Samstag, 6. Mai 2023

Lord Of The Flies - Herr der Fliegen (1990)

https://www.imdb.com/title/tt0100054/

Eine Gruppe von Militär-Kadetten strandet nach einem Flugzeugabsturz auf einer einsamen Insel. Um eine klare Hierarchie zu schaffen, erfinden die Jugendlichen eine Reihe von Regeln, die ihren Tagesablauf festlegen sollen. So soll eine Muschel das Recht zu sprechen und angehört zu werden symbolisieren. Schnell entwickelt sich ein Konkurrenz-Kampf zwischen dem erfahrensten Kadetten Ralph (Balthazar Getty) und dem jüngeren Kadetten Jack (Chris Furrh), da Ralph einfach auf Rettung warten möchte und Jack lieber Überlebensstrategien wie Jagen in der Gruppe etablieren möchte. Die Gruppe teilt sich zwischen den beiden Anführern auf und versucht jede auf ihre Weise, die Extrem-Situation zu überleben. Dabei stellen die Jungen fest, wie wenig sie wirklich auf ein Leben in der Wildnis vorbereitet sind. 

Als Adaption ist diese Verfilmung von "Herr der Fliegen" ein perfektes Beispiel für die Aktualisierung einer Geschichte für die damalige Zeit und die Anpassung ihrer seitengebundenen Handlung an die Leinwand. Goldings Geschichte ist eine Parabel, eine einfache Parabel, ideal als Thema für einen Aufsatz. Die Schüler einer Privatschule erleiden Schiffbruch (oder, in der neuen Version, ihr Flugzeug stürzt ins Meer) und schwimmen auf eine einsame Insel, wo sie sich selbst versorgen müssen. Zunächst halten sie zusammen und verhalten sich vernünftig, doch dann spalten sie sich in zwei Lager: die Anhänger von Ralph, die an Anstand und Zivilisation glauben, und die Anhänger von Jack, die ihre Gesichter bemalen, ihre Speere schärfen und zu Militaristen werden. In der Verzweiflung, jemals gerettet zu werden, ziehen die Jungen gegeneinander in den Krieg - mit tödlichen Folgen. Als Film (und Remake) muss er natürlich hier und da die Dinge straffen und sogar den einen oder anderen Handlungspunkt weglassen, um in die sparsamen 90 Minuten zu passen, und darunter leidet die Figur des Ralph am meisten. Im Buch kommt er einem Helden am nächsten, aber er ist auch ein Kind, mit kindlichen Tendenzen. Er kann egoistisch, unsicher und gemein sein.  In der Verfilmung ist er ein wenig zu perfekt und edel, aber nie in einem Maße, das einen wirklich stört.

Auf der anderen Seite zeichnet der Film die Figur Piggy vollkommen richtig. Piggy hat im Großen und Ganzen Recht, er ist eine traurige Figur, die schon lange vor diesem Flugzeugabsturz ein trauriges, einsames Leben führte und unser Mitgefühl verdient. Aber gleichzeitig ist er auch ein Besserwisser, ein Nörgler und ein kleines Arschloch. Dadurch, dass Piggy so unvollkommen ist, wird er umso glaubwürdiger.

Da dieser Stoff so offensichtlich auf eine Botschaft hin konstruiert ist, funktioniert ein Film am besten, wenn er sich auf die Elemente der Geschichte konzentriert und die Symbolik auf sich beruhen lässt. Hooks Version tut beides nicht. Die Symbolik steht ganz vorne und ist unübersehbar, und der Teil der Geschichte - die Ereignisse, die theoretisch dazu führen sollten, dass sich einem der Hals zuschnürt und der Puls schneller wird - ist ziemlich lahm. Wenn man einmal verstanden hat, was passieren wird (und selbst der Zuschauer, der das Buch nicht kennt, wird nicht lange brauchen), gibt es nur wenige Überraschungen. Es passiert einfach. Nun ja, nichts widerspricht eben dem klassischen, spießigen Britentum mehr als die Amerikanisierung und Modernisierung. Aber fast jede einzelne Änderung, die diese Version von "Herr der Fliegen" vornimmt, erscheint hier immerhin als die richtige Entscheidung. Die zweite Verfilmung des Golding-Klassikers, der trotz solider Besetzung hinter der ersten Umsetzung zurückbleibt und durch die Entscheidung den Jungen einen einheitlichen Hintergrund zu geben, viel Erzählpotential verschenkt, ist trotzdem eine gute Umsetzung des Stoffes geworden, die man durchaus einmal gesehen haben sollte.

