Samstag, 4. März 2023

Son Of The Mask - Die Maske 2: Die nächste Generation (2005)

https://www.imdb.com/title/tt0362165/

Vor einem Jahrzehnt stürzte die legendäre Loki-Maske das Leben eines ahnungslosen Mannes ins Chaos, nun ist eine ganze Familie dran.
Hund Bear schleppt die grüne Maske eines Tages an - der erste, der ihr verfällt, ist Tim (Jamie Kennedy). Der sonst so unscheinbare Cartoon-Zeichner mutiert bei einer Halloween-Party zur Stimmungskanone und wittert in der Maske alsbald den Schlüssel zu einer großen Karriere. Während bei seiner Frau Tonya (Traylor Howard) die biologische Uhr tickt, möchte sich Tim die Freuden des Vaterwerdens gerne ersparen. Unter dem Einfluss der Maske ist es mit der Enthaltsamkeit jedoch so eine Sache und nach neun Monaten erblickt schließlich der kleine Alvey das Licht der Welt. Zunächst verläuft alles wie in jeder gewöhnlichen Kleinfamilie. Aber dann muss Tonya ihren Mann und den kleinen Sohn für eine Woche allein zurücklassen... 

"Die Maske 2: Die nächste Generation" ist ein quitschbuntes und cartooneskes CGI-Feuerwerk, welches besonders jüngere Kinder ansprechen soll. Die Macher gingen wohl davon aus, dass Kinder sehr einfach zu unterhalten wären und servieren mit der Fortsetzung zum Kultfilm mit Jim Carrey ein chaotisches Flickwerk ohne Feingefühl. Und das obwohl die Geschichte in "Die Maske" auserzählt war. "Die Maske 2: Die nächste Generation" entwickelt drei Geschichtsstränge, welche versuchen den Film krampfhaft zusammenzuhalten: Tim Avery, gespielt von Jamie Kennedy, entdeckt die magische Maske, zieht sich das Ding über sein Gesicht, verwandelt sich in ein extrovertiertes Alter Ego und haut beim Fest seiner Cartoon-Produktions-Firma auf den Putz. Durch dieses brillante Auftreten auf der Party wird er befördert. Ohne das magische Artefakt ist er aber wieder ein uninteressanter und einfallsloser Pinsel. Dauzu gesellt sich ein chaotischer Haushalt in klassischer Tom-und-Jerry-Manier: Jack Russel Terrier mit sagenumwobener Maske auf, versucht Baby, welches übersinnliche Kräfte bei seiner Zeugung erhalten hat, loszuwerden. Baby versucht Papa loszuwerden. Und Papa ist überfordert. Wieso der süsse Hund den kleinen "Alvey" beseitigen will, beziehungsweise der Säugling den Vater mobbt, ist und bleibt ein Rätsel. Alan Cumming, welcher den Antagonist verkörpert, versucht mit hinterlistigen Tricks die Maske zu ergattern. Hier gibt es auch einen an den Haaren herbeigezogenen Konflikt zwischen ihm und dem Göttervater Odin, welcher von Bob Hoskins interpretiert wird.

Nebst dem, dass die Erzählung schlecht nachvollziehbar ist, ist dieses Werk schauspielerisch sehr fragwürdig. Besonders der Hauptdarsteller ist in Bezug auf seine Sprechrolle nahe an Arbeitsverweigerung. Unmotiviert trägt er regungslos seine auswendig gelernten Texte vor. Des Weiteren kann der Film definitiv nicht mit seiner Kameraführung und Schnitt brillieren. Selbst ein hyperaktives Kind fühlt sich durch die vielen Crash Zooms gestört und von den hektischen Ping-Pong-Schnitten genervt. Zusätzlich sind die computergenerierten Bilder von der Zeit gezeichnet und entsprechend hässlich. Die grössten zwei Mängel sind jedoch die Musik und der Humor. Zum einen wird bei der Firmenfeier eine Art Medley auf den Zuschauer losgelassen mit miserablen Gesangseinlagen und Keyboard-Klimperei, welche wohl als MIDI-Format komprimiert und abgespielt wurde. Bei solch einem schlechten Soundtrack kam bei uns der Wunsch auf uns die eigenen Ohren abzureisen. Die stimmige Filmmusik wie beispielsweise das swingige Theme der Royal Crown Revue des Originals "Die Maske" aus dem Jahre 1994 fehlt schmerzlich. Der Humor und der Slapstick sind platt und nicht annährend so unterhaltsam wie bei Road Runner. Egal, ob man Jim Carrey mag oder nicht; seine Grimmasen und seine Ausstrahlung fehlen in diesem Streifen eindeutig.

