Mittwoch, 10. April 2019

Dumbo (2019)

https://www.imdb.com/title/tt3861390/

In der Manege machte dem Zirkusstar Holt Farrier (Colin Farrell) keiner so schnell etwas vor – doch dann kam der Krieg und plötzlich war nichts mehr, wie es einmal war. Nach seiner Heimkehr findet er dennoch zurück zu seinen Wurzeln, als ihn der Zirkusdirektor Max Medici (Danny DeVito) einstellt, um sich um einen kleinen Elefanten zu kümmern, der aufgrund seiner großen Ohren zur Zielscheibe fieser Witzeleien wird. Sein Name: Dumbo. Als Holts Kinder Milly (Nico Parker) und Joe (Finley Hobbins) jedoch herausfinden, dass ihr dickhäutiger Freund fliegen kann, wendet sich das Blatt: Der Unternehmer V.A. Vandevere (Michael Keaton) wird auf den außergewöhnlichen Vierbeiner aufmerksam und holt ihn prompt an Bord seines erfolgreichen Vergnügungsparks Dreamland, wo Dumbo an der Seite von Akrobatin Colette Marchant (Eva Green) schnell zur großen Nummer wird. Doch er muss sich in Acht nehmen, im Dreamland ist nämlich nicht alles so perfekt, wie es auf den ersten Blick scheint...

Das Spiel mit den Live-Action-Umsetzungen lohnt sich und spült Disney riesige Einnahmen in den Geldbeutel. Im Jahr 1941 lieferte Disney einen optisch beeindruckenden Film ab, der noch heute sehr faszinierend ist. Die Rede ist von "Dumbo". Mit einer - für Disney-Verhältnisse typischen - herzerwärmenden Geschichte um einen kleinen Elefanten mit großen, übergroßen, Ohren. Nun hat Altmeister Tim Burton eine Real-Adaption kreiert und legt seinen Fokus auf die menschlichen Charaktere. Mit Tim Burton und "Dumbo" vereint man auch zwei Seiten, die auf den ersten Blick nicht unbedingt zusammenpassen. Auf dem zweiten Blick harmoniert es aber wunderbar. Die Magie Burtons erkennt man in jeder Szene. Der Meister des Morbiden erweitert die Geschichte des beliebten Elefanten und schafft so Raum für seine Ideen und Vorstellungen. Die Realverfilmung von "Dumbo" ist damit ein schöner Familienfilm geworden, den man problemlos mit seinen Kindern schauen kann. Lediglich die Chemie der Charaktere holpert etwas und das gesamte Konzept bleibt etwas blass.


Rein von der Optik her ist "Dumbo" zweifelsohne einer der beeindruckendsten Filme des Jahres. Alles ist detailliert ausgearbeitet und auch das komplette Setting sieht brillant aus. Leider hat "Dumbo" kleinere Probleme beim Storytelling und legt seinen Fokus manchmal zu sehr auf die Menschen, wodurch der titelgebende Elefant Dumbo selbst oft zur Nebensache wird. Manchmal ist das aber auch gar nicht schlecht und fügt sich stimmig in das Gesamtbild ein. So gibt es für die Zuschauer auch viel Spektakel zu bewundern, bei der Hauptattraktion und dessen erzählerischen Rahmen lässt man sprichwörtlich ein paar Federn. Gags gibt es nur wenige, einige davon sind dafür sehr treffsicher. Und darüber hinaus überzeugt Disney mit einer beeindruckenden Selbstkritik und besonders der Kapitalismus und die ganze Zirkus-Thematik wird hervorragend aufgegriffen.

Der kleine Dumbo ist auch extrem niedlich umgesetzt und entlockt einem immer wieder ein Niedlichkeits-Lächeln. Der kleine Elefant ist wirklich knuffig und er sieht so real aus, dass man nie das Gefühl hat, dass die Menschen ins Leere starren. Viele herzergreifende Momente wie im Original-Film aus dem Jahre 1941 erlebt man ebenso. Bei den Schauspielern hat man auf eine Starbesetzung gesetzt und das Konzept geht beinahe auf. Es ist auch schön, DeVito und Keaton mal wieder zusammen in einem Burton-Film zu sehen. Colin Farrell ist als Vater durch die Bank weg sympathisch und herzlich, obwohl seine Entwicklung relativ unspektakulär ist. Danny DeVito ist der beste Schauspieler im Film und er hat immer noch seinen altbekannten Charme, mit dem er komplett überzeugen kann. Eva Green ist der dritte starke Part bei den Schauspielern und ihre Wandlung kommt sehr positiv zur Geltung. Alle anderen Darsteller sind etwas Schablonenhaft. Entweder sind sie die größten Klischee-Figuren (Michael Keaton als Schurke) oder unglaubwürdige Darsteller, die einfach nicht realistisch wirken und etwas zu übertrieben dargestellt werden. Aber was man sich dabei gedacht hat, Ring-Ansager Michael Buffer zu casten (ja, er sagt im O-Ton tatsächlich "Let's get ready for Dumbo!") bleibt wohl das absurdeste Rätsel des Films.