6,5/10

Von CAPELIGHT PICTURES erschien der Film hierzulande in einem tollen Mediabook:


Quellen

Inhaltsangabe: Capelight

Freitag, 5. Mai 2023

City Hall (1996)

https://www.imdb.com/title/tt0115907/

Bei einer Schießerei werden neben einem Polizisten und einem Drogendealer auch ein sechsjähriger Junge getötet, was Empörung in ganz New York auslöst. Der Bürgermeister John Pappas (Al Pacino) und sein Assistent Kevin Calhoun (John Cusack) versuchen, das Image der Stadtverwaltung zu säubern. Doch der junge Calhoun stößt bei seinen Ermittlungen auf ein Netz an Korruption, in das auch der Bürgermeister selbst verwickelt zu sein scheint. Schließlich begibt er sich selbst in Lebensgefahr, denn bei der Bewährungsentscheidung des Drogendealers, der auch Mitglied der Mafia war, ist es nicht mit rechten Dingen zugegangen. Calhoun wird bei seinen Ermittlungen einigen hochrangigen Menschen in New York gefährlich. Diese wollen nicht ungerührt zusehen, bis der Assistent des Bürgermeisters alles aufgedeckt hat, und setzen alles daran Calhoun zu stoppen. 

Tolle New-York-Locations, ein gewohnt starker Goldsmith-Score und eine bis in die kleinste Nebenrolle eine namhafte Superbesetzung. Trotzdem krankt "City Hall" an der Umsetzung und macht ihn unterm Strich zu einem nicht besonders fesselnden Politthriller über Korruption und Machtmissbrauch, der das Vertrauen in die Politik nicht unbedingt zu stärken vermag. Anfangs noch spannend, gewinnt der Film - insbesondere ohne Pacino - keinen richtigen Schwung. 

Auch unlogische Begebenheiten und Stirnrunzeln stellt sich in ein paar Szenen ein. Besonders schwach ist hier vergleichsweise der Monolog Pacinos, bei der Beerdigung des zu Tode gekommenen Jungen, der einfach zu geschwollen herüber kommt und auch die anwesenden Kirchenbesucher zu schnell auf seine Seite zieht. Der einst ungeliebte Bürgermeister braucht also keine 3 Minuten um die Ablehnung der Bürger in Bewunderung zu verwandeln? Neine, das ist schlechtes Writing und völlig unplausibel. Dass hier drei Top-Autoren, unter anderem Paul Schrader, am Werk waren, mag man so gar nicht glauben.

Der Höhepunkt des Films stellt die Aussprache zwischen Cusack und Pacino dar, bei der Pacino brilliert, aber das kann den Film nicht retten. Wobei das zu viel negativ-Vibes inne hat, denn schlecht ist der Film "City Hall" nun wirklich nicht, er ist eben nur nicht wirklich spannend oder gar beeindruckend.

6/10

Quellen
Inhaltsangabe: Warner Bros.

Donnerstag, 4. Mai 2023

Arthur, Malédiction - Arthur Malediction (2022)

https://www.imdb.com/title/tt19783626/

Alex (Mathieu Berger) ist seit seiner Kindheit ein Fan der Filme "Arthur und die Minimoys". An seinem achtzehnten Geburtstag überraschen ihn seine besten Freunde (u.a. Thalia Besson, Yann Mendy und Marceau Ebersolt) mit einer Reise zu dem verlassenen Haus, in dem der Film gedreht wurde. Keiner von ihnen ahnt zu diesem Zeitpunkt, dass sie auf eine machiavellistische und tödliche Falle zusteuern. Und was einst ein Kindheitstraum war, verwandelt sich bald in einen wahren Albtraum... 

Der Trailer zu "Arthur Malediction" versprach gutes Horrokino zu liefern, was er aber letztlich nicht einhalten konnte. Dabei waren alle Zutaten für einen irren Horroflick vorhanden. Doch es ist schon jammerschade, dass sich die Story dermaßen viel Zeit lässt, bis sie in die Vollen geht. Der richtige Zeitpunkt wird hier derbe verpasst, um einen Gang höher zu schalten. Letztlich ist dies umso bedauerlicher, da hier verdammt gute Vorarbeit geleistet wird, als man einen sympathischen Freundeskreis vorgestellt bekommt, der sich schon seit Kindheitstagen für "Arthur und die Minimoys" begeistert. Mit dem entdeckten Drehort und der Geburtstagsüberraschung, der Fahrt daorthin  -alles völlig okay und gut etabliert. Das Haus liegt auch noch schön weitab vom Schuss und in einem Vorort machen sie mit seltsamen Jugendbanden Bekanntschaft, während sie es auf dem Lande gar mit einem verrückten, bewaffneten Einheimischen zu tun bekommen, der die jungen Abenteurer eindringlich warnt und sie auffordert, wieder umzukehren. 