Ganz nach dem Motto: Bemüht lustig zu sein, endet damit, dass der Zuschauer sich fremdschämt. "Die Maske 2: Die nächste Generation" bietet kein unterhaltsames Gummigesicht, wie im ersten Teil, sondern höchstens einen Hauptdarsteller mit langweiliger Visage. Und deswegen darf dieser Streifen gerne in Vergessenheit geraten.

2/10

Quellen
Inhaltsangabe: Warner Bros.

Freitag, 3. März 2023

Legends Of The Fall - Legenden der Leidenschaft (1994)

https://www.imdb.com/title/tt0110322/

Colonel William Ludlow (Anthony Hopkins) und seine drei Söhne Samuel (Henry Thomas), Tristan (Brad Pitt) und Alfred (Aidan Quinn) leben zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den Rocky Mountains. Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges wird das Verhältnis der drei Brüder auf eine harte Probe gestellt: Alfred verliebt sich in Susannah (Julia Ormond), die Verlobte von Samuel, die wiederum Gefühle für Tristan hat. Als die Brüder sich zu allem Überfluss gegen den Willen ihres Vaters dazu entscheiden, im Krieg an der Front kämpfen, droht der Familienbund für immer zu zerbrechen. Samuel kostet der blutige Konflikt das Leben. Tristan gibt sich die Schuld für den Tod seines Bruders und verschwindet für einige Jahre. Als er schließlich als gerissener Pferdehändler und Alkoholschmuggler auf die väterliche Farm zurückkehrt, ist Alfred mit Susannah verheiratet und als Kongressabgeordneter in der Politik tätig. Die Beziehung der Brüder wird auf eine Zerreißprobe gestellt und sie werden schließlich erbitterte Rivalen - auch im Kampf um Susannahs Liebe. 

"Legenden der Leidenschaft" ist die Art von epischem Melodram, die nur Hollywood so gut hinbekommen kann. Es ist mehr ein Spektakel als eine Show, mit überwältigenden Momenten des Triumphs und der Tragödie. Worte wie "zurückhaltend" und "subtil" sind in diesem Zusammenhang bedeutungslos. Der Film von Edward Zwick ist die Art von Film, die keine große Anstrengung erfordert, um sich ihr hinzugeben und sie zu genießen, mit ihr zu weinen und sie einfach nur zu bestaunen. Im Mittelpunkt des Drehbuchs von Susan Shilliday und Bill Wittliff stehen die drei Ludlow-Brüder: Alfred (Aidan Quinn), der älteste und geradlinigste; Tristan (Brad Pitt), das mittlere Kind mit einer besonderen Affinität zur Natur; und Samuel (Henry Thomas), der jüngste und idealistischste. Der Patriarch der Familie ist Oberst Ludlow (Anthony Hopkins), ein ehemaliger Offizier, der die US-Armee verließ, als er mit deren Behandlung der Indianer nicht einverstanden war. Die vier Männer leben zusammen mit einer Reihe von indianischen Freunden in den Rocky Mountains von Montana, weit weg von den Annehmlichkeiten - wenn nicht gar der Präsenz - der Zivilisation. Es wäre schwierig, liebevollere und fürsorglichere Brüder als Alfred, Tristan und Samuel zu finden - bis eine Frau das Leben aller drei auf den Kopf stellt. Die aus Boston stammende Susannah (Julia Ormond) ist mit Samuel verlobt. Die bevorstehende Hochzeit kann jedoch nicht verhindern, dass sich seine beiden Brüder in sie verlieben - und sie in mindestens einen von ihnen.

Der Eintritt Amerikas in den Ersten Weltkrieg - und der daraus resultierende blutige Preis - beschließt den einleitenden Teil des Films und enthüllt den eigentlichen Kern des Dramas. Ab diesem Punkt steigen die verworrenen Leidenschaften in einer Flut von Verrat und Eifersucht auf. Nur wenige Verbrechen, sei es des Herzens oder des Körpers, bleiben ungesühnt. Es gibt Todesfälle - einige erwartet und einige plötzlich - und Geburten. Verpasste Gelegenheiten geben Anlass zu traurigen Überlegungen darüber, was hätte sein können. Und am Ende von allem gibt es eine letzte Katharsis. Das alles wird aus der Perspektive des alten Indianers Ein-Stich (Gordon Tootoosis) mit einer solch kraftvollen Stimme erzählt, dass sich "Legenden der Leidenschaft" beinahe wie ein Märchen anfühlt, was den Zuschauer im Grunde sofort in seinen Bann zieht. Dabei gibt es nichts Tiefgründiges an "Legenden der Leidenschaft". Die wenigen Themen (wie z. B. die angeborene Korruption der Regierung) werden im Hintergrund gehalten, so dass Charakterisierung und Handlung im Vordergrund stehen. Natürlich ist dies eine extravagante Produktion mit prächtigen Bildern (ein Verdienst des Kameramanns John Toll) und einer reichhaltigen, eingängigen und grandiosen Musik (von James Horner). Vom Look und der Atmosphäre her erinnert der Film an "Der mit dem Wolf tanzt" und "Der letzte Mohikaner".