Den stimmigen Score von Danny Elfman, der zu Burtons Stamm-Crew gehört, zu erwähnen erscheint da fast obligatorisch. Weniger obligatorisch ist das Stück "Baby Mine", welches Arcade Fire zu diesem Film beigesteuert haben und durchaus erwähnenswert ist. "Dumbo" ist unterm Strich optisch meisterhaft, aber oft ein Hauch zu schmalzig. Bei "Dumbo" springt der Funke relativ schnell über und obwohl der Film brillant aussieht und der Elefant selbst ein Volltreffer ist, bleibt die Geschichte etwas vorhersehbar und bedient einfach zu viele altbekannte Klischees. Das liegt nicht daran, dass man es nicht will, sondern dass es in den entscheidenden Situationen an Wärme und Fingerspitzengefühl fehlt. Man schaut in die richtige Richtung, stolpert aber eher über kleinere Steine, während man den Weg geht. Immerhin funktioniert die Zirkus-Kritik und die ein oder andere Szene geht richtig ans Herz. "Dumbo" ist damit eine gelungene Realverfilmung des altbekannten Stoffes von Tim Burton und obwohl Burton sich von seinem morbiden Stil nach "Alice im Wunderland" ein Stück weit mehr entfernt und in eine etwas buntere Welt begibt, so trägt auch dieser Streifen eindeutig seine Handschrift. Gefällt.

7,5/10

Von WALT DISNEY Studios Home Entertainment gab es den Film exklusiv bei zavvi im limitierten Steelbook. Die Erstauflage beinhaltet den Film in 4K im Halbschuber.


Quellen: 
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Disney

Dienstag, 9. April 2019

The Hitcher - Hitcher, der Highway Killer (1986)

https://www.imdb.com/title/tt0091209/

Der junge Jim Halsey (C. Thomas Howell) fährt eines Nachts alleine auf dem Highway, als er einen Mann per Anhalter mitnimmt. Er stellt sich als John Ryder (Rutger Hauer) vor, entpuppt sich jedoch als geistesgestörter Wahnsinniger, der Jim mit dem Tode droht. Der panische junge Mann schafft es gerade noch so den mutmaßlichen Killer aus dem Auto zu befördern, doch damit hat für Jim der Alptraum erst begonnen. Der geisteskranke Anhalter schafft es Jim zu folgen und hinterlässt auf seinem Weg eine Schneise voller Leichen und Blut. Natürlich fällt der Verdacht schnell auf den jungen Mann, mehren sich doch die Morde immer da, wo genau er auftaucht. Auch die Polizei scheint für Jim keinen Schutz zu bieten, hat er doch ständig das Gefühl, dass der wahnsinnige Highway-Killer ihm immer dicht auf den Fersen ist und ihm sowieso keiner Glauben schenken würde. Ein mörderisches Katz- und Mausspiel beginnt…

Bis die Story soweit gekommen ist, sind kaum fünf Minuten vergangen. Ohne eine ausschweifende Einleitung legt man sofort los. Da muss nichts erklärt, die Figuren brauchen nicht eingeführt werden und bekommen auch im späteren Verlauf auch keinerlei Hintergrund. Was in vielen Filmen negativ ist, gefällt hier irgendwie und es passt zu der simplen Herangehensweise, denn "Hitcher, der Highway Killer" setzt nicht auf Ballast. Das Drehbuch bietet Möglichkeiten zu Interpretationen, löst aber überhaupt nichts auf und deshalb kann man es auch sein lassen und diesen Film als unterhaltsamen Psychothriller ansehen. Angenehm ist auch, dass man Logik und Realismus etwas lockerer nahm.

C. Thomas Howell spielt die Hauptrolle ordentlich und facettenreich, doch der wahre Star des Filmes ist ganz klar Rutger Hauer. Selbst wenn seine Leinwandzeit gar nicht so groß ausgefallen ist, reißt er die Szenen komplett an sich und strahlt dabei so dermaßen viel aus, dass man diesen Killer schon fast als sympathisch einschätzen könnte. Sowieso hat man mit dem Hitcher eine coole Figur erschaffen, die etwas Mysteriöses besitzt und gerade weil man hier nichts aufklärt, bleibt es auch so mystisch. Da wechselt sich der normale Thriller mit ein paar psychopathischen Motiven ab, ja wenn man so will, kann man sogar ein bisschen Horror darin erkennen und das als eine eigene Form des Slashers ansehen. Übernatürlich geht es zwar nicht zur Sache, doch ein wenig Mystery schwingt da schon mit.

So flott wie das Szenario beginnt, endet es auch. Anfangs gönnt man Jim überhaupt keine Pause, hetzt ihn von Bedrohung zu Bedrohung, dann wird auch noch die Polizei zur Gefahr. Dieses hohe Tempo hält man nicht komplett durch, denn in der zweiten Hälfte nimmt sich das stets ein paar Ruhepausen, doch diese sind sinnvoll und langweilen dennoch nicht. Das kurze Finale kann überzeugen, an Action mangelt es nicht, nur sonderlich spannend ist der Film dann leider nicht. Dafür gibt es ein paar Momente zum Schmunzeln und so ganz ernst nehmen, kann ich das Werk sowieso nicht. Ist aber alles wunderschön inszeniert, dient mit guten Road-Movie-Aufnahmen, ein paar etwas derberen Szenen und der Score weiß ebenfalls zu gefallen.

