Samstag, 29. April 2017

Once Upon A Time In Mexico - Irgendwann in Mexico (2003)

http://www.imdb.com/title/tt0285823/

CIA-Agent Sands (Johnny Depp) will den geplanten Sturz des mexikanischen Präsidenten (Pedro Armendáriz) ausnutzen, um durch ein Zweckbündnis zwischen dem skrupellosen General Marquez (Gerardo Vigil) und dem Drogenbaron Barillo (Willem Dafoe) Kapital zu schlagen. Sands will sowohl Barillo, als auch Marquez los werden und eine neue Regierung einsetzen. Als Joker will Sands den legendenumwobenen El Mariachi (Antonio Banderas) einsetzen, dessen Frau Carolina (Salma Hayek) und Tochter durch Marquez ermordet worden waren und der schon lange auf eine Gelegenheit wartet, sich an Marquez zu rächen. Außerdem will Sands den Ex-FBI-Agenten Jorge (Rubén Blades) für seine Machenschaften einspannen. Barillo darf nicht nur auf die Hilfe von Marquez hoffen; ihm zur Seite steht Billy (Mickey Rourke), der Mann mit dem Hündchen auf dem Arm. Und auch eine schöne, aber nichtsdestotrotz skrupellose Lady namens Ajedrez (Eva Mendes) sowie der Berater des Präsidenten Dr. Guevara (Miguel Couturier) mischen kräftig mit...

Mit "Irgendwann in Mexico" inszeniert Robert Rodriguez seinen dritten Film um denn dunkel gekleideten Helden mit dem Gitarrenkoffer voller Waffen. "Irgendwann in Mexiko" markiert nicht nur den Schlussteil der "El Mariachi-Trilogie", sondern gleichzeitig auch Rodriguez Entwicklung von einer einfachen, aber actiongeladenen Geschichte eines Mannes, der unfreiwillig zu einem Rächer wurde, hin zu einer wirren, überbordenden Handlung, die im Grunde allein die zahlreichen Schießereien rechtfertigen soll. So wirkte der Abschluss wie ein letztes Aufbegehren vor dem Ende, das noch einmal mit allem auffahren möchte, was möglich ist. Angefangen bei der Starbesetzung bis hin zum Einsatz der sehnsuchtsvollen Gitarrenklängen, explodiert und raucht es zwar gehörig in diesem mexikanischen Neo-Western, was wohl auch an dem größeren Budget liegen mag, doch leider führt Rodriguez die Geschichte des nach Rache dürsteten Gitrarrenkofferträgers nicht kongruent zu Ende, wie es in "Desperado" der Fall war - der simple Kampf Gut gegen Böse. Stattdessen findet sich der Zuschauer in einer seltsam anmutenden Putschverrats-Geschichte wieder, die den Figuren zum einen wenig Zeit lässt, zum anderen nicht wirklich von Bedeutung ist. Hier wäre weniger sicherlich mehr gewesen. Denn in einem Meer aus Nebendarstellern, die alle ihre eigene Vergangenheit haben, geht die Erzählung des El Mariachi leider unter.

Im Grunde ist "Irgendwann in Mexiko" also der total überdrehte Abschluss der "Mariachi"-Trilogie, die inhaltlich nie einen logischen Zusammenhang hatte. Regisseur Rodriguez lässt hier einen ziemlich wirren Actionfilm auf sein Publikum los, der aber gerade deswegen auch eine Menge Spaß macht. Allein die Besetzung kann sich sehen lassen: neben Antonio Banderas als Mariachi überzeugt diesmal vor allem Johnny Depp als ziemlich CIA-Agent Sands. Depps Performance ist überhaupt ein wichtiger Faktor in diesem rasanten und unlogischen Actionstreifen. Außerdem kann man sich hier auf Darsteller wie Salma Hayek, Willem Dafoe, Eva Mendes und auch Mickey Rourke freuen. Für allgemeine Belustigung sorgt auch der Auftritt von Schmusesänger Enrique Iglesias. Man wird das Gefühl nicht los zu denken, dass Rodriguez wohl mit voller Absicht zum Schluss seiner Trilogie noch einmal eine flotte Achterbahnfahrt aufziehen wollte. Und zumindest das ist ihm auch gelungen. Zwar ist der Streifen nicht mehr so cool wie "Desperado", aber mit so viel überbordernder Action vollgestopft und mit reichlich überspitzter Gewalt und ausgeflippten Stunts garniert, dass man ihm beinahe alle Fehler verzeiht und ihn wohlwollend über sich ergehen lässt.

7/10

Freitag, 28. April 2017

The Burning - Brennende Rache (Unrated) (1981)

http://www.imdb.com/title/tt0082118/

Eine Gruppe Jugendlicher möchte im Sommercamp dem Aufseher Cropsy einen fiesen Streich spielen. Der geht schief... Cropsy fängt Feuer und überlebt nur knapp mit schwersten Verbrennungen. Die Kids wollen den Streich als Geheimnis begraben, doch fünf Jahre später kehrt Cropsy zurück und schwört Rache. Bis zur Unkenntlichkeit entstellt und mit einer Heckenschere bewaffnet sagt er den Jugendlichen, die sein Leben zerstört haben, den Kampf an. Es beginnt eine Reihe brutaler Morde. Eine blutige Spur des Schreckens führt durch Camp Stonewater, denn hier regiert fortan der Teufel mit den Todesklingen!