Selbstverständlich hören die Grünschnäbel nicht auf den vermeintlichen armen Irren und kundschaften das leerstehende und heruntergekommene Gelände aus, was ihnen gewaltige Freude bereitet. Die Stimmung ist entspannt und das Wetter heiter, sodass man sich gar nicht wie im Horrorgenre ansässig fühlt. Das ist natürlich beabsichtigt und auch nicht abwertend gemeint. Im Gegenteil: "Arthur Malediction" weiß in dieser Hinsicht besonders gut zu gefallen, und ist eben nicht die x-te düstere, unheilschwangere und bedrohliche Horrorproduktion, die man im Vorfeld vielleicht erwarten würde. Nichtsdestotrotz werden im Verlauf beunruhigende Omen untergebracht, aber wie Eingangs erwähnt, muss man Geduld mitbringen, bis etwas Handfestes daraus wird. Als es endlich ans Eingemachte geht, ist es eine ziemliche Überraschung. Einzelne könnten davon verwirrt sein, was gerade vor sich geht. Doch keine Sorge: wenn man den kleinen Terrorakt nicht sofort durchschaut, also wer auf der Leitung steht, kriegt die Erklärung kurze Zeit später von einem Polizeibeamten auf dem Silbertablett serviert. Da nämlich auf Zeit gespielt wurde, ist die Gewalteskapade auch ganz schnell wieder vorbei. Die kindliche Naivität ist nun passé, da man nun den Ernst des Lebens am eigenen Leib erfahren hat. Der Soundtrack stimmt, die wenigen Bluteffekte sehen gut aus, optisch passt auch alles. Eigentlich passt also alles und gerade deswegen ist es so ärgerlich, dass man den Karren am Ende so vor die Wand gefahren hat.

3,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Capelight

Mittwoch, 3. Mai 2023

Guardians Of The Galaxy Vol. 3 - Guardians Of The Galaxy 3 (2023)

https://www.imdb.com/title/tt6791350/

Thanos (Josh Brolin) wie auch Quills Vater Ego (Kurt Russel) sind zwar Geschichte, aber dennoch sind die hinterlassenen Schäden sowohl im Universum als auch bei den Guardians nach wie vor spürbar. Um den gigantischen Schaden, den Thanos angerichtet hat, zu reparieren, wird ein neuer Zufluchtsort geschaffen. Nachdem sie dem Collector Knowhere abgekauft haben, soll dies fortan als eine Stätte des Friedens gelten. Von der rachsüchtigen Hohepriesterin Ayesha (Elizabeth Debicki), ihrer Kreation Adam Warlock (Will Poulter), aber auch dem mächtigen High Evolutionary (Chukwudi Iwuji), ahnen die Guardians zu dem Zeitpunkt allerdings noch nichts. Als der Frieden eines Tages gestört wird, müssen sie erst einmal herausfinden, wer Freund und wer Feind ist. Erneut haben Star-Lord (Chris Pratt), Gamora (Zoe Saldana), Groot (Vin Diesel) und Co. alle Hände voll zu tun, um den Frieden aufrechtzuerhalten. 

Der zweite Teil der Reihe, "Guardians Of The Galaxy Vol. 2" war noch nicht einmal im Kino angelaufen, da erklärte James Gunn, der Regisseur der beiden Vorgänger, dass es bereits Pläne für einen dritten "Guardians Of The Galaxy"-Film gäbe. Noch im April 2017 gab Gunn außerdem bekannt, dass er zurückkehren würde, um bei "Guardians Of The Galaxy Vol. 3" Regie zu führen und das Drehbuch zu schreiben. Zudem sagte er, dass der dritte Teil die Geschichte der "Guardians Of The Galaxy" abschließen und sich die drei Filme wie eine in sich abgeschlossene Trilogie anfühlen würden. Ein Jahr später bestätigte Chris Pratt, dass er wieder die Figur des Peter Quill/Star-Lord verkörpern würde und auch Dave Bautista sagte, dass er seine Rolle als Drax, der Zerstörer wiederaufnehmen würde. Im Juni 2018 erklärte Kevin Feige, dass James Gunn den ersten Entwurf des Drehbuchs fertiggestellt habe und die Dreharbeiten für den Film Anfang 2019 beginnen würden. Doch dann passierte etwas, womit niemand gerechnet hatte: einen Monat später feuerte die Walt Disney Company Gunn, nachdem zehn Jahre alte Tweets von ihm, die Pädophilie und Vergewaltigung thematisierten, wieder aufgetaucht waren. Als Reaktion darauf veröffentlichten viele der Guardians-Darsteller, darunter Chris Pratt, Zoe Saldana, Dave Bautista, Bradley Cooper, Karen Gillan und Vin Diesel eine Stellungnahme zur Unterstützung Gunns. Die Produktion des Filmes wurde aufgrund von Gunns Entlassung daher vorerst auf Eis gelegt und die Fans bangten im den dritten Teil dieser großartigen Reihe.

Im März 2019 schließlich stellte Disney Gunn als Regisseur des Films wieder ein und im Juli 2019 bestätigte Kevin Feige auf der San Diego Comic-Con International, dass sich viele Projekte, darunter auch "Guardians Of The Galaxy Vol. 3", in der Entwicklung befanden. Im November 2019 gab es einen weiteren Rückschlag für das Projekt: die Produktion des Filmes verzögerte sich wegen der Corona-Pandemie. Ein Jahr später meldete der Hollywood Reporter, dass es geplant sei, die Dreharbeiten des Filmes Ende 2021 zu beginnen. Der fertige Film sollte dann 2023 veröffentlicht werden, da Gunn vor "Guardians Of The Galaxy Vol. 3" das "Guardians Of The Galaxy Holiday Special" schreiben und dabei auch Regie führen wolle. Im November 2021 gab Gunn endlich bekannt, dass der Film mit der Produktion begonnen habe. Ein wilder Ritt für "nur einen weiteren MARVEL-Film", so denken sicherlich viele. Doch die Fans (und auch ich) fieberten dem voraussichtlich letztem Abenteuer entgegen und nun ist er endlich in den Kinos angekommen, so come on and let's see "Guardians Of The Galaxy Vol. 3"!