"Hitcher, der Highway Killer" ist ein seltsames Filmchen, welches sich genretechnisch gar nicht entscheiden will und gerade deshalb so abwechslungsreich erscheint. Das Drehbuch besitzt einige Stärken, man sollte nur nichts Realistisches erwarten. Dafür bekommen wir einen tollen Rutger Hauer zu sehen und die simple Figurenzeichnung erfüllt ihren Zweck, tut sogar gut daran nichts zu erklären. Handwerklich ist das stark gemacht, kurzweilig ist es ebenfalls, nur besitzt das Ganze für mich nicht besonders viel Substanz. Kurz: hier ist ein simpler, aber durchaus effektiver Film entstanden, der auch von der Machart her gut zu gefallen weiß.

8/10

Von NAMELESS Media kommt der Film in HD im auf 777 Stück limitierten Mediabook:

Montag, 8. April 2019

Shazam! (2019)

https://www.imdb.com/title/tt0448115/

Der 14-jährige Billy Batson (Asher Angel) ist ein Waisenjunge und lebt bei einer Pflegefamilie. Doch als er eines Tages auf einen jahrhundertealten Magier (Djimon Hounsou) trifft, verleiht ihm dieser eine mysteriöse Macht. Fortan kann sich Billy, wenn er das Wort SHAZAM! ruft, in den erwachsenen Superhelden Shazam (Zachary Levi) verwandeln. Plötzlich steckt er nicht nur in dem Körper eines durchtrainierten Hünen, sondern hat nahezu gottgleiche Superkräfte. Überschwänglich und etwas leichtsinnig geht Billy daran, gemeinsam mit seinem Freund Freddy (Jack Dylan Grazer) seine neugewonnenen Fähigkeiten als Shazam auszuprobieren, und tatsächlich ist es gar nicht so einfach, Superstärke, Fliegen und Blitze zu kontrollieren. Doch bald muss er seine Kräfte für mehr einsetzen als die Schule zu schwänzen. Denn in der Gestalt von Dr. Thaddeus Sivana (Mark Strong) naht eine tödliche Gefahr und nur Billy kann den Bösewicht stoppen...

Das hat DC mal wieder gebraucht. Ein gelungener Superheldenfilm, abseits der typischen DC-Dauerbrenner "Batman", "Wonder Woman" und "Superman". "Shazam!" zeigt mit liebenswerter Verspieltheit die Höhen und Tiefen des Superheldendaseins und kann nach einem nahezu desaströsen Beginn (in doppelter Hinsicht) mehr und mehr Punkte sammeln. Da stellt sich nur die Frage: kann man aus dem Genre des Superheldenfilms für uns noch irgendeinen neuen Impuls gewinnen? Vermutlich nicht, allerdings kann man aus dem Bestehenden unter der Verwendung der richtigen Zutaten trotzdem ein wenig Unterhaltung gewinnen und im Falle von "Shazam!" hat dies optimal funktioniert. Dabei überrascht die Story nicht wirklich: es geht um einen Waisenjungen, der quasi aus dem Nichts übermenschliche Kräfte erhält. Allerdings beschließt er damit nicht gleich die Welt zu retten, sondern erst mal jede Menge Spaß damit zu haben. Das ist dann auch gleich das bemerkenswerte und beeindruckende an diesem Film: er besitzt eine kindliche Ausstrahlung, eine Leichtigkeit und einen frechen Spaßfaktor, der zu einem unglaublich unbeschwerten Gefühl führt wie man es zuletzt beim ersten "Spider-Man"-Film zu sehen bekam und welches in seiner Gesamtheit sehr an "Big" erinnert. Da dies auch noch mit frischen unverbrauchten Darstellern geliefert wird und einem absolut humorigen Grundton macht der Film in der Tat einen unglaublichen Heidenspass.

Denn seitdem Christopher Nolan seinen "Batman" an ihren für beide Seiten produktiven dunklen Ort gebracht hat, war das filmische Superuniversum in DC so ernst wie ein Grab. Es gab Ausnahmen, kleinere Lichtschimmer inmitten dieses Schicksals. Außerhalb des animierten Bereichs waren die Geschichten und die Stimmung jedoch unangenehm, wobei sogar die Farbtöne, von trüb bis schwarz inmitten von violettem und wässrigem Blau, dies zu betonen wussten. Angesichts dessen ist das helle, knallige Rot des Superhelden-Kostüms in "Shazam!" ein frühes Warnzeichen, das wie ein Matador-Umhang so offensichtlich ist, dass hier und jetzt die trostlose und grimmige Weltuntergangsstimmung ihr Ende findet. Es ist eine schöne Abwechslung für einen Mega-Comic auf Großleinwand, wenn nicht sogar eine revolutionäre Veränderung für DC. Es gibt immer noch viel Product Placement und die üblichen langwierig, überforderten Kämpfe, Ka-Pow und Ka-Boom. Diese werden jedoch über den charmant-luftigen Rächer in Strumpfhosen geliefert, der einst als DC's "Captain Marvel", a.k.a. der mächtigste Sterbliche der Welt, bekannt war, oder wie viele Kinogänger vermutlich dachten: "Wer?".