Ein Jahr nachdem ein Streifen namens "Freitag der 13." die Zuschauer das Fürchten lehrte, kam ein weiterer Camp-Slasher in die Kinos. "The Burning". Man kommt nicht umhin, zu bemerken, dass die Cashmachine der 80er Jahre wieder angeworfen wurde, denn was modern ist, macht Geld. "The Burning" ist schon auf dem Papier ein Film, der aufhorchen lässt. Zum einen ist es der erste Film der berühmten Weinstein-Brüder unter ihrem Verleih Miramax. Zum anderen durfte sich Horrormeister Tom Savini mit seinen großartigen, blutigen Effekten hier richtig austoben. Rick Wakeman, Keyboarder der Progressive Rock/Artrockband 'Yes', komponierte den tollen Score und ein tolles Darsteller-Line-Up wartet auf: "Seinfeld"-Star Jason Alexander in seiner ersten größeren Rolle und Oscarpreisträgerin Holly Hunter ebenfalls in ganz jungen Jahren.


Die Geschichte erzeugt ihren Hintergrund, als ein Sommercampaufseher bei einem (wirklich) Dummenjungenstreich ums Leben kommt. Doch Jahre später findet im Camp ein unglaublich blutiges Massaker statt. Ist der Totgeglaubte zurück?

Ganz klar - die Story passt auf zwei bis drei Post-It's und obwohl Harvey und Bob Weinstein am Drehbuch beteiligt waren, ist jenes weit entfernt von einer Offenbarung oder gar Kreativität. Ganz klar wurde hier nur die Story von "Freitag der 13." bösartigst abgekupfert, doch ein Mythos sagt, dass das Drehbuch bereits vor dem ersten "Freitag der 13." verfasst wurde. Wie auch immer. Originell ist es so oder so nicht. Aber das ist auch nicht weiter schlimm, denn die Stärken von "The Burning" liegen ganz woanders. Regisseur Tony Maylams Slasher erzeugt von Beginn an eine tolle Camp-Stimmung und eine schaurige Spannung. Wer auch immer da die Teens meuchelt, hinterlässt eine düstere Aura und regt tatsächlich noch zum Gruseln an. Das Tempo des Films ist recht rasant und unterhaltsam. Gefühlt fällt alle 15 Minuten ein Teenie dem Killer mit der rasiermesserscharfen Gartenschere zum Opfer. Die Dialoge und anzüglichen Anmachversuche im Camp sind recht gefällig und nicht so ganz nervtötend wie üblich. Hier genießt der tolle Cast tatsächlich einen riesigen Vorteil gegenüber Konkurrenten im Genre. Hier kann man sogar mit den Leuten mitfiebern. Ein seltenes Vergnügen. Ebenfalls selten - ein junger Mann ist das "Final Girl" des Films. Männliche Helden sind im Horrorgenre tatsächlich eher unüblich.

Die meisten Punkte sammelt "The Burning" aber definitiv mit den wundervollen, handgemachten Masken und Make-Up Effekten von Tom Savini, der hier wieder mal sein ganz großes Können auffahren darf. Stärkste Szene ist dabei sicherlich das berühmte Kanu-Massaker, als Cropsy in wenigen Sekunden eine ganze Meute Teens auf brutalste Art und Weise killt. Nicht nur diese Szene dürfte dazu beigetragen haben, dass "The Burning" auf die Liste der britischen 'Video Nasties' gesetzt wurde. Heute wirken die Slasher-Elemente für den modernen Zuschauer vielleicht angestaubt, aber 1981 waren sie frisch und überraschend. "The Burning" zählt sicher zu den besten Slashern aller Zeiten. Eine tolle Spannung, großartige Effekte, treffende Musik und gut agierende Darsteller lassen den eher durchschnittlichen Plot groß werden. Quasi Pflicht für jeden Horrorfan!

6,5/10

Von TURBINE Medien in Zusammenarbeit mit NSM kommt der Film ungeschnitten und in HD im schicken "35th Anniversary 2-Disc Collector's Edition" Mediabook.

Big Trouble In Little China (1986)

http://www.imdb.com/title/tt0090728/

Der unbedarfte, aber zupackende Trucker Jack Burton (Kurt Russell) sieht sich in der Pflicht, seinem chinesischen Freund Wang Chi (Dennis Dun) zu helfen, der in San Franciscos Chinatown ein Restaurant betreibt. Denn der böse David Lo Pan (James Hong) hat die Verlobte (Suzee Pai) Wang Chis entführt. Was zunächst nach einem ganz gewöhnlichen Verbrechen aussieht entpuppt sich als übersinnliches Abenteuer, da David Lo Pan keineswegs ein sterblicher Mensch, sondern ein uralter Geist ist, der die Entführte für ein bizarres Ritual braucht. Jack und Wang Chi wissen, dass sie die Aufgabe nicht alleine bewältigen können. Deswegen nehmen sie die Unterstützung des magisch begabten Touristenbusfahrers Egg Shen (Victor Wong), der Anwältin Gracie (Kim Cattrall), der Reporterin Margo Litzenberger (Kate Burton) und des Kellners Eddie Lee (Donald Li) in Anspruch, um David Lo Pan unschädlich zu machen und die Verlobte Wang Chis zu befreien...