"Guardians Of The Galaxy Vol. 3" bietet etwas Seltenes im Marvel Cinematic Universe (MCU): einen wirklich zufriedenstellenden Abschluss einer Trilogie. Während die "Guardians Of The Galaxy"-Reihe wahrscheinlich / hoffentlich in irgendeiner anderen Form fortgesetzt wird, schließt Autor und Regisseur James Gunn die Geschichte dieses Teams mit demselben Humor und Herz ab, wie man es aus den beiden Vorgängern kennt, fügt aber dieses Mal unerwartet traurige Elemente in Form von Rockets wirklich verstörender Herkunftsgeschichte hinzu. Aber gerade das macht diese liebenswerte Fortsetzung zu einem sehr emotionalen Comic-Film - was auch die Trailer bereits andeuteten.

Seit der Veröffentlichung von "Guardians Of The Galaxy, Vol. 2" im Jahr 2017 ist bei den Guardians viel passiert: Die ursprüngliche Gamora (Zoe Saldana) ist gestorben, eine frühere Version von Gamora hat überlebt, und Peter Quill (Chris Pratt) und Mantis (Pom Klementieff) haben erfahren, dass sie Geschwister sind. Doch Gunn verwandelt dieses verworrene Knäuel von MCU-Überlieferungsfäden geschickt in eine lustige Geschichte. Der Film hat all die albernen Dialoge und Gags, die man erwarten würde, aber er hat auch einen dramatischeren Ton, was eine willkommene Abwechslung ist, nachdem die Charaktere im zweiten Film ständig über ihre eigenen Witze gelacht haben. Es stellt sich heraus, dass es einen guten Grund gab, warum Rocket nie viel über seine Vergangenheit erzählt hat. Er wurde von einem machtbesessenen und größenwahnsinnigen Super-Wissenschaftler namens High Evolutionary (Chukwudi Iwuji) erschaffen und auf grausame Weise missbraucht. In einer Reihe von erschütternden Rückblenden lernt der Zuschauer Rocket so ganz neu kennen, und der stets hervorragende Bradley Cooper schält mit einer zärtlichen Darbietung die Schichten dieses ruppigen Waschbären eine nach der anderen ab. Die Methode, die verwendet wird, um die Rückblenden zu zeigen, ist zwar nicht die originellste und sie nimmt Rocket viel zu lange aus der Handlung heraus, dennoch kann man nicht genug betonen, dass der kybernetisch verbesserte Waschbär der emotionale Dreh- und Angelpunkt dieses Films ist - und das funktioniert wunderbar. Diesmal ist also die Gefahr keine amorphe Bedrohung für das Leben in der ganzen Galaxie, sondern eine persönliche Krise (un auch Rache). Auf Anweisung des High Evolutionary greift Adam Warlock (Will Poulter) die Guardians an und bringt Rocket (Bradley Cooper) in Gefahr. Daraufhin begeben sich die Wächter auf eine epische Suche, um das Leben ihres Freundes zu retten.

Der High Evolutionary wird von Chukwudi Iwuji mit einer wahnsinnigen Intensität gespielt, der seine perverse Philosophie der Perfektion mit eiskalter Brutalität vorträgt. Es ist leicht, ihn zu hassen, denn er ist im Grunde die personifizierte Tierquälerei. Während seine Motivation und Weltanschauung sicherlich etwas Neues für das MCU sind, ähnelt er mit seiner lila Hightech-Rüstung und seinen blauen Energiekräften ein wenig zu sehr Kang dem Eroberer, dem anderen machtbesessenen Bösewicht, den man gerade erst in "Ant-Man And The Wasp: Quantumania" gesehen hat. Der High Evolutionary ist in den Rückblenden ein besonders effektiver Bösewicht, weil man auch etwas über seine fehlgeleitete Suche nach Perfektion erfährt und sieht, wie er Rocket verrückten wissenschaftlichen Experimenten unterzieht, aber in der Gegenwart wirkt er weit weniger bedrohlich, vor allem weil die Mission, wenn man das so nennen mag, nie ein wirklich gefährliches Niveau erreicht. Iwujis High Evolutionary ist nicht Marvels auffälligster Bösewicht, aber er ist ein großartiger Gegner für die Guardians, eine Gruppe unvollkommener, geschädigter Wesen, die von ihrem eigenen Kummer und Schmerz getrieben werden, um andere vor diesem zu bewahren. Was könnte besser zu ihrer Weltanschauung passen als jemand, der von der Perfektion aller Dinge besessen ist? Die Stärke dieser Gruppe lag schon immer in ihren Schwächen, in ihren Fehlern und emotionalen Narben, die dazu führten, dass sie sich aufeinander verlassen mussten, um den Tag zu überstehen, geschweige denn die Galaxie zu beschützen. Dieser Film erlaubt es den Guardians, sich ihren Ängsten zu stellen und den Status quo aufzugeben, auch wenn das letztlich bedeutet, dass sie sich schmerzlich voneinander verabschieden müssen.

