Mittwoch, 6. September 2017

The Mission - Mission (1986)

http://www.imdb.com/title/tt0091530/

Es ist 1750 und der Vatikan versucht nach herben Fehlschlägen erneut, einen Prediger in den Dschungel Argentiniens zu schicken. Und tatsächlich kann der Jesuit Gabriel (Jeremy Irons) duch Musik auf seiner Oboe die Guaraní überzeugen. Unterstützung bekommt er von Ex-Sklavenhändler Mendoza (Robert De Niro), der versucht, auf diesem Weg für seine Sünden zu büßen. Doch die Guarané geräten in Gefahr, als der Vertrag von Madrid die Grenze zwischen dem verklavten portugiesischen Brasilien und den spanisch kolonialisierten Ländern Südamerikas neu festlegt. Damit geraten die Guaraní in ein Gebiet, indem die Sklaverei erlaubt ist – und die Mission nicht mehr unter dem Schutz der Kirche steht...

Manchmal erscheint es einem so, als wäre die Welt nur ein großes Dorf. Die Jahre, in denen es noch etwas zu entdecken, echte Abenteuer, gab, sind vorbei. Wieder und wieder wurde die Welt vermessen, dank Globalisierung reist selbst eine Jeans durch 30 Länder und wenn wir wollen, dann bringt uns ein Pauschalflug weiß Gott wohin. Das hat wahrlich seine Vorzüge, aber dennoch sehnt man sich manchmal nach jenen Zeiten, in denen die Welt noch von schwarzen Flecken geprägt war. Auch deshalb ging vom Dschungel seit jeher eine große Faszination aus, die er sich bis heute erhalten konnte. Denn entgegen aller Wahrscheinlichkeit hausen darin noch immer Stämme, die sich in den letzten Jahrhunderten kaum weiterentwickelt haben. Schon im 18. Jahrhundert war das nicht anders und schon damals mussten die vermeintlich höher entwickelten Eindringliche feststellen, dass sie einiges von den Ureinwohnern zu lernen hatten.

Historisch akkurat platziert sich "The Mission" in einem solchen Ballungszentrum in Südamerika. Bei einem opulent eingefangenen Wasserfall treffen Sklavenhändler, Jesuitenmönche und Ureinwohner aufeinander. Das Hauptmotiv des Films ist von religiöser und kolonialistischer Natur. Beruhend auf wahren Ereignissen schildert Regisseur Roland Joffé den 1750 unternommenen Versuch der katholischen Kirche, die Ureinwohner Argentiniens vom christlichen Glauben zu überzeugen. Jeremy Irons agiert hervorragend als unbeirrbarer Gesandter des Vatikan. Seine ruhige, von Überzeugungskraft geprägte Art ist einfach wunderbar und wird mit großartigen Szenen demonstriert. An seiner Seite steht mit Robert de Niro ein gebrochener Mann, der sich als Weggefährte des von Irons gespielten Gabriel von seinen Sünden reinwaschen will. De Niro spielt großartig, schafft es in vielen Situationen einfach mit seiner Mimik so viel zu sagen, wie kaum ein zweiter. Gekonnt wird die langsam heranwachsende Beziehung zwischen den Christen und den Guarané beschrieben. Die anfängliche Skepsis gegenüber den Fremden weicht einer Herzlichkeit, die ihresgleichen sucht. Auch hier entsteht wieder ein fast dokumentarischer Eindruck, wenn die Ureinwohner Südamerikas im Fokus stehen. Alles wirkt authentisch, hätte genauso stattfinden können, auch wenn die Kamera nicht vor Ort gewesen wäre. Die Authentizität ist einfach nur atemberaubend. Konflikte jedenfalls sind in diesem Film vorprogrammiert und dass diese nicht lange auf sich warten lassen, macht schon die aller erste Szene deutlich. Die Leiche eines Priesters treibt durchs Wasser, untermalt von den ungewohnten, aber sehr wirkungsvollen Klängen Ennio Morricones. Davon ausgehend verhandelt "The Mission" eine Vielzahl an Fragen über Schuld, Verantwortung, Glaube und Macht. Dabei wird nicht jedem Themenkomplex die nötige Fürsorge zuteil und dennoch vermengt der Film alles zu einem stimmigen Gesamteindruck. Schnell entwickelt sich ein nicht reizloses Für- und Gegeneinander der unterschiedlichen Parteien, diverse Motivation werden innerhalb eines höheren Kontextes hinterfragt und in Wechselwirkung zueinander gesetzt. Dabei ist "The Mission" stets zugute zu halten, dass er obgleich aus der Perspektive der Mönche geschildert, nie deren Seite bevorzugt. Jeder kann und darf von jedem lernen, doch weil sich manch einer dafür zu stolz ist, endet es in mutwilliger Zerstörung. Auch das ist eine Erkenntnis, die man mühelos aus der Geschichte ziehen kann und die in "The Mission" Anwendung findet. Der Schlussakkord hingegen gewährt Hoffnung, appelliert an den Selbsterhaltungstrieb des Menschen und zeigt, dass ein Wiederaufbau stets möglich ist. Einmal mehr offenbart sich "The Mission" als ehrlicher und menschlicher Film, den man gesehen haben sollte.

"The Mission" ist ingesamt betrachtet ein bildgewaltiger Selbstfindungstrip in den Tiefen des südamerikanischen Dschungels, der einen großartig aufgelegten Robert De Niro und einen nicht minder gekonnt agierenden Jeremy Irons an die Grenzen ihrer Belastbarkeit treibt. Das vielschichtige Abenteuerdrama bleibt vielleicht an einigen Stellen zu oberflächlich, ist aber nicht zuletzt aufgrund eines genialen Morricone-Scores auf jeden Fall eine Sichtung wert.

7,5/10