John Carpenter und Kurt Russell zum Dritten. In "Big Trouble In Little China" wird Russell mal wieder vor Aufgaben gestellt, die kaum zu bewältigen sind, durch die er sich aber unter mithilfe seines winzigen, chinesischen Kumpels Wang Chi (Dennis Dun) durchschlängelt. Seit diesem Streifen hier sind alle weiteren Double-Teams ein lauwarmer Aufguss vergangener Zeiten, denn wie Dennis Dun und Kurt Russell sich hier durch den Untergrund der bösen Banden in Chinatown boxen und schießen, ist schlichtweg in seiner pointierten, aber nie überbordenden Ironie ein liebenswerter Genuss. Dabei konfrontiert man unseren gewieften, aber völlig ungläubigen LKW-Fahrer Jack Burton (Kurt Russell) mit der chinesischen Mythologie und schwarzer Magie, was auf witziges Unverständnis bei diesem alteingesessenen Roadtrip-Amerikaner stößt und so kann man natürlich mehr als nur einmal seinen ungläubigen Blicken zusehen und seinen naiv-angriffslustigen Sprüchen im Angesicht von irgendwelchen mystischen Halbgöttern lauschen. Egal wie offensichtlich hier die Magie und der Zauber ihm ins Gesicht springen, so richtig wahrhaben will er das ganze nicht, was er auf eine geniale Art natürlich auch immer wieder unmissverständlich kundtut.

Die Figuren sind auf allen Seiten klasse und auch hier erkennt man wieder, dass sich Carpenter nicht immer ernst nimmt, dafür hier jedoch eine irrwitzige, aber simple Story zu bieten hat, in die man einfach ein paar der unterschiedlichsten Charaktere hineinwirft und sie mit dem ganz klar gekennzeichneten Bösen konfrontiert. Die funktionieren alle einfach unheimlich gut zusammen. Und diese Action-Fantasy-Komödie ist einfach deshalb so genial, weil sie genau das tut, was sich andere Vertreter seiner Zunft so ohne weiteres nie und nimmer trauen würden. Hier kommen Magier aus dem Himmel auf die Erde herunter und demonstrieren ihre Zauberkünste auf so eine martialische Art und Weise, dass man zwangsläufig wieder zum kleinen Jungen wird, der sich damals noch vor solchen angsteinflößenden, übermenschlichen Kreaturen gefürchtet hat. Ob kontrollierte, grelle Elektroblitze in der Hand oder einsaugendes Licht aus den Augen, hier begegnet man einer Welt der schwarzen Magie, wie sie wohl noch nie da gewesen ist, natürlich in den Griffen des überzeichneten Bösen. Carpenter kombiniert hier übertriebene Fantasy-Effekte mit handgemachter Action, einer dafür brillanten Kulisse und untermalt das ganze dann mit einem beträchtlichen, elektronischen Synthi-Soundtrack, der auch hier wieder neben den scheinbar hoffnungslosen Befreiungsversuchen unseres Duos für Spannung sorgt. Nicht wirklich verwunderlich, dass der Soundtrack zu einem der besten der Achtziger gehört aber Carpenter hat ja ohnehin ein Faible für gute Synthis.

Und überhaupt scheint "Big Trouble In Little China" - so pompös wie dieser eigentlich kleine Film ist - nicht wirklich aus dieser Zeit zu stammen, wenn man sieht, was unser Regisseur für einen solch unkonventionellen Genreausflug alles auffährt. Herausragende Kostüme, überbordendes CGI, revolutionärer Sound, all das eigentlich untypisch für ein trashiges B-Movie und doch kam es so zustande und man kann sich eigentlich nur über dieses letztendliche Kultfilmchen freuen. "Big Trouble In Little China" ist ganz sicher ein kleiner Geheimtipp in Carpenters Filmographie, den wahrscheinlich noch nicht viele kennen, der aber für jeden einen Heidenspaß kurzweiliger Natur zu bieten hat, der wenigstens ein bisschen lustig drauf sein kann. Kurz und gut: John Carpenters Edeltrasher aus den 80ern macht auch heute noch mächtig Spaß beim Ansehen. Der herrlich krude Genremix mit einen bestens aufgelegten Antihelden Kurt Russell lassen einen gerne über die ein oder andere Schwäche hinwegsehen. Aber coole Sprüche, ein Hauch Fantasie, jede Menge Action, keine Minute langweilig, klasse Schauspieler, gute Musik und ein perfektes Erzähltempo machen aus "Big Trouble In Little China" einfach einen unterhaltsamen Streifen.