Nachdem Gunn festgestellt hat, dass seine Helden aus einem bestimmten Grund in dieser Ersatzfamilie sind, wirft er dennoch einen intelligenten Blick darauf, was passieren könnte, wenn sie es wagen würden, darüber hinauszuschauen und sich tatsächlich mit ihrem Trauma auseinanderzusetzen, anstatt sich davor zu verstecken, indem sie sich gegenseitig akzeptieren. So wird man auch Zeuge von Gamoras Wut, als sie darum kämpft, die Person, die sie ist, mit der Fremden, an die sich alle anderen zu erinnern scheinen, in Einklang zu bringen, und sieht, wie Star-Lord versucht, sich ein Leben ohne sie vorzustellen, und dabei meistens scheitert. Wenn Nebula (Karen Gillan), Mantis, Groot und Dave Bautistas großartiger Drax noch genauso sind wie früher, dann nur, weil sie von Anfang an perfekt geformt waren. Aber all ihre Versuche, sich weiterzuentwickeln, resultieren in einer dramatisch befriedigenden und bemerkenswert erwachsenen Herangehensweise an eine Comicverfilmung, vor allem mit den beeindruckenden Bildern dieses Films (eine riesige organische Raumstation, Fledermausmenschen und ein Ravager, der mit Emojis kommuniziert) und grellen Farben.

Ein wichtiger Aspekt, in dem sich Guardians 3 von "Ant-Man And The Wasp: Quantumania" abhebt, sind die visuellen Effekte, die lebendig und spektakulär sind, von der fleischigen und schleimigen organischen Raumstation bis zu den schrecklichen Cyborg-Tier-Schurken. Alles fühlt sich eklig und real an, vor allem während des atemberaubenden Flurkampfes, der in einer einzigen Einstellung stattfindet. Auf der anderen Seite ist die Darstellung des jungen Rocket und seiner tierischen Freunde erstklassig - eine perfekte Mischung aus Zeichentrick und Realismus, mit mehr großen traurigen Augen, als man eigentlich ertragen kann. Der Rest der Guardians zeigt eine starke Leistung, und Szenen, in denen die gesamte Gruppe gegeneinander antritt, sind das Beste, was der dritte Teil zu bieten hat. Karen Gillans Nebula ist das Aushängeschild der Gruppe, da sie eine prominentere Rolle einnimmt und über einen neuen Roboterarm verfügt, der alle möglichen coolen Dinge tun kann. Aber natürlich gibt es auch ein paar Kritikpunkte. Drax und Mantis bekommen jeweils ihren großen Auftritt, aber ihre vergessliche Idiotie ist schon lange nicht mehr zum Lachen geeignet. Groot ist wie immer da, um seine drei Lieblingswörter zu sagen und - wenn es darauf ankommt - zu kämpfen (und mit seinem beeindruckenden neuen Körperbau tut er genau das), doch wenn man bedenkt, dass dies ein Film über Rockets Vergangenheit ist, ist es auch etwas enttäuschend, dass man nichts über die Anfänge ihrer Freundschaft erfahren haben.

Und dann ist da noch Adam Warlock, der bei weitem die größte Überraschung ist, da er eine schockierend kleine Rolle spielt. So wie er am Ende des letzten "Guardians Of The Galaxy"-Films angeteasert wurde, könnte man meinen, er wäre der große Böse, aber der High Evolutionär ist der zentrale Antagonist und Warlock nur so ziemlich sein Lakai. Das ist schade, denn in den Comics ist Warlock ein weises und mächtiges kosmisches Wesen, das eine Schlüsselrolle in der Saga um die Infinity-Steine spielte, aber da diese Geschichte im MCU bereits abgeschlossen ist, scheint es, als gäbe es für Warlock nicht mehr viel zu tun. Leider hat man das Gefühl, dass er in diesem Film nur aus Pflichtgefühl dabei ist, und es ist irgendwie auch traurig zu sagen, dass Volume 3 nicht viel anders gewesen wäre, wenn man ihn rausgeschnitten hätte. Außerdem sieht man hier eine große Abweichung von den Comics, dass dieser Warlock quasi ein Kind im Körper von Superman ist, sozusagen Marvels Version von "Shazam". Und obwohl Will Poulter diese Idee absolut trifft und für einige Lacher sorgt, ist es schwer, nicht enttäuscht zu sein, dass man einen einzigartigen kosmischen Charakter verloren hat und im Gegenzug einen weiteren Weltraumidioten bekommt.

Der Film ist nicht perfekt. In der Mitte des Films kommt es zu einer gewissen Trägheit, was auf die vielen neuen Charaktere und die lobenswerte Entschlossenheit zurückzuführen ist, jedem Mitglied des Ensembles etwas zu geben, das seiner beträchtlichen Talente würdig ist, sowie auf einige Kampfszenen, die so schnell geschnitten sind, dass sie kaum mehr als bunter Overkill sind. Und dann ist da noch das allzu übliche Superhelden-Ding, bei dem monumental schreckliche Dinge passieren, nur um für einen weiteren Witz, eine weitere Prügelei beiseite geschoben zu werden. Aber die Liebe, die Gunn für diese Figuren hegt, ist überwältigend, und das trägt ihn durch die raueren und langsameren Stellen. Er gleicht seinen Hang zu gelegentlichem Sarkasmus erfolgreich aus, indem er diese Liebe in jeder Einstellung durchscheinen lässt, mit oft herzzerreißender Wirkung.

