konsequenter darin, die Regeln des Zusammenlebens als willkürliche, brutale Konstruktion zu zeigen.

Aus heutiger Sicht kann man in "Alpen" den Keim all dessen sehen, was Lanthimos später in Filmen wie "The Lobster" oder "The Favourite" auf größere, glänzendere Leinwände getragen hat: die Mischung aus trockenem Humor, Grausamkeit und philosophischer Neugier. Es ist kein Film, den man unbedingt mögen muss, aber es ist definitiv ein Film, an den man sich erinnert, weil er die simple Frage stellt: Wenn das echte Leben so leer ist, warum sollte einen dann eine Kopie trösten? "Alpen" - ein verstörendes, streng komponiertes Rollenspiel, das uns zwingt zu fragen, wie viel von unserem eigenen Leben nur eine Rolle ist, die wir für andere spielen.

7,5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Haos Film Produktion