Samstag, 7. Dezember 2019

Dagon (2001)

https://www.imdb.com/title/tt0264508/

Vor der spanischen Atlantikküste kentert eine amerikanische Segelyacht. Paul gelingt es gemeinsam mit seiner Freundin Barbara im Rettungsboot das kleine Fischerdorf Imboca zu erreichen. Dort hoffen sie auf Hilfe, aber das gesamte Städtchen verhält sich den Schiffbrüchigen gegenüber seltsam und regelrecht feindselig. Anfängliche Unhöflichkeiten gipfeln bei Einbruch der Dämmerung ohne Vorwarnung in Mordversuchen. Offenbar hängt die einst friedvolle Bevölkerung einem furchtbaren Kult an und giert nach Menschenopfern für ihren Meeresgott Dagon...

"No one leave Imboca. People come, but no one leave."

Als 2001 "Dagon" auf die Videotheken losgelassen wurde, da war es bereits eine Weile ruhig um die Horrorikonen Brian Yuzna und Stuart Gordon ("Re-Animator", "From Beyond", "Society"), die sich zu der Zeit in Spanien mit der Fantastic Factory ihr eigenes Filmstudio fürs Low Budget-Genrekino aufgebaut haben. H.P. Lovecraft war schon immer mal mehr, mal weniger Teil ihres Schaffens, doch mit "Dagon" kamen sie so nah an den Kern wie kaum jemand anderes, wenn sie hier hauptsächlich dessen Novelle "The Shadow Over Innsmouth" mit Elementen aus "Dagon" vermischen. Nicht selten wird "Dagon" für die selbst zu seiner Zeit schlechten digitalen Effekte kritisiert und das auch vollkommen zu recht, allerdings beschränken sich diese auf nur wenige Minuten zu Beginn und zum Ende hin und es wird im gleichen Atemzug auch gern übersehen, dass die schön schmoddrigen praktischen Effekte dafür - oder vielleicht deswegen - umso besser wirken. Davon ab bezieht der Film seinen Reiz viel lieber überwiegend aus der verwinkelten, unübersichtlichen und geradezu albtraumhaften Architektur des kleinen Fischerdorfes Imboca mit all seinen verwitterten und engen Gassen.

All das strahlt eine enorme wie unheimliche Authentizität aus und gestaltet die lang andauernde Flucht von Paul nur noch intensiver. Die Art, wie dieser ausufernde Teil der Geschichte erzählt wird, ist umwerfend. Paul wird endlos verfolgt von fremdartigen Wesen und hat nirgendwo die Möglichkeit ein sicheres Versteck zu finden, geschweige denn zu entkommen. Dazu verleiht ihm das Drehbuch eine spürbare Menschlichkeit, wie man sie in solchen Genre-Filmen eher selten finden kann: verletzt er sich, dann humpelt er auch für den Rest des Filmes, Türen lassen sich nicht so einfach auftreten, seine Brille will immer wieder zurecht gerückt werden und ein Auto kann auch nicht ohne weiteres kurz geschlossen werden. Das mögen nur Details am Rande sein, aber sie tragen sehr zur eigenwilligen, seltsam unwirklichen und dichten Atmosphäre bei, welche "Dagon" letztlich ausmacht. Auch ist es ein hübscher Kniff, dass Paul sich als Amerikaner in Spanien aufgrund seiner Sprachbarriere nicht verständlich machen kann und so die unheilvolle Konfrontation eines Einzelnen mit einer fremdartigen Überzahl zusätzlich hervorgehoben wird. "Dagon" ist in seiner Gänze sicherlich alles andere als perfekt, aber in seinen Details immer wieder so sehr gelungen, dass ich ihm seine Fehler nur zu gern nachsehe, wenn Yuzna und Gordon das verfallene Fischerdorf Imboca in solch faszinierender Fremdartigkeit als märchenhaften Horror inszenieren.

Fazit: "Dagon" ist ein sehr atmosphärischer Horrorfilm. In dieser Hinsicht ist er sehr gelungen. Leider passiert insgesamt zu wenig und dabei fallen trotz der kurzen Laufzeit ein paar wenige Längen auf. Dennoch ist "Dagon" ein recht sehenswerter Film, wobei man von einer Zusammenarbeit von Brian Yuzna und Stuart Gordon wohl letztlich etwas mehr erwarten durfte.

7/10

Von SHOCK ENTERTAINMENT erschien der ungeschnittene Film in HD in einem limitierten Mediabook:

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