8/10

Donnerstag, 27. April 2017

[KINO] Guardians Of The Galaxy Vol. 2 - Guardians Of The Galaxy 2 3D (2017)

http://www.imdb.com/title/tt3896198/

Die "Guardians Of The Galaxy" rund um Star-Lord (Chris Pratt) sind mittlerweile im ganzen Universum bekannt und auch Ayesha (Elizabeth Debicki), die Anführerin der Sovereign People, einem Volk von genetisch zur Perfektion veränderten Wesen, bemüht sich um ihre Dienste. Die Guardians sollen für sie und ihre Mitbürger ein interdimensionales Monster bekämpfen. Im Ausgleich will sie ihnen Nebula (Karen Gillan) übergeben, so dass die Guardians die Killerin und Schwester von Gamora (Zoe Saldana) ins Gefängnis bringen können. Doch Rocket (Stimme im Original: Bradley Cooper) ist diese Bezahlung zu wenig, weswegen er noch ein paar mächtige Batterien klaut. Ayesha ist darüber alles andere als begeistert und heuert die Ravagers an, die Guardians zu jagen und die Energiequelle zurückzuholen. Weil Yondu sich weigert, seinen Ziehsohn Star-Lord zu verfolgen, kommt es innerhalb der Ravagers zur Meuterei. Taserface (Chris Sullivan) übernimmt das Kommando und setzt Star-Lord nach. Bei deren Überführung von Nebula zum Nova Corps geht derweil wenig nach Plan und bald werden die Helden getrennt...

Das MCU wächst und gedeiht prächtig. Nachdem im Jahr 2012 Phase I mit "The Avengers" abgeschlossen und mit "Iron Man 3" und "Thor: The Dark World" Phase II eingeläutet wurde, erweiterte sich dann 2014 das Spektrum der Superhelden mit den "Guardians Of The Galaxy", einem facettenreichen, quietschbunten Comicspaß, der die Befürchtung der Fans, dass das MCU seinen Höhepunkt bereits erreicht und hinter sich gelassen haben könnte, zerschlug. "Guardians Of The Galaxy" belehrte nach einem grandiosen, aber weitaus nüchtererem, bodenständigeren "Captain America: The Winter Soldier", der wenige Monate zuvor erschien, die Fans eines Besseren und zeigte die vielfältigen Facetten des MARVEL-Universums auf. Dank der Bereitschaft von Kevin Feige, seines Zeichens C.E.O. von MARVEL, mit der eigenen Formel zu experimentieren und Filmemachern, die noch nie großartig im Blockbustergeschäft tätig waren, zwar die Richtung zu zeigen, aber ihnen ansonsten ihre kreativen Freiheiten zu überlassen, sind 2014 zwei Filme entstanden, die bis heute zu Recht zu den besten des MCUs zählen. Gerade "Guardians Of The Galaxy" ist ein Film, der durch seine Eigenständigkeit auch von vielen Zuschauern genossen wurde, die mit den bisherigen untereinander verwobenen Comicadaptionen wenig anfangen konnten. Zugleich legte der Film auch das Fundament für entscheidende Ereignisse von Phase III und die unausweichliche Zusammenführung aller Helden im großen Kampf gegen Oberbösewicht Thanos.


Und nun legte "Guardians Of The Galaxy" die Messlatte für all seine unmittelbaren Franchise-Nachfolger sehr hoch. Mit "Guardians Of The Galaxy Vol. 2" wählte der erneut dafür verantwortliche Regisseur und Drehbuchautor James Gunn frei nach dem Motto "never change a running system" einen etwas beinahe schon konservativeren Ansatz und hielt sich an dem fest, was im ersten Film bereits so grandios funktionierte: sympathische Antihelden, freche Sprüche, gepaart mit anarchischem Humor, visuell grandiose Weltraumaction und ein fetziger 80er-Jahre Soundtrack. Und die gute Nachricht ist, dass dies alles ganz genau so gut funktioniert wie beim ersten Mal. Natürlich kann es nur ein erstes Mal geben und der zweite Teil muss eben auf den Bonus, dass der Zuschauer diese schräge Welt und ihre liebenswert-schrulligen Charaktere zum ersten Mal kennenlernen darf, verzichten. Dafür gibt es aber jede Menge neue Charaktere und einige Fragen, die aus dem Vorgänger noch in den Köpfen der Zuschauer herumschwirrten, werden geklärt. Bereits von Beginn an ist "Guardians Of The Galaxy Vol. 2" erneut ein großartiger Spaß ohne Durchhänger oder zähe Momente, jedoch ohne den Neuheitswert oder die "Freshness" des Vorgängers.


Nun mag man dem Film mangelnde Innovation vorwerfen, doch dies macht er um Längen durch Emotion und Herz wieder wett. Denn Herz und insbesondere Familie ist das Thema, welches den Film zusammenhält und den emotionalen Nucleus des Sequels bildet. Peter "Star-Lord" Quills Sehnsucht nach (s)einer Familie spielt genau so eine große Rolle wie die komplexe Beziehung zwischen den Geschwistern Nebula und Gamora, Rockets Angst, sich an seine neu gefundenen Freunde zu binden, oder Yondus (väterliche) Zuneigung gegenüber Quill. Als Krimineller mit Herz aus Gold hat Michael Rooker eine noch größere Rolle als im letzten Film und macht seinen Charakter Yondu zu einem der besten Charaktere der Fortsetzung. Aber auch insgesamt stimmt die Chemie wieder zwischen allen Charakteren und man gewinnt den Eindruck, dass sie bereits einige Zeit miteinander verbracht haben, frühere Differenzen überwunden und neue entdeckt haben. Es werden regelmäßig Konflikte ausgetragen, nur um diese, sobald es ans Eingemachte geht, beiseite zu legen und zueinander zu stehen. Wie eine Familie eben. Damit legt auch diese MCU-Verfilmung den Fokus auf Emotion, ohne jedoch zu sehr in unnötige Sentimentalität abzudriften. Immer wenn eine Szene droht, zu ernst zu werden, lockert James Gunn sie mit einem lustigen One-Liner auf, sodass der Film die Balance zwischen ernst und witzig locker halten kann. Die Charaktere werden weiterentwickelt, ohne dass der Film seine Wurzeln aus den Augen verliert.