Brad Pitt, hier wie ein moderner James Dean, bringt eine Fülle von Melancholie in seine Rolle als Tristan ein, der Dreh- und Angelpunkt für mindestens drei der großen Tragödien des Films. Das Kommen und Gehen der Figur steht für das Öffnen und Schließen von Kapiteln. Selbst wenn Tristan nicht auf der Leinwand zu sehen ist, dreht sich der Film immer um ihn. Man braucht nicht lange zu raten, um zu erkennen, dass seine Liebesbeziehung zu Susannah im Mittelpunkt aller Geschehnisse steht. Doch an der Seite von Pitt steht eine nicht minder grandiose Besetzung, darunter Anthony Hopkins, Aidan Quinn und die damalige Newcomerin Julia Ormond, deren Rolle hier einen Vorgeschmack auf das gibt, was man von ihr noch zu sehen bekommt. Aber alle diese Schauspieler, egal wie angesehen sie sind, müssen die Bühne an Pitt abtreten (und tun dies auch), wenn er in Szenen gesetzt wird. Das Rampenlicht gehört ihm. Manipulation gehört zu jedem Melodrama, und "Legenden der Leidenschaft" ist da keine Ausnahme. In diesem Fall jedoch überwiegt jedoch der Unterhaltungswert bei weitem die momentane Erkenntnis, dass der Regisseur die Gefühle der Zuschauer gekonnt manipuliert. Ein Filmemacher, der das einmal schafft - ganz zu schweigen vom zweiten Mal bei einer weiteren Sichtung und erneut und erneut - verdient sowohl Respekt als auch Bewunderung. 

Es scheint ja, als gäbe es immer wieder Versuche, diese Art von Kinofilm im großen Stil zu drehen, jeder mit Ambitionen, die so groß sind wie die Berge, die hier die Kulisse bilden. Doch weil es so leicht ist, das Melodrama zu übertreiben, sind die Erfolge rar. Zum Glück gibt es in "Legenden der Leidenschaft" nur wenige, verzeihbare Fehltritte. Man muss kein Kritiker sein oder gar eine kritische Einstellung haben, um von diesem Film schlicht und ergreifend unterhalten zu werden.

9,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Columbia Pictures / Sony

Donnerstag, 2. März 2023

Dances With Wolves - Der mit dem Wolf tanzt (Director's Cut) (1990)

https://www.imdb.com/title/tt0099348/

John J. Dunbar (Kevin Costner) ist ein Lieutenant der Nordstaaten-Armee, dem nach einer schweren Kriegsverletzung das Bein amputiert werden soll. Dunbar erträgt diese Vorstellung nicht und will sich umbringen. Auf einem Pferd reitet er vor den Feindeslinien auf und ab, doch statt zu sterben, wird er zum Helden: Die Kugeln der Feinde verfehlen ihn wie durch ein Wunder. Dadurch werden die Feinde abgelenkt und die eigenen Männer bekommen frischen Mut. Am Ende steht ein glorreicher Sieg für die Nordstaaten. Dunbar darf sein Bein behalten und das Pferd, welches ihn so sicher vor dem Feindesfeuer bewahrt hat. Und er darf sich einen Traum erfüllen: Den Wilden Westen kennen lernen: Dunbar wird auf eigenen Wunsch an den westlichsten Außenposten versetzt, den es gibt. Dort findet er nichts vor. Der Posten ist verlassen, die dort stationierten Truppen wurden im Kampf mit den Indianern getötet oder sind geflohen. Trotzdem tritt Dunbar seine Stelle an. Alleine bringt er den Außenposten wieder auf Vordermann und genießt die Zeit in der freien Wildnis. An seiner Seite sind nur sein treues Pferd und ein einsamer Wolf, der ihn aus der Ferne beobachtet und jeden Tag ein Stückchen näher kommt...  