Letztlich lässt sich aber wohl konstatieren, dass 2014 wohl niemand ernsthaft erwartet hatte, dass sich ein  Film über einen sprechenden Baum und einen Waschbären zu einem  Highlight des Marvel Cinematic Universe mausern würde, aber der erste "Guardians Of The Galaxy"-Film hat es bewiesen. Nach einem schwächeren zweiten Teil und einem lustigen Weihnachtsspecial schließt Regisseur James Gunn seine vierteilige Trilogie mit einem Triumph ab: einer großen, rauflustigen Mischung aus Humor und Terror, die ein Herz so groß wie Drax hat. Das Ergebnis ist vielleicht etwas zu chaotisch und ausufernd, um mit dem Tempo des ersten Films mithalten zu können, aber es ist vollgepackt mit großartigen Momenten und weitaus emotionaler ansprechend.

Mit einer großen Hauptbesetzung und vielen Nebendarstellern sowie einem immer stärker werdenden Gefühl der Gefahr neigt die Handlung dazu, in jedem Moment zu viel zu tun, aber der Kern, der sich um Rockets Trauma dreht, ist grundsolide und dient als emotionaler Anker, der die Handlung auf Kurs hält. Letztendlich bringt "Guardians Of The Galaxy Vol. 3" die Geschichte, die 2014 begann, zu Ende und liefert wohlverdiente Antworten und einen Abschluss für diese Familie von Außenseitern. Gunns Erzählweise hat eine Raffinesse, die für die "Guardians Of The Galaxy"-Filme einzigartig ist und in der sich Humor, Herz und Gesang miteinander verbinden. Das ist im gesamten Film zu sehen und es ist eine Freude, ihn ein letztes Mal zu genießen, bevor er sich einen roten Umhang umlegt und zu den DC Studios fliegt.

8,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Marvel/Disney
Poster/Artwork: Marvel/Disney
Textauszüge: Wikipedia

Dienstag, 2. Mai 2023

Mad City (1997)

https://www.imdb.com/title/tt0119592/

Museumswächter Sam (John Travolta) ist entlassen worden und will seine Chefin mit vorgehaltener Waffe zwingen, ihn wiedereinzustellen. Die Situation eskaliert und Sam nimmt die verbleibenden Besucher - eine Schulklasse und ihre Lehrerin - als Geiseln. Außerdem ist zufällig auch noch der abgetakelte Fernsehreporter Max Brackett (Dustin Hoffman) vor Ort, der die Situation nutzen will, um seine Karriere wiederzubeleben. Er wird das Verbindungsglied zu einem beispiellosen Medienzirkus, der um die Situation herum entsteht...

Wenngleich sich die erste Filmhälfte um die unfreiwillige Geiselnahme verhältnismäßig erfolgsversprechend aufbaut, dreht sich der Plot im weiteren Verlauf einmal zu oft um die eigene Achse, sodass sich die Laufzeit unnötigerweise auf fast zwei Stunden ausdehnt. Die Story selbst baut zwar auf einem interessanten Ansatz auf, jedoch ist die Ausführung sehr chaotisch. Die Medien werden so hingestellt, als würden sie alles mögliche machen, sogar die Geiseln gefährden, um eine gute Story zu bekommen. In zwei drei Momenten hätte Hoffman dem Geiselnehmer die Waffe wegnehmen können als Travolta sie abgelegte und unachtsam war, aber er lies es wegen der Story bleiben. Das erscheint einem unlogisch. Doch eines muss man "Mad City" trotz all der Kopfschmerzen zugute halten: Travolta und Hoffman tragen diesen Film komplett, er ist optisch ansprechend und sogar interessant. Und er ist ebenso durch die Bank weg spannend und unterhaltsam. Das ist okay und für "Zwischendurch" gut zu empfehlen.

5,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Warner Bros.

Чернобыль - Chernobyl - Chernobyl: Abyss - Chernobyl: Under Fire - Tschernobyl 1986 (2021)

https://www.imdb.com/title/tt10648714/

Als das Kernkraftwerk von Tschernobyl explodiert, muss gleichzeitig sichergestellt werden, dass das Wasser unter dem Reaktor ausgespült wird. Alexey (Danila Walerjewitsch Koslowski) wird mit diesem Auftrag betraut und bekommt dafür Unterstützung vom Ingenieur Valera (Philipp Avdeev) und dem Militärtaucher Boris (Nikolay Kozak). Das Trio hat keine Zeit, einen durchkalkulierten Plan zu entwickeln und aufgrund der Annäherung des Schmelzkerns wird das Wasser in dem Reservoir unter dem Reaktor von Stunde zu Stunde immer heißer. Dennoch begibt sich die Gruppe auf die tödliche Mission, in das Inferno hinabzusteigen, um den vielleicht schrecklichsten Ausgang der Katastrophe zu verhindern. 

