Sonntag, 14. August 2016

Lock Up - Lock Up: Überleben ist alles (1989)

http://www.imdb.com/title/tt0097770/

Obwohl Knacki Frank Leone (Sylvester Stallone) nur noch ein halbes Jahr abzusitzen hat, wird er in ein Hochsicherheitsgefängnis verlegt. Dort ist er den Schikanen des sadistischen Gefängnisdirektors Warden Drumgoole (Donald Sutherland) hilflos ausgeliefert. Frank und Drumgoole haben eine gemeinsame Vergangenheit, denn einst gelang dem Gangster als erster der Ausbruch aus einem Gefängnis unter Leitung des fiesen Direktors. Der meint seitdem, Frank sei dafür verantwortlich, dass seine Karriere scheiterte. Der Ausbrecher wiederum vergisst nicht, dass er seinen todkranken Vater nicht besuchen durfte, weil Drumgoole intervenierte. Jetzt, im neuen Gefängnis, lässt letzterer nichts unversucht, Frank zu einer Straftat zu provozieren - Hauptsache, dessen Strafe wird verlängert. Geht der Inhaftierte auf die Provokation ein oder schafft er vielleicht gar einen neuen Ausbruch?

Regisseur John Flynn drehte in seinem Leben nicht viele Kinofilme. "Deadly Revenge" mit Steven Seagal gehört noch mit zu den bekanntesten. Meistens handelt es sich bei Flynns Filmen um knallharte Actioner. Das Wort "knallhart" trifft den Nagel bei "Lock Up" auf den  sprichwörtlichen Kopf, der Begriff "Actioner" schießt aber am Ziel vorbei.

"Lock Up" ist viel mehr als eine Art Drama angelegt, das mit allerhand unblutigen und eher stumpf-brutalen Torture-Szenen angereichert wurde. Der Storyteil, auf welchen in der Einleitung eingegangen wurde, wird in den ersten zehn Minuten notdürftig abgespeist und bietet daher nur den Einstieg für all die Grausamkeiten, die den guten Sly im neuen Knast blühen. Unterstützt wird er dabei von einem erstaunlich überzeugenden und gleichzeitig plappernden Tom Sizemore als Dallas, welcher eine humoristische Komponente einbringen soll, was aber nur selten zünden kann. Viel mehr sind es die moralischen Szenen Sizemores, oder Einstellungen, in denen Flynn ihn einfach ein bisschen "spielen" lässt, in denen er aufgeht und man ihm seine Rolle perfekt abkauft. Weitere Kumpanen sind der eher nervende Larry Romano, welcher stets aus jeder Klemme gerettet werden muss, und der symphatische Frank McRae, der als netter Mechaniker-Sidekick fungiert und funktioniert. Zusätzlich zu Donald Sutherland als rachsüchtiger Gefängnisdirektor Warden Drumgoole, gesellt sich sein Laufbursche und Gefangenenposten Sonny Landham auf die Gegnerbank, der schon als "Billy" in "Predator" beweisen konnte, dass nicht nur Schwarzenegger ein breites Kreuz besitzt.

Man kommt aber auch nicht umhin zu sagen, dass Sly eine verdammt gute Figur in "Lock Up" abgibt. Die Kamera ist zu einem hohen Prozentanteil an seiner Seite und zeigt ihn und seine Physionomie oft in Nahaufnahme. Im Orginal-Filmposter spiegelt sich dies auch sehr offensichtlich und selbstironisch wieder - natürlich will sich der Film und damit auch Stallone darüber verkaufen. "Lock Up" ist eigentlich auch ein astreiner Film, besitzt aber auch offensichtliche Schwächen. Wenn man einen Film als Actionstreifen anpreist, muss man auch in gewissem Maße mit solcher aufbieten können. Über ein sich ziehendes & wiederholendes Football-Spiel im Schlamm, eine einzige, kurze Prügelei und den kurzen Schlussakt vorm Finale, welches sicherlich noch einen der Pluspunkte darstellt, kommt es aber nicht hinaus.
Weiterhin legt der Film demnach zu viel Wert auf seine Peinigungsszenarien, die Stallone hier durchlaufen muss. Ein oder zwei Stufen weniger hätten seinen Zweck genauso erfüllt.
Auch den Aspekt der Liebe muss sich "Lock Up" als Kritikpunkt gefallen lassen. Wenn man sie schon einführt, und dann dermaßen als Motiv(ation) missbraucht, dann muss man auch richtig damit umgehen. Am Anfang gelingt dies noch sehr gut, doch was in der Mitte des Films mit dem Paar passiert, ist viel zu ausdruckslos. Die dort angedeutete Romantikszene ist der Witz schlechthin.

Ein letzter Kritikaspekt ist die moralische Komponente. Natürlich ist ein Film wie "Lock Up" auch gewillt, Gesellschaftskritik zu üben. Die allgemeine Situation in amerikanischen Gefängnissen, die Sauberkeit, die Methoden, die Brutalität der Insassen, das Wärter-Gefangenen-Verhältnis, als auch das Wärter-Wärter-Verhältnis wird abgehandelt. Problematisch ist nur, dass es zig hunderte Genregegner gibt, bei denen das ein oder andere besser funktioniert. Wenn man einen Gefängnisfilm dreht, muss man sich darauf einstellen, mit Genrevertretern gemessen zu werden. Erst recht wenn es um die Sinnfindung eines Films geht. Und da gibt es leider wenig Land für "Lock Up". Schlussendlich ist es John Amos, alias Captain Meissner, welcher das Ruder herumreißen muss. Er brilliert als wortkarger, emotionsloser Oberaufseher und Art "rechte Hand" Sutherlands, und stellt sich am Ende gegen die Ungerechtigkeit. Dies rettet den Film in Sachen Gesellschaftskritik zu einem halbwegs passablen Endgedanken.

Sicherlich ist "Lock Up" keine von Stallones Meisterleistungen und hat viele Macken. Vor allem die eigentliche Handlung und der Liebes- & Moralaspekt werden zu schnell abgetan. Dadurch, dass dieses nicht noch vertieft, und die viel versprechende Vorgeschichte gleichzeitig nicht noch weiter ausgeschmückt wurde, verschenkt der Film Unmengen von Potential. "Lock Up" bietet aber nichts desto trotz über weite Strecken gute Unterhaltung, bei der man nicht umhin kommt, im Zusammenspiel von Gewalt, Hass und Intrigen mit dem Protagonisten Stallone mitzufiebern.

7/10

Von Eightyfour Entertainment kommt der Film auch im auf 666 Stück limitierten Mediabook.