Ein monumentales, epochales Meisterwerk voller Strahlkraft und unvergesslichen Bildern; ein Spätwestern, der den aufkommenden Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und dem indigenen Volk, den Prärie-Indianern des mittleren Westens thematisiert. Dieser Western hätte auch in die Blütezeit des Genres gepasst. Kevin Costners Regiedebüt (!!!) "Der mit dem Wolf tanzt" lief weltweit in den Kinos und mauserte sich nicht nur zu einem wahren Kassenerfolg, sondern Costner, der sich unter anderem gegen Martin Scorsese und Francis Ford Coppola durchsetzen konnte, gewann den Oscar für den Besten Film und die Beste Regie - und Lob und Anerkennung, auch oder gerade in Form einer angesehenen Auszeichnung, hat sich Costner in diesem Fall wirklich redlich verdient. "Der mit dem Wolf tanzt" ist zurecht ein Klassiker im Genre und gilt zudem als die Blaupause für alle späteren Filme, die eine technologisch überlegende Gesellschaft auf eine naturverbundene, unzivilisierte Welt treffen ließen. Dazu zählen "Pocahontas", "Last Samurai" und "Avatar", denen oftmals auch der Plagiatsversuch vorgeworfen wird. Aber was kann Kevin Costners Meisterstück im Ursprung liefern und was macht diesen Film so besonders? "Der mit dem Wolf tanzt" ist unbestritten ein sehr schöner Film. Hervorragend gefilmt, mit einem großartigen Soundtrack und einem ruhigen, feinfühligen Umgang mit der vergessenen amerikanischen Geschichte. Costner ist hier ein Meisterwerk geglückt, und sein Film liefert einen nahbaren und tiefen Einblick in die Beziehung der amerikanischen Einwanderer mit den Sioux-Indianern. Der Zuschauer fühlt sich schnell dabei ertappt, wie realistisch der Ansatz des Filmes ist, wie befreit die Handlung von den typischen Zutaten dieses Genres und wie unaufgeregt sowie beobachtend die Geschichte des John Dunbars ist, ohne dabei wirklich viele neue Erkenntnisse zu sammeln.

Mit "Der mit dem Wolf tanzt" wird oftmals der Film in Verbindung gebracht, der als erster ein klischeebefreites und möglichst realistisches Bild der nordamerikanischen Indianer vermittelt hat. Das gelingt dem Film gleichermaßen gut wie offensichtlich. Dass die Indianer kein mörderischer, schießwütiger Haufen waren, bedurfte scheinbar einer kinotauglichen Feststellung. Das indigene Volk ist genauso menschlich, freundlich, aber auch brutal und schonungslos wie die eindringenden Amerikaner. Das mag heutzutage wenig überraschen und als weltoffener Zuschauer wird man sich kaum neu belehrt fühlen. Hinsichtlich der nahbaren Darstellung der Sioux verfällt Kevin Costner zwar nicht in eine starke idealisierte Haltung, wie bspw. ein James Cameron, zeichnet allerdings selbst nur mit Mühe ein zweideutiges Bild. Über wenige Momente, in denen sich die Sioux über die Tötung von Bison-Wilderern freuen, geht auch "Der mit dem Wolf tanzt" nicht hinaus. Ob es so realistisch ist, wie schnell sie sich auf John Dunbar einlassen, bleibt auch eher der Fantasie überlassen. Costner bedient übliche Genre-Klischees kaum. So wird etwa der skeptische, hitzköpfige Indianer als Gegenspieler zum Protagonisten nur angedeutet, um dann schnell wieder fallen gelassen zu werden. Nicht immer klischeefrei bleiben dennoch zwei andere Gruppen: der alternative feindselige Indianerstamm und die durchgehend böswilligen Weißen. Obgleich die Amerikaner ohnehin kaum zugegen sind und lediglich in der letzten halben Stunde auftreten, hätte man doch zumindest die zweifelhaften Eigenschaften der Pawnee auf die Sioux übertragen können. Die Ermordung eines unbewaffneten Bauern wird dann aber doch ihnen überlassen, während Dunbars Freunde von so einer Zeichnung verschont bleiben.