Die Antwort erscheint stückweise in "Shazam!", einem weiteren Film über einen Superhelden mit "kleineren" Identitätsproblemen. Hier beginnt die Geschichte um das geteilte Selbst mit Billy (Asher Angel), einem Waisenjungen mit Herz, Liebenswürdigkeit und einer herzzerreißenden Geschichte. Er ist auf einer Mission, seine Mutter zu finden, eine Reise, die - wie manchmal bei ähnlichen Quests - zu einer Ersatzfamilie führt. Und dann ist da ein uralter Zauberer namens - ta-da! - "Wizard" (Djimon Hounsou), der seine magischen Kräfte an Billy weitergibt. Zurück auf der nicht ganz so magischen Erde entdeckt Billy, dass er über große Kräfte verfügen kann, indem er das Wort "Shazam!" ausspricht, was ihn zu einem Helden in einem Erwachsenenkörper (Zachary Levi) macht. Wenn sich das bekannt anhört - der Retter, der erfährt, dass er für Großartiges gedacht ist -, liegt es daran, dass die Figur dazu gedacht war, mit "Superman" zu konkurrieren. Da Shazam jedoch nicht so bekannt ist wie "Superman", ist er mit den Erwartungen der Fans, dem Schicksal der Welt und den damit verbundenen auteuristischen Bestrebungen nicht so belastet. Die Filmemacher (Henry Gayden schrieb das Drehbuch, Regie führte David F. Sandberg) halten sich an die heroische Vorlage, was bedeutet, dass es einen Regulationsschurken (den immer verlässlichen Mark Strong) mit obligatorischen Schemata gibt. Das ändert nichts daran, dass sich das Aufeinandertreffen der beiden etwas konstruiert anfühlt.

Natürlich kann ein Franchise auf dem Spiel stehen, auch wenn man bedenkt, wie oft der Film die Namen "Batman" und "Superman" fallen lässt. Er kann auch scheinbar nicht anders, wenn die gesamte DC-Filmwelt auf dem Spiel steht. Und vielleicht ist "Shazam!" ein Risiko, nur weil er ein ungewohnter Held in einem völlig überfüllten Feld ist. Gegründet 1939 und ursprünglich "Captain Marvel" genannt, war er ein Hit, der Fans wie Elvis Presley hatte, der sich anscheinend seinen Vorläufer und seinen Blitz vom Comic geliehen hatte. Aber aus rechtlichen Gründen wurde "Captain Marvel" eingelagert, um später von DC als "Shazam" wiederbelebt zu werden. (MARVEL Comics, DCs langjähriger Gegner, schaffte es, den Vornamen der Figur für den Helden, der derzeit von Brie Larson in "Captain Marvel" gespielt wird, zu kennzeichnen). Der neue Film wischt sich schnell von der alten "Shazam"-Geschichte rein, zuerst mit Billy, einem sympathischen, wenn auch etwas melancholischen Unfugmacher, der bald zu einem ansprechenden Protagonisten wird. Die Eröffnungsszene, an der ein paar selten dämliche Polizisten beteiligt sind, wirkt so uralt wie ein Bowery Boys-Film, vielleicht absichtlich. Danach entwickelt sich alles schnell zu einem einfachen, alltäglichen Rhythmus, wenn Billy zu neuen Pflegeeltern zieht und in ein etwas chaotisches Haus, die von vielen verschiedenen Kindern bevölkert wird (unter anderem von Jack Dylan Grazer). Das Haus wird von Rosa und Victor (Marta Milans und Cooper Andrews) liebevoll beaufsichtigt und bietet eine gemütliche Atmosphäre, Wärme und Geborgenheit, die sich ebenso ungezwungen wie die Mischung aus Ethnien und Rassen anfühlt.

Sobald Billy preisgibt, dass das Zauberwort sein übergroßes Alter Ego auftauchen lassen, nimmt der Film eine glückliche Wendung und umarmt zufrieden seine eigene Identität als leichte, witzige und bescheidene Unterhaltung. Levi ist vor allem für seine Fernsehrollen bekannt, lässt sich aber leicht für die große Leinwand skalieren. Er kann wie ein muskulöserer, härterer John Krasinski aussehen; als "Shazam" ist Levi jedoch ein reiner Zeichentrickfilm, von seinen Stiefeln bis hin zu seiner glatten Frisur. Wie eine Ken-Puppe aus Plastik und hübsch. Er ist die ideale, absurde Figur, an die man einen altmodischen Helden mit einem satinierten Cape mit hohem Kragen und einem dicken gelben Pfeil hängen kann, der auch noch suggestiv nach unten zeigt.

Der Pfeil ist ein blinzelnder Witz und so subtil wie die Anspielung auf die Körper-Tauschkomödie "Big" mit Tom Hanks. Es ist auch eine Erinnerung an Billys größere menschliche Reise, eine Metamorphose, die humorvoll bleibt, erkennbar unbeholfen, selbst wenn er sein Inneres zu einem heroischen Leben zwingen will. Angels Performance bildet die Grundlage für die Figur - und hält ihn an die Realität gebunden, während Levi Shazam mit einer ausgelassenen Verspieltheit hochheben lässt, die die Freude an Billys extremer Transformation ebenso wie die anhaltende jugendliche Benachteiligung und das damit verbundene Übermaß vermittelt. Es ist so eine Sache, das Böse zu bekämpfen, aber Shazams atemberaubende, lockere, unstimmige Körperlichkeit erinnert daran, dass es genauso schwer ist, sich selbst in den Griff zu bekommen. Und der Rest ist dann auch wieder Superheldenkino von der Stange aber damit nicht gleich langweilig: wenn der von Mark Strong verkörperte, finster dreinblickende Schurke eine Art Geister-Armee, bestehend aus den sieben Todsünden befehligt, reicht dies bei so einem Film für ein paar effektvolle Kämpfe, erfindet aber das Genre nicht neu. Wie dieser alberne überdrehte Held ins restliche Superhelden-Universum von DC eingegliedert werden soll ist allerdings nicht klar, da er als eigenständige Nummer absolut wunderbar funktioniert aber mit den düsteren DC-Helden, die bislang präsentiert wurden, restlos inkompatibel erscheint. Man darf gespannt sein.

