Sonntag, 28. August 2016

박쥐 - Bakjwi - Thirst - Durst (2009)

http://www.imdb.com/title/tt0762073/

Der katholische Krankenhaus-Priester Sang-hyeon (Kang-ho Song) ist mit seiner Litanei am Ende. Mehr als mitleidige Gebete hat er den dahinsiechenden Patienten nicht zu bieten, von der verheißenen Kraft seines Glaubens fehlt jede Spur. Dann nimmt der Desillusionierte als Versuchsobjekt an einem medizinischen Experiment teil – und verendet auf dem OP-Tisch. Eine Wiedergeburt später ist er der Star einer kleinen Schar fanatischer Christen, die im bandagierten Sang-hyeon ein wandelndes Wunder sehen. Die zweite Chance hat allerdings einen gewaltigen Haken: die Bluttransfusion, die er bekommen hat, stammt von einem Vampir...

"Thirst"/"Durst" ist ein sehr eigentümliches Horror-Drama, welches unverkennbar Park Chan-wooks ("Stoker", "Old Boy") Handschrift trägt. "Durst" ist darüber hinaus ein exzellentes Beispiel dafür, dass Vampirfilme absolut das Zeug zu so viel mehr haben könnten und eben nicht als reine Lachnummer, wie beispielsweise die "Twilight"-Saga, abgetan zu werden.

Insgesamt muss man auch wieder feststellen, dass Regisseur Park Park Chan-wook es einfach versteht, seinen einzigartigen Stil vollends wirkungsvoll einzusetzen. Ästhetische Bilder, welche mit einem großartigen Soundtrack unterlegt werden, sind hierbei allerdings nicht das Einzige, was der Zuschauer die volle Laufzeit über zu erwarten hat. Wer hier nämlich einen typischen Film, der einem gewohntem Handlungsschema unterliegt, erwartet, wird sich schnell umschauen müssen. Nichts ist gewöhnlich - aber das ist auch gut so, denn Gewöhnliches bekommen wir jährlich zur Genüge serviert. Umso schöner ist es dann auch zu sehen, wie bemerkenswert diese unverbrauchte Auseinandersetzung mit den Themen des Films zur Geltung kommt - so einfach aber gleichzeitig auch so effektiv kann das also sein. Der Vampirismus der beiden Hauptfiguren dient hier nur als Triebfeder und Metapher für überhaupt nicht übernatürliche Probleme. "Durst" ist ein Film über das Ausbrechen. Das Ausbrechen aus der erdrückenden Familie. Das Ausbrechen aus den selbst auferlegten Zwängen und Wertevorstellungen des katholischen Christentums. Diese Anfangs durchaus positiven Erfahrungen wandeln sich jedoch, geraten außer Kontrolle. Es folgen das Ausbrechen aus grundlegenden moralischen Vorstellungen, das Ausbrechen aus der Menschlichkeit.


Anhand einer audivisuell makellosen, grandios gespielten und berührenden Vampir-Liebesgeschichte grübeln Park Chan-Wook und der Zuschauer gemeinsam über die menschlichen Konstrukte von Moral, Gesellschaft und Sünde. "Durst" nimmt den Zuschauer mit auf emotionale, düstere und intellektuell-philosophischen Reisen. Und diese enden im grandiosen, tieftraurigen und schmerzhaft konsequenten Finale des Films. Solche Genre-Beiträge zeigen darüber hinaus zudem immer wirklich eindrucksvoll, wie Mut und das Blicken über den Tellerrand belohnt werden können. Blutig und dreckig kommt "Durst" dabei insgesamt zwar durchaus daher - trotzdem ist er aber irgendwie doch so schön in all seiner Gesamtheit. Wunderbar erfrischendes Kino aus Korea eben. Ein Blick auf dieses Werk kann sich hier also mit hoher Wahrscheinlichkeit als lohnenswert herausstellen, auch wenn sich der Film sicherlich ganz weit abseits des Mainstream-Kino anzusiedeln hat. "Durst" zeigt eindrucksvoll, dass die Vampir-Thematik nicht nur für kindliche Romanzen, platte Monsterfilme oder altmodischen Grusel taugt, sondern auch ein erwachsenes, anspruchsvolles und intelligentes Kino hervorbringen kann.

7/10