Ungewöhnlich für das Genre ist auch die überraschend konfliktfreie Handlung. Große dramaturgische Höhepunkte oder Wendungen gibt es bis zum Finale kaum. Das Verhältnis zwischen Dunbar und den Sioux geht nicht minder harmonisch vonstatten. Womöglich liegt das an der gutmütigen und selbstlos angelegten Figur von Kevin Costner. Wer ist dieser John Dunbar? Welche Rolle hat er im Sezessionskrieg gespielt? Dunbar ist seinen weißen Mitmenschen von Anfang an moralisch überlegen. Das ist nicht untypisch für diese Art Film und trotzdem ist es so auffällig, da der Figur keine Charakterwandlung zugestanden werden muss. Dieses Element lösen Genrekollegen dann doch besser, denen an einer konventionelleren dramaturgischen Spannung gelegen ist. Ebenso ungewöhnlich wie das Verhältnis zu den Sioux beginnt, verläuft es über den gesamten Film. "Der mit dem Wolf tanzt" spielt in einer Endphase der amerikanischen Westeroberung. Für die Indianer ist es nur noch eine Frage der Zeit bis die Weißen kommen und Dunbar ist sich dieser Tatsache selbstverständlich bewusst. Ein größerer Kulturen-Austausch findet daher gar nicht erst statt. Welchen Reichtum bzw. Vorteilen haben sich die Indianer und Dunbar gegenseitig zu bieten? Was macht die Sioux-Kultur erhaltenswert und in welchen Punkten ist sie der der Amerikaner womöglich überlegen? Dieser Auseinandersetzung geht Kevin Costner gar nicht erst nach. Es bleibt bei kleinen Faszinationen der Sioux über Zucker und eine Kaffeemühle. Aufgrund der letzten Eroberungsphase untergräbt der Film hierbei allerdings nichts. Der "Culture-Clash" ist längst abgeschlossen, der Sieger der Geschichte lange bestimmt. Es gibt nichts mehr zu nehmen oder zu geben. Auch die Sioux werden verschwinden, so wie sie alle verschwunden sind. Dieser Umstand kann mit dem Wissen aus anderen Genre-Vertretern seltsam oberflächlich wirken oder aber ziemlich konsequent. Denn in der Hinsicht idealisiert der Film eben überhaupt nicht und wählt für die indigene Bevölkerung eine überraschend einfache Antwort: Es ist ein Volk unter vielen, mit ihren Bräuchen, Ritualen und Glauben. Und ihr reichhaltiges Wissen wird niemanden umstimmen. Das Rad der Zeit dreht sich erbarmungslos weiter, bis sie schließlich nicht mehr existieren.

Mit dem Blick auf "Last Samurai" oder "Avatar" kann "Der mit dem Wolf tanzt" daher eigentlich wenig zum Thema beitragen. Weder ist Dunbar so breit charakterisiert, wie ein Tom Cruise als angehender Samurai, noch geht die Handlung so tiefgründig auf die Kultur der Ureinwohner ein, wie Cameron mit seinen Na'vi. Und dennoch ist die nachträgliche Erfahrung aufschlussreich, weil eben vieles bereits vorausgesetzt wird und in seiner Entwicklung abgeschlossen ist. John Dunbar führt nicht noch am Ende den letzten Kampf an; seine Geschichte endet nicht melodramatisch im Sonnenuntergang im Beisein der Sioux. Er muss gehen, denn schon bald werden die Amerikaner die Indianer finden. Diese Geschichte hat kein Happy End und genau das macht "Der mit dem Wolf tanzt" so nahbar. Auch wenn er bei der Darstellung der Sioux durchaus idealisiert, zum Schluss entzaubert Costner den Mythos konsequent und unterliegt keiner Romantisierung der realen Ereignisse. Ein Film wie ein Plädoyer für Völkerverständigung, Naturverbundenheit, Selbstfindung, Menschlichkeit und Liebe. Ein Meisterwerk.

9/10

Quellen
Inhaltsangabe: Kinowelt / Studiocanal

Mittwoch, 1. März 2023

Murder By Numbers - Mord nach Plan (2002)

https://www.imdb.com/title/tt0264935/

Eine junge Frau wird ermordet aufgefunden. Die erste Spur, ein Fußabdruck, führt die abgebrühte Kommissarin Cassie Mayweather (Sandra Bullock) zu Richard Haywood (Ryan Gosling), einem reichen und verwöhnten Highschool-Schüler. Aber der hat ein wasserdichtes Alibi. Die Indizien deuten alle auf den Hausmeister der Highschool, der auf seltsame Weise verschwindet und scheinbar Selbstmord begeht. Cassie jedoch geht weiter ihrer ersten Spur nach und versucht, Richard und seinen schüchternen Freund Justin Pendleton (Michael Pitt) zu überführen. Im Laufe der Hatz werden jedoch auch Cassies schlummernde Geheimnisse geweckt und in die spannende psychologische Jagd mit einbezogen. Gelingt es der coolen Ermittlerin, die zwei Schüler einzusperren, oder kommen sie mit ihrem Plan durch? 