7,5/10

Von WARNER BROS. Home Entertainment kommt der Film auch als "Limited 2-Disc-Edition" mit Ultra HD Blu-ray und Blu-ray im Steelbook.


Quellen: 
Inhaltsangabe: Warner Bros.
Poster/Artwork: Warner Bros.

Ballermann 6 (1997)

https://www.imdb.com/title/tt0118678/

Mallorca Ballermann 6: Knappe Bikinis, Eimersaufen und gnadenlos die Sau rauslassen. Das ist der Traum jedes Teutonen - und natürlich auch vom Chaotengespann Tommie und Mario. Von ihrem letzten Geld fliegen die immer gutgelaunten Vorzeige-Profis nach Mallorca, um für drei Tage im vermeintlichen Freibier- und Sexparadies eine richtige Sause zu machen. Auf ihren Fersen sind zwei rachsüchtige Typen, denen sie die letzten Flugtickets weggeschnappt haben, und ein eifersüchtiger Yuppie, dessen genervte Geliebte (ausgerechnet) bei unseren Helden Zuflucht sucht: Das Chaos ist vorprogrammiert...

Das Wort "Unterirdisch" beschriebt dieses Machwerk an prolligem Dummlall-Humor noch am besten. "Ballermann 6" ist einen im wahrsten Sinne des Wortes gehirnamputierte Komödie, welche wohl nur bei unterbemittelten Teenagern mit erhöhtem Promille-Level Anklang finden könnte. Allen anderen dürfte dieser ganze Quatsch bereits nach 20 Minuten zu viel sein. Klar, Tom Gerhardt spielt äußerst engagiert den von ihm erfundenen Vollidioten aus Köln, übertreibt aber so unglaublich, dass man stets das aggressive Bedürfnis nach Schlägen entwickelt. "Voll Normaaal" war damals auch noch etwas frisches, zwar Comedy auf unterstem Baustellen-Niveau, aber auf die Spitze getrieben. Mit der herumspuckenden Wollmütze auf dem IQ eines Einzellers kann man heutzutage aber überhaupt nichts mehr anfangen.

Besonders diese Fortsetzung "Ballermann 6", schießt den Vogel der Dummheit in unendliche Weiten ab. Die nicht-vorhandene Story dient einzig der Aneinanderreihung von immer blöder werdenden Witzchen. Wer dachte oder denkt "Otto"-Filme seien über die Jahre immer dümmer geworden, der kann sich hier ein Bild davon machen wie intelligent dessen Beiträge damals waren, im Gegensatz zu diesem geistigen Dünnschiss. Das Ottfried Fischer den einzigen lustigen, weil satirisch-wahren Satz "Mir sans hier imma noch in Deitschland!" in einer Gasse in Mallorca zum besten gibt, sagt wohl einiges über alle anderen "Gags" in diesem Streifen aus. Punkte gibt es hier für einen Tom Gerhardt, welcher sich voll ins Zeug legt, aber so witzig ist wie eine Wespe in der Luftröhre. Deutschland hatte und hat durchaus ansprechendere, doofe Komödien im Programm, welche mehr zu bieten haben als zwei sabbernde Waschlappen mit der wehenden Klischeefahne des dummen, deutschen Mallorca-Touristen, welcher nur El Arenal zu kennen scheint.

2/10

Quellen: 
Inhaltsangabe: Constantin Film

Samstag, 6. April 2019

Shed Of The Dead (2019)

https://www.imdb.com/title/tt3602422/

Trevor (Spencer Brown) ist arbeitslos – beziehungsweise er "befindet sich zwischen zwei Jobs", wie er selbst sagt. Seine Tage verbringt er in seiner Schrebergarten-Hütte, um erstens seiner Frau aus dem Weg zu gehen und zweitens Tabletop-Figuren zu bemalen, mit denen er anschließend epische Schlachten gegen seinen Kumpel Graham (Ewen MacIntosh) ausficht. Doch Mr. Parsons (Kane Hodder), dem ebenfalls ein Grundstück in dem Schrebergarten gehört, will den faulen Hänger vertreibe und startet eine Petition. Es kommt zur Konfrontation zwischen den beiden und plötzlich steht Trevor mit einer Leiche da, die es zu verstecken gilt. Blöderweise bricht genau in diesem Moment auch eine Zombie-Apokalypse aus - und Mr. Parsons Leiche ist auf einmal wieder quicklebendig. Sowohl Trevor als auch Spencer haben aber nur eins im Kopf: Sie wollen Trevors Frau retten. Beziehungsweise eher deren höchst attraktive beste Freundin, denn auf die haben beide ein Auge geworfen...

