Mittwoch, 19. Oktober 2016

[KINO] Inferno (2016)

http://www.imdb.com/title/tt3062096/

Der Schweizer Milliardär und Wissenschaftler Bertrand Zobrist (Ben Foster) meint, die Erde sei so überbevölkert, dass es schon bald keine Hoffnung mehr gibt, die katastrophalen Folgen dieser Fehlentwicklung noch einmal umzukehren. Er hat deshalb eine Seuche entwickelt, die für eine nachhaltige Dezimierung der Menschheit sorgen soll. Der Meister-Kryptologe und Symbologie-Professor Robert Langdon (Tom Hanks) erkennt schnell, dass es nur einen Weg gibt, Zobrists Plan noch zu stoppen: Er muss "Inferno" entschlüsseln, den ersten Teil von Dante Alighieris "Göttlicher Komödie". "Inferno" handelt von der Reise des italienischen Dichters durch die Hölle und steckt voller nicht geknackter Codes und Symbole. Aber gerade jetzt verliert Langdon Teile seines Gedächtnisses. Als er ohne Erinnerung an die vergangenen Tage in einem Krankenhaus in Florenz aufwacht, tut er sich mit der Ärztin Sienna Brooks (Felicity Jones) zusammen. Sie soll ihm dabei helfen, sein lückenhaftes Gedächtnis wieder auf Vordermann zu bringen...

Mit der Erwartungshaltung, hier erneut einen schönen Mystery-Rätsel-Thriller im Stile von "Angels & Demons" sehen zu können, darf man diesen Film wohl betreten, doch letztlich orientiert sich "Inferno" eher an Vorbildern wie der "Jason Bourne"-Reihe, "National Treasure" und sogar "The Game". Es ist wohl so wie landläufig gesagt wird; kennt man eine Buchvorlage von Dan Brown, kennt man alle. Wo aber vor allem im zweiten Teil der "Robert Langdon"-Reihe seitens der Figuren, des Regisseurs und des Drehbuchs etwas mehr Spannung, Drive und Interesse vermittelt wurde, beschränkt sich der aktuelle dritte Teil auf eine anfängluch etwas verwirrende Vergangenheitsaufarbeitung und krachende Action, wo Puzzlespiele angebrachter gewesen wären.

Dabei ist die erste Hälfte des Films rundum gelungen inszeniert, grundsolide gespielt und lässt auf eine vertiefte Auseinandersetzung mit den aufgeworfenen Themen wie Fanatismus, Ethik contra Technologie und ganz allgemein dem Ende der Welt hoffen. Doch stattdessen wird in der verbleibenden zweiten Hälfte der Action-Anteil nochmals dermaßen hoch gefahren und der Film überschlägt sich dann ab einer gewissen Wendung vollends, um weiter wendungsreich auf sein fahriges Ende hin zu steuern. Die Twists selbst sind dabei noch nicht einmal schlecht gesetzt, jedoch teilweise vorhersehbar und irgendwann zu viel des Guten. Leider tritt infolgedessen auch der Rätsel-Anteil gehörig in den Hintergrund und Protagonist Robert Langdon (souverän und beinahe schon im Schlaf gespielt von Tom Hanks) agiert mehr wie ein "James Bond" – nur ohne Einsatz von Waffen; die haben schließlich die restlichen Akteure, die alle im Verlauf des Films scheinbar mindestens einmal die Seiten wechseln. Nur Tom Hanks bleibt Tom Hanks und alles andere würde den Zuschauer ja auch aus dem Konzept bringen. Er kann nicht böse sein und er kann sich genausowenig glaubwürdig an Felicity Jones heran machen; er ist und bleibt eben der naiv-treue "Forrest Gump", der hier jedoch immer gerade noch rechtzeitig merkt, wenn er belogen wird.

Den letztlichen umwerfenden Twist aus dem Buch lässt Regisseur Ron Howard mal eben beiseite und verändert damit ganz zum Ärger des Lesers auch die Grundprämisse, um sich voll auf die Weltrettung konzentrieren zu können. Im Buch war es spannend und extrem diskussionswürdig. Hier wurde alles, aber auch wirklich alles, geändert und für Hollywood zurecht geschnitten. Die Frage, ob Ron Howard, nachdem er selbst den Papst mit seiner Verfilmung zu "Sakrileg" schockieren konnte, einfach den Biss verloren hat, kann man nach diesem Film tatsächlich laut stellen. Eine Antwort sollte man aber eher nicht erwarten. Unter Umständen lag es aber an dem um die Hälfte gekürzten Budgets. "Inferno" avanciert damit leider zum schlechtesten Teil der "Robert-Langdon"-Reihe, weit hinter dem sehr guten "Sakrileg" und noch viel weiter hinter dem grandiosen "Illuminati". Positiv hervorzuheben ist hingegen die musikalische Untermalung von Hans Zimmer, der sehr gekonnt aus den Stücken "160BPM", "God Particle", "Science And Religion" und "503" (allesamt aus "Illuminati") neue, leicht abgewandelte Werke zaubert, die immer wieder an den zweiten Teil erinnern.

All dies ändert aber nichts daran, dass "Inferno" für Action-Fans wohl zu zahm und für Freunde des fesselnden Mystery-Krimi-Thrillers dann doch eher eine mittelschwere Enttäuschung ist. So viele Chancen, so viel vertan. Dabei trägt gerade das Setting in Florenz und Venedig (und später auch Istanbul) zu einem sehr heimischen Gefühl bei Fans bei. Auch Charktere wie Ben Foster und Omar Sy wirken zwar stark in ihren Rollen, aber allesamt auch seltsam verschenkt. Nach den Trailern und den beiden grandiosen Vorgängern ist "Inferno" jedenfalls eine kleine Enttäuschung.

6,5/10