Sonntag, 10. Januar 2016

Death Wish - Ein Mann sieht rot (1974)

http://www.imdb.com/title/tt0071402/

Der erfolgreiche, gutsituierte Architekt Paul Kersey (Charles Bronson) lebt mit seiner Familie in New York. Bei einem Überfall wird Kerseys Frau getötet. Seine Tochter überlebt. Durch die brutale Vergewaltigung ist sie allerdings traumatisiert und liegt nun völlig apathisch in einer Nervenklinik. Angesichts der Hilflosigkeit der Polizei bei der Aufklärung des Falles wächst bei dem eingefleischten Pazifisten der Wunsch nach Rache. Als er eines Tages selbst Opfer eines Überfalls wird, macht er in Notwehr von seiner Waffe Gebrauch. Und das wird zu seinem Schlüsselerlebnis: Als selbsternannter Rächer geht Kersey ab sofort gegen New Yorks Verbrecher vor und bringt jeden um, der ihm vor die Waffe kommt. Innerhalb kurzer Zeit geht auch tatsächlich die Kriminalitätsrate zurück und der unbekannte "Vigilante" wird von den Medien und Bürgern als Held gefeiert. Eines Tages aber kommt die Polizei Kersey auf die Schliche...

Charles Bronson in einem kompromisslosen und gleichzeitig sehr effektivem Film über Selbstjustiz, der auf politische Korrektheit pfeift und dazu noch allen Hippies und Gutmenschen den Stinkefinger zeigt. Die anfängliche Schlüsselszene mit dem Überfall weiß auch heute noch zu schocken, was nicht zuletzt an den harschen Verbalausbrüchen der Unholde liegt, allen voran Jeff Goldblum als "Freak #1". Klar, das zentrale Thema des Films ist Selbstjustiz und dass die gezeigte Vorgehensweise zwar mit dem Gesetz nicht vereinbar ist, aber trotzdem fast immer nachvollzogen werden kann, ist auch verständlich. In der ersten halben Stunde durchläuft Bronson eine Metamorphose vom harmlosen Architekten und Kriegsdienstverweigerer zu einer Art bürgerlichem Travis Bickle, der den Kampf aus den Appartementtürmen direkt in das Herz der urbanen Hölle trägt. Leicht ironisch, daß ihm eine Wild- West Stuntshow mit dazu verhilft zu der Art von Figur zu werden, die er zuvor und danach so oft verkörpert hat.

Bronson verkörpert den Normalo der langsam zum Vigilante wird sehr glaubhaft. Überhaupt bleibt die Entwicklung seiner Figur durchweg nachvollziehbar, was auch an dem guten Drehbuch liegt. Trotz der ein oder anderen kleineren Länge in der zweiten Hälfte, bleibt die Handlung vom Anfang bis zum nicht ganz so überzeugenden Ende spannend und wird dicht erzählt. Leider ist es auch ein leicht selbstverliebtes, selbstjustizverherrlichendes Filmchen das Auge um Auge propagiert, sogar rechtfertigt, und sich nur selten die Mühe macht etwas von einer etwas differenzierten Sichtweise zu betrachten. Dem gegenüber steht eine zumindest technisch und handwerklich saubere Arbeit von Michael Winner. Damit ist "Death Wish" über große Strecken ein spannender Rache-Thriller, der sich defintiv seinen Platz in der Filmgeschichte gesichert hat.

7/10