Sandra Bullock spielt in einem Old School-Thriller, den sie selbst produziert hat, die Art, worin der Mörder schon von Anfang an offenbart wird und die leitende Ermittlerin (Bullock) ihn allmählich einkreist. Obwohl es dem Plot schon früh einen Teil seiner Spannung raubt, ist das per se kein schlechtes Konzept, wenn er es mit anderen Mitteln wieder ausgleichen kann. Damit kann "Mord nach Plan" allerdings kaum glänzen. Die etwas zähe Handlung kommt über ein laues Psychospielchen nicht hinaus, das nur selten Spannung generiert. Dazu passt eine unterkühlt wirkende Sandra Bullock, die aufgrund eines schlimmes Ereignisses jegliche Fähigkeit zu Empathie verloren hat und den ganzen Film über so auftritt. Inhaltlich geht die Story für einen Thriller dieser Art in Ordnung, doch leidet der Plot schon früh unter einem bösen Logikschnitzer, der "Mord nach Plan" beinahe schon ad absurdum führt: Der Kopf des Mörderduos (richtig stark: Michael Pitt), der alles durchdacht und bis ins kleinste Detail akribisch vorbereitet hat, erbricht neben dem Deponierort der Leiche im Wald und lässt das Erbrochene mit all seinen auch noch liegen? Das ist derart stümperhaft und widersprüchlich, dass man zunächst denkt, das sei irgendwie auch Teil des Plans, aber die Story benutzt das tatsächlich als Hauptbeweis dafür, ihn am Ende zu überführen. Kein großer Wurf von Sandra Bullock, der mit Produktionskosten von 50 Mio.$ zudem relativ teuer kam, aber wesentlich billiger wirkt, und zum Flop an den Kassen wurde.

6/10

Quellen
Inhaltsangabe: Warner Bros.

Dienstag, 28. Februar 2023

Die Hart: The Movie - Die Hart (2023)

https://www.imdb.com/title/tt26198528/

Kevin Hart (Kevin Hart) verfolgt mit Nachdruck sein persönliches Ziel, die Rolle seines Lebens zu bekommen - als großer Star eines gewaltigen Actionblockbusters. Doch sein Anliegen wird vom Studio ohne mit der Wimper zu zucken kurzerhand abgeschmettert und seine Träume scheinen von einem Augenblick auf den anderen zu zerbrechen. Direkt nach dieser schmerzhaften Nachricht begegnet er durch puren Zufall gleich mehrmals einem der größten gegenwärtigen Action-Stars. Dieses schicksalhafte Aufeinandertreffen ist der Startpunkt einer skurrilen Ereigniskette, die Hart dazu zwingt, sich durch eine Kaskade von wahnwitzigen und von irrer Action dominierten Situationen zu kämpfen. Ein Glück, dass ihm gleich eine ganze Reihe an namenhaften Hollywoodgrößen aus dem Action-Genre mit helfender Hand zur Seite steht.

Ein Film, der - trotz Kevin Hart - anfänglich vielversprechend aussieht, den Zuschauer aber sehr schnell maßlos enttäuscht. Die ersten zehn oder fünfzehn Minuten, in denen Hart interviewt wird, hält man schon kaum durch. Und dann wird daraus nicht mehr viel oder gar nichts, als ein zusammenhangsloser Anekdotenfilm, der sich anfühlt wie Videothekenfutter aus vergangenen Zeiten. Eben einer jener Filme, von denen niemand etwas gehört hatte; die man sich auslieh, ohne groß darüber nachzudenken und von denen man ohnehin wenig erwartete. "Die Hart" ist ein Film ohne viel Drehbuch, der versucht, mehr oder weniger von Kevin Harts (blöden) Witzen zu leben und von sehr wenig anderem, vor allem, wenn selbst Mr. Harts Dialoge nicht lustig sind.

Kein Komiker kann ein unlustiges Drehbuch überleben, noch kann ein Film ohne Drehbuch auch nur annähernd gut sein, und dieser hier zerfällt in eine Idee, die fast schon in der ersten Sequenz stirbt und sich damit jegliche Chacne auf eine gute Note verwehrt. Ironischerweise kommt die beste Leistung von John Travolta, der einmal mehr Spaß daran zu haben scheint, den kahlgeschorenen "Bösewicht" zu spielen. Doch trotz alledem ist "Die Hart" ein enttäuschender Film, der sich weder für sich selbst interessiert noch (was noch schlimmer ist) dumm genug ist, um dem absurdem Humor Platz zu machen. Kurz und gut: jede Woche liefert die Sparte "Komödie" Qualitätsfilme, gute Leistungen und Momente, an die man sich erinnert. "Die Hart" hat nichts von alledem.