Zombie-Komödien sind in letzter Zeit fast so zahlreich geworden wie echte Zombie-Filme. Und "Shaun Of The Dead", um den man, sofern man das Genre mag, definitiv nicht herumkommt, hat in dieser Hinsicht eine Menge zu verantworten. "Shed Of The Dead" stammt wie "Shaun Of The Dead" aus Großbritannien und besitzt auch einen großen Teil seiner DNA - gerade in Bezug auf den herrlich trockenen, britischen Humor. Glücklicherweise verlässt sich der Film aber nicht völlig auf die Wirkung seines großen Bruders, sondern fügt auch ein paar Wendungen sowie viele bekannte Gesichter hinzu.

Die Story selbst ist so altbacken wie das Brot von vorgestern und im Grunde in zwei Sätzen erzählt. Der schüchterne, arbeitslose Nerd Trevor (Spencer Brown), der in seiner Hütte seiner Sammelleidenschaft frönt und "Dungeons & Dragons"-Figuren von Hand bemalt und der nicht minder nerdige Freund Graham (Ewen MacIntosh), ein fieser Gartennachbar (übrigens gespielt von Kane Hodder - in Horrorkreisen eine Ikone), der Ausbruch der Zombie-Epidemie und das Hinauswachsen über sich selbst, um der strahlende Ritter zu sein, der man im tiefsten inneren schon immer war. Und - nicht zu vergessen, um ihr Love-Interest Harriet (Emily Booth) zu retten. Puh, das klingt nicht nur wie tausendmal wiedergekäut, das ist es auch.

Trotzdem kann man "Shed Of The Dead" etwas abgewinnen. Der Humor passt, die Effekte sind gut und blutig genug, um zu gefallen und die Cameos bekannter Film- und Horrorikonen, wie Bill Moseley, Michael Berryman und Brian Blessed sind irgendwie schön anzusehen. Sogar Warren Speed ​frischt sein "Pervo the Clown"-Kostüm für einen Cameo-Auftritt auf. Wie die meisten Zombiehorrorkomödien ist "Shed Of The Dead" aufgrund Dialog, Situation und bissiger Satire durchweg komisch und unterhaltsam. Der Autor / Regisseur Drew Cullingham schafft es, aus der Story noch etwas mehr Witz und gag-ige Situation herauszupressen. Die animierten Szenen am Anfang und Ende sind zudem gut gemacht. Selbst die Fantasy-Sequenzen im "Dungeons & Dragons"-Stil sind etwas, was man noch nie in einem Film wie diesem gesehen hat. Bill Mosley hat wahrscheinlich die beste Szene im Films. Trotz des Humors bietet der Film auch ernste Passagen. Etwas zu ernst für so einen Unsinn. Es gibt sogar ein paar ziemlich ergreifende Momente, die mit Witzen und dem Gemetzel vermischt sind.

Damit ist "Shed Of The Dead" nicht der nächste "Shaun Of The Dead", noch nicht einmal der übernächste Aber es ist ein schmerzloser Weg, um seine Zeit am Abend mit einer Horrorkomödie zu verbringen, sich unterhalten zu lassen und zu schmunzeln. Nicht übel.

6,5/10

Pet Sematary - Friedhof der Kuscheltiere (2019)

https://www.imdb.com/title/tt0837563/

Louis (Jason Clarke) und Rachel Creed (Amy Seimetz) beziehen mit ihren Kindern Gage (Hugo und Lucas Lavoie) und Ellie (Jeté Laurence) ein neues Haus auf dem Land. Schnell schließt die Familie Freundschaft mit ihrem Nachbarn Jud Crandall (John Lithgow), der viel über ihren neuen Heimatort zu erzählen weiß. Als eines Tages der Familienkater der Creeds überfahren wird, weiht Jud Louis in ein Geheimnis ein: Im nahe gelegenen Wald gibt es einen Tierfriedhof, hinter dem aber auch noch ein alter Indianerfriedhof verborgen liegt. Was dort begraben wird, kehrt unter die Lebenden zurück – und wenn Louis den Kater dort begräbt, könne er seinen Kindern den Verlust des heißgeliebten Stubentigers ersparen. Also machen sich beide Männer bei Nacht auf, um das Tier zu beerdigen, und tatsächlich steht es am nächsten Tag wieder quicklebendig bei den Creeds vor der Tür. Doch irgendwas ist anders an dem Kater und Jud beginnt zu begreifen, dass er der Familie keinen Gefallen getan hat. Denn als es dann zu einem tragischen Unfall kommt, fasst Louis Creed einen schrecklichen Entschluss…

Die Neuverfilmung des 1989er Streifens will auf der Welle der Stephen King Neuverfilmungen mitschwimmen, kann aber aufgrund mangelnder Atmosphäre nur bedingt überzeugen. Bei einer Vorlage von Stephen King erwartet man eher atmosphärischen Grusel, der den Zuschauer packt und mitfühlen lässt. Tatsächlich versucht der Film mit größtenteils billigen Jump Scares zu erschrecken - wobei man ehrlicherweise zugeben kann, dass gerade die "banalen" Schreckmomente (Trucks) noch die besten sind. Leider verrät auch der Trailer schon ein ganz entscheidendes Ereignis aus dem Film, welches im vergleich zum Original abgewandelt wurde. Dies gilt selbst für Kenner der Verfilmung aus den 90er Jahren. Und geardedie werden sich im hiesigen Remake wohl etwas langweilen, weil man hier im wahrsten Sinne des Wortes und bis auf wenige Angleichungen auf ausgetretenen Waldpfaden wandelt. Das ist etwas schade, legte "Es" doch die Messlatte sehr hoch und schürte entsprechende Erwartungen.

