Samstag, 2. Januar 2016

Deliverance - Beim Sterben ist jeder der Erste (1972)

http://www.imdb.com/title/tt0068473/

Abenteurer Lewis (Burt Reynolds) animiert seinen Freund Ed (Jon Voight) und dessen Kumpels Bobby (Ned Beatty) und Drew (Ronny Cox) zu einer gemeinsamen Kanutour. Fern von ihrer Heimat wollen sich die Großstädter am wilden Cahulawassee in Georgia ihre Männlichkeit beweisen. Zusätzlicher Anreiz ist die Tatsache, dass durch den Bau eines Staudamms der reißende Fluss und seine idyllische Umgebung kurz vor der Flutung stehen. Trotz einiger Stromschnellen verläuft der Ausflug ins kühle Nass zunächst ohne besondere Vorkommnisse. Jegliche Lagerfeuerromantik ist jedoch verflogen, als Ed und Bobby, die sich von Lewis’ Boot entfernt hatten, am Ufer auf zwei verkommene Hinterwäldler treffen. Trotz seiner Beschwichtigungsversuche wird Ed an einen Baum gefesselt und muss mit ansehen, wie Bobby brutal vergewaltigt wird. Als auch Ed zum Oralverkehr gezwungen werden soll, erschießt Lewis mit seinem Bogen einen der Hillbillies. Dessen Kompagnon kann im Eifer des Gefechts fliehen. Gegen den Widerstand von Drew beschließen die Männer, den getöteten Angreifer zu begraben, den Vorfall nicht den örtlichen Behörden zu melden und die lebensgefährliche Kanufahrt fortzusetzen...

Das Aufeinandertreffen von Gitarre und Banjo zu Beginn in "Deliverance", dessen deutscher Titel nichts anderes als ein linguistisches Desaster ist, ist einer der intesivsten Filmmomente überhaupt. Einerseits wird der Zuschauer von der improvisierten Jam-Session, die sich immer weiter steigert und in einem fulminanten Finale mündet, total mitgerissen, andererseits überkommt einen an einem gewissen Punkt bei diesem Aufeinandertreffen von Städtern und Hillbillys ein Gefühl des Unbehagens und der Beklemmung. Schwer zu sagen, was genau dieses Gefühl verursacht hat - vielleicht das inzestiöse Aussehen des Banjospielers, das eine starke Verkommenheit der Hinterwäldler impliziert, vielleicht auch die tatsache, dass man ja weiß, dass der Film ein Thriller/Survival-Horror ist, die einen daran hindert, das schöne Jammen einfach zu genießen, weil klar ist, dass es noch sehr sehr böse kommen wird.


Bevor es aber soweit ist, macht die erste Kanufahrt der vier Ausflügler viel Spaß; man hat das Gefühl dabei zu sein und mit der Truppe durch die Stromschnellen zu brausen. Die Klänge des Banjos übrigens werden nicht nur im Lauf des Films noch eine wichtige Rolle spielen, sie dienten auch in späteren Filmen immer wieder mal als kleine Anspielung auf ebenjene unverheißungsvolle Ausgangssituation.

Man begleitet die vier Männer dabei, wie sie mit ihren Kanus den Fluss herunter schippern und es zu einer weiteren legendären Szene kommt. Die "Sqeal like a Pig!"-Szene, die man hier so irgendwie gar nicht erwartet hätte. Es ist wohl eine der heftigsten (homosexuellen) Vergewaltigung-Szenen der Filmgeschichte. Und von nun an nimmt der Film eine gefährliche Wende und man erlebt den Kampf ums Überleben. Jetzt werden die Klänge des Banjo öfters zu hören sein, was der ganzen Situation einen ziemlich unheimlichen Touch verleiht. Ständig ist man in Erwartung, dass dieser seltsame Junge vom Anfang mit seinem Banjo auftaucht.

Man könnte nun der Meinung sein, "Beim Sterben ist jeder der Erste" ist ein klassischer Backwood-Film. Zur einen Hälfte vielleicht, aber zur anderen ist der Film viel mehr als das. Es ist ein Film über Mensch gegen Natur und Mensch gegen Mensch. Letztendlich aber auch ein Blick zu dem, zu was ein Mensch in Extremsituationen imstande ist. Und abschließend lässt sich ohne Umschweife feststellen, dass man wohl nur selten einen besseren Burt Reynolds gesehen hat, ganz ohne Albernheiten (vielleicht auch, weil er mit Jon Voigt und Ned Beatty zwei sehr guten Kollegen an seiner Seite hat). Es ist ein unverzichtbarer Klassiker der Filmwelt, der auch sehr stark von seinen Hauptdarstellern getragen wird. Eine klare Empfehlung für alle Filmbegeisterte und Freunde von (guten) Backwood-Filmen kommen an "Deliverance" sowieso nicht vorbei.

8/10