Sonntag, 1. November 2026

Sleeping Beauty - Dornröschen und der Prinz - Dornröschen (1959)

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Prinzessin Aurora wurde von der bösen Hexe Malefiz verflucht. Noch bevor Aurora ihren 16. Geburtstag feiert, soll sie sich an der Nadel eines Spinnrades stechen und in einen hundertjährigen Schlaf fallen. Um dem vorzubeugen versteckt das Königspaar sie im Schloss, bewacht von drei liebevollen aber schusseligen Feen.

Mit "Dornröschen" (oder auch "Dörnröschen und der Prinz") liefert Disney einen der visuell beeindruckendsten Klassiker seiner Zeichentrickgeschichte. Die Geschichte ist schnell erzählt: Weil die böse Fee Malefiz nicht zur Taufe von Prinzessin Aurora eingeladen wird, belegt sie das Kind mit einem Fluch. An ihrem 16. Geburtstag soll Aurora sich an einer Spindel stechen und sterben. Drei gute Feen versuchen, das Schicksal abzuwenden, doch als der Fluch schließlich eintritt, liegt es an Prinz Philipp, Aurora zu retten und Malefiz zu besiegen. Was dem Film an erzählerischer Komplexität fehlt, macht er durch seine außergewöhnliche Gestaltung mehr als wett. Die Hintergründe von Eyvind Earle sind unverkennbar von mittelalterlicher Kunst inspiriert: kantige Formen, ornamentale Muster, tiefe Wälder und majestätische Schlösser schaffen eine märchenhafte Welt, die sich deutlich von den weicheren, runderen Bildern früherer Disney-Filme abhebt. Die breite CinemaScope-Bildgestaltung wird dabei konsequent genutzt. Jede Einstellung wirkt sorgfältig komponiert, beinahe wie ein bewegtes Gemälde. Diese stilistische Eigenständigkeit macht "Dornröschen" auch Jahrzehnte später zu einem visuellen Erlebnis.

Die größte Stärke des Films ist jedoch seine Gegenspielerin. Malefiz, gesprochen von Eleanor Audley, gehört zu den eindrucksvollsten Disney-Schurkinnen überhaupt. Ihre kühle Eleganz, die spöttische Überlegenheit und die unheimliche Präsenz verleihen der Geschichte eine überraschend düstere Note. Der Höhepunkt ist ihre Verwandlung in einen gewaltigen, feuerspeienden Drachen: Der Kampf gegen Philipp ist packend inszeniert und für einen Familienfilm von 1959 erstaunlich bedrohlich. Auch die drei guten Feen Flora, Fauna und Sonnenschein sorgen mit ihren Streitereien und ihrem unbeholfenen Zaubern für Humor und Wärme. Sie sind es, die der Geschichte einen großen Teil ihrer Persönlichkeit verleihen. Aurora selbst bleibt dagegen eine eher passive Hauptfigur. Sie ist sympathisch, ihre Szenen im Wald besitzen einen verträumten Charme, doch als Charakter entwickelt sie kaum Tiefe. Auch die Liebesgeschichte mit Philipp ist knapp gehalten und emotional wenig ausgearbeitet. Das Drehbuch folgt dem bekannten Märchenstoff zügig, nimmt sich aber wenig Zeit, seine Figuren über ihre Rollen im Märchen hinaus zu entwickeln. Dadurch wirkt die Handlung im Vergleich zu späteren Disney-Klassikern etwas schlicht. Wer vor allem eine ausgefeilte Geschichte oder komplexe Charaktere sucht, dürfte hier weniger finden als in der beeindruckenden visuellen Welt.

Musikalisch geht der Film einen eigenen Weg. George Bruns verarbeitet Motive aus Tschaikowskis Ballett "Dornröschen" zu einer opulenten Orchesterbegleitung, die den märchenhaften Charakter unterstreicht und besonders in den dramatischen Momenten hervorragend funktioniert. "Einmal in einem Traum" ("Once Upon A Dream") bleibt als zentrales Lied im Gedächtnis, auch wenn der Film insgesamt weniger eingängige Songs bietet als etwa "Schneewittchen und die sieben Zwerge" oder "Cinderella". Die Animation überzeugt vor allem durch flüssige Bewegungen, die präzise Abstimmung von Bild und Musik sowie die aufwendige Gestaltung der fantastischen Schauplätze. Die düsteren Passagen und der finale Drachenkampf zeigen, wie wirkungsvoll klassische Zeichentrickkunst Spannung erzeugen kann, ohne auf moderne Effekte angewiesen zu sein. "Dornröschen" ist nicht Disneys stärkster Film, wenn es um Figurenzeichnung und Dramaturgie geht, aber einer seiner schönsten. Die märchenhafte Atmosphäre, Eyvind Earles unverwechselbare Bildsprache, Malefiz als ikonische Bösewichtin und das mitreißende Finale machen den Film zu einem zeitlosen Klassiker. Die etwas dünne Handlung und die passive Titelheldin verhindern die Höchstwertung. Als visuell kunstvolles, musikalisch opulentes Märchen bleibt "Dornröschen" dennoch ein Erlebnis, das seinen besonderen Zauber bis heute bewahrt hat.

7,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Walt Disney Productions

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