2/10

Quellen:
Inhaltsangabe
: amazon Video

Montag, 27. Februar 2023

The 355 (2022)

https://www.imdb.com/title/tt8356942/

Die amerikanische Agentin Mason Brown (Jessica Chastian) ist für die CIA die Frau fürs Grobe. Da liegt es auf der Hand, dass sie auf die nächste gefährliche Mission geschickt wird, um eine streng geheime Waffe zu finden, die von einem feindlichen Söldner-Trupp gestohlen wurde. Um sie zurückzubekommen, braucht Mason allerdings tatkräftige Unterstützung und stellt sich ein Team aus toughen Agentinnen zusammen, die bereit sind, sich mit allen Mitteln gegen einen gemeinsamen Feind zu stellen, um so den möglichen Dritten Weltkrieg zu verhindern. Neben Mason machen sich die deutsche Agentin Marie (Diane Kruger), die Computerspezialistin Khadijah (Lupita Nyong'o) und die kolumbianische Psychologin Graciela (Penélope Cruz) auf den Weg, um die Erde zu beschützen. Dabei treffen sie auch immer wieder auf die mysteriöse Chinesin (Lin Mi Sheng), deren Rolle für die Agentinnen undurchschaubar ist...

Regisseur Simon Kinberg bringt mit "The 355" und namhafter Besetzung einen Agententhriller, in der er ein Quartett von Spionageveteraneninnen, die aus verschiedenen Ländern kommen, aber eine gewisse schurkische Mystik teilen, aufeinandertreffen und sich (naturgemäß) zusammenraufen müssen, um den bösen, bösen Gegenspieler auszuschalten. Was hier bereits (bis auf die weibliche Hauptbesetzung) schon sehr formelhaft und generisch klingt, ist kraftvoll und actionreich, aber irgendwie lustlos. Mace (Jessica Chastain), die für die CIA arbeitet, wird beauftragt, einen verschlüsselten Harddrive zu beschaffen, der so ziemlich alles kann (von ein Flugzeug in die Luft jagen bis, in jedes geschlossene Computersystem eindringen) und daher reif ist, von einer internationalen Bande krimineller Unternehmer gestohlen zu werden. In Paris, wo sie die Festplatte von einem kolumbianischen Söldner (Édgar Ramirez) abholen soll, wird sie von ihrem langjährigen Agenten-Kollegen Nick (Sebastian Stan) begleitet, der vorschlägt, dass sie ihre Undercover-Identitäten als Flitterwöchner untermauern, indem sie tatsächlich ein Paar werden. Zu unserer Überraschung willigt Mace ein - doch dank Marie (Diane Kruger), einer rivalisierenden deutschen BND-Agentin, ist die Verbindung nicht von Dauer. Eine Zeit lang stehen sich Mace und Marie als die kantigen Renegaten gegenüber, die sie sind. Doch schon bald schließen sich ihnen zwei weitere Agenten an: Khadijah (Lupita Nyong'o), eine halbpensionierte MI6-Agentin, die auf dem neuesten Stand der Cyberspionage arbeitet und Graciela (Penélope Cruz), die kolumbianische DNI-Agentin, die in Wirklichkeit eine Psychologin ist, die sich auf die Behandlung der Traumata ihrer Kollegen spezialisiert hat.

Die vier tun sich zusammen, um den Harddrive zurück zu holen - ein Countdown bis zur Apokalypse mit einem MacGuffin, der mit gut inszenierter, obgleich überzogener Action gespickt ist. Diese erstklassigen Agenten sind für alles ausgebildet: Nahkämpfe, existenzielle Verfolgungsjagden durch die überfüllten Plätze Marokkos, unauffällige Überwachungen und natürlich die Zurschaustellung einer Eiseskälte, die es mit jedem männlichen Filmspion aufnehmen kann. Das Element, das dem Film am ehesten eine Persönlichkeit verleiht, ist die Tatsache, dass die meisten von ihnen sich nicht mit dem Einzelkämpferdasein zufrieden geben, das man als internationale Geheimnisträgerin hat. Ihr Standpunkt scheint zu sein: Wir können uns bewegen wie Bond, aber soziopathische Isolation ist was für Idioten.