Logisch, wie schon die Serie "Chernobyl" dreht sich in dem gleichnamigen russischen Film alles um die Nuklearkatastrophe von 1986. Doch der Film von Regisseur Danila Kozlovskiy hält sich zu Beginn ewig mit der storyumspannenden Romanze zwischen einem der Feuerwehmänner und seiner Ex, die er unbedingt zurück haben möchte. Mit einem mühsamen Tempo, einer glanzlosen Romanze und einigen mäßigen Actioneinlagen nutzt "Tschernobyl 1986" die Tschernobyl-Katastrophe im Wesentlichen als Kulisse für seine Romanze. Die Ironie dabei ist, dass dies einer der schlimmsten Teile des Films ist.

In den ersten 30 Minuten lernen wir einen Feuerwehrmann namens Alexey kennen und erleben seine rasante Romanze mit Olga. Romanze im weitesten Sinne, denn der Film zeigt auf unangenehme Weise, wie giftig die Beziehung der beiden ist. Alexey ist dafür bekannt, dass er abhaut, wenn es schwierig wird, er taucht betrunken auf und zwingt sich ihr sogar einmal auf. Und das ist der Protagonist unserer Geschichte. Aber keine Sorge, er verwandelt sich bald in einen aufstrebenden Actionhelden, der alles kann. Zwei Monate später tritt Olga in den Hintergrund und Alexey erhält den Löwenanteil der Filmzeit. Er tut sich mit seinen Feuerwehrkameraden zusammen, als in Tschernobyl eine Katastrophe ausbricht.  Der Reaktor explodiert und Alexey schließt sich seinen Kameraden an der Front an. Alexey überlebt mit leichten Strahlungsverbrennungen und meldet sich schließlich freiwillig als einer der tapferen Liquidatoren, die versuchen sollen, die Katastrophe aufzuhalten.

Leider ist das Tempo des Films ziemlich dürftig, und viele Szenen ziehen sich viel zu lange hin. Leider bedeutet dies, dass es über weite Strecken des Films kaum etwas gibt, was das drohende Unheil oder die Spannung erhöht. Zu oft opfert "Tschernobyl 1986" seine Handlung für eine schlechte Charakterzeichnung, was dem Film sehr schadet. Abgesehen von Alexey und Olga bekommen alle anderen Nebenfiguren nur sehr wenig, um damit zu arbeiten. Das Problem ist, dass diese Romanze nicht gerade liebenswert oder gut geschrieben ist. Die Chemie zwischen den beiden Schauspielern stimmt kaum und ihre toxische Beziehung dreht sich hauptsächlich darum, dass Alexey versucht, vergangene Fehler wiedergutzumachen, Olga um Verzeihung zu bitten und sie dann wieder im Stich zu lassen. Dieser Kreislauf zieht sich fast durch den gesamten Film.

Der andere Streitpunkt ist die Katastrophe selbst. In der Serie von 2019 wurden die Momente nach der Katastrophe fantastisch aufgeschlüsselt. Die anschließenden Ermittlungen waren genauso eindringlich wie die Momente davor, als die russischen Behörden für ihre Handlungen zur Rechenschaft gezogen wurden. Der russische Film umschifft jedoch sehr ungeschickt die Schuldfrage. Der einzige bedeutsame Moment kommt in einer späten Szene, in der Alexey die Frage stellt, wer die Schuld an dem Unglück trägt. Statt einer wirklichen Antwort schiebt sein Kamerad die Frage beiseite und die beiden machen mit ihrer Aufgabe weiter. Das ist nicht gerade ein schöner Anblick, vor allem, wenn man bedenkt, dass so viele der Beamten hier in einem positiven Licht dargestellt werden. Ästhetisch sieht der Film gut aus, und die Szenen - vor allem wenn die Feuerwehrleute im Atomkraftwerk sind - sind wirklich gut gefilmt. Ein großes Lob an die Kameraführung, die mit Abstand der beste Teil des Films ist. Das trägt dazu bei, diese frühen Momente der Katastrophe aufzuwerten, die zu den besten der gesamten Laufzeit gehören. Ironischerweise ist der beste Teil des Films das Archivmaterial, das am Ende im Epilog gezeigt wird und die tapferen Männer und Frauen von damals zeigt.

"Tschernobyl 1986" ist ein Film über eine nukleare Katastrophe, der die Investition von 2 Stunden Zeit sicherlich nicht wert ist. Die Romanze ist bestenfalls lauwarm, während das mühsame Tempo dafür sorgt, dass sich die Katastrophe eher wie ein Schlummertrunk anfühlt, als ein echter Schreckensmoment der Geschichte. Es fällt schwer, diesen Film nicht mit HBOs "Chernobyl" zu vergleichen, aber wenn überhaupt, dann unterstreicht dieser Film nur, wie weit der kleine Bildschirm im Moment in Sachen Storytelling voraus ist. Man sollte sich also selbst einen Gefallen tun und lieber das Meisterwerk von HBO ansehen.