Neben James Gunn liegt es natürlich auch an der bestens aufgelegten Besetzung, dass " Guardians Of The Galaxy Vol. 2" mit seinem Vorgänger mithalten kann. Überraschenderweise sorgt Dave Bautistas Charakter Drax für die größten komödiantischen Highlights, was auch gleichzeitig das Problem dieses Teils ist: man nimmt es dem 'Destroyer' irgendwie nicht Hundertprozentig ab. Aber seine Szenen mit der liebenswerten Franchise-Newcomerin Pom Clementieff als schüchterne Mantis wechseln gekonnt von urkomisch zu überraschend rührend. Und die knuffige Baby-Version des lebenden Baums Groot ist so unwiderstehlich süß, dass sie gleich zu Filmbeginn eine unvergessliche Szene zu denn großartigen Klängen von Electric Light Orchestras mit "Mr. Blue Sky" hat, bei der alles drumherum in Vergessenheit gerät. Eine echte Freude bereitet auch der Auftritt von Kurt Russell, dessen Rolle als Ego im Marketing zum Glück recht kurz gehalten wurde. Er hat eine facettenreiche Rolle und kann sein natürliches Charisma zur Geltung bringen kann. Er bringt als Ego die nötige überirdische Ausstrahlung mit, mit der er jeden Raum füllt, den er betritt. Trotz seiner Verfehlungen bleibt Ego nicht unsympathisch und seine Gefühle gegenüber Peter und dessen Mutter wirken echt. Und hier - und das wird gerade die Comicleser freuen - gelingt dem Film tatsächlich eine interessante und durchaus getreue Umsetzung von Russells Charakter als der lebende Planet aus den Comics - und schon hier schlägt das MCU (mit einigen kleinen, aber feinen Anspielungen) erneut gekonnt den Bogen zum kommenden "Thor: Ragnarok". 


Zudem strotzt der Film vor vielen weiteren großartigen visuellen Einfällen, von denen einer im großen Finale für richiges Augenfutter sorgt. Auch die 3D-Effekte sind, insbesondere für einen nachträglich konvertierten Film, überraschend gut. Manch einer wird vielleicht bemängeln, dass "Guardians Of The Galaxy Vol. 2" seinem Vorgänger gegenüber eben nicht noch einen draufsetzen kann und der bewährten Formel treu bleibt, ohne Neues auszuprobieren oder die Geschichte im Hinblick auf "Avengers: Infinity War" bedeutend weiterzuentwickeln. Aber das muss der Streifen auch nicht. Es ist schon so eine beachtliche Leistung, dass der zweite Teil nicht nur den Spaßfaktor und die Gagdichte des Originals konstant halten kann, sondern dass ein Film mit einem sprechenden, schießwütigen Waschbär, einem wortkargen, lebenden Baum und außerirdischen Wesen in allen Regenbogenfarben in richtigen Momenten aufrichtig ans Herz geht, ohne jedoch zu kitschig zu wirken.

Die Überraschung des Erstlings übertrifft "Guardians Of The Galaxy Vol. 2" damit insgesamt freilich nicht, aber er kommt genau so frisch und frech daher wie man es so von der bunten Truppe erwarten würde. Mit viel Herz und Humor, fantastischen visuellen Einfällen, einer liebevollen Weiterentwicklung seiner Hauptfiguren und einem großartigen Kurt Russsell auf dem Hoch seines Karriere-Revivals zeigt Regisseur und Drehbuchautor James Gunn wie ein gutes Sequel sein sollte und macht auch die Fortsetzung zu einen gelungenen Weltraumabenteuer. Sogar die zahlreichen Gastauftritte zünden perfekt. So reicht "Guardians Of The Galaxy Vol. 2" zwar nicht völllig an den großartigen ersten Teil heran, aber für den den Gang ins Kino, allein was die Musikauswahl angeht, lohnt er sich dennoch absolut.

8/10

Dienstag, 25. April 2017

The Accountant (2016)

http://www.imdb.com/title/tt2140479/

Christian Wolff (Ben Affleck) ist mit einem besonderen Talent für Mathematik zur Welt gekommen. Als Hochbegabter mit genialen Fähigkeiten tut er sich enorm schwer, soziale Kontakte zu pflegen. Getarnt als kleinstädtischer Steuerberater macht er heimlich die Buchhaltung für einige der gefährlichsten Unterweltvereinigungen auf dem Planeten. Doch vor dem Steuerfahnder Ray King (J.K. Simmons) ist seine Deckung irgendwann nicht mehr sicher. Chris fliegt auf – und akzeptiert deshalb einen neuen Auftrag, bei dem er die Buchhalterin einer Firma für Robotik, Dana (Anna Kendrick), bei der Aufklärung von Abrechnungsunstimmigkeiten in Millionenhöhe unterstützen soll. Aber noch während er tiefer in das verwirrende Geflecht aus Zahlen eindringt, sterben auf mysteriöse Weise immer mehr Menschen in seinem Umfeld...