Als Actionfilm ist "The 355" generisch, überdreht und 20 Minuten zu lang. Chastain hat sich in letzter Zeit von einer leichteren Seite gezeigt; in "The 355" spürt man das Vergnügen, das sie dabei empfindet, sich in die Rolle der hochmütigen Actionheldin zu verbeißen. Kruger hat den Mut, Marie als unnahbare Neurotikerin zu spielen, Nyong'o gibt eine ungewöhnlich emotionale Hackerin, und Cruz erweist sich als diejenige, die ihrer Familie mehr zugetan ist als der globalen Realpolitik, als der süßeste Joker. Je weniger darüber verraten wird, was mit Sebastian Stans Nick passiert, desto besser, obwohl er ihn mit einer kindlichen Boshaftigkeit spielt, der man nur schwer widerstehen kann. In der zweiten Hälfte des Films führt Kinberg seine Heldinnen nach Shanghai, wo sie den Drive von einer Kunstauktion zurückholen müssen, die als Deckmantel für einen Bieterkrieg im Internet dient, wodurch der Film ein wenig wie ein Thriller wirkt. Ebenso wie die Ankunft von Bingbing Fan als chinesische Undercover-Agentin, die sich auch noch dem Team anschließt. Kinberg polstert den Film mit bravourösen Actionszenen aus, die straff choreografiert und geschnitten sind. Die Idee ist natürlich, dass die Action den Film verkaufen soll. Kann man über Unzulänglichkeiten in der Story oder den Interaktionen hinweg sehen, ist das Ding gar nicht so übel - und das obwohl es tatsächlich ein wenig Leerlauf gibt.

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Leonine

Sonntag, 26. Februar 2023

Vile - Pain (2011)

https://www.imdb.com/title/tt1711018/

Eine Gruppe von jungen Menschen nimmt auf einer verlassenen Straße einen einsamen Anhalter mit. Doch dies erweist sich schnell als Fehler, denn der Mann schafft es mithilfe eines Gases die Leute im Auto außer Gefecht zu setzen. Die Fünf wachen zusammen mit vier Fremden in einem zugesperrten Haus auf. Niemand kann sich an etwas erinnern oder hat eine Ahnung, was vor sich geht. Doch noch viel beunruhigender ist, dass ihnen Schläuche aus den Köpfen hängen, die mit kleinen Behältern an ihrem Rücken verbunden sind. Ein Video erklärt den Ratlosen und Verängstigten, dass das Hirn bei Schmerzsituationen eine bestimmte Chemikalie produziert und diese im flüssigen Zustand mittels Schlauch und Behälter aufgefangen werden. Sie müssen es schaffen, innerhalb von 22 Stunden die Behälter mit der Flüssigkeit zu füllen, ansonsten werden sie das Haus nie wieder lebend verlassen, so die Auflage. Doch um an die geforderte Menge zu gelangen, gehen die ahnungslosen jungen Menschen bis an ihre Schmerzgrenze und darüber hinaus. Dabei verlieren sie nach und nach alle moralischen Grundsätze, was gepaart mit dem Fakt der psychischen Belastung zu einer tödlichen Bedrohung wird...

Was inhaltlich irgendwie nach "Saw" riecht, ist gar nicht mal so abwegig, außer dass hier kein genialer Jigsaw mit Fallen aufwartet, sondern nur unbegabte Schauspieler mit allerlei Kücheninventar oder sonstigem Werkzeug, mit dem es sich gut schlachten lässt. Die Idee zu "Pain" ist gar nicht verkehrt und macht Genre-Freunde durchaus neugierig. Diese Neugier lässt sie allerdings voll in die Falle der Enttäuschung laufen, denn "Pain" kann seinem Story-Potential zu keiner Zeit gerecht werden. Die deutsche Fassung hatte es bei der Bundsprüfstelle schwer, wurde aufs übelste gekürzt und ist dadurch vollkommen unbrauchbar. Aber auch das Original geizt mit wirklich heftigen Szenen, und die, die es dann zu bestaunen gibt, wirken billig und extrem unrealistisch. Zudem wackelt die Kamera in diesen Momenten, als würde man gerade ins Found Footage Genre abdriften. Die blasse Optik wirft dem Ganzen dann seinen tristen Schleier über. Zudem wirkt der Film insgesamt wie ein Amateurprojekt, an welchem fünf verschiedene Personen herumgedoktort haben. Letztlich beschreibt der deutsche Verleihtitel noch am ehesten, was man hier bekommt - nämlich eine sehr schmerzhafte Seherfahrung, von der man besser die Finger lässt.

2/10

Quellen
Inhaltsangabe: Splendid