Samstag, 16. Januar 2016

The Incredible Hulk - Der unglaubliche Hulk (2008)

http://www.imdb.com/title/tt0800080/

Wenn Menschen wütend sind, reagieren sie unterschiedlich. Der eine schreit rum, der nächste lässt seine Aggression an Gegenständen aus. Bruce Banner (Edward Norton) hingegen verwandelt sich in das grüne Monster Hulk, sobald sein Puls die Marke von 200 Schlägen pro Minute übersteigt. Weil General "Thunderbolt" Ross (William Hurt) Hulks Kräfte für militärische Zwecke ausschlachten wollte, floh Banner nach Brasilien. Dort arbeitet er seitdem an Entspannungstechniken und schuftet in einer Limonaden-Fabrik. Durch einen unglücklichen Zufall stößt das US-Militär jedoch auf die Spur des Flüchtigen. Banner muss erneut abhauen und schleicht sich zurück in die USA, wo er mit der Unterstützung von Ross' Tochter Betty (Liv Tyler) nach einer Kur für seinen Zustand forschen will. Dabei wird er erneut von Ross gestört, der die versammelte US-Kriegsmaschinerie auf den grünen Muskelprotz hetzt. Als auch dies nicht hilft, Hulk zu stoppen, setzt sich der kampfbesessene Marine Emil Blonsky (Tim Roth) freiwillig ähnlichen Experimenten wie einst Banner aus, um dem Hulk als würdiger Gegner gegenüberzutreten...

Nach dem genialen "Hulk" von Ang Lee bedurfte es 5 Jahre später einer Fortsetzung, die die Figur des Hulk so langsam aber sicher als weiterführende Origin-Geschichte in das Marvel Cinematic Universe integrieren sollte. "The Incredible Hulk" gilt derweil aber bei vielen Fans als einer der schlechteren Filme der Marvel-Studios, womit ihm allerdings in jeder Hinsicht Unrecht getan wird. Denn Louis Leterrier erreicht eine weitere Stufe auf der Karriereleiter als Regisseur, da er es doch tatsächlich schafft, in einen scheinbar lupenreinen Zerstörungsfilm einige sinnvolle und sehenswerte Actionszenen einzubauen, die etwas kreativer sind als simples "Hulk Smash!". Zu verdanken ist das hauptsächlich dem Einsatz von Tim Roth als Elitesoldat Emil Blonsky: Dieser stellt durch geniale Taktiken trotz anfänglicher physischer Unterlegenheit einen würdigen Gegner für den Hulk dar, dessen Szenen jedoch durch die mit rein menschlichen Kontrahenten, wie die Verfolgungsjagd durch die Slums, in den Schatten gestellt werden. Blonsky selbst ist dabei ein typischer Unsympath, dessen Rolle als Schurke sich natürlich sofort herauskristallisiert, denn obwohl solche einseitig bösen und daher wenig vielschichtigen Antagonisten oft langweilig und eintönig sind, dienen sie hier keineswegs lediglich als Mittel zum Zweck, um die Handlung ins Laufen zu bringen und einen zu besiegenden Bösewicht einzuführen.


Dabei wird auch die Einstellung des Helden beleuchtet, der als Privatperson Bruce Banner die Friedfertigkeit in Person ist, was es aber nicht leichter macht, sich als Hulk zurückzuhalten; einzig und allein die Liebe in Form von Liv Tyler als Betty Ross hat in dem Fall noch Einfluss. Die, die alles durcheinanderbringen, sind die Militärs mit ihrer aggressiven Natur, die ja auch in der Realität Konflikte schaffen, wo eigentlich keine sind. In dieser Rolle leistet hier William Hurt als General Ross gute Arbeit (kann aber Sam Elliot aus dem Vorgänger nicht das Wasser reichen) und als neutraler Charakter zwischen den Fronten, der am Anfang die Helden unterstützt, mit der Zeit aber immer mehr seine eigene Philosophie entwickelt, ist Tim Blake Nelson als Samuel Sterns hervorzuheben. An die Wand gespielt werden die aber trotzdem alle von Edward Norton, der in fast jeder seiner Rollen brillant rüberkommt. Mark Ruffalo ist zwar ein toller Schauspieler und ein richtig guter Bruce Banner bei den "Avengers", aber Edward Norton passt einfach zu gut in diesen Film wenngleich das zu grobe Design des Hulks ist hier etwas weniger ansprechender ist als im Vorgänger und in den späteren "Avengers"-Filmen. Schön ist dennoch, wie der frühere Hulk-Darsteller Lou Ferrigno als Cameo eingebaut wird, Stan Lee sowieso und zusätzlich zum Auftritt von Robert Downey Jr. am Ende, welches auf sehenswerte Weise zu den "Avengers" überleitet. Eine weitere Stärke des Films liegt in seiner Atmosphäre, die sich trotz ein paar eingestreuter Gags ziemlich düster und ernst hält. Zudem wird im Gegensatz zu späteren Marvel-Filmen auch nicht davor zurückgeschreckt Blut zu zeigen, obwohl auf Schönheit von Landschaften und bildgewaltige Szenen wie im Dschungel oder bei den Slums zurückgegriffen wird, die die beeindruckende Ästhetik des Films genauso unterstützen wie der Soundtrack. An Meisterwerke wie die "Dark Knight"-Trilogie, die "Watchmen" oder "V wie Vendetta" kommt "Der unglaubliche Hulk" zwar auf keinen Fall heran, aber unter den früheren Marvel-Filmen hat er ganz klar die grüne Nase vorn.

7/10