Der durchaus charismatische aber irgendwie schauspielerisch ungelenk wirkende Ben Affleck mimt hier passend einen hochfunktionalen Asperger-Superheld, der zwischen Bürostuhl und Ein-Mann-Kommando sich für Doppel-Moral und Gerechtigkeit einsetzt.

Mal wieder auf einem Black-List-Drehbuch (von Bill Dubuques) basierend, kann sich Regisseur Gavin O'Connor nicht so recht entscheiden ob er hier ein Drama über einen Inselbegabten, einen eiskalten Action-Film oder eine absurde Parodie aus beiden machen wollte. Und dies ist gleichwohl Stärke und Schwäche des Films. Die seltsam überladene, in diverse Erzählrichtungen strebende sowie durch verschiedenste Genres mäandernde Handlung dürfte zum chaotischsten zählen, was im Filmjahr 2016 in Gestalt eines starbesetzten, Multi-Millionen Dollar teuren Mainstream-Streifens in den Kinos zu sehen war. Dieser inhaltlich arg dünne aber wendungsreiche B-Unsinn erreicht durch seinen ständig-irritierenden Tonfall-Wechsel mehr Wert als ihm eigentlich zu zusprechen ist. Weder das Motiv des hochbegabten, autistischen Rechengenies als Mafia-Steuerberater, mit seiner Unfähigkeit soziale Kontakte zu pflegen, noch die rudimentäre Thriller-Geschichte, mit seinen Verzweigungen von kriminellen Machenschaften einer Robotik-Firma und Recherche der US-Steuerbehörde, werden wirklich sauber herausgearbeitet. Der Film springt ab und zu in die private Vergangenheit, dann in Krimi-Bahnen, dann wieder zur empathisch-schrulligen Liebesgeschichte, immer kurz unterbrochen von handfesten Kopfschuss-Ballereien und versiert choreografierten Nahkämpfen, bis am Ende ein bleihaltiger Showdown mit grimmigen Humor erreicht ist.

Ständig ufert der Streifen in alle Richtungen aus, ist mal sensibel dann grob. Aber genau das machte für mich den Reiz aus. Das ist nicht unbedingt im klassischen Sinne "gut", aber durchaus unkonventionell, überraschend amüsant und mit einigen interessanten Bildern gezeichnet. 

7,5/10

Von WARNER BROS. Home Entertainment kommt der Film auch als "Limited Edition" im Steelbook, amazon.de-exklusiv.

Sonntag, 23. April 2017

[KINO FFFnights] Pet (2016)

http://www.imdb.com/title/tt1183374/

Der liebenswerte Tierpfleger Seth (Dominic Monaghan) ist vom Leben nicht gerade verwöhnt: Der scheue Außenseiter hat kaum soziale Kontakte und einen trostlosen Job im örtlichen Tierheim. Die zufällige Begegnung mit seiner alten Highschool-Flamme Holly (Ksenia Solo) reißt ihn eines Tages aus seiner Lethargie. Hoffnungsvoll beginnt er ihr den Hof zu machen, bekommt aber wie immer eine Abfuhr. Doch dank Hollys Tagebuch, das er heimlich an sich bringen konnte, keimt in dem Verschmähten bald eine hinterhältige Idee: Er entführt die Angebetete in einen Stahlkäfig im Untergeschoss des Tierheims. Statt der gewünschten Widerspenstigen Zähmung beginnt sich allerdings zwischen den zwei ein perverses psychologisches Verwirrspiel zu entspinnen, dessen Ausgang ungewiss ist...

Der spanische Regisseur Carles Torrens begibt sich mit seinem zweiten abendfüllendem Spielfilm auf sehr dunkle und unbetretene Pfade. Was an sich schon selten ist, denkt man doch, dass man keine neuen Ideen mehr kommen könnten und wenn doch, dann nur als Aberation einer anderen, schon mal da gewesenen Geschichte. Bei "Pet" ist das anders. Überhaupt ist alles anders, als es im ersten Moment scheint. Wer ist Opfer? Wer Täter? "Pet" spielt mit diesen Definitionen geschickt und verwirrt damit den Zuschauer auf eine sehr angenehme Art und Weise. Getragen von den durch und durch grandiosen Leistungen der beiden Schauspieler Dominic Monaghan und Ksenia Solo entwickelt sich dieser erschreckend realistisch und nachvollziehbar gestaltete Stalker-Thriller zu einem überraschend hartem Horrortrip, der, aufgebaut auf einer nicht-erwiderten Romanze, keine Sekunde Zeit zum Atmen lässt. Dennoch schleichen sich auch hier Logiklöcher und Fehlerchen ein, die teilweise auf gescriptete Dummheit der handelnden Personen zurück zu führen ist. So bleibt wohl für immer ein Rätsel warum sich unter dem Tierheim ein wahres Kellerlabyrinth verbirgt und das keinem auffällt und warum der gesamte Bereich des "Animal Shelters" mit Überwachungskameras gespickt ist und dennoch die wichtigste aller Türen, vorn, unbeobachtet bleibt.

