Montag, 3. Oktober 2016

Creed - Creed: Rocky's Legacy (2015)

http://www.imdb.com/title/tt3076658/

Der junge Boxer Adonis Johnson (Michael B. Jordan) lernte seinen eigenen Vater, den berühmten Weltmeister im Schwergewicht Apollo Creed, niemals kennen. Adonis, der mit seinem Bürojob nicht warm wird und sein Talent stattdessen in illegalen Kämpfen in Tijuana zeigt, zieht es nach Philadelphia, wo Apollo Creed einst das legendäre Match gegen einen hartgesottenen Neuling namens Rocky Balboa (Sylvester Stallone) bestritt. Es gelingt Adonis, Rocky aufzuspüren und ihn dazu zu bringen, sein Trainer zu werden. Der in die Jahre gekommene Rechtsausleger erkennt in dem jungen Mann die Entschlossenheit und Stärke von dessen Vater, der zunächst ein erbitterter Gegner, dann ein enger Vertrauter Rockys wurde. Adonis trainiert hart und lebt seine weiche Seite mit der neuen Nachbarin aus, der R&B-Sängerin Bianca (Tessa Thompson). Doch reicht seine körperliche, seelische Stärke, um die bisher größte sportliche Herausforderung zu meistern? Es gilt, den amtierenden Boxmeister "Pretty" Ricky Conlan (Tony Bellew) zu schlagen...

Aus dem Thema "Rocky" noch etwas herauszuholen, war sicher keine leichte Aufgabe. Aber Sylvester Stallone hat an der richtigen Stelle investiert und erstmals Story & Drehbuch abgetreten. An Ryan Coogler, der auch Regie führte. Dieser erfand die Story neu und schuf ein durchgängig interessantes Boxer-Opus, das Neues überzeugend mit Altem verknüpft. "Creed" ist damit die nahezu perfekte Weiterführung der "Rocky"-Reihe; im Dauer-Spagat zwischen ständiger Hommage an alte Zeiten (und Teile der Reihe) und überschäumender Energie und Aufbruchsstimmung für einen neuen Kämpfer. "Creed" schreibt sich in die "Rocky"-Reihe ein, ohne gänzlich als ein remake-/rebootartiges Versatzstückzitat in Nostalgie zu versinken.

Sylvester Stallone wirkt erneut sehr sympathisch und zieht sich auf die Rolle des erfahrenen, aber desillusionierten Ratgebers zurück, der zunächst nichts mehr mit dem Boxsport zu tun haben will. Alle seine Freunde sind gestorben, und er fristet allein sein Dasein - es gibt vielleicht nur einen, der ihn aus der Lethargie reissen kann, ein leiblicher Sohn von Apollo Creed, der eines Tages bei Rocky vor der Tür steht und um Betreuung bettelt. In die Story ist auch eine nette Romanze gebettet, die, ähnlich wie im ersten "Rocky" keine leichte Geburt ist, aber für den neuen Champ ein Eckpfeiler seiner Motivation werden soll. Die Boxkämpfe sind stark inszeniert - vor allem der erste Kampf überzeugt durch eine sportlich realistische, mitreissende Darstellung. Mit dieser wohl balancierten Mischung übertrumpft "Creed" sogar den guten Vorgänger "Rocky Balboa", indem er zwar Rocky seinen immer aussichtsloseren Kampf gegen die Zeit und den Verfall weiterführen lässt, aber gleichzeitig dem Zuschauer einen unheimlich hungrig und kraftvoll agierenden Michael B. Jordan präsentiert, der noch nichts erreicht hat und ganz am Anfang seiner Karriere steht (sowohl als Schauspieler als auch im Film als Sohn von Apollo Creed).

Die filmischen Präsentation ist überaus gelungen. Stets wacht hinter dem im Vordergrund wütenden Adonis Creed der alte, meist dunkel gekleidete Rocky, der den Jungen mit all seiner Erfahrung in die richtigen Bahnen lenken will und dabei einige Grenzen setzen muss. Der Auftakt ist gemacht - mit großartigen Trainingsmontagen, einem Stallone, der untrennbar von seiner Filmfigur erscheint und alles in sie hineinlegt, und mit wunderbaren Kameraeinstellungen, die immer darauf bedacht sind, den Alten und den Jungen gemeinsam einzufangen und ihre Verbindung darzustellen. Es ist somit schwer zu begründen, was "Creed" zu einem der besten Teile des "Rocky"-Franchise macht. Über weite Strecken ist der Plot packend und emotional bewegend, manchmal auch unerwartet witzig und schafft es doch wie einst, den Zuschauer mit der Story zu verschmelzen. Mitfühlen, mitleiden - das ist es doch, was man bei einem "Rocky"-Film erleben will.

8/10

Der sechste Teil der "Rocky"-Saga ist exklusiv bei amazon.de auch im Steelbook erschienen.