5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Capelight

Montag, 1. Mai 2023

Pete's Dragon - Elliot, der Drache (2016)

https://www.imdb.com/title/tt2788732/

Ein wilder Drache, der in den Wäldern des Pazifischen Nordwesten lebt, ist der Star aus den Geschichten, die der alte Holzschnitzer Mr. Meacham (Robert Redford) den Kindern des Ortes erzählt. Mr. Meachams Tochter Grace (Bryce Dallas Howard), eine Försterin, glaubt die Geschichten natürlich nicht, bis sie eines Tages den Waisenjungen Pete (Oakes Fegley) kennenlernt. Der mysteriöse 10-Jährige behauptet, im Wald zu leben - mit einem riesigen grünen Drachen als Kumpel! Petes Beschreibungen stimmen mit denen aus Mr. Meachams Erzählungen überein. Also macht sich Grace auf, mehr über den Jungen im Wald herauszufinden. Begleitet wird sie von der 11-jährigen Natalie (Oona Laurence), deren Vater Jack (Wes Bentley) die örtliche Sägemühle besitzt. Gemeinsam entdecken sie, welches Geheimnis Pete versteckt, tief im Dickicht hinter Bergen und Bäumen...

"Elliot, der Drache" ist die Art von sanften Familienabenteuer, die in der heutigen Überwältigung-Maschinerie droht, auszusterben. Mit dem putzigen 70er Jahre Original, das seinen naiven Charme aus seinem anarchisch-pädagogischen Chaos holte, hat dieses Remake allerdings wenig zu tun. Hier geht es um Wundersames mit groß-aufgerissenen Spielberg-Augen, wenn der flauschig-putzige Fuchur-Drachen mit einem Dschungelbuch-Junge im Wald lebt. Doch Regisseur David Lowrey erzählt nicht dieselbe Geschicht aus dem Jahre 1977 noch einmal neu nach, sondern interpretiert sie auch neu und schafft somit eine ganz neue Erfahrung mit bekannten Elementen. Und vor allem der Aufbau der Story passt hervorragend. Der kleine Pete träumt vom großen Abenteuer. Doch eines Tages kommt es zu es zu einem dramatischen Unfall, bei dem Pete seine Eltern verliert und fortan ein Leben im Wald führen muss. Dort trifft er auf wundersame Weise auf einen grünen Drachen, den er Elliot tauft. Eine ganz besondere Freundschaft beginnt. Sechs Jahre später hat sich Pete an das Leben in der Wildnis gewöhnt und vertreibt sich mit seinem besten Freund Elliot die Zeit. Doch eines Tages wird Pete von anderen Menschen entdeckt. Er lernt wieder die menschliche Zivilisation kennen, doch er sehnt sich zurück in den Wald zu seinem Drachen. Doch auch Elliot wurde bereits entdeckt.

Der ganze Film ist absolout harmonisch und hat das Herz am rechten Fleck und sein größtes Problem ist die Handlung, die von der ersten Sekunde an komplett vorhersehbar ist. Man weiß was passieren wird, noch ehe es passiert und wie der Film am Ende ausgehen wird. Trotzdem geht der Film sehr gefühlvoll mit der Thematik um und beinhaltet Szenen, die jeden zumindest ein wenig berühren sollten. Der kleine Oages Fegley spielt für sein Alter richtig gut auf. Seine Rolle als Pete nimmt man ihm voll und ganz ab und darf mit seiner Leistung mehr als zufrieden sein. Karl Urban spielt er ein unangenehmes Arschloch, den man wirklich in keinem einzigen Moment ausstehen kann. Und das passt, er spielt gut und überzeugend, auch Bryce Dallas Howard ist in ihrer Rolle toll zu sehen. Wes Bentley als treuer Ehemann ist gut, auch wenn seine Figure nicht wirklich zum tragen kommt. Elliot selbst ist vollständig CGI und sieht wirklich putzig aus, aber manche Animationen sind noch etwas hölzern. Man merkt einfach in so mancher Szene, dass er nicht "echt" ist. Vielleicht hätte man hier auf einen handgemachten Elliot oer eine Kombination aus beiden setzen sollen. Aber Regisseur David Lowery ist sichtbar begeistert von den moralischen und stilistischen Motiven des 80er Jahre Kinderkinos und möchte das heutige Publikum mit dieser vergangenen Magie begeistern, offenkundig auch nostalgisch verklären. In Kombination mit den Ausrichtungen des Disney-Werte-Kompass werden Phantasien junger Menschen, Vertrauen in die Kernfamilie mit "Bambi"-Trauma und Öko-Botschaft verbunden.

Und ja, zu großen Teilen schafft es der Regisseur tatsächlich filmisch zu verzaubern, weil Aufrichtigkeit und Herz zu spüren ist. So wie das Original, wird auch das Remake in einigen Jahren leider in Vergessenheit geraten. "Elliot, der Drache" ist dennoch ein angenehmer und schöner Film, und sogar empfehlenswert - vor allem, wenn man ihn mit (kleinen) Kindern schauen kann.

7,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Disney