Über solche Dinge kann man jedoch großzügig hinweg sehen. "Pet" wartet nämlich dann immer noch mit einem ordentlichen Twist auf, der einem schier das Weiße in die Augen treibt und in der Frage mündet, wer denn nun hier Opfer und wer Täter ist. Dieses perfide Spiel zwischen Protagonist und Antagonist, die mit einem Mal die Rollen tauschen, ist das Herzstück des Streifens und funktioniert wunderbar. Das Finale hingegen gibt noch einmal einen Schlag in die Magengrube mit und gerade wenn man denkt, man hätte es geschafft, setzt Torrens noch einen drauf und zelebriert genüsslich das, was im Horrorgenre (in verschiedensten Formen) schon längst zum guten Ton gehört: Ausweglosigkeit.

7/10

[KINO FFFnights] It Stains The Sands Red (2016)

http://www.imdb.com/title/tt5735280/

Las Vegas wird von Zombies überrannt. Partygirl Molly (Brittany Allen) und ihr Freund Nick (Merwin Mondesir) verlassen die Stadt der Sünde und machen sich auf den Weg durch die Wüste Nevadas. Mitten im Nirgendwo bleiben sie mit dem Wagen stecken, während die Sonne auf sie herabknallt. Und dann stolpert in der Ferne ein Untoter heran. Molly versteckt sich im Auto, doch als der Zombie Nick beißt, nimmt sie entsetzt Reißaus. Währenddessen fällt das Monster über die Innereien ihres toten Freundes her, doch das Mahl reicht ihm nicht und er stellt der Entkommenen nach. Mit ihren hochhackigen Schuhen flieht die erschöpfte Molly quer durch die sengend heiße Wüste, um sich zur Zivilisation durchzuschlagen… dabei ist der Zombie-Verehrer im Schlepptau nicht einmal ihr größtes Problem in dieser postapokalyptischen Welt...

Wenn das Programmheft schreibt, dass dieser Film "das Zombiegenre revolutionieren wird", dann lässt einen das erst einmal aufhorchen, aber dann erinnert man sich an Filme aus den letzten Jahren und denkt "naja". Doch "It Stains The Sands Red" ist tasächlich anders und überrascht mit einer völlig neuen Sichtweise auf altbekannte Genremuster. Nun, um genau zu sein ist am Zombie selbst nur wenig verändert worden, doch die Geschichte von Molly, die von Brittany Allen wirklich richtig gut verkörpert wird, reißt einen von der ersten Minute an mit. Diese kleine - und anders kann man das wohl nicht sagen - Nutte, die mit Koks und Alkohol umgeht als wäre es Bonbons und Limonade und dabei noch nicht einmal an ihr Kind denkt, welches sie vor Jahren abgab, ist einfach ein Unsympath.

Doch im Verlauf der Geschichte, in der man relativ schnell ihren Freund Nick ausgeweidet da liegen sieht, beginnt man sie näher kennen zu lernen. Inmitten von Vodka, Zigaretten und dem letzten Tampon,welches zum Rettungsmittel umfunktioniert wird, scheint man dann doch die zynische Schale von Molly durchbrechen zu können. Genau wie der Zombie, der Molly unaufhaltsam und gnadenlos durch die Wüste Navadas verfolgt - wenngleich mit einem anderen Ziel als sie kennen zu lernen. Hier zeigt sich auch, dass es der Film zwar ernst, aber dann doch nicht ganz so ernst und vielleicht sogar ein wenig lustig meint. Und das ist gut so. Denn wenn Molly durch die Wüste spaziert und ihr der Zombie, den sie scherzhaft und aus Gründen "Smalls" tauft, ebenso langsam folgt, dann sorgt zumindest dies für ein kleines Glucksen im Hals. Und dann - man glaubt es kaum - hat Regisseur Colin Minihan es geschafft und der Zuschauer erkennt, was wirklich unter Mollys Fassade steckt. Und plötzlich hat sie alle Sympathien auf ihrer Seite. Gut, solche Kniffe sind im Genre nicht ganz selten, aber werden doch spärlich genug eingesetzt, um immer noch Interesse zu wecken. Dass der Film dann und wann auch in punktuell gut gesetzten und auch sehr blutigen Auseinandersetzungen kleine Höhepunkte findet, gehört im Zombiegenre ja beinahe schon zum guten Ton.

Mit harmonierenden Bildern und passendem Score ist "It Stains The Sands Red" damit eine potente Mischung aus spannendem Horrorthriller, ironischer Komödie und staubigem Roadmovie zugleich. Und zugleich ein klitzekleiner, erfrischender Lichtblick im sich ständig wiederholenden Untoten-Kino, der sich mal etwas mehr traut, als nur Massen von Untoten gegen Menschen anrennen zu lassen. Fein.

8/10

[KINO FFFnights] The Belko Experiment (2016)

http://www.imdb.com/title/tt1082807/

Dieser Arbeitstag wird ihr Leben für immer gewaltig verändern – oder schlichtweg beenden! Eigentlich ist sollte es für die Angestellten der Non-Profit-Organisation Belko Corp. ein ganz normaler Arbeitstag werden. Dass an diesem Morgen nur ein Teil des Personals ins Firmengebäude des Belko Konzerns, Standort Kolumbien, gelassen wird, während viele Mitarbeiter von den Security Leuten ohne Erklärung einfach weggeschickt werden, ist schon verdächtig. Als dann plötzlich alle Fenster und Türen automatisch mit ausbruchssicheren Metallplatten versiegelt werden, tauchen erste Schweißperlen bei den Eingesperrten auf. Und als schließlich eine Durchsage befiehlt, man möge drei Insassen freiwillig exekutieren, um den ansonsten unweigerlichen Tod von sechs Personen zu verhindern, kippt die Stimmung von Ungläubigkeit und Ohnmacht bald in nackte Panik. Zumal die Auflagen im Minutentakt drakonischer werden: Im nächsten Zug müssen schon 30 Mitarbeiter eliminiert werden, um 60 weitere zu retten - ein blutiger Überlebenskampf nimmt seinen Lauf und ein Entkommen erscheint unmöglich...