Die Charaktere bleiben hier trotz versuchter Hintergrundgeschichte und ambitionierter Tiefe eher blass. Richtig mitfühlen kann man den Filmfiguren nicht, selbst die wichtige geschcihte um Schwester Zelda ist zwar gruselig, aber letztlich doch eher belanglos und (hier) unnötig. Vater und Mutter sind austauschbar, einzig der Sohn Gage (gespielt vom Zwillingspärchen Hugo Lavoie und Lucas Lavoie) nimmt den Zuschauer mit. Das hatten Dale Midkiff und Denise Crosby im Original irgendwie besser drauf. Am ehesten ist der Nachbar (John Lithgow) noch ein Sympathieträger. Wirklich spannend wird der Film auch erst im letzten Drittel. Das Mysterium um den geheimnisvollen Wald und den Indigo, der die Indianer vertrieb, ist einfach viel zu kurz geraten und wird genauso lieblos abgehandelt. Ein nachvollziehbarer Grusel entsteht da nie. Aus dem Setting hätte man so viel mehr machen können, besonders bei dieser Literaturvorlage.

Zugute halten muss man den Film allerdings, dass er schnell mit der Handlung loslegt. Kamerabild und vor allem der Ton sind bei diesem Film positiv zu erwähnen. Selten hat man bei Geräuschen aus dem Film sich im Kinosaal nach deren Herkunft umgesehen. Besonders im letzten Drittel entstehen einige sehr morbide Szenen, die auch in Erinnerung bleiben. Und entgegen dem Trend der immer längeren Filme ist dieser Film mit unter 100 Minuten angenehm kurz. Aber am Ende bleibt nur ein ambitionierter Versuch in die großen Fußstapfen der Vorlagen zu treten. Diese waren für die Filmemacher vielleicht etwas zu groß. Als kleiner Grusel taugt der Film am Abend. Zu mehr aber auch nicht. Wenn man einen Grusel-/Horrorfilm schauen möchte, dann gibt es Dutzende bessere Alternativen.

6,5/10

Donnerstag, 4. April 2019

Fantastic Beasts: The Crimes Of Grindelwald - Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen (2018)

https://www.imdb.com/title/tt4123430/

Gellert Grindelwald (Johnny Depp), für dessen Verhaftung Newt Scamander (Eddie Redmayne) gesorgt hat, ist die Flucht gelungen. Und nicht nur das: Der Schurke hat zwischenzeitlich eine noch größere Anhängerschaft aus Zauberern um sich geschart, um seinen düsteren Plan umzusetzen, der die Vorherrschaft der reinblütigen Magier über die Muggel vorsieht. Einzig Grindelwalds ehemaliger Liebhaber Albus Dumbledore (Jude Law) wäre in der Lage, ihn zu stoppen, kann aber nicht selbst gegen Grindelwald vorgehen. Darum benötigt er die Hilfe seines früheren Schülers Scamander, der so in sein nächstes Abenteuer stürzt – und dieses Mal verschlägt es ihn nach Europa, genauer gesagt nach Paris. Denn dort ist der mysteriöse Credence (Ezra Miller) untergetaucht, den Grindelwald für sich gewinnen will. Newts Freundin Tina (Katherine Waterston) ist in Paris bereits auf der Suche nach dem Obscurial und als auch ihre Schwester Queenie (Alison Sudol) dorthin reist, brechen schließlich Newt und sein Freund, der Muggel Jacob Kowalski (Dan Fogler), ebenfalls Richtung Frankreich auf...

Im zweiten Teil der "Phantastische Tierwesen"-Reihe rückt Schwerverbrecher Gellert Grindelwald (Johnny Depp) in den Vordergrund und degradiert Newt Scamander (Eddie Redmayne) und seine Begleiter zu weniger interessanten Nebenfiguren. "Phantastische Tiewesen: Grindelwalds Verbrechen" ist damit leider der typische zweite Teil einer geplanten mehrteiligen Filmreihe. Eine überlange Einleitung für ein großes Finale (das irgendwann später ansteht), die keinen richtigen Anfang und kein richtiges Ende hat. Es ist schon ziemlich zäh, was hier von David Yates und J.K. Rowling geboten wird. "Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen" ist zwar deutlich düsterer als sein Vorgänger, weiß seine vielen Handlungsstränge und Figuren jedoch nicht immer ins Gleichgewicht zu bringen und verliert sich stattdessen in der Erforschung von Stammbäumen. Die namensgebenden Tierwesen spielen eine untergeordnete Rolle, dürfen vielleicht mal einen Kampf entscheiden, müssen sich ansonsten aber der Story rund um Grindelwald unterordnen, was auch der Dynamik nicht gut tut.


