In der finnischen Großstadt Mikkeli sind Korruption, Gewalt und Tod an der Tagesordnung. Auch Rämö (Kristofer Gummerus) lebt dort mit seiner kleinen Familie. Um diese ernähren zu können, nimmt er eines Tages einen Job bei einer kriminellen Organisation an. Doch als er bei einem Auftrag fürchterlich scheitert, zieht sein Boss Mr. Erola (Matti Onnismaa) die logische Konsequenz: Er lässt Rämös Frau und Tochter kaltblütig ermorden und Rämö selbst überlebt nur knapp. Getrieben von Rache nimmt er die Justiz selbst in die Hand und wird zum dunklen Rächer Rendel, der maskiert durch die Stadt streift und gegen das Verbrechen kämpfen will. Rendel macht keine Gefangenen und geht äußerst brutal zur Sache. Auch dem unberechenbaren Rotikka (Rami Rusinen) ist er ein Dorn im Auge. Und der beauftragt eine Grupper internationaler Killer, um Rendel endlich aus dem Verkehr zu ziehen...
Aus Finnland kommt dieser europäische Superheldenverschnitt, der wie eine seltsame Mischung aus "Spawn", "Batman" und "Sin City" wirkt. Auf den ersten Blick herrlich düster und brutal macht "Rendel" keinen Hehl daraus, dass er erst gar keine Gefangenen machen will. Erst nach und nach soll der Zuschauer entdecken, was hier Sache ist, doch bei dieser Unternehmung hat Regisseur und Ideengeber/Drehbuchautor Jesse Haaja noch nicht ganz den Bogen raus. Denn wenn es darum geht, in sich verschachtelte Geschichten clever aufzubauen, versagt "Rendel" auf ganzer Linie und dem Zuschauer ist spätestens nach dem zweiten Zeitsprung klar, was hier Sache ist. Anfangs wundert man sich zwar, wie es sein kann, das dies hier und der dort ist, aber das Puzzle fügt sich eben schneller zusammen als vom Regisseur vielleicht erhofft.
Immerhin tut dieser faux-pás dem Spaß keinen Abbruch, denn "Rendel" kann mit teilweise echt dämlichen (aber punktuell und nicht übertrieben eingesetztem) Humor durchaus zum Schmunzeln bringen (Stichwort: Handlanger) und mit dreckigen Setting in dem fast immer verregneten Ort Mikkeli Punkte sammeln. Leider sucht man hier spannende oder gar unerwartete Wendungen vergebens und da tut es dem Streifen nur gut, wenn der geneigte Zuschauer ab und zu durch Kampfeinlagen bei Laune gehalten wird, denn diese sind tatsächlich gut gemacht. Zudem ist "Rendel" selbst kein Übermensch. Er ist zwar ein Superheld, aber eben nicht ganz so super und unkaputtbar, wie man vielleicht erwarten würde. Er ist verletzlich. Seelisch, körperlich und vor allem moralisch wurde dem Protagonisten hier ein Charakter auf den Leib geschneidert, den Schauspieler Kristofer Gummerus ansprechend und vor allem glaubwürdig zum Besten gibt. Aber auch seine Gegner sind nicht von schlechten Eltern, denn Johnny Vivash als Radek oder als Rami Rusinen als Rotikka machen einen verdammt guten Job. Dass sich der Regisseur Jesse Haaja als Barkeeper dann auch noch selbst ein Cameo gönnt, gehört ja fast schon zum guten Ton bei Superheldenfilmen dazu. Charaktere also gut, Setting schön düster, Action ansehnlich und adäquat brutal. Woran scheitert "Rendel" also?
Zum einen an der Story. Diese ist so altbacken und Superheldentypisch, dass man diese in Zeiten des Marvel Cinematic Universe und des DC Universe schon fast im Schlaf herunterbeten könnte. Mann wird zum Held, nachdem Bösewicht seine Familie umgebracht hat. Und der Ex-Papa arbeitete auch noch in der Firma des Gangsters, die streng geheime Medikamente... ja, toll. Kann man also getrost ad acta legen. Zum anderen an der Stringenz, wie eingangs erwähnt. Es hätte dem Film besser getan, eine gradlinige Erzählung zu präsentieren, als sich irgendwie pseudo-intellektuell zu geben und sich dabei auch noch zu verrechnen. Das hinterlässt einen etwas faden Beigeschmack.

6,5/10
An dieser Stelle gebührt SPLENDID mein Dank, die mir den Film schon vorab zum Review zur Verfügung gestellt haben. Der Streifen kommt am 24. November als DVD und Blu-ray in die Läden.
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