Von James Gunn geschrieben und von Regisseur Greg McLean inszeniert ist "The Belko Experiment" ein kleines, extrem blutiges und teuflisches Machwerk in Hochglanzoptik, welches noch dazu mit einer ganzen Riege an bekannten Gesichtern aufwarten kann. Diese amerikanische Variante der "Battle Royale" ist eine herrliche, wenngleich wenig hinterfragende Schlachtplatte mit einigen guten Einfällen und Ideen. Unnötig zu sagen, dass der Film keine Gefangenen macht, aber den Zuschauer bei diesem "10-kleine-Negerlein"-Spielchen immer mal wieder zu überraschen weiß.


Wie weit geht der Mensch in Extremsituationen? Wie weit wird er gehen, wenn sein eigenes Leben davon abhängt? Und wieviel ist er bereit aufzugeben, um sich selbst zu retten? Diese (und ähnliche) Fragen stellt "The Belko Experiment" im Verlauf des Films, beantwortet diese aber nur unzureichend bis gar nicht. Na klar ist nach der ersten "Runde" und den ersten Toten das Chaos perfekt und nahezu jeder der Angestellten beginnt darüber nachzudenken, wie er oder sie jetzt noch hier herauskommt. Als sich dann (relativ schnell) 2 Parteien aus der Ansammlung herauskristallisieren ist klar: jetzt gibt es plötzlich doch ein "i" in "Team". Mit Gregg Lee, Michael Rooker, Abraham Benrubi, Sean Gunn (James Gunns Bruder), John Gallagher Jr.,  und John C. McGinley prominent besetzt, liefert "The Belko Experiment" ab jetzt Überlebenskampf in Reinform, bei dem sogar der massive Kleberoller als letzte Alternative zum Ausschalten von Gegnern herangezogen werden muss.


Letztlich beschränkt sich der Film dann aber auch im Zurschaustellen der Kills, was nicht schlecht ist, aber die letzte große Hürde der Beantwortung auf die Frage nach dem "Warum und wieso?" lässt der Film einfach unübersprungen stehen. Das ist etwas schade. Auch Ansätze nach dem "Wie weit würdest du gehen?" hinterfragt der Film nicht wirklich und lässt seine Protagonisten lieber brutal und hemmungslos aufeinander losgehen. Dass sich das irgendwann in Wohlgefallen auflöst, weil man ab diesem Zeitpunkt kaum noch mit den handelnden Personen mitfiebert, scheint egal zu sein. Hier geht es um den Thrill, den Spaß (denn auch der kommt nicht zu kurz) und natürlich literweise Blut. Der im Finale recht aufgesetzt wirkende Psychologietest sorgt dann lediglich für einen kurzen Lacher. Offenbar wusste Gunn selbst nicht wirklich wie er die von ihm selbst gestellte Frage effektiv beantworten könnte.


Dass "The Belko Experiment" trotzdem nicht im Mittelfeld vieler ähnlicher Genrevertreter verschwindet, liegt an seinem gut aufgelegtem Cast, der ordentlichen Optik, dem herrlichen Soundtrack, der - völlig gewollt - in den schlimmsten Situationen die unpassendste Musik einspielt und deswegen zum Lachen bringt. Allein der Leitspruch der Firma ("Bringing the world together") erscheint oft im Hintergrund wie blanker Hohn, wenn der Chef mal eben mit der 9mm gleich 15 Mitarbeiter "fristlos entlässt". Man sieht, man kann mit "The Belko Experiment" sehr viel Spaß haben, wenn man nicht nach dem Sinn fragt oder gar eine psychologische Studie erwartet. Es ist kein Film zum Nachdenken, es ist "Hau-drauf"-Horror, der einen wunderbar unterhalten kann. Und mehr muss ja manchmal auch nicht sein.

7/10

[MEET&GREET] A.D. Calvo und Erin Wilhemi

Regisseur A.D. Calvo und Hauptdarstellerin Erin Wilhelmi waren in Berlin zu Gast, um ihren Film "Sweet, Sweet Lonely Girl" vorzustellen.



Natürlich lies ich es mir nicht nehmen, nach dem Q&A noch mit beiden persönlich zu sprechen, vor allem "unter 6 Augen" über das Ende des Films zu diskutieren und - selbstredend - auch zwei Autogramme mit zu nehmen.


An dieser Stelle möchte ich mich bei A.D. und Erin für das Gespräch und den kurzen Fotoshoot bedanken. Es war sehr schön euch kennen zu lernen. Danke.



Vielen Dank auch an Ringo, der sich für die letzten drei Bilder bereit erklärte auf den Auslöser zu drücken.