Die interessanteste Frage nach Ende des ersten Teils dürfte gewesen sein, wie es J.K. Rowling gelingen wird, die höchst spannende Beziehung zwischen Grindelwald und Albus Dumbledore (Jude Law) in das Tierwesen-Universum rund um Newt und seine Freunde zu integrieren. Das Zwischenergebnis fällt dafür nach dem zweiten Teil eher dürftig aus, denn "Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen" gelingt es bis auf wenige Spitzen kaum, diese beiden Pole miteinander zu verbinden. Während Grindelwald und Dumbledore die Handlung vorantreiben, sind Newt und seine Freunde kaum mehr als Sidekicks - zuständig für visuelle Spielereien und seltsam unausgegorene Lovestories. So pocht Queenie (Alison Sudol), die sich am Ende des Vorgängers noch in der Annäherungsphase mit Jacob (Dan Fogler) befand, hier gleich zu Beginn auf eine Heirat. Unterdessen befindet sich Newt in einem holprig erzählten Liebesdreieck mit Tina (Katherine Waterstone) und Leta Lestrange (Zoë Kravitz). Zusätzlich wird auch noch der Frage nach der wahren Herkunft von Credence (Ezra Miller) nachgegangen, bei der jedoch bis zur finalen Auflösung unklar bleibt, warum sie für den Zuschauer überhaupt relevant sein sollte.


"Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen“ wirkt dadurch zu kaum einem Zeitpunkt in irgendeiner Form magisch. Im Gegenteil, wenn der blass-autistisch wirkende Held durch teure aber matschige Digital-Effekte schleicht, die Story nur hohl und unzusammenhängend wirkt, dann ist dieses Star-Power-Upgrade des Vorgängers ein Beispiel wie jegliche Phantasie verloren gehen kann.

Stärker als alle bisherigen Filme aus Rowlings magischer Welt fühlt sich "Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen" auch nach einem bloßen Bindeglied zwischen anderen Teilen an und kann dementsprechend nur begrenzt für sich allein stehen. Im Unterschied zu den "Harry Potter"-Filmen zeigt sich zudem, dass mit Erklärungen für bestimmte Vorgänge und Zaubereien gespart wird, der Zuschauer nicht mehr so stark bei der Hand genommen wird. Daher kann es mitunter schwer fallen, nachzuvollziehen, warum eine Figur plötzlich über diese oder jene Fähigkeit verfügt oder welcher Zauber denn nun gerade wieder am Werk ist. So hat Newt etwa in einer Szene zur rechten Zeit Vielsafttrank bei sich, verwandelt sich kurzerhand in seinen Bruder Theseus (Callum Turner) und nach wenigen Sekunden wieder zurück, ohne dass der Schwindel groß auffallen würde. Auch bleibt offen, welche Rolle nun Nagini (Claudia Kim) in diesem Film einnimmt oder weshalb die mit der Gabe des Gedankenlesens gesegnete Queenie auf Grindelwalds Verlockungen herein fällt.


Viel schlimmer ist allerdings die komplett konfus zusammengezimmerte Familiengeschichte um Credence, die eine unglaubwürdige Wendung nach der anderen nimmt und in einer ziemlich peinlichen finalen Wahrheit ohne Belang gipfelt. Die gut begonnene Geschichte aus dem Vorgänger wird nur sehr bescheiden weitergeführt, dazu passt auch, dass Newt Scamanders Rückkehr auf die Bühne wenig einfallsreich und ziemlich künstlich daherkommt. Weshalb Dumbledore - bei dem sich nebenbei die Frage stellt, wie aus dem eleganten und adrett gekleideten Mann später dieser exzentrisch angezogene, langbärtige Kauz werden konnte - ausgerechnet Newt auf die Jagd nach Grindelwald schickt, kann nicht zufriedenstellend erklärt werden. Der durchaus aktuell-politisch interpretierbare Plot über den aufkommenden Reinblut-Faschismus, der jede Form von Nicht-magischen Wesen ausrotten will, wird mit einem nahezu hilflos-polterigen Drehbuch erzählt. Ständig ist der Film damit beschäftigt irgendwelche Schlüsselfiguren vorstellen, die dann den Grundstein für weitere Teile legen sollen.

Gerettet werden viele Passagen nur von Dan Fogler, der als Muggel Jacob wieder einige Highlights für sich beanspruchen darf. Immerhin bietet "Grindelwalds Verbrechen" auch wieder zahlreiche kreative Ideen, einige starke visuelle Effekte und gewinnt mit Dumbledore und Grindelwald zwei komplexe Hauptfiguren hinzu, die von Jude Law und Johnny Depp ausgezeichnet verkörpert werden. Besonders im letzten Drittel nimmt dieser zweite Teil dann auch noch einmal Fahrt auf und führt die zuvor recht wirren Handlungsstränge einigermaßen zufriedenstellend zusammen. Aber der Showdown, der sich letztendlich nur als großer Cliffhanger entpuppt, hinterlässt wenig Eindruck. Gelingt es Rowling in den kommenden Teilen der Beziehung zwischen Grindelwald und Dumbledore weiter Tiefe zu verleihen und noch konsequenter Seitenhiebe auf die aktuelle Weltpolitik einzustreuen, darf auf einen Anstieg der Formkurve in diesem Franchise gehofft werden. Einstweilen markiert "Grindelwalds Verbrechen" aber einen vorläufigen Tiefpunkt und die nächste Fortsetzung, für den dieser Film letztendlich geopfert wurde, muss dem Rechnung tragen.

6,5/10

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Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Warner Bros.